Wie immer versucht Trump nun, sich vor seiner Basis und seinen leider immer noch reichlich vorhandenen Anbetern als der große souveräne Sieger zu präsentieren. Das ist seine bevorzugte Taktik seit eh und je, erlernt von seinem Mentor Roy Cohn: Niemals einen Fehler eingestehen, sich niemals entschuldigen, einfach dreist Dinge behaupten, dreist lügen und dreist weitermachen, als wäre nichts geschehen. Immer, immer, um jeden Preis “gewinnen”, und wenn man verliert, so zu tun, als hätte man gewonnen.
Trump ist ein narzisstischer Charakter wie aus dem Lehrbuch, einer, der ständig um seine eigene Großartigkeit kreist, und diese notfalls performativ erfindet, durch bombastische Gesten und Worte, mit denen er sich selbst systematisch aufbläst. Was für ihn zählt, ist immer nur die äußere Fassade, der Schein und nicht das Sein.
Er ist ein Paradebeispiel für das, was Kamerad Illner (apropos Maximillian Krah) als “magischen Kunstglauben” bezeichnet:
Ich habe das mal “willensrechts” getauft, weil Wille dabei in Wahrheit umgemünzt werden soll, doch denke mittlerweile, dass der Begriff irreführend ist. Gegen Wille an sich ist nämlich nichts zu sagen, wohl aber gegen dessen Investition in irgendeine Symbolmagie (d.h.: in falschverstandene Kunst), die dann Wahrheit produzieren soll.
Der britische Kommentator Morgoth schreibt:
Trumps unheimliches Talent, durch seine charismatische Ausstrahlung und seine bombastische Art neue Realitätswahrnehmungen zu schaffen, schien oft die Realität selbst zu verschlingen – so, als wäre man im Kino derart von einem Film gebannt, daß man vergißt, mit wem man dort ist oder wo man sitzt.
Auf diese Weise hat Trump seit 2015 eine große Show geliefert und sich zum Mem-König der sozialen Medien gemacht. Angefangen mit seiner berühmten Fahrt auf der goldenen Rolltreppe des Trump Tower, um seine Präsidentschaftskandidatur offiziell zu machen, geriet das vergangene Jahrzehnt zu einer schier endlosen Serie aus ikonischen Szenen und One-Linern: “Because you’d be in jail”, “Make America great again!”, “Drain the swamp!”, “Fake news!”, “Shithole countries”, “We will build a big, beautiful wall!”, “Grab her by the pussy!”, “Covfefe”, “Very fine people on both sides”, “Release the Kraken!”, “Fight! Fight! Fight!”, “They’re eating the dogs, they’re eating the cats” und so weiter und so fort.
2016 war Trump ein revolutionäres Phänomen, das quasi das gesamte rechte Spektrum des Westens elektrisierte und mobilisierte. Mit ihm triumphierte eine polternde politische Unkorrektheit über einen Meinungs- und Sprachkonsens, der spätestens seit der Flüchtlingskrise 2015 brüchig, verlogen und fadenscheinig geworden war.
Endlich schienen jene eine Stimme und Vertretung gefunden zu haben, deren Interessen allzu lange von der “globalen Klasse” mißachtet worden waren. Sein überraschender Sieg über Hillary Clinton erzeugte im links-liberalen Establishment eine für Unsereiner köstliche apokalyptische Hysterie und Untergangsstimmung (hier eine meiner ersten Einschätzungen vom Dezember 2016).
Zu einem großen Teil verdankte sich Trumps Wahl seiner klaren Absage an eineinhalb Jahrzehnte neokonservativ-globalistischer Interventionspolitik und die aus ihr resultierenden desaströsen Kriege. An der Aufrichtigkeit seiner behaupteten guten Absichten ließ allerdings die Tatsache zweifeln, daß er von Anfang der Kandidat rechtszionistischer Kreise war, die an diesen Kriegen und Interventionen maßgeblich beteiligt waren und von ihnen profitierten.
Diese beinah sklavische Ergebenheit, nicht zuletzt auf symbolpolitischer Ebene, wurde zum verstörenden Leitmotiv seiner Karriere als zweimaliger Präsident. Es ist genau diese Verbindung, die ihn nach oben gebracht hat, die nun seinen Niedergang und seine völlige Demontage beschleunigt.
In seiner ersten Amtsperiode dauerte es nicht lange, bis sich der Bockfuß zeigte. Die erste gröbere Verstimmung war Trumps Angriff auf Syrien im April 2017, der zwar rasch wieder in Vergessenheit geriet, aber einen ersten Knackser des Vertrauensbruches erzeugte.
Die sich häufenden Irritationen wurden rasch mit dem Slogan des “3D-Schachs” gekontert, das Trump angeblich spiele, um seine Pläne durchzusetzen. Diese Vorstellung wurde einerseits zum “Mem” und “Running Gag”, andererseits zum verbissenen Glaubensartikel der Trump-Ultras. In der QAnon-Bewegung, vermutlich Frucht einer gezielten Psy-Op aus dem Trump-Lager, wuchs dieses Ringen mit der kognitiven Dissonanz zu einer sektiererischen Psychose an.
„Vertraut dem Plan“, lautete die Parole, denn Trump konnte nichts falsch machen, Trump war der Erlöser, der den „Sumpf“ aus pädophilen Satanisten endlich ausräuchern und trockenlegen würde. Wer sich nicht von diesen Wahnvorstellungen blenden ließ, mußte bald erkennen, daß Trump überhaupt keinen Plan, nur vollmundige, improvisierte, leere Versprechen in petto hatte. Um es mit einem amerikanischen Idiom zu sagen: “He was making up shit while he went along.“
Für uns nüchterner denkende Menschen zeichnete sich schon in der ersten Amtsperiode ab, daß Trump regnans sich als ziemlicher Stümper und Chaot erwies, und daß viele böse Dinge, die seine Feinde und Gegner über ihn sagten, leider tatsächlich zutrafen: In erster Linie ist er ein egomaner Showman, ein routinemäßiger Lügner, inzwischen ein protziger, aber geistig offenbar schwer verwirrter Caligula eines innen wie außen schwer angeschlagenen Imperiums.
Wir drückten die Augen zu, kreuzten die Finger, und hofften, daß alles einigermaßen gut laufen würde, denn Trump erschien immer noch als das bei weitem kleinere Übel gegenüber einer Herrschaft der Woken, wie sie die Demokratische Partei dominierten.
Spätestens zum Zeitpunkt des sogenannten “Kapitol-Sturms” war klar, daß er ein Mann ohne jegliche Prinzipientreue war, einer, der ohne zu Zögern bereit war, seine Anhänger zuerst zu unbedachten Handlungen zu verführen und ihnen anschließend in den Rücken zu fallen. Diese schienen das aber nicht zu erkennen oder nicht wahrhaben zu wollen, was Trump 2024 ein spektakuläres Comeback verschaffte (mit dem ich selbst nicht mehr gerechnet hätte).
Man kann ihm nicht nur negative Dinge nachsagen. Er hat einen gewissen “Vibe Shift” im Zeitgeist sowohl genutzt als auch befördert, und zumindest hat seine Regierung Bemühungen unternommen, woke und antiweiße Tendenzen in den USA herunterzuschrauben. Der Versuch, eine harte Abschiebepolitik gegenüber illegalen Einwanderern durchzusetzen, ist nach einem kurzen Anlauf kläglich gescheitert, und dies nicht nur wegen der negativen Publicity, die sich aus dem Verhalten von ICE-Agenten gegenüber übermütigen Protestlern ergab (wie auch immer man diese bewerten mag).
Seit Beginn des Iran-Krieges ist es unmöglich geworden, Trump noch in irgendeiner Weise zu verteidigen. Der Verrat an allem, was er einst versprochen hat, wofür er 2016 und 2024 gewählt wurde, ist tiefgehend, ruchlos und schamlos. Alle, die an “Trump Derangement Syndrome” litten, sehen sich nun in ihren schlimmsten Befürchtungen bestätigt, und es gibt wenig, was man ihnen noch kontern könnte.
Ich höre zwar immer wieder Mutmaßungen, daß Trump den “Verrückten” bloß spiele, aus welchen strategischen Gründen auch immer, aber das ist am Ende nur eine weitere Variante der “3D-Schach”-Theorie. Es hat vielmehr den Anschein, als habe er sich blindlings in einen Schlamassel gestürzt, der sich als einige Nummern zu groß erwiesen hat, beraten von Speichelleckern und Schlangenzungen, die ihm einen schnellen Sieg und entsprechenden Ruhm versprachen.
Als sich abzeichnete, daß der Iran nicht so leicht niederzuzwingen war, wie er vielleicht ursprünglich gedacht hatte, reagierte er so, wie er immer reagiert hat: Mit immer lauteren, immer schrilleren, sich kraß widersprechenden Fantastereien und Drohungen, als könnte er Frieden und Sieg durch großmäulige Worte herbeitwittern.
Er redete sich wie ein Irrer um Kopf und Kragen, während er ununterbrochen dem Iran neue, diesmal wirklich endgültige Ultimaten stellte. Nachdem er monatelang die NATO-Staaten beschimpft hatte, weil sie sich seinen Grönland-Gelüsten widersetzten, beschwerte er sich nun lautstark, daß sie sich, obgleich als Defensivbündnis konzipiert, nicht seinem Angriffskrieg anschließen wollten. Dabei sah er sich gleichzeitig als ein Mann, der Dutzende Kriege verhindert oder beendet und Millionen Leben gerettet habe, und darum rechtmäßig den Nobelpreis verdiene.
Zwischendurch schwadronierte er von seinem gargantuesken Ballsaal, den er an die Stelle des von ihm abgerissenen Ostflügels des Weißen Hauses bauen will, schwärmte davon, daß sein Sohn Donald Trump Jr. die “greatest genes in history” besäße und führte einmal mehr seinen lustigen YMCA-Tanz auf.
Gegen den Trump des Jahres 2026, der neben einem riesigen Osterhasen posiert, während er den “Tod einer ganzen Zivilisation” ankündigt, wirkt George W. Bush wie ein feinsinniger Intellektueller. Einmal mehr sind wir im Territorium von Kubricks “Dr. Strangelove” angelagt.
Im Jahr 2003 hat die Führung der Vereinigten Staaten noch einen gewaltigen propagandistischen Aufwand betrieben, um den Angriff auf den Irak zu rechtfertigen. Diese Mühe machte man sich dieses Jahr nicht mehr, sondern ging direkt zu einem nackten, willkürlichen, völkerrechtswidrigen “Might is right”-Angriffskrieg über.
Man begnügte sich mit ein paar gespenstischen Worthülsen aus früheren “Interventionen”. Die Behauptung, es müsse wieder einmal ein unterdrücktes Volk mit Hilfe von amerikanischen Bomben aus der Knechschaft von Terroristen und Tyrannen befreit und demokratisiert werden, verschwand ziemlich schnell vom Tisch, weil sie offensichtlich völlig hanebüchen war. Daß gleich der erste Angriff auf den Iran über einhundert Schulkinder plattgemacht hat, diente nicht gerade der Glaubwürdigkeit der “Befreiungs”-Rhetorik.
Wurde 2003 noch gelogen, es gelte darum, irakische “Massenvernichtungswaffen” unschädlich zu machen, wurde diesmal einfach behauptet, man käme einem zukünftigen, unmittelbar bevorstehenden iranischen Atomwaffenprogramm zuvor, von dem Trump noch letztes Jahr behauptet hatte, es wäre nun ein-für-allemal ausgeschaltet worden. Dies im Verbund mit Israel, einem Staat, der selbst inoffizielle Nuklearwaffen besitzt und sich beharrlich einem Abkommen zur nuklearen Transparenz verweigert.
Auf diese schlichte, uralte Nummer fallen leider immer noch sehr viele rein, wie ich per Xitter-Demoskopie feststellen mußte: Die Welt wurde mal wieder in letzter Sekunde vor einem dschihadistischen Regime voller irrer Mullahs gerettet, und das alles mit viel Gott, Jesus und Halleluja auf den Lippen. Aber selbst wenn es so wäre, dann erfolgte dieser Angriff “ohne Strategie, ohne klare Ziele und ohne Anlass”, wie Torben Braga formulierte.
Die Rechnung, die Spitzen des Staates zu ermorden und damit einen Volksaufstand gegen das Regime zu provozieren, ging nicht auf. Wenn man einen “Regime Change” will, muß man es schon richtig machen. So wie Trump es nun versucht hat, hat es den Weltfrieden und die Weltwirtschaft massiv gefährdet, auf völlig ruchlose, idiotische, tölpelhafte Weise, mit gravierenden Folgen, die noch unabsehbar sind.
Der Iran ist ein sehr altes geopolitisches Problem für die USA, und ich höre immer wieder die Meinung, daß dieser Schlag in erster Linie den mit dem Iran verbündeten Rivalen China und Rußland gilt und daß hier die amerikanischen Imperialisten und nicht die Israel-Lobby zugeschlagen hätten.
Was wir aber bislang über die Genese dieses ebenso dummen wie verbrecherischen Krieges wissen, deutet darauf hin, daß auch er maßgeblich der israelischen Einflußnahme zuzuschreiben ist. Das liegt diesmal offen zutage, und wir brauchen keine dicken Bücher von Walt und Mearsheimer, um es nachzuweisen. Es reicht schon, sich anzusehen, welche Leute den Krieg am meisten gewollt und am meisten abgefeiert haben und welche nun am emsigsten bemüht sind, den Waffenstillstand zu sabotieren.
Joe Kent schrieb am 17. März 2026:
Nach reiflicher Überlegung habe ich mich entschieden, von meiner Position als Direktor des Nationalen Zentrums für Terrorabwehr mit sofortiger Wirkung zurückzutreten. Ich kann in gutem Gewissen den laufenden Krieg im Iran nicht unterstützen. Der Iran stellte keine unmittelbare Bedrohung für unser Land dar, und es ist offensichtlich, daß wir diesen Krieg aufgrund des Drucks aus Israel und seiner mächtigen amerikanischen Lobby begonnen haben.
Am 7. April veröffentlichte die New York Times eine “Insider Story” von Jonathan Swan und Maggie Haberman, aus der klar hervorgeht, daß Benjamin Netanjahu erheblichen Einfluß auf Trumps Entscheidung hatte:
Im Lagezentrum am 11. Februar warb Netanjahu intensiv für sein Vorhaben, indem er andeutete, daß der Iran reif für einen Regimewechsel sei, und die Überzeugung äußerte, eine gemeinsame Mission der USA und Israels könnte der Islamischen Republik endlich ein Ende bereiten.(…)
Netanjahu und sein Team skizzierten Bedingungen, die ihrer Meinung nach auf einen fast sicheren Sieg hindeuteten: Das iranische Programm für ballistische Raketen könnte innerhalb weniger Wochen zerstört werden. Das Regime wäre so geschwächt, daß es die Straße von Hormus nicht mehr blockieren könnte, und die Wahrscheinlichkeit, daß der Iran den Interessen der USA in Nachbarländern Schaden zufügen würde, wurde als minimal eingeschätzt.
Außerdem deuteten die Erkenntnisse des Mossad darauf hin, daß es im Iran erneut zu Straßenprotesten kommen würde– mit der Unterstützung des israelischen Geheimdienstes, der dazu beitragen würde, Unruhen und Aufstände zu schüren. Eine intensive Bombardierungskampagne könnte die Voraussetzungen dafür schaffen, daß die iranische Opposition das Regime stürzt. Die Israelis wiesen zudem auf die Möglichkeit hin, daß iranisch-kurdische Kämpfer die Grenze vom Irak aus überqueren könnten, um im Nordwesten eine Bodenfront zu eröffnen, was die Streitkräfte des Regimes weiter strapazieren und dessen Zusammenbruch beschleunigen würde. (…)
„Klingt gut für mich“, sagte Trump zu dem Ministerpräsidenten. Für Netanjahu signalisierte dies ein wahrscheinliches grünes Licht für eine gemeinsame US-israelische Operation.
Netanjahu war nicht der Einzige, der das Treffen mit dem Eindruck verließ, daß Trump seine Entscheidung bereits getroffen hatte. Die Berater des Präsidenten konnten erkennen, daß er tief beeindruckt war von Netanjahus Versprechen, was sein Militär und seine Geheimdienste leisten könnten – genau wie schon bei dem Gespräch der beiden Männer vor dem 12-tägigen Krieg mit dem Iran im Juni.
Befürworter eines Krieges waren: Pete Hegseth (Kriegsminister, ein unfaßbar dummer und kriegsgeiler, dabei massiv frömmelnder “Christian Zionist”), Jared Kushner (Schwiegersohn Trumps), Steve Witkoff (“Sonderbeauftragter” für Nahost-Fragen).
Skeptisch bis ablehnend zeigten sich: J. D. Vance (Vizepräsident), Marco Rubio (Außenminister, dem später die Wahrheit über die Ursprünge des Krieges herausrutschen sollte), Susie Wiles (Stabschefin des Weißen Hauses), General Dan Caine (Vorsitzender der Vereinigten Stabschefs), John Ratcliffe (Chef des CIA), Steven Cheung (Kommunikationsdirektor des Weißen Hauses).
Vor seinen Kollegen warnte Vance Trump, daß ein Krieg gegen den Iran regionales Chaos und unzählige Opfer verursachen könnte. Er könnte zudem Trumps politische Koalition zerbrechen und würde von vielen Wählern, die auf das Versprechen „keine neuen Kriege“ hereingefallen waren, als Verrat angesehen werden.
(…)
Der Vizepräsident erklärte seinen Mitarbeitern, daß keine noch so fundierten militärischen Erkenntnisse wirklich abschätzen könnten, wie der Iran im Falle einer Bedrohung des Regimes reagieren würde. Ein Krieg könnte leicht in unvorhersehbare Richtungen eskalieren. Darüber hinaus hielt er es für unwahrscheinlich, daß sich nach einem solchen Konflikt ein friedlicher Iran entwickeln könnte.
Am 26. Februar, um fünf Uhr nachmittag, wurde die Entscheidung schließlich gefällt. Keiner der Anwesenden wagte es, sich Trump zu widersetzen.
Als er an der Reihe war, brachte Rubio mehr Klarheit in die Sache und sagte zum Präsidenten: Wenn unser Ziel ein Regimewechsel oder ein Aufstand ist, sollten wir es nicht tun. Wenn das Ziel jedoch darin besteht, das iranische Raketenprogramm zu zerstören, dann ist das ein Ziel, das wir erreichen können.
Alle vertrauten auf das Gespür des Präsidenten. Sie hatten gesehen, wie er mutige Entscheidungen getroffen, unvorstellbare Risiken eingegangen und es stets geschafft hatte, sich durchzusetzen. Niemand würde ihn jetzt daran hindern.
„Ich denke, wir müssen es tun“, sagte der Präsident zu den Anwesenden. Er erklärte, sie müssten sicherstellen, daß der Iran nicht in den Besitz von Atomwaffen kommt, und sie müssten dafür sorgen, daß der Iran nicht mehr Raketen auf Israel oder andere Ziele in der gesamte Region abfeuern könne.
Rubios Vorbehalt zum Trotz blieb die “Regime Change”-Option, wie sie Netanjahu vorgesehen hatte, Teil des Angriffsplans. Am ersten Tag des Angriffs wurde das 86jährige Staatsoberhaupt durch einen israelischen Luftangriff in seiner Residenz getötet.
Damit war der Iran aber keineswegs “enthauptet”, und am 9. April 2026 ist der Stand der Dinge, daß Trump den 10-Punkte-Plan der iranischen Regierung akzeptiert hat und nicht umgekehrt. Die Öffnung der Straße von Hormus erfolgte nicht aufgrund seiner absurden und immer hilfloser wirkenden Drohungen, sondern durch die Vermittlung Chinas und Pakistans. Die Israel-Firster und Iran-Fresser (Ben Shapiro, Mark Levin, Laura Loomer etc.) zeigen sich nun schwer enttäuscht, während sich Israel durch fortgesetzte Attacken auf den Libanon nach Kräften bemüht, das Waffenstillstands-Abkommen zu sabotieren.
Die Lage sieht insgesamt eher schlecht aus für die USA: Sie haben nicht nur in der Region, sondern weltweit einen massiven Prestige‑, Vertrauens- und Gesichtsverlust erlitten, während die Straße von Hormus nun zwar wieder offen, aber unter iranischer Kontrolle ist. Ab sofort ist eine Maut in chinesischen Yuan im Wert von bis zu zwei Millionen Dollar pro Schiff zu zahlen. Vermutlich wird es nicht mehr lange dauern, bis die Tage des Petrodollars, der Grundlage der amerikanischen Macht in der Region, gezählt sind.
Und was Trump angeht, so hat er sein eigenes Ansehen, die MAGA-Bewegung und die Republikanische Partei derart massiv beschädigt, daß die Folgen für die nächste Präsidentenwahl verheerend sein werden. Damit ist auch die große Trump-Show endgültig in eine Tragödie gemündet, wenn auch eine, die wohl weiterhin von Momenten absurder und makabrer Komik gesäumt sein wird. Dazu gehört auch, daß Trump nun den laufenden Waffenstillstand allen Ernstes als “Sieg” hinstellt, während er kein einziges seiner Kriegsziele erreicht hat.
Trump mag sich weiterhin in Größenphantasien und theatralische Posen retten, so viel er will: Diesmal wird ihn sein schlimmster Feind, die Realität, endgütig zur Strecke bringen, mit verheerenden Konsequenzen für die USA ebenso wie für Europa.
RMH
Den Artikel hätte ich noch ein paar Tage in der Schublade gelassen, da der aktuelle "Waffenstillstand" noch zu frisch ist. Es wird sich zeigen, wer sich bei wem durchgesetzt hat, wenn Israel im Libanon weitermacht (werden sie tun) & man dann sieht, ob der Iran dazu die Füße 2 Wochen still hält oder nicht. Warten wir es ab. Unabhängig davon: Bislang hat noch keiner beim Pokerspieler Trump ernsthaft, "gehe mit & zeigen" bzw. Hosen runter gesagt, auch der Iran nicht. Daher lässt sich viel spekulieren. Am Ende hat Trump immer irgendwie zumindest ein halbgares Ergebnis erhalten, was manchmal besser ist, als gar keines. Rein wirtschaftlich läuft es für die USA trotz Krieg gut (das dort die Arbeitnehmer auch die Zeche zahlen, kann ein Problem bei den Midterms werden), deutlich besser als bei uns. Die Nato fängt auch bereits wieder das Kriechen an & ich sehe dt Minenräumer am pers. Golf als nicht unwahrscheinlich an. Unter dem Strich lautet meine Prognose: Trump wird die Amtszeit nicht zu Ende machen & Vance wird ggf. schon vor den Midterms im Herbst übernehmen (Gesundheit was-weis ich etc. bei Trump). Da deutet einiges darauf hin. Aber wie geschrieben: Eigentlich ist die Debatte ein paar Tage zu früh eröffnet worden.