Sezession
14. Juni 2018

Rezensionen aus der 84. Sezession

Gastbeitrag / 4 Kommentare

Die 84. Ausgabe der Sezession zum Thema 1968 ist nun bei allen Abonnenten angekommen, 4000 Leser kommen in den Genuß ...

aller Artikel unserer hochkarätigen Autoren und auch aller Bücherrezensionen.

Wer noch kein Abonnement gezeichnet hat, kann das hier tun oder das Einzelheft hier bestellen. Für alle anderen haben wir einige Rezensionen aus dem umfangreichen Bücherteil ins Netz gestellt:

Caroline Sommerfeld bespricht »Erwachsenensprach von Robert Pfaller. Der Wiener Psychoanalytiker geht der Infantilisierung der Sprache und den Auswirkungen auf die moderne Gesellschaft nach und Sommerfeld entscheidet, ob sich die Lektüre lohnt.

Felix Dirsch bespricht das Buch »Was ist der Islam?« von Tilman Nagel. Im Zuge der Masseneinwanderung und zunehmenden Islamisierung der europäischen Länder wurde der Buchmarkt überschwemmt mit Sachbüchern und Ratgebern zum Umgang mit dem Islam. Kritische Stimmen wie Michael Ley und Douglas Murray gibt es mittlerweile auch, doch Professor Nagel, Islamwissenschaftler und Orientalist, legt mit dieser Studie ein Grundlagenwerk vor, das seinesgleichen sucht.

Dr. Erik Lehnert gab bei Antaios den Briefwechsel Mohler-Jünger heraus (hier bestellen), ist also ein Kenner des Jüngerschen Werks. Ob Dr. Niels Penke auch einer ist und was er zum Einfluß Ernst Jüngers auf die Popkultur und vorallem auf die Neue Rechte  in seinem neuen Buch »Jünger und die Folgen« zu sagen hat, läßt sich hier nachlesen.

Jörg Seidel, kluger Autor des blogs seidwalk, rezensiert das Buch »Gastfreundschaft der Kulturen. Der Weg zwischen Multikulti und neuem Nationalismus« von Johannes Heinrichs. Ein 25 Jahre alter Text bot Heinrichs die Grundlage für dieses Buch, Seidel setzt sich kritisch damit auseinander und zeigt, wo die Lektüre gewinnbringend für den Leser sein kann.

Benedikt Kaiser setzt sich dem Thema des Heftes gemäß mit einem Buch aus dem Hause Matthes und Seitz auseinander: »Der gläserne Sarg. Erinnerungen an 1968 und die deutsche ›Kulturrevolution‹« von Willi Jasper. Der Kulturwissenschaftler Jasper gibt nicht nur einen fundierten Überblick über die maoistischen Gruppierungen in den 60er Jahren, warnt vor den Folgen politisch radikaler Strömungen, sondern schreibt auch noch spannend. Ein herausragendes Buch, befindet Kaiser. Hier geht es zur Rezension.


 Gastbeitrag

  • Sezession

Kommentare (4)

RMH
14. Juni 2018 10:11

Die Rezensionen sind bei mir meistens mit das erste, was ich in einer neuen Sezessionsausgabe aufschlage. Kurz und prägnant bekommt man hier einen guten Überblick - erst danach hoffe ich die Zeit zu finden, mich mit den einzelnen Artikeln der Ausgabe auseinandersetzen zu können (was in der letzten Zeit zu wenig stattfindet bzw. mittlerweile oft auf den Jahresurlaub verschoben wird, wo die Hefte dann einen Teil meiner Urlaubslektüre bilden).

Hat jemand aus dem Leserkreis evtl. schon einmal dieses Buch gelesen?
https://antaios.de/detail/index/sArticle/64869

Auf welches ich durch dieses Interview aufmerksam geworden bin?
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/aufarbeitung-der-ns-zeit-eine-verhoehnung-der-opfer-a-1211778.html

Für Linke doch schon z.T. recht erstaunlich, die dort geäußerten Einsichten.

Kositza: "Gefühlte Opfer" wurde in Sezession 39/2010 besprochen.

Ellen Kositza
14. Juni 2018 11:40

Hab's grad gefunden:

Bewältigungsstörungen
Ulrike Jureit / Christian Schneider: Gefühlte Opfer. Illusionen der Vergangenheitsbewältigung, Stuttgart: Klett-Cotta 2010. 253 S., 21.95 €
Wir leben innerhalb einer „Mauer aus Kautschuk“ (Armin Mohler). Wer dieses Meinungsbiotop verlassen möchte, kann den Meißel nicht recht ansetzen: Die Mauer gibt ein wenig nach, aber sie zeigt keine Risse. Das Denken ist frei, bleibt aber konsequenzlos. Man kann vieles konstatieren und tiefgründig analysieren – das System der öffentlichen Meinung reagiert elastisch, der Konsens bleibt gewahrt.
Auch Jureit und Schneider können ihn nicht stören. Schon die Reaktionen auf ihr Buch zeigen, daß die Mauer hält und daß sie keinem weh tut wollen – und können. Bereits ihre These ist kaum originell. Schon Martin Walser hatte 1998 in seiner Paulskirchen-Rede gefragt, ob die Intellektuellen, die den Deutschen ständig ihre Schuld und Schande vorhalten, der Illusion verfallen seien, „sie hätten sich, weil sie wieder im grausamen Erinnerungsdienst gearbeitet haben, ein wenig entschuldigt, seien für den Augenblick sogar näher bei den Opfern als den Tätern“.
Ulrike Jureit, Historikerin am Hamburger Institut für Sozialforschung, geht den Formen gegenwärtiger Erinnerungspraxis nach und macht dabei Opferidentifikation und Erlösungsversprechen als deren strukturelle Merkmale aus. Interessant ist ihre summarische Betrachtung der europäischen und globalen Ausweitung des Holocaustgedenkens und deren Folgen. Allerdings fällt auch dabei kaum ein scharfes Wort, es wird nur hier und dort auf Widersprüche hingewiesen. So heißt es angesichts der gesetzlichen Festschreibung eines Erinnerungskanons: „Zum intellektuellen Schaden, den solche Verrechtlichungen zweifellos verursachen, tritt noch hinzu, daß Erinnerungsgesetze jenseits der dort festgelegten Leugnungsverbote immer auch gewisse Vergangenheitsdeutungen als verbindlich voraussetzen oder zumindest indirekt transportieren.“ Wer hätte das gedacht! Angesichts unserer geistigen Situation kann sich Jureit sicher sein, mit solch einer Formulierung schon als provokante Denkerin zu gelten.
Ähnlich verhält es sich beim zweiten Teil des Buches, den der Soziologe Christian Schneider verfaßt hat. Er fordert eine neue Erinnerungskultur, kann aber nicht sagen, wie diese aussehen soll. Schneider gefällt sich in der Pose des Aufklärers, legt dann aber fest, daß es eine Historisierung des Holocausts niemals geben könne. Also bleiben wir bei Schuldmetaphysik und unserem Schuldstolz. Bei aller Kritik, die er an der Vergangenheitsbewältigung formuliert, möchte er festgehalten wissen: „68 war eine notwendige Passage im Entwicklungsprozeß der zweiten deutschen Demokratie zu einer Zivilgesellschaft, die diesen Namen verdient“. Das kann er behaupten, belegen tut er es indes nicht. Im Gegenteil: Wenn man Schneiders Text etwas radikaler nimmt als er gemeint ist, hat 68 vor allem zu einem geführt: zu einem Land voller Neurotiker, die sich selbst für Psychologen halten.
Beide, Jureit und Schneider, geben dem Leser das gute Gefühl, daß wir über all das offen reden können. Damit verhindern sie in der Konsequenz jede ernsthafte Beschäftigung mit dem Thema. Sie selbst verharren dabei in ihrem Schuldstolz, der auch hier identitätsstiftend wirkt.
Fritz Keilbar

RMH
14. Juni 2018 14:15

@E. Kositza,
super, danke für den Service! Die Besprechung hatte ich nicht mehr in Erinnerung. Aber der Satz daraus: "... legt dann aber fest, daß es eine Historisierung des Holocausts niemals geben könne. " lässt mein Interesse an dem Werk schon wieder ganz schön schwinden (auch wenn mir klar ist, dass man solche "Bekenntnisse" einfach bringen muss, um in einem Establishment-Verlag veröffentlichen zu dürfen). Wie gut, dass es eine Rezension in der Sezession gab - trennt die Spreu vom Weizen!

Oberstelehn
14. Juni 2018 19:51

Gratulation zum Editorial, in dem es Ihnen gelingt, in fast zwanglosem Plauderton eine präzise und schonungslos harte Analyse unserer Lage zu erstellen.

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