Sezession
1. Juni 2017

Manuel Gogos interviewt Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz / 41 Kommentare

Sie folgt dem üblichen Narrativ dieser Produktionen, wonach die Identitären ganz doll "rechtsextrem" und "gefährlich" seien, ihre finstere Agenda aber geschickt hinter hippen und anschlußfähigen Selbstinszenierungen zu verbergen wissen, wofür als Kronzeugen linksextreme Berufsdenunzianten und Antifazuspieler aufgerufen werden, die davon leben, politisch Andersdenkende zu diffamieren und zu Stroh- und Buhmännern zu entstellen. Laut den Machern dieses Gruselstücks ist natürlich auch Martin Sellner wahrscheinlich ein "Nazi" geblieben (wie man weiß, hat er seine Jugendsünden offen bekannt), der alle Welt mit einer geschickten Mimikry täuscht. Eine weitere Neuauflage einer alten Schallplatte, die schon vor Jahren von Mathias Brodkorb gründlich zerlegt wurde.  

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Das Perfide am Mimikry-Vorwurf (aber auch das für die Klientel, die sich seiner bedient, ungemein Praktische) ist, daß er weder bewiesen noch widerlegt werden kann, sondern einen rein stigmatisierenden Charakter hat. Das ist die "Herrschaft des Verdachts", die letzten Endes den einzigen Zweck hat, ihre Zielscheibe gleichsam in eine mentale Quarantäne zu stecken und jegliche sachliche Diskussion, jede Möglichkeit eines Dialogs zu ersticken.

Ich sage an dieser Stelle ganz lapidar: wer Sellners Texte, etwa auf diesem Blog, tatsächlich gelesen, seine Youtube-Videos gesehen, ihm dabei auch genau zugehört hat, und immer noch behauptet, es handele sich hier um nichts weiter als einen sich heimtückisch verstellenden "Nazi", dessen Argumente man nicht ernst nehmen muß - der ist unseriös, unredlich, böswillig, faul oder hat selbst eine Agenda.

An dieser Stelle möchte ich eine Geschichte erzählen. Am 10. Februar 2016 bekam ich eine E-Mail von einem Herrn namens Manuel Gogos, der auch für die arte-Reportage mitverantwortlich ist. Die las sich so:

Sehr geehrter Martin Lichtmesz,
 
Sie haben wahrscheinlich von meiner Interview-Anfrage bzgl. einer Hörfunkfeatureproduktion für den WDR und eines Films für arte über die "Identitären" gehört. Habe ich den Kollegen von Antaios richtig interpretiert, daß Sie bereit wären, mitzumachen? Ich hatte angedeutet, daß es - mir als einem Kind der Einwanderungsgesellschaft (Vater griechischer "Gastarbeiter") - dabei auch besonders um ein Gespräch um eben diese Einwanderungsgesellschaft gehen könnte.
 
Nach dem Heereslager der Heiligen lese ich jetzt gerade beeindruckt Ihr Buch über das "Rettende". Als ehemaliger New Waver ("Manierismus der Wut", Sloterdijk), als Religionswissenschaftler (intensive Beschäftigung mit Eliade etc.), Philosoph (mit Vorliebe: Heidegger, Kierkegaard) und als promovierter Literaturwissenschaftler (einige meiner Lieblingstitel sind: Cioran, Syllogismen der Bitterkeit, oder Chesterton, Die Verteidigung der Orthodoxie) finde ich es frappant, wie viel wir da gemeinsam haben.
 
Auch für mich hat die Frage nach Identität etwas obsessives, die Frage nach Herkunft, Tradition und Überlieferung, die Frage nach der "religio" - auch wenn ich diesen Sehnsuchtsort niemals mit "Deutschland" bezeichnet hätte. ("no go") Nicht nur für die wahnsinnige Griechenlandliebe der Deutschen stimmt ja: Das wahre Leben ist immer anderswo. Ich denke, wir sind eben nach den paradiesischen Bernsteintagen (die es nie gab, siehe Novalis) zu dieser Freiheit, zur "Exzentrik" verflucht. "Sesshaftigkeit" übe ich dagegen seit Jahren (im Zen). Mit anderen Worten, meine ich: Wenn Sie sich auf das Gespräch einlassen, könnte das eine substantielle Auseinandersetzung werden.
 
Mit freundlichen Grüßen
Manuel Gogos

 

Nun habe ich schon oft allerlei Anfragen aus der Zone des sogenannten Mainstreams bekommen, "Sehr geehrter Herr...", "Lieber Herr...", "Mit herzlichen Grüßen" usw. usf., häufig verdächtig ranschmeißerisch und durchsichtig, und ich lehne sie meistens ab, vor allem aufgrund meiner nicht allzu guten Erfahrung mit dem 3sat-Beitrag aus dem Jahr 2011, der Kubitschek, Kositza und mich mit Gruselmusik, teils sinnentstellenden Interviewschnipseln und diffamierender Anmoderation als, keuch, "gefährliche Denker" präsentierte. Dem gingen stundenlange Gespräche und Telefonate mit den mir vertrauenswürdig erscheinenden Machern voraus, die mir den Eindruck vermittelten, daß es hier ernsthaft um die Sache und keine Schurkenparade gehen sollte (das "Sequel" aus dem Jahr 2016, diesmal ohne mich, fiel um einiges ausgewogener aus).

Diese Methode ist natürlich generell üblich unter Journalisten und Fernsehmenschen, die oft ziemlich skrupellos sein können, nicht nur, aber besonders gern, wenn es um "Rechte" geht: einschleimen, aussaugen, vorführen: Diese Erfahrung hat auch Alina Wychera machen müssen.

Ich hätte es wohl damals schon besser wissen müssen, aber es reizte mich, die Herausforderung anzunehmen. Immerhin habe ich im Lauf der Jahre immer wieder von Lesern mitgeteilt bekommen, daß es gerade dieses (inzwischen dem Vernehmen nach semi-kultige) Video gewesen sei, das sie zur Sezession gelockt habe, nicht, weil sie das Gezeigte für bare Münze nahmen, sondern, weil sie imstande waren, unter die Oberfläche der Machart zu blicken.

Gogos' Mail war ungewöhnlich und machte einen guten Eindruck auf mich. Sie erschien mir ehrlich interessiert und herausfordernd. Also antwortete ich nach einigem Überlegen:

Lieber Herr Gogos,

Ich danke für Ihr Interesse, in der Tat freut und kitzelt mich sehr, was Sie da schreiben. Ja, ich denke, dabei könnte etwas Substantielles und Interessantes herauskommen...

Dann geschah etwas, das mich etwas mißtrauisch machte. Schon in der nächsten Mail überrumpelte mich Gogos mit einem "Du":

Lieber Martin,
 
das freut mich. Ich erwarte also Deine "Rückmeldung" (wenn ich über alle ideologischen Gräben hinweg Du sagen darf), beste Grüße, Manuel
 
Das war mir ein etwas zu rascher Distanzensprung, dennoch wollte ich kein Spielverderber sein und gab ihm einen Vertrauensbonus. Ich stellte jedoch rasch klar, daß ich allenfalls zu Ton- aber keinesfalls zu Filmaufnahmen bereit wäre (er bohrte später mehrfach nach). Außerdem bat ich ihn, das Interview möglichst auf "Kann nur ein Gott uns retten?" zu konzentrieren, da ich auch einmal über etwas anderes als den "großen Austausch" usw. reden wolle.
 
Wir trafen uns schließlich am 4. Mai in Wien und führten ein etwa zweistündiges Gespräch, in dessen Verlauf wir nicht wenige Berührungspunkte fanden. Ich empfand es als entspannt und außerordentlich anregend. Auf seinen Inhalt werde ich gleich zurückkommen, aber zuerst muß ich die Geschichte zu Ende erzählen.
 
Wie besprochen, ließ mir Gogos ein paar Tage später eine Aufnahme des kompletten Gesprächs zur eigenen Verwendung zukommen, und schrieb:
 
Ich wollte Dir nochmal danke sagen, das war wirklich ein sehr interessantes und gutes Gespräch mit Dir in Wien.
 

Worauf ich antwortete:

 
Auch ich danke für das gute Gespräch, da ist einiges bei mir hängengeblieben, und ich würde das gerne bei Gelegenheit fortsetzen, bzw. Dich gegen-interviewen.
 
Ein paar Wochen später fragte er mich, ob ich "Telluria" von Sorokin schon gelesen habe, "als Dystopie salafistischer Endzeiten vielleicht noch kühner als 'Unterwerfung' von Houellebecq." Zusätzlich empfahl er mir "Rückforderung des Conde don Julián" von Juan Goytisolo - "ungeheuer sprachmächtig zum Thema 'Reconquista'". Ich las dieses Anti-Reconquista-Buch in der Tradition von Lautréamont, Sade und Genet mit Interesse, und teilte ihm in einer späteren Mail meine Gedanken dazu mit. Als nächstes schickte er mir ein Video von einem seiner Lieblingssongs (Chris de Burghs "Crusader") zu, das gut zu unseren Diskussionen über die "heroische" Ikonographie der "Identitären Bewegung" paßte, und das ich mit mit "Maid of Orléans" vom OMD quittierte. Dann war mehrere Monate Funkstille.
 
Im November 2016 bekam ich schließlich eine Mail, die mich darauf hinwies, daß sein Radiofeature über die "Identitären" mit meinem Auftritt fertig sei: "Ich danke Dir nochmal für Deine Bereitschaft, mitzumachen."
 
 

Ist Martin Sellner wirklich aus der Neonaziszene ausgestiegen, wie er mir versichert hat, oder war das nur ein geschicktes Täuschungsmanöver? Ist seine Warnung vor dem "großen Austausch" nicht genau das, was Neonazis – nicht ganz so clever –den "Volkstod" nennen? Sind die Identitären wirklich nur harmlose "Patrioten", die den gewaltlosen Widerstand Gandhis propagieren? Oder besteht gerade darin ihre besondere Gefährlichkeit und Tücke – dass sie durch das übliche Raster des Rechtsextremismus fallen, dass der Wolf Kreide gefressen hat? Mein Feature dechiffriert die Selbstinszenierungen der Identitären, um den Rechtsextremismus 2.0 sichtbar zu machen.

 
Die altbekannte Melodie! Also offenbar eine weitere Sendung, die einmal mehr den großen Entlarvungs-, Demaskierungs- und "Dechiffrierungs"-Evergreen abspielt. Angesichts des Tonfalls unserer bisherigen Korrespondenz, von der sich dies nun krass unterschied, war ich überrascht. Also schrieb ich an Gogos:
 
Bevor ich mir das anhöre, mach's nicht so spannend und klär mich mal kurz über die Teaser auf: Deine bottom line lautet also, daß unsere "besondere Gefährlichkeit und Tücke" darin besteht, daß  "der Wolf Kreide gefressen hat"?
 
Worauf er antwortete:
 
ein bischen differenzierter ist es schon...!
 
Die Sendung hielt, was sie versprach, und ich teilte Gogos recht deutlich mein Mißfallen mit. Er schien zuerst gar nicht zu verstehen (oder tat zumindest so, als ob), warum ich denn nun einen solch sarkastischen, scharfen Tonfall anschlug. Ich erklärte es ihm:
 
Mich verwundert es ein wenig, daß Du Dich offenbar über meine bissige Antwort wunderst. Ich habe mich gewiß nicht interviewen lassen, um den x-ten Artikel zu lesen, der mich und die Leute, mit denen ich zusammenarbeite, als "gefährlich", "tückisch" und kreidefressende Wölfe hinstellt, woran auch die ganzen Fragezeichen nichts ändern. Das ist einfach unerhört. Eine Nummer, die umso perfider ist, als sie einem einen Verdacht anhängt, den man weder beweisen noch widerlegen kann.
 
Worauf er antwortete:
 
Vielleicht hast Du recht, und ich habe Kreide gefressen, um unter den Wölfen zu wildern. Hat Dir jemals jemand in der wunderbaren Welt der Lügenpresse soviel Redezeit eingeräumt, und zwar ohne Deine Aussagen zu verzerren?
 
Darauf wieder ich:
 
Ich habe Dich nicht um diese "Redezeit" gebeten. DU hast mich um diese Redezeit gebeten und sie mir abgeworben, zu welchem Zweck auch immer. 
 
Die arte-Sendung ist nun gewissermaßen die Filmversion derselben Nummer, diesmal ohne meine Wenigkeit. Er band dabei auch sich selbst und seine Geschichte als "Migrationshintergründler" ein. Aus seinem Kommentar für den WDR:

Was aber, wenn der eigene Vater selbst in den 1960er Jahren als Gastarbeiter aus Griechenland nach Deutschland eingewandert ist, wie in meinem Fall. Was bedeutet das dann in den Augen dieser identitären "Ethnopluralisten"? Ist mein Vater dann ein Agent des "großen Austauschs", vor dem sie permanent warnen? Dürfte jemand wie ich dann überhaupt existieren?


Ich war etwas perplex, als ich dieses dräuend-suggestive Geraune las. Hatte er mir oder Sellner überhaupt zugehört? Hatte er Camus wirklich gelesen, etwa, was er über die Frage der Assimilation schrieb? Wenn ja, wieso soll sein Vater (dessen aufrichtige Assimilationsbemühungen er im Gespräch mit mir übrigens ausdrücklich betonte, ebenso sein eigenes selbstverständliches Deutschsein) "Agent des 'großen Austauschs'" sein? Und wieso soll er selbst nicht "existieren dürfen"?
 
Es ist mir an dieser Stelle zu blöde, diese seltsamen, völlig unsinnigen Fragen und die darin eingewickelten Unterstellungen auch noch zu widerlegen.
 
Stattdessen lasse ich Imad Karim sprechen, und sollte Meister Gogos diese Zeilen lesen, darf er gern rätseln, warum:
 
Ich kam als Fremder nach Deutschland und es nahm mich mit all seiner Kraft auf. Heute kommt Deutschland fremd zu mir und ich weine Bluttränen, weil ich es nicht schützen kann. (...)
 
Aber Ihr, meine Kinder, Ihr könnt Deutschland, mein Deutschland noch retten. Das ist mein humanistischer und keinesfalls chauvinistischer Aufruf an Euch. Stoppt den Siegeszug der Barbarei. Sagt Merkel und der gesamten politischen Elite, den Grünen, den Medien, der Gerichtsbarkeit und allen, dass Ihr entscheidet, wer zu Euch kommt und wer nicht, denn das ist Euer legitimes Selbstbestimmungsrecht als Volk. Erinnert Cem Özdemir daran, dass ich nicht den Film „Cem Özdemir der Spätzletürke der Film“ gemacht hätte, hätte ich gewusst, dass er eines Tages über Eure Köpfe entscheidet, wer oder was zu Deutschland gehört.
 
Und vergesst nicht, mir mein altes Deutschland wiederzugeben, auch, wenn ich nicht mehr da bin.
 
Nun gut: mir scheint es so, daß die Begegnung mit den Identitären und "Neuen Rechten", und vielleicht auch eine gewisse Nähe zu manchen ihrer Ansichten, bei Gogos einen wunden Punkt berührt und Ängste und Affekte ausgelöst hat, die eng mit seiner Lebensgeschichte als Einwandererkind zusammenhängen. Wenn ihn im Lauf seiner Recherche bestimmte Dinge gestört oder abgestossen haben, ist das sein gutes Recht, sie zu kritisieren. Das entschuldigt allerdings nicht seine intellektuelle Unredlichkeit und den denunziatorischen Mißbrauch, den er mit jenen Menschen getrieben hat, die einwilligten, mit ihm zu sprechen.
 
Zuletzt möchte ich das gesamte Gespräch zwischen Gogos und mir unseren Lesern zur Verfügung stellen, damit sie sich selbst einen Eindruck verschaffen können.
 
 
Wir sprachen unter anderem über die Apokalypse, "Das Heerlager der Heiligen", den "Weg der Männer" (der gerade in Arbeit war), Renaud Camus, Michel Houellebecq, die Identitäre Bewegung, migrantische und nicht-migrantische Identitäten, Utopien und Untergänge, und am Ende zeigte ich mich überaus (und vielleicht allzu) "blackpilled", was die Zukunft betrifft. Besonders interessant scheint es mir etwa ab Minute 40 zu werden, wo das Interview in einen echten Dialog über Identität und Herkunft übergeht.
 
So kann vielleicht ein Gespräch "über alle ideologischen Gräben hinweg" aussehen, in dem die Unantastbarkeit der Brunnen geachtet wird. Gogos' Radio- und Fernsehauswertungen dagegen bewegen sich auf einem hetzerischen Niveau und tragen nur dazu bei, sie noch mehr zu vergiften. Die Aufnahme soll auch den Kontrast zwischen einer echten Auseinandersetzung im realen Leben, faccia a faccia, und (frei nach einem Neologismus von Camus) dem "Fauxel"-Produkt der Bildschirme anschaulich machen.
 

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Kommentare (41)

hs
1. Juni 2017 18:18

Sehr geehrter Herr Lichtmesz,

danke, dass Sie die Voraussagbarkeit derartiger Entlarvungsdokumentationen wiederholt auf den Punkt gebracht haben. Die beiden kulturzeit-Beiträge haben mich allerdings auch visuell in meiner Haltung bestärkt.

Letzlich hat die Neue Rechte heute in Deutschland ihre eigenen Formate. Wieso also nicht in Interview über eines Ihrer Bücher u.ä.? 

Schließlich muss man sich ernsthaft die Frage stellen, ob man die deutschen "Medien" weiterhin zu sich einlädt, um danach als "gefährlich" etc. verleumndet zu werden. Sollte man solche Menschen wirklich in Ihrer Arbeit bestärken, sie gar finanzieren? Letztlich gibt es x-Leute, die in Deutschland, Österreich ... ich denke in ganz Europa arbeitlos wären, wenn Sie nicht hauptberuflich als "Rechtsextremismus-Experten" arbeiten würden. 

Die Zeit der Promotionsarbeit ist vorbei. Die Leute wissen nun, wer Kubitschek und co. sind. Entweden Sie folgen dann den "Medien" oder recherchieren selbstständig und entwickeln ihre eigene Meinung.

Caroline Sommerfeld
1. Juni 2017 18:34

Zum Entlarven/Täuschen/Mimikry/Dechiffrieren ist fast alles gesagt. Warum also immer wieder diese Nummer? Boris Groys hat in "Unter Verdacht" (2000) geschrieben: "Ein Verdacht schafft sich Gründe" und weiter "Für den Verdacht sieht nur sein eigenes Abbild hinlänglich überzeugend aus". Das ist die Struktur der Entlarvungsnummer.

Ihr tieferer Grund aus einem Ressentiment könnte folgendes sein. In einem neu erschienenen Buch über die "Alternativen Nationalen" mit dem Titel "Etikettenschwindel. Die AN zwischen Pop und Antimoderne" (ich weiß nicht, warum schreibt da jemand 2017 drüber?) nimmt sich der Autor Christoph Schulze Ernst Bloch (!) als methodische Quelle.  Dieser meinte seinerzeit, die Nazis seien in den 30er Jahren durch "Entwendungen aus der Kommune" , d.h. von den Kommunisten geklauter Symbolik und Aktionsformen, überhaupt erst groß geworden.

"Entwendungen aus der Kommune als Täuschungsmanöver" (Schulze) sind vielleicht eine durchgehende Erklärung bis heute: die Rechten haben in Wirklichkeit alles nur geklaut, und geben es als ihres aus. Rechte sind also unter Diebstahlsverdacht und - siehe Groys' Verdachtslogik - müssen es deshalb auch zwingend wirklich sein.

RMH
1. Juni 2017 19:07

Das Ganze verdeutlicht einmal wieder folgendes:

Wenn jemand überhaupt noch an das "Gute" im Menschen und an die Kraft des friedlichen Diskurses glaubt, dann doch wohl die bösen Teufel der neuen Rechten (um einmal diesen seltsamen Begriff zu gebrauchen).

Der Gegner hingegen taktiert im Wahn der "Entlarvung" (für mich neben "Couragiert" und "Mut" und etlichen anderen Ausdrücken ein klares bullshit-bingo-Indikatorwort) und meint, wirklich alles ist erlaubt und sei es noch so schäbig. Bei dem Graeculus sei entlastend angeführt, dass er vermutlich genau so und nicht anders liefern muss, damit man ihm ein paar Groschen dafür gibt (er war jung und brauchte das Geld).

Wie auch immer, hs hat durchaus recht, nur kann ich, im Gegensatz zu Ihnen, Herr Lichtmesz, nicht einschätzen, wie groß unsere Basis mittlerweile schon ist und in wie weit unsere Protagonisten davon schon leben können (bei der Familie Kubitschek scheint das ja zumindest schon der Fall zu sein). Insofern wünsche ich noch viele weitere Bucherfolge und ein Wachsen der Basis, damit man sich mit diesen Entlarvern nicht mehr abgeben muss.

Hartwig aus LG8
1. Juni 2017 19:59

Werter Herr Lichtmesz,

" ... bei Gogos Ängste und Affekte ausgelöst ..." u.s.w.

Ich würde ihm diese mildernden Umstände nicht zubilligen. Es ist ohnehin nicht glaubhaft, wenn bei derartigen Debatten persönliches Schicksal in den Vordergrund gestellt wird. Der Antrieb beiderseits der Front rührt in aller Regel nicht aus direktem persönlichen Betroffensein. Was glauben Sie, um was es mir bei meinem bescheidenen Kampf geht? Nie und nimmer geht es um mich als Person. Es geht um mich als Deutschen, um mich als jetziges Glied einer Ahnenkette, es geht um mich als Vater von Kindern und künftigen Enkeln und Urenkeln, die ich womöglich nie treffen werde. Es geht um mich als Mann, der sich zu beweisen hat an der Pflicht, in die er hineingeboren wurde. Dieses Erbe und dessen Weitergabe wird von Leuten des Schlages Gogos bedroht. Er ist gefährlich. Ginge es nur um mich als Person und mein persönliches Empfinden, so könnte ich mir das Narrentreiben aus dem Schaukelstuhl heraus betrachten, und Honig daraus saugen.

Kositza zitierte kürzlich Tenenbom, der über die Connewitzer Linken sagte, diese seien von Angst zerfressen. Womöglich. Aber bestimmt nicht deshalb, weil sie glauben, es ginge ihnen persönlich an den Kragen (soweit denken die gar nicht, denn natürlich wäre ihr Cocon der ewig währenden Bequemlichkeit bedroht), sondern weil ihr Weltbild angegriffen wird - eine gar schmerzliche Erfahrung.

Und abschließend, um es überspitzt zu sagen: Wenn wir nicht gefährlich sein wollen, unseren Gegnern gefährlich werden wollen, was eigentlich dann?

Stein
1. Juni 2017 20:21

Beim besten Willen, ich verstehe es einfach nicht, wie hochintelligente Menschen wie Kubitschek oder Lichtmesz immer wieder auf die Lügen pressenden Lumpen hereinfallen! Ist es Geltungsdrang, der Wunsch nach Anerkennung schlicht  "Normalität"?

quarz
1. Juni 2017 20:29

"Dich gegen-interviewen."

Vielleicht wäre es wirklich das Beste, solche Angebote nur noch im Tauschmodus zu akzeptieren: wie du mich (inszenierst), so ich dich!

Der_Jürgen
1. Juni 2017 20:33

Obgleich man die Methoden der "Entlarver" und "Fertigmacher" zur Genüge kennt, ist man stets aufs Neue erstaunt über die Hinterhältigkeit dieser Leute. An Stelle von Martin Lichtmesz hätte ich den Interviewwunsch eines Mannes, der sich gewissermassen als Geistesverwandter vorstellte, wohl auch nichtsahnend angenommen. Lichtmesz wird einen solchen Fehler wohl kein zweites Mal begehen.

Die Vertreter der neuen Rechten haben es nicht nötig, mit der Gegenseite zu sprechen. Ein echter Dialog kommt ohnehin nicht zustande, weil der Gegensatz der Standpunkte, aber - und dies ist mindestens ebenso wichtig - auch der Charaktere unüberbrückbar ist. Wer sich ernstlich über die Gedanken von Lichtmesz oder Kubitschek oder Sellner informieren will, kann dies heute, im Zeitalter des Internets, mit grösster Leichtigkeit selber tun. Er benötigt dazu keine Gouvernante in Gestalt eines Journalisten, der ihn über die "Gefährlichkeit" dieser Gedanken aufklärt.

Ein gebürtiger Hesse
1. Juni 2017 20:45

Und doch bleibt ob solcher persönlicher Mißbräuche (des erschlichenen Vertrauens mit dem miesen Ziel der Deligitimierung und Bloßstellung) eines stets im Hintergrund wirksam: Je mehr Zuschauer, Leser, Zuhörer von den Lügenschwätzern auf unser Milieu aufmerksam gemacht werden, desto mehr werden sich selbst ein Bild machen, die Tabu-Zone übertreten und sich bei uns umschauen wollen. Was sie dann mitbekommen, wird sie gehörig anders überzeugen, als die anfängliche Verleumdung. Wenn es eine Hoffnung gibt, die es verdient hat als letzte zu sterben (wenn überhaupt), dann diese.

Henrik Linkerhand
1. Juni 2017 20:49

Die Reportage "Unter Fremden Eine Reise zu Europas Neuen Rechten" von Gogos kam natürlich mit dem erwartbaren Ergebnis. Konnte man eigentlich auch nicht anders erwarten. Ganz anders das hier veröffenlichte Hörspiel: der Interviewer Gogos plauderte recht angenehm und charmant und zeigt nur an wenigen Stellen seine Absicht, indem er dem Interviewten in trübe Gewässer zu locken versuchte. Trotzdem hatte man den Eindruck, daß hier ein fairer Dialog geführt wurde.

M.L: So war es auch, und mich selber hat Gogos nicht direkt auflaufen lassen. Trotzdem bin ich im Hörspiel in den gleichen Kontext eingebettet wie diejenigen, die er "dechiffrieren" will. Götz Kubitschek und Martin Sellner haben indes ebensoviel Respekt verdient wie ich.

Daß ein solches Interview niemals 1:1 und unverfälscht in den öffentlichen Diskurs gelangen würde, ist eigentlich auch klar. Also, warum überhaupt noch diesen Leuten zur Verfügung stehen? Sollte man bei solch üblen Diffamierungen und Verzerrungen nicht einfach das Gespräch nebst Filmaufnahmen verweigern? Hoffentlich nicht, denn diese späteren historischen Quellen werden gewaltig zum Verständis unserer gegenwärtigen und total lächerlichen Lage beitragen. Nichts hat mich damals mehr von der Gewaltherrschaft der Nazis überzeugt, als die Filmaufnahmen nach dem 20. Juli mit Freisler im Volksgerichthof, als er die Angeklagten entmenschlicht. Bitte bleiben Sie geduldig und höflich, auch wenn es schwer fällt.

Zu Gogos fällt mir eigentlich nur das hier ein: www.youtube.com/watch?v=E-prgl6z22w

Der Gehenkte
1. Juni 2017 22:18

@ Der_Jürgen: "Lichtmesz wird einen solchen Fehler wohl kein zweites Mal begehen."

Das ist genau das Problem an der Sache: man verliert das Vertrauen in den anderen. Wie will man aber ohne ein gewisses Grundvertrauen überhaupt noch kommunizieren? Ob es ein Fehler gewesen sein wird, kann erst das Ende der Geschichte zeigen. Daher hoffe ich, daß ML diesen "Fehler" noch oft machen wird ... vielleicht mit ein bißchen mehr Rückversicherung. Kann man nicht einen Vertrag machen, der die letztgültige Absegnung eines solchen Beitrages festlegt?

"Die Vertreter der neuen Rechten haben es nicht nötig, mit der Gegenseite zu sprechen ... Wer sich ernstlich über die Gedanken von Lichtmesz oder Kubitschek oder Sellner informieren will, kann dies heute, im Zeitalter des Internets, mit grösster Leichtigkeit selber tun."

Sicher kann er es tun, wenn er es denn wollte und wenn er es eben könnte. Wir dürfen aber nicht vergessen, daß die übergroße Mehrheit der Leute zum "Man" gehört - sie tut, denkt und sagt das, was man ihr vorkaut und was Usus ist. Für die Massenmedien erreichbar zu werden, wäre ein wesentlicher Schritt, diese verderblichen Mehrheiten aufzubrechen. Umgekehrt werden unsere internen Kanäle wesentlich von einer geschlossenen Gesellschaft, mit ausgfranzten Rändern, wahrgenommen. Wer Sellner schaut, ist in der Regel schon gewonnen und wer einen selbsgedrehten Film über Lichtmesz' "Gott" sehen würde, ist in der Regel schon überzeugt, abgesehen von der exponentiellen Reichweite ... Nein, der Versuch muß weiterhin unternommen werden.

Verschiedentlich habe ich mich an Lichzmesz' Grantigkeit und Widerspruchsallergie gestoßen, aber derartige Erfahrungen machen sie verständlicher. Nur darf es nicht zu selbsterfüllenden Prophezeiungen und Teufelskreisen führen. Daher sind Risikobereitschaft und Offenheit, mit Vorsicht abgewogen, weiterhin wichtige Werte.

 

Nemo Obligatur
1. Juni 2017 22:25

Man könnte mit Einstein sagen, dass es eine Definition von Wahnsinn sei, bei gleicher Versuchsanordnung ein anderes Ergebnis zu erwarten, aber ganz so einfach ist es beim Bohren dicker Bretter eben doch nicht.

Ja, der Journalist Gogos...Ich hatte mit tatsächlich seine Reportage am Dienstag(?) auf Arte angeschaut. Der wirkt schon auch vertrauenerweckend. Andererseits ist er auch seinem Brötchengeber verpflichtet. Hat er auch gut gemacht, im Sinne der "herrschenden Klasse" die spinnerte Frauencombo "Les Brigandes" mit dem biederen Herrn Kubitschek kurzzuschließen. Das "Frau  Kositzka" (sic!) kann man ihm vielleicht auch noch durchgehen lassen. Aber in der Schlusseinstellung so zu tun, als sei er ergebnisoffen nach Schnellroda, Berlin, Wien und Frankreich gefahren, um nach Wägung aller Argumente sich in letzter Minute doch nicht spontan den Identitären anzuschließen - das ist schon frivol.

Auf der anderen Seite: Wer, bitte schön, guckt sich denn unter der Woche im Kulturfunk spätabendliche Reisereportagen an? Oder zieht sich ein Radiofeature in WDR 5 rein? Die Massen werden davon nicht bewegt. Einige wenige werden aber vielleicht doch mal Schnellroda oder die Identitäre Bewegung googeln. Insofern: Nicht einschüchtern lassen, Herr Lichtmesz, die Kraft der Argumente ist auf Ihrer Seite!

deutscheridentitärer
1. Juni 2017 23:04

"Vielleicht hast Du recht, und ich habe Kreide gefressen, um unter den Wölfen zu wildern. Hat Dir jemals jemand in der wunderbaren Welt der Lügenpresse soviel Redezeit eingeräumt, und zwar ohne Deine Aussagen zu verzerren?"

Wahnsinn, was für eine miese Nummer. Ich habe die Reportage gestern bereits gesehen und wusste dementsprechend, worauf obiger Artikel hinauslaufen wird, aber dieses dreiste Gestehen der eigenen Hinterfotzigkeit verbunden mit ekliger Herablassung - damit hatte ich nicht gerechnet.

Die ganze Reportage ist ein einziger Witz, schlechter Agitprop wie eh und je, und wie immer kontraproduktiv: Sellner und Co haben einige griffige Aussagen untergebracht und das Bildmaterial inszeniert die IB sehr schön.

Ich verstehe nicht, wie jemand, der in der Korrespondenz genannten Autoren, von denen ich nicht alle kenne, bestätigend gelesen hat, zu so einem Blödsinnskommentar in der Lage ist.

Er muss sich doch schämen?

Am Rande mit diesem Thema zusammenhängend:

Ich habe kürzlich meine Verwirrung angesichts der augescheinlichen Realitätsferne des anderen Lagers kundgetan - nun lese ich gerade "Die Sprache der BRD", und auf einmal ist die Verwirrung wie weggeblasen und es gibt alles Sinn.

MKH ist wirklich einer der besten, die wir haben, schade, dass er schon länger nichts mehr publiziert hat; alleine schon seine klare und prägnante Art sich auszudrücken ist ein Hochgenuss.

Ebenfalls am Rande mit dem Thema zusammenhängend:

Bekanntlich haben gestern 200 Schüler gewaltsam versucht die Abschiebung eines Afghanen zu verhindern. 

In den Nachrichten dazu war einhellig zu hören, wie gut der Afghane doch integriert sei, wie beliebt und was für ein guter Schüler usw.

Heute nun höre ich, besagter Afghane hätte der Polizei angekündigt in einem Monat wieder zu kommen und dann "Deutsche zu töten".

deutscheridentitärer
1. Juni 2017 23:05

"die spinnerte Frauencombo "Les Brigandes" mit dem biederen Herrn Kubitschek kurzzuschließen."

So spinnert sind die doch nicht - machen eingängige Musik und inhaltlich absolut zutreffend.

Komisch war halt ihr Chef, aber nun gut, man ist ja einiges gewohnt ...

Monika L.
1. Juni 2017 23:50

"Vielleicht hast Du recht, und ich habe Kreide gefressen, um unter den Wölfen zu wildern. Hat Dir jemals jemand in der wunderbaren Welt der Lügenpresse soviel Redezeit eingeräumt, und zwar ohne Deine Aussagen zu verzerren?"

So redet wohl nur ein pick-up artist. Werter Herr Lichtmesz, seien Sie froh, dass Sie keine attraktive, junge Frau sind. Der Typ hätte versucht, Sie ins Bett zu kriegen, um ihr Arbeitsumfeld zu diskreditieren und zu zerstören. Er entlarvt sich selbst.

Das Gespräch vom 4. Mai 16 ist allerdings interessant. Schade, dass Gogos nicht diese subtilen Gedanken beruflich " verwertet" . Er mußte wohl den Vorgaben von "arte" folgen. Den Preis der Anpassung zahlen leider auch Deutsche mit Migrationshintergrund. Gerade auch, wenn sie in die Konkurrenzberufe einsteigen. Und nicht mehr Pizzabäcker, türkischer Gemüsehändler oder griechischer Hilfsarbeiter sein wollen. Vielleicht Überanpassung ...um dazu zu gehören..

Dodecan
1. Juni 2017 23:58

Der erste Fehler war, das "DU" nicht konsequent abzulehnen. Vielleicht war es auch der einzige Fehler in der ganzen spannenden Geschichte. Ansonsten hat die Gesprächsbereitschaft zur weiteren Klärung der Fronten beigetragen. Allein dies sowie die Erfahrungsmitteilung hier sind sehr von Nutzen. Der Gesamtschaden und/oder -nutzen einer solchen Gesprächsbereitschaft kann derzeit noch nicht beurteilt werden.

Henrik Linkerhand
2. Juni 2017 01:09

Mir hat übrigens die Reportage von Gogos gut gefallen. Den Agitation- Propagandaduktus muss man einfach ausblenden. Allein die Innenaufnahmen von Camus` ausgebauter Schloßruine (der Mann lebt wirklich spektakulär, war direkt neidisch). Und dann das gequälte Gesicht beim Interviewen von "Schinkel" und Sellner, und die ständige Leier von seinem Migrantenpapi und das er doch ein vollwertiger Deutscher sei (was auch immer das sein möge). Oder als er und Kubitschek sich im Garten in Augen schauen, beide mit einer Hand und festen Griff am Gartenzaun, das ist Bildsprache pur.

"Vielleicht hast Du recht, und ich habe Kreide gefressen, um unter den Wölfen zu wildern. Hat Dir jemals jemand in der wunderbaren Welt der Lügenpresse soviel Redezeit eingeräumt, und zwar ohne Deine Aussagen zu verzerren?"

Das klingt mies und ist es auch, gibt aber ein gutes Bild vom Innen- oder "Seelen"leben deutscher Journalisten. - Eh Alter, was willste. Konntest doch frei reden und hab` dich noch nicht mal verarscht. Bei meinen Kumpels haste nicht soviel Glück. Eigentlich dürften Typen wie du überhaupt nicht zu Wort kommen. Eigentlich bin ich das Opfer, musste mir den Shit vom Heereslager reinziehen und auch noch so tun als ob-

Wenn das alles nicht so traurig und toternst wäre, wäre es wirklich lustig.

 

 

Der_Jürgen
2. Juni 2017 01:09

@Der Gehenkte

"Umgekehrt werden unsere Kanäle im wesentlichen von einer geschlossenen Gesellschaft, mit ausgefranzten Rändern, wahrgenommen..."

Sie schneiden hier ein wichtiges Thema an. So wie sich unsere Feinde immerfort selbst bestätigen, sich in ihrem Gutmenschentum sonnen und sich gegenseitig auf die Schulter klopfen, wenn wieder einer von ihnen wuchtig gegen "krude Fremdenhasser", "unverbesserliche Nazis", "ewiggestrige Rechtsradikale" und "paranoide Verschwörungstheoretiker" zugeschlagen hat, können auch wir einer Wagenburgmentalität verfallen, nach dem Motto "Wir, die sieben Aufrechten, gegen die Mafia". Nur: Auf unserer Seite hat diese Sichtweise ihre Berechtigung.

Mit Ihrer geistvollen Formulierung von den "ausgefranzten Rändern" wollen Sie sicherlich darauf hinweisen, dass es ein gewisses Minimum gibt, welches uns alle zusammenhält - das Nein zum Grossen Austausch, das Bekenntnis zur Bewahrung der Nationen, Kulturen und Traditionen -, dass aber in anderen Fragen zwischen uns durchaus grosse Meinungsverschiedenheiten bestehen, die wir hier auf zivilisierte Weise erörtern. Ich erinnere da an unseren Schlagabtausch bezüglich der Evolutionstheorie, die ich als Humbug betrachte und Sie als wissenschaftlich erwiesene Tatsache; ich erinnere auch daran, dass ein Libertärer wie @Starhemberg hier zwar eine Minderheitsposition vertritt, sich aber ebenso ungehindert zu Wort melden kann wie Verfechter einer gelenkten Marktwistschaft (wahrscheinlich die Mehrheit der Foristen). Schliesslich sei an die Zusammenstösse zwischen @Rasknolnikow und @Gustav Grambauer erinnert, zwei intellektuellen Schwergewichten, die in wichtigen Fragen eine diametral entgegengesetzte Position verfechten und dies hier dürfen.

Meinungspluralismus findet man auf diesem Blog also in unvergleichlich grösserem Umfang als im linken und liberalen Lager (aber auch als bei koscheren Konservativen wie PI). In der Zentralfrage machen wir jedoch keine Kompromisse; da sind wir eine geschlossene Phalanx, genau wie die Gegenseite. Einen Mittelweg zwischen dem Ja und dem Nein zum Grossen Austausch gibt es nicht, denn auch ein langsamer Grosser Austausch a la Seehofer ist immer noch einer.

Insofern gilt: Versöhnung zu unseren Bedingungen. Wer den Weg nach Schnellroda findet, gehört zu uns, egal was für Unfug er früher gesagt oder geschrieben haben mag (Jürgen Elsässer hat früher als Antideutscher den närrischsten Unsinn verzapft, aber das ist ihm längst verziehen). Wer weiterhin "Deutschland verrecke" oder "Deutschland muss bunter werden" schreit (was beides dasselbe ist, nur ist das zweitere eleganter formuliert), ist unser Feind. Basta.

"Der Versuch muss weiter unternommen werden", schreiben Sie. Ja, muss er - der Versuch, möglichst viele Gegner für uns zu gewinnen, nicht der Versuch, faule Kompromisse zu bewerkstelligen.  

0001
2. Juni 2017 01:12

Manuel hat Martin einfach verarscht.  Das ist alles.

destijl
2. Juni 2017 04:57

Zur Doku. Dass der Mann seinen Migrationshintergrund sowohl in der Sendung als auch sonst in seinem Aussenauftritt derart penetrant vor sich herträgt hat einen einfachen Grund: So kommt man in Deutschland weiter. Das sagt jemand, der selbst Migrationbackground hat und im Filmbereich arbeitet. Ich habe mich dem immer verweigert, war mir zu schade, wollte allein meiner künstlerischen Arbeit wegen und als ganz normaler Deutscher wahrgenommen werden (was optisch und vom Namen her unproblematisch ist). Aber siehe da: Das "subtil-andere" in mir, das womöglich interessant andere hat, bei allem geheuchelten Interesse, dann doch nie interessiert. Ich mußte erfahren: Wenn man brav Migranten-Pfötchen gibt, stehen einem plötzlich Möglichkeiten offen. Siehe auch aktuell den Fall von Imad Karim. Allerdings, für den Migranten gibt es eine Rolle: Die des Deutschland-Kritikers und Anti-Nazi-Mahners und Multikulti-Erklärers. Alles wirkt im Dienste der Deutschen Psychose. Ich habe lange gebraucht um das vollends zu kapieren. Zuletzt war es Tenenboms Buch, was mir die Augen geöffnet hat: Selbst die Welcome-Culture und die Migrationskrise sind nichts anderes als Exorzismen des Deutschen Unterbewußtseins — wo Adolf und Konsorten unausrottbar wildern, scheinbar für immer. 

Ich verstehe Martins Enttäuschung. Wer beauptet Eliade und Cioran (den er aber auch gleich mal falsch ausspricht, im Gegensatz zu Martin) nicht nur gelesen, sondern verinnerlicht zu haben, um dann dermaßen konformistisch daherzukommen... Das ist natürlich erbärmlich.

M.L.: Ich spreche Namen auch dauernd falsch bzw. austriakisierend aus! Und bei Cioran gilt die rumänische wie französische Version.

Als Subkulturen noch etwas galten nannte man sowas Sell-Out. So etwas lässt Tobias Rapp und seine Schnellroda-Homestory im Spiegel noch einmal ganz besonders glänzen und zeigt: Kommunikation ist möglich, wenn sowohl Sender als auch Empfänger echten Anspruch auf Austausch haben und die dazu notwendige Empathie und Geistestiefe mitbringen.  

donna_alta
2. Juni 2017 11:52

Das schmerzhafte Leben, die harten Fakten sind nicht uminterpretierbar. Sie sind einfach nur spürbar da, immer tiefer. Immer brutaler.

Weder ein “Rechtenversteher“ mit griechischem Migrationshintergrund, der nach seine Reise zu den Rechten Europas zu dem Schluss kommt, die Geschichten von Identität nicht denselben zu überlassen, ohne eine einzige erzählen zu können, noch ein sichtlich verunsicherter Berater der jungen LePen können daran etwas ändern. “Das Sein bestimmt das Bewusstsein“ habe ich schon in der sozialistischen Schule gelernt und finde mich heute in einer Realität, in der die große Masse völlig gehirngewaschen diese Weisheit ad absurdum führt. Scheinbar, vorerst noch.

Ich verehre die Protagonisten der Neuen Rechten und insbesondere der IB rufe ich - weiße, alte, emotionale Frau zu - Ihr seid die Guten! Und ich bin unendlich dankbar, dass es euch gibt!

Am besten haben mir die beiden österreichischen Wirtinnen gefallen. Bei denen möchte ich den Abend bei einem Glas Wein ausklingen lassen und mich dann in mein Schloß zurück ziehen.

Der Film insgesamt lässt mich genauso ratlos zurück, wie ich es vorher schon war. Was soll das alles und wer schaut sich das mit welchen daraus gezogenen Erkenntnissen an? Das würde mich wirklich mal interessieren. Ich mache manchmal ein Experiment und versuche “mit den Augen der Gegenseite“ drauf zu schauen. Irgendwie empfand ich es sogar aus diesem Blickwinkel ermüdend.

Einer Sache bin ich jedoch gewiss: Diese Form von voran schreitender, vielfältiger Selbstvernichtung wird die kommende Generation weder erwirtschaften können noch wollen. Zutiefst beunruhigend, dass dieser Fakt mich beinahe friedlich werden lösst.

Martin S.
2. Juni 2017 12:03

Der  Manuel. Sehr interessant. Man trifft sich immer zweimal...  Ich habe Manuel G.  oberflächlich kennen gelernt. Das war 1996 - 1998 in Bonn.   Damals  war er noch im Studium. Sein griechischer Vater spielte  damals praktisch keine Rolle.  Aber in einem Bonner Zen-Dojo hat er fleissig meditiert.  Tja, der Vater Grieche, die Mutter Deutsche , Zen-Meditation ... Vermutlich  sucht er immer noch nach einer identitäten Heimat ...

Starhemberg
2. Juni 2017 12:07

Nach vielen Jahren beruflicher Tätigkeit im "Showbusiness" kann ich dazu nur sagen - auch schlechte "Promotion" ist "Promotion"! Die andere Seite kann es sich gar nicht leisten, ehrlich und differenziert zu berichten, da der jeweilige Redakteur dann Probleme in seinem beruflichen Umfeld bekommen würde. Spielen wir das ungustiöse Spiel ruhig mit, "if you can't take the heat, don't go in the kitchen."

M.L.: Ich kollaboriere nicht mit Diffamierungspropaganda.

Wir befinden uns in einem unerklärten Kriegszustand, was wollen wir da vom Feind schon erwarten.

Starhemberg
2. Juni 2017 12:08

P.S. Das "Du-Wort" hätte man allerdings unbedingt ablehnen sollen.

Starhemberg
2. Juni 2017 13:00

Bester M.L., es geht auch nicht um "Kollaboration", ein Wort übrigens, welches den Franzosen heutzutage etwas peinlich ist, sondern um das illusionslose "Benutzen" des verlogenen und heuchlerischen Gegners.

M.L.: Ich glaube eher, Sie sind derjenige, der sich hier Illusionen macht. Aber Sie können mir ja gerne demonstrieren, wie Sie mit Ihrem Namen und Gesicht den Gegner illusionslos benutzen.

quarz
2. Juni 2017 13:57

Jetzt habe ich mir diese Sendung angesehen. Ich war ja vorgewarnt durch das, was ich hier gelesen habe, aber die Primitivität der Polemik, die in dem Fernsehbeitrag zum Ausdruck kommt, hat dann noch alle Erwartungen übertroffen. Umso mehr, als der Sendungsmacher sich ja zuvor in der Pose des empathischen Feingeistes präsentiert hat. Welch tragische Persönlichkeit, die zu den abgedroschensten Fake-Klischees zuflucht nehmen muss, nur um nicht gegen das liturgische Protokoll seines ideologischen Soziotops zu verstoßen.

Streckenweise präsentiert sich der Hintergrundtext wie eine Aneinanderreihung von Sätzen, wie man sie in einer Straßenumfrage von naiven Teenager(innen) erwarten würde, die sich bemühen, aus Slogans, die sie aus ihrer Peergroup in Erinnerung haben, irgendeine Antwort zusammenzustückeln.

Maiordomus
2. Juni 2017 14:40

@Lichtmesz. Das mit der Diffamierungspropaganda ist offenkundig; es ist auch richtig, mit solcher nicht vorsätzlich zu kollaborieren. Nicht zu unterschätzen bleibt trotzdem, dass noch die Diffamierung sich als eine historische Quelle eignet, spätestens dann, wenn der Mainstream sich totgelaufen hat. Gilt selbst für den Hexenhammer des Mittelalters. Natürlich ist es schwierig, den Wahrheitskern der Diffamierer zu destillieren, weil dann und wann nicht mal das Gegenteil richtig ist.

Noch was zur Forschung: Was zwischen 1530 und noch um 1550 über Paracelsus öffentlich abgesondert wurde, incl. damaliges Lexikonwissen, war praktisch nur Diffamierung. Wenn man die Texte gegen den Strich bürstet, das Interesse an vorsätzlichen Lügen einkalkuliert, kommt sozusagen unfreiwillig viel Wahres zum Vorschein. 1936 schliesslich schrieb der Völkische Beobachter unter dem Titel "Ist die Geschichte eine Konfession" einen Totalverriss von Reinhold Schneiders Buch "Das Inselreich - Gesetz und Grösse der britischen Macht" sowie "Auf Wegen deutscher Geschichte - eine Fahrt ins Reich". Die böswillige stark ideologische Rezension, im konkreten Fall Ausdruck des nicht mal allein dominierenden gottlosen Lagers in der nationalsozialistischen Publizistik, brachte in der damaligen Zeit beim Leser, der richtig lesen konnte, äusserst kostbare Informationen über Reinhold Schneiders Geschichtsphilosophie an den Tag, wiewohl noch in den wahren Sätzen ungenau dargestellt. Man lernte einen Autor kennen, dessen Fragestellungen dem Zeitgeist nicht entsprachen und der ernst genommen werden musste.

Aufklärung durch Diffamierung. Meine erste Begegnung mit Nietzsche hatte ich mit ca. 12  Jahren bei einer Predigt eines Volksmissionars gegen die Gottlosigkeit mit Friedrich Nietzsche als abschreckend gemeintem Beispiel. Ich erinnere mich noch an den abschliessenden Satz: "Und am Ende war der arme Teufel geschlechtskrank." Aufgrund des starken Eindrucks eines fürwahr barocken Rhetorikers las ich ab 14 Jahren Nietzsche, mit 16 den Zarathustra, mit 17 den Antichristen. Man sollte das Zeugnis der Feinde also nicht unterschätzen. Beim katholischen Filmberater der 60er Jahre interessierte mich die Qualifikation "Mit ernsten Reserven, abzuraten". Dies betraf Filme wie "Lolita" von Stanley Kubrick, "Baby Doll" und als grösste Entdeckung Bunuel.

M.L.: https://sezession.de/12524/hommage-a-luis-bunuel  :-)

Es war aber damals leichter die Warnung der Katholen zu durchschauen als heute die Warnung eines sogenannt aufgeklärten Moralismus, den Nietzsche als unvollständigen Nihilismus mit Recht als grössere Emanzipationsverhinderung einschätzte als herkömmliche Gläubigkeit, die sich ja schon seit Generationen stärker abgenutzt hatte.  

M.L.: Immerhin, diejenigen, die nach solchen Filmen und Reportagen auf und zu uns stoßen, tun das stets, weil sie die Nebelwand durchschauen, und nicht etwa, weil sie den Popanz so toll finden, wie das ja in anderen Szenen der Fall ist.

 

Der_Jürgen
2. Juni 2017 15:21

 @Maiordomus

"Was verboten ist, macht uns besonders scharf", sagte oder sang Wolf Biermann einmal. Dies trifft aber nur auf jene relativ kleine Minderheit von Menschen zu, die sich wie Sie (und sicherlich die meisten, die hier lesen und kommentieren) durch geistige Neugierde auszeichnen und in solchen Fällen stets wissen wollen, warum etwas "verboten" ist, mag das Verbot nun gesetzlich verankert oder einfach eine eindringliche Warnung sein.

Für den Normalmenschen gilt das nicht. Er lässt in aller Regel die Finger von Verbotenem. Deshalb sind Verbote auch so wirkungsvoll. Sie verlieren ihre Wirkung erst dann, wenn die Instanz, die sie erlässt, ihre Glaubwürdigkeit verloren hat und keine Mittel mehr besitzt, dem Verbot Nachdruck zu verleihen.

Gustav Grambauer
2. Juni 2017 22:21

Nur was nicht mehr unter den Teppich zu kehren ist, wird mit der langen Pinzette angefaßt. Hier in der Schweiz ist dies mangels Masse nicht nötig, die Schweizer könnten ja noch unnötigerweise auf Ideen gebracht werden, und so heißt es auf dem Portal von Arte: "Dieses Video ist in Ihrem Land nicht verfügbar". Demokratie, Leute ...

- G. G.

Frieda Helbig
2. Juni 2017 22:57

Die Reportage bietet das Erwartete, kein Erkenntnisgewinn. Das unverstellte und ungeschnittene Gespräch (oder waren's doch eher M.L. Monologe?) haben mir meine langen Arbeitswege versüßt. Danke dafür.

Christian Bode
3. Juni 2017 00:50

Kleines Lustspiel mit Pillen:
Von der 'Blue Pill' auf die 'Red Pill' umzustellen, dafür gibt es die Jugend. Eine Art Emanzipation von der zweiten Muttermilch, den öffentlich-veröffentlichen Happen der Vorkäuer. Bei vielen (der Wenigen) geht es dann sehr schnell zur "Iron Pill", die meisten bleiben bei der Blauen, jedoch mit rotem Bezug, der Pose wegen. Es ist oft einem zu hohen Grad an Empfindsamkeit und Denktiefe verschuldet, dass mit der Zeit die 'Black Pill' immer häufiger die Medizin der Wahl ist. Und fürs Erste wirkt sie auch lindernd, schafft Distanz und Ruhe, aber es gilt die Behandlungszeit streng zu überwachen, neben der "Blue Pill" macht keine andere so abhängig, nur, dass die Schwarze das Vieldenken mit Lethargie und Hyperästhesie vernichtet, wozu die Blaue auch ohne Anstrengung kommt, das aber nicht selten mit valiumhafter Gemütszufriedenheit, bzw. Selbstgerechtigkeit. Am Ende hängt man dann weinend um den Hals eines Pferdes. Das finden dann auch die "Blue Piller" wieder irgendwie herzerwärmend und verweilen kurz, empathisch den Kopf schüttelnd. 
Aber eine weitere Pille gibt es da noch in der Palette und zwar die "White Pill". 

Monika L.
3. Juni 2017 01:12

Hallo Freunde,

ich vermute mal, daß der Weinkeller von Renaud Camus wesentlich spektakulärer ist als der Kartoffelkeller von Götz Kubitschek . Grüße aus dem Cheval Blanc in Lembach . Hier gibt es einen SS ( = Super sommelier) (Erklärung für die Freunde vom VS ) und jetzt reißt den Neuen Rechten mal die Maske vom Gesicht:

https://m.youtube.com/watch?v=3Ay_7nYgm5E

Betreff Pirmin Meier : Wir wollen wieder das Original!

Gruß Monika 

Paracelsus
3. Juni 2017 01:20

Neulich auf arte und heute nacht nochmals:

http://www.tittelbach.tv/programm/kino-koproduktion/artikel-2046.html

ein Film über Albert Schweitzer. Zum Artikel Lichtmesz passend: die Szene, wo Schweitzer in den USA um Spendengelder wirbt, wegen seiner Kontakte zu Kritikern der Atombombenpolitik ins Visier eines Geheimdienstes gerät, dann bei einem Vortrag zum Zwecke der Spendeneinwerbung von so einem Geheimdienstler übel beschimpft wird, während sich anschliessend ein netter Mann durch schmeichelhafte Worte der Ehrerbietung und der hohen eigenen Moral Zugang zu Schweitzer verschafft.

Dieser nette Mann kann dann ihn in den USA begleiten, sieht sein Haus im Elsass, besucht ihn in Lambarene und stellt sich zum Filmende als der heraus, als den man ihn als geübter Sezessionist schon leise vermutet hatte, eben der Geheimdienstler.

Diese Szene kommt mir in den Sinn, als ich diesen eindrücklichen Artikel von Lichtmesz las:

der Idealist ist immer eher naiv. Das ehrt -

Schweitzers Lambarene stand durch diese Geheimdienstoperation praktisch am Abgrund, so jedenfalls kommt es im Film heraus.

Ihn bzw. sein Projekt scheint das Nobelpreisgeld gerettet zu haben, was ihm im gleichen Jahr zugesprochen wurde.

Nun, bis zum Nobelpreis ist es noch etwas hin....

 

sophia_
3. Juni 2017 02:20

Danke, daß Du dieses Gespräch online gestellt hast.

Der Verdienst von Gogos (irgendwie ist der erste Gedanke immer "Gogol" ..) ist es zweifellos, daß er dieses Gespräch initiiert und einige Stichworte beigesteuert hat, da es interessant war Deinen Gedanken und Ausführungen zu folgen.

Da sich die Konzentration unwillkürlich auf Eure Stimmen fokussierte - nicht nur auf den Inhalt sondern auch auf den "Subtext", dem "Dahinter" wurde Aufschlussreiches "hörbar".

Deinen Part empfand ich als ehrlich (sowohl im Wissen, den Fakten als auch im zugegeben Nichtwissen bei Einschätzungen, Vermutungen), klar und nachvollziehbar.

Was hörte ich bei Gogos: Obwohl er sich mit seiner Herkunft anscheinend sehr aktiv und intensiv beschäftigt hat war doch offensichtlich, daß er seinen inneren Frieden damit - noch - nicht gefunden hat und diesen Zwiespalt, diese Zerrissenheit sich auch unbewusst in Tonfall, einem häufigen nervösen Lachen und seinen Aussagen manifestiert hat. Er hat ziemlich offensichtlich sein persönliches Schicksal auf jeden Einzelnen Hereinströmenden übertragen. 

Es geht hier ausdrücklich nicht um kritische Fragen oder um einen provokativen Ansatz, den ich immer begrüße, da es im Normalfall der Qualität des Gespräches zugute kommt, sondern um ein Gefangensein in seinem eigenen Schicksal. Und nicht einmal das müßte man kritisieren, wenn Gogos nicht aus seiner begrenzten Sicht der Welt Fernseh-/Rundfunksendungen inklusive den üblichen Diffamierungen des neurechten Lagers produzieren würde.

Bezüglich Presse verstehe ich den Frust, den wiederholte Aktionen dieser Art bei den Interviewten auslösen müssen, stimme jedoch zu, daß selbst der tendenziöseste Beitrag (vielleicht gerade diese) zu einer Initialzündung bei einigen/vielen Zuhörern führen kann. 

Aufbau und weitere Stärkung der Gegenöffentlichkeit, auch und vor allem im TV-Bereich (es gibt hier ein anlaufendes Projekt bezüglich "Filmstudio" der Identitären Bewegung in Österreich) werden helfen, "unsere" Positionen klarer und sachlicher für die Öffentlichkeit darzustellen.

Brettenbacher
3. Juni 2017 02:36

Habe "zum Anhören angeklickt" und zwei Stunden lang gebannt zugehört.

Muß mich, den Bann zu lösen, in Oxymora flüchten: es gibt also eine stählerne Weichheit und eine hermetische Offenheit. O Lichtmesz, es bleibe euch    d i e   Spannung erhalten !

Zur Entspannung eine Bemerkung vom Rande her:

Neulich, im Gespräch mit einer nicht mehr jungen Sängerin, nach Wiesbaden geratenen Augsburgerin, den Entschluß gefasst, das Wort 'Hochdeutsch' aus dem Wortschatz zu streichen. Es sei mit dem sogenannten ' reinen ' Hochdeutsch wie mit destilliertem Wasser:  rein  -  und ungenießbar. Diktat - oder Diktierdeutsch sei  die treffende Vokabel.

Ungenießbar, ja ertötend, dies von jedem timbre gesäuberte sterile Gestichel des schwerelosen  'Sohn des Leonidas' und flinken Interviewers.

Dagegen die von alter Völkern Müdigkeiten eingedunkelten Vokale, die durch Bücher und Beiseln maeandernde Rede unseres jungen Geisteskriegers, dem doch  der ewige Bronnen noch springt.

(Und diese nerveusen kleinen Lacher des Stichlers, aus denen das große Hohngelächter brechen wollte.. . Alles sehr sprechend.)

Werner Holt
3. Juni 2017 03:08

 Sehr geehrter Herr Lichtmesz (ein wirklich wunderbares "SZ"),

alles richtig gemacht. Schlechte Werbung ist immernoch besser, als gar keine. Denn: Es haken immer einige nach. (Das Prinzip der "Sendung" des Herrn "Graecas" war ja doch überaus erkennbar.) Und diese "Einigen" werden mehr und mehr. Gott sei's gedankt. Zum Schluß wird es heißen: "Sagt Mutter, 's ist Uwe!"

Mit patriotischen Grüßen -
Werner Holt

E.
3. Juni 2017 12:00

Es ehrt ja Herrn Lichtmesz, dass er noch so gutmeinend ist, auf die erste Anbahnungsemail des Herrn M. G. vom 10.02.2016 angesprungen zu sein.

Mich, ein paar Jährchen älter, überkam beim Lesen dieser Email jedoch sogleich Übelkeit, und sämtliche innere Alarmglocken schrillten auf:

Diese Email ist anschmeißerisch-anschleimend ("lese ich jetzt gerade beeindruckt Ihr Buch", "finde ich es frappant, wie viel wir da gemeinsam haben."), unglaublich herablassend ("Wenn Sie sich auf das Gespräch einlassen, könnte das eine substantielle Auseinandersetzung werden."), gespickt mit selbstverliebter pseudo-intellektueller Koketterie ("Als ehemaliger New Waver ,[..], als Religionswissenschaftler [...] Philosoph [...] und als promovierter Literaturwissenschaftler" [...] etwas obsessives, [...] die Frage nach der "religio" - [...] wir sind eben nach den paradiesischen Bernsteintagen [...]") . - Merke, wer etwas zu sagen hat, überzeugt durch schnörkellose Argumente zur Sache, ohne sich selbst persönlich hervorzuheben.

Kurzum: auf eine so falsche schleimige Mischpoke bitte in Zukunft nicht mehr hereinfallen.

 

Aristoteles
3. Juni 2017 12:31

Vielleicht bereut Manuel Gogos irgendwann einmal vor Gott seine Hinterhältigkeit.

Vielleicht wendet er sich dereinst dem Griechentum zu, das wahrlich alles zur Identitätsstiftung zu bieten hat (geschichtlich, philosophisch, religiös).

Vielleicht bleibt er auch ein BunTesrepublikaner oder er wird ein Amerikaner ...,

nur eines ist und wird er ganz sicher nicht:

Deutscher.

Unterthier
3. Juni 2017 12:51

"Killing an arab" im Soundtrack dieser "Reportage"...

Mich greift so ein Film physisch an. 

Paracelsus
3. Juni 2017 13:02

Danke für die sehr erhellende Audiodatei des Gespräches. Ich muss mich korrigieren: die Fronten waren doch recht klar, und von Naivität in den differenzierten Ausführungen Lichtmesz' ist nichts zu bemerken.

Eine weitere Weise der spirituellen Vertiefung, welche am Ende mit Verweis auf andere Autoren und das eigene Erleben angesprochen wird, bietet ein christlicher Autor des 20. Jahrhunderts. Eins seiner Bücher findet sich zum Beispiel hier:

https://www.buch.de/suche?sq=Anonymus+tombe

M.L.: Ich kenne und schätze Valentin Tomberg!

Martin Lichtmesz
3. Juni 2017 17:17

Martin Sellner kommentiert das Meisterwerk.

Der Gehenkte
3. Juni 2017 18:21

Habe mir gerade das Gespräch angehört. In jedem Satz hört man den angeblichen "Nazi" und "Hater" und "Fremdenfeind" Lichtmesz heraus - sollte zum pädagogischen Aufklärungsprogramm aller Linksblinden gehören. Habe große persönliche Nähe, bis in die Gefühlswelt hinein, verspürt. Wahrscheinlich muß man Geburtsapokalyptiker und Melancholiker sein, um rechts zu landen. Amygdala? Hier stehe ich und kann nicht anders!

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