5. Februar 2019

Weiß über Sommerfeld in der Frankfurter Allgemeinen

Caroline Sommerfeld / 60 Kommentare

Der Investigativjournalist Volker Weiß ist durch gründliche Recherche im Anthroposophenmilieu einer Inszenierung auf die Schliche gekommen - wenn nicht der größten Inszenierungen der Neuen Rechten der letzten Jahrzehnte.

Caroline Sommerfeld

Caroline Sommerfeld ist promovierte Philosophin und dreifache Mutter.

Was erwartet der Zeitungsleser eigentlich unter dieser Überschrift? Die große Inszenierung. Der Literaturwissenschaftler Helmut Lethen und seine Ehefrau Caroline Sommerfeld behaupten, ihre Familie sei zu Opfern von 'Sippenhaftung' durch politisch korrekte Kreise. Aber ist das so? Eine Recherche.

Nun, da steht es ja: Der Leser dürfte sich eine Recherche erwarten.

Aber was hat der Historiker getan? Er hat zur Waldorfschule Kontakt aufgenommen und sich die Version des Schulvorstandes erzählen lassen und diese daraufhin der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung verkauft. Lethen und Sommerfeld wurden nicht kontaktiert.

Kennen Sie den? Schulze wird aus dem Betrieb rausgemobbt. Ruft ein Journalist bei Schulzes Ex-Chef an und erfährt exklusiv die ganze Wahrheit: Schulze war ein schlechter Mitarbeiter und nun stilisiert er sich auch noch zum rausgemobbten Opfer.

Hab ich mir gerade mal ausgedacht, den blöden Witz. Weiß hat sich sein Vorgehen nicht gerade mal ausgedacht, bei ihm hat es System.

Es geht ihm nicht um politische Auseinandersetzung, nicht um audiatur et altera pars, es geht um Demontage, um öffentliche Rufschädigung des Feindes.

Das gewichtige Narrativ setzte sich durch, die Dramaturgie der Story war zu verlockend: Der großväterliche Professor und die junge Studentin, der Altlinke und die Neurechte. Von „Spiegel“ bis „Süddeutsche“ gab es kaum eine Zeitung, die das Thema nicht aufgriff. Und weil es um Helmut Lethen ging, fand die Rede von der „Sippenhaftung“ Gehör bis über die Grenzen Österreichs hinaus. Die Frage ist nur, ob diese Darstellung stimmt. Es gibt triftige Gründe, daran zu zweifeln. Man erfährt sie auf der anderen Seite, der Seite des Konflikts, deren Position in den aufgeregten Artikeln und Interviews bisher überhaupt nicht vorkam, der Waldorfschule Wien West.

Helmut Lethen ist der Schlüssel zum Erfolg seiner Neurechten (sic!) Gattin. An der Seite des exzellent vernetzten Wissenschaftlers ist ihrer Kampagne gegen die Schule maximaler Erfolg beschieden.

Dramaturgie, Story, Darstellung, Kampagne. Was wirklich passiert ist, interessiert Weiß nicht. Er will ja auch ganz etwas anderes. Er will die Protagonisten demontieren, und dazu bedient er sich des derzeit ausgefeiltesten Mittels im „Kampf gegen Rechts“: Realitätsentzug. Wenn alles nur „große Inszenierung“ ist, bleibt nämlich kein Raum für die Darstellung dessen was ist, sondern jede Handlung und jede Äußerung verfolgt irgendeinen dahinterstehenden, großangelegten, geplanten Zweck. Weiß' Grundgedanke ist: die Rechten spielen mit uns, manipulieren uns, narren die Öffentlichkeit.

Doch wer hier den öffentlichen Raum vergiftet, derealisiert, wer jede Äußerung (auch noch die allerauthentischsten Kindertränen) als Szene im Schauspiel liest, der ist der Manipulateur.

Das Schauspiel „Inszenierung als Opfer“ läßt keine Wirklichkeit mehr zu. In der Realität widerfährt jemandem ein Übel, ihm wird es aber unmöglich gemacht, diese Realität zu bezeichnen, denn dadurch spielt er ja nur mit der Gutgläubigkeit der Mitmenschen. Das Übel kann es nicht gegeben haben, es geht im Spiel der Inszenierungen auf. Wenn der politische Feind auf diese Weise derealisiert wird, beraubt man ihn der politischen Mittel, denn Politik ist nichts anderes als Macht/Ohnmacht-Darstellung im öffentlichen Raum.

Doch dummerweise dreht eine vollends derealisierte Darstellung völlig frei: wenn es keinen Realitätsbezug mehr geben kann, sind auch Falschbehauptungen, fake news und der Sinn von „Wahrheitsmedien“ dahin. Wer die Inszenierungs-Schraube zu hoch dreht, verliert die eigene Argumentationsgrundlage gegen den politischen Gegner, die „triftigen Gründe“.

In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 3. Februar wurde Volker „Antifa“ Weiß eine ganze Seite über die Eheleute Lethen eingeräumt. Er hat herausbekommen, daß die Waldorfschul-Kündigungs-Geschichte ein einziger Mumpitz gewesen ist, allein dazu ausgedacht, so richtig schön herumzuopfern. Es habe keine Kündigung, keinen unvorhergesehenen Rauswurf gegeben, alles rechter fake. Und die Großmedien hätten sich von der perfiden Sommerfeld einen Bären aufbinden lassen, allen voran die ZEIT und die faz selber. Selbst der linke Freitag hätte Lethen die story mit den weinenden Kindern geglaubt. Die Schule sei nämlich, so Weiß' Rechercheergebnis, bloß zum „Nebenschauplatz einer außergewöhnlichen Ehekonstellation“ gemacht worden – sie sei das wahre Opfer, das bis zuletzt „um die Kinder gekämpft“ habe.

Die Mutter hingegen kämpfte nur "für ihre Weltanschauung". Alles was recht ist. Ich opfere meine Kinder also meiner Weltanschauung, ich bin ja rechts ...

Leo/Steinbeis/Zorn lieferten mir dazu die Anleitung. Die drei Verfasser des „Leitfadens“ Mit Rechten reden (2017) stellen in ihrem Buch die These auf, daß Rechte sich dadurch auszeichnen, nicht etwa in inhaltlicher Hinsicht andere politische Ansichten oder ein wesentlich anderes Menschenbild als Linke zu haben, sondern ihr Rechtssein im kommunikativen Vollzug zu zeigen. Rechtssein bedeutet demnach, ein bestimmtes Spiel mit den „Nicht-Rechten“ (so bezeichnen die Autoren ihresgleichen, um nicht von uns zurecht „Linke“ genannt zu werden) zu treiben.

Dieses Spiel hat von ihnen den unschönen Namen „Pendelspiel Arschloch und Opfer“ verpaßt bekommen. Es geht so: Rechte verhalten sich arschlochhaft, indem sie moralische Empörung provozieren, einfach, weil sie es können. Wenn dann die Empörung reflexartig einsetzt, weiden sie sich cool an der Empörung, um daraufhin – sich selbst als Opfer dieser Empörung hinzustellen, denen der Mund verboten wird, die „wegen Rechts“ (zur Grammatik dieser Phrase siehe hier) ausgeschlossen werden aus dem Diskurs, die am Ende tätlich angegriffen werden, obwohl sie ja nur ihre freie Meinung sagen.

Das rechte Arschloch teile aus und könne nicht einstecken. Täter-Opfer-Umkehr  sei seine bösartige Logik, postulieren die drei Nichtrechten. Diese Opferdefinition der Rechten hat inzwischen den politischen Raum flächendeckend vergiftet.

„Eine dieser Prämissen“, schrieb Lichtmesz,

ist die Annahme, daß Rechte qua Rechtssein immer schon "Täter" seien und darum an allem, was ihnen widerfährt, irgendwie selbst schuld seien. In dem Opferrollenvorwurf steckt häufig auch eine Art Beschämungssprache – wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen, und der Betreffende soll als schwächlich, lächerlich und wehleidig dargestellt werden. Daß dies im Interesse desjenigen liegt, der ihm den Schaden möglichst ungestraft zufügen will, liegt auf der Hand.

Verführe ich nach der Spielanleitung der Herren Leo et. al., wie Volker Weiß mir unterstellt, wäre mir geraten, so vorzugehen:

Erst müßte ich so einiges richtig Arschlochhaftes sagen, am besten in der Schule der Kinder, über die Schule und besonders die dort vertretenen „Regenbogen-Familienersatzkonstrukte“ - solange, bis sie mich rauswerfen und bis die Kinder dran glauben müßten. Erst dann ginge es mir richtig gut, Arschloch, das ich wäre. Denn jetzt endlich könnte ich zu Stufe zwei übergehen: der Opferinszenierung. Dazu müßte ich bloß noch meinen Mann rumkriegen, mitzuspielen. Sowas könnte ich doch mit links. Denn eigentlich wäre er ja schon immer rechts gewesen.

Nur diese Lüge hält übrigens Weißens gesamte Demontagegeschichte zusammen. Rechtssein definiert sich laut unseren Mit-rechten-Reden-Experten über die „Selbstviktimisierung“: Wer Opfer spielt, ist rechts und umgekehrt. Nun, da auch er selbsterklärtes „Opfer von 'Sippenhaft' durch politisch korrekte Kreise“ ist, hätte ich's geschafft.

Helmut Lethen ist doch immer schon Täter gewesen, wie diese Meisterdialektikerin unter den Antifantentwitteranten eristisch definiert. Er liest gern Faschisten (Jünger! Mohler! Weißmann!), lebt in „fruchtbringender Gemeinschaft“ mit einer Faschistin, führt mit Faschistenfreunden Interviews (Thomas Wagner findet Benedikt Kaiser gut!) und des Gatten früherer Maoismus war auch nicht von schlechten Eltern.

Ich machte mir also rückwirkend zunutze (zu dieser Volte sind nur rechte Selbstinszenierungsgenies fähig), daß seine Mitmaoisten in den 70er Jahren damals schon Zweifel an gewissen Protagonisten des Imperialismus hegten. Weiß beweist:

Lethens KPD/AO war darin keine Ausnahme. 1971 postulierte sie, dass die 'Kollektivschuldtheorie' des 'anglo-amerikanischen Imperialismus' der Ausschaltung der deutschen Industrie diene, 'Deutschland zerstückeln' und in 'dauernder Abhängigkeit halten' solle.

Lethen in die rechte Schuldkultnummer einzugemeinden erfordert tiefgehende Recherche. Denn expressis verbis ist er zu diesem Spezialthema ganz anders drauf, aber Worte sind für den Entlarver bekanntlich Schall und Rauch.

Die für meine „große Inszenierung“ wichtigste Zutat ist für den hier erstaunlich feminismuskritischen Historiker der berühmte Literaturwissenschaftlergatte. „Herausragend“, „hochproduktiv“, „glänzend“, „renommiert“, „exzellent vernetzt“ – was will die Hypergamistin mehr? Flugs hätte ich den Plan fertig gehabt. Zwanzig Jahre später sollte die gebildete Welt Opfer meiner Inszenierung werden.

„Sehr viel Beachtung“ wurde mir geschenkt, läßt Volker Weiß die Obfrau sagen. Ich danke recht schön dafür. Die Schulgemeinschaft habe sich „nahezu aufgerieben“ daran, unter Qualen meine Publikationen auf Skandalöses hin („Frau Sommerfeld hat Neger gesagt!“) zu durchforsten, einen waschechten Hexenprozeß im Stile von „Außerordentliche Generalversammlung“ zu inszenieren, um „vollständig und lückenlos zu klären, ob und wie Mitglieder rechtsextremer Vereine“ die Schule unterwanderten und Rudolf Steiner vereinnahmten, das DÖW zur Hilfe zu holen, sich die Mäuler zu zerreißen, insgesamt fünf Kinder rauszuschmeißen, ein Klima der Angst zu verbreiten, das in der Bestellung einer Gruseltruppe von Securities bei Generalversammlung nach unserem Rauswurf gipfelte, um die Schule zu beschützen „vor den Identitären“. Wäre ich Weiß, könnte ich fast versucht sein, einen fas-Artikel zu verfassen darüber, wie sich diese Schule als Opfer inszeniert. Doch das Inszenierungsdrama entfaltet seine soziale Wirkung ja nur andersherum.

Abschließend vier Punkte zur Klarstellung der von Volker Weiß unterstellten Einzelheiten, denn auch in meinen Wikipedia-Eintrag hat Weißens G'schichtldruckerei schon Einzug gehalten:

  • Es hat nie einen Arbeitsvertrag mit der Waldorfschule für meine Küchenanstellung gegeben. Stimmt. Aber: Die Gleichbehandlungskommission im Bundesministerium hätte sich meines Falles von „Diskriminierung aufgrund der Weltanschauung“ überhaupt nicht angenommen, wenn nicht im österreichischen Arbeitsrecht das „arbeitnehmerähnliche Verhältnis“ existierte. Andernfalls wäre sie nicht zuständig und hätte kein Verfahren eröffnet. Für regelmäßige Arbeit über einen längeren Zeitraum Entlohnung, Naturalien oder Kostenreduktion zu erhalten begründet ein arbeitnehmerähnliches Verhältnis. Ich habe dort täglich fünf Stunden die Schulküche geleitet, exakt denselben 25-Stunden-Job gemacht wie mein fix angestellter Vorgänger: Logistik, Bestellung, Zubereitung von 200 Essen, Elternkoordination, Verantwortung nach außen als Küchenleitung. Der Fahnder glaubt der Obfrau, die von „reiner Elternmitarbeit“ und „Ehrenamtlichkeit“ redet.
  • Die Kündigung des Betreuungsvertrags war nicht unerwartet. Stimmt. Aber: obschon der Rauswurf der Kinder seit der Küchenkündigung als Damoklesschwert über uns schwebte, hatten wir mit der „Wiener Erklärung“ aufseiten der Waldorfschule eine allgemeine Sicherheit, daß es keine Diskriminierung wegen „politischer oder sonstiger Überzeugung“ an Waldorfschulen geben dürfte. Auf der besagten Generalversammlung ist meinem Mann coram publico versichert worden, daß es keine „Sippenhaftung“ gäbe. Für uns als Eltern war ab diesem Zeitpunkt dieses Problem aus der Welt. Doch danach arbeitete der Schulvorstand daran, durch einen neuen Vertrag das „ruf- und kreditschädigende“ Sommerfeldproblem loszuwerden. Was ihm auch gelang, der Zeitpunkt der Kündigung der Betreuungsverträge war perfekt: der letzte Schultag, während der Zeugnisvergabe. In den Sommerferien versandet etwaige Empörung. Die Lehrer waren in das Ausschlußverfahren nicht einbezogen worden und reagierten völlig überrumpelt.
  • In der Schule habe ich niemanden je politisch belagert oder agitiert. Schriftliche Äußerungen und öffentlichen Auftritte in politischer Absicht spielten sich außerhalb der Schule ab. Zwei Ausnahmen gibt es: 1.) Ein privater Blogeintrag ganz zu Beginn meiner Publikationstätigkeit handelte von einer Szene in der Schule („Ein objektiv unschöner Adventkranz“).  2.) Nach einem Haßmail an alle Mitglieder durch ein nunmehriges Vorstandsmitglied, das mich via Martin Sellners früher Jugend des Rechtsextremismus zieh, bin ich in einmal in die schulinterne Mailkommunikation eingestiegen. Es hat später offensichtlich großes Interesse gegeben, alle meine Äußerungen in Publikationen akribisch zu verfolgen. In der Schule habe ich mich nicht einmal auf der Generalversammlung angemessen verteidigen dürfen („keine Plattform für Rechte“). Die „Gegenerklärung“ 2017 war Reaktion auf den Mißbrauch der „Wiener Erklärung“ als selektives Diskriminierungsmittel gegen politisch Mißliebige und die Vereinnahmung der Pädagogik Rudolf Steiners. Das Einschalten der Gleichbehandlungsstelle ist ein legitimes Mittel etwaig diskriminierter Mitarbeiter in Betrieben und keine „Rufschädigung“. An die Presse gegangen bin ich erst nach dem Ausschluß unserer Kinder im Sommer 2018.
  • Die Lehrerin hat nie davon erfahren, daß jemand sein Kind von unserem wegzusetzen wünschte. Stimmt. Aber: dergleichen können Eltern wunderbar untereinander kolportieren und dann entrüstet abstreiten, wenn sie von Investigativjournalisten angerufen werden.

„Die Schwierigkeit besteht darin abzuweisen, was euch hindert, ihr selbst zu sein – ohne gleichzeitig das abzuweisen, was euch zwingt, es zu sein.“ (Paul Valéry)


Caroline Sommerfeld

Caroline Sommerfeld ist promovierte Philosophin und dreifache Mutter.


Kommentare (60)

H. M. Richter
5. Februar 2019 22:07

Irgendwann einmal werden sich Historiker mit der Frage beschäftigen, welche Geschichten zu unserer Zeit zugelassen wurden und welche nicht. Es wird dann der Frage nachgegangen werden, worin die Gründe gelegen haben mögen, bestimmte Geschichten nicht nur zu unterdrücken, sondern, hatten diese einmal das Licht der Öffentlichkeit erblickt, sie sogar möglichst in ihr Gegenteil zu verkehren.

Bei der Geschichte, die der Familie Lethen-Sommerfeld widerfuhr, wird es nicht allzu schwer sein, diese Gründe zu finden: Zu exemplarisch beschreibt sie, wie es um unsere Gegenwart bestellt ist, zu augenscheinlich sind die Parallelen zu jenen sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannten Geschichten, in denen Kinder - wenn auch zu ganz verschiedenen Zeiten - aus ähnlichen und durchaus vergleichbaren (Nicht-)Gründen Haus, Hof, Stadt, Land oder eben (zunächst ...) Schulen verlassen mußten.

Die Geschichte, die der Familie Lethen-Sommerfeld widerfuhr, kann und darf es also nicht geben, - historia est delenda ...

Damnatio memoriae in der Spätphase der Bundesrepublik Deutschland, - noch bevor solche Geschichten überhaupt erneut zur kollektiven Erinnerung werden, werden können.

Daß diese Geschiche hier dennoch erzählt werden konnte, daß hier aus erster Hand einer Verkehrung entgegnet werden konnte, zeigt einmal mehr, wie wichtig und unverzichtbar SIN ist.

Zooey
5. Februar 2019 22:58

Das Verhalten der Schule war mies, V. Weiss ist charakterlos und verklemmt (merkt man schon an seinem Stil).

Gustav Grambauer
6. Februar 2019 00:24

Es gibt noch einen Subtext, den die wenigsten verstehen, der aber subliminal wirksam ist, und mit dem Sie, liebe Frau Sommerfeld, noch in zusätzlicher Hinsicht unausgesprochen angeklagt sind, sich "gesellschaftswidrig" zu verhalten. Und mehr noch ...

Ich meine Folgendes: seit längerer Zeit gilt der Begriff Opfer nicht mehr als PC-konform, wurde ersetzt durch "Erlebende". Damit ist das Opfer per se derealisiert worden.

Weiß schon, politische Streber aus der Ecke der Humanistischen Psychologie werden darauf bestehen, daß der Begriff Opfer linguistisch dem - unzulässigerweie verallgemeinerten - Anspruch derer eigener Selbstbestimmung entgegenstehe. Oder diejenigen, die genug Zeit haben, sich in sogenannten Workshops die Sumpfblüten des Kommunikationstrainersumpfes anzukonditionieren, werden mir jetzt erklären wollen, daß diese Begriffsvertauschung in der Dichotomie "Erlebendes Ich vs. Erzählendes Ich" urstände. u. ä.

Etwas weniger kafkaesk betrachtet fällt vor allem auf, daß ein Mord, eine Vergewaltigung, ein Raubüberfall jetzt offiziell und ideologisch abgesichert, - hier schließt sich der Kreis -, als "Erlebnis" zu gelten haben.

Aber diejenigen, die alles mögliche zum Konstrukt erklären wollen, haben mit dieser Vertauschung gewiß auch einen ontologischen Feldzug im Sinn, und vielleicht noch etwas sogar noch darüber hinaus. Wenn Sie, liebe Frau Sommerfeld, also schreiben "Das Schauspiel 'Inszenierung als Opfer' läßt keine Wirklichkeit mehr zu ... Das Übel kann es nicht gegeben haben ...", dann gilt dies schon insofern, als nach dem Diktat der PC das Opfer und damit das Übel bereits eo ipso gar nicht der Wirklichkeit angehören können.

D. h. Sie haben sich nicht nur eine später noch auszuwertende Devianz an der PC geleistet, sondern Sie haben zusätzlich das getan, was die Rechten den Linken immer vorwerfen: Sie haben gleich in zweifacher Hinsicht hren Realitätsbezug vermissen lassen. Damit sind Sie es selbst, die - für Sie unausweichlich - den Subtext "nicht nur Kriminelle, auch (gemeingefährliche) Psychotikerin" gleich doppelt abgesichert haben.

So perfide! Man sollte diese Muster sezieren, denen um die Ohren hauen und die Öffentlichkeit, - wie die selbst in ihrem Psychokybernetikjargon sagen würden - "sensibilisieren", mit einem Humor, der nicht zynisch ist (wir wollen ja nicht so werden wie die), aber sarkastisch!

Habe mal mit dem Seitensucher die drei verknüpften Pamphlete aus ZEIT, FAZ und Freitag nach "opfer" durchsucht. Es gab einen einzigen Treffer, wer hätte das jetzt erwartet, Bingo: bei "Holocaust". Die sind also mit dem PC-konformen Austausch von "Opfer" durch "Erlebende" nahezu konsequent, aber - wie immer auf linker Seite - eben nur nahezu, eben nur soweit es ihnen auf ihren Denunzianten-Touren nützlich ist.

Wir haben genug Gründe, diese 99-%-Opportunisten-Konsequenz als strukturell angelegt zu nehmen. Somit stünden Obigem die Anschämung des Opfers wie von M. L. angemerkt sowie das Spielchen "Wer Opfer spielt, ist rechts und umgekehrt" überhaupt nicht entgegen, ganz im Gegenteil.

Über die ontologische Dimension hinaus sehe ich eine sakrale Dimension der Farce. Daß ich bei Ihnen 15 Treffer für "opfer" bekomme, wird wohl an dem Verhältnis zum Opfer liegen, das Sie als Christin haben ...

- G. G.

micfra
6. Februar 2019 00:39

Wie Ihnen und Ihren Kindern mitgespielt wurde ist einfach nur übel und bösartig, Frau Sommerfeld! Ich würde Ihnen gern etwas ermutigendes sagen und mir fehlen die Worte. Ich habe die geistige Implosion der DDR miterleben dürfen. Das ist etwas was mir auch in der heutigen Zeit Hoffnung macht.

Andreas Walter
6. Februar 2019 03:56

Liebe Frau Sommerfeld. Ich glaube, der Herr Weiß denkt nicht so wie Sie. Der spielt glaube ich in einem anderen Team. Sogar nach anderen Spielregeln, die Ihnen aber anscheinend nicht bekannt sind. Verschwenden Sie darum mit ihm nicht Ihre schöne Zeit. Lassen Sie die Dinge los, die Sie verändern wollen, bevor nämlich die Sie verändern, und zwar zum schlechteren. Oder was glauben Sie von welcher Natur etwas ist, was Sie und Ihre Familie so herabwürdigt wie er.
Doch doch, das gibt es, auch wenn viele Christen dafür blind sind.

Laurenz
6. Februar 2019 03:57

Sehr geehrte Frau Sommerfeld,
schwierig zu entscheiden, ob eine Antwort oder gar Rechtfertigung auf den diskreditierenden Artikel des Möchtegern-Lenins sinnvoll ist oder nicht.
Die versuchte religiöse Ausgrenzung Ihrer Person zu einer Persona non grata ist so alt, wie die Zivilisation, wurde von der Kirche und der Linken kultiviert. Dabei bleibt es sich auch gleich, welchen zeitgeschichtlichen Titel (Ketzer, Reaktionär, Teufelsanbeter, Klimawandelleugner etc.) sie noch erlangen mögen. Erinnert ein bißchen an Pack-Siggi und dem Mann mit Haaren im Gesicht.
Interessant hierbei ist, daß die Linke sich darüber beschwert, daß in den Staaten, wie Ungarn oder Polen, wo die Zeitenwende bereits eingetreten ist, die eigenen Kumpels ausgegrenzt und ausgetauscht werden. Man wundert sich also darüber, daß die Reaktion von der Aktion lernt. Interessant wird sein, wie Sich Ihr Mitbewohner fühlen mag, wenn Er von Seinesgleichen verraten wird.
Kein Mensch hat bis heute Willy Brandt/Herbert Fram dessen exorbitanten Konsum an Prostituierten vorgeworfen. Aber vielleicht wird die Linke auch das noch vollbringen.

Waldgaenger aus Schwaben
6. Februar 2019 08:42

Die welt.de bringt auch etwas über das Ehepaar Lethen.
Leider hinter der Bezahlschranke. Und von mir kriegen die keinen Cent.

Aber das schöne Bild mit der Unterschrift
"Passen zusammen: der Theoretiker Helmut Lethen und die Identitäre Caroline Sommerfeld-Lethen "
ist auch so zu sehen.

https://www.welt.de/kultur/plus188313499/Alte-Linke-neue-Rechte-Das-Ehepaar-Lethen-und-der-Kampf-des-deutschen-Volkes.html

Drehen Sie die Ihnen vorgeworfene Opferrolle in's Positive:
Die Liebe verbindet über unterschiedliche politische Anschauungen hinweg und widersteht den Anfeindungen.
Das Hohelied der Liebe von Paulus (1 Kor 13,1–13) war gerade am vergangenen Sonntag bei uns in der Kirche dran.

Dieter Rose
6. Februar 2019 09:26

Das lässt einen fassungslos
und ohnmächtig zurück.
Wie konnte das alles so weit kommen?
Wie kann es sein, dass aus der Nachkriegsgeneration nur ein paar
Vernünftige, Mitdenkende
übriggeblieben sind?
Ich zweifle an mir selbst.
Und lasse alles an mir abperlen.
Wir werden das Steuer nicht
herumreissen. Und ein zweites
deutsches Wunder wird es nicht geben.
Da fehlen die Überzeuger und zur
Zeit noch stillen Kämpfer.
Ein Rittergut ist zu wenig,
trotz der paar aufrechten Mitleser,
- streiter

cubist
6. Februar 2019 09:46

Offenbar handelt es sich mal wieder um eine konzertierte Aktion unter verklemmten Linken und ehemaligen Linksextremen: Herr Posener trötet in ein ähnlich billig gefertigtes Horn: https://www.welt.de/kultur/plus188313499/Alte-Linke-neue-Rechte-Das-Ehepaar-Lethen-und-der-Kampf-des-deutschen-Volkes.html Ist halt die Frage, ob Sie wirklich Ihre Zeit damit verschwenden wollen, jeder Lüge Kontra zu geben. Zumal es bei Volker Weiß, der vermutlich in seinem Leben auch nur sehr selten einen echten Anstellungsvertrag gesehen hat, und dessen Twitter-Claqueuren wohl schlichter Neid gepaart mit einem pathologischen Vernichtungswillen ist. Dagegen kann man nicht mehr argumentieren. Es nötigt mir Respekt ab, dass Sie es trotzdem tun.

@Laurenz: Wenn Sie sich schon wie weiland Konrad Adenauer in vermutlich denunziatorischer Absicht an Willy Brandt abarbeiten (die uneheliche Geburt haben Sie vergessen! das Saufen! Rauchen! Ehebruch!), dann sollten Sie es schon schaffen, wenigstens den Geburtsnamen korrekt zu schreiben: Frahm. Nicht "Fram". Und wenn Sie dann noch über ein Mindestmaß an historischer Bildung verfügen würden, wüssten Sie, dass "kein Mensch" reichlich untertrieben ist angesichts des publizistischen Drecks, mit dem der Mann (auch hinsichtlich seines Privatlebens) beworfen wurde. Wenn man jetzt nur noch wüsste, was das mit dem Ehepaar S & L zu tun hat ... .

micfra
6. Februar 2019 09:50

@Waldgaenger aus Schwaben
Ich habe auch bei meinem Kommentar daran gedacht, etwas aus der Bibel zu zitieren, Frau Sommerfeld zu sagen, dass ich sie in meine Gebete einschließe oder dass ich zur Zeit viel Trost und Wahrheit im Buchhäger Psalter (weil er so schön übersetzt ist) finde. Gerade im letzteren setzt sich David viel mit seinen gottlosen Feinden und der Suche nach der Wahrheit auseinander. Ich danke Ihnen, lieber Waldgaenger aus Schwaben, für Ihr ermutigendes Zitat!

Caroline Sommerfeld
6. Februar 2019 11:18

Poseners Abrechnung mit seiner eigenen Vergangenheit, ich zitiere aus der WELT das ein oder andere:

"Das Ehepaar Lethen und der „Kampf des deutschen Volkes“

Passen zusammen: der Theoretiker Helmut Lethen und die Identitäre Caroline Sommerfeld-Lethen
Helmut Lethen war ein linksextremer Agitator. Heute macht er sich zum Komplizen seiner identitären Ehefrau Caroline Sommerfeld-Lethen. Erinnerung eines Kampfgenossen, der ihn einst bewundert hat.
(...)
Wenig später versuchte Lethen als Lehrer an einer Privatschule, den Deutschunterricht so umzufunktionieren, dass er einen „Einblick in die Veränderbarkeit der geschichtlichen Gewaltverhältnisse“ – vor allem der „Gewaltverhältnisse“ in Berlin-West – vermittelte. Ihm durfte ich als Mitglied der „Projektgruppe Unterrichtsagitation des Zentralrats der Berliner Schüler“ zuarbeiten. Nach einem Jahr flog er raus.

Nun hat Lethen schon wieder Ärger mit der Schule. Seine 35 Jahre jüngere Frau Caroline, die eine ähnliche Position innerhalb der Neuen Rechten einnimmt wie Lethen vor 50 Jahren in der Neuen Linken, scheiterte mit dem Versuch, die Waldorfschule umzufunktionieren, die ihre beiden Söhne besuchten. Die Schule kündigte den Vertrag mit den Eltern, die Kinder flogen heraus: Opfer – auch das kennt man von 1968ff – der ideologischen Verbohrtheit der Mutter. Und nicht, wie bisher kolportiert wurde, der Borniertheit der linken Waldorf-Eltern. Das hat der Sachbuchautor Volker Weiß in einer minutiösen Recherche für die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ herausgefunden.
(...)
So meint Lethen im Gespräch mit Thomas Wagner im „Freitag“, dass „wir Deutschen allen Einwanderern, ob es sich um Syrer, Afghanen oder Iraner handelt, eine Identität zusprechen, uns selbst aber zumuten, keine Identität zu haben. Wir haben es abgelehnt, eine ethnische Identität zu haben und an dieser Stelle wandern die Rechten in uns ein.“

Tatsächlich scheint etwas Merkwürdiges in Lethen „eingewandert“ zu sein. Weiß er denn nicht, dass alle Einwanderer Deutsch lernen, sich in die deutsche Gesellschaft und Kultur integrieren müssen? Dass wir das Deutsche freilich nicht „ethnisch“, sondern kulturell und sprachlich, historisch und rechtlich definieren, das entspricht den Lehren aus dem Nationalsozialismus, dem Grundgesetz und der Wirklichkeit. Würden wir Syrer, Afghanen oder Iraner eine „ethnische“ Identität zuschreiben, obwohl alle drei Staaten multiethnisch, multikulturell, multireligiös und multilingual sind, bewiesen wir nur unser mangelhaftes Wissen, ganz abgesehen davon, dass in all diesen Staaten der wichtigste Unterschied der ist zwischen Verfolgern und Verfolgten, Mördern und Opfern, nicht zwischen Ethnien.

Doch Lethen fährt unbeirrt fort: „Die Schuldkultur, in der wir aufgewachsen waren, hat einen Raum des Vergessens der eigenen Identität geschaffen, in den heute mühelos Rechte einwandern können.“ Eine Behauptung, die er selbst widerlegt: „Was den Holocaust betrifft, über den erfuhr ich zum ersten mal 1957 etwas.“ Da war Lethen 18. „In der Schule hatten wir davon nie etwas gehört.“ Genau. Von wegen „aufgewachsen mit einer Schuldkultur“! In seinem eigenen Unterricht an der Grabbeschule in Berlin spricht Lethen das Thema ebenso wenig an wie in seinen Schriften aus dieser Zeit, außer zu behaupten, es gäbe eigentlich keinen großen Unterschied zwischen dem Faschismus und den „Gewaltverhältnissen“ in der Bundesrepublik.

Und es waren ja nicht die Rechten, die zuerst „in uns einwanderten“. Es waren der Linksterrorist Dieter Kunzelmann, der die Linke aufforderte, ihren „Judenknax“ abzulegen, und seine Genossen, die mit dem von ihm angestifteten Bombenanschlag auf das Jüdische Gemeindehaus in Berlin am 9. November 1968 die revolutionäre Praxis dazu liefern wollten. Schon verdrängt, Helmuth Lethen?

Die Behauptung einer „Schuldkultur“ ist eines der Elemente, die Links- und Rechtsradikalismus zusammenhalten, wie die Ressentiments gegen Amerika und den Westen, gegen die Globalisierung und die Eliten. Schon 1992 sah der zwischen links und rechts irrlichternde Dramatiker Heiner Müller im Osten „an jeder Tankstelle die Siegesbanner der Ölkonzerne, in jedem Dorf statt der gewohnten Schreibwaren Mc Paper & Co. Im Meer der Überfremdung ist Deutschsein die letzte Illusion von Identität, die letzte Insel.“ Zwanzig Jahre zuvor hatte die KPD/AO, für die Lethen und ich arbeiteten, den „Kampf des deutschen Volkes für nationale und soziale Befreiung“ ausgerufen."

Tobinambur
6. Februar 2019 11:22

Ich habe die ganze Sommerfeld-Waldorf-Geschichte mitverfolgt, da ich beim Thema Anthroposophie aus folgenden Gründen hellhörig werde. Ich habe mich erfolgreich gewehrt, als meine Tochter von ihrer Mutter mit allen Mitteln in eine Walddorfschule gepresst werden sollte. Zunächst war mein Standpunkt rein formal. Gemeinsames Sorgerecht ergo gemeinsame Entscheidung. Die Mutter hat sich an diese aufgrund unserer Gesetze gebotene Verpflichtung nicht gehalten, mich hintergangen und meine Tochter ohne meine Zustimmung und ohne mein Wissen auf einer Waldorfschule angemeldet. Da ich Konflikte aus rein formalen Gründen überflüssig finde, falls es inhaltlichen Konsens gibt, habe ich mich intensiv mit der Walddorfpädagogik und der Anthroposophie beschäftigt. Das rechtskonservative Gedankengut hat mich inhaltlich natürlich nicht gestört, wohl aber der weltanschauliche Kern, der übrigbleibt, wenn man diese rechtskonservativen und sich auf die Existenz von Völkern beziehenden Anteile subtrahiert. Was bleibt ist eine autoritäre, paternalistische Ideologie für Menschen, die glauben die Besseren zu sein, mit anderen Worten: Es bleibt eine zur allgemeinen Gutmenschenideologie völlig kompatible Weltanschauung, deren Anhänger zudem hochgradig sektenartig vernetzt und abgekapselt sind. Da ich nun meine Tochter nicht in einem linksgrünen Ausbildungslager sehen wollte (wenn, dann sollte sie sich schon selbst und so frei wie möglich dafür entscheiden!), habe ich auf Einschulung in einer staatlichen Schule bestanden – wohl wissend was das bedeutet. Aber zumindest gibt es dort noch (!) mehr Spielräume, da diese Schulform personell und gegenüber dem bürgerlichen Recht noch nicht so hermetisch abgeschlossen ist, wie die Walddorfschulen. Die absolute Gleichschaltung muss erst noch von innen und außen erzwungen werden.
Da die Anthroposophen aus guten Gründen so penibel auf ihre Hermetizität achten, ist es andererseits völlig einfach, Walddorfschulen zu sabotieren: Wenn sich ein Elternteil dezidiert als Gegner der Walddorfpädagogik ausspricht, dann haben die Anthroposophen kein Interesse an einem Kind aus solch einem Elternhaus. Ich habe nun damals gegenüber der Schulleitung sehr deutlich ausgedrückt, was ich von der Anthroposophie halte (im wesentlich das, was ich soeben skizziert habe). Das hat den Alleingang der Mutter in kürzester Zeit vereitelt!
Die Anthroposophie ist in seinem innersten Kern eine Ideologie, die sehr umfassend alle Lebensbereiche regeln will und dazu auch einen verschwurbelten Spiritualitätsbegriff zur Verfügung stellt, um das Religiöse abzudecken. Deshalb ist sie nicht nur kompatibel zur Weltanschauung unserer linsgrünen Eliten, sondern, fast schon idealtypisch das, was diese als gesellschaftliche Utopie geplant haben. Der rechtskonservative Anteil der Ursprungstexte Steiners war kontingent und bloß eine zeitgeistbedingte metaphorische Darstellungsweise, die beim Wechsel des Zeitgeistes beliebig austauschbar ist, denn die Anthroposophie stiftet keine Identität über das Volk (u.v.a.), sondern nur über den eben beschriebenen ideologischen Kern und die Zugehörigkeit zur anthroposophischen Gesellschaft/Sekte.
Ein Anthroposoph, wie z.B. Frau Sommerfeld, würde dieser These natürlich vehement widersprechen: Aber aus dieser Diskussion ergibt sich auf dem Hintergrund dieser Hermetizität nur Streit um die „wahre“ orthodoxe Lehre und die üblichen Anklagen wegen Rechts- oder Linksabweichlertum relativ zur Anthroposophie. Die Anthroposophie interessiert mich aber als Bezugspunkt für solche Diskussion ebenso wenig wie die herrschende linke Ideologie. Beides kann für uns kein Bezugspunkt oder eine Norm sein, allenfalls ein Feind. Um es sehr zugespitzt zu formulieren: Die Anthroposophie ist einer der vielen denkbaren Einbrüche linker Ideologie in die Neue Rechte.

Maiordomus
6. Februar 2019 11:26

Was für John F. Kennedy zu Lebzeiten als toleriertes Privatleben recht war, der Journaille damals ebenso bekannt wie dem mafiösen Umfeld von Präsidentenkumpel Frank Sinatra, wurde für Willy Brandt billig, wobei jedoch Spion Guillaume auch darüber zu viel wusste, was den Rücktritt mit auslöste. Der Kanzler der Ostverträge wurde dank seinem Kniefall im Osten so etwas wie der Heilige der Links-Christen. Trotzdem bleibt aus der Sicht der abendländisch orientierten Christen zu anerkennen, dass der Bundekanzler Brandt (wie der katholische Verteidigungsminister Leber) bei der Beratung der Fristenlösung sich im Kabinett der Stimme noch enthalten hat, weil das einst uneheliche und eher unerwünschte Kind Herbert Fram ja unter heute moralisch einwandfreien Bedingungen im Jahr vor seiner Geburt aus sozialen und anderen Gründen vernünftigerweise abgetrieben hätte werden sollen, vielleicht sogar müssen. Und man vergesse nicht, dass spätestens nach dem Tod des letzten Wehrmachtsoldaten ein immer noch enorm angesehener verstorbener Altkanzler wie Helmut Schmidt historisch als "Nazi-Schwein" enden wird, war er schliesslich gegen Ende des 2. Weltkrieges sogar zu einem Prozess gegen nachher hingerichtete Widerstandskämpfer abgeordnet (analog zu Ernst Jünger, der mal zur Mitaufsicht bei der Erschiessung eines Deserteurs bestellt war), wobei wir nicht wissen können, wie der Wehrmachtoffizier Helmut Schmidt zu jener Zeit wirklich gedacht hat, mutmasslich aber wohl nicht unähnlich wie Günter Grass und Walter Jens. Ausgeschlossen scheint mir, dass Helmut Schmidt Offizier der Wehrmacht wurde in der Absicht, die bedingungslose Kapitulation herbeizuführen oder diese zumindest mit wehrkraftzersetzendem Verhalten zu erleichtern. Gemäss den ethischen Prinzipien, wie sie in den damals zum Beispiel auch in der freien Schweiz gedruckten katholischen Lehrbüchern der Ethik gelehrt wurden, war Helmut Schmidt, wie sein Freund, der lebenslang hochverdiente Kulturförderer Alfred Toepfer aus Hamburg, ein anständiger Mensch, zumindest nach den Kriterien der christlich-abendländisch geprägten Massstäbe des abgelaufenen 2. Jahrtausends. Sobald nun aber diese Generation endgültig weggestorben sein wird, können wohl nur gerade noch Deserteure des 2. Weltkrieges mit mildernden Umständen rechnen. Schon das Gedankengut eines Goerdeler oder Stauffenberg würde heute, zum Parteiprogramm erhoben, wohl sogar von Mitgliedern des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, zu schweigen von den Linken, bereits als "faschistisch" denunziert. Dies ist kein Protokoll der Verbitterung, sondern ein realer zeitgeistiger Befund, auf den jeder, der noch zum heutigen Geistesleben im Sinne von Mainstream dazugehören will, Rücksicht nehmen muss.

Auf der Basis des oben festgestellten Freund-Feind-Denkens darf der Ehemann von C.S. nicht ohne weiteres auf mildernde Umstände hoffen, was sich für Ehe und Familie noch als Gefahr erweisen könnte. Ich erinnere an den einst enormen politischen Druck auf den erfolgreichen und anerkannten Autor Jochen Klepper, sich von seiner Frau und seiner Tochter zu trennen, was bekanntlich zu einer persönlichen Katastrophe führte. Klepper gehört notabene zu den nach eigenem Bekunden bevorzugten und prägenden Autoren für Götz Kubitschek, was mich selber massgeblich veranlasste, Abonnent von "Sezession" zu werden.

Caroline Sommerfeld
6. Februar 2019 11:38

@Topinambur:
Der Witz ist, daß man an gegenwärtigen Waldorfschulen als Eltern kaum ein Anthroposophieproblem hat - die sind weltoffen und tolerant wie nichts Gutes, allen möglichen Eltern gegenüber mit allen möglichen Gebräuchen und Weltanschauungen. Sodaß Sie sich das Thema "Sekte" wohl klemmen können. Und Steiner begründet Individualität sehr wohl im Volk, nur eben nicht allein auf der materialen (Bluts-)Abstammungsebene, sondern geistig. In Summe: Waldorf läßt sich von links aushöhlen, die Anthroposophie mit etwas mehr Verdrehungskunst und vor allem gehörigem Eklektizismus auch, aber der Grund, weshalb Steiner keine Einbruchstelle linker Ideologie in die Neue Rechte sein kann, liegt im Christusimpuls.

Maiordomus
6. Februar 2019 11:45

@cubist. Danke für die Korrektur. Ich schrieb in meinem Beitrag ursprünglich "Herbert Frahm", vermutete aber, es falsch geschrieben zu haben, weil @Laurenz "Fram" geschrieben hatte., Letzterer Forist ist nun aber bei Feindbeschreibung erfahrungsgemäss häufig schlecht im Bild. Über alles gesehen bleibe ich der Meinung, dass Willy Brandt genau so wie Helmut Schmidt ein anständiger Mensch war, so wie es zur Zeit von Kennedy und Willy Brandt noch vergleichsweise anständige Journalisten gab. Wir wissen unterdessen, dass noch nie gegen einen Politiker in diesem Ausmass alles als erlaubt galt wie gegen den Präsidenten Donald Trump, der zwar seinerseits nicht gerade für eine feine Klinge und sogenannte Manieren bekannt geworden ist.

Niekisch
6. Februar 2019 11:51

Tja, reagieren oder nicht und wenn ja, wie? Das ist hier wieder einmal die Frage. Nach ein paar Sekunden Nachdenken:

Die feindliche Pisse über die Borke der deutschen Eiche rinnen und im Boden versickern lassen.

Der_Juergen
6. Februar 2019 12:12

Ich habe mich der Mühe unterzogen, mich über den Herrn Volker Weiss - der hier ja hoffentlich mitliest - kundig zu machen. Dabei trat wenig Überraschendes zutage. Wenn man erfährt, dass der Herr bei irgendeinem "Villigster Forschungsforum zu Nationalsozialismus, Rassismus und Antisemitismus" mitarbeitet, ist schon (fast) alles klar.

"Rechtsextremismus-Experte" oder "Antisemitismus-Forscher" wird einer, der folgende Voraussetzungen erfüllt: 1) Ein nicht allzu extrem tiefer IQ, denn man sollte ja möglichst in der Lage sein, zusammenhängende Sätze zu formulieren und so etwas wie eine geistige Anstrengung zu simulieren; 2) Die Bereitschaft, stets mit den Wölfen zu heulen, auf Menschen einzudreschen, die schon vom Staat verfolgt werden, und ihnen dann vorzuwerfen, sie gebärdeten sich als Opfer; 3) Die absolute Unfähigkeit, Gegenargumente auch nur zur Kenntnis zu nehmen, geschweige denn kritisch zu analysieren und dann seine eigene Sicht der Dinge gegebenenfalls zu korrigieren.

Das System, in dem wir leben, ist für die Mittelmässigen, die Faulen und die Denunzianten der Garten Eden. Als beamteter "Antisemitismus-Forscher" oder als für irgendein Schmierblatt schreibender "Rassismus-Experte" wird man dafür gut bezahlt, dass man die verlangten Sprechblasen absondert. Der Hass des Herrn Volker Weiss auf Caroline Sommerfeld ist der uralte Hass der Unbegabten auf die Begabten, der Mittelmässigen auf die Ausnahmegestalten, der Feiglinge auf die Mutigen. Es ist der Hass des Thersites auf den Achilleus.

Wer einen ehrfürchtigen Einblick in die geistige Brillanz und die zutiefst originellen Gedanken des Herrn Weiss nehmen will, kann als Einstieg sein Interview mit dem "Freitag" lesen:
https://www.freitag.de/autoren/lfb/ihr-gegner-ist-amerika
Vielleicht bekommt er dann Lust auf mehr...

Noch zu Herrn Posener. Seine Wandlung vom ultralinken Revoluzzer zum Speichellecker der Neuen Weltordnung ist beinahe schon archetypisch. Vor allem in Frankreich haben viele Radikalinskis von anno dazumal diesen Weg eingeschlagen. Ein klassisches Beispiel war der Ex-Maoist Andre Glucksmann, der sich zum kläffenden Kettenhund des US-Imperialismus mauserte und all dessen Schurkereien, einschliesslich der Aggression gegen den Irak und des Bombenterrors gegen Jugoslawien, eifrig verteidigte. Dem Antikapitalismus und dem Antiimperialismus ihrer Sturm-und-Drangzeit haben diese Leute abgeschworen, nicht jedoch dem Internationalismus, den sie im heutigen Globalismus mit Recht verwirklicht sehen, und dem "Antirassismus" (worunter sie den Kampf gegen all jene verstehen, welche die Identität ihres eigenen Volkes wahren wollen).

Der katholische Schriftsteller Johannes Rothkranz spricht von einem "Ungeheuer aus der Tiefe", dessen beiden Köpfe Marx und Rotschild gewesen seien. Früher schworen die Poseners auf Marx. Heute schwören sie auf Rothschild. "Ca reste en famille", pflegt der Franze zu sagen.

Tobinambur
6. Februar 2019 12:42

@ Sommerfeld. Sie bestätigen mich. Ich schrieb: Die Anthroposophie ist in ihrem gutmenschlichen Kern fast der Idealtypus des Mainstreams, d.h. die Ähnlichkeit nimmt zu und hat als Horizont die gleiche Gestalt (ich schrieb: idealtypisch). Haben Sie mein eingeklammertes Ausrufezeichen gelesen? Ich schrieb, dass es auf staatlichen Schulen noch (!) Spielräume gibt, d.h. ich spreche ja gerade von der Konvergenz unserer Gesellschaft und der anthroposophischen Form -- und damit auch von der Zunahme der Abgeschlossenheit, Hermetizität und Sektenartigkeit unserer gesellschaftlichen Eliten. Also: Ich "klemme" mir den Ausdruck "Sekte" nicht im Geringsten. Im Gegenteil. Unsere gesellschaftlichen Eliten mutieren immer mehr zu einer weltanschaulich intransparenten, hermetisch abgeschlossenen Klasse, die unter sich bleibt. Das müssten Sie eigentlich nur zu gut wissen. Ziehen Sie die korrekten logischen Schlüsse. Das hat mit inhaltlichen Argumenten fast gar nichts zu tun. Da, wo die Logik nicht mehr auf Ihrer Seite steht, bringen Sie plötzlich ein Wort wie "Christusimpuls" ins Spiel. Als Argument!!! Ich bin kein Christ, kenne aber genügend, die bei Steiner und seiner Christuslehre nur den Kopf schütteln. Das spricht nicht per se gegen die Anthroposophie, sondern gegen deren Einbringung in unser begriffliches Fundament. Sie begeben sich mit einem solchen Terminus begrifflich außerhalb eines minimalen intersubjektiven, also gemeinsamen Feldes. Wollen sie etwa diese gemeinsame Basis um diese esoterische Weltanschauung bereichern? Erlauben Sie mir die Spitze: Ich sehe bei Ihnen eher einen messianischen als einen Christusimpuls. Wir brauchen aber einen gemeinsamen Grund, auf dem wir als Volk oder "politische Interessengemeinschaft" stehen können, um uns zu verbinden! -- auch wenn wir in religiösen Dingen unterschiedliche Zuneigungen haben. D.h. hier sollten weniger Bedingungen und Voraussetzungen nötig sein. Sie hingegen schmälern diese Basis und spalten damit.

Ein gebuertiger Hesse
6. Februar 2019 12:51

@ Dieter Rose
"Ein Rittergut ist zu wenig, trotz der paar aufrechten Mitleser, -streiter."
Hier kommt das große (innere) TROTZDEM zum Tragen. Selbst wenn wir am besten und ehesten dort wirken, wo die Unseren, Frau, Kinder, Freunde, Familie sind, also im "Kleinen", das keineswegs in die Weite des Landes ausgreift, zumindest noch nicht, nicht soweit wir sehen, machen wir DENNOCH weiter. Aus sturer Beharrlichkeit heraus und dem Glauben, daß ein Gebet, wenn es nur ernsthaft und mit der rechten Demut vorgetragen wird, seinen Weg nach oben schon findet. Diese Dinge erklären sich nur zum Teil, alles andere ist patriotisches Bauchgefühl.

Der_Juergen
6. Februar 2019 12:52

Noch ein kurzer Nachtrag zu meinen Anmerkungen zu Weiss. In dem Artikel, der den Anstoss zu dieser Debatte gab, schreibt dieser:

"Im Juni 2017 protokolliert sie (Caroline Sommerfeld) in der „Sezession“ ein Gespräch mit ihrem Mann. Darin drechselt sie die Forderung: „Holocaust-Forschung muss freie Forschung sein dürfen.“ Die historische Forschung ist hierzulande frei, strafbewehrt ist nur Holocaustleugnung."

Wie vielen Lesern des Weiss-Artikels mag diese Idiotie wohl aufgefallen sein?

Maiordomus
6. Februar 2019 13:15

@Sommerfeld. Las dieser Tage das Buch "Die grossen Eingeweihten" (Leipzig 1923) von Eduard Schuré mit einem viereinhalbseitigem Vorwort von "Dr. Rudolf Steiner". Zu diesen "Eingeweihten" einer "esoterischen" Lehre, die mit "Jesus" (nicht Christus) abgeschlossen wird, gehören gemäss jener bald hundertjährigen anthroposophischen "Skizze einer Geheimlehre der Religionen" in Reihenfolge: Rama-Krishna-Hermes-Moses-Orpheus-Pythagoras-Plato-Jesus.

Was Steiner versucht, läuft offenbar jenseits dessen, was Sie "Christusimpuls" nennen, auf eine Art Synkretismus der spätantiken Mysterienreligionen hinaus. Denselben verdanken wir bekanntlich einen nicht kleinen Teil unseres Kalenders (Geburtstag von Mithras und Sol invictus: 25. Dezember) sowie generell das Epiphanie- und Parusiedenken wie auch die Vision der heiligen Familie; zu schweigen von einer für die Mysterienreligionen typischen Anthropologie, welche den Menschen als "erlösungsbedürftig" einschätzt. Die Frage ist, ob "Selbsterlösung" zu schaffen ist, oder ob uns, wie Heidegger es formulierte (Lichtmesz hat den Gedanken aufgegriffen) im Gegensatz dazu "nur ein Gott retten" könne. Steiner scheint mir weder eine "Einbruchstelle linker Ideologie in die Neue Rechte" zu sein noch grundsätzlich das Gegenteil davon, weil er sich politisch nicht abschliessend geäussert hat. Ehrlich gesagt vermögen mich aus der Generation Steiners, dessen Schule vielfach eine Brutstätte wirrköpfigen Denkens geworden ist (was sich in der neuesten Affäre, die Sie berichten, abermals manifestiert) eher schon Albert Schweitzer mit seiner "Mystik des Apostels Paulus" und seiner fürwahr überkonfessionellen, aber nicht bloss synkretistischen Jesus-Deutung einerseits sowie Karl Barth mit seiner epochalen neoreformatorischen Auslegung des Römerbriefs (1922) in der Neuausgabe von Pfarrer Hinrich Stoevesandt vom Basler Karl-Barth-Archiv, auf eine weit tiefgründigere Weise. Es geht hier aber zweifellos um grundlegende weltanschauliche Entscheidungen. Die Entscheidung für "Rechts" oder "Links" bleibt aber angesichts der Vier Letzten Dinge, bei denen das Gericht das Allerletzte ist, eine bloss vorletzte Entscheidung. Gerade weil diese Entscheidung nicht "die letzte" ist, bleibt es für eine nichttotalitäre und allenfalls noch in einem skeptischen Sinn gläubige "rechte Existenz" durchaus möglich, mit einem linken Ehepartner auf gelungene Art verheiratet zu bleiben, so allenfalls die Gnade der Liebe gerade noch durchgehalten werden kann. Zynisch fand ich indes, wie einer der Foristen Ihren Ehemann zum blossen "Mitbewohner" reduzierte. Vom mir aus drückt sich damit ein totalitäres Denken aus. Ich glaube im Ernst, dass Sie es nicht so meinen, wiewohl die auch von mir oben angedeutete Problematik des alle gesellschaftlichen Schichten durchdringenden heutigen Freund-Feind-Denkens keine Kleinigkeit bleibt. Zusammenleben unter Menschen unterschiedlicher politischer Haltung scheint mir dann möglich, wenn das Politische , was zwar bei überzeugten Marxisten kaum drin liegt, nicht das Letzte im Leben bleibt.

PS. Selber habe ich mich nie für einen "Eingeweihten" gehalten, wiewohl anthroposophische und rosenkreuzerische Hörer meiner Vorträge mir das in gar nicht so seltenen Fällen unterstellten. Der "Verdacht" kam aber auf, weil mich die gnostische Tradition aller Generationen von Jugend auf bis zum heutigen Tag stets interessierte. Als ich vor Jahrzehnten noch im Feuilleton der Neuen Zürcher Zeitung dann und wann einen Aufsatz platzierte, wurden jedoch Zitate von Rudolf Steiner sowie generell Hinweise auf die Anthroposophie von der Redaktion jeweils ohne Rückfrage weggestrichen. Die Weltanschauung bleibt jenseits von "Rechtsverdacht" auf alle Fälle ketzerisch!

Caroline Sommerfeld
6. Februar 2019 13:24

@Maiordomus:
"Gerade weil diese Entscheidung nicht „die letzte“ ist, bleibt es für eine nichttotalitäre und allenfalls noch in einem skeptischen Sinn gläubige „rechte Existenz“ durchaus möglich, mit einem linken Ehepartner auf gelungene Art verheiratet zu bleiben, so allenfalls die Gnade der Liebe gerade noch durchgehalten werden kann."

Nichts anderes als das. Danke Ihnen.

"Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf,
sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu,
sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit;
sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.
Die Liebe höret nimmer auf, wo doch das prophetische Reden aufhören wird und das Zungenreden aufhören wird und die Erkenntnis aufhören wird. Denn unser Wissen ist Stückwerk und unser prophetisches Reden ist Stückwerk. Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören. Als ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und dachte wie ein Kind und war klug wie ein Kind; als ich aber ein Mann wurde, tat ich ab, was kindlich war. Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunklen Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin."

Ein gebuertiger Hesse
6. Februar 2019 13:39

@ Caroline Sommerfeld

Wie wunderbar das obige Bibelzitat und mit welch besonderer Tiefe an dieser Stelle. Wäre man nicht schon Katholik (egal, ob die Übersetzung von Luther stammt!), möchte man's gerad werden, selbst in Zeiten von Kardinal MARX und Konsorten.

ALD
6. Februar 2019 15:20

Die Causa Sommerfeld-Weiß für Musikliebhaber, Frauen und Leute, die nicht so viel Zeit haben zu lesen:

https://www.youtube.com/watch?v=9Ucs_Tas4uc

Herzlich

Gustav Grambauer
6. Februar 2019 15:35

Gebe die Einseitigkeit bzw. Beschränktheit der heute grassierenden Erkenntnismethode zu bedenken, die den Erkenntnisgegenstand vivisektiert und sich dann ihr Urteil aufgrund der zergliederten, freilich stinkenden Leichenteile bildet. Das ist Spalten! Mit dieser Erkenntnismethode wird man die Anthroposophie niemals erfassen können, schon gar nicht, wenn man dabei vonvornherein nur auf der Suche nach dem sprichwörtlichen Haar in der Suppe ist. Die Anthroposophie will nicht von der Verwesung her sondern wesenhaft erfaßt werden, oder wie mein lieber Freund Hans Bonneval immer sagt: mit einem Neuen Denken. Wer das alte Denken nicht überwindet, merkt nicht einmal, wie sehr er selbst spaltet, einfach weil er in einer Logik der Spaltung gefangen ist.

Ich räume ein, daß der Zugang schwierig ist, erstens weil das Neue Denken einer soliden Einführung und Schulung bedarf, weit, weit über

"habe ich mich intensiv mit der Walddorfpädagogik und der Anthroposophie beschäftigt."

hinaus. Ihnen, Tobinambur, offenbar auf Beschäftigungstherapie disponiert (und man kann jede Philosophie, Doktrin, Lehre, Wissenschaft zur Beschäftgunghstherapie machen, was ja sogar mit der Anthropopophie weithin getan wird!) ist ja nicht mal aufgefallen, was Sie mit dem Wort "beschäftigt" eigentlich über Ihre Herangehensweise ausdrücken.

Zweitens ist der Zugang zur Anthroposophie schwierig, weil es in der Szene vor Scharlatanen, Ideologen, Stümpern, Missionaren, Sektierern, Profilneurotikern, Spinnern, Gutmenschen, ultralinken Politaktivisten, zynischen Manipulateuren wimmelt.

http://www.lochmann-verlag.com/graubuch_info.htm

Es würde zu weit führen, zu erörtern, warum das so ist. Vielleicht soviel: wo das Wesen ausgetrieben wurde, machen sich die Dämonen breit.

Man muß vor dem Intellekt warnen, wenn er sich in seiner Anmaßung selbst für das Ultimo nimmt und sich in Urteilen auf dieser Basis an Phänomenen vergreift, die er gar nicht erfassen kann.

"Wenn ihr`s nicht fühlt,
ihr werdet`s nicht erjagen,
Wenn es nicht aus der Seele dringt,
Und mit urkräftigem Behagen
Die Herzen aller Hörer zwingt.
Sitzt ihr nur immer! Leimt zusammen,
Braut ein Ragout von andrer Schmaus,
Und blast die kümmerlichen Flammen
Aus eurem Aschenhäufchen raus!
Bewundrung von Kindern und Affen,
Wenn euch darnach der Gaumen steht;
Doch werdet ihr nie Herz zu Herzen schaffen,

(--- das heißt es: Spaltungen überwinden, und, jawohl, es gilt, - aber nur bei den in obiger Logik verbunkerten Vivisektierern -, als elitär - G. G. ---)

Wenn es euch nicht von Herzen geht."

- G. G.

mons
6. Februar 2019 15:45

Was treibt den möchte gern Rechercheur Volker Weiß möglicherweise noch an?! Da hilft ein Blick auf einige von ihm verwendete Begriffe, die ihn, und da Bedarf es keines Germanistik Studiums, als seltsam neidgetrieben erkennen lassen:
"enormes Sendungsbewusstsein, der hartnäckige Wunsch,Elite zu sein; kommt sie nun mit vielfacher Geschwindigkeit voran; steht sie endgültig im Mittelpunkt; Aufnahmen zeigen sie auf großer Bühne; sie wächst in den Strahlen seines Ruhmes; gigantische Inszenierung; Star der Neurechten Propagandakompanie; ihrer Kampagne gegen die Schule maximaler Erfolg beschieden; Sommerfeld kämpft für ihre Weltanschauung."
Er arbeitet sich damit an der lange bestehenden Bedeutung von Lethen und der aufsteigenden Bedeutung von Sommerfeld ab. Da Weiß alles, was er meinte schreiben zu müssen, auch ohne die permanenten Bedeutungs-Referenzen hätte schreiben können, stellt sich die Frage, warum ihm diese so durchgehend wichtig sind. Zugegeben, alles vielleicht nur Spekulation meinerseits, aber kann es sein, dass in und hinter Weiß der Frust des ewigen intellektuellen "Lümmels von der letzten Bank" schlummert?!

Waldgaenger aus Schwaben
6. Februar 2019 15:55

@micfra
Vielen Dank für die Rückmeldung

@Sommerfeld
Vielen Dank für die Auszüge aus dem welt.de Artikel.
Ich hatte glatt übersehen, dass er von Posener stammt. Das erklärt vieles.

Momentan vertritt er die doch recht steile These:

'So viel übrigens zur Behauptung, wir würden einen „muslimischen Antisemitismus importieren“. Es handelt sich allenfalls um einen Re-Import. Aber das nur nebenbei.'

https://starke-meinungen.de/blog/2019/02/01/unheimliche-brueder/

Die Nazis waren es, Posener zufolge, die den Antisemitismus erst in den Nahen Osten exportierten.
Wer zu solchen intellektuellen Volten in der Lage ist, kann auch mühelos Herrn Lethen "für schon immer rechts gewesen" erklären.

Wäre nur noch zu klären, ob Herr Lethen Mohammed die entsprechenden antisemitischen Suren in die Feder diktiert hat (ja ich weiß, dass Mohammed Analphabeth war). Und ob die AfD etwas mit dem Völkermord Mohammeds an dem jüdischen Stamm der Banū Quraiza zu tun hat.

Wirkung, Ursache und Zeit sind doch auch nur Konstrukte.

https://de.wikipedia.org/wiki/Ban%C5%AB_Quraiza

Wer will, kann Herrn Posener im verlinkten blog fragen. Eines ist ihm zu Gute zu halten: Er veröffentlicht auch sehr kritische Kommentare.

Kierkegaard
6. Februar 2019 16:03

Paulus meint aber die Agape, die Bibel lehrt ja, daß es besser ist, nicht zu heiraten (was selbst Vox Day anerkennt). Vox Day hat seine Kinder übrigens zuhause unterrichtet, ist in D und Ö wohl nicht möglich, habe auch keine eigenen, da ich Gen-Abfall bin -- der bedarf keiner Vererbung.

Aber ja, schön ist's. Denn Christus ist ja des Christen Leben und das Sterben sein Gewinn, der ja auf Erlösung aus dieser bösen (Gal. 1:4) und argen (1 Joh. 5:19) Welt hofft, diesem Jammertal (Ps. 84:6), durch den lieben Sohn Gottvaters. Ohne die Hoffnung würde ich doch den Unsinn, der mein Leben ist, nicht nur eine Sekunde ertragen.

Luther war übrigens ein großes Sprachgenie, und Goethe hat Lutherkenntnis als Teil der Bildung gesehen; auch der Stilmeister Schopenhauer, leider von Linken, d. i. Lütkehaus, Haffmans und co vereinnahmt, obwohl selbst Reaktionär (er lieh sein Opernglas einem Soldaten, damit dieser besser auf die Demokraten schießen konnte!), hat Luther gegenüber den protestantisch-rationalistischen Unsinnsschmierern gelobt, die die Bibel verfälschen wollten (ihres scheußlichen Optimismus wegen, eine Flachkopf-Empfindung [Gómez Dávila: Der Optimismus ist eine ziemlich moderne Erfindung. — Der Klassischen Literatur fehlt diese abgeschmackte Empfindung.])
Und ein weiterer Sprachmeister, Nietzsche, wäre ohne die Lutherbibel nicht zu denken; was auch immer man von Nietzsches Denken halten mag: tief und ehrlich war er, da er das Leben nicht wieder wollte (Nachlass 1882) und die Konsequenz des Atheismus zog; nur von Philipp Mainländer übertroffen.

Womit ich zum oben genannten Barth komme: der war Häretiker. Was soll das? Da würde ich sogar Theodor Haecker verteidigen, der mir eher nicht so liegt. Denn der war tiefgläubiger Christ.

Ich werde aus der Sezession nicht so schlau. Das einigende Band sollte der Glaube an Gott und das Vertrauen auf Christus sein, wie's früher war. Wohl ist man hier noch gespalten. Gut, aber man sollte doch wenigstens den kulturellen wie moralischen Einfluß des Christentums würdigen, da die Alternative ja bloß dir Schlachtbank ist. So hat's ja auch Kaltenbrunner gemacht, der bereits über fünfzig war, da er Katholik wurde (und hat dann auch das II. Vatikanum abgelehnt -- anders geht's nicht).

Als Lektüretip empfehle ich Vox Days SJWs Always Lie, falls nicht schon bekannt (ist auf drei Bände angelegt. II: SJWs Always Double Down. III: SJWs Always Project).

Niekisch
6. Februar 2019 16:49

@Der_Juergen 6.2. 12:52:

Nicht nur die "Holocaustl e u g n u n g" ist strafbewehrt, wie Sie Frau Sommerfeld zitieren. Gem. § 130 Abs. 3 StGB wird mit Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren oder mit Geldstrafe bestraft, "wer eine unter der Herrschaft des Nationalsozialismus begangene Handlung der in § 6 des Völkerstrafgesetzbuches bezeichneten Art in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, öffentlich oder in einer Versammlung billigt, leugnet oder verharmlost". Absatz 4: "Mit Freiheitsstrafe bis zu 3 Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer öffentlich oder in einer Versammlung den öffentlichen Frieden in einer die Würde der Opfer verletzenden Weise dadurch stört, dass er die nationalsozialistische Gewalt- und Willkürherrschaft billigt, verherrlicht oder rechtfertigt".

Freiheit der historischen Forschung? Oder nicht doch Behinderung der historischen Forschung mit Hilfe einer Strafvorschrift, der es mangels hinreichender Bestimmtheit an der Rechtmäßigkeit fehlt dürfte?

Maiordomus
6. Februar 2019 17:14

@Sommerfeld. Ein möglicher Ertrag unseres "Ferngesprächs" könnte sein: Wir müssen uns gegen die vollständige Politisierung von immer mehr Lebensbereichen verwahren, nicht zuletzt Kindergarten, Schule und Hochschule, wobei vor gut 100 Jahren Steiners Zeitgenosse Max Weber mit sehr guten Gründen lehrte: "Politik gehört nicht in den Hörsaal". Gemeint war dies nicht als Maulkorb, eher schon Entlastung und Bedingung des Friedens in einem offenen Diskurs, somit eine Bedingung für die Freiheit der Wissenschaft.

Die von Ihnen geschilderte und kommentierte Affäre mit der Waldorfschule einschliesslich der lächerlichen rückfragefreien Nicht-Recherche von Volker-Weiss bezeugt eben diese Hyper-Politisierung. Ob es zum Begriff des Politischen gehört, dass damit eine gesellschaftliche Differenzierung in Freund und Feind, glaube ich zwar Carl Schmitt nicht gerade bedingungslos bestätigen zu können. Aber er behält recht, dass politische Zurückhaltung, dann und wann auch Schweigen über politische Differenzen, mit zu den Bedingungen friedlichen Zusammenlebens gehören kann. Dies gerade und erst recht in einer sogenannt pluralistischen Gesellschaft. Dabei täuschte sich Carl Schmitt jedoch, als er vorschlug, mit potentiell Andersdenkenden dem Frieden zulieb eine Konversation über das Wetter zu führen. Da hat er nicht nur die Grünen noch nicht gekannt! Es bleibt aber dabei, dass politikfreie Räume nicht nur in einer Gemeinschafts-Sauna oder an einem Schulfest mit Konzert wirklich eine Wohltat sein könnten! Und übrigens auch sogar bei einem Tauf- oder Hochzeitsgottesdienst, zumal wenn bei dieser Gelegenheit nicht nur Gleichgesinnte zusammenkommen. Auch beim Kartenspiel müsste nicht gleich bedingungslos politisiert werden, so wenig wie beim Lösen von Gleichungen mit mehreren Unbekannten oder beim Rudertraining eines Achters mit Steuermann usw. Die letzten oder vorletzten Olympischen Spiele haben indes gezeigt, dass auch dies nicht funktioniert, wenn von einer Sportlerin bekannt ist, dass sie eine sexuelle Beziehung mit einem Mitglied einer unerwünschten Partei eingegangen sein soll. Es handelt sich hier um einen sehr hohen Grad totalitär grundierter politischer Hysterie.

Trotz umstrittener politischer Positionen von Rudolf Steiner (politisch sind eben gesellschaftlich relevante Stellungnahmen, welche die Eigenschaft des Umstrittenseins annehmen können) schien es mir bisher ein Vorzug der Anthroposophen zu sein, dass sie in der Regel keine politischen und weltanschaulichen Vorgaben machen. Vielmehr sich tatsächlich um die Erhaltung der oben genannten auch politikfreien Räume bemühen. Dass man sich in Ihrem Falle nicht mehr an diese Friedensregel halten wollte, im Glauben, allein schon die Präsenz eines Ihrer Kinder an der Schule wirke politisierend, bezeugt allgemein eine tiefe gesellschaftliche Krise in der Bundesrepublik, aber irgendwie wohl auch den Niedergang der in diesen "Fall" involvierten Waldorf-Schule.

@Ein gebürtiger Hesse. Wiewohl ich "Die Mystik des Apostels Paulus" von Schweitzer und "Der Römerbrief" von Karl Barth zu den bedeutendsten Zeugnissen christlicher Theologie im 20. Jahrhundert rechne, hält das zweibändige Jesus-Buch von Joseph Ratzinger alias Alt-Papst Benedikt XVI. als katholischer Beitrag zur Thematik durchaus mit. In der Praxis aber erwiesen sich die Päpste der vergangenen dreissig Jahre kaum in der Lage, ihre stagnierende Weltkirche mit Reformen zu beflügeln.

@Sommerfeld. Es lohnt sich aber trotzdem, sich mit den Konzepten Rudolf Steiners auseinanderzusetzen. In einem kritischen Satz von mir im Beitrag weiter oben, bei dem Sie immerhin einen Satz als hilfreich empfunden haben, fehlte das abschliessende Verb. Der Satz lautet:

"Ehrlich gesagt vermögen mich aus der Generation Steiners, dessen Schule vielfach eine Brutstätte wirrköpfigen Denkens geworden ist (was sich in der neuesten Affäre, die Sie berichten, abermals manifestiert) eher schon Albert Schweitzer mit seiner "Mystik des Apostels Paulus" und seiner fürwahr überkonfessionellen, aber nicht bloss synkretistischen Jesus-Deutung einerseits z u ü b e r z e u g e n sowie andererseits Karl Barth mit seiner epochalen neoreformatorischen Auslegung des Römerbriefs (1922) in der Neuausgabe von Pfarrer Hinrich Stoevesandt vom Basler Karl-Barth-Archiv. Bei beiden, Albert Schweitzer und Karl Barth, sehe ich den von Ihnen genannten 'Jesus-Impuls' überzeugender an der Arbeit als bei der in Sachen Religion synkretistisch und esoterisch daherkommenden Anthroposophie".

goebbelsfratze
6. Februar 2019 18:48

Was für ein weinerliches Geschwurbel. Der oberpeinlichen und beklemmend unansehnlichen Frau Sommerberg empfehle ich ein paar Jahre Therapie, bevor sie sich wieder öffentlich äußert.

Kommentar Sommerfeld
: Und ich Ihnen den sofortigen Rückzug aus diesem Kommentarbereich, bevor sie vom Hof gejagt werden.

Dieter Rose
6. Februar 2019 19:04

@Ein gebuertiger Hesse

Dank -
beten ist gut.

ich habe keine Geduld - die Zeit!

LotNemez
6. Februar 2019 19:05

Heftig heftig heftig! Da geht man doch als Familie auf dem Zahnfleisch. Diese Sache geht ja schon eine Weile und es macht mich fassungslos, besser: wütend, immer wenn ich von neuen Details erfahre. Kinder, Gatte, alles egal, wenn es gegen das Böse geht. Frauen und Kinder des Erzfeindes sollst du nicht schonen, nicht mal versklaven,nicht mal sein Vieh als Brandopfer darbringen, es ist dem Herrn ein Groll. Nur totale Vernichtung ist ihm genehm. Ich weiß nicht, ich klinge jetzt wohl sehr dramatisch. Aber ich frage mich wirklic: was steckt hinter diesem Handeln? Welche Angst macht diese Leute so besinnungslos, dass sie selbst vor Sippenhaft nicht zurückschrecken? Denn nur Angst kommt hier als zugrunde liegende Emotion infrage. Kontaminationsangst, resp. Angst vor dem Bösen schlechthin? ... aber ach, sinnlos, das erraten zu wollen. Manche Mysterien behält das Leben einfach für sich.

RMH
6. Februar 2019 19:08

"Die Nazis waren es, Posener zufolge, die den Antisemitismus erst in den Nahen Osten exportierten."

So einen Blödsinn kann man auch nur in Deutschland unwidersprochen in den Netzwelt pesten. Wer sich wirklich einmal mit unseren Zuwanderern und deren politischen Mythen und Vorstellungen beschäftigt hat, der stößt übrigens auch auf große Portionen Antisemitismus, die nicht auf den Religionsgründer des Islams und dessen Schriften gründen und auch nicht auf europäische Exporte bzw. Importe. Ich nenne hier nur einmal pauschal als eines von vielen Beispielen die Verschwörungstheorien rund um die sog. "Dönme". Ich führe das nicht weiter aus, kann jeder selber recherchieren.

Zum eigentlichen Artikel:

Das ist wieder einmal so ein typische Pipi-Langstrumpf Journalismus, nach dem Motto, ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt. Und dabei wird sich anderen Ortes dann scheinheilig über Relotius aufgeregt - der Mann hat auch nur geliefert, was gewünscht bzw. gefragt war. Mühsam ist das Journalistenleben und Nachfrage erzeugt entsprechendes Angebot. Dies scheint mir auch für die hier genannten Kreise zu gelten, die ohne Rücksicht auf eine Familie ihre Gülle auskippen, um Sippenhaft wieder fröhliche Urstände feiern lassen zu können.

nom de guerre
6. Februar 2019 21:11

Ein paar Gedanken zu dem Text von Volker Weiß:
1. Frau Sommerfelds Stelle als Köchin war also reine Elternmitarbeit - heißt das, alle Waldorfschultern arbeiten 25 Stunden pro Woche ehrenamtlich mit? Wohl kaum. Die Argumentation, die hier von der Schule gebraucht wird, könnte man jedenfalls ebenso gut umkehren. Denn wenn jemand so viel an ehrenamtlicher Arbeit für eine Einrichtung geleistet hat, ist ein Satz der Art "Worüber beschwert die sich eigentlich, die hatte ja nicht mal einen richtigen Arbeitsvertrag" schon sehr schäbig.
2. Weiß - bzw. die Vertreterin der Waldorfschule - unterstellt Frau Sommerfeld, ihre Weltanschauung sei ihr wichtiger als ihre eigenen Kinder. Das erinnert mich an folgendes: Die älteste Tochter von Oskar Brüsewitz war laut einem Anfang der 90er über die Familie gedrehten Dokumentarfilm eine herausragende Schülerin. Da ihr Vater als Pfarrer unbequem war, durfte sie jedoch keine ihren Fähigkeiten entsprechende Ausbildung machen, was von ihrem Klassenlehrer dahingehend kommentiert wurde, aus ihr hätte etwas werden können, "wenn dein Vati dich gelassen hätte." Das ist exakt das gleiche Muster, nur dass es für die Sommerfeld-Lethen-Kinder glücklicherweise Alternativen zur Waldorfschule gibt. Kinder müssen das fehlende Wohlverhalten ihrer Eltern ausbaden, und schuld daran sind die Eltern anstelle von Machtstrukturen, in denen nicht zwischen Eltern und Kindern unterschieden wird.
3. Besonders übel stieß mir der Satz auf, wonach Caroline Sommerfeld ihre Bekanntheit als neurechte Intellektuelle lediglich ihrer Ehe mit Helmut Lethen verdankt. Damit bürdet man ihr eine kaum zu erbringende doppelte Beweislast auf. Es reicht nicht, dass ihre Texte gelesen und rezipiert werden, nein, sie muss auch noch nachweisen, dass dies um ihrer eigenen Gedanken willen geschieht und nicht, weil sie mit einem namhaften Intellektuellen verheiratet ist. Wie soll sie das machen? Und ist diese Forderung vor dem Hintergrund, dass eine Konstellation wie beim Ehepaar Macron eher die Ausnahme ist, nicht auch ein kleines bisschen frauenfeindlich?

@ Der Juergen
""Im Juni 2017 protokolliert sie (Caroline Sommerfeld) in der „Sezession“ ein Gespräch mit ihrem Mann. Darin drechselt sie die Forderung: „Holocaust-Forschung muss freie Forschung sein dürfen.“ Die historische Forschung ist hierzulande frei, strafbewehrt ist nur Holocaustleugnung."
Wie vielen Lesern des Weiss-Artikels mag diese Idiotie wohl aufgefallen sein?"
In unserer Gesellschaft scheint das Bewusstsein dafür, was Wissenschaft eigentlich ist, generell zu schwinden. Wie anders wären eher in einen religiösen Zusammenhang gehörende Begriffe wie Klima- oder Feinstaubleugner (und der mediale Umgang mit diesen) oder das Phänomen Greta Thunberg zu erklären? Insofern erscheint es mir folgerichtig, wenn jemand nicht erkennt, dass Forschung, die nur in vorgegebene Richtungen betrieben werden kann, während eine andere Richtung per Strafandrohung verschlossen bleibt, selbstredend nicht frei ist.

@ Waldgänger
Vielen Dank für den Hinweis auf Posener. Aber selbst wenn seine Argumentation logisch haltbar wäre, weil es die antisemitischen Suren, den ausgelöschten jüdischen Stamm etc. nicht gegeben hätte, was würde das denn beweisen? Wenn mein Großvater Meisterdieb gewesen wäre und den Großvater meines Nachbarn zum Stehlen verführt und entsprechend ausgebildet hätte, müsste ich trotzdem nicht den immer noch diebischen Enkel ins Haus lassen, damit er meine Mitbewohner beklauen kann. Ich dürfte es nicht einmal, wenn ich wüsste, dass er stiehlt.

Zooey
6. Februar 2019 22:16

Posener: dito. Wenngleich weniger verklemmt. Am besten ignorieren, was die beiden schreiben. Für mich ist das Porno-Journalismus.

Anthroposophie - mit der rationalistisch-materialistischen, der "aufgeklärten" Linken inkompatibel. Es gibt aber auch Linke mit einem starken Hang zur Esoterik, auch linke Anthroposophen.

Mir ist Steiner manchmal zu abgedreht. Ich empfehle dann stets Valentin Tomberg, insbesondere dessen Arcana, wozu immerhin Robert Spaemann und Hans Urs von Balthasar ein Vorwort beigesteuert haben - trotz mancher aus katholischer Sicht heterodoxer Inhalte (v. a. Inkarnation): Eine Synthese aus Anthro- bzw. Theosophie und katholischem Glauben. Tomberg war einstmals Anthroposoph, hat sich dann aber der katholischen Kirche zugewandt. Von Anthroposphen, einigen, wird das als Verrat geahndet: "Jesuitismus"!

Kommentar Sommerfeld: Ich bin anthro-katholisch, klar geht das. Tomberg ist ein Geheimtip!

Caroline Sommerfeld
6. Februar 2019 22:31

@Kierkegaard: Wenn Sie Christ sind, dann sind Sie per se niemals "Gen-Abfall". Und jetzt sursum corda!

Scholasticulus Paracelsi
6. Februar 2019 23:22

Das Gespräch in den Kommentaren ruft bei der Frage nach der Güte der Anthroposophie nach einem Hinweis auf für jeden internetangeschlossenen Menschen zugängliche Gedanken:
https://www.youtube.com/watch?v=vILK5WrCw70

Bei der Beschäftigung mit Publikationen wie diejenigen von Weiss und Posener ist es entscheidend, zu erkennen, dass diese Herren von keinem Erkenntnisinteresse geleitet sind, sondern bestimmte Urteile verbreiten wollen. Es ist aber immer die Gefahr, sich von dieser niederen Form der Gehirnbenutzung anstecken zu lassen und in einem Rechtfertigen usw. stecken zu bleiben.
Indem Weiss beispielsweise nicht die beteiligten Konfliktpartner aufsucht und deren Erlebnisweise darstellt, macht er sich als Nicht-Erkennen-Wollender sichtbar. Er stellt sich damit ausserhalb des Erkenntnisstrebens und ist damit eigentlich uninteressant.
Das Problem ist, dass wir zu sehr daran gewohnt sind, uns mehr oder weniger emotionsgeleitete Meinungen um die Köpfe zu hauen. Das führt aber zu nichts.
Übrigens, die von Weiss zitierte Schulvertreterin soll gesagt haben, dass der Mutter ihre Weltanschauung wichtiger gewesen sei als der Schulplatz der Kinder. Das bedeutet aber, dass die Schulvertreterin den Gründungsimpuls Rudolf Steiners, nämlich den Kampf für ein freies Geistesleben, damit verrät!
Von einer Waldorfschule ist gerade die Hochachtung vor Menschen, die ihren Erkenntnissen (und seien es auch Fehler!) treu bleiben, zu erwarten.

Der_Juergen
6. Februar 2019 23:47

@Caroline Sommerfeld

"Ich bin anthro-katholisch, klar geht das. Tomberg ist ein Geheimtip."

Da ich nicht annehme, dass dies ein Scherz ist, möchte ich Sie auf die Gefahr hin, materialistische Leser zu langweilen, bitten, mir zu erklären, inwiefern Katholizismus und Anthroposophie vereinbar sein sollen. Der grösste Stolperstein ist doch ganz bestimmt die anthroposophische Reinkarnationslehre, die vom Katholizismus dezidiert abgelehnt wird. Ich weiss, dass es im Frühchristentum Strömungen gab, welche die Lehre von der Wiedergeburt vertraten, aber die konnten sich bekanntlich nicht durchsetzen und wurden in Acht und Bann getan.

Dasselbe gilt für den Protestantismus und die Orthodoxie. Valentin Tomberg wurde die Weihe zum orthodoxen Priester verweigert, weil er nicht von der Reinkarnationslehre abrücken wollte. Wie man "anthro-katholisch" sein kann, ist für mich, einen (in manchen Punkten ketzerischen) Katholiken mit einer starken Faszination für die Anthroposophie, darum nicht nachvollziehbar. Man kann keine glaubwürdige Synthese aus unvereinbaren Vorstellungen herstellen.

Kommentar Sommerfeld: Mit meinem flapsigen „Klar geht das!“ sollte angedeutet sein, daß ich das nicht theologisch meine, geschweige denn dogmatisch. Ich halte es für möglich, praktizierender Katholik zu sein und gleichzeitig Steiners Ideen zu ergründen, soweit ich sie verstehe. Ich kann doch die katholische Messe besuchen, die Sakramente für Sakramente halten und Christus für DEN Kreuzungspunkt zwischen Immanenz und Transzendenz, und dabei immer wieder Steiner lesen und bestimmte Gedanken existenziell durchleben. Das individualisierende Sich-höher-Entwickeln ziehe ich dabei aus der Anthroposophie, die dafür nötige große, überindividuelle, gemeinschaftliche Hülle ist die una sancta ecclesia catholica.

Der Feinsinnige
7. Februar 2019 01:55

Die Beschäftigung mit der Waldorf-Affaire ist keineswegs verlorene Zeit, sondern dringend notwendig. Das würde auch und insbesondere für einen von Frau Sommerfeld wohl nur halb ernst ins Auge gefaßten Artikel über das Thema „wie sich diese Schule als Opfer inszeniert“ gelten (müßte ja nicht in der „FAS“ sein, „SiN“ ist ohnehin besser), schon um die von Weiß zitierten Äußerungen der Obfrau des Trägervereins der Schule zu kontern, man habe „versucht, eine Lösung für die Kinder zu finden“, woraus Weiß dann am Ende offenbar in eigener Zuspitzung macht, „die Schule habe für die Kinder gekämpft“. Egal, ob letztere Formulierung von Knirsch oder Weiß stammt: Peinlicher und verlogener geht es kaum noch.

Daß dieser Fall öffentlich Wellen schlägt, daß Medien wie FAS, Zeit (es fallen immerhin Begriffe wie „Säuberungsmaßnahme“ und „Sippenhaft“!) oder sogar „Freitag“ Kritik an der Schule formulieren oder zumindest transportieren, ist schon für sich genommen einiges wert (unabhängig davon, daß es den betroffenen Kindern nichts mehr hilft).

Helmut Lethen wird im „Freitag“ interviewt, von Thomas Wagner, der sich übrigens in seinem Buch „Die Angstmacher“ ernsthaft und lesenswert mit der „Neuen Rechten“ auseinandergesetzt hat, - vgl. z.B.: https://sezession.de/57364/sind-wir-die-angstmacherij -,

berichtet die ergreifenden Szenen nach dem Rauswurf und sagt unter anderem:

„Ich frage mich, wie solche Vorstellungen, wie sie bei den Nazis verbreitet waren, heute in die Köpfe von linken Eltern kommen.“

Solch ein Satz trifft besonders (wie eigentlich das ganze Interview) und wird wirken - wie die gesamte Geschichte um die Familie Lethen/ Sommerfeld und die Wiener Waldorfschule: Und zwar in der Richtung, daß viele Leser von Medien wie Freitag, Zeit, FAZ usw. (sicher auch Linke, die nicht so verbiestert sind wie ein Weiß) Helmut Lethen einfach nur zustimmen können – und vielleicht verunsichert werden in ihrem Weltbild. Sehr viele, wohl die meisten Menschen haben ein instinktives Gerechtigkeitsgefühl, welches Alarm schlägt, wenn Kinder in Sippenhaft genommen werden, noch dazu von einer mit so hehrem Anspruch auftretenden Bildungseinrichtung wie einer Waldorfschule.

H. M. Richter
7. Februar 2019 08:48

@ nom de guerre

Oskar Brüsewitz
_________________

Als ich in Ihrem Kommentar den Namen Brüsewitz las, war ich wie elektrisiert, denn an ihn vor allem hatte ich denken müssen, als ich weiter oben schrieb, daß einmal die Zeit kommen wird, in der Historiker sich auch im Falle der Lethen-Sommerfeld-Geschichte der Frage widmen werden, worin die Gründe gelegen haben mögen, diese Geschichte nicht nur zu unterdrücken, sondern, da sie nun einmal das Licht der Öffentlichkeit erblickt hatte, möglichst in ihr Gegenteil zu verkehren.

Nach der Selbstverbrennung von Pfarrer Brüsewitz hatte der SED-Apparat zunächst versucht, die Tat gänzlich zu verschweigen. Nachdem dann aber westliche Radio- und Fernsehstationen davon berichteten, wurde seitens der SED-Machthaber alles daran gesetzt, Oskar Brüsewitz als 'krank' darzustellen und als 'Psychopathen' zu verunglimpfen. Auch damals übernahmen Zeitungen (ND, NEUE ZEIT [= Zentralorgan der OST-CDU) als Erfüllungsgehilfen diese 'Aufgbabe' ...
Dieser Mann m u ß t e krank gewesen sein.

Seinerzeit spielte übrigens der Umgang mit Kindern an den Schulen aufgrund der 'elterlichen Weltanschauung' ebenfalls eine zentrale Rolle ...!
Denn bevor sich Pfarrer Brüsewitz am 18. August 1976 vor der Michaeliskirche zu Zeitz mit Benzin übergoß und anschließend anzündete, hatte er auf dem Dach seines daneben abgestellten Autos zwei Plakate angebracht, auf denen zu lesen war: „Funkspruch an alle – Funkspruch an alle – Wir klagen den Kommunismus an wegen Unterdrückung der Kirchen in Schulen an Kindern und Jugendlichen“ und „Funkspruch an alle – Funkspruch an alle – Die Kirche in der DDR klagt den Kommunismus an! Wegen Unterdrückung der Kirchen in Schulen an Kindern und Jugendlichen“.

Gotlandfahrer
7. Februar 2019 09:52

Rechte wissen, dass niemand etwas weiß und sind daher daran interessiert, auf Basis von Erfahrung Argumente auszutauschen. Linke glauben zu wissen und wollen sich diesen Glauben nicht durch Argumente madig machen lassen.

Ich halte es für zugleich notwendig aber nicht zielführend, sich diesen Miesheiten entgegenzustellen. Notwendig um seiner selbst willen und um die Kerngruppe der Menschen gleichen Kalibers vernetzt zu halten. Nicht zielführend, weil der Vorgang, der stets zur Beendigung des Spukes führt, nicht hierdurch beeinflusst wird. Das Faule fällt immer von selbst ab, es wird nicht wiederlebendig argumentiert.

Maiordomus
7. Februar 2019 10:39

In Sachen "klarem Denken" gibt es auf diesem Blog noch, Frau Sommerfeld, "Spazig" nach oben. Die kritischen Rückfragen an Sie schienen mir berechtigt. Aber natürlich kann mal als Katholik oder Katholikin, etwa bei der Alternative zu den heutigen staatlichen Schulen, für die Option Waldorf-Schule eintreten, zumal dort in der Regel nicht offensiv missioniert wird und der Katholizismus als solcher für Rudolf Steiner nie ein Feindbild darstellte, eher umgekehrt.

Eine berühmte Anekdote aus Dornach, dem Sitz des Goetheanums, dessen erster Bau aus Holz bestand: "Brennt's schon?", soll der katholische Pfarrer von Dornach gefragt haben, als die Feuermeldung mit Bitte, die Feuerglocke läuten zu lassen, zu ihm kam.

Als ein Vorgänger der Waldorf-Pädagogik, Friedrich Fröbel, vor etwa 185 Jahren in Willisau und Neuenkirch im Kanton Luzern von liberalkatholischen Eltern mitgetragene Privatschulen einrichtete, protestierten rund 700 Geistliche aus dem Kanton Luzern (so viele gab es damals noch, und zwar geweihte Priester!) dagegen, obwohl Fröbel für den Religionsunterricht einen durchaus frommen katholischen Kaplan eingestellt hatte. Aber jedes einzelne Schulfach, selbst die Mathematik, und die gesamte Haltung der Lehrerschaft müsse katholisch durchdrungen sein, war das Postulat der damaligen katholisch-konservativen Fundamentalisten, die übrigens bis gegen Ende des 20. Jahrhunderts den Buchstaben der Kantonsverfassung des Kantons Luzern auf ihrer Seite hatten. Andererseits befürwortete die katholische Kirche im Sinn ihrer Auffassung von Religionsfreiheit stets das sog. Elternrecht und das Subsidiaritätsprinzip im Sinne der Bestreitung der obligatorischen Schulpflicht mit staatlichem Schulmonopol, welch letzteres durchaus als liberale Haltung interpretiert werden kann, im amerikanischen Sinn, was das Recht zur Selbstbornierung nie ausschloss. Von Bedeutung bleibt, das vom 16. bis zum 19. Jahrhundert Elitebildung, vgl. die Familien Bach, Mozart, Goethe, auch Rousseaus Emile, der meines Erachtens von Bosselmann wohl nie näher analysiert und studiert wurde, auf dem Prinzip von Home-Schooling mit Privatlehrern zum Teil von hohem und höchstem Niveau, so wie Hölderlin um 1800 in Hauptwil Thurgau die Töchter eines Fabrikanten unterrichtete, deren Nachkomminnen heute noch auf diese einzigartige Mädchenbildung von damals stolz sind, so wie übrigens auch die geniale Mathematikerin Julie Bondeli, Freundin Rousseaus und Zimmermanns, bis 1749 vom Revolutionär Samuel Henzi u.a. in Differential- und Integralrechnung unterrichtet wurde, ein Thema, womit sie sich mit ihrem zeitweiligen Geliebten Christoph Martin Wieland nicht richtig auf Augenhöhe unterhalten konnte, weil dieser nicht gerade über das entsprechende Niveau verfügte. Langfristig müssten indessen Homeschooling und Privatschulen unbedingt wieder gefördert werden, nicht zuletzt auch private Hochschulen. Es bleibt jedoch dabei, dass etwa die katholischen Schulen, welche noch vor 40 Jahren einen deutschen Spitzengelehrten wie Hermann Lübbe veranlassten, in der Benediktinerhochburg Einsiedeln Wohnsitz zu nehmen, heute meist nur noch einen Schatten ihres einstigen elitären wie auch gemeinschaftsbildenden Glanzes repräsentierten, sich allenfalls noch am ehesten als Sportgymnasien wie Engelberg eignen. Ein Freund von mir, christdemokratischer Parlamentarier Obwaldens, musste neulich einen Vorstoss zur Erhaltung des Lateinunterrichtes am Kollegium Sarnen, einer während länger als 175 Jahren einzigartigen Benediktinerschule mit einem sehr breiten christlich-humanistischen Kanon. Das jährliche Schulgeld für Internatszöglinge einschliesslich Schule, Essen, Schlafen, begleitete Spaziergänge, täglichen Gottesdiensten und Betreuung sieben Tage die Woche betrug noch 1963 weniger als 2000 Franken jährlich, wobei für ärmere Schüler Stipendien oder gar Freiplätze möglich waren. Begabte Schüler konnten es sich ohne weiteres leisten, zusätzlich zur Schule noch täglich ein Buch zu lesen, wobei aber gerade der Index der verbotenen Bücher für die Persönlichkeitsentwicklung wichtig wurde, unter um Umständen versah man diese Bücher zur Tarnung mit einem speziellen Umschlag, der einen harmlosen Titel anzeigte. Es war jedoch auch möglich, zumal von Lesern französischer Literatur, um die Erlaubnis zum Lesen dieser Bücher nachzusuchen, aus "wissenschaftlichen Gründen", was für Oberstufenschüler durchaus ein zulässiger Impuls war. Beschlagnahmt wurde zu meiner Zeit einzig eine Postsendung mit einem Klassensatz des Parteiprogramms der Freisinnig-Demokratischen Partei der Schweiz. Es bleibt aber wohl noch heute dabei, vgl. auch Amazon und das Verhalten von heutigen Buchhandlungen, dass man ohne das Lesen verbotener oder unerwünschter Bücher sich sowohl früher wie heute nicht emanzipieren kann und insofern dazu verurteilt wäre, dumm zu bleiben.

Franz Bettinger
7. Februar 2019 10:41

@Sommerfeld: Das Freischalten der @goebbelsfratze - ich glaube heute sagt man Troll zu dieser Kategorie Mensch; jedenfalls: omen est nomen - fand ich zunächst seltsam und dachte, wem soll der Beitrag was bringen? Dann die Erleuchtung: Sie, werte Frau Sommerfeld, wollten uns wohl zeigen, welchem Dreck man in einer exponierten Position ausgesetzt ist. Nun denn: einmal reicht (mir).

Kommentar Sommerfeld: Sie haben es erfaßt - ein Exemplar zum Angucken für alle.

MartinHimstedt
7. Februar 2019 10:56

„Dabei ist sie geeignet, Lethens Erzählung zu erschüttern, begonnen mit der Behauptung einer „Kündigung“ der Mutter 2017. Tatsächlich war Lethens Gattin gar nicht in der Küche angestellt. Wie der Schulverein betont, hat es nie einen Dienstvertrag gegeben: „Ihre Tätigkeit war reine Elternmitarbeit, die in Waldorfschulen üblich ist. Wie soll man jemandem kündigen, der in keinem Angestelltenverhältnis zum Verein stand?“ Sommerfeld, sagt die Obfrau, habe zudem selbst schriftlich und mündlich den Wunsch geäußert, die Arbeit abzugeben. Unabhängig davon habe ihr die entsprechende Ausbildung gefehlt.“

Dieser Absatz ist genau so großartig, wie er niederträchtig ist. Vor längerer Zeit hatte ich eine Liaison mit einer Dame, die „einfach so“ zu Ende ging. Die ehemals beste Freundin jener Frau, welche inzwischen klar auf meiner Seite stand, prägte damals den Spruch „Wozu noch Schluss machen – man war schließlich nie zusammen“. Galgenhumor. Das Ganze ist viele Jahre her und trotzdem hält sich dieser Satz wacker: Bringt er doch immer wieder den herrschenden Zeitgeist auf den Punkt. Vielleicht sollte ich das Ganze, frei nach Posener, ergänzen um „Unabhängig davon war er ein Idiot“. Darüber hinaus ist diese Posse mutmaßlich auch juristisch falsch: Es gibt so etwas wie konkludentes Handeln. Ich denke, spätestens wenn Kohle floss, hat die umtriebige identitäre Aktivistin Sommerfeld (war mir übrigens auch neu, aber dann sieht man sich wohl demnächst auf irgendeinem Hochhaus?) ein Angestelltenverhältnis. In Deutschland gilt ferner: „Ehrenamtlich tätige Menschen dürfen als Entschädigung für freiwillig geleistete Arbeit pro Jahr 720 Euro steuerfrei einnehmen.“

Niekisch
7. Februar 2019 11:27

Zur allseitigen Beruhigung ein wunderschöner Text von Rudolf Steiner, der ein Band um uns alle schlingen kann:

Sieh du mein Auge
Der Sonne reine Strahlen
Aus der Erde Formenwesen.
Sieh du mein Herz
Der Sonne Weltenwillen
Aus der Lüfte Glanzgeflimmer.
Sieh du mein Geist
Der Sonne Götterwesen
Aus des Feuers Liebeströmen.

Ist solcher Aufruf nicht bedenkenswert, um zu einer Glaubensgrundlage mit Brückenschlag zu unseren Vorfahren zu gelangen, zugleich die religiöse Zerrissenheit unseres Volkes zu überwinden und ein unanfechtbares Bollwerk gegen alle abrahamitischen Versuchungen aufzurichten?

Maiordomus
7. Februar 2019 15:18

@Martin Himstedt. Zu Ihrem "Galgenhumor". Als ich vor Jahren aufgrund eines halböffentlichen Vortrages meine langjährige Position als Lehrerfortbildner verlor, weil ich dummerweise an einem Kongress mit Kritikern des Feminismus und Genderismus, 'Über die Emanzipationsdefizite der heterosexuellen Männer' gesprochen hatte (die ihre Interessen weit weniger wirksam artikulieren als die Homosexuellen), bedeutete dies für mich: Ich wurde trotz 24jähriger anerkannter und erfolgreicher Arbeit (mit jeweils überdurchschnittlich gutem Kursbesuch) ohne Verteidigungsmöglichkeit als Lehrerfortbildner nicht formell entlassen, sondern bloss nicht mehr weiter als Kursleiter engagiert. Corpus delicti war eine mehr als Witz gemeinte Bemerkung, wonach es für feine Küche zwar eine Mutter oder Grossmutter brauche, zum "genial Kochen" hingegen einen Mann, was ich mit der damaligen Statistik der hundert besten Köche der Schweiz belegte. (Unterdessen sind auch ein paar Frauen vorne dabei.) Wegen dieser meiner Aussage wurde mir im Ernst Diskriminierung und Verachtung der Frau geworfen, was dem auf Gleichberechtigung beruhenden Programm der Lehrerinnen- und Lehrerfortbildungsorganisation widerspreche.

Immerhin beschwerten sich einige meiner treuen Kursteilnehmer, darunter Schriftstellerinnen und sogar links engagierte Frauen, zu meinen Gunsten. Formal wurde meine Nichtweiterbeschäftigung nicht gegenüber mir, sondern gegenüber rückfragenden Journalistinnen und Kursteilnehmerinnen, mit der "Gleichberechtigung der Frau" einerseits und mit der "humanistischen Ausrichtung" der Lehrerinnen- und Lehrerfortbildungsorganisation begründet. Anstellungsrechtlich war von "Vertragsfreiheit" die Rede, gemäss welcher auch die langjährigen Kursleiter (heute würde man genderdeutsch sagen: die Kursleitenden) jeweils nur für ein Jahr bzw. jeweils einen Sommerkurs angestellt gewesen seien. Die "Nichtweiterbeschäftigung" sei nicht als "Entlassung" zu deuten. Mit dem gleichen Recht, so die Rektorin, wie die Verteidiger des nicht mehr erwünschten Kursleiters auf die Meinungsfreiheit verweisen würden, könne sich der Arbeitgeber seinerseits auf die Vertragsfreiheit berufen. Ich erwähne diese alte Geschichte indes nur deshalb, weil die faktische Entlassung von Pfarrer Wawerka ebenfalls mehr "Nichtweiterbeschäftigung" eines nicht Festangestellten war denn eine formelle Entlassung aus einem langfristigen vertraglichen Arbeitsverhältnis. Im streng arbeitsrechtlichen Sinn scheint Frau Sommerfeld ihrerseits keine "Küchenangestellte" gewesen zu sein. Sie gehörte so wenig zum Betrieb der Waldorf-Schule, so wie @ Martin Himstedt, Ihre Ex-Freundin offenbar im juristischen Sinn zu keinem Zeitpunkt Ihre Lebenspartnerin war (was jedoch im Falle von finanziellen Forderungen einer unverbrieften Expartnerin juristisch im Einzelfall aber durchaus klärungsbedürftig hätte werden können).

@Sommerfeld. In meinem obigen Beitrag befindet sich abermals ein grammatikalisch verunglückter zu langer unvollständiger Satz. Aufgelöst in Teilsätze muss es heissen:

"Von Bedeutung bleibt, dass vom 16. bis zum 19. Jahrhundert Elitebildung (vgl. die Familien Bach, Mozart, Goethe, auch Rousseaus Emile, der meines Erachtens von Bosselmann wohl nie näher analysiert und studiert wurde) auf dem Prinzip von Home-Schooling basierte mit Privatlehrern zum Teil von hohem und höchstem Niveau. So kam es, dass Hölderlin um 1800 in Hauptwil (Thurgau) die Töchter eines Textil-Fabrikanten unterrichtete, deren Nachkommen heute noch auf diese einstige Mädchenbildung ihrer Urahninnen stolz sind. Ein Beispiel aus dem 18. Jahrhundert (dargestellt im Buch 'Tells Tochter' von Eveline Hasler) war die geniale Mathematikerin und Schriftstellerin Julie Bondeli, Freundin Rousseaus und Johann Georg Zimmermanns. Sie wurde bis 1749 vom dannzumal hingerichteten Revolutionär Samuel Henzi u.a. in Differential- und Integralrechnung unterrichtet: ein Fachbereich, worüber sie sich mit ihrem zeitweiligen Geliebten Christoph Martin Wieland nicht auf Augenhöhe unterhalten konnte, weil dieser nicht gerade über das entsprechende Niveau verfügte. Heute müssten indessen Homeschooling und Privatschulen wieder auf lange Sicht gefördert werden, nicht zu vergessen private Hochschulen. Zu beachten bleibt ferner, dass etwa die katholischen Schulen, welche noch vor 40 Jahren einen deutschen Spitzengelehrten wie Hermann Lübbe veranlassten, in der Benediktinerhochburg Einsiedeln Wohnsitz zu nehmen, heute meist nur noch einen Schatten ihres einstigen elitären wie auch gemeinschaftsbildenden Glanzes repräsentierten, sich allenfalls noch am ehesten als Sportgymnasien wie Engelberg eignen. Ein Freund von mir, christdemokratischer Parlamentarier Obwaldens, machte neulich einen Vorstoss zur Erhaltung des Lateinunterrichtes am Kollegium Sarnen, einer während länger als 175 Jahren einzigartigen Benediktinerschule mit einem breiten christlich-humanistischen Kanon. Schulen dieser Art sind durch die Verstaatlichung massiv teurer geworden, aber in den wenigsten Fällen jedoch besser."

Kommentar Sommerfeld: "Im streng arbeitsrechtlichen Sinn scheint Frau Sommerfeld ihrerseits keine "Küchenangestellte" gewesen zu sein. Sie gehörte so wenig zum Betrieb der Waldorf-Schule." Doch, war ich. Nur weil es keinen papierenen oder sonstwie aufgesetzten Vertrag gab, gilt das tägliche Küchenleiten für Schulgeldermäßigung als konkludentes Handeln und "anstellungsähnlich". Von den Verantwortlichkeiten her (Hygiene, Marktamt, Lieferantenkontakt, Weisungsgebundenheit durch den Schulvorstand etc.) habe ich 1:1 die Aufgaben meines Vorgängers übernommmen (der kinderlos war, also normal angestellt gegen Lohn).
Und wo ich schon einmal beim eingemachten Klein-Klein bin: selber gekündigt habe ich - entgegen Weißens und der Obfrau Unterstellung - nicht. Ich habe nach der aktiven Kündigung einer Kollegin gesagt, daß ich den Laden nicht allein schmeißen kann und auch nicht in der Lage bin, die Schulküche ökonomisch umzustrukturieren. Daraus wird jetzt (damals nicht!) meine aktive Kündigung gemacht.
Aber: das Spiel geht in die zweite Runde, die "Gleichbehandlungsstelle" hat angefragt.

KlausD.
7. Februar 2019 16:08

@H. M. Richter 7. Februar 2019 08:48

"... Die Kirche in der DDR klagt den Kommunismus an! Wegen Unterdrückung ...“
Naja, immerhin war die Kirche in der DDR so arbeitsfähig, daß sie eine Basis des Widerstandes und der Opposition darstellen konnte (was man heute von ihr nicht mehr sagen kann). Die Montagsdemos (in unserer Stadt freitags) hatten ihren Ausgangspunkt hier vor der Johanniskirche, nach der Beendigung des Gottesdienstes mit dem Gebet für Erneuerung.
Die mangelhafte Unterstützung der Kirche fiel der DDR später so auf die Füße. Daraus hat man offensichtlich gelernt ...

heinrichbrueck
7. Februar 2019 17:31

"Ich frage mich, wie solche Vorstellungen, wie sie bei den Nazis verbreitet waren, heute in die Köpfe von linken Eltern kommen." (Lethen)
Lethen versteht es nicht. Und ich verstehe Lethen nicht. Müßte erklärt werden, von wem auch immer. Denn politikfähig sind solche Sätze nicht, eher eine Kapitulation auf ganzer Linie.

Kommentar Sommerfeld
: Versteh ich nicht. Was meinen Sie mit "politikfähig"? Daß er die "Nazikeule" auspackt? Daß er Sippenhaft in diese beliebte Schublade ordnet? Den psychologisch-ideologischen Prozeß, daß die "Kinder der Täter" heut strukturell ähnlich agieren wie ihre Ahnen?

Maiordomus
7. Februar 2019 17:44

@Danke, Frau Sommerfeld, für die Präzisierung. Ich versichere Sie und Ihren Mann, aufgrund auch von oben geschilderten bitteren Erfahrungen, meiner aufrichtigen Solidarität. Aber natürlich sind solche "Nichtweiterbeschäftigungen" juristisch kompliziert genug, dass es sich lohnen würde, einen Anwalt zu nehmen. Darauf habe ich, eigentlich zumal aus Verbitterung, verzichtet. Es war schon keine Kleinigkeit, dass nach meiner rein politisch-ideologischen "Freistellung" als Lehrerfortbildner dann eine feministisch orientierte Journalistin beim Schulleiter meines Hauptarbeitgebers rückgefragt hat, ob er mich noch als "tragbar" einschätze, was dieser übrigens entschieden bejahte. Bei medialem Druck keine Selbstverständlichkeit! Ein Schulleiter in Deutschland hätte sich womöglich zumindest mit einer allgemeinen Floskel distanzieren müssen!

MartinHimstedt
7. Februar 2019 17:44

@Maiordomus
Der "Deutsche Verein zur Förderung der Lehrerinnen- und Lehrerfortbildung" diskriminiert bereits mit seinem Namen. Nein, er diskriminiert nicht, er erklärt diverse Menschen für de facto nicht existent beziehungsweise bietet eine Fortbildung für diverse Menschen gar nicht erst an (bei letzterem Fall müssten strafrechtliche Schritte geprüft werden). Korrekt müsste es freilich heißen "Verein zur Förderung der Lehrenden". Sie sehen: Auch das "Deutsche(r)" habe ich gleich getilgt, denn Deutsche gibt es, wie wir gelernt haben, überhaupt nicht. Auch ist nicht belegt, ob in dem Verein nicht etwa überwiegend Menschen mit Migrationshintergrund arbeiten – der Name wäre dann obsolet. Und wenn dies nicht der Fall ist, sollte im Sinne der "Charta der Vielfalt" ganz genau geprüft werden, warum das so ist. Im Übrigen: Der DVLfB hat die Charta nicht unterzeichnet – das ist per se verdächtig.

Long story short: Wer in einem offensichtlich rechten Verein anfängt zu arbeiten, ist letztlich selbst schuld.

Waldgaenger aus Schwaben
7. Februar 2019 18:36

@MartinHimstedt

Lehrende ist substantiviertes Partizip.
Das substantivierte Partizip im Präsens im Deutschen ist aktivistisch, es bezeichnet Subjekte, die eine Tätigkeit gerade aktiv ausüben.

Ein Wählender sitzt gerade in der Wahlkabine, oder befindet sich allenfalls auf dem Weg zwischen Urne und Wahlkabine.

Lehrende sind Personen die aktiv lehren. Ein pensionierter Lehrer ist ein nicht (mehr) lehrender Lehrer. Ebenso ein beurlaubter oder frei gestellter Lehrer. Herr Höcke ist als Abgeordneter ein zur Zeit nicht lehrender Lehrer.

Deshalb diskriminiert Lehrende alle zur Zeit nicht lehrende Lehrer. Diese können natürlich auch Fortbildung machen wollen.

Außer der genannte Verein böte seine Dienste explizit nicht-lehrenden Lehrenden an, was den semantischen Unsinn offenbar machte.

heinrichbrueck
7. Februar 2019 18:52

"Den psychologisch-ideologischen Prozeß, daß die "Kinder der Täter" heut strukturell ähnlich agieren wie ihre Ahnen?" (Sommerfeld)

"Ihre Ahnen" wollten Deutschland abschaffen? Auf welcher Seite steht man hier, und wie wird die heutige Zeit, der NS, die Feinde Deutschlands, bewertet?
Damit ich nicht mißverstanden werde, Lehten ist grundanständig, aber seine Demokratiewerte stammen aus der Deutung nach einem Systemwechsel. Wenn die Demokratie nur den Abschaffungsmodus kann, sitzt Lethen auch im rechten Boot.

Zooey
7. Februar 2019 21:17

@Sommerfeld
@der_Juergen
Ich finde, das passt. Sie sagen doch selbst, dass sie ein Katholik mit anthroposophischen Sympathien seien! Mein erstes Steiner-Buch bekam ich von einem solchen "Anthropo-Katholiken" - ich reagierte damals wie Sie: Wie passt das denn? Er: Wunderbar! Ich halte der katholischen Kirche die Treue, zugleich aber: Mein "mystischer Sinn" würde verkümmern, wenn ich mich nicht noch anderweitig umtun würde.

MartinHimstedt
7. Februar 2019 22:17

@Maiordomus
Ich hoffe, Sie haben sich mit dieser Geschichte für das kommende Repressions-Buch beim Bademeister gemeldet?

@Waldgaenger aus Schwaben
Gestatten Sie mir bitte eine kleine Korrektur: Herr Höcke ist mitnichten „ein zur Zeit nicht lehrender Lehrer“. Er ist ein Lehrer beziehungsweise Lehrender, der niemals wieder lehren wird – und damit ist er eigentlich überhaupt kein Lehrer beziehungsweise Lehrender mehr. (Karlheinz Weißmann dagegen ist ein Lehrer beziehungsweise Lehrender, bei dem es mich wundert, dass er noch lehren darf.) Bitte sehen Sie nach, Erlass der Stadt Hannover (PDF auf hannover.de): „Die Verwendung des Plurals ist eine weitere Möglichkeit, alle Geschlechter einzubeziehen, "(Aus die) Lehrer (Werden) die Lehrenden." Aus „Wählerverzeichnis“ wird „Wählendenverzeichnis“. Die Welt schreibt dazu „Aus Lehrern werden in Hannover also Lehrende, aus Wählern Wählende, aus Teilnehmern Personen.“ Ich fürchte, wenn zukünftig nicht von „den Wählern“ sondern den „Wählenden“ die Rede ist, wird Mutti Merkel damit nicht zwangsweise diejenigen meinen, welche gerade aktiv in der Wahlkabine sitzen. Sie sehen: Es ist noch ein langer Weg hin zu einer besseren Welt für alle Völker, die es nicht gibt, und alle Geschlechter, von denen es unendlich viele gibt – aber es lohnt sich, diesen Weg zu gehen!

Zooey
7. Februar 2019 22:54

@Scholasticulus Paracelsi: volle Zustimmung.

Diese Gefahr sehe ich auch. Dabei bin ich mir bewusst, dass der linke Mainstream es derzeit nichts so sehr liebt, vor irgendwelchen geistigen Gefahren zu warnen. Das heisst ja nicht, dass es sie nicht gibt. Ich sehe sie nur da, wo freies Denken beschränkt wird.

Das Verhalten der Schule ist natürlich ein krasser Verrat an einem freiem Geistesleben. Weltanschauliche Differenzen sollen "normal" sein - ohne dies verkümmert der Geist.

Ehen mit weltanschaulichen Differenzen sollten "normal" sein - weil Verbundenheit auf etwas Tieferem aufbaut. Diese Verbundenheit kann zugleich wiederum auf eine heimliche Konvergenz im Weltanschaulichen hindeuten. Weil alle Differenz ein Spiel des All-Einen ist?

Rudolf Pohl
9. Februar 2019 20:36

Frau Dr. Sommerfeld: Ihre Kinder wären heute noch an der Waldorf-Schule wenn Sie einfach einen Ausbildungsvertrag mit der Schule geschlossen hätten.

Ihre ganze riesengroß aufgeblasene Geschichte vom angeblichem Rausschmiss fällt in sich zusammen, wenn man weiß, dass Sie fast ein ganzes Jahr lang die Möglichkeit den Schulvertrag für Ihre Kinder abzuschließen, ausgeschlagen haben. Wenn man weiß, dass Sie auch ganz genau gewusst haben worauf es ohne Vertrag hinausläuft.
Jetzt inszenieren Sie sich auf dem Rücken Ihrer Kinder als herrliches Kreuzigungsopfer, pikant gewürzt mit der Beute-Ikone Lethen, die anscheinend ja auch mal recht durchwachsen war (Posener). Echoverstärkung garantiert durch die Phalanx an Journalisten die Ihnen in ihrer Gier nach Story blindlings auf den Leim gegangen sind. So schaut es aus Frau Dr.!

Kommentar Sommerfeld:
So schaut's aus in den Köpfen von Leuten, die Bernd Zeller kürzlich folgendermaßen treffend karikiert hat. Stehen zwei Muttis irgendwo herum, sagt die eine zur anderen: "Wir sind Toleranzelite. Aber das ist nicht ausgrenzend. Es muss sich ja keiner selbst ins Abseits stellen." Klar, ich hätt nur einfach genauso drauf sein müssen wie die Leute vom Waldorfschulvorstand, dann hätt's kein Problem gegeben und die Kinder wären immer noch dort. Wo Sie recht haben, haben Sie recht.

Franz Bettinger
10. Februar 2019 08:07

@Pohl: Wie billig, sich auf Formalien herauszureden. Frau Sommerfeld war den Walddörflern politisch unangenehm, und deshalb musste sie gehen und ihre Kinder auch, Punkt. Das ist unfair, und das ist Sippenhaft. Stellen Sie sich mal vor, es wäre umgekehrt Ihnen passiert? Also was gibt es da herumzudeuteln?!

Brettenbacher
10. Februar 2019 11:58

@Rudolf [email protected]
habe den Beitrag von unten her gelesen, also mit Frau Sommerfeld angefangen, und dann tatsächlich gedacht, das oberhalb sei auch noch "Zeller". Dieser Bernd Zeller, der das ansonsten sprichwörtlich Unmögliche vermag, nämlich den Pudding an die Wand zu nageln, zeigt auch im Fall dieses Puddings aus Häme, Hohn und widerwärtigster Beflissenheit seine Puddingnaglerqualität.

Maiordomus
10. Februar 2019 13:41

Die juristische Problematik scheint auf alle Fälle etwas komplizierter zu sein als die rein grundsätzliche. Beide Problematiken bleiben aber als real-existierend einzuschätzen.