IfS-Salon in Halle mit Lichtmesz und Sommerfeld

Mit Linken leben ist ein schwieriges Unterfangen. Arndt Novak berichtet vom 4. Staatspolitischen Salon in Halle/Saale.

 Gastbeitrag

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Weni­ge Tage nach der Leip­zi­ger Buch­mes­se und mit je 70 Teil­neh­mern gut besuch­ten Lesun­gen in Ber­lin und Pir­na prä­sen­tier­ten die Autoren Mar­tin Licht­mesz und Caro­li­ne Som­mer­feld ihren sur­vi­val gui­de für Rech­te nun am Don­ners­tag, den 22. März, im Rah­men des Staats­po­li­ti­schen Salons in Halle/Saale. Kul­tu­rel­le Groß­ereig­nis­se wie die Leip­zi­ger Buch­mes­se las­sen die inner­ge­sell­schaft­li­chen Bruch­li­ni­en deut­lich her­vor­tre­ten. Mit eigen­tüm­li­cher Klar­heit destil­lie­ren sie die poli­ti­schen Fron­ten und schaf­fen Klar­heit, wo zuvor Ver­wir­rung herrsch­te, und erlau­ben einen unver­blüm­ten Blick auf den täg­li­chen Wahn­sinn des deut­schen Kul­tur­be­triebs: Ver­la­ge, oder bes­ser: Ver­sa­ger gegen rechts; Dis­kus­sio­nen über die Fra­ge, ob man mit Rech­ten über­haupt reden dür­fe; Ver­su­che, ange­mel­de­te Ver­an­stal­tun­gen zu stö­ren, nicht weil das The­ma anstö­ßig ist, son­dern schlicht auf­grund der Tat­sa­che, daß dort Mei­nun­gen ver­tre­ten wer­den, die der eige­nen zuwi­der lau­fen; hys­te­ri­sche Main­stream-Bericht­erstat­tung, deren Inhalt dem tat­säch­lich Gesche­he­nen kom­plett wider­spricht – sel­ten tritt das häß­li­che Gesicht der „offe­nen Gesell­schaft“ in die­ser Deut­lich­keit zuta­ge. Anders als man auf­grund der media­len Dau­er­prä­senz der Begrif­fe „Tole­ranz“, „Mei­nungs­frei­heit“, „Offen­heit“, „Viel­falt“, „Respekt“ etc. pp. viel­leicht ver­mu­ten könn­te, stellt sich das Leben mit Lin­ken als for­dernd und ner­ven­auf­rei­bend dar. Aus die­sem Grund sahen sich die bekann­ten Publi­zis­ten Mar­tin Licht­mesz und Dr. Caro­li­ne Som­mer­feld ver­an­laßt, all jenen, die die­sem Wahn­sinn – war­um auch immer – nicht ent­flie­hen kön­nen, die Hand zu rei­chen und ihnen ihr bit­te­res Los erträg­li­cher zu machen. Daß sie damit ins Schwar­ze getrof­fen haben, zeig­te das rege Inter­es­se an der Ver­an­stal­tung. Mehr als fünf­zig Hörer folg­ten der Ein­la­dung des Insti­tuts für Staats­po­li­tik zum Staats­po­li­ti­schen Salon. Mit Lin­ken leben ver­dich­tet den All­tag zahl­rei­cher Rech­ter und bie­tet Ori­en­tie­rungs­hil­fe im Dschun­gel des lin­ken Main­streams. Es ist, wie Ver­le­ger Kubit­schek meint, „ein Buch, das jeg­li­che Zwei­fel über die Rich­tig­keit, rechts zu sein, aus­räumt“ und sich an alle Dis­si­den­ten und Zweif­ler rich­tet, denen die lin­ken Mei­nungs­kor­ri­do­re zu eng gewor­den sind. Es ist eine Ant­wort auf die lin­ki­schen Ver­su­che, Rech­te zu patho­lo­gi­sie­ren und sie als schwach, ängst­lich und aus­nahms­los irra­tio­nal erschei­nen zu las­sen. Eine Kern­the­se der bei­den Autoren, das Licht­mesz-Som­mer­feld-Gesetz, besagt deshalb:

Alles, was pro­fes­sio­nel­le ‚Ent­lar­ver‘ und ‚Auf­klä­rer‘ gegen ‚Rechts‘ über Rech­te schrei­ben, ist eine Pro­jek­ti­on ihrer eige­nen Cha­rak­ter­ei­gen­schaf­ten, Denk­struk­tu­ren und Modi ope­ran­di. Immer. Ausnahmslos.

Zu Beginn der Lesung berich­te­ten die Autoren über Fäl­le, in denen sie sich mit den Mecha­nis­men der lin­ken Hege­mo­nie kon­fron­tiert sahen. Fäl­le, die letzt­end­lich in der Erkennt­nis der Not­wen­dig­keit eines Rat­ge­bers für das Leben mit Lin­ken mün­de­ten. Mit aller gebo­te­nen Deut­lich­keit legen sie in mühe­vol­ler archäo­lo­gi­scher Klein­ar­beit die Funk­ti­ons­wei­se der links­li­be­ra­len Gesell­schaft offen und prä­sen­tie­ren sie mit erfri­schen­dem Sar­kas­mus und ange­mes­se­ner Schär­fe. Doch das Buch ver­kommt nicht zu einem unge­rich­te­ten Rund­um­schlag, son­dern über­zeugt durch sei­ne klar­sich­ti­ge Ana­ly­se der bestehen­den Herr­schafts­ver­hält­nis­se. Die Autoren set­zen gezielt Nadel­sti­che gegen die lin­ken Mei­nungs­eli­ten und ihre Epi­go­nen. So bei­spiels­wei­se wenn sie die wich­tigs­ten lin­ken Schlag­wör­ter im Kampf gegen Anders­den­ken­de sezieren:

In fast jedem Gespräch mit Lin­ken und in fast jedem Durch­schnitts­ar­ti­kel über Rech­te wird man auf eine Lita­nei von Begrif­fen sto­ßen, die meis­tens in Rudel auf­tau­chen: ‚Men­schen­ver­ach­tend‘, ‚ras­sis­tisch‘, ‚sexis­tisch‘, ‚Haß‘, ‚Het­ze‘, ‚Gewalt‘, ‚Dis­kri­mi­nie­rung‘, ‚völ­kisch‘, ‚frem­den­feind­lich‘, ‚homo­phob‘, ‚frau­en­feind­lich‘, ‚isla­mo­phob‘ und ‚anti­se­mi­tisch‘. […] Wer sich die­ser Lita­nei bedient, will nicht argu­men­tie­ren, son­dern etikettieren.

Sicht­lich amü­siert zeig­te sich das Publi­kum auch ange­sichts der Vor­stel­lung lin­ker Arche­ty­pen, die Lichtmesz/Sommerfeld zum Ende ihres Wer­kes vor­neh­men. Hier­un­ter fal­len der Sta­tus­lin­ke, der Res­sen­ti­ment­lin­ke, der all jene Lin­ke umfasst, „die des­halb links gewor­den sind, weil sei ein nied­ri­ges Selbst­wert­ge­fühl besit­zen“, der Gleich­heits­ex­tre­mist oder der Cuck. Beschlos­sen wur­de die Lesung jedoch mit einem posi­ti­ven Impuls, der Dar­stel­lung eines rech­ten Lebens in einer lin­ken Welt, die auf den rus­si­schen Dis­si­den­ten Alex­an­der Sol­sche­ni­zyn zurück­geht. Die­ser rich­te­te einen Auf­ruf an sei­ne Lands­leu­te. Sei­ne Lösung – und gleich­zei­tig der Rat der Autoren:

In nichts die Lüge bewusst unter­stüt­zen! Erken­nen, wo die Gren­ze der Lüge ist […] und dann von die­ser lebens­ge­fähr­li­chen Gren­ze zurück­tre­ten! Nicht die toten Knö­chel­chen und Schup­pen der Ideo­lo­gie zusam­men­kle­ben, nicht den ver­mo­der­ten Lap­pen fli­cken – und wir wer­den erstaunt sein, wie schnell und hilf­los die Lüge abfällt, und was nackt und bloß daste­hen soll, wird dann nackt und bloß vor der Welt dastehen.‘

Dar­an anschlie­ßend ent­wi­ckel­te sich eine leb­haf­te Dis­kus­si­on über die Zukunft der Rech­ten, den rech­ten way of life, Hal­tung und Wer­te, an der sich auch eini­ge Lin­ke, deren Neu­gier stär­ker als ihre Vor­ur­tei­le waren, kon­struk­tiv betei­lig­ten. Mit Rech­ten reden? Gar nicht so schwer – wenn man nur will. Doch die­ser Wil­le ist nicht zu erken­nen. Mit aller Ver­bis­sen­heit bemü­hen sich lin­ke Extre­mis­ten, uns Rech­ten „das Leben schwer [zu] machen, wo es nur geht“. Und schei­tern. Wie die Gescheh­nis­se rund um den Schrift­stel­ler Uwe Tell­kamp sowie die Vor­gän­ge auf der Buch­mes­se in Leip­zig zei­gen, erkämp­fen wir uns Schritt für Schritt Räu­me, die wir mit Leben, Dis­kus­si­on und Ideen fül­len. Höchs­te Zeit für die Lin­ke, mit Rech­ten leben zu ler­nen. Im andern Fal­le läuft die Lin­ke Gefahr, den Anschluß zu ver­lie­ren, denn die Wel­le der Bekennt­nis­lust bahnt sich an – sie war längst über­fäl­lig. Jean Ras­pail schreibt:

Die Lin­ke ist ein düs­te­rer Brand, der ver­zehrt und zer­stört. Die Rech­te ist eine fröh­lich tan­zen­de Flam­me, ein fla­ckern­des Irr­licht in einem dunk­len, aus­ge­brann­ten Wald.“ Die Bot­schaft von Licht­mesz und Som­mer­feld ist des­halb klar: „Laß Dich von Rück­schlä­gen, Wid­rig­kei­ten und schier aus­sichts­lo­sen Lagen nicht ent­mu­ti­gen. Sei kein ver­bit­ter­tes Opfer, son­dern ein glück­li­cher Krie­ger, ein ‚Hap­py Warrior‘.

Wir sind fro­hen Mutes! ________________________ Mar­tin Lichtmesz/Caroline Som­mer­feld: Mit Lin­ken leben, 336 S., brosch., 18 € – hier bestel­len  (oder hier im preis­wer­ten Ange­bot mit Das ande­re Deutsch­land für nur 30 €!)

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Kommentare (3)

KlausD.

25. März 2018 08:17

Zwei sympathische Wiener, Caroline Sommerfeld und Martin Lichtmesz, ein glänzend eingespieltes Team, warfen sich gegenseitig die Bälle zu, brachten locker und souverän, vortragend oder lesend, wesentliche Passagen ihres Buches den Zuhörern näher.
Die sich anschließende Frage-Antwort-Runde verlief in einer solchen interessanten Themenvielfalt, daß man fast die Zeit vergaß und es auf den Holzklappstühlen auch noch über das ausgesprochene Ende hinaus ausgehalten hätte.

Kahlenberg

25. März 2018 09:20

"So muß man das sagen. GENAU SO muß man das sagen. Großartig !" Sagte T. über das Buch "Mit Linken leben" von Lichtmesz/ Sommerfeld. T. ist mein bester Freund. Ich habe ihm das Buch zum Geburtstag geschenkt.
T. ist kein "Rechter", legt man etwa einen preußisch-konservativen Maßstab an. Man könnte ihm ein Attribut wie "libertär" zuschreiben.
T. ist jedenfalls ein maßgeblicher, nach allen denkbaren Kriterien äußerst erfolgreicher Journalist, Essayist und Medienexperte. Er hat als Chefredakteur ganze Redaktionen und Magazine de novo aus dem Boden gestampft, und zum Erfolg geführt. Bestsellerautor, Medienberater für große Player aus der Wirtschaft. Er hat mit seiner journalistischen Tätigkeit hunderttausende Menschen erreicht, vom Boulevard bis hin zum Lifestyle-/ Special Interest-Magazin.
Ich habe ihm vielfach Bücher aus dem reichen Fundus des rechtskonservativen Spektrums vorgestellt, jedoch war der Funke bislang nie so wirklich übergesprungen.
Ich glaube jetzt, es lag teilweise am Stil: Zu tragisch-faustisch, zu preußisch, für Leser wie T. Ich mag das, aber er nicht.
Inhaltlich sowieso dicht, akribisch recherchiert, haben Lichtmesz/ Sommerfeld T. aber letztlich mit ihrem grazilen Stil erreicht.
Diese meine Beobachtung erlaubt mir die berechtigte Spekulation, daß "Mit Linken leben" große gesellschaftspolitische Wirkung entfalten könnte.

Der_Juergen

25. März 2018 13:09

Vielleicht renne ich jetzt offene Türen ein, aber ich rate allen Lesern, die "Mit Linken leben" noch nicht kennen, dringend, das Buch zu erwerben. Es liest sich in der Tat leicht und ist - von seiner stilistischen Brillanz ganz abgesehen - von solcher argumentativer Wucht, dass Gegenargumente kaum möglich scheinen. Ein wirklich grosser Wurf von Lichtmesz und Sommerfeld!

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