Sezession
23. Mai 2014

Dominique Venner – Ein Samurai aus Europa

Benedikt Kaiser / 9 Kommentare

DominiqueVenner_EinSamuraiAusEuropaDominique Venner schied am 21. Mai 2013 freiwillig aus dem Leben: Er erschoß sich in der Pariser Kathedrale Notre-Dame. Nun erscheint zum ersten Jahrestag der Tat die deutsche Übersetzung seines publizistischen Abschieds: Ein Samurai aus Europa. Das Brevier der Unbeugsamen.

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

Der französische Historiker, einst Algerien-Aktivist und bekannt als Herausgeber des Magazins Nouvelle Revue d’Histoire, begründete seine Entscheidung zur aufmerksamkeitserregenden Selbsttötung  mit dem nötigen Protest gegen "Homo-Ehe" und die permanente Herabwürdigung der Familie durch politische und gesellschaftliche Kräfte, die einem linken, egalitären Zeitgeist folgten. Dessen Dominanz erdrücke das europäische Leben, und die Europäer, auch die relevanten politischen Kräfte der Rechten, sähen dem Treiben weitgehend tatenlos zu. Doch "man muß das Leben einsetzen", und kostete es auch das Leben selbst, zeigte er sich in seiner letzten Befragung überhaupt, die er der Sezession gewährte, überzeugt.

In Frankreich, das ja seinen „Französischen Frühling“ erlebte, als Anfang 2013 hunderttausende die „Demo für alle“ ins Leben riefen, sorgte der spektakuläre Fall für einiges Rauschen im Blätterwald. Französische, aber auch ausländische Weggefährten Venners veranstalteten eine würdevolle Gedenkfeier. Auch in der deutschen Rechten diskutierte man kontrovers über das Fanal von Notre-Dame, und einige blieben ratlos zurück. Venner ahnte dies und formulierte unter anderem: "Sie werden in meinen letzten Schriften Vorwegnahmen und Erläuterungen meiner Geste finden."

Venners jüngstes Werk, Un samouraï d'Occident : Le bréviaire des insoumis, das unmittelbar nach seinem Freitod im Verlag Pierre-Guillaume de Roux (dem Verlag der politischen Essays Richard Millets) erschien und bis dato nur im französischen Original vorlag, wurde nun ins Deutsche übertragen. In ihm erblickt der Leser, wie immer er persönlich auch zur letzten Tat Venners stehen mag, das Brevier eines Unbeugsamen.

Antaios hätte das Werk gerne ins Deutsche übertragen, nicht nur, weil Venner ebenso Gesprächspartner und Autor wie auch Gegenstand der Sezession gewesen ist. Allein, ein anderer Verlag verfügte über die materiell besseren Argumente und hat nun, auf den Tag genau ein Jahr nach dem Abschied Venners vom irdischen Dasein, die gelungene Übersetzung vorgelegt. Sie kann hier bestellt werden!


Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

Kommentare (9)

Strogoff
23. Mai 2014 13:00

Venners Tod war symbolträchtig. Er selber ist bestimmt für viele ein Vorbild geworden. Jemand der sich wirklich ganz eingesetzt hat.
Wieviel muss man anreichern um sich selbst das Leben zu nehmen, nicht aus Angst oder Verzweiflung sondern wohlüberlegt aus Überzeugung für eine große Sache und um andere wachzurütteln und aufzuschrecken.

Sebi
23. Mai 2014 14:35

Es gibt einen Gott und eine Ewigkeit, auch ein Gericht, wo Dominique Venner zur Rechenschaft gezogen wird und Gott Rede und Antwort stehen muss!

Ertrunken
23. Mai 2014 15:15

Als freie Entscheidung war es eine Tat, der man nur seinen größten Respekt (und nicht Toleranz) zollen kann. Ein Zeichen nicht nur gegen "Homo-Ehe und die permanente Herabwürdigung der Familie" sondern auch gegen die zunehmende Individualiserung und Verantwortungslosigkeit, ja Feigheit in unserer Gesellschaft. In Zeiten der absoluten Lethargie bedarf es manchmal radikalen Schritten, die Menschen aus ihrem fettgefressenen Schlaf zu reißen.

Jonny Scapes
23. Mai 2014 17:14

Die augenscheinliche Charakterlosigkeit, bar jeglichen Wahrheitsbeweises sich bei einer höheren Instanz als entschiedener Verfechter der reinen Lehre in ein gutes Licht zu rücken, müsste dem Ankläger ja übrigens auch zu weit gehen: [etwa] »Er [Sebi] habe in seinem persönlichen Verhalten einen Mangel an Gewissen und Wahrheitsliebe bekundet« :-()

Waldgänger aus Schwaben
23. Mai 2014 22:44


Des Menschen Tage sind wie Gras, er blüht wie die Blume des Feldes.
Fährt der Wind darüber, ist sie dahin; der Ort, wo sie stand, weiß von ihr nichts mehr

(Psalm 103)

Dominique wer?

Langer
24. Mai 2014 11:05

In Zeiten der absoluten Lethargie bedarf es manchmal radikalen Schritten, die Menschen aus ihrem fettgefressenen Schlaf zu reißen.

Ja, aber ist das passiert? Ich habe den Eindruck, dass solche Taten schnell wieder im Weltgemurmel untergehen. War sich Venner darueber klar? Hat er sich dazu geaeussert, was er sich als Reaktion erwartet?

RL
25. Mai 2014 08:08

So eine symbolische Tat wird heutzutage von den meisten wahrscheinlich gar nicht mehr verstanden. Wird wahrscheinlich abgetan als die Tat eines senilen rechten Spinners.

Christian
26. Mai 2014 23:02

Ich finde die Vorstellung, dass eine Glaubensrichtung zur Wahrheit - also Gott - gefunden hat (und alle anderen nicht, oder nur verfälscht), so abstrus, besonders wenn es um Wertungen von Tat und Gesinnung geht, die einen nur selbst angehen, dass ich nur verständnislos den Kopf schütteln kann. Vielleicht gibt es einen Gott, vielleicht myriaden, aber den (Sebi)-Finger zu heben, und 'im Namen' Gottes zu sprechen, ist anmaßend sondergleichen. Ich spreche niemandem das Recht ab, seine Meinung kundzutun und dafür einzustehen, aber dieses Recht möchte ich an dieser Stelle auch für mich einräumen.

Kubitschek und Lichtmesz haben (soweit ich mich recht entsinne) die Tat mit wenigen, gewählten Worten dokumentiert und in gewisser Weise kommentiert, wollten weder Helden noch Sündenbock küren, hatten alles in allem Respekt. So halte auch ich es. Venner war Historiker und wusste, dass er nicht zum Kosmokrat wird, wenn er das tut, was er tat. Ein europäischer Mishima, wohlgemerkt mit Bedacht, handelt, wie er es für richtig befindet.
Hier nach dem Nutzen zu suchen, verfehlt den Sinn. Dieser Satz ist ganz wörtlich gemeint.

Irgendwie auch bezeichnend, dass es der technische Revolver (oder eine andere Handfeuerwaffe?) war und kein Schwert, auch, dass es wohl keine Menschengruppe gab, zu der Venner noch laut hätte sprechen können. Alles in allem nüchterner, leiser, trotz des knallenden Schusses.

'Weltgemurmel', ach, das verschluckt letztlich fast alles. Manche Dinge werden erst mit der Distanz groß.

Gruß, #c

Gardeleutnant
21. Mai 2015 21:52

21. Mai - Seine Tat bleibt unvergessen, was immer der Einzelne von ihr hält.

Aktivisten von Casa Pound haben in der Nacht auf heute in 60 italienischen Städten im Gedenken an ihn plakatiert:
https://zentropista.tumblr.com/post/119512750614/casapound-striscioni-in-60-citta-per-ricordare-il

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