Aktion 451 in Wien. Ein persönlicher Blick auf einen metapolitischen Tag

Ich kam letzten Freitag etwas verspätet am Schottenring an. Kubitscheks Kundgebung vor der Wiener Universitätsrampe hatte bereits begonnen.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Das Bild, das sich bot, hat­te etwas Far­cen­haf­tes, Absur­des. Ein mit­tel­gro­ßes Auf­ge­bot behelm­ter Poli­zis­ten mit Schlag­stö­cken hat­te die Ring­stra­ße gesperrt und rie­gel­te zwei Grup­pen von­ein­an­der ab: Eine “rech­te” Schar vor dem Haupt­ein­gang der Uni und die Anti­fan­ten, auf der Stra­ße davor.

“Geben Sie Gedan­ken­frei­heit” stand auf einem Ban­ner der “Akti­on 451″, dem Anmel­der der rech­ten Kund­ge­bung. “Wenn Rassist_innen zuschla­gen, sor­ge dafür, dass sie es nie wie­der tun” paro­lier­te die Anti­fa (sekun­diert von dem beson­ders wit­zi­gen und pas­sen­den Spruch “Män­ner­bün­de sind sowas von 1815”).

Hier rede­ten offen­bar zwei Grup­pen ziel­ge­ra­de anein­an­der vor­bei. Aber zum “mit­ein­an­der Reden” waren bei­de nicht hier.

Als Kubit­schek sei­ne etwa zehn­mi­nü­ti­ge Rede begann, don­ner­te ein von schril­len Mäd­chen­stim­men domi­nier­ter Chor los: “Halt die Fres­se! Halt die Fres­se!”, gefolgt von “Es gibt kein Recht auf Nazi­pro­pa­gan­da!” und ähn­li­chen Ever­greens aus dem all­seits bekann­ten Repertoire.

Der Red­ner auf der Ram­pe war kaum zu ver­ste­hen, aber sein Auf­tritt war ohne­hin eher sym­bo­li­scher Natur. Der Kon­trast zwi­schen dem Geist des Ban­ners, das “Gedan­ken­frei­heit” for­der­te, und dem Mob, der blind­wü­tig ver­such­te, sie mit pri­mi­tivst­mög­li­chen Mit­teln zu unter­drü­cken, hät­te kaum schär­fer aus­fal­len können.

Die Sze­ne ver­deut­licht gut, daß sich hier kei­ne “kom­ple­men­tä­ren” Geg­ner gegen­über­stan­den, der Anti­fa­schist dem Faschis­ten, der lin­ke “Extre­mist” dem rech­ten “Extre­mis­ten”, der eine das sei­ten­ver­kehr­te Spie­gel­bild des ande­ren, wie es sich man­che Huf­ei­sen­theo­re­ti­ker in der bra­ven soge­nann­ten “Mit­te” so ger­ne zurechtbiegen.

Viel­mehr spiel­te einer ein Spiel, mit dem der ande­re nichts zu tun hat­te, das er aber aus einer iro­ni­schen Distanz her­aus kom­men­tier­te, wäh­rend er nie­der­ge­brüllt, beschimpft und bedroht wur­de. Es ist nicht bloß das Spiel der Anti­fa, son­dern letzt­end­lich des “Sys­tems” selbst, das sich ein­mal mehr mit der Hil­fe sei­ner Waden­bei­ßer vom Dienst demas­kiert hat.

Die Anti­fa bedarf Kubit­scheks und der Rech­ten (und aller, die sie dafür hält) als Pro­jek­ti­ons­flä­che für einen inne­ren Film, der ihre Exis­tenz und “cau­sa sui” legi­ti­miert,  mit der Rea­li­tät aber wenig zu tun hat, sie zum Teil auf den Kopf stellt. Dar­um muß sie auch so ver­bis­sen lügen, die Tat­sa­chen auf den Kopf stel­len, sich selbst als “Opfer” prä­sen­tie­ren, auch wenn sie ein­deu­tig der Aggres­sor ist.

“Blu­ti­ge Sze­nen beim Auf­tritt des Rechts­extre­mis­ten Kubit­schek”, so liest man im links­li­be­ra­len Stan­dard, der für sei­ne Bericht­erstat­tung über “rech­te” Akti­vi­tä­ten mit Vor­lie­be lin­ke, anti­fa-affi­ne Denun­zi­an­ten heranzieht.

Zu die­sen gehört auch das ein­schlä­gig umtrie­bi­ge Fräu­lein Colet­te M. Schmidt, das fol­gen­de Sze­ne kolportiert:

Ein rechts­extre­mer Kampf­sport­ler wirft einen Poli­zei­be­am­ten über die Schul­ter und drischt ihm danach sein Knie ins Gesicht. Er wird schließ­lich von Beam­ten über­wäl­tigt und zu Boden gedrückt. Ein jun­ger Mann zieht dem Kampf­sport­ler eine Fla­sche über das Gesicht, der Kampf­sport­ler beginnt stark zu blu­ten. Ein ande­rer Mann mit einer brau­nen Kap­pe schlägt einer Poli­zis­tin mit der Faust ins Gesicht. Das sind kei­ne Sze­nen aus einem Action­film, son­dern Pas­sa­gen aus einem Video, das die Recher­che-NGO Demo am ver­gan­ge­nen Frei­tag in Wien gedreht hat.

Die­se Schil­de­rung ist rei­ne Erfin­dung, offen­bar mit dem Zweck zu ver­tu­schen, was sich tat­säch­lich ereig­net hat: Als Kubit­schek und sein Sohn die Stra­ße über­quer­ten, wur­den sie von rund einem Dut­zend ver­mumm­ter Anti­fan­ten unpro­vo­ziert phy­sisch atta­ckiert. Die Ange­grif­fe­nen setz­ten sich beherzt und erfolg­reich zur Wehr, bis die Poli­zei ein­traf. Ende der Geschichte.

Fräu­lein Schmidt aber besitzt die Dreis­tig­keit, zu kom­men­tie­ren: “Trotz der recht blu­ti­gen Vor­fäl­le wur­de die Kund­ge­bung danach nicht sofort auf­ge­löst.” Kunst­stück, wenn die­se “Vor­fäl­le” aus­schließ­lich und nach­weis­lich auf das Kon­to der anti­fa­schis­ti­schen Gegen­de­mons­tran­ten gingen. 

Ich wuß­te von alle­dem noch nichts, als ich am Schau­platz ein­traf. Ich begann, ein paar Fotos zu machen, was prompt die Auf­merk­sam­keit eini­ger Anti­fas weckte.

Eine lau­ern­de Gestalt mit “Coro­na-Mas­ke” im Gesicht erspäh­te mich von der ande­ren Stra­ßen­sei­te, und fing an, mir ner­vös nach­zu­schlei­chen und mich wie­der­holt aus der Fer­ne zu fotografieren.

Irgend­wann stan­den wir uns gegen­sei­tig foto­gra­fie­rend wie in einem Wes­tern-Duell gegen­über, wech­sel­ten gleich­zei­tig die Stra­ßen­sei­te, und als wir in der Mit­te der Stra­ße auf glei­cher Höhe waren, rief ich ihm zu, Dau­men hoch: “Mutig!”

Vor der Absper­rung, hin­ter der “unse­re” Grup­pe stand, erkann­te ich einen Bekann­ten, der eben­falls die Zaun­gast­rol­le vor­zog, und begrüß­te ihn mit einem Hand­schlag. Kurz dar­auf bau­te sich eine pum­me­li­ge jun­ge Frau mit kur­zen Stirn­fran­sen (soge­nann­ten “anti­fa bangs”, das Fri­su­ren­äqui­va­lent zu “pro­blem glas­ses”) und rosa Plüsch­ja­cke vor mir auf und foto­gra­fier­te mich, wor­auf ich sie zurück­fo­to­gra­fier­te (ein eher kin­di­sches Ritual).

Ich ging wie­der zur Absper­rung bei der Uni-Ram­pe und war­te­te das Ende der Kund­ge­bung ab. “Mar­tin!”, rief eine männ­li­che Stim­me. Ich dreh­te mich zur Sei­te und sah eine Grup­pe von fünf, sechs Anti­fan­ten, die laut auf­lach­ten, weil ich reagiert und damit mei­ne Iden­ti­tät bestä­tigt hat­te. Sie schie­nen jedoch nicht auf Kra­wall oder Hand­greif­lich­kei­ten aus zu sein.

Der Rädels­füh­rer, ein unap­pe­tit­li­cher Dicker mit schwar­zen Bart­stop­peln, Mono­braue, Bril­le und Müt­ze auf dem Kopf, grins­te mich an, ich grins­te zurück, hob mei­ne Kame­ra: “Soll ich ein Grup­pen­fo­to machen von euch?” Simul­tan bedeck­ten sie ihre Gesich­ter mit der Hand­flä­che. Ich drück­te nicht ab.

Ins­be­son­de­re der Dicke, Typ “Mid­wit” mit Dun­ning-Kru­ger-Syn­drom, neben ihm eine auf­fal­lend schö­ne, groß­ge­wach­se­ne Frau, die pflicht­be­wußt, aber etwas gezwun­gen über sei­ne sar­kas­ti­schen Bemer­kun­gen lach­te, schien gera­de­zu vor Freu­de zu plat­zen, end­lich die Gele­gen­heit zu haben, mir gehö­rig sei­ne Mei­nung zu sagen. Ich ver­stand akus­tisch kaum die Hälf­te von dem, was er sag­te. Etwa so: “Na, du gro­ßer Intel­lek­tu­el­ler? Soooo dünn ist eure Zeitschrift!”

Dabei führ­te er Dau­men und Zei­ge­fin­ger zusam­men, um mir optisch zu demons­trie­ren, wie dünn unse­re Zeit­schrift (er mein­te wohl die Sezes­si­on) in Zen­ti­me­tern ist. Das erschien ihm als der­art bril­lan­tes Argu­ment, daß er die­sen Satz und die­se Ges­te etwa drei­mal wie­der­hol­te, ver­geb­lich nach einer Reak­ti­on mei­ner­seits hei­schend. Er hat­te aber noch mehr auf Lager: “Du soll­test mal lesen, was Wolf­gang Pohrt über euch geschrie­ben hat… das Schlimms­te an euch ist, daß ihr nicht ein­mal zugebt, Faschis­ten zu sein!”

Nach die­ser ein­drucks­vol­len Demons­tra­ti­on geis­ti­ger Über­le­gen­heit tra­ten noch zwei wei­te­re jun­ge Män­ner an mich her­an, die sich bei­de als “Fans” aus­ga­ben. Der ers­te schien authen­tisch zu sein, der zwei­te, ein sich her­an­druck­sen­der schma­ler Blon­der, woll­te offen­bar auf sub­ti­le Wei­se Infor­ma­tio­nen aus mir her­vor­lo­cken: “Ich gehö­re nicht dazu, bin aber Sym­pa­thi­sant! Wis­sen Sie, wo sich die­se Orga­ni­sa­ti­on nach­her trifft?” Nied­li­cher Ver­such, aber jedes ein­zel­ne Wort ver­riet ihn.

Nun zog die klei­ne rech­te Schar ab, und ich bat die Poli­zis­ten, mich ihr anschlie­ßen zu las­sen. “Er gehört zu uns!”, rief Kositza, pack­te mich am Ärmel und zog mich in die Grup­pe hin­ein. Wir wur­den zu einer Stra­ßen­bahn eskor­tiert, von der ich erst viel spä­ter erfuhr, daß sie tat­säch­lich extra zu unse­rem Schutz reser­viert wur­de. Das war völ­lig gerecht­fer­tigt, da von den Gegen­de­mons­tran­ten eine aku­te phy­si­sche Bedro­hung ausging.

Nun geschah etwas völ­lig Bizar­res: Poli­zis­ten und Anti­fan­ten lie­fen in Scha­ren neben dem lang­sa­mer als üblich fah­ren­den Wagen her, die letz­te­ren Haß­pa­ro­len brül­lend, den Mit­tel­fin­ger aus­ge­streckt, die Gesich­ter, die sie doch nach eige­ner Aus­kunft “gegen rechts zei­gen” wol­len, mutig hin­ter “Coro­na-Mas­ken” ver­steckt (inzwi­schen pas­sen­der­wei­se ein Sym­bol für staat­lich ver­ord­ne­ten Konformismus).

 

 

Die sur­rea­le Absur­di­tät die­ser Situa­ti­on hat­te etwas ziem­lich Belus­ti­gen­des, und ent­spre­chend hei­ter war die Stim­mung in unse­rer Grup­pe. Eini­ge Pas­sa­gie­re, die sich in die­sen Son­der­zug ver­irrt hat­ten, der an sämt­li­chen vor­ge­se­he­nen Hal­te­stel­len vor­bei­fuhr, waren frei­lich ziem­lich irritiert.

Eine jun­ge Frau frag­te Kubit­schek, was denn hier los sei. Er erklär­te es ihr höf­lich. In dem Moment, wo ihr klar wur­de, daß “gute” Lin­ke hin­ter uns her waren, wir daher “böse” Rech­te sein muß­ten, wei­te­ten sich ihre Augen vor Schreck und ihr Gesicht ver­sank in ihren Schal. “Ich gehö­re nicht zu denen, ich habe nichts mit ihnen zu tun”, hör­te ich sie mit zit­tern­der Stim­me beteu­ern, als wir ausstiegen.

Die Poli­zei eskor­tier­te uns bis zu unse­rem “safe space”, dem Ver­an­stal­tungs­ort, an dem Kubit­schek jenen Vor­trag über Brad­bu­rys Fah­ren­heit 451 hielt, den er eigent­lich an der Uni­ver­si­tät hät­te hal­ten sol­len. Da ich Vete­ran der Anti-Coro­na-Demons­tra­tio­nen in Wien bin, weck­te die sehr kor­rekt und effi­zi­ent aus­ge­führ­te Poli­zei­es­kor­te in mir etwas “gemisch­te” Gefüh­le. 2021 hat­te ich die Poli­zei über­wie­gend als “Feind” erlebt, offen­bar vom Innen­mi­nis­te­ri­um beauf­tragt, die Demons­tran­ten zu schi­ka­nie­ren, ein­zu­schüch­tern und teil­wei­se sogar zu provozieren.

Es ver­steht sich von selbst, daß die lin­ke Bla­se, den Schutz, den wir vor den Links­extre­mis­ten beka­men, als über­aus skan­da­lös hin­stellt, denn in ihren Augen soll­ten wir am bes­ten über­haupt kei­ne Bür­ger­rech­te genie­ßen und bloß auf­grund unse­rer poli­ti­schen Posi­tio­nie­rung kri­mi­na­li­siert werden.

Ihnen scheint nicht klar zu sein, daß sie es mit einem rechts­staat­li­chen Prin­zip zu tun haben, mit dem auch ihre Demos vor geg­ne­ri­scher Gewalt (die es bezeich­nen­der­wei­se nicht oder kaum gibt) geschützt wer­den müs­sen. Ihr Ide­al wäre ein Poli­zei­staat als Bür­ger­kriegs­par­tei, der ihren Wil­len vollstreckt.

Kubit­schek beton­te zu Beginn sei­nes Vor­trags, daß die Anti­fan­ten, die uns eben bela­gert hat­ten, nicht der eigent­li­che Geg­ner sei­en, son­dern bloß läs­tig. Unser Den­ken, Schrei­ben und Han­deln könn­ten sie nicht beein­flu­ßen. Wer der grö­ße­re, der eigent­li­che “unsicht­ba­re Geg­ner” sei, habe Ray Brad­bu­ry schon vor sieb­zig Jah­ren erahnt; zumin­dest hel­fe sein radi­kal kul­tur­kri­ti­sches Buch dabei, die Umris­se die­ses “Big Other” zu erkennen.

Unmit­tel­bar nach sei­ner Rede muß­te Kubit­schek zum Ter­min im Par­la­ments­klub der FPÖ wei­te­r­ei­len, wo er an einer Podi­ums­dis­kus­si­on über links­extre­mis­ti­sche Gewalt teil­neh­men soll­te. Ich über­nahm die Mode­ra­ti­on des anschlie­ßen­den Publi­kums­ge­sprächs, und eröff­ne­te es mit einer pro­vo­kan­ten Fra­ge: “Wer von euch hat schon ein­mal ein Buch verbrannt?”

Drei Hän­de gin­gen in die Höhe: Eine älte­re Dame hat­te ein­mal zur per­sön­li­chen Genug­tu­ung einen Koran in ihrem Gar­ten ver­brannt, einer aus ähn­li­chen Moti­ven Das Kapi­tal von Karl Marx und ein drit­ter ein ver­haß­tes Schul­buch. Dies alles ver­lief also im Bereich per­sön­li­cher Affekte.

Ich selbst bekann­te mich schul­dig, vor elf Jah­ren einen Sta­pel unschul­di­ger Bücher ver­nich­tet zu haben. Aber ich brach­te eine künst­le­ri­sche Recht­fer­ti­gung dafür auf: Für mei­nen kur­zen Wer­be­film “50x Sezes­si­on” brauch­te ich eine dra­ma­ti­sche Ein­stel­lung, um Feu­er­wehr­mann Mon­tag, Ange­hö­ri­ger der “Divi­si­on Antai­os”, in Sze­ne zu set­zen (Zeit­stem­pel 2:17). Dabei muß­te ich aller­dings die Erfah­rung machen, daß Bücher sehr schlecht bren­nen, wes­halb es nötig war, ein paar Zei­tun­gen und tro­cke­ne Höl­zer nachlegen.

Ich schwö­re, daß ich mit einer Aus­nah­me, die ich geop­fert habe, kei­ne Qua­li­täts­bü­cher ver­brannt habe, son­dern nur Kon­sum­schund, von dem die Buch­hand­lun­gen heu­te über­voll sind. Ich bin zwar ein lei­den­schaft­li­cher Leser, Samm­ler und “book hoar­der”, aber ich respek­tie­re kein Buch ein­fach nur des­we­gen, weil es ein Buch ist.

Ein Buch kann man ohne­hin nicht durch Ver­bren­nen zer­stö­ren: Es ist nicht bedruck­tes Papier, zwi­schen zwei Deckel gepreßt, son­dern ein leben­di­ger Geist, wes­halb man sich auch so etwas wie die “Bücher­men­schen” von Ray Brad­bu­ry vor­stel­len kann.

Der Abend ende­te schließ­lich mit einer aus­ge­las­se­nen Par­ty in einem unter­ir­di­schen Kel­ler mit einer vom “Film­kunst­kol­lek­tiv” erstell­ten Bil­der­schau von den Höhe­punk­ten des Tages.

Kubit­schek wünsch­te “L’hom­me armé” von Came­ra­ta Medio­la­nen­se zu hören; der Wunsch wur­de ihm erfüllt, und die Trom­meln der legen­dä­ren Neo­folk-Band aus Mai­land erfüll­ten den Raum, wäh­rend auf der Lein­wand eine beleib­te Poli­zis­tin in einer Zeit­lu­pen-Dau­er­schlei­fe der bela­ger­ten Stra­ßen­bahn hinterherlief.

 

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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Kommentare (16)

Le Chasseur

22. November 2023 13:53

Hier gibt es ein paar Bewegtbilder: https://www.youtube.com/watch?v=2P9ZWZ6ZmNg

H. M. Richter

22. November 2023 16:20

Straßenbahn. Eine Erinnerung: Juli 1989, es kochte in der DDR, die Toten in Peking waren bereits Geschichte, da gab es einen regionalen Kirchentag in Leipzig. Zehntausende versammelten sich im sogenannten Scheibenholz, einer Pferderennbahnanlage, zum Abschlußgottesdienst. Junge Leute hatten ein Plakat gemacht, lediglich das Wort „Demokratie“ stand in deutscher und chinesischer Sprache darauf. Nach Beendigung des Kirchentages geschah Unglaubliches, ein Demonstrationszug formierte sich und ging mit diesem Plakat in Richtung Innenstadt. Was geschah? Eine Straßenbahn fuhr unvermittelt in den Demonstrationszug hinein, Stasi-Büttel sprangen heraus und entrissen das Plakat …
https://www.kirche-mv.de/nachrichten/2014/juli/vor-25-jahren-fand-der-letzte-evangelische-kirchentag-in-der-ddr-statt
So können Straßenbahnen der Gedankenfreiheit dienen, wie in Wien geschehen, oder diese zu verhindern suchen wie damals in Leipzig … Auf die jeweiligen Befehlshaber kommt es an.
Eine weitere Parallele: Etwa in dieser Zeit wurde eines Morgens das Leipziger Universitätsgelände in der Innenstadt von Polizisten blockiert, Spuren wurden gesichert. Über Nacht war dort, vermutlich von Studenten, ein Plakat aufgehängt worden, auf dem zu lesen war: „Sire, geben Sie Gedankenfreiheit!“ …

Laurenz

22. November 2023 17:43

@Le Chasseur ... Das Video war schon 2 Artikel vorher verlinkt. Das schöne an diesem Video ist, daß der Kanal gar keine so große Reichweite besitzt & in der Kommentarrspalte die Rechte in der Mehrheit ist.
@ML ... Hätte mir gewünscht, daß die FPÖ ein paar Leute mehr zur Veranstaltung vor der Uni geschickt hätte. Die Gegendemo mag zwar laut gewesen sein, aber die Aufnahme auf dem Video ist ok, gut zu verstehen, was viel wichtiger ist. Wer mich verwundert, sind Ihre photographischen Gegenspieler zu Wien. Kenne keine öffentliche Person, (ohne Sie zu beleidigen zu wollen), der so im äußeren Stil Leo Trotzki ähnelt, wie Martin Lichtmesz, vor allem schon gar keinen Linken. Das würde mir, als linker Holzkopf, schon zu denken geben. Oder weiß man in der Wiener Antifantenszene gar nicht, wer Trotzki war? Was ein Elend. (Diese Mailänder Musik-Kapelle ist übrigens echt gut.) War die letzte Zeit wenig auf Demos. Aber, kann es sein, daß der Enthusiasmus roter Straßenschlachtverbände nachläßt? Für die linken Flachbrettbohrer wird der Sprit & die Miete ja auch teurer.

Adler und Drache

22. November 2023 21:51

Seltsam, wie die Zeit vergeht. Damals (ja, damals!) kam ich nicht darüber hinweg, dass es von keinerlei Bedeutung ist, was man sagt, sondern wer etwas sagt und wo dies gesagt wird. 
Ich war immer "offen", in dem Sinn, dass ich ein echtes, aufrichtiges Gespräch wollte. Wie naiv! Und dennoch, dennoch ... Es wäre besser, sich verständigen zu können. Die wenigsten können es - das ist Tragik und zugleich der Weg allen Fleisches (weshalb die "Demokratie" eine Utopie ist). 
Seltsam, wie sich die Fronten seit "damals" verhärtet haben, wie aber andererseits das damals nicht Sagbare mittlerweile von den Spatzen von den Dächern gepfiffen wird. Allerorten wird mir mittlerweile nahegelegt, durch die Blume oder frei heraus, dass ich die AfD wählen soll (von Leuten, die mich nicht kennen). Ich bin hier gar kein Underdog mehr. Seltsam! 
Ich will damit nicht sagen, dass es mir unter Wiener oder Leipziger Verhältnissen besser gefiele, inmitten von Antifanten, Queeragitatoren, Kindsmördern & der ganzen linksgrünen Kultur des Todes; gleichwohl habe ich den Eindruck, eine Art Alleinstellungsmerkmal verloren zu haben.
Mittlerweile bin ich so weit, die Hoffnungen zu dämpfen, die mit der AfD verbunden werden. Was da hineinprojiziert wird, ist schlicht irreal, politisch nicht einlösbar. 
Was für eine Zeit! Wir haben hier keine bleibende Stadt.  
 
 
 
 

monchichi

23. November 2023 04:52

Vor einiger Zeit sah ich den Film "Werk ohne Autor". Ein so bewegender Film. An vielen Stellen gefror mir das Blut in den Adern. Mitnichten möchte ich den Nationalsozialismus zurück. Aber möchte ich, was die Linken heute für Deutschland bestimmen würden, wenn sie könnten? ... Man darf hin- und hergerissen sein. Darf man überhaupt immer wieder auf Dinge wie Würde, das eigene Gesicht und Ernsthaftigkeit hinweisen? War nicht der größte Sadist in diesem Film genau der, der übertrieben ernsthaft war und dadurch ein Monster wurde? Doch es ist so, wenn ich auf meine innere Wahrheit höre, dann ist es genau das. Es schreit nach der zu wahrenden Würde, dem sich zu bewahrenden eigenen Gesicht und der absolut zu wahrenden Ernsthaftigkeit.

Ein Fremder aus Elea

23. November 2023 05:47

Laurenz, Heinz Rudolf Kunze ähnelte Trotzki seinerzeit sehr, das heißt Trotzki in seinen letzten Lebensjahren.

KlausD.

23. November 2023 09:52

@H. M. Richter  22. November 2023 16:20"Erinnerung: Juli 1989 ... Leipzig."
Schön, daß Sie mit Ihrem Vergleich einen otimistischen und damit motivierenden Aspekt in die Sache bringen, denn dieser fehlte mir in den bisherigen Berichten (oder hab ich etwas übersehen?), Denn auf mich wirkten die Beschreibungen doch etwas anders, nämlich als deja-vu zum damaligen Hausprojekt in Halle. Dasselbe Muster, tobende Antifa-Horden, schützendes Polizeiaufgebot, abgeschotteter Raum ... viel hat sich nicht geändert. Oder doch? Zumindest verweisen die Umfragewerte auf ein anwachsendes Umdenken in der Bevölkerung, ein Hoffnungsschimmer!

Dieter Rose

23. November 2023 10:42

@Adler und Drache
""Demokratie" ist heute verkommen zum Suchen und Finden und solange wie möglich Festhalten an Versorgungsposten und zur Erreichung dieses "Ideals" werden alle Grundlagen verbogen und verraten. Ganz einfach gesagt: Spielregeln gelten nicht mehr. Wie kommen wir wieder zum alten "Spiel"?
 

Laurenz

23. November 2023 11:50

@Ein Fremder aus Elea @L. ... Heinz Rudolf Kunze ähnelte Trotzki seinerzeit sehr, das heißt Trotzki in seinen letzten Lebensjahren. ... Richtig, Kunze ist ja auch ein Intellektueller, der nur anders seinen Lebensunterhalt verdient als ML. Da unterscheiden Sich Beide von Trotzki. Trotzki erwies sich zwar als talentierter Herausgeber & Militär, hatte aber im eigentlichen Sinne nie was gearbeitet.
@Monchichi ... Nationalsozialismus ... Aktuell ist niemand in der Lage ein echter Nationalsozialist werden zu können. (In China ist das anders). Denn Nationalsozialisten waren Getriebene & die historischen Deutschen, die ideologisch den Zionisten am nächsten standen. Auf der SiN kann man das einigermaßen sachlich debattieren. Am besten geht das bei Broder unter Chaim-Noll-Artikeln, weil sich Broder & Noll das erlauben können. Außerhalb dieser Oasen existiert keine sachliche Debatte über den Nationalsozialismus. Sie Selbst schieben den Nationalsozialismus mit einem Satz ins Reich des Überbösen. Die Linke kann zwar die Pozilei Rentner, Behinderte & Verfassungsleser prügeln lassen & Dissidenten, wie Ballweg, ein 3/4 Jahr einsperren. Aber das war's auch schon. Die notwendigen Pozilei - & Buntwehr-Kräfte, um total zu herrschen, sind doch längst weggespart worden.

Le Chasseur

23. November 2023 15:34

@Admin
Vielleicht darf ich diesen Artikel als Antwort auf Proswetows Beitrag "Warum es nicht richtig ist, den Begriff “Melonisierung” negativ zu verwenden" verlinken?
https://www.telepolis.de/features/Neo-Faschistin-Meloni-Trotz-radikaler-Rhetorik-auf-US-Nato-und-EU-Linie-9537816.html?seite=all

Nemo Obligatur

23. November 2023 17:37

Interessanter "Front"-Bericht und ein Fest für jeden Leser, sowohl der Sezession als auch von Büchern allgemein. Gleichwohl habe ich den Eindruck, dass das schon Nachhutgefechte sind, dieses Mal mit den Linken als Nachhut. Die Auseinandersetzung hat sich vom Rand in den Mainstream verlagert. Wenn man die Nachrichten des Tages studiert - vom Mord in Frankreich am 16jährigen Thomas über die Wahl in den Niederlanden bis hin zu den jüngsten Wendungen der deutschen Finanzpolitik - dann hat man den Eindruck, dass das gesellschaftliche Klima gerade kippt.
Bitte dort am Wiener Rand nicht mehr das Pulver verschießen! Die Bresche ist geschlagen, jetzt geht es darum, Mehrheiten zu erringen.

Olmo

24. November 2023 09:51

Nicht die feine englische Art, doch er ist ein guter Junge ;)
https://youtu.be/DykX1EH_qiA?si=Rmzx7Q-DaQr6AZBj

RMH

24. November 2023 10:44

"Bitte dort am Wiener Rand nicht mehr das Pulver verschießen! Die Bresche ist geschlagen, jetzt geht es darum, Mehrheiten zu erringen."
@Nemo Obligatur,
ja, die Niederlande sind ein Zeichen (auch wenn Wilders vermutlich im hießigen Kommentariat nicht goutiert wird - kennen wir ja schon von Meloni), in Dublin bricht der Zorn aktuell aus, aber in Deutschland kann man nicht so schnell von Neuwahlen, bei denen Mehrheiten erringbar wären, ausgehen. Die Wahlrechtsreform macht die CSU zum Bremser in der Union bei jeglichen ad-hoc Palastrevolten mit Bezug auf Neuwahlen (kommt evtl. eine GroKo?), da Karlsruhe nicht schnell genug über die Reform entscheiden wird. Daher: Alle Eisen - auch die außerparlamentarischen - sind im Feuer zu halten und dann sehen wir, was bei den EU- und Landtagswahlen im nächsten Jahr passiert.

Artabanus

24. November 2023 12:52

Wie der Zufall es will habe ich auch vor Kurzem vergeblich nach einer Deutschen Übersetzung für das Wort "midwit" gesucht. Im Grunde könnte man unsere Epoche als Epoche der Midwits charakterisieren. Der Midwit ist zum Ideal der BRD-Gesellschaft stilisiert worden. In den ÖRR Talkshows, den Gazetten, Universitäten und Parlamenten, die ganzen hochdekorierten Experten und Professoren: alles nur noch Midwits.

Olmo

24. November 2023 16:06

"in Dublin bricht der Zorn aktuell aus ..."
Ja, die Iren lieben ihr Land, und sie machen auch noch Kinder (eine nach Irland ausgewanderte Freundin hat dort bereits fünfe zur Welt gebracht).
Verwiesen sei noch auf Síol na hÉirean, die haben schicke Jacken.
Und die irischen Kommunisten sind so links wie mein rechter Fuß, schrieb einst Sean O'Faolain.
 

Nemo Obligatur

24. November 2023 22:40

@RMH
Ich weiß nicht, woran das liegt, aber ich kann Ihnen eigentlich fast immer oder sogar immer zustimmen. 
Eines Tages werden wir uns bestimmt kennenlernen. Vielleicht Seit' an Seit' auf der letzten Barrikade ;-)