Der Inhalt der Enthaltung – Schweigen mit PEGIDA

Man mag ja nun von PEGIDA und dem, was sich in den letzten (wenigen!) Wochen daraus und darum herum entwickelt hat, halten, was man will.

Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker, lektorierte 2015–2017 bei Antaios, IfS und Sezession und arbeitet als Übersetzer.

Ob sich mit Kositza freu­en, daß pünkt­lich nach 25 Jah­ren jen­seits par­la­men­ta­ri­scher Tanz­bä­ren­num­mern sich ein­mal wie­der etwas zu regen scheint, oder end­lich eine Ver­wen­dungs­mög­lich­keit für Kubit­scheks Schlag­wort “Ener­gie­pum­pe” und “Reso­nanz­raum” fin­den, die die AfD ober­halb der Län­der­ebe­ne ja nun betont nicht aus­zu­fül­len vermag:

Irgend­ei­ne gute Sei­te dar­an ist schon zu fin­den. Ich für mei­nen Teil bin kein Freund von Demons­tra­tio­nen an sich, egal wofür oder woge­gen – das aber ist eine Geschmacks­sa­che. Was mich seit den ers­ten PEGI­DA-Berich­ten aber moti­viert, inner­lich zu applau­die­ren, ist eines: das Schweigen.

Denn das ist doch in einer Wei­se Meta­po­li­tik in Rein­kul­tur. Wer­den wir end­lich ein­mal kon­kret: Bei den um sich grei­fen­den Bür­ger­pro­tes­ten (zuletzt wur­de auf unse­rer Kar­te Frankfurt/Main ein­ge­tra­gen; gleich zwei­mal, weil man sich im Umfeld der dor­ti­gen AfD gern ins gemach­te Nest setzt, aber kei­nes­falls mit etwai­gen Schmud­del­kin­dern spie­len möch­te…) ist der kon­kre­te poli­ti­sche Anlaß eigent­lich völ­lig uner­heb­lich. Genau­so­gut könn­te gegen Hartz IV, die finan­zi­el­le Gän­ge­lung jun­ger Fami­li­en, das Ver­kom­men­las­sen der kom­mu­na­len Infra­struk­tur usf. ad nau­seam auf die Stra­ße gegan­gen wer­den – schä­big ist am und im aller­bes­ten deut­schen Staat jemals ja genug –, und in der Tat wird medi­al stän­dig dar­über berich­tet, gegen was alles die­je­ni­gen doch sind, die sich an den Abend­spa­zier­gän­gen beteiligen.

Natür­lich geschieht das dort in denun­zia­to­ri­scher, min­des­tens her­ab­las­sen­der Absicht. Gleich­zei­tig zeugt die­se Fokus­sie­rung auf die the­ma­ti­sche Plu­ra­li­tät, teils sicher auch Diver­genz, der Demons­tran­ten vor allem von der Unfä­hig­keit, die­se jen­seits dum­mer Stan­dard­flos­keln – wir ken­nen sie alle – eini­ger­ma­ßen cha­rak­te­ri­sie­ren zu kön­nen. Und ich mei­ne, bzw. geben die Mei­nungs­dru­cker und ‑drü­cker das all­mäh­lich selbst zu, daß dies maß­geb­lich in der Wei­ge­rung begrün­det ist, sich mit der ach so all­mäch­ti­gen Pres­se ins Bett zu legen. Thors­ten Hinz’ Fest­stel­lung von 2009 scheint sich in der Essenz end­lich durchzusetzen:

Die zuneh­men­de Kon­zen­tra­ti­on im Medi­en­be­reich führt zu ver­schärf­ten Mög­lich­kei­ten der Mei­nungs­steue­rung und Dis­zi­pli­nie­rung. Berück­sich­tigt man wei­ter­hin die all­zu­mensch­li­che Furcht vor gesell­schaft­li­cher Iso­la­ti­on und sozia­ler Deklas­sie­rung, dann wird klar, daß der poli­ti­sche Tugend­pfad der deut­schen Medi­en in Wahr­heit ein Gesin­nungs­strich ist, auf dem immer mehr Jour­na­lis­ten immer bil­li­ger zu haben sind. Kein Wun­der, daß sie laut Umfra­gen neben den Poli­ti­kern als die ver­ächt­lichs­te Berufs­grup­pe gelten.

Tja, da ist man die­ser Tage baff in den Redak­ti­ons­stu­ben (und scheint das The­ma Tug­çe glatt auf Hal­de gelegt zu haben – das könn­te aber auch ande­re Grün­de haben). Es gibt tat­säch­lich noch oder wie­der öffent­lich akti­ve Bür­ger in die­sem Land, die nicht der­art nach ihren paar Sekun­den Bild­schirm­zeit gie­ren, daß sie sich für das Ver­arscht­wer­den auch noch bedanken.

So etwas ver­mag eine par­tei­för­mi­ge Orga­ni­sa­ti­on nicht zu leis­ten, denn die braucht media­le Bericht­erstat­tung natür­lich wie ein Fisch das Was­ser. Des­we­gen konn­te und kann etwa die AfD so etwas nicht auf die Bei­ne stel­len, zumin­dest nicht mit die­ser mas­sier­ten Schlag­kraft. Man erin­ne­re sich nur, the­ma­tisch anver­wandt, an den Anti­is­la­mi­sie­rungs­kon­greß 2008: Klar gab es da Zuspruch, aber durch groß­an­ge­leg­te Pres­se­aus­sen­dun­gen und alles wei­te­re Tam­tam wur­de der Pres­se schon Wochen zuvor ermög­licht, sich – nota bene! – auf die Teil­neh­mer ein­zu­schie­ßen, was die loka­le und über­re­gio­na­le Poli­tik aller lang­wei­li­ger Far­ben selbst­ver­ständ­lich begeis­tert auf­griff und so eine Stim­mung der all­ge­mei­nen frei­en Jagd in jeg­li­cher Hin­sicht her­auf­be­schwö­ren konnte.

Bei den Orga­ni­sa­to­ren war das gar nicht mehr nötig; wer so his­tr­io­nisch auf­tritt wie die bei­den PRO-Ober­k­as­per (man erin­ne­re sich an das unwür­di­ge Schau­spiel bei der “Der hei­ße Stuhl”-Sendung mit einem gewis­sen Ber­li­ner Chef­re­dak­teur, in der Mar­kus und Man­fred in selbst­be­mal­ten DLVH-Leib­chen im Saal­pu­bli­kum saßen und andau­ernd in Groß­auf­nah­me die Pöb­ler “vom Dienst”, hihi, mim­ten), der fällt der Medi­enhu­re­rei ganz unwill­kür­lich anheim.

Wie anders steht dage­gen nun die aus einem Freun­des­kreis her­aus ent­stan­de­ne PEGIDA da! Als Objekt einer sti­lis­ti­schen Ana­ly­se, zumin­dest. Ein Tho­mas Opper­mann etwa (der sich zur Zeit anläß­lich eines gewis­sen Unter­su­chungs­aus­schus­ses viel­leicht bes­ser um sei­ne Erin­ne­rung bemü­hen soll­te) ver­sucht denn jetzt auch not­ge­drun­gen, einen Keil zwi­schen “gute” Teil­neh­mer und “böse” Orga­ni­sa­to­ren zu trei­ben, wor­auf in den letz­ten Tagen auch eini­ge Zei­tun­gen umge­schwenkt sind, weil die übli­che Wühl­ar­beit gegen alle gleich­zei­tig unter den gegen­wär­ti­gen Bedin­gun­gen zu auf­wen­dig ist.

Wohl war da schon zuvor ein kur­zer Tri­umph der (be)schreibenden Zunft, als Prot­ago­nist Lutz Bach­mann von sich aus sei­ne Vor­stra­fen ein­ge­stand. Doch dies­mal woll­te das gewohn­te “Jetzt haben wir ihn!” nicht ver­fan­gen. In die­sem Fall hat­te die Sou­ve­rä­ni­tät sei­ner Aus­he­be­lung der von Sen­de­an­stal­ten und Redak­tio­nen gepäp­pel­ten, nor­ma­ler­wei­se für die Aus­schnüf­fe­lung sol­cher poli­tisch unge­mein rele­van­ter Details zustän­di­gen Horch- und Guck-Spe­zia­lis­ten – Speit, Röp­ke, Gen­sing und wie sie alle hei­ßen – die längst zur Gewohn­heit gewor­de­nen Regeln des Spiels obso­let gemacht.

Und den Rest der jour­na­lis­ti­schen Selbstapo­theo­se erle­di­gen nun die Abend­spa­zier­gän­ger, indem sie (Aus­nah­men bestä­ti­gen die Regel) gar nicht mit den sie wie die Wes­pen den Kuchen umschwir­ren­den Repor­tern spre­chen oder ihnen allen­falls ins Gesicht sagen, was sie von der hie­si­gen Medi­en­land­schaft hal­ten. Vor die­sem Hin­ter­grund ist man bei­na­he geneigt, Alex­an­der Kis­s­ler für sei­ne zeit­los wun­der­schö­ne For­mu­lie­rung vom April die­ses Jah­res als Seher zu bezeich­nen: “Die Ent­frem­dung macht Fort­schrit­te. Leser an Medi­um: du lügst, es ist ganz anders. Medi­um an Leser: Schnauze.”

Wer sich aber von jeman­dem, der ihn andau­ernd impli­zit belei­digt und expli­zit von ihm aus­ge­hal­ten wer­den will, nicht abwen­det, der ist hoff­nungs­los ver­blö­det und/oder ein Maso­chist. Anschei­nend besin­nen sich inzwi­schen mehr und mehr Leu­te dar­auf, daß bei­des kein beson­ders erstre­bens­wer­ter Zustand ist. Die ent­spre­chen­den Medi­en nicht mehr nur nicht zu kon­su­mie­ren, son­dern ihnen durch Wor­t­ent­hal­tung fak­tisch aktiv ent­ge­gen­zu­tre­ten, ist die zwei­te Backe der Zan­ge. Ich bin seit zwei Jah­ren unge­bro­chen ange­tan von der Schil­de­rung eines befreun­de­ten Bur­schen­schaf­ters, wie das Tele­fo­nat ablief, als das hoch­hei­li­ge Fern­se­hen bei sei­nem Bund ein­char­gie­ren wollte:

Hal­lo, xy vom WDR am Appa­rat. Wir wür­den gern…

– Dan­ke, kein Interesse.

Was?! Aber Sie wis­sen doch noch gar nicht, was wir Sie fra­gen wollen!

– Wir wis­sen aber schon, was Sie am Ende berich­ten wer­den. *klick*

Wenn sich nun die ZDF-“heute show” selbst dafür fei­ert, ledig­lich unter dem Deck­man­tel von Rus­sia Today ein Stim­mungs­bild des Dresd­ner Pro­test­zugs bekom­men zu haben, ver­sinn­bild­licht das im Grun­de nur den kalt­lä­cheln­den Zynis­mus bei den Öffent­lich-Recht­li­chen: “Ver­ach­tet uns, soviel Ihr wollt, Euer Geld krie­gen wir trotz­dem.” Das hät­te so eigent­lich auch aus dem Kanz­ler­amt kom­men kön­nen; bei der heu­ti­gen Bei­na­he-Syn­the­se von Poli­tik und Medi­en wür­de es mich denn auch nicht wun­dern, wenn ange­sichts der bei den Abend­spa­zier­gän­gen mani­fes­tier­ten, ableh­nen­den Hal­tung in eini­gen Par­tei­bü­ros die Hän­de leicht schwit­zig gewor­den sein sollten.

Auch wenn im deut­schen Wahl­recht eine Ent­hal­tung in gro­ßem Stil ja schon vor der aller­ers­ten Bun­des­tags­wahl durch Umdeu­tung des Art. 38 GG zur Maku­la­tur gemacht wur­de – eine sym­bo­li­sche Ges­te der Selbst­be­haup­tung wäre es immer­hin. Nicht umsonst hat man in der Zeit (wo auch son… Ach ja, klar. Im Bun­des­tag. Natür­lich.) schon nach einer Wahl­pflicht kra­keelt. Sei’s drum, die Wäh­ler/­Nicht­wäh­ler-Dis­kus­si­on wird wohl nie ein Ende fin­den, und das Not­wen­di­ge hat Klo­n­ovs­ky dazu bereits knapp und tref­fend geschrieben.

Der schwei­gen­de Bür­ger­pro­test also. Face­book macht’s mög­lich: PEGIDA und Able­ger kön­nen auf den nur schein­ba­ren fame der media­len Selbst­dar­stel­lung wei­test­ge­hend ver­zich­ten und bekom­men trotz­dem Zulauf. Und all­mäh­lich gehen Pres­se, Rund­funk und Fern­se­hen die Exper­ten aus, die man nun täg­lich bemü­hen muß, um nicht völ­lig ohne O‑Töne aus­zu­kom­men; bald wird wohl Franz Josef “war ein Flücht­ling und sprach Arme­nisch” Wag­ner den Job allein erle­di­gen müssen.

Den in Lie­be­die­ne­rei erstarr­ten Block aus Poli­tik und Medi­en wird man damit viel­leicht nicht auf­kna­cken kön­nen, aber zur Zeit tritt immer­hin wirk­mäch­tig wie­der her­vor, was bereits halb ver­ges­sen schien: Der klaf­fen­de Spalt zwi­schen öffent­li­cher Mei­nung und ver­öf­fent­lich­ter Mei­nung, indem die so dar­ge­stell­te Gegen­öf­fent­lich­keit klar­stellt, daß es sich bei ihr tat­säch­lich um die Öffent­lich­keit han­delt. Wel­che Kon­se­quen­zen – wenn über­haupt – dies im kom­men­den Jahr zei­ti­gen wird, ist nicht abzu­se­hen, aber: Das Schwei­gen hat in jedem Fall Zukunft, ob bei Demons­tra­tio­nen oder anders­wo, wenn die Pres­se-Flie­gen­fal­le wie­der ihr Fang­ei­sen öff­net. So mag es gelin­gen, einen ers­ten gro­ßen Schritt auf dem Weg dahin zu gehen, daß end­lich das schon von Moh­ler gegei­ßel­te Prin­zip im Orkus verschwindet:

Was ich den Libe­ra­len nicht ver­zei­he, ist, daß sie eine Gesell­schaft geschaf­fen haben, in der ein Mensch danach beur­teilt wird, was er sagt (oder schreibt) [oder was über ihn geschrie­ben wird] – nicht nach dem, was er ist. Und da dies immer noch etwas meta­phy­sisch klingt, sage ich es genau­er: eine Gesell­schaft, in der ein Mensch danach beur­teilt wird, was er sagt – und nicht danach, was er tut.

Nils Wegner

Nils Wegner ist studierter Historiker, lektorierte 2015–2017 bei Antaios, IfS und Sezession und arbeitet als Übersetzer.

Nichts schreibt sich
von allein!

Das Blog der Zeitschrift Sezession ist die wichtigste rechtsintellektuelle Stimme im Netz. Es lebt vom Fleiß, von der Lesewut und von der Sprachkraft seiner Autoren. Wenn Sie diesen Federn Zeit und Ruhe verschaffen möchten, können Sie das mit einem Betrag Ihrer Wahl tun.

Verein für Staatspolitik e.V.
DE86 5185 0079 0027 1669 62
HELADEF1FRI

Kommentare (23)

Waldgänger (e.B.) aus Schwaben

19. Dezember 2014 08:13

Der Nordost wehet, der liebste unter den Winden mir, weil er feurigen Geist verheißet ...
(Hölderlin, Andenken)
(Bitte aus schwäbischer Perspektive sehen)

Bald schon wird dem kalten Nordost, der den Nebel vertreibend, klaren Himmel schafft, ein warmer Südwest folgen. Fernher kommend aus Frankreich wird er Ahnung bringen vom nahen Frühling.

Was mich wunderrt: Keiner der sich so kosmopolitisch gebenden Experten, Politiker, Journalisten, unternimmt den Versuch den Komplex PEGIDA / AfD gesamteuropäisch einzuordnen.

Zadok Allen

19. Dezember 2014 09:41

Vollständige Zustimmung zu dieser exzellenten Analyse, Herr Wegner. Ausnahmsweise zitiere ich mich einmal selbst:

"Der größte Nutzen von PEGIDA und Verwandtem ... ist die massive Aufspreizung des Dissenses innerhalb der autochthonen Bevölkerung. Immer größere Kreise werden dadurch immun gegen die Manipulationen des massenmedialen Apparats. Selbst das durfte man vor einem halben Jahr nicht entfernt erhoffen."

Die Aufspreizung des Dissenses ist ein ambivalentes Geschehen: viele setzt dieser Prozeß (hoffentlich) frei, doch will mich der Argwohn nicht belassen, daß sich hier vor unseren Augen so etwas wie Bürgerkriegsparteien formieren.

Die größte Sorge sollte im Moment daher jenem bedeutenden Teil unseres Volkes gelten, der trotz der gegenwärtigen Ereignisse, die auch ich für historisch halte, weiterhin an der Legitimitätsanmaßung der Herrschenden und am Lügen-Pandämonium bzw. der Realitätssimulation der Massenmedien festhält.

Laßt uns daher die widerlich pädagogisierende Frage umkehren: Wie kann man diese Leute noch erreichen?

Wegner:
Schauen Sie, ich denke gar nicht einmal, daß da noch viel – auf intellektuellem oder politischem Wege – erreicht werden muß.

Meine Erfahrungen der letzten rund sieben Jahre, die ich mich nun in diesen ach so bösen rechten Kreisen bewege, haben mir den Eindruck vermittelt, daß "der Durchschnittsbürger" recht konkrete und "biedere" Ansichten dazu hat, was gut und böse, richtig und falsch, zuträglich und schädlich anbelangt.

Die Infamie der Meinungslenkung besteht darin, all diesen Menschen durchgängig einzubleuen, gerade sie seien deviant und mit ihrer "kruden" Meinung ganz allein. Darum ging es mir oben bei der Selbstermächtigung der "Gegenöffentlichkeit": Wer den Deutschen die Furcht vor der (gefühlten) Aussonderung nimmt, der gibt ihnen ein Stück Kraft und Selbstbewußtsein zurück.

Ein gebürtiger Hesse

19. Dezember 2014 12:10

@ Zadok Allen

(...) doch will mich der Argwohn nicht belassen, daß sich hier vor unseren Augen so etwas wie Bürgerkriegsparteien formieren.

Dieser Argwohn ist auch meiner. Der Dissens geht bereits durch mein allerengstes Umfeld - und fängt an weh zu tun wie auch Konsequenzen (Sezession - ja oder nein?) zu fordern. Es werden ebenso angstvoll wie entschieden Stellungen bezogen. Angesichts des sehr strammen Tempos der Entwicklung dürfen wir davon ausgehen, daß wir in nur vier Wochen bereits an einem neuen Punkt sein werden. Und auch dann dürfte es wieder heißen: Im Dezember hätte das noch keiner gedacht ...

Paule

19. Dezember 2014 12:35

Hallo Zadok Allen!

Diese Leute kann man erreichen in dem man sie Erkennt.

Es sind Menschen mit eigenen Wertvorstellungen und Wünschen.
Und Sie wissen was sie wollen und was sie nicht wollen. Und sie sind Realisten.
Diese Menschen haben sich auf den Weg gemacht sich ihre Wünsche zu erfüllen.
Nicht freiwillig, sondern weil sie müßen.
Und sie werden sich nicht aufhalten lassen. Der Beweis ist erst 25 Jahre alt.
Der erste Schritt wäre das Gutzuheißen.
Jeder der etwas anderes versucht wird scheitern.

LG Paule

Rainer Gebhardt

19. Dezember 2014 12:41

Schweigen oder die Kunst des Ausweichens:

Tai-Sabaki ist eine klassische Ausweichbewegung im Aikido, die der Selbstverteidigung dient. Ausweichen bedeutet nicht Rückzug, sondern Neupositionierung gegenüber dem Angreifer. Beabsichtigt ist dabei keine aktive Trefferwirkung. Der Angegriffene bewegt sich aus der Angriffslinie und zur Seite, um die Energie des Angreifers ins Leere laufen lassen.
Das Tai-Sabaki wurde von Großmeister Hideyuki Ashihara entwickelt. Oberste Prinzipien des Tai-Sabaki sind Respekt gegenüber dem Gegner, Gelassenheit in kritischen Situationen, Selbstberrschung, geistige Wachheit.

Stil-Blüte

19. Dezember 2014 13:09

Danke, Herr Wegner, wieder ein erhellendes Fensterchen im Advent(skalender) (adventare - ankommen, Ankunft) aufgetan.

Hinter meinem geöffnetes Türchen für den heutigen Tag fand ich folgenden Spruch:

Mir Sachsen, mir sinn helle,
das wees de ganse Weld.
Und simma ma nisch helle,
da hammer uns vorstelld.

Warum gerade in Dräääsdn de Drääääsdnr?

Manche Impulse wirken subcutan, liegen lange, weit und versteckt zurück. Als sich die Dresdner mit beherzter Tatkraft ihre Bürgerkirche 'Frauenkirche' zurückholten, wurde Sandstein über Sandstein des Eigensinns in Bewegung gebracht, und zwar nach oben!

Als ihnen bei ihren ehrenwerten Totenfeiern anläßlich des ango-amerikanischen Bombenterrors am 13. Februar 1945 die Zahl ihrer Toten von Jahr zu Jahr abspenstig gemacht, ihnen ihr Leid abgesprochen, sogar mit Hohn und Spott (Götz Aly!) bedacht wurde, haben sie geschwiegen.

Dresden - genius loci - unzerstörbar - das hat Symbolkraft!

Daß die Sachsen und also auch die Dresdner, sehr anpassungsfähig sind ('vischeland') und sich auch unversehens auf die andere Seite schlagen können, soll nicht verschwiegen werden.

Nehmen wir diese Initialzündung (Fackel?) an, ohne enttäuscht zu sein, wenn sie sich abwenden, weil sie meinen, sich genügend die Finger verbrannt zu haben.

Marcus Junge

19. Dezember 2014 13:23

Geschwiegen hätte gestern ab und an auch besser Dieter Nuhr. Selbst als Komiker, der sich normalerweise doch an die Wahrheit hält, gestern im Jahresrückblick, da ging er so derartig auf Tiefflug bei Rußland, AfD und Abfall vom Glauben an die Medien, dies konnte man nur noch tolerieren, aber längst nicht mehr mögen.

Hans Meier

19. Dezember 2014 14:20

Schweigen ist Sezession.
Schweigen zeigt Selbstbeherrschung.
Schweigen ist Macht.
Schweigen ist Drohung.

Die Lügner und Hasser haben zurecht Angst davor.

Sara Tempel

19. Dezember 2014 15:47

Passend zur Weihnachtszeit, vermittelt dieser Beitrag einen Hoffnungsschimmer auf zukünftige Selbstbestimmung unseres deutschen Volkes!
Von ganzem Herzen wünsche ich der Pegida-Bewegung Erfolg und Europa die Chance seine christliche Kultur voller Vielfalt zu erhalten!
Wir können nur hoffen, dass die Herrschenden und ihre Marionetten nicht zur Gewalt greifen, wenn sie merken, dass die Wirkung ihrer Propaganda nachlässt.
Ich muss mich hingegen für meine Kölner Mitbürger schämen, die so hirnamputiert bzw. kastriert sind, dass sie sich vom Mainstream und den Politikern, die echte Interessen unseres Volkes verraten, manipulieren lassen. Ähnlich dem sogenannten "breiten Bündnis" gegen PEGIDA, gab es hier eine "Du bes Kölle"-Demo als "bunte Antwort auf braune Parolen", die man der kürzlichen Hooligan-Demonstration gegen Salafisten unterstellt! Leider gibt es - außer meinem Mann - in meinem rheinländischen Bekanntenkreis niemanden, der noch eigenständig denken kann und die Manipulation der MS-Medien durchschaut.

@ Rainer Gebhardt
"Oberste Prinzipien des Tai-Sabaki sind Respekt gegenüber dem Gegner, Gelassenheit in kritischen Situationen, Selbstberrschung, geistige Wachheit."
Die Techniken des Aikido, wie Tai-Sabaki, in denen ich mich selbst über viele Jahre praktisch geübt habe, konnten meine Geisteshaltung geprägen. Furchtlos jeden Angriff erwarten und dann im richtigen Augenblick reagieren, das möge ich nicht verlernen, auch wenn ich aus gesundheitlichen Gründen am körperlichen Training in meinem Dōjō nun nicht mehr teilhaben kann.

Katholischer Sezessionist

19. Dezember 2014 15:59

Vor allem sollten auch die katholischen Bischöfe schweigen und keine Politik machen ! Aussage: "Christen dürfen bei Pegida nicht mitmachen."

https://www.kath.net/news/48753

Da bleibt nur Carl Schmitt (" Der Begriff des Politischen" )S. 28

"Die deutsche Sprache, wie auch andere Sprachen, unterscheidet nicht zwischen dem privaten und dem politischen " Feind", so daß hier viele Mißverständnisse und Fälschungen möglich sind. Die viel zitierte Stelle
" Liebet Eure Feinde" ( Matth. 5,44 Luk. 6,27) heißt "diligite inimicos vestros, ...., und nicht: diligite hostes vestros; vom politischen Feind ist nicht die Rede. Auch ist in dem tausendjährigen Kampf zwischen Christentum und Islam niemals ein Christ auf den Gedanken gekommen, man müsse aus Liebe zu den Sarazenen oder den Türken Europa, statt es zu verteidigen, dem Islam ausliefern. Den Feind im politischen Sinne braucht man nicht persönlich zu hassen, und erst in der Sphäre des Privaten hat es einen Sinn, seinen " Feind", d.h. seinen Gegner, zu lieben."

Das muß den Bischöfen mal ans Herz gelegt werden, auch Herrn Woelki, der keine solchen "Verteidiger des Abendlandes" braucht.
Es ist sehr aufschlussreich, daß auch die katholische Kirche die Hetze gegen Pediga mitmacht.

Trouver

19. Dezember 2014 16:13

Für die medien scheinen die 15 000 Teilnehmer zuviel zu sein.

Diese Jahr, aber, haben bei Europawahl nur für die NPD gut 300 000 Menschen gestimmt.

Was würde uns TV erzählen , wenn es sie gekommen wären?

Trouver

19. Dezember 2014 16:20

Der schweigende Bürgerprotest also.

Schade finde ich. Man hat sich Mühe gegeben anzureisen, man hat Mut bewiesen, sein Gesicht zu zeigen (erinnern wir uns an den Überfall in Hannover, als vier Andersdenkende von einer Meute von "Vermummten" ins Krankenhaus geprügelt wurden), und...einfach nichts zu sagen?

"Ich bin gegen Merkel, weg mit dieser Regierung, die ist Schande für Deutschland!" - was stört einen endlich das hautsächliche zu meißeln?!

Wegner:
Sie müssen da irgendeinen Schweigemarsch mit dem Thema obigen Texts verwechseln. Auch ansonsten sind mir etwaig vorhandene Zusammenhänge schleierhaft.

Zadok Allen

19. Dezember 2014 17:29

@ Nils Wegner

Ich wünschte, ich könnte Ihren Optimismus teilen. Persönlich kenne ich viele intelligente, zudem den allgegenwärtigen Verfallsprozessen gegenüber kritisch eingestellte Leute, die dennoch den Propagandadreck für bare Münze nehmen, mit dem sie der massenmediale Apparat zum Thema PEGIDA überkübelt.

@ Paule

Ihre Ausführungen habe ich nicht verstanden. Worauf beziehen Sie sich genau?

Judith

19. Dezember 2014 18:56

Die ach so allmächtigen Medien sind realiter gar nicht mehr mächtig. Ihre Fähigkeit, die Deutschen im Sinne der Staatsräson zu beeinflussen erodiert nicht erst seit der Ukraineberichterstattung, nicht erst seit Sarrazin. Die Erosion ist schon lange in Gange und schreitet munter weiter voran.

Tatsächlich sind die Altmedien die Transformationsverlierer, nicht die Pegidianer. Die Abstiegsangst herrscht in den geschrumpften Redaktionen restdeutscher Zeitungen, nicht bei den Pegidianern

Das Schweigen der Pegida ist das sichtbarste Zeichen dieser Machterosion.

Nemo Obligatur

19. Dezember 2014 20:49

@ Judith

Die Abstiegsangst herrscht in den geschrumpften Redaktionen restdeutscher Zeitungen, nicht bei den Pegidianern

Diese scharfsinnige Formulierung verdient eigentlich eine weitere Verbreitung als "nur" auf der SiN. Andererseits glaube ich, dass ein gewichtes Motiv vieler Demonstranten die herablassende Art der Berichterstattung und die Schimpftiraden der Politiker sind. In diesem Sinne hat das abfällige "Mischpoke" vom grünen Apparatschiks Özdemir als Etikett für Pegida womöglich mehr Menschen auf die Straße gebracht als zehn neue Aufrufe zur Teilnahme im Internet.

Kaliyuga

20. Dezember 2014 01:46

Gerade Schweigen braucht Haltung, braucht Zucht und leidenschaftliche Ausrichtung auf ein hohes Ziel, das hier doch nun vorhanden ist.

Eine einzige Linse dann, die den ein-fall-enden, je gegebenen, göttlichen Strahl der Sonne bündelt (nicht unbedacht setzt jener aus Mainfranken nach Weimar emigrierte Olympier die Sonne dem Christus gleich) und Feuer, gewaltig und ins Meta-Physische weisend, entfacht. Denkt doch nur und bescheidet Euch und: schweigt und werdet macht-end, anfänglich.

Was nun, wenn Ihr keine Lehrer mehr hattet, die solches aus langer Überlieferung, aus Orden wahrhaft, geprüft und bewährt und gereinigt im Kreuz und folglich wie natürlich, in höchster, nicht stilisierter Eleganz, be-herrschten?

Übt Euch im Schweigen, ein Leichtes für jeden, der wahrer Mann geblieben ist oder es werden kann, hütet die Zunge und richtet den Blick sammelnd nach unten wie es etwa Konrad von Parzham geübt hatte.

Ein Hochschulkollegium, dieser Jahre. Über Monate auf der Tagesordnung: „Gender Mainstreaming“. Ein Einziger wird schweigend, weil das Reden eh ja nicht mehr hilft, gegen absurde Beschlussvorlage zur Implementierung stimmen, zweimal, in öffentlicher Abstimmung. Er wird also offenbar. Er wird folglich gemieden, von gutmenschlichen „Männern“, vorübergehend von protokollführender Sekretärin gar. Und: er wird erhöht und entfaltet Anziehungskraft. Bald schon, ob des Abstimmungsverhaltens, ein politisch Beauftragter in seinem Büro, der hört und staunt und ablässt von Propaganda. Es ist die Metaphysik dieser Zeit, dasz er doch in seinem "Mainstream" fortschreitet und am Ende, es geht nicht anders, scheitern wird.

Harald de Azania

20. Dezember 2014 07:16

Sehr geehrter Herr Wegner,

Brilliant und witzig!

"Euer Geld bekommen wir sowieso".

Nitschewo: Der naechste Schritt ist der Steuerstreik.

Funktioniert praechtig ( siehe dzt bei uns in Suedafrika die Weigerung von mehr als einer Million Autofahrer in Gauteng e-toll zu zahlen. System bereist kollabiert :-)

Mediale Kleingreissler, die am Subventionstopf degeneriert sind, wrden das nicht aushalten ....

HdA

Judith

20. Dezember 2014 13:59

@Nemo Obligatur

In diesem Sinne hat das abfällige „Mischpoke“ vom grünen Apparatschiks Özdemir als Etikett für Pegida womöglich mehr Menschen auf die Straße gebracht als zehn neue Aufrufe zur Teilnahme im Internet.

Ihr Wort in Gottes Ohr. Özdemir und Co. werden nämlich vermutlich weiterätzen. Wenn man mit geschichtlichen Analogien auch immer ein wenig vorsichtig sein muss, so hat sich doch gezeigt, dass bei beginnendem Widerstand sich als Erstes die (vermeintlich) etablierten Machtinhaber radikalisieren.

Die Schraube ist in Gang gesetzt. Schaun wir mal, wo sie endet.

Pahnke

20. Dezember 2014 14:56

Seit 24 Jahren höre ich immer wieder von Menschen von der Straße, wenn täglich immer wieder neue kriminelle Straftaten der obereren politischen Elite und der Wirtschaft bekannt werden, wissend, daß das nur die Spitze vom Eisberg ist: "da sollten die Menschen endlich mal wieder auf die Straße gehen". Die zumindest priveligierten Berufsgruppen und politischen Beamten, die sich immer häufiger Ihre Wunscheinkommen und Arbeitszeitprivilegien erzwingen können, machen sich bei der 1/3- Gesellschaft immer verhaßter, weil die Forderungen so abgehoben sind, daß es da anscheinend verschiedene Welten geben muß. Wie selbstverständlich kann da ein öffentlich Bediensteter jeden Monat mit 500 EUR seine 2. Altersversorgung aufbauen, die dann vom Staat noch verdoppelt wird, wogegen Millionen von Arbeitnehmern und Selbstständigen kaum wissen, wie sie den nächsten Monat die Miete bezahlen können, ganz zu schweigen, daß sie jemals etwas für die Altersvorsorge zurücklegen könnten, die ja schon bedingt nur einem Bruchteil der Rente/Pension eines öffentlich Bediensteten entspricht. Wie konnte sich die Gesellschaft nur in diesem zum Himmel schreienden Unrecht entwickeln. Um das zu kaschieren, wurde ja wochenlang über die Medien den Bürgern demagogisch bewiesen, daß die DDR ein Unrechtstaat war. Nur gut, daß ich in diesem gaugschen freiheitlichen demokratischen Rechtsstaat BRD wohnen darf, wo mir auf Schritt und Tritt Unrecht und Lügen begegnen. Die unrühmlichte Rolle übernehmen dabei die gekauften Medien, die Argumente sind oft so falsch und durchschaubar, daß ich mich 30 Jahre zurückgebeamt empfinde und glaube, die Aktuelle Kamera zu sehen.

Alter Sachse

20. Dezember 2014 19:13

Gibt es Pegida am 29.12.2014?

Wegner:
Das wird man nach der kommenden Weihnachtslieder-"Demonstration" erfahren.

Nils Wegner

20. Dezember 2014 19:23

Gelesen und gelacht:

https://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2014/Kontaktversuch-Luegenpresse-trifft-Pegida-,pegida136.html

»Korrektur:
Wie wir im Nachgang zur Sendung erfahren haben, handelt es sich bei einem der Demonstranten, die wir vor Ort in Dresden interviewt haben, um einen Reporter von RTL. Dieser Fakt war uns nicht bekannt. Im Interview äußerte er u.a. seine Sorgen bezüglich der Zahl der Türken im Straßenbild und des Bürgerkriegs in Syrien. Der Mann hat sich nun bei uns gemeldet und beteuert, dass er eigentlich anderer Ansicht sei und dass diese Aussagen nicht seiner Meinung entsprächen.«

In der Tat läuft die Selbstdemaskierung auf hohen Touren.

Waldgänger (e.B.) aus Schwaben

21. Dezember 2014 14:09

@Wegner
gelesen und gelacht

Wer sich noch erinnert:

Gegen Ende der DDR berichtete das "Neue Deutschland" die erfundene Geschichte einer Entführung eines DDR-Bürgers in den Westen:

Zehntausende flohen über Ungarn in den Westen und das ND erzählte, wie ein DDR-Bürger im Zug in Ungarn mit Kaffee und einer Mentholzigarette betäubt wurde und im Westen wieder aufwachte;

"Wie BRD-Bürger gemacht werden"

Die pure Verzweiflung eines zusammenbrechenden Systems

Rosenkranz

21. Dezember 2014 18:05

Danke Herr Wegner für den tollen Artikel.

Oft wird die Weigerung des Bürgers etwas zu tun, als Zustimmung für die Etablierten gewertet. In diesem Falle ist es mit einer "aktiven" Weigerung genau anders herum. Sie ist ein starkes Instrument der Ablehnung des Bestehenden. Einige Journalisten haben wohl Probleme und kommen mit diesem Liebesentzug nicht klar. Nun "befragt" man schon die eigenen Kollegen. Die linke Journaille demaskiert sich ein weiteres mal selbst.

Wie von Herrn Gebhardt schön beschrieben, läuft der Angriff der Etablierten ins Leere. Aikido ist nicht passiv, sondern aktiv mit einer eigenen starken Position und großer Flexibilität. So ist auch eine scheinbare Übermacht (Masse) kein Problem. Auch ein König Leonidas oder ein Miyamoto Musashi zeigten sich diesbezüglich unbeeindruckt. Erinnern wir uns wieder ihrer, vor allem mentaler, Stärke.

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.