Sezession
24. März 2018

IfS-Salon in Halle mit Lichtmesz und Sommerfeld

Gastbeitrag / 3 Kommentare

Mit Linken leben ist ein schwieriges Unterfangen. Arndt Novak berichtet vom 4. Staatspolitischen Salon in Halle/Saale.

 Gastbeitrag

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Wenige Tage nach der Leipziger Buchmesse und mit je 70 Teilnehmern gut besuchten Lesungen in Berlin und Pirna präsentierten die Autoren Martin Lichtmesz und Caroline Sommerfeld ihren survival guide für Rechte nun am Donnerstag, den 22. März, im Rahmen des Staatspolitischen Salons in Halle/Saale. Kulturelle Großereignisse wie die Leipziger Buchmesse lassen die innergesellschaftlichen Bruchlinien deutlich hervortreten. Mit eigentümlicher Klarheit destillieren sie die politischen Fronten und schaffen Klarheit, wo zuvor Verwirrung herrschte, und erlauben einen unverblümten Blick auf den täglichen Wahnsinn des deutschen Kulturbetriebs: Verlage, oder besser: Versager gegen rechts; Diskussionen über die Frage, ob man mit Rechten überhaupt reden dürfe; Versuche, angemeldete Veranstaltungen zu stören, nicht weil das Thema anstößig ist, sondern schlicht aufgrund der Tatsache, daß dort Meinungen vertreten werden, die der eigenen zuwider laufen; hysterische Mainstream-Berichterstattung, deren Inhalt dem tatsächlich Geschehenen komplett widerspricht – selten tritt das häßliche Gesicht der „offenen Gesellschaft“ in dieser Deutlichkeit zutage. Anders als man aufgrund der medialen Dauerpräsenz der Begriffe „Toleranz“, „Meinungsfreiheit“, „Offenheit“, „Vielfalt“, „Respekt“ etc. pp. vielleicht vermuten könnte, stellt sich das Leben mit Linken als fordernd und nervenaufreibend dar. Aus diesem Grund sahen sich die bekannten Publizisten Martin Lichtmesz und Dr. Caroline Sommerfeld veranlaßt, all jenen, die diesem Wahnsinn – warum auch immer – nicht entfliehen können, die Hand zu reichen und ihnen ihr bitteres Los erträglicher zu machen. Daß sie damit ins Schwarze getroffen haben, zeigte das rege Interesse an der Veranstaltung. Mehr als fünfzig Hörer folgten der Einladung des Instituts für Staatspolitik zum Staatspolitischen Salon. Mit Linken leben verdichtet den Alltag zahlreicher Rechter und bietet Orientierungshilfe im Dschungel des linken Mainstreams. Es ist, wie Verleger Kubitschek meint, „ein Buch, das jegliche Zweifel über die Richtigkeit, rechts zu sein, ausräumt“ und sich an alle Dissidenten und Zweifler richtet, denen die linken Meinungskorridore zu eng geworden sind. Es ist eine Antwort auf die linkischen Versuche, Rechte zu pathologisieren und sie als schwach, ängstlich und ausnahmslos irrational erscheinen zu lassen. Eine Kernthese der beiden Autoren, das Lichtmesz-Sommerfeld-Gesetz, besagt deshalb:

Alles, was professionelle ‚Entlarver‘ und ‚Aufklärer‘ gegen ‚Rechts‘ über Rechte schreiben, ist eine Projektion ihrer eigenen Charaktereigenschaften, Denkstrukturen und Modi operandi. Immer. Ausnahmslos.

Zu Beginn der Lesung berichteten die Autoren über Fälle, in denen sie sich mit den Mechanismen der linken Hegemonie konfrontiert sahen. Fälle, die letztendlich in der Erkenntnis der Notwendigkeit eines Ratgebers für das Leben mit Linken mündeten. Mit aller gebotenen Deutlichkeit legen sie in mühevoller archäologischer Kleinarbeit die Funktionsweise der linksliberalen Gesellschaft offen und präsentieren sie mit erfrischendem Sarkasmus und angemessener Schärfe. Doch das Buch verkommt nicht zu einem ungerichteten Rundumschlag, sondern überzeugt durch seine klarsichtige Analyse der bestehenden Herrschaftsverhältnisse. Die Autoren setzen gezielt Nadelstiche gegen die linken Meinungseliten und ihre Epigonen. So beispielsweise wenn sie die wichtigsten linken Schlagwörter im Kampf gegen Andersdenkende sezieren:

In fast jedem Gespräch mit Linken und in fast jedem Durchschnittsartikel über Rechte wird man auf eine Litanei von Begriffen stoßen, die meistens in Rudel auftauchen: ‚Menschenverachtend‘, ‚rassistisch‘, ‚sexistisch‘, ‚Haß‘, ‚Hetze‘, ‚Gewalt‘, ‚Diskriminierung‘, ‚völkisch‘, ‚fremdenfeindlich‘, ‚homophob‘, ‚frauenfeindlich‘, ‚islamophob‘ und ‚antisemitisch‘. […] Wer sich dieser Litanei bedient, will nicht argumentieren, sondern etikettieren.

Sichtlich amüsiert zeigte sich das Publikum auch angesichts der Vorstellung linker Archetypen, die Lichtmesz/Sommerfeld zum Ende ihres Werkes vornehmen. Hierunter fallen der Statuslinke, der Ressentimentlinke, der all jene Linke umfasst, „die deshalb links geworden sind, weil sei ein niedriges Selbstwertgefühl besitzen“, der Gleichheitsextremist oder der Cuck. Beschlossen wurde die Lesung jedoch mit einem positiven Impuls, der Darstellung eines rechten Lebens in einer linken Welt, die auf den russischen Dissidenten Alexander Solschenizyn zurückgeht. Dieser richtete einen Aufruf an seine Landsleute. Seine Lösung – und gleichzeitig der Rat der Autoren:

In nichts die Lüge bewusst unterstützen! Erkennen, wo die Grenze der Lüge ist […] und dann von dieser lebensgefährlichen Grenze zurücktreten! Nicht die toten Knöchelchen und Schuppen der Ideologie zusammenkleben, nicht den vermoderten Lappen flicken – und wir werden erstaunt sein, wie schnell und hilflos die Lüge abfällt, und was nackt und bloß dastehen soll, wird dann nackt und bloß vor der Welt dastehen.‘

Daran anschließend entwickelte sich eine lebhafte Diskussion über die Zukunft der Rechten, den rechten way of life, Haltung und Werte, an der sich auch einige Linke, deren Neugier stärker als ihre Vorurteile waren, konstruktiv beteiligten. Mit Rechten reden? Gar nicht so schwer – wenn man nur will. Doch dieser Wille ist nicht zu erkennen. Mit aller Verbissenheit bemühen sich linke Extremisten, uns Rechten „das Leben schwer [zu] machen, wo es nur geht“. Und scheitern. Wie die Geschehnisse rund um den Schriftsteller Uwe Tellkamp sowie die Vorgänge auf der Buchmesse in Leipzig zeigen, erkämpfen wir uns Schritt für Schritt Räume, die wir mit Leben, Diskussion und Ideen füllen. Höchste Zeit für die Linke, mit Rechten leben zu lernen. Im andern Falle läuft die Linke Gefahr, den Anschluß zu verlieren, denn die Welle der Bekenntnislust bahnt sich an – sie war längst überfällig. Jean Raspail schreibt:

Die Linke ist ein düsterer Brand, der verzehrt und zerstört. Die Rechte ist eine fröhlich tanzende Flamme, ein flackerndes Irrlicht in einem dunklen, ausgebrannten Wald.“ Die Botschaft von Lichtmesz und Sommerfeld ist deshalb klar: „Laß Dich von Rückschlägen, Widrigkeiten und schier aussichtslosen Lagen nicht entmutigen. Sei kein verbittertes Opfer, sondern ein glücklicher Krieger, ein ‚Happy Warrior‘.

Wir sind frohen Mutes! ________________________ Martin Lichtmesz/Caroline Sommerfeld: Mit Linken leben, 336 S., brosch., 18 € – hier bestellen  (oder hier im preiswerten Angebot mit Das andere Deutschland für nur 30 €!)


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Kommentare (3)

KlausD.
25. März 2018 08:17

Zwei sympathische Wiener, Caroline Sommerfeld und Martin Lichtmesz, ein glänzend eingespieltes Team, warfen sich gegenseitig die Bälle zu, brachten locker und souverän, vortragend oder lesend, wesentliche Passagen ihres Buches den Zuhörern näher.
Die sich anschließende Frage-Antwort-Runde verlief in einer solchen interessanten Themenvielfalt, daß man fast die Zeit vergaß und es auf den Holzklappstühlen auch noch über das ausgesprochene Ende hinaus ausgehalten hätte.

Kahlenberg
25. März 2018 09:20

"So muß man das sagen. GENAU SO muß man das sagen. Großartig !" Sagte T. über das Buch "Mit Linken leben" von Lichtmesz/ Sommerfeld. T. ist mein bester Freund. Ich habe ihm das Buch zum Geburtstag geschenkt.
T. ist kein "Rechter", legt man etwa einen preußisch-konservativen Maßstab an. Man könnte ihm ein Attribut wie "libertär" zuschreiben.
T. ist jedenfalls ein maßgeblicher, nach allen denkbaren Kriterien äußerst erfolgreicher Journalist, Essayist und Medienexperte. Er hat als Chefredakteur ganze Redaktionen und Magazine de novo aus dem Boden gestampft, und zum Erfolg geführt. Bestsellerautor, Medienberater für große Player aus der Wirtschaft. Er hat mit seiner journalistischen Tätigkeit hunderttausende Menschen erreicht, vom Boulevard bis hin zum Lifestyle-/ Special Interest-Magazin.
Ich habe ihm vielfach Bücher aus dem reichen Fundus des rechtskonservativen Spektrums vorgestellt, jedoch war der Funke bislang nie so wirklich übergesprungen.
Ich glaube jetzt, es lag teilweise am Stil: Zu tragisch-faustisch, zu preußisch, für Leser wie T. Ich mag das, aber er nicht.
Inhaltlich sowieso dicht, akribisch recherchiert, haben Lichtmesz/ Sommerfeld T. aber letztlich mit ihrem grazilen Stil erreicht.
Diese meine Beobachtung erlaubt mir die berechtigte Spekulation, daß "Mit Linken leben" große gesellschaftspolitische Wirkung entfalten könnte.

Der_Juergen
25. März 2018 13:09

Vielleicht renne ich jetzt offene Türen ein, aber ich rate allen Lesern, die "Mit Linken leben" noch nicht kennen, dringend, das Buch zu erwerben. Es liest sich in der Tat leicht und ist - von seiner stilistischen Brillanz ganz abgesehen - von solcher argumentativer Wucht, dass Gegenargumente kaum möglich scheinen. Ein wirklich grosser Wurf von Lichtmesz und Sommerfeld!

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