20. Januar 2020

Guillaume Fayes Kritik an der Nouvelle Droite

Martin Lichtmesz / 88 Kommentare

Im März 2019 verstarb Guillaume Faye, Mitbegründer und späterer Dissident der "Nouvelle Droite", die vor allem mit Alain de Benoist assoziiert wird.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Bei der Wiederlektüre von Fayes Buch L'Archéofuturisme ("Archäo-Futurismus", erschienen 1998, als eine Art "Comeback" nach einer längeren Abstinenz von der politischen Publizistik), das bislang nicht auf Deutsch übersetzt wurde, stieß ich auf eine interessante Kritik an der "Nouvelle Droite", der ich im Großen und Ganzen zustimme.

Einige von Fayes Kritikpunkten haben nach wie vor Relevanz, weshalb ich sie hier wiedergeben möchte.

1. Der Front National und das Scheitern der "gramscistischen" Strategie

Hier geht es um die berüchtigte "Metapolitik", deren Theorie eng mit dem Namen des italienischen Marxisten Gramsci (1891-1937) und seinem Schlagwort von der "kulturellen Hegemonie" verbunden ist. Faye wirft den Denkern der Nouvelle Droite vor, daß sie hier in erster Linie intellektuelles "name-dropping" betrieben hätten und die tatsächliche Gramsci-Lektüre eher oberflächlich gewesen sei.

Die Gramsci-Rezeption der ND habe sich allzu sehr auf den kulturellen Aspekt der metapolitischen Strategie kapriziert, und dabei verkannt, daß der marxistische Philosoph seinen Kulturkampf als Kampf einer spezifischen politischen Entität, nämlich der Kommunistischen Partei verstanden habe. Das führte zu dem Irrglauben "Alles ist kulturell, alles ist intellektuell." Dadurch wurde der genuin politische Aspekt der Metapolitik unterschätzt, ja ignoriert.

Dies hatte zur Folge, daß die ND seit Ende der achtziger Jahre an Anziehungskraft auf das rechte Lager verlor, denn ein stärkerer, polarisierender Konkurrent war auf den Spielplan getreten: der Front National, der in den siebziger Jahren noch als "Minigruppe für Taugenichtse" galt:

Wir betrachteten seine Anhänger als bigott, papistisch, reaktionär, USA-hörig, chauvinistisch und anti-europäisch. Le Pen, dieser alte Soldat und Neo-Boulangist, der aussah wie ein Seeräuber und nur Verwirrung stiftete, wurde von unseren Treffen verbannt.

Etliche ND-Intellektuelle liefen Anfang der Neunziger zu Le Pen über, was einen veritablen "brain drain" auslöste.  Nun interessierten sich auch die Medien kaum mehr für Benoist und seine Spießgesellen, da der NF weitaus "härteren" politisch inkorrekten Stoff bot.

Faye erinnert daran, daß auch linke Metapolitik nicht auf Parteibindung und -unterstützung verzichten kann. Hinzu kommt die tiefere und breitere Verankerung der Linken im "Medienzirkus", die der Schlüssel zum Erfolg politischer Propaganda ist.

Hier spricht Faye einen zweifellos wichtigen Punkt an: Mit dem Auftreten der AfD hat sich das Spiel für die rechte bzw. konservative Intelligenz in Deutschland grundlegend verändert. Vielen vagabundierenden Rechten eröffneten sich nun realpolitische Perspektiven und nicht zuletzt bezahlte Posten.

Die bislang im öffentlichen Wartesaal stagnierende, intellektuelle und journalistische Energie, die sich weder mit der CDU/CSU noch der NPD (oder auch der FDP) identifizieren konnte, fand nun einen Anlaufpunkt und potenziellen politischen Arm vor, der den Vorteil hatte, ideologisch noch ziemlich offen, aufnahmebereit und ungefestigt zu sein. Momentan hat man realpolitisch gesehen als Rechter, Konservativer oder sogar Libertärer in Deutschland kaum eine andere Wahl, als die Unterstützung der AfD, auch wenn es immer wieder erhebliche Unzufriedenheit gegenüber Ausrichtung, Flügelkämpfen und Personal gibt.

In Österreich liegt der Fall etwas anders, da das parteipolitische Pendant der AfD, die FPÖ, schon wesentlich länger existiert, einen fixen Platz im Parteienspektrum einnimmt und sich ideologisch-genetisch aus unterschiedlichen Grundlagen speist. Man verläßt sich auf Altbewährtes, betont den rein politischen Aspekt (notorisch geworden im Strache-Schlagwort von den "Gebietskörperschaften"), und betrachtet alternative patriotische Initiativen eher als Konkurrent, gegenüber dem man sich auch noch opportunistisch "distanzieren" kann (natürlich ohne Erfolg). Hier ist die Unfähigkeit der FPÖ, zu begreifen, daß sie auch einen starken kulturellen, medialen und intellektuellen Arm braucht, Teilursache ihrer derzeitigen Niederlage geworden.

2. Zunahme der Zensur und "Selbstverharmlosung" der ND

Faye wirft der ND vor, ihre Angriffslust verloren zu haben, die sie auf dem Höhepunkt ihrer Bekanntheit (um 1978-80) ausgezeichnet habe, als sie Zielscheibe wütender Medienkampagnen wurde. Er wirft ihr vor, sich vor der zunehmenden politischen Zensur in Frankreich eher gebückt und geduckt zu haben, statt sie frontal anzugreifen. Sie habe nichts mehr zu bieten, das "überraschend, schockierend, provokant oder neu" sei.

3. Uneffektive Publikationspolitik

Die Aufteilung der Publizistik der ND in drei unterschiedliche und doch eng verwandte Publikationen - Nouvelle École, Krisis, Éléments - hält Faye für eine verwirrende Zerfaserung, wo eine Bündelung der Kräfte wichtiger wäre. Die beiden ersteren Magazine behandeln intellektuelle Grundlagenthemen, während die Éléments darauf abzielen, ein gebildetes Publikum zu erreichen, das über die üblichen rechten Milieus hinausreicht.

Dies gelinge aus mehreren Gründen nicht: Der Zeitschrift fehle es an Dynamik, sie behandle zu viele literarische und intellektuelle und zu wenig soziale Themen; die Artikel seien oft steif und redundant, die Bebilderung sei unpassend und mit schlechten Legenden versehen. Es gäbe zu viele Analysen und zu wenig konkrete Vorschläge, was man ändern könne unter dem Motto: "Laßt uns die Debatte eröffnen - Was sollen wir tun?"

Man müsse außerdem zwei publizistische Fronten unterscheiden: Einige Texte sollen vor allem auf die "innere" Rezeption abzielen, andere sich mehr nach außen richten, "in das Herz des Systems".

Inwiefern sich diese Kritik für Frankreich aktualisieren läßt, kann ich nur eingeschränkt beurteilen. So weit es mich angeht, sind Inhalt und heutiges Layout der Éléments hervorragend. Ich würde sagen, es handelt sich um eine Art Zwischending aus Sezession und Compact. Dominant ist heute die "populistische" Ausrichtung, inklusive Schulterschluß mit geistig nahestehenden non-konformen Linken wie Michéa, Guilluy oder Onfray.

Wichtig ist hier freilich die Frage: An welches Publikum richtet sich eine rechte Publikation? Die Beschränkung auf einen "inneren" Lesekreis ist hier von vornherein stärker, da rechtes und konservatives Denken weniger "metapolitische" Verankerung hat. Was fehlt der deutschen rechten Printpublizistik, die bereits Sezession, Tumult, Compact, Junge Freiheit, Arcadi, Cato... hat?

4. Semantische Ungeschicktheit und "Dritte Welt"-Ideologie

Faye spricht hier ein Phänomen an, das manche an der ND nervt, während es andere wieder anzieht (wobei er auch sich selbst schuldig spricht, sich an diesem Sport beteiligt zu haben):

Die Doppelzüngigkeit vieler Artikel, Magazine und Bücher zeigte sich in der Bezugnahme auf typische Themen, Autoren und ikonographische Traditionen der radikalen Rechten, während gleichzeitig antirassistische, pro-islamische, pseudo-linke, antikolonialistische Tiraden angestimmt wurden. Dies hat den Feind nicht getäuscht und unsere Leserschaft verwundert.

Ich denke, Faye hat hier einen wichtigen Punkt getroffen. Der "antirassistische" Diskurs von rechts (etwa via Benoist und "Ethnopluralismus") ist selten überzeugend, weil er eben doch zu sehr auf linken Prämissen beruht - etwa den Kampfbegriff des "Rassismus" akzeptiert (tatsachenorientierter "race realism" à la Jared Taylor - siehe hier und hier - ist meiner Ansicht nach der einzig gangbare und aufrichtige Weg).

Ebenso halte ich die rechte Form der Islamophilie aus antiliberalen, geopolitischen, "traditionalistischen" etc. Gründen (die freilich allesamt eine Teilberechtigung haben) für eine schwere Verirrung (jetzt wundern sich sicher manche meiner "liberalkonservativen" "Freunde").

Allerdings bin ich mit meinem Kollegen Benedikt Kaiser der Ansicht, daß ein "Blick nach links" wichtig ist, und man sich nicht genieren braucht, sich dort "selektiv" zu bedienen.

Was den "Tier-mondisme" angeht, so kann ich seine Verführungskraft sehr gut verstehen. Benoist schrieb in den achtziger Jahren ein Buch mit dem Titel Europe - Tiers-monde, même combat: "Europa & die Dritte Welt: Derselbe Kampf", nämlich gegen den Liberalismus und Kapitalismus US-amerikanischer Prägung.

Faye gesteht auch hier ein "mea culpa" ein, und kommentiert:

Kein Volk der Geschichte kämpft "denselben" Kampf wie ein anderes: jedes Bündnis ist vorübergehend. Es gibt China, Indien, das zukünftige muslimische Reich... aber nicht "die Dritte Welt". Die Ideologie der "Dritten Welt" (die in unseren Kreisen als ein etwas plumpes Zertifikat für Antirassismus dient), ignoriert eine geschichtliche Tatsache: den Druck, den der Süden auf den Norden durch Einwanderung und geopolitische Konstellationen ausübt.

Schlimmer noch: die fehlgeleitete Ideologie der "Dritten Welt" wurde mit einer naiven und verstörenden Islamophilie verknüpft, der wir alle erlegen sind, während eine objektiv aggressive und nachvollziehbar revanchistische Gefahr durch die arabisch-muslimische Welt für Europa besteht, das als "Land, das erobert werden muß" betrachtet wird. Es ist stimmt wohl, daß Dogmen blind machen. Sie können darüberhinaus auch gefährlich sein: Es ist klar, daß der Großteil des Publikums der Nouvelle Droite unsere surreale Sicht nicht teilte.

Das ist auch heute so, auch in Deutschland: Die große Mehrheit des rechten Lagers wird sich kaum davon überzeugen lassen, daß "der Islam" ein potenzieller Verbündeter oder "Islamisierung" kein oder kein großes Problem sei.

Nun, und zu dieser Mehrheit würde ich mich auch zählen. Die Frage inwiefern die "arabisch-muslimische Welt" diese unzweifelhaft stattfindende "Islamisierung" aktiv vorantreibt, steht freilich auf einem anderen Blatt. Eine einheitliche Politik dieser muslimischen "Welt" gegenüber Europa läßt sich jedenfalls nicht feststellen, und die plumperen Formen der "Islamkritik" sollten von einer wachen intellektuellen Rechten weiterhin kritisiert werden, besonders, wenn sie sich mit einem unreflektierten und bedingungslosen Zionismus verbinden.

5. Die Politisierung des "Heidentums"

Dieser Teil von Fayes Kritik ist heute wohl am wenigsten relevant.

Faye selbst ist als dezidierter Nietzscheaner ein scharfer Kritiker des Christentums auf ideeller Basis, lehnt jedoch einen religiösen Grabenkampf innerhalb des rechten Lagers ab. Er wirft der ND vor, ein potenziell sympathisierendes und ideologisch nahestehendes Publikum durch einen undifferenzierten, aggressiven Antikatholizismus und Antiklerikalismus vergrault zu haben - den er umso fehlgeleiteter findet, als die ND gleichzeitig mit dem Islam liebäugelte, "einem rigiden theokratischen Monotheismus, einer 'Wüstenreligion' in ihrer gröbsten Form" (ähnliches kennt man in Deutschland von Sigrid Hunke und Konsorten).

Allerdings ist er der Ansicht, daß die "traditionalistischen Katholiken" "so christlich gar nicht sind" (ein Gedanke in Maurras'scher Tradition? Auch bei Dominique Venner und Jean Raspail finden sich ähnliche Spuren.)

In dieser Hinsicht hat sich die Nouvelle Droite (oder ihre Erben, "offiziell" existiert sie nicht mehr, und Benoist lehnt dieses Etikett heute ab) seither ziemlich gebessert - die Éléments stehen dem Katholizismus und Christentum an sich zwar weiterhin kritisch-distanziert gegenüber, allerdings mit Verzicht auf eine "heidnische" Militanz.

Der "Burgfrieden" zwischen Christen, Nicht-Christen und "Heiden" auf der politischen Rechten ist in Deutschland heute wohl firm, von kleineren sektiererischen Gruppen und Scharmützeln mal abgesehen. Etwas seltsam ist die antichristliche Deschner-Nietzsche-inspirierte Aufklärungs-Front, die seit längerer Zeit der "liberalkonservative" Blogger Jürgen Fritz quasi im Alleingang aufgemacht hat. Sie ist zwar im Bereich der intellektuellen Auseinandersetzung durchaus legitim, politisch gesehen aber kaum anschlußfähig.

6. Anti-Amerikanismus und "das Gefühl, kolonisiert zu sein"

Faye kritisiert die begriffliche Abtrennung Europas (verstanden als Kontinent von Brudervölkern, der sich bis in den Osten Russlands erstreckt) vom "Westen" oder der "westlichen Zivilisation" und die Annahme, es könne eine "strukturelle Solidarität" zwischen den Völkern Europas und denen Afrikas, Asiens und Lateinamerikas im Abwehrkampf gegen die "Yankees" geben.

Dies war gewiß eine Illusion. Zumindest dieser bin ich auch in meinen eigenen schlimmsten antiamerikanischen Phasen nicht erlegen. Wie beim Thema Islam, plädiere ich für eine differenzierte Sicht der Dinge. Eine andere wird der Komplexität der Lage auch nicht gerecht. Die "Amerikanisierung" ("Kolonisierung") Europas, wenn nicht der Welt, ist eine Tatsache, denn man durchaus scharf kritisieren kann und muß. Und die Vereinigten Staaten sind in ihrer jetzigen Form als interventionistisches Imperium und Hauptagent und -quartier des Globalismus gewiß ein Übel.

Allerdings sind "isolationistische" Alternativen durchaus denkbar, weshalb der Donald Trump des Jahres 2016 mit seinem nationalpopulistischen, anti-interventionistischen "America First"-Programm auch bei so manchem eingefleischten Amerikahasser unter den deutschen Rechten Sympathien erweckte.

Noch mehr ins Gewicht fällt meiner Ansicht nach die Tatsache, daß die europäischstämmige ("weiße") Bevölkerung Nordamerikas (USA & Kanada) und anderer Ableger Europas (Südafrika, Australien, Neuseeland) heute mehr oder weniger im gleichen Boot sitzt wie die Völker des Mutterkontinents, was ihre fatale demographische Zukunft und die ideologischen Zangen betrifft, die sie im Würgegriff haben.

7. "Ethnopluralismus" als ideologische Sackgasse

Das ist ein "großes Faß", das ich ausführlicher in meinem kommenden Buch zu diesem Thema diskutieren werde.

Faye schreibt:

Dieses Konzept besaß ursprünglich eine implizit "nach außen" gerichtete Bedeutung: Alle Völker sind anders und müssen geachtet werden, allerdings sollte jedes in seinem eigenen Land leben, in einer klar definierten ethno-kulturellen Sphäre, während es mit anderen kooperiert. Dies implizierte eine Ablehnung der Migrationsströme Richtung Europa und der Idee eines globalen ethno-kulturellen Schmelztiegels (in Wahrheit ist Europa allein das Ziel dieser Migrationen).

So weit, so gut: Das ist eine in sich konsistente Sichtweise. Allerdings hat die Nouvelle Droite später versucht, dem Begriff des Ethnopluralismus und Multikulturalismus einen "nach innen" gerichteten Sinn zu geben, der im Gegensatz zu ersterem steht - etwa indem sie vehement gegen ein Schleierverbot an Schulen eintrat.

Indem sie die Anwesenheit von separaten ethnischen Gemeinschaften auf europäischem Boden anerkannte, deutete sie den Ethnopluralismus zu einem Vehikel für eine stammesmäßig fragmentierte, ghettoisierte Gesellschaft (völlig nach amerikanischem Modell) um. Dies steht in scharfem Gegensatz zu der Maxime: "Jedem Volk sein eigenes Land". Der Sinn des Ethnopluralismus wurde auf diese Weise entstellt, bis zur Leugnung der Existenz eines europäischen Volkstums oder überhaupt des Volkstums an sich.

Auch hier spielte das Publikum nicht mit: Ansichten dieser Art verwundern unsere natürliche Leserschaft, während es ihnen nicht gelingt, den Feind von unserer politischen Korrektheit zu überzeugen.

Hier spricht Faye wohl vor allem die "kommunitarische" Wende in Benoists Denken, die auch mir sehr mißfallen hat, und die argumentativ wenig überzeugend ist (schon vor zehn Jahren schrieb ich darüber einen kritischen Artikel). In der Tat unterscheidet sich die von Faye skizzierte Umdeutung des Ethnopluralismus kaum mehr von etwa der multikulturalistischen "Politik der Anerkennung" etwa eines Charles Taylor.

Dem setzt Faye entgegen, daß die ND damit die "Katastrophe" verharmlose, die sich durch die Massenmigration und daraus resultierende demographische Umschichtung Europas ergäbe. Sie habe sich "fatalistisch" dieser Entwicklung ergeben und betrachte ein multi-rassisches, multi-ethnisches Europa als unvermeidliches Schicksal, das man nur mehr per Kommunitarismus "managen" könne. Aufgrund des relativistischen Kultes der "Differenz" an sich lehne die ND Assimilierungszwänge als "jakobinisch" ab.

Ein besonders schwerwiegender Irrtum sei der Glaube, der Islam werde sich in ein Modell der europäischen Harmonie und Identitätstoleranz integrieren lassen. Der Islam sei vielmehr von seiner Natur her expansiv, anti-demokratisch, theokratisch, "intolerant, exkludierend und anti-organisch." Die ND habe ein verklärtes, unrealistisches Bild vom Islam. Auch hier führt wohl realistischerweise kein Weg vorbei, als Faye rechtzugeben.

Seine Konklusion:

Die effektivste ideologische Linie bestände wohl in einer Zurückweisung sowohl des multikulturell-multirassischen Modells auf der einen, wie eines republikanischen Jakobinernationalismus (also: "civic nationalism" - ML), der das erstere fördert, auf der anderen Seite. Ja zu einem großen, föderalen Europa - Nein zu einem multikulturellen (in der Praxis multirassischen) Frankreich und Europa, das sich einer wachsenden Zahl von afro-asiatischen und muslimischen Gemeinschaften öffnet.

Noch zwei weitere Punkte seien erwähnt:

8. & 9. Der Mangel an einer wirtschaftlichen Doktrin und die Vernachlässigung konkreter Probleme

Um die Gesellschaft zu verändern, muß man konkrete Themen und Probleme ansprechen. Wirtschaftliche und soziale Fragen sind "Teil der Infrastruktur menschlicher Anliegen". Zu diesen zählen Dinge wie Verstädterung, Steuerpolitik, Umweltschutz, Energiepolitik, Gesundheitswesen, Geburtenraten, Einwanderung, Verbrechen, Technologie, Fernsehen, Internet, Pensionensicherung, Sport etc. ... Die ND habe sich allzu sehr auf literarische und kulturelle Themen kapriziert und pflege "antiquierte, nostalgische Formen des Intellektualismus".

Nun meine Frage an die Leser:

Inwiefern lassen sich diese Kritikpunkte auf die heutige "Neue Rechte" im deutschsprachigen Raum anwenden? Was für Lücken, Schwächen, Möglichkeiten und unbeackerte Felder sehen Sie? Ich bin auf eine Diskussion gespannt.


Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.


Kommentare (88)

Monika
20. Januar 2020 20:06

Monika
Es wird höchste Zeit für eine Theoriediskussion . Ich hatte in dem Beitrag von Jonas Schick /20. Winterakademie darauf hingewiesen.
Zur Anwendung der Kritikpunkte auf die heutige NEUE RECHTE
Zunächst sollte endlich geklärt werden, was denn nun genau die NEUE RECHTE beinhaltet.
Ist es die „Mosaikrechte“, die durch drei inhaltliche Gemeinsamkeiten beschrieben bzw. beschreibbar wird ?
1. Bekenntnis zum Eigenen
2. Vorrangs eines WIR vor dem Ich
3. Gegnerschaft zu individualistischen Theorien
Wenn dies die NEUE RECHTE definiert, dann muss ganz klar zwischen neurechts und konservativ unterschieden werden, dann gibt es keinen „Burgfrieden zwischen Christen, Nichtchristen und Heiden. Dann kann es durchaus zu einer Spaltung kommen. Denn in einem christlichen „Weltbild“ gibt es sowohl den individualistischen als auch den kollektivtischen Anteil. Gleichursprünglich im „Personenbegriff“ verankert.
Wenn Benedikt Kaiser etwa schreibt: „Wo das „Ich“ die Gesellschaft dominiert, ist ein rechter Ansatz, der übergeordnete Einheiten favorisiert ( Religion, Volk, Nation, Staat) nicht möglich“, ist der rechte Ansatz kritisch zu befragen! ( etwa im Hinblick auf den Real-existierenden Sozialismus, wo das Kollektiv die Gesellschaft dominiert hatte.)
Die 3 Parameter der Mosaikrechten passen auch wunderbar auf den Islam, natürlich geht es dann um das Eigene der Muslime. Eine Kritik am Islam ist dann eigentlich nicht möglich. Es geht dann nur noch darum, wer das Eigene besser durchsetzt.
Ist die Neue Rechte damit also eingehegt oder befindet sie sich in einer „Scharnierfunktion zwischen Konservatismus und Rechtsextremismus“ , ohne jedoch rechtsextrem zu sein. ( Position des Poliktwissenschaftlers Wolfgang Gessenharter) . Dann ist m. E. eine spannende Diskussion möglich. Und man landet nicht wieder vorschnell in einer Werteunion, der der politische Biss fehlt.
Wir befinden uns in der historischen Situation, dass sich die sog. Weltanschauungsparteien ( Nell-Breuning) , CDU für christliche Weltanschauung, SPD für soziale Weltanschauung, FDP für liberale Weltanschauung in einem Auflösungsprozess befinden. In der AfD sammeln sich die verschiedenen Anschauungen und drängen nach einer politischen Synthese. Den religiösen Part übernehmen die Ökoreligionen. Die Verbindung von Politik und Religion vollzieht der Islam. In diesem Spannungsfeld geschieht zukünftig Politik, die m. E. über den Nationalstaat hinausweist und zumindest Europa als Kulturraum genauer in den Blick nehmen muss.

nigromontanus
20. Januar 2020 20:18

In Bezug auf die "Metapolitik" bin ich unlängst witzigerweise zu dem genau entgegengesetzten Ergebnis gekommen, und auch wenn ich von Gramsci nur einige, bei Benoist auftauchende, Passagen kenne, glaube ich, daß Faye in seiner Interpretation falsch liegt.

Gramsci dürfte hier eher von der marxistischen Dialektik ausgehen, nach der politische Revolutionen sich als geschichtliche Notwendigkeiten immer dann ereignen, wenn dieser bereits eine substanzielle Gesellschaftsveränderung vorausgegangen ist, wodurch überhaupt der gegenwärtige Zustand von einer Mehrheit als ungerecht und revolutionswürdig empfunden werden kann. Insofern also muss erst der gesellschaftliche und also dezidiert nicht-politische Boden bereitet werden, so daß eine Revolution zum Kommunismus sich nicht mehr als brutale Gewaltaktion, sondern als fliessend-organischer, gewissermaßen natürlicher Übergang darstellt.

Und Gramsci sagt - meines Wissens - recht deutlich, was er unter Metapolitik versteht: Theater, Filme, Romane, Kunst. Dinge also, die überhaupt oder kaum politische Konnotation aufweisen, sondern eher im Stil aktueller "progressiver "Hollywood-Filme die politischen Elemente nur subtil einstreuen, um eine Art Sensibilisierung zu erzeugen.

Und auch die 68er waren im Grunde nie eine politische Bewegung. Im Gegenteil, die Grünen kamen politisch bis in die Gegenwart kaum einmal auf zweistellige Ergebnisse bei den Wahlen. Und trotzdem ist es ihnen gelungen, alle anderen Parteien, nicht nur die nahestehende SPD, sondern sogar die Konservativen und Liberalen, dermaßen vor sich herzutreiben, daß alle sich letztlich ANPASSEN mussten, weil die Politik plötzlich der Gesellschaft hinterherzuhinken schien.

Verglichen dazu scheint es mir eher, als ob die Rechten ihre Metapolitik als viel zu politisch auslegen, sie mit politischem Aktivismus verwechseln, der lediglich außerhalb von Parteistrukturen stattfindet, also z.B. als Podcast bei YouTube. Aber was ein Martin Sellner auf YouTube bringt, sind eben keine metapolitischen Inhalte, sondern reine Politik.

Metapolitik wäre es, wenn Sellner anfangen würde, über Filme, über Bücher, über Klamotten oder seine Lieblingsgerichte zu reden. Metapolitik wäre es, wenn die Familie Kubitschek ähnlich der Kommune 1 das Private politisch, also öffentlich machen würde, um ihren neurechten Lifestyle als attraktiven Gegenentwurf bekannt zu machen. Metapolitik wären Romane, Bands, experimentelle, rechte Kunst, etc., Dinge, die sich nur vage von rechten Ansätzen beeinflusst zeigen würden, sich aber, im Gegensatz zu explizit politischer Kunst, darin nicht erschöpfen. Und letztlich eine Art "Trend" erschaffen, der sich primär kaum als politisch oder weltanschaulich versteht und statt nach Wahlsiegen zu streben durch gelebtes Beispiel zeigt, wieso rechte Wahlsiege überhaupt eine gute Idee sein könnten. Denn im Moment ist das den Leuten mehrheitlich nur bedingt als attraktive Option vor Augen.

Maiordomus
20. Januar 2020 20:55

Diese Kritiken, von Lichtmesz offenbar kompetent zusammengefasst, bleiben grundlegend. Bei der älteren französischen bürgerlichen Rechten setze ich gerne bei LaRochefoucauld und bei Tocqueville an, letzterer gehört zu den am stärksten ernst zu nehmenden Demokratie-Kritikern. In der Schweiz finde ich aus dieser (erweiterten) Schule Gonzague de Reynold von Interesse, dessen Name einer meiner Weggefährten, interessierte Leser von "Sezession", zum Orientierungszeichen genommen hat. Von Pseudonym würde ich wegen dem negativ konnotierten Mehrfachpräfix "pseudo" lieber nicht sprechen. Orientierung sollte dasjenige sein, woran gearbeitet wird.

Die grundlegende Kritik an der deutschen sog. Neuen Rechten kann hier wohl nicht angemessen ausformuliert werden. Vielleicht macht sich Autor Lichtmesz an ein entsprechendes Buch.

ede
20. Januar 2020 22:24

Zunächst volle Zustimmung, Herr Lichtmesz. Nur eine kleine Anmerkung: wir sind das Problem, nicht der Islam. Wenn wir, verkürzt ausgedrückt, politisch stark wären, wäre der Islam auch nur eine Religion von anderen. Erst dann, wenn der Islam seiner politischen Dimension entkleidet wäre, kann man auf Kopftuch Debatten verzichten. Ob das gelingt, ist wie alles politisch Zukünftige ungewiss. Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit Suren halte ich aber für verfehlt.

Waldgaenger aus Schwaben
20. Januar 2020 22:46

Inwiefern lassen sich diese Kritikpunkte auf die heutige "Neue Rechte" im deutschsprachigen Raum anwenden?

Eher wenig. Das Haupt-Problem speziell der deutschen Rechten ist immer noch, dass sie mit dem National-Sozialismus gleich gesetzt wird.
Andere europäische rechte Bewegungen können aus einer Tradition des Widerstandes gegen den NS schöpfen, in gewissem Umfang sogar die österreichische Rechte (Ständestaat).

Die pi-news-Fraktion der deutschen Rechten hat hier, bei aller intellektueller Schwäche, einen Ansatz gefunden: Eine dezidierte Israel- USA- und Judenfreundlichkeit. Aber dieser Ansatz alleine trägt auch nicht weit genug. Die AfD scheint bei 15% fest getackert und ich weiß nicht, wie sie nach oben ausbrechen kann.

Dazu kommt ein zweites spezifisch deutsches Problem der Rechten: Ein positiver Bezug auf das 19. und frühere Jahrhunderte fällt außer-deutschen Rechten leichter. Die Kleinstaaterei Deutschlands vor 1870, als Deutschland viel zu oft Schlachtfeld ausländischer Mächte war, wünscht sich als politisches Modell niemand zurück.

Und die Epoche von 1870 - 1914 ist etwas zu kurz um als Ziel der Pfeile der Sehnsucht nach einem goldenen Zeitalter in der Vergangenheit zu taugen.

Was für Lücken, Schwächen, Möglichkeiten und unbeackerte Felder sehen Sie?

In meinem persönlichen Umfeld sehe ich eine Lücke, eine Schwäche in der Wahrnehmung Trumps und Boris Johnsons gerade bei AfD-affinen Bürgern. Beide werden sehr negativ beurteilt, obwohl sie vieles in ihren Ländern umsetzen, was die deutsche Rechte sich für unser Vaterland wünscht. Diese Aversion gründet sich in einem ausgeprägten Anti-Amerikanismus, der irrational ist, wenn er Trump und Johnson ablehnt, nur weil die Amis und Briten ihn gewählt haben.

Sicher sind beide ausgemachte Egomanen. Aber unsere Zeit ist so, dass andere es nicht an die Spitze schaffen. Wenn wir je eine deutsche rechte Regierung hätten, stände da nichts Besseres als Trump oder Johnson an der Spitze. Macht Euch da keine Illusionen.

limes
20. Januar 2020 22:54

● Zum »Mangel an einer wirtschaftlichen Doktrin …«: Es ist nicht erkennbar, wie hohe Ansprüche an die Autonomie von Familien in einer bereits hochgradig fragmentierten, konsumorientierten, hedonistischen Billiglohn-Gesellschaft umgesetzt werden können, deren Mitglieder nach »lebenslänglicher« ausgeprägter Abgabenknechtschaft auf Gedeih und Verderb an den allumfassenden Sozialstaat gefesselt sind. Darüber hinaus: Die Rekonstruktion einer Volkswirtschaft, die dem Volk dient anstatt das Volk dem Kapital dienstbar zu machen, erfordert wirtschaftliche Abgrenzung und Entflechtung. Wie realistisch ist das?

● Was der deutschen rechten Printpublizistik fehlt, sind vor allem Bekanntheit und Reichweite. Vielleicht fehlt ein Blatt wie BILD, dessen Macher sich für derbe Vereinfachung nicht zu schade sind. Zu publizistischen Mängeln im weiteren Sinne gehört die Vernachlässigung einer knallharten Auseinandersetzung mit den mächtigen Pharisäern der Amtskirchen.

● Trotz alledem scheint selbst auf »unbeackerten« Feldern die Saat der Selbstbehauptung langsam aufzugehen: Ungehaltenheit über Massenmigration und Klimawahn beobachte ich zunehmend gerade bei solchen Mitbürgern, die keinerlei Kontakt zu rechten Medien haben – ja, nicht einmal zu unabhängigen Informationsquellen. Allerdings gibt es eine scharfe Abgrenzung zu denjenigen, die aus Migration und Klimahysterie Honig saugen, und zu denen zählen bereits »Klimaschutzmanager« im Provinzkaff!

PhilipStein
20. Januar 2020 23:37

Ja, Monika, es "muss ganz klar zwischen neurechts und konservativ unterschieden werden".

Pit
21. Januar 2020 01:19

Nof a left-winger, not a right-winger but a white-winger... mit Stan Hess von altem Voice-of-Reason fame zu sprechen...
Ich bin ethnoidentitär. Meine Vermutung: unter dem Banner Kampf gegen den Bevölkerungsaustausch könnten sich viele vereinigen... mehr als unter einem "rechten" Banner (ich wüßte nicht, daß ich rechts wäre... vielleicht bin ich´s ja, ohne es zu wissen... aber diese Frage ist viel komplizierter als die Frage, ob ich es in Ordnung finde, ganz Europa auszutauschen, weil weiß böse ist). Ohne europäische Menschen keine europäische Zivilisation. Die, die die ethnische Frage nicht thematisieren, tun dies aus Feigheit nicht, nicht, weil es gute Gründe gäbe, diese Frage nicht anzusprechen.

Laurenz
21. Januar 2020 01:20

Die Wikipedia des Neo-Boulangismus erklärt nicht den historischen Hintergrund. Der französische Adel ist in seiner Herkunft Deutsch, es handelt sich um Franken, ein germanischer Stamm. Der ganze beherrschte Rest besteht aus keltisch-mediterranen Mischlingen, den Gallo-Römern. Für die Intellektuellen Letzterer ist auch der Name ihrer Nation eine Perversion, Frank(en)reich oder La France = Die Fränkische. Das haben uns die intellektuellen Gallo-Römer bis heute nie verziehen, und wir Deutschen zahlen aus den bekannten historischen Gegebenheiten Tribut für Nicht-Krieg mit Frankreich, was man in beiden Staaten deutsch-französische Freundschaft nennt. Durch die EU-Osterweiterung Gerhard Schröders mutierte Frankreich vom EU-Netto-Empfänger zu einem finanziell ausgeglichenen Staat in seiner EU-Mitgliedschaft, was zu ähnlichen sozialen Verwerfungen führte, wie in Portugal oder Spanien. Die Resultate sehen wir in der maroden Innenpolitik Frankreichs (die Mutation zu einem bonapartistischen Polizei-Staat), auch der Aufstieg des FN steht in diesem ökonomisch desaströsen Zusammenhang. Der Franzmann lebt seit Cäsar auch geistig im geographischen Isolationismus, eingemauert in den natürlich starken Grenzen des territorialen Sechsecks. Historisch hatten nur wenige Franzmänner das Bedürfnis die Grenzen zu überwinden, was die Schwäche des französischen Kolonial-Reiches gegenüber dem Britischen erklärt.
Sarkozy und Hollande retteten mit der Invasion Libyens den französischen Staatshaushalt vor dem Bankrott, welcher ein Ende des Euros bedeutet hätte. Von daher ist die Deutsche Initiative in der Libyen-Agenda der lächerliche Versuch, die mit geringen Aufwand agierenden Russen und Türken aus Libyen herauszuhalten, weil die EU in der Tat beiden Mächten ein nichts entgegenzusetzen hat. Napoleon Macron steht vor demselben Problem, wie seine Vorgänger. Wie soll er die ignoranten verwöhnten Frogs, die gewohnter-weise seit Jahrhunderten auf Kosten anderer lebten, still halten, ohne pleite zu gehen?
Der FN hat dies erkannt, und votiert für die Rückführung in eine nationale Währung, die man abwerten kann, da die permanente Abwertung des Euros nicht ausreicht, um Frankreich im internationalen Wettbewerb zu halten, vor allem dann nicht, wenn Deutschland zwangsläufig mit abwertet. Das war Mitterands selten dämlicher Schuß ins eigene Knie.
Hier erkennen Sie, Herr Lichtmesz, die erste Schwäche rechten Denkens, die Ahnungslosigkeit in ökonomischen und monetären Fragen, überideologisiert, wie die Linke, was auch gut am letzten Sommerfeld-Artikel wahrnehmbar ist. Der rechts-liberale Angriff Frau Sommerfelds auf den Sozial-Staat spielt nur der Linken in die Hände.
Das hat Herr Höcke, zumindest intuitiv, vollkommen richtig erkannt. Er will zukünftig Mehrheiten gewinnen, das unterscheidet Íhn.

Der von Ihnen, Herr Lichtmesz, benannte Burgfrieden zwischen Christen und Heiden, wird zumindest von der doch teils christlichen SiN-Redaktion meist eingehalten, was auch klug ist. Nur ab und an schlägt es zB in der Moral-Apostelschaft von Frau Sommerfelds Debatte um Ehe manchmal durch. Wir sollten der Deutschen Familie den politischen Schutz gewähren, der möglich ist, zumindest solange die Familie auch geschützt werden will. Aber wie gesagt, diese naiven, wahrscheinlich unbewußten Ausfälle aus dem Burgfrieden sind seitens der SiN-Redaktion äußerst selten.

Ganz anders sieht es im SiN-Kommentariat aus, welches schätzungsweise zu 65% aus Christen besteht, was für die Verhältnisse in Deutschland nicht mehr repräsentativ ist.

Die ungeliebten heidnische Angriffe auf die abrahamitischen Religionen, im wesentlichen Christentum und Islam (für die Heiden ein - und
dasselbe, Hilfs-Judentum für Nicht-Juden), werden meist durch @Franz Bettinger und meiner Wenigkeit an der linken Flanke vorgetragen.
In meinen Augen tritt in diesen, den Burg-Frieden störenden Debatten eine Fehl-Interpretation seitens der Redaktion auf. Franz Bettinger & Co.'s Angriffe sind kein Selbstzweck, es sind verbale Abwehrschlachten gegen die linke, Kultur-vernichtende christliche Unsitte, die antike Weltrevolution auch auf SiN missionieren zu wollen.

Das wiederum ergibt sich zum einen aus dem politischen Zeitgeschehen. Die klerikalen Kommunisten Bedford-Strohm und Marx sind in Deutschland als Machtfaktor nun mal nicht wegzudiskutieren. Die ideologischen, inner-christlichen Kämpfe @zeitschnurs nehmen sich da aus, wie die lächerliche Reichsbürger-Bewegung oder die irrelevante Besiedlung von Kibbuzim in Israel.
Und zum anderen hält sich das christliche SiN-Kommentariat nie an einen Burgfrieden und will permanent wieder christlich orientalische Werte in die rechte Debatte werfen. Damit lassen sich keine Mehrheiten gewinnen. Natürlich sind offiziell noch ca. 56% der Deutschen Mitglied in den Nazi-Kirchensteuer-Kirchen (in Frankreich nur existent in Elsaß-Lothringen), aber insgesamt ist eine Mehrheit von über 70% der Deutschen für eine absolute Trennung von Kirchen und Staat, was sehr wohl Ausdruck politischer Kultur, vor allem in den Neuen Ländern darstellt. Das sollten wir ausnahmslos demokratisch respektieren.
Ihre Frage nach, "wie katholisch sind die Katholiken (und Evangelen)?" ist wohl von einem herausragendem Zynismus geprägt. Schauen Sie Sich die Geschichte der Seminaristen um die vorletzte Jahrhundertwende an, mehr internen Totalitarismus hat es nie gegeben. Im orthodoxen Osten, der Name ist Programm, unterscheidet sich diesbezüglich historisch nichts, was Sie gut am Schicksal Stalins festmachen können.

Den exorbitanten Mut der SiN-Redaktion um die Freiheit der Debatte, der auch in den Deutschen alternativen Medien selten seinesgleichen findet,
muß wohl im Sinne der Kirchen als ketzerisch bezeichnet werden. Diese innere Sehnsucht nach föderaler Freiheit, Sezession, läßt sich am besten mit der Distanziertheit J.R.R. Tolkiens zu Seinem eigenen Werk im Artikel Herrn Wessels vergleichen. Auch Tolkien war Katholik und erschuf ein heidnisches Werk. Die einzige christliche Reminiszenz ist die literarische Existenz des Guten und des Bösen. Aber ganz klar für mich als Leser, Kopf und Herz agieren unterschiedlich, nicht nur in Mittelerde, auch in Schnellroda.

Und was erwarten Sie von uns Heiden, solange sich das Christentum nicht wandelt? Jemand, der sich in jedem Gottesdienst in orientalische Mode hüllt, oder Nonnen einen Schador verpaßt, verleugnet die eigene Herkunft, die eigene Identität. Da erübrigt sich doch jede weitere Debatte über Inhalte. Die äußerliche Präsentation und Gestaltung der Buchbesprechungen von Frau Kositza entsprechen eher der heidnischen Welt von Franz Bettinger & Co. und wir sind doch nicht dazu berufen, diesen inneren Widerspruch aufzulösen, sondern wir begrüßen diesen.

Das Interessante an den islamophilen Kräften in Europa bezieht sich auf unsere Geschichte. Auch die Nationalsozialisten, wie die Kaiserlichen, waren Islam-freundlich gesinnt. Hitler Stellvertreter im Parteivorsitz der NSDAP, Heß, sprach fließend arabisch, was Ihn von den Pappnasen in jetzigen Berlin unterschied, eher mit Scholl-Latour vergleichbar. Die (Anti-)Rassismus-Frage der Deutschen Linken unterscheidet sich also nicht ideologisch von den Nationalsozialisten oder den Kaiserlichen, sondern rein geographisch territorial, wie völkisch. Nach linker Definition haben nur kleine Minderheiten das Recht auf Identität, ein Grund mehr für uns, die Sezession voranzutreiben.

Gemäß Pispers nehmen Moslems ihre Religion, im Vergleich zu den Christen, ernst. Das heißt Moslems sind, dem Zwecke von Religionen/Ideologien/Utopien entsprechend, leichter steuerbar. Das ist der Grund, auch gemäß Sarrazin, der sich mehr auf den Intellekt bezieht, warum die Kirchen, wie die Linke, Moslems bei uns ansiedeln wollen. Halt' du sie dumm, ich halt' sie arm.

Ihre unverblümte Frage an den Leser verwundert etwas.
Einige der philosophisch intellektuellen Leserschaft/Kommentatoren hassen es doch, wenn die Redaktion den auto-didaktischen Proleten Laurenz oder den in der Kommune hängen gebliebenen Imagine freischaltet und wenden sich angewidert ab.

ML: Iwo, wir müssen nur gelegentlich die Logorrhoe in Zaum halten.

Wenn selbst die Nationale Einheitsfront 2.0 permanent GG, weder Tichy noch Stein, als Vordenker der Deutschen Rechten bezeichnet, muß dies wohl der Wahrheit entsprechen. Wie man an der ServusTV/Hangar-Sendung sehen konnte, ist die linke Denk-Elite geistig leer, nur persönliche Angriffe jenseits eines sachlichen thematischen Inhalts, ein virtuelles Verbrennen des Ketzers. Nichts als DDR 2.0 im europäischen, nun digitalen Maßstab fällt den Machern der Einheitsfront ein. Und diese Leute wissen selbst, daß die Halbwertszeit einer DDR im historischen Kontext recht kurz ist, auch wenn man die zu melkenden Kapitalisten nach der Vorgabe Wagenknechts am Leben läßt. Man verwaltet im Prinzip in Agonie die verbleibende Zeit zum Ende hin.
In publizistischer Hinsicht existieren bereits die alternativen Gegenmodelle zum Spiegel, auf der rechten Seite, Achgut, Tichys und JF, und auf der alternativen linken Seite Müller's Nachdenkseiten, KenFM und Heise, wenn natürlich nur mit einem hundertstel der Belegschaft des Originals. Und klar festzustellen ist, daß die Egoismen auf der linken, wie der rechten Seite des publizistischen Meinungs-Spektrums so groß sind, daß eine Bündelung der Kräfte zu mehr Reichweite unmöglich erscheint. Fast jeder der dort engagierten Schreiberlinge hat, mutmaßlich aus Existenznot, noch seine eigene Webseite.

Daß SiN sich im Stil abhebt, macht daher Sinn. Aber fragen Sie Sich doch selbst, Herr Lichtmesz, ob die philosophische Komponente der Politik, Sie dürfen es auch gerne Meta-Politik nennen, die nicht mal 0,5% der Bevölkerung interessiert, inwieweit tatsächlich Einfluß ausübt? Angesichts der mächtigen Linken mit ihrer Geist- und Denklosigkeit, gepaart mit virtueller Gulag-Praxis auf FB, wage ich das zu bezweifeln. Auch wenn auf SiN mehr Ökonomen oder Militärs zu Wort kämen, würde die Reichweite in ein bürgerliches Milieu hinein nicht wesentlich steigen, meine Mutmaßung.

Was dem politischen Zweck dienen würde, oder auch den Mangel an programmatischer Einigkeit in der AfD kompensieren würde, wären sprachlich ausgefeilte Projekte, die in allen politischen Teilbereichen, wie Kultur, Wirtschaft, Geo-Politik, Währung & Finanzen, Verkehr, Ökologie, Verteidigung, etc. die Interessen der Mehrheit des Deutschen Volkes formulieren und präzisieren würde. Mit einer solchen gewaltigen Aufgabe käme man weg vom reinen Hirn-Wichsen und auch alle Kommentatoren müßten Butter bei die Fische liefern.

quarz
21. Januar 2020 08:10

@ede

"wir sind das Problem, nicht der Islam"

So wie:

- Der christliche Nahe Osten war das Problem, nicht der Islam.
-Das christliche Nordafrika war das Problem, nicht der Islam.
-Die Perser waren das Problem, nicht der Islam.
-Die Westgoten waren das Problem, nicht der Islam.
-Das Königreich Jerusalem war das Problem, nicht der Islam.
-Byzanz war das Problem, nicht der Islam.
-Die indischen Fürsten waren das Problem, nicht der Islam.
-Die Heilige Liga unter Juan d'Austria war das Problem, nicht der Islam.
-Die christliche Allianz am Kahlenberg war das Problem, nicht der Islam.

?

links ist wo der daumen rechts ist
21. Januar 2020 08:27

Dank einmal gleich für die ersten zwei freigeschalteten Kommentare, da wurde Wesentliches gesagt.

Ob die ND-Debatte für den deutschsprachigen Raum zu wiederholtem Male produktiv werden kann, bezweifle ich; da haben sich auf ihre Weise auch schon Schönhuber vs. Mahler in einem längeren Gespräch die Zähne ausgebissen.

Für mich lauten die Hauptfragen:
Wo beginnt im rechten Lager die Analyse und wo endet die Selbstimmunisierung?
Welche Rolle spielt Deutschland künftig in Europa? Welche Anknüpfungspunkte fern jeder unwilligen Apologetik könnte es in der Vergangenheit geben?

Ad Punkt 1:
Selbstvergewisserung kann kein Ziel, höchstens Ausgangspunkt sein; leider ist das eine Krankheit, die Linksliberale wie Neurechte endemisch befallen hat.
Eine auch paradoxal gefaßte, um nicht zu sagen „dialektische“ Selbstvergewisserung kann nie ins gegnerische Lager ausstrahlen.
Natürlich gibt es die von Sloterdijk eindrucksvoll beschriebenen spirituellen Anthropotechniken als Gegenpol zu allen Formen neoliberaler „Selbstoptimierungsformeln“.
Aber das macht eben den Unterschied zwischen Immunisierungstechnik und Selbstimmunisierungsstrategie aus; im einen Fall handelt es sich um die Stärkung körpereigener Abwehrkräfte, im anderen um eine bloße Schutzimpfung.
Ich versuche diese Problematik in einer „wilden“ Analogie zu verdeutlichen.
Hugo Ball beschreibt in seinem „Byzantinischen Christentum“ drei Formen spiritueller Selbstfindung (ich verkürze die komplexen Lebensläufe, perdon).
Im ersten Kapitel schildert er anhand der Figur des Joannes Klimax im Wesentlichen die Grundfiguren dessen, was im abendländischen Sinne Askese bedeuten kann; also substantielle Selbstfindung.
Das wäre die Position Sloterdijks.
Im zweiten Kapitel muß die Biografie des Dionysius Areopagita dafür herhalten, wie Selbstfindung sich an unterschiedlichen Positionen und Schulen (Neuplatonismus, Gnosis) abarbeiten kann, ohne in dieser Wechselwirkung zwingend substantiell zu werden; also die funktionale Form.
Das ist die grundlegende Problematik einer „Mosaikrechten“.
Im letzten Kapitel folgt die problematischste aller Selbstfindungsformen. Hier verdeutlicht das Schicksal von Simeon Stylites die Sackgasse einer Selbstfindung als Selbstimmunisierung, die in der Rolle eines Märtyrertums ihre Bestimmung findet.
Als aktuelles Beispiel nennen wir halt, damit er nicht ganz vergessen wird, den guten alten Horst Mahler.

Ad Punkt 2:
Hier sind - entgegen der Ansicht von z.B. @ Waldgaenger aus Schwaben - sehr wohl die ca. 80 Jahre bis zur deutschen Einheit 1871 und dann die Jahre bis 1914 wesentlich.
Empfehle wieder einmal händeringend die Lektüre von Meineckes „Weltbürgertum und Nationalstaat“ (sollte es als Taschenbuch geben) und Sieferles „Konservative Revolution“.
Die „deutsche Frage“ ist eben keine seit 1945 virulente, die von den Betroffenen nicht beantwortet werden darf, im Gegenteil: die von den Deutschen 1914 gestellte Frage wurde bis heute von den „Gegnern“ nicht beantwortet.
Und die Neurechten sind schlicht und einfach zu faul, sich mit den „Ideen von 1914“ in ihrer vielfältigen Vorgeschichte produktiv – und auch apologetisch, jawoll - auseinanderzusetzen.

Appendix:
Die Geschichte Österreichs im selben Zeitraum kann man getrost davon abkoppeln.
Österreich hat nach dem Dolchstoß Kaiser Karls 1917 („Sixtus-Affäre") sein unrühmliches Ende verdient, seine Was-auch-immer-Mission verspielt und ist als unbedeutender Kleinstaat in den alten Ostarrichi-Grenzen Friedrichs III. eigentlich nur noch ein Fliegenschiß auf der Landkarte.
Ein – nicht erst seit Metternich – strukturkonservatives, „neofeudales“ Land, in dem nach der Devise „nur keine Experimente“ agiert wird. Diverse Experimente, die es tatsächlich gegeben hat wie etwa gerade das Abfeiern des „roten Wien“ der Zwischenkriegszeit verdeutlicht, galten nur der Verhinderung eines Schlimmeren; im Konkreten waren die Austromarxisten (im Übrigen mit einem klaren großdeutschen Bekenntnis) das Katechon aller linksradikalen Menschheitsbeglückungen. Hätte es kein „rotes Wien“ gegeben, wäre eine Rätediktatur wie in Ungarn wahrscheinlich gewesen.
Erst eine „kleindeutsche“ rechte Dilettanten-Diktatur hat diesen Kleinstaat zerstört, um von Stalins Gnaden 1943 wieder aus der Taufe gehoben zu werden.
Eine Bürgerkriegsgefahr wie 1934 hat man folkloristisch durch den „Lagerstraßen-Mythos“ und die Etablierung der sog. „Sozialpartnerschaft“ einzudämmen versucht. Erst Jörg Haider hat dem ein Ende bereitet (von Menasse damals als „Neuer Linker“ abgefeiert) und die neoliberale Kursänderung mitverursacht.
Einen Einfluß der Alt-68er gab und gibt es nicht.
Doch, vielleicht einen halbwegs in seiner Agenda erfolgreichen Politiker aus dieser Ecke gab es, aber der wurde von einer linksliberalen Selbstgerechtigkeitsmeute via Twitter und „MeToo“ erledigt.
Nivellierung erfolgt in diesem Land, wie von mir in einem Bosselmann-Kommentarstrang beschrieben, ausschließlich von rechts. Der häufigste Ausspruch von rechten (katholischen) Professoren während meiner Studienzeit: „San S‘ ned so ehrgeizig!“ (i.e. die Posten sind per Erbpacht eh vergeben).
Oder wie es – ohne jeden Anflug von Selbstironie – ein verstorbener Professor des „verkommenen“ (Ruth Klüger) Wiener Germanistikinstituts glaubte erläutern zu müssen: „In Österreich strebt das Mittelmaß zur Prominenz.“ Wie wahr. Nichts Besseres darf nachkommen.
Dem linken wie rechten Bürgerkinder-Schmock kann’s nur recht sein.

Also vergeßt endlich die gelegentliche Österreich-Tümelei und einen geschichtsklitternden „Ahnenstolz“ (die historischen Bauernkriegsführer vielleicht ausgenommen).
Metternich wollte ein starkes Preußen an seiner Liberalisierung hindern, dem geschätzten Freiherrn vom Stein wäre sogar eine deutsche Einigung unter Österreichs Führung recht gewesen (das ehrt ihn, Gott sei Dank kam es nicht dazu).

Glaubt wieder an das gute alte Deutschland und lest endlich…, ach was soll’s.

Franz Bettinger
21. Januar 2020 09:25

@Monika: (Neu-) Rechts = das Eigene hegen + verteidigen. Plakativ: "Deutschland den Deutschen". Das könnten die meisten Stamm-Deutschen unterschrieben. Es ist etwas Selbstverständliches. Daneben verblassen alle anderen Forderungen an die Definition von Rechts (für mich). Das "Wir statt Ich“ ist in Maßen selbstverständlich. Auf das richtige, das rechte Maß kommt es dabei an. Ein Ich kann es nur im Wir geben, sonst wäre es ein ungeschützter, ein fragiler unsicherer Individualismus. So wie es ein loyales Wir (Sozialstaat) nur innerhalb einer Nation (mit Grenzen) geben kann. Wir sollten die (Selbst-) Defintion von Rechts nicht überfrachten. Keep it pure and simple.

Suedburgunder
21. Januar 2020 09:57

@ Monika

"Es wird höchste Zeit für eine Theoriediskussion"
----------------------------------------------------------
Das ist in etwa so, als riefe man angesichts eines in Flammen stehenden Hauses zum Studium der Brandschutzordnung auf. Mit Verlaub, aber auf mich wirkt das tragikomisch. Ich glaube auch nicht, daß zum Beispiel die "Antifa" eine Theoriediskussion für nötig hält. Im ersten Moment war ich versucht einzuwerfen: Es wird höchste Zeit für Freikorpsverbände! Aber im Ernst: Solange wir die normative Kraft des Faktischen ignorieren, solange wir unseren berechtigten Zorn nicht auf die Straße tragen, werden wir unserem Gegner Anlaß zu Spott und Verachtung geben. Die nicht nur körperliche Verfettung des homo bundesrepublikanensis hat einen Typ Schreibtischheld generiert, der, um es mit Nietzsche zu sagen, "niemanden betrübt".
Nun ist mir durchaus bewußt, daß nicht jeder der hier Kommentierenden das Zeug zum Widerstangskämpfer hat, aber was spricht dagegen,
- hin und wieder das beschauliche Dresden zu besuchen (gern auch an Montagen!);
- auf Buchmessen bei konservativen Verlegern Präsenz zu zeigen;
- Letztgenannten auf dem Weg ins Hotel diskreten Geleitschutz zu gewähren;
- zu öffentlichen Veranstaltungen einen Abstecher nach Schnellroda zu machen (und en passant Naumburg und Schulpforta zu besichtigen);
- am patriotischen Spaziergang zum Hambacher Schloß teilzunehmen …..usw. u.s.f.
Ja, das hätte ich gern gewußt, was gegen diese Aktionen und für eine (die wievielte eigentlich?) Theoriediskussion spricht. Lasse mich da gern belehren und danke im voraus.

Corvusacerbus
21. Januar 2020 10:35

So viele Gedanken, so viele Entwürfe, so viele einerseits und andererseits und man landet, wie der "Waldgänger aus Schwaben", bei der gefragten Übertragung französischer auf deutsche Verhältnisse doch immer wieder nur bei der Erkenntnis, daß die deutsche Rechte in der Tradition des deutschen Nationalsozialismus steht, der mithilfe des in Europa weit verbreiteten Anti-Bolschewismus europäische Bewegung werden wollte, aber wegen des Krieges gegen alle und jede dann doch nicht wurde. Zeitlich sind die tausend 12 Jahre ein Fliegenschiß, in ihrer ideologischen Wucht sind die 12 Jahre tausend - davon kommt die Rechte nicht los und deshalb bleibt die AfD das ausgegrenzte Schmuddelkind der deutschen Parteipolitik und im schwimmt 15%-Sammelbecken. Deutschland fehlt weder noch mehr rechte Publizistik (wenn überhaupt: rechtes Radio über UKW und im Netz mit täglicher und nicht zu sehr differenzierender, sondern trumpig frecher Attacke auf den großen Austausch und die EU), noch fehlt wirklich eine Gramsci erst dekonstruierende und dann kreativ auf's Hier und Heute übertragende Gramcsi-Konzeption (was kulturelle Hegemonie ist, haben wir schon begriffen und auch, daß sie zu erreichen praktisch unmöglich ist). Deutschland fehlt eine konservative, gut-bürgerlich bräsige CDU und eine heimatverbundene Laptoplederhosen-CSU und - vielleicht noch mehr - eine radikal liberale politische Kraft, die den Leuten laut und unversöhnlich gegen all die grünen Klimakrisen-Weicheier in der Unternehmenswirtschaft Margaret Thatchers berühmten Satz aus ihrem 1979er-Wahlkampf in Erinnerung bringt: "Die Regierung hat kein Geld - Das ist das Geld der Steuerzahler". Wenn daraus der massenhafte Ruf der Werteproduzenten und eine Seite-1-Überschift der BILD, würde: "Wir wollen unser Geld zurück!", zzgl. Steuerstreik und Gebührenverweigerung, dann würde sich was ändern - auch die massenhafte Identifizierung der in die Sozialsysteme Einwandernden als Werteverzehrer, die sich nicht "beim Staat" bedienen, sondern bei mir, in meinem Portemonnaie. Aber: 'Atlas isn't shrugging', der Steuerzahler zahlt und sucht sich noch 'ne Arbeit, um die Abgaben der anderen zu bezahlen und die CDU/CSU und die FDP wollen nicht wieder werden, was sie mal waren oder was sie doch wenigstens hätten sein sollen, sondern sie sind Teil der grünen Staats-GroKo ... und die AfD versucht vier Jahre lang einen Bundestagsvizepräsidenten gewählt zu bekommen und schafft das nicht, weil immer was vom Nationalsozialismus rüber schimmert (und/oder herbeigeholt werden kann). Gegen diese GroKo in Parteipolitik, Medien (ör u.a.), Unternehmenswirtschaft, Hochschulen, Verwaltung, Verbänden und Zivilgesellschaft ist kein Gramsci-Kraut gewachsen. Was tun? Kannste letztlich nix tun, aber vorm "letztlich" wird ja schon viel getan. Ansonsten: Abwarten, ob die systeminternen Widersprüche die Struktur zerstören, wobei ich vor allem an EU, EZB und Euro denke, weil es einfach unwahrscheinlich ist, daß eine einheitliche Währung für einen uneinheitlichen Wirtschaftsraum letztlich funktioniert (aber auch hier gilt: bis zum "letztlich" kann noch viel passieren und Zeit vergehen). Im Übrigen bin ich der Meinung, daß der Islam wegen der Vorgaben im Koran nicht nicht politische Herrschaft beanspruchen kann und insofern verfassungswidrig ist und bekämpft und vertrieben werden muß; wobei seine Vertreibung sozialverträglich und Co2-schonend, weil den Reiseaufwand minimierend, durch die massenhafte Taufe von muslimischen Konvertiten im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes erfolgen kann und erfolgen sollte. Ich habe fertig.

Gotlandfahrer
21. Januar 2020 10:59

Danke für die wie gewohnt bestechende Analyse, die einen Geringbelesenen wie mich immer staunen lässt, wer was schon nicht so alles gedacht und geschrieben hat (ich meine dies ehrlich).

Mein Kommentar zielt nur auf einen Ihrer Aspekte:

„Die große Mehrheit des rechten Lagers wird sich kaum davon überzeugen lassen, daß "der Islam" ein potenzieller Verbündeter oder "Islamisierung" kein oder kein großes Problem sei.“

Das erinnert mich an Tacitus, der beschreibt, wie römische Legionäre am Abend vor einer Schlacht ungläubig den Kopf schütteln, als germanische Gesandte ankündigen, von wo und wann sie am nächsten Morgen angreifen werden, um der Ehre Genüge zu tun. Natürlich ist der Islam keine Option für das Abendland. Schlicht, weil es sich 1. um eine völlig unserer Lebensweise entgegen gerichtete Kultur handelt und 2. die islamischen Mächte unzweifelhaft auf die Eroberung unseres Lebensraumes ausgerichtet sind. Insofern: Ja, der Islam ist kein Verbündeter und er ist ein großes, existenzielles Problem, da er sich bereits auf unserem Boden und in unseren Institutionen ausbreitet.

Aber es überleben nicht die, die am Tag vor der Schlacht ihre Pläne ankündigen (ich tue dies hier im folgenden, weil es nicht den Rang eines Plans hat, sondern nur ein Gedanke ist). Es überleben zum Beispiel die Stalins, die die Gier des Gegners nutzen, um Dritte gegen ihn auf den Plan zu rufen, mit denen der sich dann gegenseitig schwächt.

Hier verhält es sich doch so:
Neben dem Islam haben wir es mit einer der US-Hegemonie geschuldeten Fehlsteuerung der europäischen Elitenselektion zu tun, die konsequenterweise eine nunmehr galoppierende Bewusstseinstrübung in den Vasallenstaaten verursacht hat. Dabei geht es mir nicht um die Frage, ob die Yankees nun ein Brudervolk sind oder nicht, sondern um die Tatsache, dass es US-Tycoons und ihre Bürokraten sind, die die Leitimpulse setzen. Auf diese Leitimpulse haben wir keinen Einfluss. Es bleiben in unserem Aktionsfeld nur die - durch das von den Yankees geschaffene Milieu gut bezahlten - europäischen Flurschadenagenten mit ihrem bewusstseinsgetrübten Unterstützerumfeld auf der einen, und die diese Situation ausnutzenden Fremdlinge auf der anderen Seite. Letztere haben weder ein Bewusstseinsproblem noch haben wir ihnen gegenüber Verhandlungsmasse. Sie wissen, dass das einzige, was sie falsch machen können, ein zu hohes Tempo der Eroberung ist. Daher auch keine größeren Anschläge mehr, denn die kritische Größe in dem Spiel ist (noch) das Bewusstsein des Unterstützerumfelds der europäischen Flurschadenagenten.

Im Bewusstsein des Unterstützerumfeldes liegt eine aus meiner Sicht zu wenig beachtete strategische Option: Lasst uns Frieden mit allen Kulturfremdem schließen und sie in allen ihren Forderungen gegen diese Bewusstseinsgetrübten unterstützen. Lasst uns herausstellen, dass es ja gerade die „islamophilen“ Aspekte sind, die uns „die Augen geöffnet“ haben und uns den Islam nunmehr umarmen lassen.

Was wird passieren? Zunächst erhalten wir ein Schutzschild. Restaurantverbot? Ist der Besitzer islamophob?

Alice Schwarzer ist ein zu wenig beachteter Frühindikator des dann folgenden Prozesses. Denn dass sie von Jungfeministen jetzt als „rechts“ verschrien wird, liegt nur daran, dass deren Bewusstsein noch viel stärker getrübt ist, als das von Alice. Die Bewusstseinsgetrübten werden kalte Füße bekommen, wenn sie merken, dass ihr Wunschdenken an seinen fundamentalen Widersprüchen scheitert, unseres aber keinesfalls, denn eine etwaige Allianz mit dem Islam mag Gegner zusammenführen, ist aber kein logischer Widerspruch in sich, wie es der gleichzeitige Wunsch nach "Alles geht, nichts muss" ist.

Die Flurschadenagenten wiederum können strukturell keinen Millimeter zurück, das ließe ihr Herrschernarrativ, das auf Eskalation in Richtung „mehr davon“ aufbaut, nicht zu, ohne zusammenzubrechen. Es wird folglich eine neue Ideenrichtung aus den aufwachenden Bewusstseinsgetrübten heraus entstehen, die nach dem Motto funktionieren wird „wir sind nicht rechts, aber das geht so nicht weiter, Kampf gegen Rechts ist auch Kampf gegen den Islam“. Das ist der "aliciisierte" Westen, der nach dem Überfall auf Polen eingreift, weil die Angst, dass Deutschland dadurch überlebt, genauso groß war, wie heute die Angst ist, dass die Rechten durch den Islam überleben könnten.
Entweder kann sich unsereins dann dem „Westen“ anschließen (denn „das geht so nicht weiter“ ist dann ja "rechts", es klebt nur ein anderer Slogan drauf), oder sich „zurückbesonnen auf das vorherige Rechts = Rechts minus Islam“ zeigen und über die dann gemeinsame „so geht das nicht weiter“-Schiene die neue Richtung nutzen. Das entspräche dann Stalins Spielstrategie.

Von der Sowjetunion lernen, heißt siegen lernen.

zeitschnur
21. Januar 2020 11:07

Wie sich inzwischen jeder denken kann, war für mich folgender Abschnitt aus dem Artikel vom größten Interesse:

"Faye selbst ist als dezidierter Nietzscheaner ein scharfer Kritiker des Christentums auf ideeller Basis, lehnt jedoch einen religiösen Grabenkampf innerhalb des rechten Lagers ab. Er wirft der ND vor, ein potenziell sympathisierendes und ideologisch nahestehendes Publikum durch einen undifferenzierten, aggressiven Antikatholizismus und Antiklerikalismus vergrault zu haben - den er umso fehlgeleiteter findet, als die ND gleichzeitig mit dem Islam liebäugelte, "einem rigiden theokratischen Monotheismus, einer 'Wüstenreligion' in ihrer gröbsten Form" (ähnliches kennt man in Deutschland von Sigrid Hunke und Konsorten).

Allerdings ist er der Ansicht, daß die "traditionalistischen Katholiken" "so christlich gar nicht sind" (ein Gedanke in Maurras'scher Tradition? Auch bei Dominique Venner und Jean Raspail finden sich ähnliche Spuren.)

In dieser Hinsicht hat sich die Nouvelle Droite (oder ihre Erben, "offiziell" existiert sie nicht mehr, und Benoist lehnt dieses Etikett heute ab) seither ziemlich gebessert - die Éléments stehen dem Katholizismus und Christentum an sich zwar weiterhin kritisch-distanziert gegenüber, allerdings mit Verzicht auf eine "heidnische" Militanz."
_____________________

Ich habe je länger je mehr den Eindruck, dass die gesamte europäische Geschichte, die wir historisch nachvollziehen können, so etwas wie ein grandioses Experiment war, von dem wir glauben, es sei an sein Ende gekommen. Im Zentrum standen dabei die „Alemannen“, von Anfang an ein Haufen zusammengewürfelter Leute, die Träger der Christianisierung waren. Es sind hier viel zu viele Fragen offen, auch die, warum eigentlich fast das ganze Europa von deutschen Adelshäusern aus regiert wurde, von Häusern, die bis heute wirken, allerdings nicht an ihrem alten Platz, sondern aus dem Off heraus und dies im Verbund mit Rom. Dieser Adel entspicht aber nicht den Bevölkerungsmischungen, die vorlagen, diesem Gebräu in unserem Land von Keltischem, Germanischem, Römischem, Wendischem, Mittelasiatischem, Jüdischem, überzogen von einem romanischen Firnis.
Die innere Zerrissenheit wurde durch den gemeinsamen Feind, den Muselman, zusammengehalten. War man sich sonst spinnefeind und gram, bluteten die Wunden, die wir uns selbst gegenseitig zugefügt hatten, unheilbar: auf diesen Feind konnten wir uns einigen, der angeblich so ganz von alleine, quasi jungfräulich, in der Wüste geboren worden sein soll. Heute ist die Forschungsmeinung weit verbreitet und auch recht gut begründet, dass dieser „Feind“ nichts weiter als ein ausgelagerter häretischer Unitarismus Roms ist. So sahen es auch die mittelalterlichen Schriftsteller: sie kannten keinen „Islam“. Den gab es schlicht gar nicht. Sie kannten nur die „haeresis Saracenorum“, und das ist was anders. Der Islam ist eine christliche Häresie. Sein angebliches Entstehungsland ist gesichert wie ein Hochsicherheitstrakt, umgeben von einer tausende Kilometer langen Mauer. Die hat übrigens der Westen ihnen gebaut — sowohl zum Jemen als dem Irak, man informiere sich selbst, kann jeder googeln. Niemand kommt da rein, niemand raus. Eine kafkaeske Situation, die man mit den seichten Begründungen, die uns geliefert werden, kaum gerechtfertigt sehen kann. Wer Mauern baut, hat ein echtes Problem, das Problem der Entlarvung nämlich. Archäologische Forschung oder sonstige historische Forschung ist völlig unmöglich. Und ich denke, darum geht es hauptsächlich. Die Kaaba soll ursprünglich eine Kirche gewesen sein. Man sieht heute noch klar und deutlich die Apsis auf den wenigen Bildern, die wir zu sehen bekommen, die man einfach abgetrennt hat. Dieser Grundriss ist klar und eindeutig der einer frühmittelalterlichen Kirche: https://de.wikipedia.org/wiki/Kaaba#/media/Datei:Kaaba-plan.svg

Die Rechte, ob nun nouvelle oder ancienne, ob traditionalistisch oder neuheidnisch hat keine Chance, solange sie sich an all diesen Fragen vorbeidrückt und sich belügt über die vielen Lügen über unsere Geschichte, in denen sie mit uns allen schmoren und allmählich weichgekocht werden. Während die normalen Menschen inzwischen in großer Zahl aufgewacht sind und sich grundlegende Fragen stellen und selbst forschen, weil die Intelligentia es nicht tut und immer noch in ihren Mythen herumsumpft, die sich überlebt haben, ist auch die Rechte völlig narkotisiert und geht von Voraussetzungen aus, die sich inzwischen in Luft aufgelöst haben.

Uns fehlt schlicht in dem, was wir so naiv für unsere eigene Kultur hielten, — selbst wenn wir unsere Geschichte kritischer kennengelernt haben —, ein Anknüpfungspunkt, der nicht bereits kontaminiert wäre. Ich bin aber überzeugt davon, dass es, bevor der gefunden wird, keine Abhilfe der aufgelaufenen Probleme gibt. Für mich ist und bleibt es der echte Jesus Christus, der ebenfalls immer wieder frei gelegt werden will aus den tausend Spottmänteln, den man ihm auch bei uns umgelegt hat.

Adler und Drache
21. Januar 2020 11:23

"Allerdings ist er der Ansicht, daß die "traditionalistischen Katholiken" "so christlich gar nicht sind" ...

Könnte mir das jemand bitte mal näher erklären?

ML: "Ich bin nicht Christ, sondern Katholik. Ein feiner Unterschied", sagt eine Figur in "Heerlager der Heiligen", Dazu einiges in "Kann nur ein Gott uns retten?"

MARCEL
21. Januar 2020 12:01

Interessante Auflistung, danke dafür! Bei nicht wenigen Punkten kann man gut mitgehen.
In einer immer weniger homogen bleibenden Gesellschaft (im Gegensatz noch zu 1968) ist Metapolitik generell schwierig. Es ist der NR nicht vergönnt, in ruhigem Fahrwasser zu arbeiten. Zudem bietet die Digitalisierung "Instant-Möglichkeiten", sich zeitgleich in anderen Räumen aufzuhalten, wenn einem der eigene nicht mehr gefällt. Sie binden viel an Energie und auch an Wut (bei Ablenkungen und Surrogaten kühlt diese schnell ab), die für den Kampf (den echten!) nunmal notwendig sind.
Wir kommen aus einer rund 70jährigen zivilgesellschaftlichen Prägung (anders als die Freikorps-Leute aus den Schützengräben), das nimmt dem Widerstand die Schärfe und eine "letzte Konsequenzialität" - Gott sei Dank, müsste man fast sagen! Wohlgemerkt: Bei dem Eskalationspotenzial, das die Situation birgt, muss das nicht so bleiben.
Philosophisch ist die NR meines Erachtens in der Gefahr, ihre Energie "einzufrieren", da nach Armin Mohler die Welt eh nie richtig aufgeht, warum sich also in toto einsetzen? (man ist da schnell bei Nietzsches amor fati) Zumal das Regime geschickt eine Drohkulisse aufgebaut hat, die viele Regungen, ohne dass dabei Publikum entsteht, im Ansatz frustrieren soll. Vergessen wir in Deutschland nicht: Unsere Kanzlerin hat erlebt, wie ein Staat vom eigenen Volk "überrumpelt" werden kann, daher ihr "divide et impera"
Last not least: Persönlich bin ich eher ein Freund einer neuen Partnerschaft mit Russland, da die USA weit weg sind und mit eigenen Problemen zu tun haben (oder bekommen werden), man wäre dann Teil eines mächtigen eurasiatischen wirtschaftlich-kulturellen Blocks unter effizienterer Eindämmung muslimisch-afrikanischer Schwarmbewegungen aus dem Süden...wäre eine Vision.
Frei nach Paul Valéry: "Europa ist ein Kap Asiens"

ede
21. Januar 2020 12:01

@quarz, nein.
Sondern:
-deutsche Bürgermeister, die moslemische Badesitten einführen,
-deutsche Gerichte, die religionssensibel urteilen,
-deutsche Polizei die religionssensibel ermitteln.
etc.
Das ist aber nur die Oberfläche.
Schlimmer:
Verleugnung des Eigenen, der Identität und Herkunft,
Wehrlosigkeit und Unterwerfungsbereitschaft.
Kurz: mangelnder Überlebenswille.

tearjerker
21. Januar 2020 12:21

@nigromontanus: Sehr richtig, ein weltweit erfolgreiches Game of Thrones im Cherusker-Milieu wäre der Sache dienlicher als Theorie-Debatten, die sich entlang der vom feindlichen Lager gestellten Positionen bewegen und dadurch bestenfalls Reaktion sein können. Wobei ein Verlag mit angeschlossener Grossfamilie im Rittergut ja in die richtige Richtung geht.
Und selbst wenn man das auf breiter Front realisieren könnte: Welche gesellschaftliche Stimmung könnte hier überhaupt angesprochen werden und worauf zielten diese Bemühungen? Konkret heisst Politik doch Macht auszuüben, soziale Hierarchien zu etablieren und Ressourcen zu verteilen. Ich sehe im rechten Lager bisher nichts, was die aktuellen Strukturen substanziell in Frage stellt (besonders hinsichtlich Punkt 8 und 9 des Beitrags), während sich auf der Gegenseite eine ganz neue Generation von Knalltüten versammelt, die nicht nur Zugang zu den wichtigsten Multiplikatoren hat, sondern gegen die die Politsektierer von vor 30 Jahren wie Chorknaben aussehen. In Frankreich immerhin hatte sich mit der Gelbwesten-Bewegung nach meinem Eindruck erstmals eine Gruppe artikuliert, die eingangs der Proteste von etwas wie einem echten anarchistischen Impuls erfasst war und vermittelte, sich die eigene Existenz auch ganz ohne eine irgendwie erneuerte linke Republik vorstellen zu können. Das wurde zwar inzwischen in die übliche linksdrehende Melange für mehr Umverteilung transformiert, weist aber für mich in die richtige Richtung.

Adler und Drache
21. Januar 2020 12:22

Dies ist ein sehr aufschlussreicher Text, und auch die Reaktionen darauf sind sehr aufschlussreich - auch wenn ich z.B. mit dem Kommentator Laurenz gar nicht übereinstimme, so sehe ich doch die Bruchlinien in scharfer, fast schmerzlicher Deutlichkeit wiedergegeben. Es scheint, dass unser Milieu durch den gemeinsamen Gegner geeint wird, wäre der weg, würde es wohl auseinanderfallen. Der Begriff "Mosaikrechte" ist angesichts dieser Sachlage wohl eher eine Beschönigung.

Vielleicht hängt die Positionsbestimmung, die jeder für sich vornimmt, mit dem Punkt zusammen, den jeder als Auslöser der derzeitigen Krise ansieht.
Ist es eine genuin politische Krise, sieht man also die politische Generation der 68er als das zu überwindende Hauptproblem an, wird man eher der sozialpatriotischen/national-bolschewistischen Strömung anhängen, wie sie durch Höcke oder Elsässer vertreten werden (Hauptfeind: Liberalismus), oder der liberal-konservativen/wirtschaftsliberalen, wie sie durch Dieter Stein vertreten wird (Hauptfeind: Sozialismus). Aufklärung und Ablösung der alten ständischen Welt durch die bürgerliche Revolution werden im Grunde bejaht, Religion in den Privatbereich verwiesen.

Sieht man die Krise darüber hinausgehend als eine Krise der bürgerlich, nach-ständisch geprägten Welt (also des "Westens") insgesamt an, so wird man in der Neuauflage bzw. parlamentarischen Neukombination der politischen Basisideologien des Bürgertums (Nationalismus, Sozialismus, Liberalismus) keinen ausreichenden Lösungsvorschlag erkennen, man sieht vielmehr in der Tradition Nietzsches oder Jüngers die bürgerliche, westliche Welt insgesamt als Teil des Problems an und orientiert sich reaktionär an den älteren, "ewig gültigen" Phänomenen: am Volk, am Glauben, an der Familie, an Arbeit, Kampf und Herrschaft. Man nimmt die Aufklärung und die bürgerliche Welt mit ihren politischen Ideologien und Institutionen als gegeben hin, glaubt aber nicht an sie und hält sie für etwas, das auf die eine oder andere Art und Weise überwunden werden sollte. Diese reaktionäre, rechtsintellektuelle Strömung wird hauptsächlich durch die Sezession vertreten.

Versteht man die derzeitige Krise noch umfassender als Kulturkrise der abendländischen bzw. "atlantischen" (Sloterdijk) Zivilisation, so wird man der religiösen Frage Vorrang einräumen und entweder den Verlust der kulturprägenden Kraft des Christentums als Ursache benennen (wenige, etwa ChrAfD, Rechtskatholiken) oder die kulturprägende Kraft des Christentums für die Krise verantwortlich machen und dem Neopaganismus anhängen (noch weniger). Die anderen Phänomene sind in dieser Sicht auf die Krise weniger wichtig und werden eher eklektisch, nicht prinzipiell zur Unterstützung herangezogen. Man muss z.B. nicht unbedingt an der Idee des Volks festhalten - "Germanen waren wir, Deutsche sind wir, Europäer werden wir sein" (Moeller van den Bruck) -, man wird den ethisch sich aus dem Glauben ergebenden Problemen (z.B. "Ehe für alle") den Vorrang einräumen vor politisch-ideologischen, die man lieber pragmatisch behandelt.

Oder sieht man den Staat und den Etatismus als Grund und Gegenstand der Krise und schwört auf die Freiheit des Individuums vor jeder Art des Kollektivismus, dann ist man libertär und wird gegen religiösen oder völkischen Kollektivismus eher in einer Bildung zum aufgeklärten Bürgertum die Lösung des Problems sehen, wie die Leute bei "eigentümlich frei".

Ich gestehe, dass ich nicht weiß, um welche Krise es sich schwerpunktmäßig eigentlich handelt. Ich kann es nicht klar erkennen, meine Sicht schwankt. Daraus folgt, dass ich auch keinem Lösungsansatz einen klaren Vorzug geben kann.

Maiordomus
21. Januar 2020 12:32

Hier "unten" kann ganz sicher keine angemessene "Theoriediskussion" geführt werden.

Rabenfeder
21. Januar 2020 12:40

@ Adler und Drache

Sie fragen:

„ "Allerdings ist er der Ansicht, daß die "traditionalistischen Katholiken" "so christlich gar nicht sind" …

Könnte mir das jemand bitte mal näher erklären?“

Vielleicht mit den Worten eines rheinischen Buben:

„In der Tat, unsere ersten Romantiker handelten aus einem pantheistischen Instinkt, den sie selbst nicht begriffen. Das Gefühl, das sie für Heimweh nach der katholischen Mutterkirche hielten, war tieferen Ursprungs, als sie selbst ahnten, und ihre Verehrung und Vorliebe für die Überlieferungen des Mittelalters, für dessen Volksglauben, Teufeltum, Zauberwesen, Hexerei... alles das war eine bei ihnen plötzlich erwachte, aber unbegriffene Zurückneigung nach dem Pantheismus der alten Germanen, und in der schnöde beschmutzten und boshaft verstümmelten Gestalt liebten sie eigentlich nur die vorchristliche Religion ihrer Väter. Hier muß ich erinnern an das erste Buch, wo ich gezeigt, wie das Christentum die Elemente der altgermanischen Religion in sich aufgenommen, wie diese nach schmählichster Umwandlung sich im Volksglauben des Mittelalters erhalten haben, so daß der alte Naturdienst als lauter böse Zauberei, die alten Götter als lauter häßliche Teufel und ihre keuschen Priesterinnen als lauter[285] ruchlose Hexen betrachtet wurden. Die Verirrungen unserer ersten Romantiker lassen sich von diesem Gesichtspunkte aus etwas milder beurteilen, als es sonst geschieht. Sie wollten das katholische Wesen des Mittelalters restaurieren, weil sie fühlten, daß von den Heiligtümern ihrer ältesten Väter, von den Herrlichkeiten ihrer frühesten Nationalität sich noch manches darin erhalten hat; es waren diese verstümmelten und geschändeten Reliquien, die ihr Gemüt so sympathetisch anzogen, und sie haßten den Protestantismus und den Liberalismus, die dergleichen mitsamt der ganzen katholischen Vergangenheit zu vertilgen streben.“

?

*hust*

@ Gotlandfahrer

Auch wenn das allgemeine Echo auf ihre Beiträge häufig seltsam gering ausfällt, verschlinge ich jeden Krumen, den ich hier auf SiN finden kann.
Unvergessen ist mir jener Beitrag zum Islam (vor geraumer Zeit), bei dem so mancher Leser sich inmitten süßlich-ekliger Fäulnisgasen gewähnt haben dürfte, während ich in stürmischer Nacht aus der Tiefe das schallende Gelächter des alten göttlichen Zauberers zu hören glaubte, der für schwache und satte und unbewegliche Naturen bekanntlich nix übrig hat.

Unabhängig davon, ob man Ihnen zustimmt oder nicht, sind ihre Beiträge immer lesenswert und vor allen Dingen bedenkenwert.

quarz
21. Januar 2020 12:45

@ede

Daraus, dass wir ein Problem mit unserem kulturellen Immunsystem haben, folgt nicht, dass der Islam unabhängig davon kein Problem darstellt. Es wäre eine erstaunlich Kette von historischen Zufällen, wenn all die oben von mir erwähnten Kulturen dasselbe Problem gegenüber einem per se harmlosen Islam gehabt hätten.

Der_Juergen
21. Januar 2020 14:32

Ich habe Guillaume Faye - von dessen Büchern ich vor allem "La colonisation de la France" und "L'Archeofuturisme" schätzte - als hochintelligenten und witzigen Gesprächspartner geschätzt. Zum Bruch zwischen uns kam es anno 2007 nach dem Erscheinen seines elenden Machwerks "La nouvelle question juive"; auch von seinen französischen Mistreitern haben sich damals viele empört von ihm abgewandt. Dennoch: Er war ein politischer Denker von Format.

Vor einiger Zeit lieferten sich auf diesem Blog Thor von Waldstein und Siegfried Gerlich einen Schlagabtausch; die Differenzen zwischen den beiden Kontrahenten erinnerten in mancher Hinsicht an jene zwischen de Benoist und Faye. Wie Benoist vertritt von Waldstein ein ahistorisches, romantisch verklärtes Islambild; wie Gerlach biederte sich Faye Israel und dem Judentum an. Dies tat er in der vergeblichen Hoffnung, von dort Rückendeckung in seinem Kampf gegen die Islamisierung zu erhalten. Da die mächtigste jüdische Organisation Frankreichs, die LICRA, aufgrund seines antiislamischen Buchs "La colonisation de la France" Strafanzeige gegen ihn eingereicht und seine Verurteilung zu einer hohen Busse erreicht hatte, war diese Anbiederung nicht nur lächerlich, sondern auch in höchstem Grade würdelos.

Ende der siebziger und Anfang der achtziger Jahre war ich ein Anhänger der Nouvelle Droite und las neben etlichen ihrer Bücher auch die höchst ansprechende Zeitschrift "Elements". Heute nehme ich bei aller Anerkennung seiner Verdienste eine sehr distanzierte Haltung zu de Benoist ein. Seine rabiate Feindschaft gegen das Christentum (bei gleichzeitigem Verständnis für die Wüstenreligion Islam) sowie seine Bereitschaft, eine riesige mohammedanische Parallelgesellschaft in Frankreich zu tolerieren, stossen mich ab. In diesem Punkt verstand ich mich Faye wesentlich besser: Im privaten Gespräch erklärte er offen, dass Frankreich mit den Mitteln der parlamentarischen Demokratie nicht zu retten sei, dass es hierzu einer straff autoritärer Ordnung bedürfe und dass die überwältigende Mehrheit der Muslime und Schwarzafrikaner repatriiert werden müsse.

Laurenz
21. Januar 2020 15:20

@quarz & @ede

quarz wird die Vorträge von Dr. Bill Warner kennen. Irgendwer hat dem guten Wilhelm wohl böse eingeheizt. Er bekämpft nur noch den politischen Islam, als ob es eine abrahamitische Religion gäbe, die unpolitisch wäre. Das gehört dann doch ins Reich der modernen Märchen.
Warner erklärt, woher historisch unsere Haltung stammt, "why we are afraid".
https://youtu.be/-wugWj42pLI

@Maiordomus .... erleuchten Sie uns doch hier unten.

@Adler und Drache .... nichts gegen eine andere Haltung Ihrerseits, aber schön wäre es, wenn Sie mich bitte über meine falschen Schlußfolgerungen kurz aufklären könnten. So schreiben Sie nur, nachts sei es kälter als draußen. Damit soll ich was anfangen?

Der von Ihnen beschriebene rechte Konflikt zwischen Höcke/Elsäßer und Stein/Pazderski existiert, keine Frage. Ebenso klar ist auch das zukünftige Ergebnis beider Strömungen. Mit einem liberalen Kurs ist nur eine Junior-Teilhabe an der Macht irgendwann möglich, vor allem in Anbetracht dessen, daß es die FDP oder heute Lindner-Partei schon gibt. Nur mit einer sozial-staatlichen Idee lassen sich Mehrheiten in einer Senior-Position erringen. Von daher haben Stein & Co. die Debatte längst verloren, wenn Beide keine Spaltung provozieren wollen.
Ich bitte Sie, Adler und Drache, uns irgendeinen Nachweis über den tatsächlichen politischen Einfluß Nietzsches, Jüngers oder Sloterdijks aufzuzeigen. Ich will nicht behaupten, daß dies keine großen Leute waren, Jünger war der letzte lebende Träger des Ordens "Pour le Mérite", schon Bombe. Aber Hand aufs Herz, geben vergangene Werke uns irgendein Argument in die Hand, welches mehr Bedeutung hätte als unsere eigenen?

@zeitschnur .... mit Verlaub, kleine Korrektur Ihrer historischen Betrachtung. Die Mehrheit der Christen im europäischen, vor allem in Italien und Frankreich als Bestandteile des römischen Reiches waren bis 325 nach 0 Arianer mit einer quasi-islamischen Sicht auf Jesus. Um 500 erwischte es den fränkischen Adel, der von seinem König Clodwig I zwangs-katholisiert wurde. Erst unter Kaiser Karl aus dem Haus der Karolinger wurde 300 Jahre später auch jeder gemeine Franke und Sachse katholisiert. Das gilt auch für alle alemannischen Verbände. Bis dahin waren Christen in der Minderheit. Das können Sie auch gut am Baum-Mörder Bonifatius festmachen, der unter fränkischem Geleitschutz seine Verbrechen wieder unsere alten Eichen beging, ein klares Indiz für die orientalisch geistige Feindlichkeit wider die Natur. Er fand seine gerechte Strafe zu spät im Alter von 80 Jahren um 755.

hagustaldaz
21. Januar 2020 16:02

Werter Herr Lichtmesz,

völlig zu Recht weisen Sie darauf hin, daß Faye manche der von ihm später kritisierten Positionen einst selbst vertrat. So propagierte er etwa in dem auch auf deutsch vorliegenden Buch "Rede an die europäische Nation" (Tübingen 1991, S. 118f) ein "eurarabisches Großbündnis", da die Araber "unsere natürlichen Verbündeten" seien.

Nun gut, er hat sich umbesonnen, und Sie, Herr Lichtmesz, haben das zur Kenntnis genommen. Wäre es aber nicht angemessen gewesen, auch im Falle der Sigrid Hunke spätere Veröffentlichungen zu berücksichtigen, um ein akkurates Bild zu bekommen?

In ihrem letzten Buch, "Vom Untergang des Abendlandes zum Aufgang Europas" (Rosenheim 1989, S. 24), schrieb Hunke über junge Europäer:

"Wie auf breiten Ameisenstraßen treibt das Bedürfnis nach religiöser Bindung auf die abgesparten Urlaubsfahrten nach Indien und blind, als hätte Europa mit der deutschen Mystik nicht Eigenes, Reicheres und ihnen Gemäßeres zu bieten, kopfüber in Experimente mit fernöstlicher Religiosität, die nicht selten auf Friedhöfen Nepals enden. Oder der Verlockung des Fremdartigen erlegen, in die zu Hunderten im Abendland jäh emporschießenden Moscheen des Islams. Und damit wieder fremden Religionen zu, die Welten anderen Bewußtseins und Denkens entstammen, das der Europäer niemals aus erster Hand nachzuvollziehen in der Lage ist. Das Morgenland greift geistig in das innerlich geschwächte, seiner christlichen Substanz verlustig gehende Abendland ein."

Diese Aussage böte die Grundlage zu einer differenzierten Beurteilung, zu der leider auch Faye nicht bereit war. In seinem Buch "Comprendre l'islam" (Editions Tatamis 2015, S. 58 u. 148) führte der frühere Befürworter eines Bündnisses mit den Arabern die angebliche Islamophilie Hunkes, mit der er im Thule-Seminar noch zusammen publiziert hatte, darauf zurück, daß sie "idéologue nazie", "pseudo-philosophe et passionaria allemande néo-nazie" gewesen sei; er verstieg sich sogar zu der Behauptung, in ihrem Buch "Allahs Sonne über dem Abendland" habe sie den Islam mit "hitlérisme" (!) verbunden.

Und in dieselbe rostige Tröte pustete auch der sicher von manchen hier geschätzte Henryk M. Broder, als er auf Achgut.com am 19.07.2015 unter dem Titel "Todenhöfers hässliche Verwandte" Sigrid Hunke eine "Nazi-Schlampe" und "inzwischen vermoderte Nazisse" nannte.

Ich hoffe für uns alle, daß der von Ihnen, Herr Lichtmesz, erwähnte Burgfriede so nicht aussieht.

AlexSedlmayr
21. Januar 2020 16:03

Ich habe mich daran gesetzt und geschrieben, was mir zu den Einzelnen Punkten jeweils eingefallen ist, ich habe mich jetzt auch nicht auf die neurechte Publizistik im engeren beschränkt, sondern die AfD und das rechte Vorfeld allgemein mit einbezogen. Ist daher ohne, dass ich es gemerkt hätte, relativ lang geworden, weshalb ich das ganze auf meinem Blog veröffentlicht habe, um den Rahmen der Kommentarsektion hier nicht zu sprengen:

https://theneonative.wordpress.com/2020/01/21/diskussion-fayes-kritik-an-der-nouvelle-droite/

Laurenz
21. Januar 2020 18:03

@AlexSedlmayr ... jetzt hab ich mir die Mühe gemacht auf Ihren Blog zu gehen. Und schon der erste Absatz ist´daneben. Junge Leute ticken nicht grundsätzlich links, wie die letzten 3 Wahlen in den Neuen Ländern aufzeigten. Die Kunst geht dorthin, wo das Geld ist. Und es gibt keine Staatsknete für rechte Projekte. Wenn der Künstler nicht konform geht, passiert die Uwe - Steimle - Nummer. Ob Monika Gruber oder Lisa Fitz ihre recht aggressiven Programme weiter fahren dürfen, hat etwas mit Einschaltquote und Umfrage-Werten zu tun.

Ihre FPÖ-Analyse mag korrekt sein, Ihre Analyse der AfD ist es sicherlich nicht. Die AfD ist sich gar nicht einig darüber, ob sie Mehrheiten oder nur Minderheiten überzeugen möchte.

Monika
21. Januar 2020 18:41

@Philip Stein
Ja, Monika, es „muss ganz klar zwischen neurechts und konservativ unterschieden werden.“
Das ist mal eine Ansage !
Es ist dann aber auch klarzustellen, wie die Neue Rechte sich zum Konservatismus stellt.
1. Nimmt sie Konservatismus selektiv zur Kenntnis, wenn er in neurechtes Denken passt . (Etwa den von Roger Scruton),
2. Benutzt sie konservative Autoren für die eigene Agenda, ohne sich ernsthaft mit Ihnen zu beschäftigen? Björn Höcke zitiert bei seinem spontanen Gastauftritt bei der Winterakademie aus Kaltenbrunners „Elite - Erziehung für den Ernstfall. Kaltenbrunner war dezidiert kein Anhänger der Neuen Rechten oder eines ideologisch begründeten Ethnopluralismus. Er bezeichnete De Benoist als „Pappheiden“. Wird hier sein Elitebegriff von neuen Rechten „instrumentalisiert“ ?
3. Nimmt man die Kritik der konservativen Rechten an der Nationalen Rechten angemessen auf ?
- Etwa die von dem Politikwissenschaftler und Katholiken Waldemar Gurian ( 1902-1954) an Carl Schmitt ( „Kronjurist des Dritten Reiches“) , seine Warnung vor einem konservativen Nationalismus ?
- rezipiert man die Kritik des orthodoxen Christen Nikolaj Berdjajew, die er äußert in seinem Buch , Von des Menschen Knechtschaft und Freiheit‘, dort das Kapitel „Verführung und Knechtung durch den Nationalismus“.
Nicht zuletzt stellt sich die Gretchenfrage.
Versteht sich das Verlegerpaar als katholisch oder christlich und was heißt das genau ?
Geht es um äußere Formen, Rituale, Kult, Traditionen, denen man anhängt oder um ein dezidiert christliches Leben ? Fragen, Fragen.
Soweit fürs Erste.

Der_Juergen
21. Januar 2020 19:40

@Gotlandfahrer

Ich lese Ihre Wortmeldungen stets gerne, da sie nicht nur inhaltlich fundiert, sondern auch stilistisch brillant sind. Bezüglich Ihres heutigen Beitrags habe ich allerdings zwei Vorbehalte. Einerseits scheint mir die Parallele zu Stalin und Polen 1939 an den Haaren herbeigezogen; andererseits sehe ich keine Möglichkeit einer Kooperation zwischen deutschen/europäischen Rechten und auf deutschem/europäischem Boden ansässigen Muslimen.

Ja, es gibt Gemeinsamkeiten. In unserem Abscheu vor Gender Mainstreaming, Schwulen-"Ehe" und Abtreibung sind wir (d.h. die authentischen Rechten, nicht die koscheren Rechten a la PI) uns mit den Muselmanen einig. Nach dem Massaker in der Redaktion von "Charlie Hebdo" blieben meine Augen trocken, weil dieses ekelhafte Blatt das Christentum auf noch weit blasphemischere Weise verspottet als den Islam. Doch wie Sie selber richtig festhalten, planen die Muslime, begünstigt durch die europäischen Verräter, eine Landnahme auf europäischem Boden. Wir europäischen Patrioten wollen Herr im eigenen Haus bleiben, und wir wünschen auch keine Parallelgesellschaften und keine No go areas. Wie soll eine Zusammenarbeit zwischen zwei Seiten mit dermassen gegensätzlichen Zielen da aussehen?

Aus diesem Grund halte ich Alain Sorals Konzept einer Zusammenarbeit zwischen weissen, braunen und schwarzen Bewohnern Frankreichs auf der Grundlage einer gemeinsamen antijüdischen Ideologie für vollkommen wirklichkeitsfremd. Solch abwegige Ideen führen zwangsläufig ins Abseits.

heinrichbrueck
21. Januar 2020 21:09

Wurde das System verstanden? Stimmen die Forderungen mit den vorausgesetzten Annahmen überein? Schon nach kurzem Nachdenken dürfte klar sein, daß diese Diskussion nicht besonders spannend werden kann. So verpeilt ist das Führungsmanagement nicht, ein System einzurichten, in welchem die Konzeption der Führung eine entmachtende Alternative möglich macht. Was wird denn auf den Prüfstand gestellt? Die Bewahrung des eigenen Volkes, darüber herrscht Einigkeit. Ist die Bewahrung demokratisch möglich? Es bringt schließlich nichts, in der Vorstellung eine Möglichkeit in Betracht zu ziehen, die in der Realität nicht ausführbar ist. Die Motivation dürfte demokratisch sein, somit moralisch die sichere Seite gewählt wurde, zumindest in der Vorgabe; aber wenn die Möglichkeit einer demokratischen Lösung nicht gegeben ist, läuft alle Theoriebildung ins Leere. In der Realität wird nicht öffentlich regiert. Es kommt kein Schauspieler aus einem Affenfilm ins Weiße Haus, Reagan ist gemeint, und regiert womöglich noch die USA. Die Konzeption der Führung funktioniert in allen Ländern des Planeten, Ideologie und Finanz als Steuerungsstrukturen abhängig vom genetischen Potential der jeweiligen Völker; sind zumindest die Ergebnisse der laufenden Politik sichtbar. Es ist aber nicht alles sichtbar. Wie es aber in der Realität gemacht wird, darüber läßt sich streiten, wenn auch nicht öffentlich. Ich halte weder das System für wahrheitstauglich noch die demokratisch Orientierten ausgestattet mit dem richtigen Verständnisbereich. Es wird also weder eine demokratische Lösung geben (Wahlen im System) noch eine Mehrheit, deren demokratische Legitimation sie herbeiführen könnte. Was müßte denn eintreten, damit die Neue Rechte regieren dürfte? Eine klare Berechnung dieser Funktion, das Ergebnis schonungslos mitteilen oder einfach die Wahrheit sagen. Letztendlich steht die Logik über allen Unterstellungen. Wahrscheinlich müssen diejenigen Fragen auf den Prüfstand, deren Antworten am leichtesten zu beantworten jedermann voraussetzt.

Gracchus
21. Januar 2020 21:39

Der Beitrag bringt mich dazu, mich als Zaungast zu sehen. Wer die kulturelle Hegemonie erringen will, sollte beherzigen, was @nigromontanus schreibt, der wird dann aber auch sehen, dass das ein fast aussichtsloses Unterfangen ist, da die Kulturindustrie globalistisch läuft.

Das Thema "Religion" scheint, verfolgt man die Debatten hier, durchaus ein Spaltpilz.

Und vielleicht ist es ja auch so, dass viele ins rechte Lager und an dessen Ränder flüchten, weil die Mainstream-Ideologie dumm ist; sie wollen sich deshalb aber keine rechte Ideologie verpassen. Sie sind nach dem Jahrhundert der Ideologien einfach nur ideologiemüde.

zeitschnur
21. Januar 2020 22:06

@ Laurenz

Wie Arianismus und Islam zusammenhängen ist nicht ganz so einfach, wie Sie es darstellen. Hier ist noch Forschungsbedarf.
Aber Arianer hatten keine "quasiislamische Sicht auf Jesus" - das ist so nicht richtig. Sie hielten ihn sehr wohl für göttlich, aber nur "wesensähnlich zum Vater", nicht "wesensgleich". Und noch wichtiger: sie haben seine Auferstehung nicht geleugnet, was der Islam radikal und durchweg tut. Der Weg vom Arianismus zum Islam ist nicht geklärt, auch nicht, ob es ihn so überhaupt gab, oder ob hier noch ein ganz anderer Zusammenhang vorliegt. Wir haben ja leider keine arianischen Quellen mehr - Konstantin ließ alles verbrennen und Leute hinrichten, die noch arianische Literatur besaßen. Was wir darüber wissen, sind polemische Darstellungen der "Sieger". Dennoch: Das Gottesbild in der gesamten Bibel ist derart komplex, dass sich das im Koran wegen seiner Eindimensionalität damit kaum vergleichen kann und auch im Arianismus so kaum vorgeformt war. Man hat im Arianismus offenbar auch keinen Anstoß an der Zeugungsmetaphorik genommen.

Faye hat sich auch mit dem modernen Mythos der "Aliens" befasst.
Vielleicht fehlt der Rechten auch nur ein Mythos, der ihnen ihre Ängste erklärt. Ewige Theoriediskussionen bringen nichts, das ist allenfalls etwas für Intellektuelle.

@ Maiordomus: Warum so ungnädig mit den "Unteren", wenn man selbst nur hier unten schreibt? Menschmeier, nicht dass der Bumerang mal zurückkommt... der Heilige, der auch das Kloster Weißenburg gründete, möge uns schützen vor den Bissen auch der bissigen, rissigen Federn. Wer von uns ist heute nicht in Wahrheit ratlos, und sei er noch so klug?

Cugel
21. Januar 2020 22:25

Hinsichtlich der ND fehlt mir der Überblick; hierzulande jedoch sehe ich keine islamophile Rechte, wohl aber Rechte, die den Islam nicht als unproblematisch, sondern nicht als das entscheidende unserer Probleme sehen, womit sie richtig liegen. Es ist schließlich nicht der Islam, der die Deutschen in fetter Apathie und Selbstvergessenheit verdämmern läßt, und es ist auch nicht der Islam, der hier täglich zum Heiligen Krieg gegen Rechts hetzt. Die Moslems haben selbstverständlich eigene Interessen, und sie profitieren, aber sie sind dennoch lediglich die Munition im Magazin der Migrationswaffe. Die Islamkritik geht zumindest in ihrer Stürzenbergerschen Variante am zentralen Thema vorbei, und das vermutlich bewußt.

Franz Bettinger
21. Januar 2020 23:02

Hier Michael Klonovsky’s Standpunkt (bei Minute 24-26: https://www.youtube.com/watch?v=UBQXcB3HGoM ). Im wesentlichen sieht er die Rechte immer nur als Reaktion auf angreifende Linke: „Es ist die Bürgerliche Gesellschaft im Belagerungszustand. Es gibt Rechts nur, wo es die Linke gibt.“ Ganz meine Meinung! Rechts ist die Verteidigung des Eigenen. Es gibt Rechts nur, wenn Links einem das Eigene wegnehmen will. Es ist eminent wichtig, sich den Kern des Rechts Seins klarzumachen. Dann müssten wir uns nicht abenteuerlich falsche Fremd-Definitionen anhören. Was die Linken umtreibt, ist der Neid der Besitzlosen. Wie mein Freund Toxer gerne sagt: „Der Linke ist ein falscher Hund. Er schimpft auf Millionäre - solange, bis er selber einer ist."

Die sehr streitbare, christliche Foristin @Zeitschnur schrieb kürzlich auf SiN zum selben Thema: "Die Rechte ist immer eine Reaktion des in die Enge getriebenen Konservativen. Der Hass der von allen guten Geistern verlassenen Linken steigert sich bis in das Extrem, alle Gegner zu Teufeln und Nazis zu erklären. Da die Linken noch an der Macht sind, ist es ihnen unerklärlich, dass andere Menschen von den Fleischtöpfen wegrennen und sich auf einen Exodus in die Wüste begeben. Im Prinzip sind die Grün-Linken getrieben von der Panik, dass ihre Profite schmäler werden oder gar ganz verschwinden könnten.“

AlexSedlmayr
21. Januar 2020 23:35

@Laurenz

Der Kommentar zu Kulturschaffenden entspringt meiner Wahrnehmung. Angesichts der Menge an Kunst- und Kulturprojekten (was man jetzt von deren künstlerischem Gehalt und ihrer Qualität halten will, sei mal dahingestellt) die von eher linken Gruppen auch mit kleinem Budget auf die Beine gestellt werden, gibt mir zumindest was die Wahrnehmung angeht recht.

Der wesentliche Punkt ist, dass mir bezüglich einem kontrakulturellen Aufbruch einfach viel zu wenig Substanz da ist. Ich habe auch kürzlich mal das Lexikon selben Titels von Mario Müller dazu zu Rate gezogen und sicher waren da auch noch einige nationale Gedenkorte drin, aber vieles ist da einfach Grund und Boden einer allgemeinen Nationalkultur. Es fehlt immer noch eine Art eigenes Lebensgefühl mit eigener Philosophie. Zum Beispiel ein Projekt eines rechten Designstudenten der versucht Möbel oder Gebrauchsgegenstände in Form eines modernen Historismus zu kreieren. Nur mal als abseitige Idee. Es fehlt ein wenig am praktischen und auch am unterhaltenden.

Das habe ich bezüglich der AfD auch feststellen wollen: Sie befindet sich anders als die FPÖ, noch in einem starken Findungsprozess, einfach weil sie sich aus drei Strömungen zusammensetzt: Wirtschaftsliberalen, die aus der FDP geflohen sind, Konservativen alten Schrots, die aus der CDU geflüchtet sind und nationalistisch orientierten Leuten - wie mir - die schon lange auch bei der CDU nichts mehr zu melden hatten und jetzt endlich wieder eine politische Heimat haben.

Im Abschnitt zum politischen Maximum habe ich zu beschreiben versucht, dass ich, der ich selbst eher dem nationaleren Flügel zuneige, dennoch die Gefahr sehe, dass die AfD einen zu radikalen und letztlich für breite Teile der Bevölkerung unhinnehmbaren Weg beschreiten wird, gleichzeitig will ich aber auch nicht, dass die AfD sich vercuckt und eine wirksame Politik im nationalen Bereich (Stop des Großen Austauschs, Souveränitätswiederherstellung) aufgibt, denn selbst wenn sie damit (was in Frage stellbar ist) erfolgreich wäre, dann ist sie genauso nutzlos wie die CDU.

Die Frage stellt sich daher aus meiner Sicht auch gar nicht, ob die AfD eine Minderheit ansprechen will oder eine Mehrheit, sondern es es ist bezogen auf Westdeutschland sogar unklar mit welcher Art Politik man was anspricht.

Der Westwähler ist für mich eine Blackbox, auch wenn ich einen der zentralen Affekte hier im nach wie vor verhandenen Schuldkult und dem anderen Blick auf Multikulti (einmal in Form eines romantisierten Amerika-Bildes) andererseits in Resignation aufgrund des jahrzehntelangen Weichkochens und Abfindens mit der Migration sehe. Das erklärt, dass nationale Politik ein Problem ist (und an diesem falschen Bewusstsein muss erst einmal metapolitisch gearbeitet werden) und das die AfD hier erstmal an dieser Tatsache nicht vorbei kommt und auf diese Befindlichkeiten Rücksicht nehmen muss.

Angesichts von starken liberalen und bürgerlichen Führungsfiguren wie Meuthen, Weidel und Gauland und einem wie ich finde sehr guten Kompromiss in der Einstellung zur Migration und der ansonsten auch sehr bürgerlich-liberalen Ausrichtung (zum Verdruss der Sozialpatrioten im Osten) ist mir persönlich in der Hinsicht unklar, was die Wähler im Westen dann noch erwarten, wenn sie trotz allem so zaghaft sind.

Das heißt wir haben aus meiner Sicht in der Analyse einen blinden Fleck. Ich kann mir nciht vorstellen, dass bürgerlich-konservative Schichten im Westen keine Probleme mit der CDU haben, fragt sich nur eben welche das sind, denn daraus folgt, welche Alternativen die AfD anzubieten hat.

Deshalb habe ich auch empfohlen, das im Mainstream herrschende Narrativ vom pathologischen Osten umzudrehen und mal die Westdeutsche Mentalität auf den Prüfstand zu stellen.

Ich will voraus schicken, dass es hier um den Mainstream geht, mir ist klar, dass es in Westdeutschland natürlich genug überzeugte AfD-Unterstützer auch solche mit nationalerer Ausrichtung gibt.

Im Grunde operieren wir hier immer noch auf unvollständigen Informationen, auf denen es freilich auch schwierig ist der AfD mittelfristig eine politische Ausrichtung zu geben.

Daher können wir nur allgemeine Pfosten einschlagen: Politisches Maximum als Offenheit, Politisches Minimum als das, was wir brauchen, um wirksame Politik gegen den Großen Austausch zu betreiben. Die genaue politische Ausrichtung muss solange prekär bleiben, bis klarer ist, was die Leute erwarten, dass sie die AfD an die 18 - 20% heran befördern.

AlexSedlmayr
22. Januar 2020 00:35

@Nigromontanus

Habe deinen Kommentar zum fehlenden rechten Lifestyle und dem sehr politischen Verständnis von Metapolitik gelesen und finde ihn genau treffend. Es ist genau das, was mir fehlt. Die IB hat zwar Kontrakultur (also eben dieses Fehlende) proklamiert, allerdings fehlt an dem begrifflichen Knochen das Fleisch.

Sehr guter Kommentar. Kann ich so absolut unterschreiben.

Ich habe kürzlich mal wieder Chuck Palanhiuks Fight Club gelesen. Im Vorwort zu der Ausgabe, die ich habe, schreibt er über die Genese des Romans. Die ursprüngliche fixe Idee war das Männer so zu einem gemeinsamen Event treffen, zum Beispiel um wie die Amish eine Scheune zu bauen. Am Ende geht es darum etwas zu schaffen von eigener Hände Arbeit und damit den geleisteten und geschaffenen Gegenwert zu sehen, seine Macht auf die Welt zu spüren, was letztlich auf die Faustkämpfe übertragen wurde.

Ich denke der Film ist auch deshalb so populär geworden, weil er eine Form von Lebensgefühl zeigt, in dass sich der Zuschauer direkt hineinversetzen kann, in dem Maß wie sich der Film entwickelt. Es ist Kontrakultur im reinsten Sinne.

Das Lebensgefühl, das die neue Rechte im Moment anzubieten hat sind altbekannte konservative Lebensentwürfe (das natürlich individuell, also kein Gemeinschaftserlebnis) und politischer Aktivismus, der zwar eine ähnliche wirkung ausübt wie die Demo-Kultur der Linken. Allerdings besteht neben der Demokultur noch eine ganz andere Lebenskultur auf linker Seite, seien es alternative studentische Millieus oder die Hausbesetzerszene oder einfach das ziellose herumpunken.

Ich hatte hierzu zum Beispiel nur zwei Mosaiksteinchen: Begeht ihr in der Familie nationale Feiertage bzw. den nationalfeiertag? Wird dann geschmückt wie zu Weihnachten nur eben in Nationalfarben, werden Verwandte eingeladen, wird groß gekocht? Sollte man vielleicht solche Gelegenheiten historische Ereignisse zu feiern und ggf. die Nachbarn einzuladen genutzt werden um Traditionen zu (re)etablieren?

Bräuchte es neben den von dir (und auch in meinem Blog-Beitrag schmerzlich beklagten) angemahnten kulturellen Produktionen nicht vielleicht auch einfach bodenständige Arbeit, wie das Errichten einer Scheune in dem ersten Entwurf zum Fight Club? Wie wäre es mit dem gemeinsamen Herrichten von Imobilien. Alte, historische Bausubstanz die sonst verfällt und die dann sowohl als Wohn als auch Projekthaus genutzt werden kann oder um darin eigene Betriebe zu gründen?

micfra
22. Januar 2020 06:11

Was ist denn die Abgrenzung zwischen Konservativen und der sogenannten neuen Rechten, Herr Stein? Weiß denn die neue Rechte, wer sie ist?

Herr Lichtmesz, ich bin erstaunt, dass Sie den Islam nicht als Problem sehen.

ML: Islam und Islamisierung sind zwei verschiedene Dinge.

Die Islamisierung ist ja der einzige gemeinsame Gegner der Rechten(welcher Einfärbung auch immer) in Deutschland und auch das aktivierende Moment der autochthonen Bevölkerung.

Laurenz
22. Januar 2020 07:54

@zeitschnur .... werte Foristin, einst war ich auch der Meinung, Arianer seien verfolgt und gemordet worden. Entweder war es auf SiN oder einem entsprechendem Jutjub-Kanal (ich tendiere zu SiN), wo ich mich eines besseren belehren lassen mußte. Es existieren keine historischen Quellen, die eine mordende Verfolgung der Arianer belegen würde. Im Ernst, versuchen Sie welche zu finden. Die militärische Macht Kaiser Konstantins war nur im existenten so zwingend, daß die Mehrheit der Arianer in Nicäa der Minderheit der vom Kaiser unterstützten Katholiken nachgab. Und man ist sich einig darüber, daß die Arianer die Dreifaltigkeit ablehnten, und die Einfaltigkeit, das Monotheismus-Gebot favorisierten. Ebenso wird deutlich, daß Jesus von Nazareth erst in Nicäa als göttlich erklärt wurde, das Nicänische Glaubensbekenntnis, und selbst knapp 300 Jahre später war diese Sicht noch nicht sehr verbreitet, wie man an der Sicht des dann entstehenden Islams erkennen kann. In islamischer Geschichtsschreibung wurde Jesus nicht gekreuzigt und über 70 Jahre alt. Und ich habe mal einen Ritterkreuz-Träger kennengelernt, der in Ägypten, während des letzten Krieges, dort vor dem Grab Jesu' stand. Erst zu Zeiten der Schilderungen Ecos, also 300 Jahre nach der ersten Jahrtausend-Wende, also im Mittelalter war es den Katholiken wohl möglich, hunderte christlicher Strömungen zu verfolgen und auszulöschen. Da waren aber auch schon, gemäß @quarz, die intellektuellen christlichen Zentren in Syrien, Afghanistan und Nordafrika vom Islam überrollt worden. Über diese christlichen Entwicklungen bekommt man einen schnellen Überblick, wenn man die Wiki der Häresie liest.
https://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%A4resie

Und ich erinnere mich ca. 30 Jahre zurück, als es noch einen echten Spiegel gab, wies dieser nach, daß mehr als 70% aller kirchlichen Besitz-Urkunden, auch die bekannteste, die Pippinische Schenkung, gefälscht sind und erst in 1870 durch Volksabstimmung, also über 1.000 Jahre später, eine neue Wahrheit fand.

Die heutigen relevanten Kirchen-Existenzen basieren seit jeweiligem Anbeginn rein auf einer militärisch-politischen Hoheit und werden in der aktuellen politischen Defensive immer mehr in eine unnatürliche Ökumene gezwungen. Hier liegt die wichtigste Parallele zum Islam in seinen unterschiedlichen Strömungen. Die jeweilige Strömung dient der Rechtfertigung eines jeweiligen weltlichen Herrschaftsanspruchs.

Aktuell sind es vordergründig die Protestanten, die sich der Kultur-Vernichtung durch Mission schuldig machen und Identitäten vernichten, eine einfache Beobachtung, welche die Protagonisten durch das Netz selbst vermitteln.

Ich beobachte das fast ratlos und weiß nicht, was ich denken soll, entweder "Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun" oder "Vater, vergib ihnen nicht, denn sie wissen, was sie tun." Ich tendiere meist zu letzterem.

RMH
22. Januar 2020 08:16

Zum Zeitpunkt dieses Beitrages waren genau 35 Debattenbeiträge veröffentlicht, inkl. link zu einem eigenen Blog.

Bislang streitet man offenbar wieder mit großer Lust um Gretchenfragen, den Islam etc. etc.

Ein Punkt des Artikels über die Kritik von Faye kommt bei der bisherigen Diskussion doch recht knapp weg (limes und der eigene Blog Artikel nehmen sich dessen sehr kurz an) und das ist Punkt 8. & 9. "Der Mangel an einer wirtschaftlichen Doktrin und die Vernachlässigung konkreter Probleme."

Kann man davon ausgehen, dass das weitgehende Schweigen zu diesem Punkt bedeutet, dass man ihn als quasi offenkundig bejaht und daher nicht mehr weiter groß diskutieren will?

Wenn dem so wäre, dass ein Konsens in diesem Punkt da ist - im Gegensatz zu den vielen anderen Punkten - dann wäre doch genau dieser Grundkonsens eine gute Ausgangsbasis, sich diesem Themenbereich in einer Folgediskussion genauer zuzuwenden und zu versuchen, den Konsens aus der Bejahung der allgemeinen Kritik in konkrete Vorschläge zu überführen (ich habe den Eindruck, dass es dann wieder sehr schnell ganz gewaltig "rumst", denn gerade hier gibt es doch sehr unterschiedliche Auffassung und das meiste ist eben "unausgegoren").

It´s the economy, stupid. Klar ist es spannender, sich über "Gott und die Welt" und "was sie im innersten zusammen hält" zu streiten, aber am Ende müsste auch ein hier auf diesem Medium stark nach vorne gebrachter "Blick nach links" konstruktiv ausgearbeitet werden, damit er nicht zu einem eher peinlichen copy&paste des sozialdemokraturischen Instrumentenkastens staatlicher Interventions-, Abgaben- und Umverteilungspolitik wird. Der andere Teil, welcher sich ebenfalls unter dem Banner der Opposition gegen die Mehrheits-Einheitsfront Union-Sozi-Links-Grün-Pseudoliberale versammelt, erscheint hingegen im wirtschaftlichen Bereich eher den libertären Wunschvorstellungen zuzuneigen, deren Praxistauglichkeit und Umsetzbarkeit bei gleichzeitiger Bejahung eines Nationalstaates doch vermutlich schwer werden dürfte. Irgendwo zwischen diesen beiden Bereichen wird es auch Leute geben, die vermittelnde Positionen haben. Ich für meinen Teil zähle mich zu diesen, weswegen ich immer wieder meine Bedenken habe, wenn man meint, last uns mal das Land zurückholen, einen großen Teil der Migranten wieder zurückführen und der Rest ergäbe sich dann von alleine.

Hartwig aus LG8
22. Januar 2020 08:38

Lichtmesz schrieb: "Was für Lücken, Schwächen, Möglichkeiten und unbeackerte Felder sehen Sie? Ich bin auf eine Diskussion gespannt."

Ich schließe mich @nigromontanus an.
Was der Rechten fehlt, ist Sex-Appeal, oder allgemeiner ausgedrückt, Attraktivität; Attraktivität im Alltag, die untergründig wirkt und an der man nicht vorbeikommt. Dazu gehören Stil, Humor, Gewandtheit, Charme, ein gerüttelt Maß an körperlicher Verfaßtheit. Auch die meisten gängigen deutschen Sekundärtugenden gehören dazu, aber nur als selbstverständliche Beigabe und keineswegs als prägendes Merkmal, geschweige denn als vor sich hergetragener Monstranz.

Ja zu Provokationen. Man muß sich als Rechter durchaus zu erkennen geben. Aber Bierernstigkeit, Verbissenheit und Missionierungsdrang stehen einer Attraktivität im Wege. Und wenn der junge Kollege fragt, warum man denn zum Teufel die AfD wählt, so sollte die Antwort nicht in einem ermüdenden Vortrag münden. Ein „wir haben keine andere Wahl“ wäre wahrscheinlich für’s erste genug.

Maiordomus
22. Januar 2020 08:39

@Monika. Von mir aus gesehen muss das Verlegerpaar nicht zu einem religiösen Offenbarungseid aufgefordert werden. Das ist heute ganz allgemein zu schwierig und zu komplex, sowieso erkennt man seine "wahre" Haltung zu diesen Fragen oft erst gegen Ende des Lebens. Für mich ist zum Beispiel Frau Kositza eine Feuilletonistin oftmals von Klasse, echt neugierig, auf kurvenreicher Strecke unterwegs zu den Quellen der Erkenntnis, manchmal sogar in diesem Unterwegssein wohltuend das Leichte pflegend. Sie liest sogar einen absoluten Geheimtipp der Literatur wie Volker Mohr. Also immer für eine Überraschung gut. Und dass Kubitschek ein von dem selben geprägten Leser zum Beispiel von Jochen Klepper ist, genügt mir für eine nicht unbeträchtliche Schnittmenge, mit welchem Germanisten oder Geisteswissenschaftler von einer heutigen Universität könnte man sich noch über so etwas unterhalten? Auch beeindruckte es mich, dass schon zur Anfangszeit von Sezession etwa ein Autor wie Kuehnelt-Leddihn (von dem ich mich als Student selber noch gefördert wusste) und wie in letzter Zeit erörtert, auch ein Reinhold Schneider noch als Orientierungsgrösse galt, wiewohl der selbe heute kaum mit der allgemeinen Stossrichtung von Sezession identifizieren würde, schon von Adenauer und Strauss wandte er sich angewidert ab, wobei Schneiders Anti-Amerikanismus immerhin hier in weiten Kreisen geteilt wird, auch dass er in der DDR, bei Kontakten mit Johannes R. Becher, nicht primär den Unrechtsstaat sah. Ein Gedanke von Reinhold Schneider, der nun mal nicht zur "Rettung" Deutschlands instrumentalisiert werden kann, geht in die Richtung, dass es illusionär sei, heute noch, als geistiger, meinetwegen "metapolitischer" Mensch, eine "Macht" sein zu wollen. Es wäre schon viel, man könnte sich als "Element" behaupten, warum nicht "Spurenelement"? Dass indes zwischen Ihnen, @Monika, und etwa Waldstein, oder Benoist, Welten klaffen, war mir schon immer klar. Auf der anderen Seite bekam ich auf dieser Seite Gelegenheit, Sie unterdessen etwas kennenzulernen, so wie zum Beispiel noch einen anderen, aus meiner Sicht bedeutenden deutschen Gelehrten, der sich aber schon seit etwa drei Jahren nicht mehr an der Debatte beteiligt. Das gedruckte Heft Sezession ist Bestandteil eines samisdatartigen untergründigen deutschen Geisteslebens. Dass dort allenfalls, ich sage es mal so, "metatheologische" Fragen noch stärker erörtert werden könnten, würde mir von Belang scheinen. Das ist aber nicht mit Glaubensbekenntnissen zu verwechseln.

Laurenz
22. Januar 2020 09:35

@AlexSedlmayr .... ich teile Ihre Sicht der Dinge immer noch nicht. GK's Mosaik-Rechte weiß im einzelnen sehr genau, wer sie ist. Die Not, politische Schlagkraft entwickeln zu müssen, anstatt im eigenen Reichs- oder Rats-Keller wirkungslos vor sich hin zu debattieren und ein lächerliches politisches Dasein zu fristen, hat diese oppositionelle Koalition/Fusion, gebündelt in der AfD, erschaffen. Und nur die trojanischen Pferde in dieser Partei, gesandt durch den politischen Gegner, gemäß "divide et impera", versuchen, bisher erfolglos, die Spaltung. Die bürgerliche Not ist eben zu gewaltig, auch in Anbetracht dessen, daß ehemalige Konservative zB in der CSU, wie MP Söder weit nach links in den pseudo-grünen Staats-Monopol-Kapitalismus rutschen.

Der Pressesprecher meines Kreisvorstands, Rechtsanwalt Bücken, ist zB solch ein Trojanisches Pferd. Ich habe beim Durchforsten der Papierberge meines verstorbenen Herrn Vaters, entsprechende Korrespondenz mit Herrn Bücken gefunden, der seinerzeit daran beteiligt war, die Schill-Partei zu zerlegen. Im Westen also nichts Neues.

Sie Selbst, AlexSedlmayr, sind wohl kein Künstler, wie zB zeitschnur. Denn sonst wüßten Sie, von was ich schreibe.
Ich gebe Ihnen ein eklatantes Beispiel, ganz lapidar den Rumänien-Deutschen Peter Maffey (Makkey). Peter Maffey geht in deutsch-sprachigen Lied-Texten oder Interviews völlig System-konform.
In fremdsprachigen Liedern singt er auch gerne rechts-radikales Gesangs-Gut. Hier zB ganz offiziell auf seinem Jutjub-Kanal mit dem Aborigine Mandawuy Yunupingu ... der Titel "Tribal Voice"
https://youtu.be/hQKIjxPF9MQ

Was glauben Sie denn, was Produktionen kosten, egal ob Sie ein Musikstudio, eine Bühne oder ein Atelier brauchen? Organisieren Sie doch mal ein Konzert für die Hammer-Mädels von "Les Brigandes" in Ihrem Heimatort, mutmaßlich in Bayern. Da werden Ihnen die Ohren schlackern, wenn nicht sogar abhanden kommen.
(Nur im extrem rechts-radikalen Bereich gibt es Staatsknete vom VS um zB Konzerte oder Festivals zu organisieren.)
Bestellen Sie doch mal Leinwand und Öl-Farben, um auch nur ein einziges Bild zu malen.
Deswegen befindet sich "Rechte Kunst" im wesentlichen im literarischen Bereich, die kostengünstigste Kunstform. Sie brauchen nur einen normalen Rechner und Netz. Wenn Sie, wie Gerhard Wisnewski, aus politisch-korrekten Gründen vom "etablierten" Verlag gefeuert werden, bleibt nur der Gang zum mutigen Ex-Polizisten Kopp, der gegen die Deutsche Bahn, wegen Werbe-Flächen-Streichung, vor den Kadi zog. Und ich mutmaße wohl richtig, wenn ich den Antaios-Verlag als Heimat-Nische für Denk-Fabriken einordne. Und schicken Sie doch mal eine Epost nach Schnellroda und fragen einfach nach, was Drucken, das Einbinden, die Registrierung und der Versand kosten, reich wird da keiner. Das Überleben ist schon als Erfolg zu betrachten.

Wenn Sie denn meinen, schon einen Blog machen zu müssen, dann recherchieren Sie doch vorher wenigstens mal im Selbstversuch, bevor Sie etwas virtuell zu Papier bringen.

Auch die Mitforistin @zeitschnur hat einige Bücher geschrieben, von denen meines Wissens nach 2e im Antaios-Verlag verlegt sind.

ML: Irrtum.

Und ich glaube nicht, daß @zeitschnur uns von Ihrer Terrasse mit Meer-Blick auf Aruba schreibt oder bei George R.R. Martin im Gartenhaus wohnt.

Laurenz
22. Januar 2020 10:03

@RMH ... Sie haben es exakt erfaßt. Und ich denke, Martin Lichtmesz hat es beim Schreiben des Artikels schon gewußt, beabsichtigt, wie der Debatten-Hase laufen wird. Sonst hätte Er am Ende nicht auch Seine illustre Frage an den Leser gestellt.
Im rechten politischen Segment tief zu denken, mag ja manchem Spaß machen, und es ergibt insofern Sinn, wie die Linke in den Medien wieder empfiehlt, Marx zu lesen, die längst versalzene abgestandene Suppe zu löffeln, weil die Linke selbst als Koch pleite geht. Und sogar unser TV-Stern, Precht, fängt an, Unsinn zu reden, zu labern, wenn es konkret werden muß.

Entscheidend für das Denken ist die Transformation in die gesellschaftlichen Realitäten. Und selbst in diesem Stadium interessiert sich schon kein Schwein mehr für die ND, wenn der verlotterte ICE, im Gegensatz zum TGV, völlig undeutsch, 40 min oder mehr zu spät kommt. Was soll man bezüglich dieser lapidaren Unfähigkeit unserer Berliner Junta noch denken? Diese Unfähigkeit per se von Menschen, deren Existenz zu nichts nutze ist, ist offensichtlich. Und irgendwie hat der Wähler anscheinend Mitleid. Hätte der Wähler kein Mitleid, müßten wir auch nicht denken, sondern machen.

Monika
22. Januar 2020 10:14

@ Maiordomus
Es geht mir nicht darum, das Verlegerpaar zu einem religiösen Offenbarungseid aufzufordern !!!
Wer bin ich, so etwas zu fordern.
Aber etwas mehr Klarstellung darf man vom Chef und der Chefin doch erwarten ???
Wenn Sezession sich die führende rechtsintellektuelle Zeitschrift nennt, muss der Führungsanspruch begründet sein.
Witzigerweise widmet sich die „liberalkonservative“ Publizistin Liane Bednarz in der NZZ vom 21.1.20 dem aktuellen Thema in einem Gastkommentar.
Zwar hinter Bezahlschranke, aber ihre Thema lautet:
„man lasse sich nicht blenden, wenn Rechte sich als konservativ bezeichnen“.
Bednarz unterstellt , dass Rechte sich „aus strategischen Gründen als konservativ bezeichnen“.
https://www.nzz.ch/meinung/man-lasse-sich-nicht-blenden-wenn-rechte-sich-als-konservativ-bezeichnen-ld.1527336

Nennen sich Neurechte konservativ, so ist das durchaus eine Irreführung.

ML: Das halte ich für blühenden Quatsch und Jonglieren mit der Natur nach unscharfen Begriffen, die am Ende jeder anders definiert. Nur bei unserer Geistesriesin Bednarz kann man mit einiger Treffsicherheit sagen, daß sie sich „aus strategischen Gründen als konservativ bezeichnet“.Lichtmesz-Sommerfeld-Gesetz mal wieder.

Aber hier hat Philip Stein ja klargestellt, dass neurechts und konservativ zwei verschiedene Dinge sind.
Die nächste Frage ist nun, ob für die „bedeutendste rechtsintellektuelle Zeitschrift“ das „rechts“ in einem neurechten Ansatz ( Ethnopluralismus, Antiliberalismus, usw.) erschöpft ist, dann ist der Begriff Mosaikrechte ein irreführender Begriff, denn mit Mosaik verbinde ich was anderes. Damit wird eine Vielfalt beschworen, die es gar nicht gibt.
Konkret: Gibt es Raum für rechtsliberale, rechtskonservative, liberalkonservative usw., usw. Positionen oder ist mit dem doch sehr ideologisch eingeschränkten Begriff der „Mosaikrechten“ das Feld der Sezession abgesteckt.
Dazu, nur dazu hätte ich gerne was vom Chef gehört.

Solution
22. Januar 2020 10:33

Ab und zu sollte auch mal ein Blick auf den Stand der aktuellen demographischen Entwicklung erfolgen. Damit erledigt sich wohl so mancher Bruderzwist.

Gotlandfahrer
22. Januar 2020 11:12

@Der_Juergen
Danke für die Entgegnung (ich gebe Ihr Kompliment gern zurück, Ihre Kommentare gehören für mich ebenfalls zu denen, die ich nie auslasse).

Zu Ihrem letzten Punkt: Eine schräge bunte „antijüdische“ Allianz wäre völlig daneben, so etwas hatte ich nicht im Sinn. Nicht jüdische Stärken sind ein Problem, sondern unsere Schwächen.

Zu Ihrem Einwand, Stalin/Polen wäre kein passender Vergleich: Selbstverständlich hinkt so etwas immer, es diente mir der Vorführung des Gedankens, dass kontraintuitives Tun – zeitweilige Allianz mit dem Hauptgegner – hilfreich sein kann für die Verbesserung der Ausgangslage. Das war bei Stalin/Polen der Fall.

Zu Ihrer Frage, wie eine solche Zusammenarbeit aussehen soll: Es muss sich keinesfalls um „Zusammenarbeit“ handeln. Stalin hat auch nicht wirklich mit Hitler „zusammengearbeitet“ (von hochinteressanten Details der militärisch-wirtschaftlichen Kooperation im Vorfeld von Barbarossa mal abgesehen, aber das diente womöglich lediglich dem „Enablement“ Deutschlands, um Stalins Ziel einer Binneneskalation des Westens erreichen zu können).

Es braucht keine gemeinsame Agenda oder förmliche Zusammenschlüsse. Aus meiner Sicht würde es ausreichen, wenn „die Rechte“ mit einer ungefragten, einseitigen Umarmung begönne. Man könnte sich, anstatt zu warnen, lobend zu den neuen kulturellen Praktiken äußern, proaktiv mehr davon fordern und die Vorteile der Scharia für die gesunde Bevölkerungsentwicklung „entdecken“.

Selbstverständlich würde dies zunächst Stimmen im eigenen Lager kosten und bei uns große Verwirrung und Streit auslösen. Aber allein, dass sich „die Rechte“ in Teilen dem Islam öffnet, wird den Pawlow’schen Abwehrreflex der Bewusstseinsgetrübten auslösen und damit die Verwirrung und den Streit im gegnerischen Lager noch größer als den eigenen werden lassen: Denn dort legte er, wie in meinem obigen Kommentar erwähnt, einen logischen Widerspruch frei, der sich heute noch, angesichts der Auseinandersetzung der Bewusstseinsgetrübten nur mit unserem Hinweis darauf, genau hierdurch übertönt wird. Wenn unser Gegner aber nach der Devise handelt "was die Rechten sagen ist immer falsch", muss die Rechte das sagen, was der Gegner für richtig hält.

Ich meine dies durchaus nicht spielerisch, denn sagen wir es so: Selbst die einigermaßen gefestigten 13 bis 25% bewirken seit Jahren nichts außer einer Verfestigung des Gegners (dies nicht als Vorwurf, ich ziehe meinen Hut vor allen, die auf unserer Seite ihren Mann oder ihre Frau stehen!).

Was wäre verloren, entzweiten sich auf unserer Seite die Reihen? Der Gegner würde sich, erstens, zunächst schadenfroh entspannen, aber, zweitens, gewahr werden, dass die bewährten Mittel nicht mehr eingesetzt werden können, ohne nicht auch in fundamentalen Widerspruch zu den eigenen Axiomen zu geraten: Wie kann die One-World-No-borders-Keule länger eingesetzt werden, wenn „die Rechte“ genau das fordert, was die Keule durchsetzen will?

Es wäre wie mit den Sowjetpanzern (um erneut das WKII-Bild zu bemühen), die sich deutsche Frauen an die Frontseite gekettet haben, um im Straßenkampf die Verteidiger vom Beschuss abzuhalten.

Wir denken zu linear aus unseren Präferenzen heraus. Das können wir uns nicht mehr leisten.

Maiordomus
22. Januar 2020 12:08

@Monika. Meines Erachtens kann oder sollte der "Chef", wie Sie ihn nennen, dies ganz sicher nicht auf dieser Kolonne erörtern. Wenn schon, längerfristig im gedruckten Heft. Siehe meinen obigen Zwischenruf über die Möglichkeiten und zumal Grenzen von "Theoriedebatte" in diesem Forum.

Lichtmesz forderte ich ganz oben gerne auf, sich der Thematik seines heutigen sehr guten Aufsatzes allenfalls in Buchform noch zu stellen, was mithin, @Monika, auch einige Antworten, es gibt wohl mehrere, auf Ihre dringenden und notwenigen Fragen mit sichbringen könnte, nicht weil es Ihre Fragen sind, sondern weil dieselben tatsächlich grundsätzlich sind.

Mit @Lichtmesz stimme ich überein, dass Bednarz politisch ein absolutes Leichtgewicht ist, so wie leider auch die frühere Vorsitzende der Hajek-Gesellschaft, die übrigens mal bei einem öffentlichen Anlass ein Gespräch mit mir über einschlägige Fragen, z.B. einen möglichen Dialog von Rechtsliberalen mit Rechten betreffend, von Anfang an ablehnte. Dass Bednarz heute in der Neuen Zürcher Zeitung schreibt, zeigt schon auch, wie dieses Organ, von dem ich zwar innert gut Monatsfrist zwei Artikel hier rühmend zitierte, eher überschätzt wird. Klar mangelt es bezüglich der deutschen Rechten dieser Zeitung ebenso wie zum Beispiel der Schweizer "Weltwoche", an Grundwissen, unbeschadet des Befundes, dass sie natürlich doch ein ganz anderes Informationsniveau verkörpern als etwa "DIE ZEIT", die haben geistig schon fast gar nichts mehr drauf, was man von Nummern früherer Jahrgänge (las diese vor 60 Jahren bis etwa vor 30 Jahren) immerhin nicht sagen kann, vgl. eine ähnliche Entwicklung beim SPIEGEL.

@Lichtmesz. Ich halte Sie im Ernst für einen geistig potenten theoretischen Denker der deutschen bzw. österreichischen Rechten, was ich bei Sellner klar nicht entsprechend verorten konnte. Letzterer ist im Prinzip, wiewohl seiner programmatischen Forderung nach "Metapolitik" kaum zu widersprechen ist, dafür ein ausgewiesenes politisches Talent. Entsprechend sollte er sich früher oder später auch auf jenes Feld begeben, wo ihm zwar aufgrund der Erfahrung ein Kickl noch weit überlegen ist, während immerhin ein Strache ihm geistig und vor allem charakterlich unterlegen. Sellner könnte, wenn man ihn aufkommen liesse, so etwas wie der Joschka Fischer - projiziert auf dessen bessere Jahre als Politiker - der FPÖ oder einer dieser verbündeten Partei werden, mit brauchbaren politischen Analysen, wobei er in Sachen politischem Fundamentalismus noch einen Gang zurückschalten könnte, ohne gleich ein Total-Opportunist wie der Metzgerssohn Joschka werden zu müssen. Aber das ist wohl seine Sache. Für Lichtmesz sehe ich als Autor und Publizist noch wirkliches Potential nach vorn, wobei es bei ihm gerade weniger - auch im Gegensatz zu Sellner - das Charisma des öffentlichen Auftretens ist, sondern tatsächlich mehr die Schreibqualität und intellektuelle Qualität. Diese schätze ich insbesondere bei Sommerfeld von Jahr zu Jahr höher ein, vielleicht auch, weil sie sowohl als Mutter wie auch als Gattin "existentielle" Situationen, wie es von aussen zumindest den Anschein macht, auf beeindruckende Weise bestanden und überstanden hat. Aus meiner Sicht wäre auch der Ehemann von Sommerfeld ein geistiges Kaliber, mit dem jenseits von "Gleichgesinntheit" überdurchschnittlich interessante "ergebnisoffene" Debatten zwischen links und rechts nicht nur "innerehelich" möglich sein müssten.

Der_Juergen
22. Januar 2020 12:30

@Gotlandfahrer

Danke für Ihre ausführliche Entgegnung. Ich verstehe Ihre Gedankengänge durchaus und halte sie nicht für abwegig, aber auch nicht für realistisch.

Ein Zusammenspannen mit hier ansässigen gläubigen Muslimen hätte - auch ohne formelle Allianz - für die Rechte nur negative Folgen. Erstens würde sich, wie Sie ja selbst einräumen, ein erheblicher Teil ihrer Anhänger verstört von ihr abwenden, und zweitens sähen die koscheren Konservativen ihre schlimmsten Albträume von der Erneuerung der "Nazi-Islam"-Allianz bestätigt.

Michael Stürzenberger schreibt sich auf PI ja die Finger darüber wund, dass die Partnerschaft zwischen Hitler und dem Mufti die Gemeinsamkeit der beiden Ideologien beweise (dass man im Krieg froh um jeden Verbündeten ist, will diesem begnadeten Denker nicht in den Kopf; selbstverständlich unterstützten die Palästinenser die Achsenmächte, nach deren Sieg die zionistische Kolonisation ihrer Heimat aufgehört hätte; selbstverständlich kollaborierten viele sowjetische Muslime mit den Deutschen, die ihre von den Sowjets geschlossenen Moscheen wieder öffneten; selbstverständlich waren die Deutschen froh um Hilfskräfte, mochten diese nun bosnische oder albanische oder asiatische Muslime sein).

Aber diese Zusammenarbeit war durch die damalige, spezifische Konstellation bedingt und lässt sich unter den heutigen Umständen schwerlich wiederholen. Gegen gute Beziehungen zu den Staaten der islamischen Welt und insbesondere dem Iran habe ich selbstverständlich nicht das geringste einzuwenden, sondern würde sie sehr begrüssen.

zeitschnur
22. Januar 2020 12:37

Lamentabilis das alles. All diese Definitionen, wer jetzt schon neurechts oder noch konservativ oder eigentlich liberalkonservativ etc. etc. Und dann die vielen Kommentare mit Sätzen, die ein "man müsste" oder "man sollte" oder "man könnte" enthalten oder gar dieses "als man damals noch Autoren wie den oder jenen kannte" ...

Liebe Foristen: Leute, die bereits in der Wüste sind, sollten sich das auch eingestehen und nicht Fleischtöpfe zurücksehnen, die sie damals in Wahrheit belastet haben, und erst recht nicht jeder Fata Morgana hinterherrennen, die ihnen das Gefühl gibt, sie seien wieder "zu Hause", nur weil die fetten Grünfaschisten noch einen gewaltigen und dumpfen Kanonendonner inszenieren, bevor die Deppen, die sie wählen, dasselbe Schicksal ereilt wie alle anderen.

Hier läuft ein Programm ab, das alles ist kein Zufall oder die Frucht unfähiger politischer Einzeltäter.
Was immer sich eine kritische Rechte ausdenkt: diese Bande hat alles schon vorausgedacht, jeder Zug eines möglichen (übrigens auch linken) Gegners ist bereits vorausgespielt worden und in die Strategie einbezogen. Merkel mag auf viele wirken, als sei sie dumm oder gespalten, und vielleicht ist sie es auch, aber es gibt Kräfte dahinter, und die sollte niemand unterschätzen.
Die Rechte unterschätzt die Ereignisse total und erinnert mich an die Jungfrauen, die sich zu wenig Öl mitgenommen haben. Die fieberhafte Suche nun, kurz vor Schluss, kommt zu spät und hat keine Substanz, v.a. wenn sie sich auf Autoren stützt, die ein gewisses Dandytum mit neurechten Gedanken verbunden haben. Ich schließe mich da dem Prinzip nach selbst ein, denke aber, dass es gegen das, was hier abgeht, nur geistigen Widerstand gibt. Und mit dem kann man jederzeit anfangen. Umkehr ist immer möglich.

Ich habe den starken Eindruck, dass die Rechte die Situation nicht einmal überzeugend analysiert bekommt. Wie will man dann intervenieren?

Und das nächste ist dann gleich: wo soll man da anfangen? Jeder sucht sich sein apokalyptisches Kausalthema aus und leitet alles von daher, was aber Unsinn ist.
Ich muss mich zB immer über gewissen Christen wundern, die den Untergang deswegen herannahen sehen, weil nun die Homos so hofiert würden und Frauen so emanzipiert seien. Manche stürzen sich auf das Abtreibungsthema. Alle Kriegsgreuel, die totale Versklavung so vieler Menschen, die Ausbeutung ganzer Länder, die Ermordung von Millionen Menschen, die Schändung von Millionen Frauen weltweit auch hier in unserem gelobten Land mit seiner halben Million Sexsklavinnen aus fremden Ländern juckt sie nicht. Sie fokussieren sich: das genügt. Ein einfacher Schlüssel zur Realität. Und wundern sich dann, dass sie nichts verändern mit dieser Haltung. Säkularisierte stürzen je auf ihre Themen: Klima, Veganismus etc. etc. Und alle haben das Smartphone, für das im Kongo mit seinen riesigen Bodenschätzen inzwischen Millionen Menschen abgeschlachtet worden sind. So what. und manche Deutschtümler werden jetzt gleich sagen: das ist ja nicht unsere Sache. Doch, es ist unsere Sache. In einer globalisierten Welt, an der wir allesamt Anteil haben, ist auch alles unsere Sache.

Aber jetzt wieder zurück zum Ausgang: wo anfangen und wie? Wir haben es mit Gegnern zu tun, die über jeden möglichen Schritt im Voraus Bescheid wissen, weil alles Denken und Planen voraussehbar ist wie bei einem Schachspiel.
Leben wir nicht in einer Situation, wo jeder zusehen muss, dass er nicht auch noch seine Seele verliert?

limes
22. Januar 2020 13:04

@AlexSedlmayr schreibt in seinem Kommentar vom 21. Januar um 23:35 Uhr:
»Der Westwähler ist für mich eine Blackbox, auch wenn ich einen der zentralen Affekte hier im nach wie vor verhandenen Schuldkult und dem anderen Blick auf Multikulti (einmal in Form eines romantisierten Amerika-Bildes) … sehe. … Angesichts von starken liberalen und bürgerlichen Führungsfiguren … und einem wie ich finde sehr guten Kompromiss in der Einstellung zur Migration und der ansonsten auch sehr bürgerlich-liberalen Ausrichtung … ist mir persönlich in der Hinsicht unklar, was die Wähler im Westen dann noch erwarten, wenn sie trotz allem so zaghaft sind. … Ich kann mir nciht vorstellen, dass bürgerlich-konservative Schichten im Westen keine Probleme mit der CDU haben, fragt sich nur eben welche das sind, denn daraus folgt, welche Alternativen die AfD anzubieten hat.«

Als Westdeutsche stimme ich Ihnen zu, wenn Sie die Ursache für westdeutsche Wahlergebnisse auch im Schuldkult und in einem anderen Blick auf Multikulti sehen. Der naive Blick auf Multikulti mag nicht zuletzt mit der Reiseleidenschaft im Zusammenhang stehen, und auf Reisen genoss man auch gerne Exotik und Erotik, sei es als Hippie in Indien, als Tourist in Thailand oder als Touristin in Afrika, um nur die gängigsten Klischees aufzuzählen. Nun erwartet man, dass Menschen aus exotischen Ländern sich wie gewohnt als aufgeschlossen und entgegenkommend erweisen, und will sich von der migrationskritischen AfD nicht das schöne bunte Weltbild verdüstern lassen. Daneben gibt es gerade bei der arbeitenden Bevölkerung auch das Feindbild angeblicher Nazis, das von den Gewerkschaften sowie der SPD und ihren zahllosen Medien gepflegt wird, und es gibt auch die Verteufelung der Rechten, die von den Kanzeln gepredigt wird.

Das romantische Amerikabild verorte ich eher bei unbewusst konservativen Deutschen, weil unsere US-Romantik im Wesentlichen nicht dem Völkergemisch gilt, sondern den starken (weißen) Männern des »Wilden Westens«, ihrem Recht auf Waffen und ihren starken Autos.

»Was die Wähler im Westen dann noch erwarten, wenn sie trotz allem so zaghaft sind«, ist wahrscheinlich ganz einfach das Wunder, dass man beim Wählen brav bleibt und alles schon irgendwie gut wird. Mutti wird’s schon richten. Die CDU habe ich selbst noch nie als Partei bürgerlicher, konservativer oder sonstiger Werte gesehen, sondern immer nur als Seilschaft zur Karriereförderung und Verein für Vetterleswirtschaft. Die Konturlosigkeit scheint jedenfalls in der DNA der Partei angelegt zu sein, überliefert Karlheinz Weißmann doch in »Das konservative Minimum« das Zitat eines Beamten der britischen Besatzungskommission, die Union sei »von Anfang an eine „amorphe Omnibuspartei der Mitte“« gewesen.

Was die AfD anzubieten hat, ist die Alternative zum Opportunismus aller Altparteien – und vor allem eine Strategie zum Überleben. »Wir sind die letzte Chance«, so der AfD-Sicherheitsexperte, MdB Martin Hess, in unserer Kreisstadt bei einem Wahlkampfauftritt, den er gemeinsam mit seinem Fraktionskollegen Volker Münz bestritten hatte, der zum Thema »Politik und Glaube« sprach. Die Wahlveranstaltung hatte man aus Furcht vor dem destruktiven Eingreifen der AntiFa als geschlossene Gesellschaft mit Gesichtskontrolle am Eingang und privater Security abhalten müssen! Die Lokalpresse ignorierte es pflichtschuldigst, dass sich unweit der Redaktionstür in historischer Kulisse das Szenario einer Bananenrepublik bot. Und auf diese Weise wurden die Wähler in doppelter Hinsicht blind gemacht: blind für die guten Argumente der AfD, weil diese keine öffentliche Wahlveranstaltung abhalten konnte, und blind für die Zerstörung der Demokratie. So kommen bei uns im Westen Wahlergebnisse zustande.

Maiordomus
22. Januar 2020 13:09

@zeitschnur. Ihre Kritik einschliesslich Selbstkritik, die Intellektuellen unter den Foristen nicht ausgenommen, enthält Zutreffendes. Aber gerade Sie repräsentieren ein Beispiel, von dem man nicht beanspruchen oder gar fordern kann, dass es "Macht" sei oder werde. Jedoch bilden Se, wie ich oben auszuführen versuchte an anderen Beispielen, eine Art Element, vielleicht mithin ein Spurenelement. Das ist nicht nichts, mithin etwas Notwendiges, was diejenigen, die hier angesichts schwerer äusserer, auch realpolitischer Probleme, nicht sehen, wenn sie Debatten um angebliche intellektuelle Feinheiten und Differenzierungen als heute und wegen der Not der Zeit überflüssig kritisieren. Gerne hoffe ich, dass man dieses mein "Statement" als Anerkennung Ihrer Beiträge einzuschätzen vermag. Ihr letzter Satz beeindruckte mich zusätzlich, wiewohl er trotzdem nicht das Wichtigste Ihrer Aussage war. Oscar Wilde schrieb mal vor etwa 100 Jahren eine Abhandlung ungefährt mit dem Titel, der mich eben an Ihren Schluss-Satz erinnert: "Der Sozialismus und die Seele des Menschen".

zeitschnur
22. Januar 2020 14:05

@ Maiordomus

Weil ich weiß, dass Sie wie ich stark katholisch geprägt sind, ebenso durch die deutsche Literatur, die Sie lieben wie Ihre Heimatregion. Ich verstehe das vollkommen, wobei bei mir noch die Musik hinzukommt. Erstens sieht man das, was man wirklich liebt, auch in seiner ganzen Erbärmlichkeit und liebt es deswegen auch mit einem Erbarmen, das man auch für sich selbst am Ende nur erhoffen kann.
Zweitens sagen Sie mir doch: dieser Jesus Christus, auf dem das ganze Abendland samt all jener, die ihn missbraucht oder sich an ihm gerieben haben bis heute, einstmals vorgab zu stehen, wem hat er in der Wüste abgesagt? Und was hat er abgewiesen? Er hat dem "Satan und seiner Macht", der Versuchung der präferierenden Materialisierung des Geistigen und der Herausforderung Gottes abgesagt. Haben wir das so ähnlich nicht auch bei der Firmung gelobt?
Das ist das Dilemma, das ich sehe, denn dieses Gepränge des Satans ist alle Macht in diesem Äon. was hier zur Macht wird, ist schon korrumpiert. Und doch hat keine Gestalt die ganze Welt so bleibend und ungebrochen verändert und vorbereitet auf ein neues Äon wie dieser machtlose Jesus. Ich weiß, dass das dem natürlichen Menschen nicht in den Kopf will, mir eigentlich auch nicht, aber je älter ich werde, desto mehr weiß ich, dass es wahr ist. Wofür ich also in dieser Nachfolge einstehen will (möge es mir gelingen, das steht nicht bei mir) ist diese Bereitschaft zu einer Ohnmacht, die doch sowieso - freilich unerkannt von denen, die dem natürlicherweise anhängen, wie ich es auch ganz und gar verstehen kann - der Fluch alles Machtwillens ist und wie in einem gleißenden Kontrast dazu das einzige Schmuckkleid, das uns am Ende erheben kann zu einer dynamis, die kein Machtwille je erreichen wird, und sei er taktisch noch so martialisch aufgestellt. Nennen Sie es meinetwegen "mystisch", was ich da sage, aber ich sehe keine andere Chance, und wir werden es vielleicht beide noch sehen, ob ich damit so falsch liege.

Monika
22. Januar 2020 14:23

Zum Punkt 1
„Scheitern der gramscitischen Strategie, Kritik an der Kulturrevolution von rechts“ sei nochmals auf Kubitscheks Beitrag in der Sezession 59, April 2014 DER ROMANTISCHE DÜNGER hingewiesen:
„Die Neue Rechte wird seit Alain de Benoists Programm einer Kulturrevolution von rechts mit Antonio Gramscis Strategie der Eroberung der kulturellen Hegemonie in Verbindung gebracht ..usw. “..siehe
https://sezession.de/wp-content/uploads/2014/04/Sez59-Kubitschek.pdf
Hier könnte der „Chef“, Bademeister:) vielleicht anknüpfen.
Kritik von Faye: es sei ein Irrglaube, dass alles kulturell sei, da der genuin politische Aspekt ignoriert werde und so der FN als Konkurrent entstanden sei.
Man könnte das auch anders formulieren, etwa nach dem Motto: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“.
Die Sicht, man könne Politik mit der Strategie einer theoretisch formulierten Gegenkultur erobern und bestimmen, geht vielleicht einfach am Leben vorbei. Václav Havel schreibt in seinem Buch „Versuch, in der Wahrheit zu leben“:
„Parallelstrukturen wachsen ja nicht aus einer aprioristischen theoretischen Vision der Systemverönderung ( es handelt sich nicht um politische Sekten) , sondern aus den Intentionen des Lebens und aus den authentischen Bedürfnissen konkreter Menschen“.
Hier kann man der Neuen Rechten durchaus vorwerfen, die Intentionen des Lebens ob ideologischer Engführung nicht rechtzeitig gesehen und benannt zu haben und deshalb auf dem Stand einer politischen Sekte stehengeblieben zu sein. Dann machen eben die anderen Politik.

Zur Kritik am Ethnopluralismus. Die Fixierung auf den Begriff Ethnopluralismus im rechten Lager verhindert möglicherweise, dass Linke sich wenigstens auf die Realitäten des dahinterliegenden Problems ( Auflösung der Kulturen durch Kulturrelativismus, bzw. Multikulti) einlassen. (Das Gleiche gilt m. E. für den Begriff „Bevölkerungsaustausch“)
Kritik am Multikulturalismus, mit anderer Konnotation, gibt es auch im linken Lager. Man google den Beitrag von Christoph Ernst im Cicero 1/2019 „Autoritäre Toleranz“ . Christoph Ernst nennt sich konservativen Linken und schreibt: „Wer sich verbietet, fremde Kulturen zu kritisieren, der kann die eigene nicht mehr verteidigen“.
Wobei wir zum alles verbindenden Punkt kommen:
Der Verteidigung des Eigenen.

AlexSedlmayr
22. Januar 2020 14:33

@Laurenz

Bezüglich der Spalttreiberei. Das sind interessante Innenansichten, die sicher nicht vernachlässigt werden dürfen (wir hatten ja schon einen Fall in Bayern, wo es bereits eine "Abwerbung" (wohl eher einen Maulwurf) gab), wenn man das Betragen des politischen Gegners und mögliche Gefahren für Partei und Politik ausmitteln will, doch bleibe ich dabei, dass es bei einer Partei, die Volkspartei darauf ankommen muss, dass sie in ihrem eigenen Spektrum relativ weit ausgreifen und anschlussfähig bleiben kann.

Zur Sache der Kunst: Ich behaupte nicht, dass Kunst nichts kostet und mit Idealismus allein zu betreiben ist, im Zweifel reden wir hier aber auch nicht von Leuten die nur von oder für die Kunst leben, sondern diese meist privat neben einem regulären Broterwerb betreiben oder sich damit einen entsprechenden Kapitalstock verdienen (im Videospielbereich ist das meist die Regel bei sogenannten Indie-Entwicklungen).

Von befreundeten linken "Kulturschaffenden" im Theater fing die Karriere auch häufig genug als "Theaterkollektiv" an, mit einfachsten Mitteln, je nachdem wo eine Bühne zu bekommen war an.

Meine Aussage war: Nicht über allen linken Künstlergruppen ergießt sich ein Kapitalfluss (das wäre auch schon ihrer schieren Zahl wegen (und daher auch meine Wahrnehmung über die politische Ausrichtung) nicht möglich und dennoch werden zumindest die Keime für Projekte gelegt.

Wenn die IB Laien- oder Straßentheater betreibt, dann meist als politische Aktionsform.

Wenn wir vom Veranstaltungsort und den Kosten dafür absehen (und da bin ich ganz bei ihnen, aus meiner Vereinshistorie weis ich, was da noch für ein Rattenschwanz dran hängt (auch bzgl. Versicherung etc.)) dann wäre es dennoch relativ kostengünstig zu bewerkstelligen einen Klassiker wie Biedermeier und die Brandstifter (mit einem aktuellen Flüchtlingsbezug) zu inszenieren, was Kostüme und Requisiten angeht.

Natürlich muss sich all das, finanziell dauerhaft tragen können, wenn man es richtig ausbauen will, allerdings kann man in der Lage, in der sich das rechte Kulturwesen befindet nicht erwarten von 0 auf 100 zu starten.

Projekte wie "Outdoor Illner" oder die Dokumentationen von "EinProzent" zeigen ja, dass da schon ein bisschen was geht. Im Fall von Illner sogar mit einem Minimal-Budget.

Und bevor der Einwand kommt, natürlich ist das noch kein großer Wurf wie eine eigene Inszenierung des Parzivals mit Glanz und Glitter, aber um an zeitschnur anzuschließen: Wir befinden uns in der Wüste und sollten schauen, dass wir überhaupt einen Grundstock schaffen, von dem aus wir nach fruchtbareren Orten greifen können.

@Ilmes
Ein guter Einblick, Danke :)

Laurenz
22. Januar 2020 15:23

@Monika ...
[teilgelöscht,EK: keine Gemeinheiten bitte!!]

Man muß nicht GK sein, um den Begriff der Mosaik-Rechten zu verstehen. Die Prägung des Begriffs allerdings, als feste Definition, nicht nur in unserem konservativen Bewußtsein, wie die Begriffsfindung selbst als treffende und genial kurze sprachliche Beschreibung eines historisch fast ewigen Zustandes, ist die herausragende Leistung zu der nur wenige mit geringen materiellen Mitteln fähig wären.

Selbst die dümmste Glatze oder die Schläger der Antifa-SA, soweit diese lesen können, verstünden beim Lesen der Debatten-Stränge auf SiN die Richtigkeit des Terminus sofort.

Hier schreiben meist 10 oder 20 Mitteleuropäer und der Kaiser von China, der vor Kraft kaum laufen kann und meist Gnade, wie Ungnade
verteilt. Diese Hobby-Schreiberlinge vertreten dann locker 40 Meinungen, und gönnen dem anderen nicht ein Gramm Butter auf dem Brot, kostbare Zustimmung wird nur sparsam verteilt, und wenn, meist den Profis.
Dazu werden noch die größten 1.000 Deutschen aus 10.000 Jahren Reichs-Geschichte auf den Tisch geknallt, um die eigene Position zu untermauern.

Dieses verschrobene, vielschichtige Kommentariat auf SiN ist nicht krank, sondern eben föderal und zutiefst deutsch. Wenn Sie das nicht wahrnehmen können, sollten Sie es mal auf einem linken Blog probieren. Da schreiben alle dasselbe. Und selbst subtile Abweichler, wie Frau Wagenknecht, werden in den virtuellen Gulag geschickt. Viel Spaß da, Monika.....

nom de guerre
22. Januar 2020 18:11

Zu Punkt 8 & 9:

Anhand des obigen Artikels würde ich gerne noch einmal auf die beiden Venner-Bücher eingehen, deren Diskussion sehr früh geschlossen wurde. Venner führt dort sinngemäß aus, die kapitalistische Lebensweise sei dem Menschen nicht angemessen und müsse überwunden werden (wobei er betont, dass er dies nicht auf kleine Familienunternehmen bezogen sehen will). Was fehlt, ist jedoch ein eingehender Gegenentwurf.

Ähnliches liest man auch hier immer wieder und ich finde die erhobene Kritik nicht falsch. Nur frage ich mich, ob die Neue Rechte über Personal verfügt, das wirklich etwas von Wirtschaft, d.h. Volkswirtschaft versteht und entsprechende Ideen beizusteuern in der Lage ist. Überspitzt gesagt: Abschaffen kann jeder. Aber gibt es auch jemanden, der (in diesem Bereich) etwas Neues aufbauen kann, und wenn ja, was?

Ich erwarte an dieser Stelle keine Antwort darauf, habe aber den Eindruck, dass, soweit bei der deutschen Neuen Rechten die gegenwärtige Wirtschafts- und auch Gesellschaftsform abgelehnt wird (dabei handelt es sich bekanntlich nicht um eine einmütig geteilte Meinung), die Kritikpunkte meist fest umrissen sind, die Antworten auf die Problematik aber eher nebulös ausfallen, hier bestünde also Nachholbedarf. Die Alternative, die man sich vorstellt, kann schließlich nicht in einem Sozialismus nach gängiger linker Lesart, nur mit nationalem Anstrich bestehen – hoffe ich jedenfalls, dafür sind zu viele sozialistische Experimente bereits gescheitert.

Ferner wäre es m.E. notwendig, einen eigenen, dezidiert rechten Ansatz zur Umwelt- und Energiepolitik zu entwickeln oder, falls es diesen schon gibt, die entsprechenden Inhalte besser zu kommunizieren; bspw. der Aufsatz zur Nachhaltigkeit in dem Kaplakenband von Gauland kann hierfür als Einstieg dienen. Wobei ökologische Themen auf diesem Blog ja durchaus diskutiert werden, nur scheinen mir diese nicht so fest verankert zu sein wie andere Fragen, etwa die Migration oder das Verhältnis zum Islam.

Das ist eine Lücke, die dazu führt, dass die ökosozialistischen Ideen von linksgrün zumindest nach meiner Wahrnehmung zwar abgelehnt werden, ihnen jedoch kein eigener Entwurf entgegengesetzt wird. Mit reiner Ablehnung kommt man aber meist nicht weit.

Maiordomus
22. Januar 2020 18:13

@Zeitschnur. Mit "mystisch"kommen Sie heute, sogar vermehrt, wieder durch, aber betreffs den "Satan" sollten Sie nun mal besser Vorsicht walten lassen. Ich verstehe, nicht nur aus der Sicht der historischen Volkskunde, was Sie meinen, glaube aber doch, dass das, was Sie sagen wollen, in dieser semiotischen Form und Ausdrucksweise nicht mehr zu einer erfolgreichen Kommunikation gelangt. Schon aber Goethe, dieser als "dezidierter Nichtchrist" zumal, hat es vermittelbarer auf den Punkt gebracht, ohne das Radikal-Böse der Versuchung und des Versuchers schlechthin zu leugnen, zumindest nicht als Dramatiker, wo die Handlung unbedingt glaubhaft motiviert sein muss, siehe Calderon. De Maistre, auf den sich Reinhold Schneider noch zur Zeit des 2. Weltkrieges berief, nannte die Französische Revolution "satanisch". Ich weiss, wie der Philosoph und Mitgründer der politischen Theologie dies meinte, aus meiner Sicht teilweise durchaus zustimmungsfähig, würde es aber niemals so formulieren. Über den Grenznutzen des Exorzismus, über den eine mir bekannte Medizinhistorikerin eine noch ernst zu nehmende gut dokumentierte Dissertation geschrieben hat, in meiner Bibliothek greifbar, würde ich hier lieber nicht eine Debatte vom Zaun reissen.

Gotlandfahrer
22. Januar 2020 18:14

@Der_Juergen
Mein letztes Ziel ist es, hier im Badebecken zu enervieren, daher bitte ich meine erneute Antwort nicht als haarspaltende Rechthaberei in einem ohnehin unrealistischen Diskussionsast zu verstehen, sondern als ein Doppelpaßspiel, das neben dem von uns beiden diskutierten Aspekt vielleicht auch auf eine andere Schwäche der „Mosaikrechten“ hinzuweisen hilft.

Diese Schwäche zeigt sich mir an der weithin und auch – pardon – in Ihrer Entgegnung anzutreffenden Art und Weise, mit dem Ungewöhnlichen, dem Kreativen umzugehen. Ich behaupte nicht, dass mein Vorschlag der Weisheit letzter Schluss ist, ich bin nicht einmal selbst davon vollends überzeugt. Was ich aber - exemplarisch in diesem Gespräch sichtbar – oft bei uns Rechten vermisse, ist das, was man in „kreativen“ Umgebungen Brainstorming nennt. Eine der wichtigsten Regeln im Brainstorming ist, Ideen nicht zu falsifizieren, sondern nach Wegen der Weiterverwendbarkeit zu suchen. Ich erwarte nicht helle Begeisterung, sondern erhoffe allenfalls weitere ergänzende Ideen oder Ideen für die Lösung offensichtlicher Probleme.

Ihr Beispiel: Die koscheren Konservativen.

Guter Punkt! Die Idee zielte ja nicht darauf, denen ein Problem zu bereiten. In einem idealen Kreativumfeld würde man jetzt versuchen, daraus ein Lösungspotenzial abzuleiten. Spontan und nicht zu Ende gedacht: Das Ziel der herbeizuführenden „konservativen Revolution“ über den Umweg rechter Islamumarmung ist ja nicht, gegen Juden zu handeln, sondern ein Gemeinwesen zu schaffen, in dem deutsche Lebensart und –grundlagen gewahrt werden. Spätestens nach Erreichung dieses Zieles werden auch Juden in Deutschland sicher und frei leben können, denn es ist im Gegensatz zu den kolportierten Behauptungen eben keinesfalls deutsch, gegen Juden zu sein (sonst lebten sie hier nicht seit über tausend Jahren).

Die Frage ist also lediglich, was würde auf einem solchen Umweg bis dorthin schlimmstenfalls passieren? Aber auch: Was passiert garantiert, wenn statt des Umweges der aktuelle Weg weitergegangen wird?

Das befürchtete Risiko auf dem Umweg könnte sich sogar, statt als Problem, als vorteilhaft herausstellen, nämlich, wenn das bisher durch die linke Islamumarmung überdeckbare Problem der Judenfeindlichkeit nunmehr durch eine rechte Islamumarmung als eines des Islam ansprechbar wird. Anders: Wenn uns ohnehin und selbst mit Juden in der AfD Judenfeindlichkeit unterstellt wird, was bis auf wenige Verwirrte nicht stimmt, tritt mit einer rechten Islamumarmung die wirkliche Judenfeindlichkeit des Islams (und damit der Linken) für die Bewusstseinsgetrübten sichtbar hervor: Oh nein, werden die Lämmchen rufen, die Moslems lassen sich von Judenfeinden umarmen! Warum distanzieren die sich nicht? Wenn das die Kanzlerin wüsste!

Wir können die weitere Erörterung des Gedankens gern beenden, ein Kommentarforum ist wohl auch nicht das beste Format für „Brainstorming“. Den Hinweis auf ein unausgeschöpftes Lösungspotenzial aufgrund des „es muss so gehen wie es meinem Verständnis entspricht“ wollte ich hier nur noch einkippen. Es ist aus meiner Sicht eines der Hauptprobleme der Rechten. Ritterlich zu seinen Werten zu stehen ist ohne Wenn und Aber schön und gut, und ja, der Narrensaum muss beschnitten werden, es braucht auch immer wieder die klare Stanze, das nichtverhandelbare Minimum usw. Aber wenn einem das Wasser bis zum Hals steht muss man sich eben – notfalls - was einfallen lassen. Eine erste gute Idee ist in der Situation den Harnisch abzulegen und nicht danach zu suchen, was nicht geht oder nicht sein darf. So sehe ich das.

Allseits einen guten Abend!

PS: Der Umweg rechter Islamumarmung wäre nicht einmal ein ein perfider mieser Trick stalinscher Prägung der auf Vernichtung von irgendwem zielt, sondern am Ende selbst für Moslems in Deutschland der Weg, um sich nach Beendigung des Umweges in die deutsche Lebensart einfinden zu können. Wenn sie sich denn dazu bereitfinden. Deutschland zu erhalten ist gegenüber seiner Vernichtung durch den Islam ja kein Vorteil für sie...

AlexSedlmayr
22. Januar 2020 20:23

@Monika
Wobei wir zum alles verbindenden Punkt kommen:
Der Verteidigung des Eigenen.

Ich sage nicht, dass Linke davon nicht auch umgetrieben werden, aber sie haben einen Wunsch zur Verteidigung des Eigenen nicht weil sondern trotzdessen das sie links sind, weil sich aus der linken weltdeutung ein wert von Kulturen nur auf andere Kulturen aplliziert und nur da, wo diese gegen einen gleichsam im linken Lager als Unterdrücker wahrgenommenen Tyrannen kämpfen und sich behaupten.

In unserem Zuge ist es eine Romantisierung der Dritten Welt, nicht weißen Welt gegenüber dem Westen, wie früher des Kommunismus gegenüber dem westlichen Kapitalismus und seiner Unterdrückung der Arbeiter.

Die alte Amerikafeindschaft (die bei den Linksliberalen sich nicht mehr generalisiert findet, sondern hier Amerika eher ein Ort der multikulturellen Heilserwartung ist, das von Trump verfinstert wird) war auch ein Teil warum der Islam dann so gehätschelt wurde, weil der sich ja gegen die legitimen ausbeuterischen und militaristischen BEstrebungen der USA wendet.

Wenn Linke aus ihrem ursächlichen weltanschaulichen Grunde heraus die Massenmigration ablehnen dann dann wenn sie sich ehrlich machen, was ihre alte Klientel angeht: Geringverdiener, Sozialhilfeempfänger und Kinder deren Eltern sich keine Privatschulen leisten können, die von Zuwanderung direkt in der Arbeit, in den Sozialsystemen bedroht werden oder als etwas, dass sozialen Aufstieg durch unhaltbare Zustände blockiert, wobei hier beim letzteren der Kreis zum oben gesagten geschlossen wird, weil das Problem eben die mangelnde Integration und die rassistische Gesellschaft sei, während man aber beim Scheitern der Integration eben die Aufnahmekapazitäten, die Notwendigkeit der Assimilation (und damit Anpassung) und der Notwendigkeit von gesellschaftlichen Druck und einem Angebot, wohin überhautp integriert werden soll, überhaupt nicht berücksichtigt, sondern dann wieder mit Verweis darauf, dass man ja Menschen nicht dazu zwingen könne, ihre Kultur abzulegen (und Zwang bedeutet hier schon, damit zu drohen diejenigen die das nicht wollen, abzuschieben). Selbst die Linken, die noch auf der Grundlage operieren, dass sie durchaus gerne hätten, dass die Zuwanderer eben zu deutschen mit anderer Hautfarbe werden, stellen sich das als einen impliziten, organischen Prozess vor und verweisen dann auf mannigfache Zuwanderunsgbewegungen in der jüngeren und ferneren Vergangenheit ohne ebenfalls nicht zu antizipieren, dass die ja auch nicht im luftleeren Raum sondern unter spezifischen BEdingungen stattfanden, die heute nicht mehr gegeben sind oder aktiv demontiert werden.

Der Ethnopluralismus ist ja eben einerseits der Unterschied zur Altrechten, die Herkunft und Abstammung als ein - zumeist dann auch noch rein rassisches - Schicksal begreift und das dann zudem mit aggressiven Chauvinismus verbindet.

Ausländer können nie Deutsche werden, Deutsche mit ausländischem Familienmitglied sind keine vollwertigen Deutschen. Und die sind alle weniger wert als wir.

Während wir im Ethnopluralismus sagen: Wir wollen einen Erhalt von uns als volk, unserer Kultur und der Kontrolle über den politisch-territorialen Raum, den wir für unsere Selbstverwaltung geschaffen haben.

Das schließt Migration nicht aus, bedeutet aber, dass diese nur unter quantitativen und qualitativen (sprich inhaltlcihen Kriterien erfolgen kann. Das heißt, dass es nur ein bestimmtes Niveau an Zuwanderung generell geben darf, dass sie zusammengehen muss mit einer assimilatorischen Integrationspolitik, die aus diesen Menschen eben Deutsche macht (und nicht einfach nur ein Pass hinwerfen und proklamieren, das seien jetzt Deutsche, obwohl sie keinerlei substanzielle Kriterien dafür erfüllen) damit sich eben tatsächlich "neue" Deutsche ansiedeln und nicht ethnische Siedlungsgruppen, die sich eine territoriale oder politische Funktionsbezeichnung überstreifen. Und natürlich muss auch auf die sonstigen Fertigkeiten und Fähigkeiten der Migranten geachtet werden (außer im Fall von Liebesheiraten).

All das sind exklusive Kriterien, und vor allem im Bezug auf die Assimilation inhaltlich-völkische Gütekriterien ich halte sie aber weder für radikal, noch irgendwie unvereinbar mit dem gesunden Menschenverstand, im Gegenteil. Und doch weil es exklusive und völkisch orientierte Kriterien sind, werden sie aus Prinzip abgelehnt, weil sie der Vorstellung einer generellen BEwegungs- oder Daseinsfreiheit (die der Ethnopluralist ja anerkennt, aber wer ein türkisches Leben führen soll, dass dann bitte in der Türkei tun, dafür ist Deutschland nicht zuständig, weder das zu dulden oder eben gar noch zu befördern) oder einer allgemeinen Gleichheit von MEnschen widersprucht bzw. im Weg steht.

Und ich schreibe das hier auch nicht aus dem theoretischen Elfenbeinturm. Ich gehöre zu der Art Linker (jetzt eher Ex-Linker), die trotz ihres Linksseins eine grundsätzlich positive patriotische und nationalistische Einstellung hatten und der auch naiv glaubte, dass das Grundproblem mit den Linken in dieser Hinsicht einfach sei, dass die nur Nazis und ihren verachtenswerten Rassismus und ihre Ausländerfeindlichkeit gewohnt sind. Deshalb hab ich mich auch sehr lange noch der SPD parteilich zugerechnet und gedacht, es müsse doch zusammengehen eine vernünftige Toleranz und Weltoffenheit, zugleich Heimatliebe und eine assimilierende Integration (weil wir ja niemanden grundsätzlich ausschließen) aber ich musste mit den Jahren und auch nach vielen Gesprächen mit anderen Linken einsehen, dass das völlig vergebene Liebesmüh ist. Auf Partei-Ortsebene und gerade unter mittelalten oder älteren Leuten, da findet man noch eine Einstellung wie bei Friedrich Ebert oder Helmut Schmidt (und man lese mal alte SPD-Reichstagsprotrokolle) da gab es eine völlige Selbstverständlichkeit von einem ethnischen Verständnis der Deutschen und eine selbstverständliche Vaterlandsliebe nur eben mit dem Anspruch, dass jemand der das will, eben Teil der Gemeinschaft werden kann, also eine Ablehnung von Nazismus und Rassistischem Ausschluss. Für uns war Linkssein Sozialpolitik im weitesten Sinne. Aber in meiner Generation und denen die noch jünger waren, findet sich davon kaum mehr etwas von diesen patriotischen Grundlagen und in der Partei und der Parteipolitik auch schon seit JAhren nichts mehr, dass ich 2014 kurz nach der Wahl und den Äußerungen der Parteispitze zu völlig vernünftigen Äußerungen der AfD zur Migration (und dem voran gingen diese unsägliche Wulffsche Islamdebatte und die Sarazin-Debatte als Spaltpunkte) und dem demonstrativen Hinterstellen der SPD hinter die Neuen Deutschen Organisationen und ähnliches Gelichter, die aktiv jede Form von Integration torpedieren und einfach nur Siedlungspolitik legitimieren, feststellen musste, dass es völlig sinnlos ist bei der Partei noch um Verständnis für das basale Überleben unseres Staates, unserer Kultur und unseres Volks zu suchen.

Ob wir also nun von "Verteidigung des Eigenen" oder "Ethnopluralismus" sprechen. Die Begriffe sind egal, weil die linke den dahinter stehenden Inhalt als falsch, nicht wünschenswert und auch moralisch falsch ablehnt.

Und im Hinblick auf die Ortsebene, wo die leute ähnlich gedacht haben wie ich, will ich sagen, dass es seinen Grund hat, warum der SPD in Scharen die Wähler und Mitglieder davon laufen. Und die die noch da sind, können sich des sozialen Stigmas nicht überwinden oder haben die gute Hoffnung irrigerweise immer noch nicht aufgegeben um jedes Jahrs auf neue enttäuscht zu werden.

Ich wünschte die Linken wären in der form gestrickt, wie ich seinerzeit gestrickt war und wären offen für Kompromisse, aber wer in Deutschland und dem deutschen Volk ein veraltetes, tendenziell rückfallgefährdetes und schuldbeladenes Relik sieht, dass in der postnationalen Gegenwart keinen Platz hat, wer einen Menschenzoo-Multikulturalismus für eine erstrebenswerte Vorstellung hält oder generell allem nationalen nur noch in Hass zugetan ist, da fehlt einfach jede Diskussionsgrundlage in der Breite.

Wir können als Neue Rechte hier nur Angebote machen, die die Linken, die sich primär für Sozialpolitik interessieren, aber auch heimatverliebt sind, eben auf der Sozialschiene mitabholen (und so den Übergang nicht derart erschweren, dass sie wählen müssen zwischen Sozialpolitik + Heimathass oder Neoliberalismus + Patriotismus) und natürlich gesprächsbereit sein. Aber die Linke ist in ihrer Sicht auf das Nationale, auf das Volkische inzwischen derart deformiert, dass ich da keine großen Hoffnungen mehr sehe.

Laurenz
22. Januar 2020 22:58

@Maiordomus ... vielen Dank für Ihre Beitrag an @zeitschnur. Satan ist das hebräische Wort für Widersacher gegen die Sache Jehovas. Satanisierung, eine anderes Wort für Polarisierung und Ausgrenzung findet in abrahamitischen Religionen, einschließlich des Marximus, grundsätzlich statt. Es ist das elementare politische Mittel. Aktuell sind wir satanisiert. Wer sich dessen bedient, das passiert auch Heiden, wird automatisch zum kreativen Erschaffer Satans. Die Linke hat die "Nazis" im Kopfe, nicht wir.
Pünktlich zu diesem Lichtmesz-Artikel erscheint auf Telepolis ein typisches Satans-Interview "Die neue Rechte und Marx" mit Konrad Lotter. https://www.heise.de/tp/features/Die-Neue-Rechte-und-Marx-4642960.html
Lotter fällt nichts besseres ein, als der Rechten zu unterstellen, sie erschaffe 24/7 ein politisches Konstrukt um zu verschleiern, daß wir nächtens heimlich mit mit dem Königs-Tiger aus der Scheune fahren und die Bismarck aus 4,5 KM Tiefe heben. Dies ist bei der Betrachtung von Heise's Telepolis-Seite wohl auch dem Fakt geschuldet, daß die dort behandelten Themen und Kritiken sich kaum von der rechten Szene unterscheiden. Da bleibt eben nur die 3.000 Jahre alte mosaische Diffamierung Nebukadnezars. Fast kann man Mitleid der der herunter gekommenen deutschen Linken empfinden, nicht mal mehr ein Schatten ihrer selbst. Die Überzeugungen sind dem stalinistischen Machterhalt gewichen, und jeden Tag ein neuer Verrat am "Proletariat".

Vera
22. Januar 2020 23:32

In Deutschland gibt es heute keine "Neue Rechte" (mehr), jedenfalls keine die mit der "Nouvelle Droite" Frankreichs vergleichbar wäre. Wer sich heute selbst als "Neue Rechte" etikettiert, ist doch vielmehr christlich-konservativ.

Gracchus
23. Januar 2020 01:56

Ich beobachte: Die Debatte franst ziemlich aus, was ich nicht als negativ betrachte, sondern mit @Laurenz als Ausdruck deutscher Vielfalt - weshalb die Losung ja vielleicht besser lautete: Verteidigung der eigenen Vielfalt oder Uneinigkeit -, darüber hinaus als deutschen Zug ins Ganzheitliche und Universalistische. Wenn sich moderne Gesellschaften durch die Autonomisierung ihrer Teilbereiche auszeichnen, wird die Frage, was diese Teile im Innersten zusammenhält, ob und wie diese Teile an das Ganze rückgebunden sind, ja, was dieses Ganze (=Heile) ist, prekär und bleibt letztlich unbeantwortbar. Eigentlich klafft dort eine Leere. M. E. bereitet das Unbehagen und Ratlosigkeit auf der Rechten.

Rückbindung heisst Religion, und deshalb geht es genuin um Religion. Auch wenn es um Wirtschaft geht: Zwar wird fast jedem klar sein, dass Wirtschaft nur nach ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten folgt, gleichzeitig scheint sich eine rein selbstzweckhafte Wirtschaft - Kapitalismus genannt - desaströs auf Mensch, Kultur und Natur auszuwirken. (Und der Nationalstaat wird vor allem als Sozialstaat verteidigt mit dem Argument, diese Auswirkungen abzufedern. Der Mythos von der Nation wird mit diesem Argument kaum wiederbelebt). Der Erfolg der Grünen rührt m. E. daher, dass sie nicht nur ein Parteiprogramm verkaufen, sondern einen Lebensstil, ein (pseudo-)ganzheitliches Lebenskonzept. Davon ist die AfD weit entfernt, die vorrangig als Protestpartei wahrgenommen wird; wofür sie positiv steht, kommt m. E. kaum zur Geltung. Die Grünen geben auch eine Antwort darauf, woran sich alle Teile rückzubinden haben, nämlich an die Natur. Das ist für Konservative kaum zu toppen, weil die Natur eben allgemeinverbindlich ist. Egal welcher Nation, welcher Religion, welchem Gender man sonst angehört. All inclusive.

Woran die Rückbindung aus rechter Sicht erfolgen soll? An die Nation? Das Volk? Den christlichen Gott? Ein Fantasieheidentum? Die Rasse? Die Tradition? Die Scholle?

RMH
23. Januar 2020 10:09

"Woran die Rückbindung aus rechter Sicht erfolgen soll? An die Nation? Das Volk? Den christlichen Gott? Ein Fantasieheidentum? Die Rasse? Die Tradition? Die Scholle?"

Vorrangig zunächst einmal ganz konkret an sich selber. Jeder steht in einer Traditionslinie und hat ggf. diese auch schon an Kinder, Enkel weiter gegeben. Das haben viele einfach vergessen oder sich im Alltag davon ablenken lassen. Der Verlust des "Eigenen" oder die Verteidigung es Eigenen ist nur in zweiter Linie kollektiv zu denken und eigentlich die konsequente Folge einer eigenen "Innenschau". Wie so oft: Jeder beginne zuallererst bei sich selber.

zeitschnur
23. Januar 2020 10:11

@ Maiordomus, @ Laurenz

Schade, ich hätte es wirklich lieber gelassen, beide nehmen Sie nicht das auf, wovon ich sprach,.
Mit de Maistre und seinem extremabsolutistischen Wahn (pardon, aber ich kann es nicht anders sehen) und der ewigen Leier von der bösen Wüstenreligion andererseits hab ich es ja nicht. De Maistre nannte einfach das, was seine hierarchische Weltsicht in Frage stellte, satanisch. Also: was seinen Meinungen widersprach war bösartig. Das ist eine manichäische Sicht auf die Welt und erzeugt tatsächlich den satan erst noch ... Aber auch @ Laurenz ist nihts anderes als ein "Manichäischer" mit seiner Sicht auf die "abrahamitische" Weltkatastrophe, ohne die offenbar alles in bester Butter wäre, und hat mehr Satanskonstrukt in sich als das, was ich meinte.
Ich meinte die Verfangenheit und Bindung der Welt an einen destruktiven Machtwahn, dem täglich wachsende Menschenopfer gebracht werden, stets im Impetus, Gott oder gott-losen Wahngebilden, die man an dessen Stelle setzt, einen Gefallen zu tun. Die Verfangenheit betrifft alle und es gibt keine Welt jenseits dieser Problematik in diesem Äon.
Und, @ Maiordomus, wie kommen Sie denn drauf, dass mein erstes Anliegen ist, irgendwo leicht mit etwas "durchzukommen"?! Genau das nicht! Haben Sie nicht verstanden, was ich schrieb? Wer so denkt, ist doch im selben Moment noch zum Sklaven geworden, dem man heute vielleicht zuhört und morgen einen Tritt gibt. Ich sprach von der Ohnmacht Christi und dem gewöhnlichen Machtwillen, die immer aus einer anderen Quelle kommt, nennen Sie es doch, wie Sie wollen, es ändert nichts an der Substanz. Und Sand schütte ich den andern auch nicht gern in die Augen.
Was Sie mit Exorzismus ausdrücken wollten, kann ich zumindest meinem Beitrag und seiner Intention nicht zuordnen, möchte sie aber darauf hinweisen, dass die alte kirchliche Vorstellung davon einerseits "lediglich" die Absage an die bisherige Zugehörigkeit zum Reich des "Fürsten der Welt" (zB bei der Taufe, der Firmung, auch bei der Erstkommunion, kollektiv in der Osternacht etc.), auch die letzte Vaterunserbitte gehört dazu ("Erlöse uns von dem Bösen"/"Libera nos a malo"). Wenn Jesus das als festen Bestandteil rechten Betens gelehrt hat, sollte es damit schon was auf sich haben. Er selbst und die Apostel haben nach dem NT "unreine Geister" (nicht den Satan!) ausgetrieben bei Besessenen. Das sind Vorgänge einer persönlichen Befreiung Leidender, nicht allgemeine oder womöglich politisch aufgebrezelte Austreibungen.
Mit allem Hokuspokus in traditionalistischen Kreisen, die in jedem, der nicht spurt, gerne schnell einen Besessenen sehen, die den anderen dämonisiert, hab ich nichts zu schaffen und auch kein Interesse, irgendwelche Debatten darüber zu eröffnen.

Der Gehenkte
23. Januar 2020 10:37

@ Lichtmesz

"Inwiefern lassen sich diese Kritikpunkte auf die heutige "Neue Rechte" im deutschsprachigen Raum anwenden? Was für Lücken, Schwächen, Möglichkeiten und unbeackerte Felder sehen Sie? Ich bin auf eine Diskussion gespannt."

Nun, zu Ende der Diskussion, würde mich brennend Lichtmesz' Fazit interessieren? Wurde Ihre Neugierde befriedigt? Haben Sie etwas gelernt, etwas Neues, Spannendes, Originelles erfahren? Wenn ja, was? Wenn nein, warum nicht? ...

Imagine
23. Januar 2020 12:12

@nigromontanus 20. Januar 2020 20:18
„Gramsci dürfte hier eher von der marxistischen Dialektik ausgehen, nach der politische Revolutionen sich als geschichtliche Notwendigkeiten immer dann ereignen, wenn dieser bereits eine substanzielle Gesellschaftsveränderung VORAUSGEGANGEN ist…“

So ist es.

Marx und Engels verstehen sich als Begründer des „wissenschaftlichen Sozialismus“ und grenzen sich damit von den sozialistischen Utopisten ab.

Was bedeutet dies?

Marx und Engels wollen keinen „neuen Menschen schaffen“, sie wollen auch keine „neue Gesellschaft“ erfinden und konstruieren, sondern sie analysieren den realen gesellschaftlichen Fortschritt, der gewissermaßen embryonal bereits vorhanden ist und dem sie zum allgemeinen Durchbruch verhelfen wollen.

Marx beschreibt die Rolle der Revolutionäre als „Geburtshelfer“ (https://marx-forum.de/marx-lexikon/lexikon_k/kommunist.html).

Das soll an einem konkreten Beispiel erläutert werden:
Im Kapitalismus werden der Ersatz menschlicher Arbeit durch Maschinen – also Roboterisierung und Automatisierung – zum Problem für die Mehrheit der Bevölkerung. Denn Lohnarbeiter werden massenhaft arbeitslos und ihre Reallöhne sinken ständig Kleine und mittlere Unternehmen gehen Bankrott, weil sie nicht mithalten können.

Aufgabe der Kommunisten ist nach Marx, die arbeitenden Massen aufzuklären über die Möglichkeiten eines allgemeinen gesellschaftlichen Fortschritts mit Zugewinn an individueller Freiheit sowie an materiellem Wohlstand.

Diese Aufklärung ist notwendig, da das Bewusstsein der Massen noch im alten System gefangen ist. Da sind sie hineinsozialisiert worden und die meisten Menschen können nicht über das internalisierte System hinausdenken. Die können sich ein neues ökonomisches System und dessen Funktionieren nicht vorstellen.

Marx:
„Es ist Aufgabe der Internationalen Arbeiterassoziation, die spontanen Bewegungen der Arbeiterklasse zu vereinigen und zu verallgemeinern, doch nicht, ihnen irgendein doktrinäres System zu diktieren oder aufzudrängen.“
Quelle: MEW 16, S. 195, 1866

Marx:
„Eine Gesellschaftsformation geht nie unter, bevor alle Produktivkräfte entwickelt sind, für die sie weit genug ist, und neue höhere Produktionsverhältnisse treten nie an die Stelle, bevor die materiellen Existenzbedingungen derselben im Schoß der alten Gesellschaft selbst ausgebrütet worden sind. Daher stellt sich die Menschheit immer nur Aufgaben, die sie lösen kann, denn genauer betrachtet wird sich stets finden, daß die Aufgabe selbst nur entspringt, wo die materiellen Bedingungen ihrer Lösung schon vorhanden oder wenigstens im Prozeß ihres Werdens begriffen sind.“
Quelle: Zur Kritik der Politischen Ökonomie. Vorwort, 1859, MEW 13, S. 9

Freiheit ist für Marx vor allem Befreiung von der Arbeit. Arbeit wird hier verstanden als „Zwangsarbeit“, also als notwendige und nicht selbstbestimmte Tätigkeit. Das ist im Kapitalismus vor allem die fremdbestimmte Lohnarbeit.

Marx:
„Das Reich der Freiheit beginnt in der Tat erst da, wo das Arbeiten, das durch Not und äußere Zweckmäßigkeit bestimmt ist, aufhört.“
Quelle: Das Kapital, (3 Bände), 1867-1894. III. Band: Der Gesamtprozeß der kapitalistischen Produktion. VII. Die Revenuen und ihre Quellen

Erstes Ziel von echten Sozialisten ist die weitgehende Befreiung der lohnarbeitenden Individuen vom Zwang zur Arbeit durch die Reduzierung der Arbeitszeit. Technisch wäre es schon längst möglich, in einem postkapitalistischem (sozialistischen) System den allgemeinen Lebensstandard mit einer Wochenarbeitszeit von 10 Stunden aufrechtzuerhalten.

„Der herausragende deutsche Ökonom Oswald von Nell-Breuning forderte schon in den 1960er Jahren die 10-Stunden-Woche als er schrieb: ‚Auch die heutigen Schritte sind nicht kampflos vor sich gegangen. Aber ich denke nicht an die 35-Stunden-Woche, auch nicht an die 24-Stunden-Woche. Ich denke an eine viel weiter gehende Arbeitszeitverkürzung. Ich stelle mir vor, daß wir dahin kommen werden, daß zur Deckung des gesamten Bedarfs an produzierten Konsumgütern ein Tag in der Woche mehr als ausreicht.‘“ (Prof. Heinz-J. Bontrup, Ökonom)

Leute wie Bosselmann, die in der DDR sozialisiert wurden, begreifen regelmäßig nicht, dass sie ein völlig falsches Verständnis von Marx haben.

Der Marxismus-Leninismus war und ist eine völlig verdrehte Marxsche Theorie, nämlich eine Staats- und Herrschaftsideologie, eine Sklavenhalterideologie im Rahmen einer Partei- und Funktionärsherrschaft.

Das ist ähnlich wie beim Kirchenchristentum, das eine Herrschaftsideologie ist und die Menschen zu Sklaven von Kirche und Religion macht. Mit der emanzipatorischen Lehre von Jesus hat dies nichts gemein – im Gegenteil (vgl. @zeitschnur).

Laurenz
23. Januar 2020 12:46

@Vera ... wer kann!! das schon wissen, aus was die Mosaik-Rechte besteht. Unser Konservatismus ist im Prinzip jünger als die Bolschewistische Revolution in Rußland, womit sich der Begriff des Konservierens fast von selbst aufhebt.

@Gracchus & RMH ... Sie kennen doch meinen Spruch "Wenn die Nachbars-Hecke bedrohlicher ist, als ein italienischer (nun französisch krimineller) Diktator zu Frankfurt am Main, geht es meinem Michel noch zu gut". Solche Nachbarschafts-Streitigkeiten beschäftigen im exorbitanten Ausmaß unsere Justiz-Behörden. Wir sind so deutsch, wie eh und je. Hier kristallisiert sich der größte Nachteil föderaler Gesellschaften, wie Indianer, Kelten, Hellenen oder Germanen. Man schaute von weitem zu wie ein Stamm nach dem anderen von einer gewaltigen Invasions-Großmacht zerlegt wurde, und dachte sich, ist ja nicht mein Problem, betrifft ja nicht mich. Die einzige föderale Gesellschaft, die das erkannte, Maßnahmen traf, ohne den Föderalismus aufzugeben, waren unsere vor-napoleonischen eidgenössischen Freunde. Das ganze wirkt bei uns auch heute noch. Gerne übernimmt der Deutsche das ganze pseudo-humanistische Gequatsche der Nationalen Einheitsfront 2.0, Lippenbekenntnisse, solange es einen selbst nicht betrifft und nur die anderen.

@zeitschnur .... Sie täuschen Sich wieder einmal. Ich als Heide lehne den Humanismus ab, welcher kurz formuliert, besagt, daß der Mensch im Grunde gut sei, was einen kulturell christlichen Polarisierungs-Faktor darstellt. Das entspricht nicht den Fakten, weder wissenschaftlich noch spirituell. Ich akzeptiere den völlig neutralen Fakt, daß wir Prädatoren und Primaten sind, die in einer sozialen Struktur leben, ähnlich anderen Primaten, Meeressäugern oder Löwen. Spirituell sind wir organische Miniatur-Spiegelbilder des Universums, welches ebenso prädatorisch agiert. Abrahamitische Religionen bedeuten spirituell kosmische Fremdbestimmung, ohne daß ich darauf öffentlich näher eingehen möchte, sie entmenschlichen uns und unseren Geist. Desgleichen gilt dem Humanismus, wie der Marxismus eine säkulare Form des Abrahamitismus. Beides schwächt in erster Linie diejenigen, die daran glauben und verhindert jegliche menschliche Evolution. Hier liegt die Publikation von Dieter Stein https://jungefreiheit.de/kultur/gesellschaft/2017/studie-schwache-maenner-lieben-sozialismus/

fast richtig. Nicht, daß die Studie falsch sei, aber es betrifft vielmehr die Frauen als die Männer. Frauen beabsichtigen, wenn, Evolution. Der Abrahamatismus nimmt ihnen diesen Willen.

heinrichbrueck
23. Januar 2020 13:28

Die Dinge sind durcheinandergeraten, wenn plötzlich Jahrtausende eine Rolle spielen. Wer von einem Ausgangspunkt loszieht, ein Ziel hat, muß die Dinge aber so sehen, will er Erfolg haben, wie sie sind. Die NWO ist satanisch, wird sie zu ihrem Endpunkt durchgesetzt. Nur weil jetzt Dinge gleichgesetzt werden, wie Judentum und Christentum, sind sie es noch lange nicht. AT und NT hätten nie zwischen zwei Buchdeckel gehört, man hätte sie getrennt drucken sollen. Der Koran ist auch in einem anderen Buch.
Machtwahn. Mir ist schon klar, es gibt eine Fraktion hier, die keine Gewehre in ihre Pläne einbauen möchte. Der Widerstand soll geistiger Natur sein. Welche Kräfte herrschen, was noch alles auf der Aufgabenliste dieser Leute steht, wurde es verstanden? Die „demographische Entwicklung“ (es ist keine Entwicklung) soll schließlich umgedreht werden.
Eigengesetzlichkeit in Sachen Globalökonomie. Warum werden diese Gesetze anerkannt? Was mit Sellner in Bankenangelegenheiten durchgezogen wird, kann mit ganzen Volkswirtschaften gemacht werden. Entwickelt die Eigengesetzlichkeit einen Machtwahn?
Rassismus als Kampfbegriff. Eines dieser Beispiele der Matrixwissenschaft, wobei es unzählige davon gibt, die ihre Ablenkungsgefechte innerhalb des Systems stattfinden lassen. Dabei ist dieses Wort nur ein Terminus für den Selbsterhaltungstrieb Weißer.
Zuwanderung. Wir hätten noch nie eine solche Lüge gebraucht. Wer sich im oberen Intelligenzbereich mit den unteren vermischt, verliert immer. Ästhetik und Spiritualität werden ausgelöscht. Und darum geht es. Die Realität zeigt uns den Ablauf der Dinge. Wer diese Realität durchsetzen kann, hat Macht. Wie es gemacht wird, ist eine andere Frage. Was aber erforscht wurde, und ziemlich gründlich, sind die Gehirne als Manipulationswerkzeuge.
Die Wahrheit ist, die richtigen Diskussionen haben noch gar nicht angefangen.
@ Maiordomus / Exorzismus. Mußte an Schnellroda denken, von dem ich auch schon dachte: Exorzismuszentrum der Nation usw.

Laurenz
23. Januar 2020 17:20

@heinrichbrueck .... das Neue Testament regelt, wie der Quran, vergleichsweise zum Alten Testament, wenig. Der Grund hierfür ist, daß jeder Wüstenbewohner der Region Naher Osten und Mittlerer Osten die Gesetze kannte, und grundsätzlich von ihnen ausging, auch Jesus. Jesus forderte vielmehr die Einhaltung der Gesetze von den kollaborierenden Elis ein. Wir finden nur dort abweichende "christliche" Regeln, wo der politische Zeitgeist und die eigene Propaganda-Abteilung es als erforderlich ansah. Und es gibt so gut wie keine Anhaltspunkte dafür, daß Jesus beabsichtigte, eine neue Welt-Religion zu gründen oder dem Judentum zu entsagen. Auch wurden beide Bücher, AT und NT innerhalb von 500 Jahren geschrieben, was seinerzeit nicht gerade epochale Veränderungen zugrunde legte. Man kann die Zeit von Luther bis jetzt nicht als Vergleich einer Entwicklung zugrunde legen.
Von daher kann ich Ihnen, als Ungläubiger, rückmelden, daß sich beide Werke, AT und NT, inhaltlich nichts geben. Auch der Quran trägt nichts Neues in sich, außer, daß andere Stämme nun das Sagen haben, weil nun derselbe Gott sie beauftragt hat. Orthodoxe Juden sehen Rückschläge in ihrer Geschichte übrigens als Mißfallen ihres Gottes an ihnen selbst an. Von mir aus, können Sie also den Quran und Das Kapital auch noch zu den 2 Testamentarischen Büchern dazupacken. paßt scho.
Und worauf ich Sie noch hinweisen möchte, für die NWO sind wir Satan, insoweit wir überhaupt registriert werden. Ideologisch zu polarisieren, so wie Sie es tun, bringt uns also nicht weiter. Die NWO hat mehr Medien als wir zur Verfügung. Ich bin eher dafür, nicht registriert zu werden.

Nemesis
23. Januar 2020 18:40

Es waren die Araber (Mauren), die die Mosaikkunst wieder nach Europa brachten.

@Gotlandfahrer
:))

AlexSedlmayr
23. Januar 2020 19:41

@Laurenz
"Das ganze wirkt bei uns auch heute noch. Gerne übernimmt der Deutsche das ganze pseudo-humanistische Gequatsche der Nationalen Einheitsfront 2.0, Lippenbekenntnisse, solange es einen selbst nicht betrifft und nur die anderen."

Den Punkt will ich nur mit einer gewissen Zustimmung würdigen, ich weis nicht ob sie das so gemeint haben, aber die Aussage wie sie steht, spricht doch etwas an, dass mir vorhin in einer dieser fruchtlosen Social Media Diskussion wieder stark aufgefallen ist:

Ein einziger kleiner Spaltpunkt der von der reinen Lehre abweicht und schon wird Leuten das Konservativsein abgesprochen (bzw. es werden Leute direkt davon ausgeschlossen, weil sie so oder so sind), die AfD als eine liberale Witzpartei bezeichnet (und implizit auch klar gemacht, dass man offenbar in der Form einer liberal-bürgerlich-nationalen Partei nicht zusammenarbeiten kann) und der Liberalismus vulgär ohne konkret zu benennen welche Form davon oder welche Denkweisen etc. als ein Feindbild aufgefasst, zwischen dem und einem Neurechten offenbar ein gewaltiger Graben klaffen muss. Und verlangen dann Unterordnung nicht unter die Sache sondern unter den eigenen doktrinären Standpunkt, denn um die Frage einer rechten politischen Machtübernahme oder die Schicksalsfrage der Demographie ging es dabei nicht.

Gleichzeitig erwartet man von den so beschimpften oder explizit ausgegrenzten, sie mögen sich dann trotzdem bitte loyal in die Einheitsfront fügen und sich an dem Bepöbeln nicht stören.

Wie marxistische Sekten auf der Linken, die sich seit Jahren über die eigenen moralischen und wirtschaftlichen theoretischen Grundlagen zerstreiten, sich aber wundern, warum keine Einheitsfront für die herbeigesehnte proletatorische Revolution zusammenkommt.

HomoFaber
23. Januar 2020 22:56

Es liegt nahe, daß die Probleme der Metapolitik auch auf die Neue Rechte im deutschsprachigen Raum zutreffen.
Nicht wegen der metapolitischen Arbeit an sich, sondern wegen der aktuell mangelnden Attraktivität rechter Inhalte. Auf die notwendige politische Konstituierung der Neuen Rechten besinnt sich die breite Masse demnach erst, wenn es richtig weh tut (möglichst physisch). Nicht aber weil die metapolitische Prophylaxe so gut gewirkt hätte.

heinrichbrueck
24. Januar 2020 00:42

@ Laurenz
„Ich bin eher dafür, nicht registriert zu werden.“
Darüber kann man auch schmunzeln. Seit wann wollen die tapferen Heiden nicht mehr registriert werden? Ein echter Germane, Teutone, Teutoburger Waldkämpfer, hätte in seiner Einstellung mindestens gewollt, wennschon nicht erschossen, wenigstens angeschossen zu werden, aber er hätte bestimmt nicht gewollt, nicht mehr registriert zu werden. Wie harmlos.
Die Religionsbücher regeln also wenig, vergleichsweise. Als würde die Software in einer Hardware auch nichts regeln, was ich nicht glauben kann. Solche ideologischen Steuerungspotentiale sind nicht grundlos ausformuliert worden. Nehmen sie einmal diesen Schulstreik für das Klima, FFF Kinder als globale soziale Bewegung, um effiziente Klimaschutzmaßnahmen einzufordern. Was wissen diese Kids von der realen Welt? In der realen Welt, nach ihrer Ausbildung, wenn sie im Berufsleben stehen, die Steuern höher und das Leben kostspieliger geworden ist, werden sie sehen können, was die Wirkung sein sollte. Ein Abwrackverständnis des Eigenen, gefordert und umgesetzt wurde. Diese Kinder tragen keine Schuld, aber so wird Zustimmung erreicht; so werden auch Erwachsene manipuliert. Und deshalb auch die Wichtigkeit der Software. Wenn deutsche Firmen zerlegt werden sollen, dann muß der Plan schon etwas ausgefuchster sein, sonst könnte der Schuldige mühelos nachgewiesen werden. Für die Mehrheit muß die Information klar sein. Die Firmen sind selber schuld, warum auch immer. Diese Wahrheit kommt so ins Geschichtsbuch. Im Mittelpunkt des Geschehens - nicht registriert werden?

Laurenz
24. Januar 2020 01:28

@AlexSedlmayr ,,, die Linke von CDU/CSU bis die Partei Die Linke sind sich doch meist einig. Daß mancher versucht, sich wahltechnisch von anderen abzuheben, sorgt dafür, daß wie im Falle Wagenknecht oder in militärischen Fragen, die Partei Die Linke rechts von uns wieder rauskommt, aber das braucht man in der Gesamtbetrachtung nicht so eng sehen.

Auf unserer Seite, also rechts, funktionieren wir nur, wenn wir Kompromisse intern eingehen. Der von Herrn Lichtmesz benannte Burgfrieden zwischen Heiden, (Atheisten) und Christen basiert auf derselben Schiene. Historisch sind Heiden natürlich am meisten konservativ, weil wir die älteste Weltanschauung stellen, auch räumen wir den Frauen einen größeren Freiraum ein, der durch unsere militärischen Niederlagen dann von den jüngeren konservativen Christen eingeschränkt wurde. Atheisten nehmen die jüngste Weltanschauung ein und sind am wenigstens konservativ.
Warum ich außerhalb historischer Weltanschauungen, den Konservatismus hinter die bolschewistische Revolution stellte, war hier auf die Staatsform oder auf den Begriff der Nation bezogen. Ich gehe davon aus, daß keiner oder zumindest die wenigsten von uns ein feudales Konstrukt wünschen, eben grundsätzlich keinen Despotismus. Mutmaßlich wünschen die meisten von uns einen Bürger beteiligenden Staat.

Gracchus
24. Januar 2020 01:54

Oh je ... @Laurenz wieder in Fahrt ... und es bleibt kein Auge trocken ...

Wie geht noch die 3-Hügel-Theorie?

Ich begrüße, dass @zeitschnur Jerusalem stark macht. Was in dem von einem Foristen geposteten Heinrich Heine-Zitat gesagt ist - dass die Romantiker nach dem Heidentum suchten -, kann ich, ob das nun auf die Romantiker zutrifft oder nicht (ich glaube eher nicht) sogar verstehen, ich kenne solche Gelüste selber. Für mich hat das aber etwas Regressives: Die Rückkehr in ein magisch-mythisches Weltbild - gegen die moderne, kalte, entzaubernde Rationalität. Dieser Weg ist aber versperrt. Gleichzeitig ist das rationale Weltbild oder Bewusstsein ebenfalls nicht das letzte Wort, sondern entwickelt sich weiter - hin zum Mystischen, meine grobe Theorie, wo das Magisch-Mythische verwandelt und dadurch gereinigt (etwa von Angst) wiederkehrt. Dieser Schritt kann aber nur in menschlicher Freiheit geschehen. Das hat Rudolf Steiner, meine ich, gesehen und richtig gesehen. Unsere katholischen Reaktionäre lehnen die menschliche Freiheit ab; der Mensch ist so verdorben, dass er seine Freiheit nur missbrauchen kann, deshalb muss er geknechtet werden. Dass das mit dem Glauben an unseren lieben Herrn Jesus Christus recht wenig, mit Machtwahn aber umso mehr zu tun hat, sieht @zeitschnur richtig.

In meinem Bibel-Glossar steht, die Bezeichnung Satan komme aus dem jüdischen Rechtswesen und bedeute Ankläger, vulgo Staatsanwalt. Damit ist klar, wessen Arbeit unsere Reaktionäre verrichten, indem sie von Morgens bis Abends den und die Menschen verklagen. Gut, meinetwegen, irgendwer muss es ja tun. Der Paraklet, der Hl. Geist - so steht ebenfalls in dem Glossar - ist hingegen der Beistand, der Anwalt.

Franz Bettinger
24. Januar 2020 05:02

@Zeitschnur aber auch andere (Philosophen, Theologen, Geisteswissenschaftler). „Haben Sie nicht verstanden, was ich schrieb?“ lautet der häufigste Satz unserer Mitstreiterin gegen den Zeitgeist. Nein, verehrte Frau @Zeitschnur (aber auch andere). Viele verstehen nicht, was Sie schreiben. Das ist kein Wunder, denn welcher normale Akademiker fliegt so mühelos durch den blauen Äther wie Sie? Ja, vielleicht noch der Tausendfüßler Maiordomus? (No harm intended, lieber Meister!) Es sind wahrlich narkotisierende Äther, und "es gibt keine Welt jenseits dieser Problematik in diesem Äon“ wo Gnosis und Manischäismus ihr Wesen treiben und ohne Echatologie keiner heil heraus kommt. Wissen Sie, was das Gemeinsame an vielen Ihrer Begriffen ist? Kein Mensch versteht sie. Nicht mal, wer die Wikiblödia befrägt, wird schlauer. Warum also traktieren sie uns mit solchen Wortungeheuern? Sind sie nicht in der Lage, verständlich zu schreiben? Könnte es sein, dass hinter dem Zitaten- und Wörter-Hokuspokus gar keine tiefere Substanz steckt und ohne verbale Dornenhecke ihre Gedankengebäuden in sich zusammenbrechen und die Ätherische dann nackt vor dem Publikum stände? Sie und andere leer Gelehrte mögen dem einfachen Schreiber, vom Leser gar nicht zu reden, geistig moralisch ja haushoch überlegen sein, aber was soll's? Sie schreiben doch nicht für sich selbst, sondern hoffentlich für uns.

Andrenio
24. Januar 2020 07:22

Ich möchte kurz vom EF-Kongress in Usedom berichten, den meines Wissens nach Martin Lichtmesz u d Ellen Kositza schon mal besucht haben:
Hört man die Referenten, denkt man spontan, dass zwischen den libertären Kreisen und der Mosaikrechten kein grosser Abstand besteht.
Fragt man aber nach der Möglichkeit eines Arbeitstreffens oder Kongress, der von den besten Exponenten beider Seiten beschickt werden könnte, kommen ablehnende Antworten.
Die drohenden Gefahren scheinen demnach nicht als so gross wahrgenommen zu werden, als dass man den Rückenschluss suchen würde. Es muss wohl erst richtig schlimm werden, ehe es vielleicht irgendwann besser wird.

limes
24. Januar 2020 09:51

Die ganze Zeit habe ich gezögert, ihn zur Sprache zu bringen, weil ich hoffte, dass andere ihn zu diesem Thema des rechten Selbstverständnisses aufgreifen würden: den geheimnisvollen »Eid des 20. Juli«. Kaum etwas ist darüber im Internet zu finden. Es gibt einen Facebook-Eintrag der JF aus dem Jahr 2014, in dem der Eid wiedergegeben wird. Und es gibt eine Ansprache aus dem Jahr 1964, die auf die Existenz des Eides verweist, ohne ihn zu zitieren:

https://www.stiftung-20-juli-1944.de/reden/es-galt-dies-volk-aus-der-knechtung-ins-unrecht-zu-befreien-dr-eberhard-zeller-14071964

Ich zitiere also gemäß FB-Eintrag der JF. Die Männer des Widerstandes um von Stauffenberg formulierten in dem Eid das Leitbild der neuen Ordnung, die sie erstrebten:

»Wir glauben an die Zukunft der Deutschen.
Wir wissen im Deutschen Kräfte, die ihn berufen, die Gemeinschaft der abendländischen Völker zu schönerem Leben zu führen.
Wir bekennen uns im Geist und in der Tat zu den großen Überlieferungen unseres Volkes, das durch die Verschmelzung hellenischer und christlicher Ursprünge in germanischem Wesen das abendländische Menschentum schuf.
Wir wollen eine Neue Ordnung, die alle Deutschen zu Trägern des Staates macht und ihnen Recht und Gerechtigkeit verbürgt, verachten aber die Gleichheitslüge und beugen uns vor den naturgegebenen Rängen.
Wir wollen ein Volk, das in der Erde der Heimat verwurzelt den natürlichen Mächten nahe bleibt, das im Wirken in den gegebenen Lebenskreisen sein Glück und sein Genüge findet und in freiem Stolze die niederen Triebe des Neides und der Mißgunst überwindet.
Wir wollen Führende, die aus allen Schichten des Volkes wachsen, verbunden mit den göttlichen Mächten, durch großen Sinn, Zucht und Opfer den anderen vorangehen.
Wir verbinden uns zu einer untrennbaren Gemeinschaft, die durch Haltung und Tun der Neuen Ordnung dient und den künftigen Führern die Kämpfer bildet, derer sie bedürfen.
Wir geloben untadelig zu leben, im Gehorsam zu dienen, unverbrüchlich zu schweigen, und füreinander einzustehen.«

https://de-de.facebook.com/jungefreiheit/posts/der-eid-des-20-juliwir-glauben-an-die-zukunft-der-deutschenwir-wissen-im-deutsch/10152986837079942/

Imagine
24. Januar 2020 10:50

@AlexSedlmayr 23. Januar 2020 19:41
„Wie marxistische Sekten auf der Linken, die sich seit Jahren über die eigenen moralischen und wirtschaftlichen theoretischen Grundlagen zerstreiten, sich aber wundern, warum keine Einheitsfront für die herbeigesehnte proletatorische Revolution zusammenkommt.“

Es gibt sie noch, diese marxistisch-leninistischen und trotzkistischen Sekten, die nach wie vor an den Mythos einer proletarischen Revolution glauben, obwohl die revolutionäre Arbeiterbewegung schon vor einem Jahrhundert gescheitert und danach untergegangen ist.

Die Annahme, die Lohnarbeiterklasse sei ein potentiell revolutionäres Subjekt, hat sich historisch als Irrtum herausgestellt und damit auch die Marxsche Revolutionstheorie.

Träger einer sozialen Revolution kann – wie Adorno betonte - nur eine Klasse mit dem historisch höchsten Bewusstsein sein, wie es das revolutionäre Bürgertum im 18. und 19. Jahrhundert darstellte, das jedoch in Deutschland immer politisch zu schwach war und daher Deutschland immer ein politisch rückständiges und zur bürgerlichen Revolution unfähiges Land war und nach wie vor ist.

So stellen im Westen die marxistisch-leninistischen und trotzkistischen Sekten ein aus der Zeit gefallenes soziales Phänomen dar, bewusstseinsmäßig antiquiert, gesellschaftlich völlig marginalisiert und politisch irrelevant, weil ohne fortschrittliche intellektuelle Wirkmacht und daher ohne Zukunft.

Die Industriearbeiterklasse ist eine untergehende Klasse, weil die menschliche Industriearbeit immer mehr durch Maschinen – also durch Roboterisierung und Automatisierung – ersetzt wird.

Man kann die Entstehung der rechten Bewegung als Reaktion des durch Revolution bedrohten vermögenden Establishments mit den kleinbürgerlichen Massen als sozialem Träger interpretieren.

Die rechte Bewegung nach dem Ersten Weltkrieg war konterrevolutionär ausgerichtet gegen eine kommunistische Massenbewegung mit dem Ziel der Errichtung einer „Diktatur des Proletariats“.

Heute stellt die Rechte eher eine kulturelle Opposition gegen die gesellschaftlichen Veränderungen in der sog. 68-er-Zeit dar. Wobei damals die 68-er-Linke eher die Funktion eines Katalysators besaß, der von den mächtigen Kräften im Establishment zum kapitalistischen Systemerhalt sowie zum neoliberalen Systemwandel instrumentalisiert wurde.

Die revoltierenden Intelligenzschichten von damals wurden zu einem erheblichen Teil zum links-grünen, konformistischen und systemerhaltenden Establishment. Man denke an Personen wie Gerd Schröder, Joschka Fischer, Daniel Cohn-Bendit, Winfried Kretschmann usw. usf.

Diese sozialdemokratischen und links-grünen 68-er-Konvertiten sind – systemisch betrachtet – in gewisser Hinsicht das Pendant zur französischen „Nouvelle droite“. Sie selbst verstehen sich zwar als „anti-revolutionär“, aber nicht als „konservativ“, sondern im Gegenteil als „Modernisierer“.

Ein anderer Teil der 68-er-Konvertiten schloss sich der alten deutschen Rechten und ihren Organisationsstrukturen, wie der NPD, an. So z.B. Horst Mahler und der „Nationalmarxist“ Reinhold Oberlercher.

Wenn man die Rechten als reaktionäre Gegenstruktur zur systemrevolutionären kommunistischen Arbeiterbewegung ansieht, so ist diese heute ein Anachronismus, denn die kommunistische Arbeiterbewegung ist in Europa sowie in Nord- und Südamerika spätestens mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion historisch untergegangen. Das gleiche gilt für die systemrevolutionäre, globale 68-er-Bewegung. Die hat Mitte der 70-er Jahre eine Totalniederlage erlitten und existiert seitdem als soziale Bewegung nicht mehr.

Was heute unter dem Etikett „links“ politisch aktiv ist, hat mit den 68-er-Linken nichts gemein. Das sind systemtragende, „konformistische“ Akteure, denen es primär um ihren persönlichen Aufstieg geht und die keinerlei sozialrevolutionäre oder sozialistische Zielsetzungen noch ernsthaft verfolgen. Das gilt m.E. auch für die „linke Diva“ Sahra Wagenknecht.

Mit dem Verschwinden jeglicher über politisches Machtpotential verfügender sozialrevolutionärer Bewegung ist auch ihr Gegenstück – die reaktionäre Rechten – historisch obsolet geworden.

Wie die marxistisch-leninistischen und trotzkistischen Sekten stellen die völkischen Rechten ein aus der Zeit gefallenes soziales Phänomen dar, bewusstseinsmäßig antiquiert, gesellschaftlich völlig marginalisiert und politisch irrelevant, weil sie – anders als die Rechten in der Weimarer Republik und zur 68-er-Zeit - keine Unterstützung durch das herrschende Establishment erhalten und daher nicht über politische Wirkmacht verfügen. Sondern sie werden im Gegenteil vom Establishment bekämpft.

Wie die marxistisch-leninistischen und trotzkistischen Sektierer sind m.E. daher auch die Rechten ohne Zukunft.

zeitschnur
24. Januar 2020 10:53

@ Franz Bettinger

Welches "Eigene" wollen Sie bei einer solchen Antwort "retten", die mich und den" Tausenfüßler" als verschraubte Sonderlinge abtun, die wir wahrscheinlich tausendmal mehr in diesen "eigenen" Traditionen stehen als all die anderen zusammen, die Sie als begriffsstutzig darstellen (ob sie es sind, wäre erst noch zu klären, denn immerhin antworten einige einige hier ja sehr klug und belesen)?
Ich schreibe sogar sehr verständlich. natürlich nur dem, der eine gewisse Lesekompetenz schon mitbringt. Für meine Katze schreibe ich natürlich unverständlich. Aber nicht jeder, der etwas nicht versteht, sollte meinen, dass das am Schreibenden liegt. Man könnte dann zB nachfragen: "Wie hast du dies oder jenes gemeint?" Aber nein, diese unverständige Leserschaft hält sich für das Maß der Dinge und lässt sich förmlich ungebremst durch Triggerwörter Knöpfe drücken und geht sofort unsachlich ab wie eine Rakete, ganz wie man es aus linksgrünen Kreisen kennt. das sind Zeichen der Manipuliertheit, lieber Bettinger, bedenken Sie das: ein freier Mensch hört sich das gelassen an und kontert mit Argumenten in der Sache - Sie sind wieder mal ganz im ad hominem-Modus gelandet.
Diese Reaktion käme aber nicht, wenn solche Leser nicht auf der Instinktebene sehr wohl verstanden hätten, was gesagt wurde. Jeder weiß von sich selbst, dass er immer nur dann ad personam reagiert, wenn er getroffen ist. Ich kenne das auch von mir, aber ich möchte es auch aufrichtig eingestehen und möglichst unterlassen.
Ein wenig Bildung und geistige Offenheit - ich meine abendländische Bildung und Geistesoffenheit, also sehr "eigen" - kann niemandem schaden, auch nicht den Patrioten. Sie wissen ja nicht einmal mehr, dass der klassische Äther der Elementelehren nicht blau ist, sondern per definitionem sinnlich nicht wahrnehmbar... Und der alte Spruch "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr" schlägt auch zu Buche beim Nachschlagen von geläufigen Begriffen. Auch das hätte Schulung und fundierte Bildungswege, die Zeit brauchen, erfordert. Ein bisschen Demut kann auch nicht schaden, by the way, nicht alle Kultur dieser Welt lässt sich in Blocküberschriftenformat bringen. Man kann auch einmal eingestehen, dass man nicht alles gut kann und anerkennen, dass andere es können, vielleicht auch schlicht deswegen, weil es ihre Profession ist, weil sie sich darin lebenslang geübt haben, während man selbst sich anderen Dingen gewidmet hat.

Laurenz
24. Januar 2020 11:09

@Gracchus & heinrichbrueck .... Ich danke beiden Herren für die Bestätigung, daß Sie Christen es sind, die Herrn Lichtmesz' Burgfrieden stören und gegen den Willen der Mehrheit unserer "verdorbenen" Mitbürger Ihre totalitären Parolen aus 1.200 Jahren Unterdrückung des Bürgers durch die Kirchen wieder auferstehen lassen wollen.

Unser Heiliges Land liegt heutzutage in der Nordsee und es heißt auch heute noch so, Heligoland, und nicht in der öden Geröllhalde Jerusalem.

Ihre Frage nach dem Mystizismus oder Mythen, ist falsch gestellt. Im Gegensatz zur Bibel besteht die Edda weder auf Exklusivität noch auf Heiligkeit. Sie beschreibt vollkommen natürliche Ereignisse in spiritueller Wahrnehmung. Von daher ist der Weg auch in mythische Zukunft nicht versperrt, sondern nur die spirituelle Wahrnehmung kommt durch Verkopfung abhanden. Hier gilt zeitschnur's Credo zum tragen, "es kann nicht sein, was rational nicht sein darf".
Und nicht umsonst kommt kommt genau hier das Bibel-Gebot aus Exodus, Kapitel 22, "Du sollst die Zauberinnen nicht am Leben lassen", zum tragen. Weil Sie dem Nutzen der Kirche diente, wurde Hildegard von Bingen, die über entsprechende Wahrnehmung verfügte, am Leben gelassen, und nicht dem Feuer übergeben. Allerdings "heilig" wurde Sie nie gesprochen. Aber allen, die nicht dem Politbüro der Kirche dienen wollten, wie Hildegard, erging es so https://youtu.be/1iFSTUnf8xQ (47 Sek.)

Sie, Beide, leugnen, wie zeitschnur, das wissenschaftliche Gesetz von Ursache und Wirkung, welches auch für Religion und Politik gilt.
Und was meinen Willen zum Widerstand angeht, so brachte es nie etwas, wenn wir uns von überlegenen Mächten abschlachten ließen. Arminius/Hermann lockte die Römer in den Wald, also hinters Licht, und lacht noch heute über Ihren Spott, den Sie über mich ergießen.

Um an diesen Punkt auf den Burgfrieden Herrn Lichtmesz' zurückzukommen..... beherrschen Sie Sich, werte Christenheit oder auch gerne Katholiken. Wenn Sie, genau wie wir Heiden oder Atheisten, Mehrheiten bei Wahlen erringen wollen, so lassen Sie bitte Ihre religiösen Befindlichkeiten Privatsache bleiben, und erlösen uns von Debatten, die Sie eh dauernd verlieren, wie der Zeitgeist beweist. Das Zeitalter der Fische, in dem Ihresgleichen unseresgleichen gemordet und geknechtet hatten, ist für locker 25.000 Jahre vorbei.
Entweder sind Sie dabei, wenn wir den Eingang in das kosmische Zeitalter des Wassermanns prägen, oder bleiben in Ihrer selbst erschaffenen ewigen Verdammnis hängen.

Monika
24. Januar 2020 11:22

@ Der Gehenkte
Die Kritik an der Nouvelle Droite gibt es, solange es die ND gibt . Meine Wenigkeit hat sich schon vor über 30 Jahren mit dem Menschenbild von Alain de Benoist, das den Ideen der ND zugrunde liegt, schriftlich auseinandergesetzt.
Verkürzt gesagt, besteht die Kritik darin, dass die Neue Rechte bis heute die Kategorien des Allgemeinen ( Menschheit, hier dezidiert nicht im metaphysischen Sinne verstanden) und des Besonderen ( Individuum, Personalität) in eine kollektive Kategorie ( Ethnie gebunden an Kultur) auflöst. Diese erhält ontologischen Status, den man der Menschheit und der Person abspricht. ( Etwa:
„ Wer Menschheit sagt, will betrügen“.)
Ein solches Menschenbild ist weder christlich noch konservativ.
Jetzt bitte an diesem Ort keine spitzfindigen Detaildiskussionen!!! Ich kenne einiges der Kritik.
2. Mit der Auflösung der Volksparteien SPD, CDU, FDP und der Herausbildung einer Alternative für Deutschland schweben soziale, christliche, liberale Ideen frei im Raum und harren einer Synthese, die noch keinen Namen hat. Das die Alternative eine für Deutschland sein sollte, beinhaltet m. E. den Nationalen Aspekt. Ob es dazu einer nationalen Idee bedarf, darüber kann man streiten.
Die AfD wird (noch) durch keine vereinende „Weltanschauung“ verbunden. Verschiedene Richtungen. Wirtschaftsliberale , sozialpatriotische Strömungen etc. ringen um Deutungshoheit.
3. Wie positioniert sich die Neue Rechte ( Mosaikrechte) ?
- tritt sie in Gespräche mit Libertären und Christen ?
- bezeichnet sie sich aus strategischen Gründen als konservativ, will aber was ganz anderes ( Vorwurf Bednarz)
Unter diesem Aspekt lese man den oben verlinkten Beitrag „Blick nach rechts“.Darin B. Kaiser: „ Die Mosaikrechte verfügt mit der AfD über einen übergroßen Baustein“, sodass die Gefahr besteht, sich dieser Partei unterzuordnen. Was meint das ?
Nicht zuletzt: Sage jetzt kein Neurechter, niemand wollle mit ihm reden ( Linke, Liberale, Konservative) .
Im Grunde kann die Rechte die Diskussion im besten dialektischen Sinne im eigenen Haus führen.

Adler und Drache
24. Januar 2020 12:08

Also, verstehe ich das richtig: Die Kirche hat die heidnischen Traditionen verboten, die heidnischen Elemente ausgerottet usw., dieselbe Kirche hat aber heidnische Traditionen und Elemente bewahrt, sozusagen in christlicher Verpackung, und das ist es, wonach sich die Leute wirklich sehnen, wenn sie sich zum christlichen Glauben bekennen?
Widerspricht sich das nur in meinen Augen?
*
Ich denke, dass man ein anderes als ein historisierendes, sozusagen museales Verhältnis zu den heidnischen Traditionen und Elementen nicht einnehmen kann, weil es keine lebendige Überlieferung derselben gibt. Dieser Strom ist ausgetrocknet. Es wirkt auf mich sehr gekünstelt, wenn er wiederhergestellt werden soll. Andererseits wirkt es auf mich auch sehr gekünstelt, wenn er von christlicher Seite immer noch verdammt bzw. kritisch beäugt wird. Ich sehe mir diese Traditionen und Elemente mit Interesse an (Grimms "Deutsche Mythologie" beispielsweise) und frage mich, warum sie den Leuten wichtig waren bzw. was sie aus den Leuten gemacht haben.
*
Über das frühe und mittelalterliche Christentum kursieren hier ein paar Irrtümer, die auch in anderen Zusammenhängen gerne immer wieder aufs Tapet gebracht werden. Nur um drei herauszugreifen:
1. Das Christentum war keine "Wüstenreligion", wenn schon, dann eine "Mittelmeerreligion". Der kulturelle Kontext war die griechisch-römische Welt.
2. Das AT hat für das Christentum immer nur seine Berechtigung durch die christologische Interpretation gehabt, aufgrund seiner Indienstnahme oder sozusagen "Taufe". Die Kluft zwischen Christentum und Judentum ist meiner Meinung nach größer als die zwischen Judentum und Islam.
3. Die Sachsenkriege und der Konflikt zwischen Karl dem Großen und Widukind sind doch ein bisschen vielschichtiger, als es hier gelegentlich dargestellt wird. Vor allem sind sie nicht typisch. Interessanterweise gibt es kein Standardwerk zur Germanenmission. Ich habe vor längerer Zeit mal Material gesammelt, aber dann wieder davon abgelassen: die Aufgabe ist zu umfangreich, als das man sie nebenher erledigen könnte.
*
In kultureller Hinsicht gehört das Christentum in meinen Augen zum unaufgebbaren Bestand für jede Art Konservatismus. Dabei bin ich durchaus kein Freund eines bloßen Kulturchristentums, weil dabei immer die Gefahr besteht, dass der Glaube zum Instrument erniedrigt, als Mittel zum Zweck verwendet wird. Gerade das kritisiere ich an den auf links-grün gebürsteten Kirchen, und ich möchte das nicht in gleicher Weise von rechts haben. In politischer Hinsicht wäre mir eine konsequentere und deutlichere Trennung der Zuständigkeitsbereiche von Staat und Kirche sehr recht.
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"Das Eigene" ist eine Chiffre. "Das Volk" ebenso. Ich bin mir nicht sicher, ob jemand konkret benennen kann, was das Ziel unserer Bemühungen ist. Es ist viel Unruhe da, viel Angst, in allen Lagern, aber je weiter man zum Kern vorzustoßen, ihn zu fassen und klar anzusehen versucht, desto nebulöser wird alles. Ich plädiere dafür, erstmal den einen oder anderen Schritt zurückzutreten und wieder Ruhe für den eigenen Seelenhaushalt zu erlangen.

AlexSedlmayr
24. Januar 2020 14:42

@Imagine
Ich danke für die interessanten theoretischen Ausführungen.

Eigentlich sollte das nur ein bildhafter Vergleich sein, kein realer auf die tatsächliche Revolution bezogener Umstand: Wenn ich mir mit den Leuten, mit denen ich mir über die Revolution eigentlich einig bin, nicht so einig bin - wegen anderer Spaltfragen - dass eine organisatorische Zusammenarbeit möglich ist, dann brauch ich mich generell nicht wundern. Das linke Lager teilt sich ja (oder teilte sich) in ein Spektrum verschiedener Parteien und in den Parteien noch mal vieler sich ebenso gegenseitig belauernder Plattformen auf.

Und die Mosaikrechte könnte auch so etwas drohen.

@Laurenz
"Ich gehe davon aus, daß keiner oder zumindest die wenigsten von uns ein feudales Konstrukt wünschen, eben grundsätzlich keinen Despotismus. Mutmaßlich wünschen die meisten von uns einen Bürger beteiligenden Staat."

Das wird denke ich eine der Gretchenfragen der Zukunft sein: "Wie konservativ darf's sein" bzw. welcher Konservatismus und was ist es überhaupt, was wir da als Grundlage begreifen.

Es wirkt manchmal so als würde da eine Form von Cargo Kult betrieben, der meinz in der Ablehnung alles Neuen und der Wiederherstellung symbolischer Götzen einer alten, besseren Zeit ergebe sich dann die Rückkehr der goldenen Zeit von allein. Als stelle man ein Bildnis in einem Tempel auf und erwarte das der Geist von dereinst wieder in es fahre.

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Man versteht es zum Beispiel emotional, dass sich Konservative um Lagerfeuer wie die Ablehnung oder Wiederabschaffung der Ehe für Homosexuelle sammeln, weil es noch so letzte Haltpunkte sind in einer Welt, in der man sich in einer feindlichen Matrix befindet, aber ist dahinter noch eine argumentative wertegeleitete Substanz?

Ich will diese Diskussion gar nicht führen, ich will es nur mal anreißen um den Punkt zu verdeutlichen. Ich hab zum Beispiel von christlichen Leuten Theologisches dazu gehört, warum die Ehe als heiliges Sakrament nicht für eine solche Verbindung gemacht ist, fragt sich was Atheisten oder Heiden das jucken soll, sofern kein christlicher Priester gezwungen wird, dem ganzen seinen Segen zu geben, denn immerhin haben wir ja das Standesamt.

Man kann ökonomisch einwenden, dass Ehe von finanzieller Privilegierung profitiert, die eigentlich auf Familiengründung (so mit Kindern und allem abzielen) aber könne man die dann nicht auch eher an Kinder binden, was ja auch eher im konservativen sinne wäre. Wieviele Ehen werden der steuerlichen vorteile wegen geschlossen bleiben aber dann bewusst kinderlos?

Um mal diese Punkte angerissen zu haben, scheint es mir aus konservativer Warte nicht logisch, zu sagen, dass wir in einer Zeit, in der die Ehe leider ohnehin einen schweren Stand hat, davon auszugehen, dass es eine beschädigung darstellt, wenn diejenigen Homosexuellen, die das überhaupt wollen, noch bereit sind diese werte mit Leben zu füllen.
Das sich Ekelfiguren wie Minister Maas davon ganz andere Sachen versprechen, heißt ja nicht, dass man ihn mit seiner Deutung durchkommen lassen muss.

(Natürlich gibt es da auch die Richtung zu sagen, es geht hier nicht um irgendwelche werte oder Rechte, wir sollten einfach grundsätzlich dagegen sein, weil wir erkennen, dass es hier nur um Propaganda unseres Feindes geht, das wäre aber mal ne ehrliche Analyse)

Das soll wie gesagt nur ein Beispiel sein um sich zu fragen: Was verteidigen wir hier eigentlich? Verteidigen wir hier noch einen logisch nachvollziehbaren Mehrwert (wie zum Beispiel Christen, die immerhin theologische Gründen haben) der droht durch die Öffnung verloren zu gehen oder geht es einfach darum, dass wir ein vorgefertigtes Bild verteidigen, dass uns als so natürlich (und das NEue als so widernatürlich) erscheint, einfach weil wir es bis dato nicht anders gewohnt waren.

Und so oder so ähnlich stellt sich das ja auch für weitere Fragen dar. Konservatismus droht ja sonst zu einer leeren Worthülse zu werden, die je nachdem, was man für die goldene Zeit hält, die CDU der 80er, der 50er, das Kaiserreich alles und nichts beinhalten kann und womöglich auf Imitation zurückfällt, statt sich zu fragen WAS jeweils gut war und allgemein funktioniert und DESHALB in das zu Bewahrende oder Wiederherzustellende einfließen soll.

Eine mögliche Lesart wäre also:
Ehen schaffen gesellschaftliche und soziale Stabilität. Kinder bedeuten gesellschaftliche, kulturelle und genealogische Reproduktion und sind damit grundlegend. Stabilie Familien leisten diese Reproduktionsarbeit an den Kindern und bringen im besten Fall viele, gut entwickelte Kinder hervor.

So schält sich beispielsweise ein konservativer Anspruch heraus, stabile Bindungen und Familien zu fördern.

Selbst wenn es eine intuitive Wahrheit sein sollte zu empfinden: "Das gehört sich einfach nicht", so ist es in einer politischen Debatte, gerade gegen einen politischen relativistischen Gegner eine mentale Kapitulation.

Laurenz
24. Januar 2020 17:25

@Monika ... Ihr letzter Beitrag ist nachvollziehbar, wieso suchen Sie da eine Lösung? Auf einem längst vergangenen Mitglieder-Parteitag der AfD fragte mich, (als äußerlich Linken), ein Kamera-Team des ZDF, was ich denn hier verloren hätte? Ich antwortete:" Die im Grundgesetz verbriefte Bürger-Beteiligung in Wahlen und!!! Abstimmungen. Und meine Herren vom ZDF, Sie sind doch auch für mehr Basis-Demokratie, warum Sind Sie denn beruflich und nicht privat hier?". Damit war das Interview beendet.

Es ist sehr schwierig, Mitbürger aus dem bequemen Betreuten Denken herausholen zu wollen. Um dem Mitbürger mehr Zeit zu schenken, sich vom Abschieben ihrer ureigensten Verantwortung an eine charakterliche Negativ-Auslese zu befreien, müssen wir natürlich den Reichen etwas mehr abknapsen. ein bißchen reicht, bei linken Projekten leicht viel Geld einsparen, um dem Bürger 3 Stunden in der Woche zu schenken, in denen er sich um seine Verantwortlichkeit im gesellschaftlichen Umfeld kümmert. Dann spielen rechte oder linke Befindlichkeiten keine direkte Rolle mehr.
Denn entscheiden immer Mehrheiten, auch im Falle

@ AlexSedlmayr ... unserer homosexuellen Mitbürger, die schon immer unter uns mal besser oder schlechter lebten.... diese haben dann, als Frage einer Minderheit dann die politische & gesellschaftliche Bedeutung, die ihnen zusteht.
Wie das Grundgesetz es vorschreibt, die Freiheit des einzelnen geht soweit, wie sie die Freiheit eines anderen nicht tangiert. Von daher ist ein Minderheiten-Schutz ok, solange auch die Mehrheit geschützt bleibt, was aktuell nicht der Fall ist. Der freie Fall der SPD in eine zukünftige Bedeutungslosigkeit wurde heute von Lars Klingbeil im Fall "Sarrazin" dokumentiert und definiert. Die SPD ist zu einer reinen Minderheiten-Partei mutiert, welche die Mehrheit unserer Bevölkerung knechtet, ausbeutet, diskreditiert und diffamiert. Bessere Wahlwerbung für uns hat es nie gegeben. Danke Genosse Lars.

@Adler und Drache .... natürlich ist das Christentum eine Wüsten-Religion, auch wenn wir natürlich Elemente aus der hellenistischen Philosophie und Reminiszenzen an das Heidentum, (wie zB den Heiligenschein der Katholiken) wiederfinden. Denn die Erfinder des Christentums waren ausnahmslos Hebräer, ein nomadisches Wüstenvolk, was sich zur Zeit der Entstehung der Schriften am Übergang zu einer bedingten Seßhaftigkeit befand, aber geistig, theologisch nie diesen Schritt vollzog. Dieser Übergang in die Seßhaftigkeit, ausgelöst durch die Babylonische Gefangenschaft, quasi ein zivilisatorischer Schock, welcher zur Ablehnung der Babylonier, vor allem ihrer Herrschaft führte. Und eine Beherrschung der Babylonier oder später der Römer könnte nur dann funktionieren, wenn man mit ihnen lebt. Aber Sie werden keinen heutigen Hebräer finden, der sich nicht mit Abel, sondern mit Kain identifiziert. Das haben Sie bei der aktuellen Rede des Bundespräsidenten doch gehört. Kain, also wir, bleiben weiterhin als Satan definiert. Daß wir zum großen Teil das selbst glauben, hat rein mit dem christlichen Glauben zu tun, auch wenn dieser als hebräisches Projekt die Erwartungen grundsätzlich nicht erfüllte.

hagustaldaz
24. Januar 2020 17:40

@ Adler und Drache

"Das Christentum war keine "Wüstenreligion", wenn schon, dann eine "Mittelmeerreligion". Der kulturelle Kontext war die griechisch-römische Welt."

Seltsam nur, daß die Griechen und Römer in ihrer großen Mehrheit das zunächst selbst nicht erkannten und die Kirchenväter gegen alles polemisierten, was die griechisch-römische Welt ausmachte.

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