29. Januar 2021

Sammelstelle in der Sturzflut des Gedruckten (4)

Benedikt Kaiser / 43 Kommentare

Mit einem Blick auf Ungarn und Polen endete die dritte Folge der »Sammelstelle« – und so beginnt auch die vierte.

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

Denn die beiden widerständigen Nationen, die selbstbewußt und, soweit es der Spielraum der Europäischen Union und der Märkte zuläßt, einigermaßen erfolgreich am Modell einer souveränistischen, illiberalen Demokratie arbeiten, erfahren in der weiten Presselandschaft dafür konstant Kritik.

Polen als Exempel: Die NZZ (v. 25.1.) wittert »Trumpismus auf Polnisch«. Martin Pollack lobt zunächst den polnischen Weg in die freie Welt nach 1989/90 als »vielbewunderte Erfolgsgeschichte«. Doch davon seien, so der Wiener Autor mit allzu offensichtlicher Larmoyanz,

nur mehr bittere Erinnerungen geblieben,

weil, man ahnt es schon,

das Land seit dem Wahlsieg der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) 2015 zum Tummelplatz von rabiaten rechtspopulistischen, fundamentalkatholischen und europafeindlichen Kräften geworden ist, vergleichbar

– und auch dies kann der Leser antizipieren –

mit Viktor Orbans Ungarn.

Eine polnische Anti-PiS-Wende werde dadurch erschwert, daß die Opposition fragmentiert sei, womit Pollack unzweifelhaft Recht behält (wir erinnern uns zum Vergleich auch an die ungarische Situation aus der zweiten »Sammelstelle«), wohingegen die Wertung, es handle sich beim anhaltenden Erfolg der PiS um den Erfolg einer »radikal rechten Wende«, einigermaßen übertrieben scheint – trotz nationalkonservativ-sozialpatriotischer Orientierung und aus den ihr heraus folgenden Maßnahmen.

Gewiß gibt es Grund zur Kritik an einer Regierung, die es seit ihrem Wahlsieg 2015 – beispielsweise – versäumt, an jenem gesellschaftlich-ökonomischen Mißverhältnis zu arbeiten, wonach die Gehaltsrealität bei unseren Nachbarn so aussieht, daß ein des Deutschen oder Englischen mächtiger Callcenter-Agent in Warschau oder Kattowitz durchschnittlich (es gibt Ausnahmen) mehr verdient als ein Universitätsdozent ebendort.

Und selbstverständlich zeigt sich auch die PiS-Regierung immer noch überwiegend ohnmächtig, was die materiellen Sehnsüchte vieler Polen anbelangt, die sich einen Großteil des Jahres im Ausland – etwa in Großbritannien – aufhalten und sich aufgrund der innerpolnischen Lohnproblematik damit fern der Heimat verdingen (müssen).

Für eine erklärtermaßen patriotische Regierung dürfte dies ebenso ein Ärgernis sein wie das massive Stadt-Land-Gefälle, das entsprechende Abwanderungsbewegungen begünstigt.

Aber gleichwohl muß man Jaroslaw Kaczynski und seine Regierung intuitiv in Schutz nehmen, wenn Pollack, linksliberalen Neusprech reproduzierend, von der

Spaltung der Gesellschaft

raunt,

die Kaczynski und seine Anhänger ständig vertiefen

würden.

Der liberalen Hufeisentheorie folgend, diagnostiziert Pollack nicht nur »rechte« Momente wie »kruden Anti-Intellektualismus und Anti-Elitismus« bei der PiS-Regierungspartei. Diese besitze nach Ansicht des Wiener Beobachters auch »neobolschewistische Instinkte«, die sie gestählt gegen ihre Feindbilder ausrücken lasse, und zwar

gegen unabhängige Richter und kritische Journalisten, Schwule und Lesben und jüngst gegen die Frauen, die gegen eine Verschärfung der ohnehin rigiden Abtreibungsgesetze protestieren und massenhaft auf die Strasse gehen, ungeachtet der zunehmenden Brutalität der vom Regime gegen sie aufgebotenen Sicherheitskräfte.

Bei so viel Dramatik, peinlicher Überspitzung und unappetitlichem Regime-Change-Jargon fehlt nur noch der Verweis auf anzufordernde UN-Friedenstruppen, die das unterjochte Volk zwischen Ostsee und Tatragebirge vom Schlächter-in-spe zu befreien hätten.

Und tatsächlich sehnt sich Pollack zumindest nach einer Rückkehr Polens

in ein freies demokratisches Europa,

die jedoch in weiter Ferne liege, da

der Weg hin zu einem autoritären Staat (...) klar vorgezeichnet

scheine.

Einen Beleg hierfür sieht Pollack darin, daß das – trotz manifester Schwankungen – einigermaßen katholische Polen über Gemeinden in der Provinz verfüge, die sich als »LGBT-freie Zonen« verstünden,

was im freien Europa mit Fassungslosigkeit zur Kenntnis genommen wird.

Pollack, weiterhin bestmöglich entrüstet:

Zu mehr als verbalen Protesten konnte die EU sich bisher nicht durchdringen.

Also doch Blauhelme?

Pollacks Gepolter erreicht das Gegenteil dessen, was er bezwecken möchte: Man kann nur mit moderatem Hohn auf diese Zeilen reagieren, was um so bedauerlicher ist, als daß es – siehe oben – ja tatsächlich Mißstände gibt, die man als ehemaliger Auslandskorrespondent in Warschau in seiner Berichterstattung behandeln könnte.

Einen Aspekt deutet Pollack dabei sogar an: die latent antideutsche Stimmung von Teilen der PiS-Regierung. Eine entsprechende Emotionalisierung politischer Ereignisse kann jederzeit aktiviert werden, um jene Ressentiments im Wahlvolk zu wecken, die (nicht nur) dem polnischen Nationalismus immanent sind.

Virulenter Chauvinismus bleibt zweifelsohne ein ewiges Hindernis im deutsch-polnischen Verhältnis. Doch mit westlerisch-liberaler Propaganda wider die rückständigen Staaten Ostmitteleuropas wird man ein solches Langstreckenproblem nicht lösen können. (Es ist dies ein aus historischen Gründen vermintes Terrain, das ich im Gespräch mit der nationalkatholischen Zeitschrift Templum Novum – abgedruckt in deren aktueller Ausgabe – gleichwohl nicht umschiffen konnte.)

-- --

Wird Polen zwar nicht von einer »radikal rechten Wende« heimgesucht, kann man doch konstatieren, daß patriotische Standpunkte in weiten Teilen des Volkes als vorherrschend anzusehen sind. Daraus resultiert eine parlamentspolitische Hegemonie für das Wahlbündnis »Vereinigte Rechte«, das aus der prägenden PiS und fünf kleineren Rechtsparteien besteht. Mithin kann man in Polen hegemonietheoretisch das Gegenteil der Bundesrepublik Deutschland erblicken.

Das sehen Robert Pausch und Bernd Ulrich gänzlich anders. In einem Leitartikel für Die Zeit (4/2021) vermessen die beiden Journalisten das Gelände bundesdeutscher Politik: »Wenn das Gestern endet« widmet sich dementsprechend den letzten fünf Jahren der bunten Republik. Diese Jahre, man höre und staune, seien davon geprägt gewesen, daß

das Lager rechts von Angela Merkel die Diskurse der Republik

bestimmt habe. Doch wir können aufatmen:

Das ist nun vorbei.

Fast jede Projektion, und möge sie von kritischen Lesern auch in Teilen als wahnhaft verworfen werden, birgt zumindest einige rationale Teilaspekte, weshalb der Beitrag trotz besagter Ausgangsthese die Lektüre verdient.

Korrekt ist zunächst die Definition »politischer Hegemonie«, die als »gesellschaftliche Grundströmung« umrissen wird. Eine solche

bewirkt, dass jene, denen die Fließrichtung gefällt, sich fast spielerisch treiben lassen können, während die anderen ständig dagegen anschwimmen müssen.

Wer kurz den Anflug von Hoffnung verspürt, daß die Autoren mit dem »dagegen anschwimmen« das Anrennen der alternativen Rechten wider die »schalldichten Kautschukmauern« (Martin Lichtmesz) des liberalen Establishments und seiner antifaschistischen Kofferträger gekonnt beschrieben haben, sieht sich enttäuscht.

Pausch und Ulrich gehen vielmehr davon aus, daß eine »Merkel-Grün-Hegemonie« von 2005 bis 2016 andauerte, die von einer rechten Dominanz ab dem 1. Januar 2016 abgelöst worden sei. Dem Publikationsort gemäß erfährt die schwarz-grüne Allianz, die zwar nicht koalitionär vereint war, aber eben die »Fließrichtung« vorgab, reichlich Lob:

Trotz des hohen moralischen Anspruchs ersparte die Merkel-Grün-Hegemonie sich selbst und wenn möglichen dem ganzen Land größere Zumutungen.

Das muß man sacken lassen, ist doch ebenjene Hegemonie als Allianz aus Kapitalvertretern, opportunistischer Mitte und antifaschistischer Moralpolitik die schlechthin größte Zumutung der vergangenen Jahrzehnte für unser Land gewesen und unter anderem für die fehlenden Grenzschutzmaßnahmen 2015 verantwortlich zu machen.

Für die Autoren ist das Gegenteil der Fall: Ausgerechnet in den Jahren 2005 bis 2016 wird die BRD als »Insel der Guten und Seligen« verklärt. Doch was geschah dann? Die Silvesternacht von Köln, und

nach links-mit-Merkel dominierte von da an rechts-von-Merkel.

Wer Ironie sucht, wird nicht fündig. Die meinen das so, wenn sie schreiben:

Sachte und stetig driftete die Republik zwischen 2016 und 2018 nach rechts.

Doch die Rechten können eben keine Politik – und dann kam der Sommer 2018 mit der Zäsur »Chemnitz«. Wir erinnern uns: Ausländer töteten in einer Auseinandersetzung, die sich nach dem Zufallsprinzip ergab, einen Einheimischen.

Proteste ob der relativierenden Verlautbarungen von Politik und Medien führten zu einer Skandalisierung der Stadt und ihrer Bewohner; von angeblichen »Hetzjagden« auf Migranten wurde Bericht erstattet (Rechte versetzten »die Stadt in Angst«, so Pausch/Ulrich). Daß es keine Beweise für solche Exzesse gab, die das Niveau von Antifa-Projektionen überstiegen, wurde einem Verfassungsschutzchef sogar zum Verhängnis: Hans-Georg Maaßen mußte seinen Platz an der Spitze des Bundesamtes räumen, weil er es wagte, die Beweislage als zu dünn zu umschreiben.

Für die Schreiberlinge der Zeit hervorhebenswert ist indes vielmehr CSU-Leitwolf Markus Söder, der entschlossen Kante gegen rechts zeigte, während seine Partei angeblich in den Jahren zuvor immer wieder rechts ausscherte. Söder, so liest man mit Erstaunen über einen ominösen rechtsoffenen Kurs, habe diesem einen Riegel vorgeschoben:

Der Kurswechsel von Söder wurde zum Kurswechsel für die ganze Republik, er war es, der den wichtigsten Hebel zerbrach.

Der Rest des »Stücks« in der Zeit ist rasch erzählt: Die »Rechts-von-Merkel-CDU« – personifiziert angeblich durch Merz, Spahn (!) und Schäuble (!!) – hätte ab dem Zeitpunkt der CSU-Tendenzwende den Faden verloren, und mit ihr die »Besorgte-Bürger-Hegemonie« ihre angebliche Vorherrschaft.

Noch absurder als die Bestandsaufnahme fällt die Prognose der Autoren aus. Der im Herbst 2021 zu erwartenden Koalition aus Schwarz und Grün schreiben sie zu, eine Reduzierung der »Gesinnungsspiele« mit sich zu bringen –

an ihre Stelle tritt der Streit um Lösungen.

Bei so viel christdemokratisch-grünem Pragmatismus, der einen erwarten darf, würde man gar nicht merken, in welcher hegemonialen Phase man lebe. Die nächste Hegemonie könnte man nämlich erst als eine solche erkennen,

wenn sie wieder vergeht.

Wenn sie überhaupt vergeht – und nicht nach vier Jahren durch alte wie neue Milliardenprogramme »gegen rechts« und für mehr Diversität, mehr Multikulturalismus, mehr Antifaschismus etc. perpetuiert worden ist.

-- --

Legt man Die Zeit zur Seite, wird einmal mehr evident, daß der »Blick nach links« eher dort lohnt, wo das Amalgam aus linken, (schwarz-)grünen und liberalen Ideologiefragmenten noch keine Verblendungszusammenhänge hervorbringenden Verheerungen mit sich brachte. Das ist häufiger an den Rändern des vielschichtigen linken Milieus der Fall als bei den populäreren Medien wie taz, neues deutschland (mittlerweile nur noch: nd) oder Jungle World.

Als Beispiel für ein lesenswertes Nischenprodukt ist die ehemals »antideutsche«, dann »postantideutsche« – in den Augen ihrer innerlinken Gegner: »rechtsantideutsche« – bzw. »ideologiekritische« Zeitschrift Bahamas (Berlin) anzuführen. Ihr Wesenskern ist anders als derjenige der »linksantideutschen« Periodika sans phrase (Freiburg) und Phase 2 (Leipzig) eher in der Polemik als in (semi)wissenschaftlichen Diskursen zu bestimmen.

Mit einigem Argwohn – denn ich bevorzuge andere linke Zeitschriften – mußte ich in den letzten Jahren jedenfalls feststellen, daß die Bahamas-Abonnentenzahl in meinem politischen Nahfeld sukzessive anwuchs, so daß mich von Zeit zu Zeit der Verdacht beschleicht, daß die in weiten Teilen der Linken mittlerweile verhaßte Berliner Quartalsschrift stärker »rechts« rezipiert wird als in ihrem eigenen Ursprungsmilieu der K-Gruppen-Überbleibsel und jüngeren Kreisen der radikalen Linken.

Doch die von allen Seiten befehdeten Ideologiekritiker, die sich vor einigen Jahren selbst als »Abrißunternehmer« einer »regressiven« Linken stilisierten, wollen gar nicht mehr zur Linken gerechnet werden. Im Editorial der druckfrischen Ausgabe (Nr. 86, Winter 2021) beschreibt die Redaktion um Justus Wertmüller und Hans-Gerd Tegeler ihr Blatt denn auch im gewohnten Bahamas-Sound als

eine Handreichung zur Befreiung aus diesem Zwangs- und Solidarzusammenhang.

Lohnenswert im neuen Heft ist insbesondere ein Beitrag des regelmäßigen Autors Martin Stobbe über »Woke Supremacy«. Der bremische Wahl-Wiener, der sich gemäß Eigenaussage einst über das konkret-Magazin (vgl. dazu die erste »Sammelstelle«) »politisierte«, bietet nur vordergründig einen 2020er Jahresrückblick, tatsächlich aber einen (weiteren) Generalangriff auf die woken, also politisch hyperkorrekten, »erleuchteten« respektive »erwachten« Linken seiner Zeit.

Für Sezession-Leser nicht neu (dank der Beiträge von Nils Wegner, Sophie Liebnitz und anderen) dürfte dabei der Umstand sein, daß die Wurzeln dessen, was liberalkonservative Kritik heute als »Kulturmarxismus« zu fassen versucht und man mithin als »Identitätspolitik« begreift, schlechthin in der »Postmoderne« liegen:

In postmodern inspirierter Ideologie, die in westlichen Gesellschaften akademisch, politisch und kulturell dominant ist, werden zentrale Errungenschaften der Moderne als Ausdruck von Herrschaft, Techniken des Wissens, der Erzwingung von Hegemonie – also Macht an sich – abgetan. Weitgehend durchgesetzt haben sich die Annahmen, dass es keine Wahrheit gebe, dass Individualität bloß eine konstruierte sei, oder Sprache Realität erst erschaffe und deshalb kontrolliert, überwacht bzw. verändert werden müsse.

Stobbe fährt fort, die Auswirkung dieser abstrakten postmodernen Ideologiebildung auf die konkreten Verhältnisse zu beschreiben, indem er akzentuiert, dass diese Ideologie

ihren Wahrheitsgehalt nicht zuletzt dadurch (gewinnt), dass sie tatsächlich Realität schafft und so Wirklichkeit wird.

Die Kritik an diesem Prozeß und einigen seiner Träger (BLM-Aktivisten, »Migrantifa« u. dgl.) eint Bahamas und Sezession, wenn Stobbe beispielsweise die postmodernen Sprechmechanismen entlarvt:

Ganz ohne Zwang oder eine an den Stalinismus gemahnenden Parteidisziplin gibt es heute Legionen von Gutdenkern, die stakkatoartig Neusprech von sich geben. Am deutlichsten wird dies am Begriff der Diversität, der heute meint, dass Menschen die Spitzenpositionen der Gesellschaft (oder die Ämter im Kabinett Biden, dem laut allen Medien »diversesten aller Zeiten«) unter sich aufteilen, die sich zwar in Hautfarbe, Geschlecht, sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität unterscheiden mögen, in der Regel aber ein und dieselben Indokrinationsanstalten verkommenen Bildungseinrichtungen besucht und für dieselben Hedgefonds, Konzerne und Beratungsfirmen gearbeitet haben.

2020 erscheint dem Autor daher zunehmend wie 1984, was ebenso zutreffend scheint wie seine Kritik am liberalkonservativen »Narrativ« vom »Kulturmarxismus«, den Jordan Peterson (ihn charakterisiere »intellektuell unbegründete Prominenz«) und Co. mit dem herrschenden postmodernen Linksliberalismus verwechseln.

Die »zentrale Stellung«, die

linksliberale Ideologen in der Öffentlichkeit einnehmen,

sei gekennzeichnet durch den

moralischen Furor ihrer Sprachpolitik, ihre autoritären Züge und das weitgehende Absehen von einer Kritik der politischen Ökonomie.

Der letzte Punkt – er umfaßt zuallererst die Ausblendung materieller Aspekte, sozialer Fragen – stellt die liberallinken Akteure pikanterweise in eine Reihe mit ihren liberalkonservativen Kritikern.

Diese benötigen bekanntermaßen auch im 21. Jahrhundert noch den eher schlecht als recht aktualisierten Kalten-Krieg-Strohmann »Marxismus« (so wie all die Maintreamlinken ihren »Faschismus« brauchen), um sich nicht den grundlegenden Strukturen und Widersprüchen jener neuen hegemonialen Allianz widmen zu müssen, die im Spannungsfeld zwischen digitalem Kapitalismus, opportunistischer Mitte und antifaschistischen Doktrinären der »PoMo«-Sekten entstanden ist, anders gesagt: jener Querfront aus Kapital, Linksliberalismus und postmoderner Identitätspolitik, die heute die »Fließrichtung« (Pausch/Ulrich) der veröffentlichten Meinung vorzugeben in der Lage ist.

Stobbe jedenfalls trifft auch hier einen Punkt, wenn er Konservativen (freilich: zu pauschal) vorwirft, blind gegenüber den reellen gesellschaftlichen Verhältnissen zu bleiben, solange sie die Rolle von Big Tech und postmodernen Ideologien nicht durchblicken und analysieren.

Zu viele Konservative, so kann man ergänzen, bleiben bei der vertrauten und daher um so leichter von der Hand gehenden Strohmann-Kritik stehen; es interessiert sie schlicht nicht, welche Transformationen die kapitalistische Produktionsweise derzeit, verstärkt durch den anhaltenden Treiber »Coronakrise«, durchlebt – und weshalb es als systemimmanente Entwicklung zu betrachten ist, daß Amazon, Tesla, Microsoft, Apple und Konsorten beinahe leistungslos Milliardengewinne einfahren. (Eine positive Ausnahme ist der jüngste Artikel Björn Harms' über Woke Capitalism, erschienen in der Jungen Freiheit v. 22.1.)

Doch die Bahamas, die kein Teil der Linken sein will und sie doch konstant adressiert, wäre nicht sie selbst, würde sie entsprechende Analysen darbringen, ohne einen Frontalangriff auf das vermeintlich eigene Milieu zu fahren. Kritisiert wird erwartungsgemäß die universitär verankerte postmoderne Linke, die Stobbe

wie ein müder Abklatsch der äußeren Partei Ozeaniens

erscheint, die in Orwells 1984 eine entscheidende Rolle spielte. (Ozeanien ist das totalitäre Gebilde, an dessen Spitze ein unfehlbarer »Großer Bruder« thront.)

Und so, wie Winston Smith in besagter Dystopie eines Tages in sein Tagebuch notiert, daß das Widerstandspotential »bei den Proles« liege, fährt auch Stobbe fort, daß es

am ehesten die verbliebenen Proleten (sind), die wie die Fans des FC Millwall laut buhen, wenn ihnen von den Spielern noch Monate nach dem Tod George Floyds und tausende von Kilometern entfernt, die penetrante, offenbar nie mehr aufhörende Unterwerfungsgeste vor dem wildgewordenen Antirassismus, das Niederknien also, dargeboten wird.

Das könnte so auch im hiesigen Netzjournal stehen, und spätestens bei dieser Passage ist Martin Sellner (der im übrigen langjähriger Bahamas-Stammleser ist und mir vor fünf, sechs Jahren so ausführlich wie erfolglos die Vorzüge dieses Magazins referierte) im Hinterkopf des Lesers präsent, wenn sich Stobbe über die Herrschaftsfunktionen von Konzernen wie Google, Facebook und Twitter im Internet ausläßt,

die zunehmend den Kontakt der Menschen zur Außenwelt und zur Gesellschaft sowie den Zugang zu Informationen bestimmen und reglementieren.

Sellner dürfte jedenfalls jener Akteur der Opposition zum herrschenden Block sein, auf den Stobbes aktuelle Bilanz schon Jahre vor Trumps Eliminierung auf der Plattform Twitter zutraf:

Wer sich gegen die herrschende Ideologie ausspricht, wird auf vollkommen intransparente Weise im Zugang eingeschränkt, in seiner Reichweite begrenzt, mit Faktenchecks und Warnhinweisen versehen und, falls das Subjekt sich weiter renitent und Erziehungsmaßregelungen unzulänglich zeigt, gesperrt und gelöscht.

Weil sich die Bahamas derweil in »innerlinken« Disputen selbst – aus bewährter Tradition seit 1995, als die drei Jahre alte Hamburger Ur-Bahamas zu der bis heute zirkulierenden Berliner Bahamas wurde – »renitent und Erziehungsmaßregelungen unzulänglich zeigt«, sollte es nicht verwundern, daß es linke Buchläden gibt, in denen man die Zeitschrift von Justus Wertmüller, Sören Pünjer, Thomas Maul und eben Martin Stobbe nur auf ausdrücklichen Wunsch und unter verschämten Blicken ausgehändigt bekommt.

Warum das so ist, verdeutlicht unter anderem auch Wertmüllers längst legendärer Ausbruch über »verwahrloste Elendsgestalten« der Linken gegenüber unseren Freunden des antifaschistischen Radiosenders »Corax« (Halle/Saale) aus dem Jahre 2007 (siehe unten!). Den Zumutungen des Antifa-Milieus begegnet Wertmüller dabei mit beißendem Spott und unverhohlener Verachtung, was den Moderator wiederum an der ein oder anderen Stelle gänzlich aus dem Konzept kommen läßt.

Auch wem Wertmüllers notorische Apotheose des »freien Westens« und der universalistischen Implikationen der Aufklärung nicht rational anmutet (mir erscheint sie ebenso als ein doktrinärer Fetisch wie die daraus abgeleitete »bedingungslose Solidarität« mit den USA und Israel) – seine 15minütige Totaldestruktion der zeitgenössischen Linken bietet gleichwohl einen unterhaltsamen Einblick in die Ideenwelt der Bahamas.

Einer Zeitschrift also, deren Lektüre oft zu schroffem Widerspruch verleitet und doch immer wieder zu einigem Erkenntnisgewinn führt.


Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.


Kommentare (43)

Maiordomus

29. Januar 2021 09:58

Das Verdienstvolle an diesem langfädigen Artikel, eigentlich wären es deren zwei, ist der Hinweis im zweiten Teil auf Verwerfungen im linken Lager, die sich in Zeitschriften manifestieren, welche hier im Lager etwa älterer rechter oder konservativer Akademiker, die sich da zum Wort melden, wohl weder gelesen noch überhaupt gekannt werden. 

quarz

29. Januar 2021 11:16

"Weitgehend durchgesetzt haben sich die Annahmen, dass es keine Wahrheit gebe, dass Individualität bloß eine konstruierte sei, oder Sprache Realität erst erschaffe"

Die das durchgesetzt haben, stehen dann aber in der ersten Reihe derer, die empört "fake news" schreien, wenn eine "Konstruktion" nicht ihren Vorstellungen entspricht. Diese Rückflucht der Kontruktivisten in den Schoß der hausbackenen Wahrheit hat so was Hochkomisches, dass man sich einen Moliere wünscht, der es auf die Bühne bringt.

Laurenz

29. Januar 2021 11:44

@Maiordomus

Würde Lenin heute noch leben, würde er anders formulieren: "Die radikalen Linken werden sich den Strick von uns aus Steuermitteln sponsorn lassen, an dem wir sie aufhängen werden."

@BK

Das Audio ist echt klasse, danke. Bei dem Reporter fragt man sich, stellt der sich so blöd oder ist er es.... ich lag vor Lachen fast unterm Schreibtisch.

Wertmüller tut mir im Prinzip leid, weil Er etwas erklären muß, was doch offensichtlich ist.

RMH

29. Januar 2021 11:53

Von den 4 Visegrád Staaten machen es meiner Meinung nach schon seit einiger Zeit Tschechien (niedrigste Arbeitslosenquote in der EU!) und die Slowakei am Geschicktesten. Sie sind auch klar ethnisch national aufgestellt, wollen bspw. keine islamische Einwanderung, kennen den Grund, warum es beim Staatsvolk auch auf die Ethnie ankommt (gerade die Slowakei mit ihrem Dauerthema der Roma-Minderheit ist quasi geimpft gegen allzu bunte multi-kulti- Träume), und schaffen es so, unter dem Radar durchzufliegen. Könnte auch daran liegen, dass insbesondere die regelmäßig dick auftragenden Polen und die robusten Ungarn die Artikel der Auslandspresse füllen.

Polen, mit seiner zur Staatsdoktrin gewordenen doppelten Paranoia gegen Russland und Deutschland hat sich komplett den USA verschrieben, was unter Trump für sie auch kein Problem war, denn er schätzte das gleichzeitige "Stänkern" gegen Merkel-Deutschland und Russland. Es bleibt abzuwarten, ob die Biden-Administration dies beibehalten wird. Das Polen mehr US-Militär ins Land bekommt, schein ja unverändert zu sein.

Imagine

29. Januar 2021 14:20

Ungarn und Polen sind Varianten desselben Gesellschaftssystems. Das gleiche Herrschafts- und Ausbeutungssystem, die gleichen gesellschaftlichen Spaltungen.

Ähnlich wie Trump vs. Biden. Oder Obama- vs. Bush-Politik.

Coca Cola vs. Pepsi Cola.

So wie im Nachkriegseuropa formale Demokratien neben Diktaturen (Spanien, Portugal, Griechenland) nebeneinander existieren, alles Teilsysteme des US-Imperiums.

Wer Geld hat, den interessieren diese Unterschiede nicht. Denn der gehört zum herrschenden Establishment. Der lebt sein Leben, wie er es will, ob katholisch oder atheistisch, ob schwul oder hetero, ob weiß oder „farbig“.

So wie früher die „schwarzen“ Abtreibungsgegner aus Deutschland mit ihren Töchtern zur Abtreibung in die liberalen Niederlande fuhren.

Ähnlich bei den systemkonformen Tendenzen von links und rechts. Das sind Produkte und Dekadenzformen ein und derselben Gesellschaft.

Die strukturellen Gemeinsamkeiten überwiegen die Unterschiede.

Ob links oder rechts, die Systemkonformen lassen eine materialistische Analyse vermissen, alle betreiben Symbolpolitik und alle stellen keine wirkliche Alternative zum herrschenden System dar, auch sie dies wie die AfD oder die „Identitären“ simulieren.

Die Gemeinsamkeit der konformistischen Linken und Rechten besteht in ihrer Angepasstheit ans herrschende System sowie der Ignoranz und Feindschaft gegenüber China.

Maiordomus

29. Januar 2021 15:16

@Imagine. Sie lassen kein Klischee aus, besonders die Töchter etwa der nach den in die Niederlande reisenden reichen  "Schwarzen"; zufällig kannte ich aber noch die Einstellung nicht weniger derselben; es waren diverse echt puritanische Familientyrannen darunter, etwa bei Fam. Guttenberg. Es wäre gut, Sie würden mal eine konkrete, von Ihnen selber recherchierte oder erlebte Geschichte erzählen. Da bin ich im Ernst überzeugt davon, dass Sie was zu sagen hätten, auch vielleicht ein interessanter Lektürebericht. Allenfalls "Frauen vor Flusslandschaft" von Böll, wie die Schwarzen zwar ähnlich geschildert werden wie bei Ihnen, aber doch literarisch nicht auf Klischee-Niveau, sondern noch via eigene katholische Widerprüchlichkeit vermittelt. 

Imagine

29. Januar 2021 16:26

@Maiordomus

Der Kampf um Legalisierung der Abtreibung sowie reproduktive Selbstbestimmung hatte in Deutschland seinen Höhepunkt vor 50 Jahren.

Damals kam allerhand ans Tageslicht, gerade hinsichtlich der Doppelmoral der „Schwarzen“. Wer will, kann es nachrecherchieren. Aber wer macht sich die Mühe, Altbekanntes wieder auszugraben?

Ja, die Guttenbergs. Wie war das mit dem Lügenbaron und Promotionsbetrüger?

Woher kommt der Name „VroniPlag“? War das nicht die Tochter von …?

Gab es nicht ein Konto in der Schweiz von einer „schwarzen“, bayrischen Politgröße, worauf 360 Millionen D-Mark an Korruptionsgeldern gelegen haben sollen?

Wie war das mit den Koffern voller Geld, die korrupte C-Politiker bei Rüstungsdeals erhielten?

Gab es nicht einen CSU-Politiker, der zuvor Richter und sogar Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz gewesen war, der wegen Korruption mit internationalem Haftbefehl gesucht wurde?

Wie war das mit der Korruptionsbereitschaft von angeblichen Patrioten und rechten Saubermännern bei der FPÖ-Ibiza-Affäre?

Wie war das mit den Mafia-Kontakten des US-amerikanischen Hoffnungsträgers der Rechten?

 

Maiordomus

29. Januar 2021 17:00

@ Ihr "Lügenbaron" war es eben nicht vor 50 Jahren, sondern noch die ältere Garde seiner Familie, so Autor u. Politiker Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg *1921, welcher im Zusammenhang mit Ostverträgen die bedeutendste oppositionelle Rede im Bundestag hielt und dessen 1945 hingerichteter enger Verwandter Karl Ludwig von Guttenberg die bedeutendste relativ unabhängige Zeitschrift zur Zeit des 3. Reiches herausgab, von höherem Rang als Criticon und Sezession. Der eigentliche Skandal des "Lügenbarons" war die Qualifikation "summa cum laude" für eine Arbeit, die ich gelesen habe und zu den schlechtesten Publikationen meiner Lesekarriere zähle.  Die Familie brachte einige sehr bedeutende Frauen hervor. Klar,  herrschte ein für den Katholizismus nicht mal repräsentativer durchaus puritanischer Geist das Familienethos, mit dem der von Ihnen Genannte überfordert war, wiewohl ich seinen Neuanlauf zu einer neuen Dissertation als versuchte Ehrenrettung respektiere. Gewiss war er von den Ansprüchen überfordert. Zu @ Abtreibung: Jede abgetriebene gesunde Frucht vernichtet etwa so viel Lebensjahre wie um die 20 Corona-Toten. Möchte das rein wertungsfrei festgestellt haben. Dass jedes wirklich in Entwicklung begriffene abgetriebene Kind ein Mensch ist (/zwar nicht im juristischen Sinne Person) ist wissenschaftlich eher bewiesen als der Klimawandel und der Nutzen der Corona-Impfung. Diese Feststellung richtet sich nicht gegen Sie und gegen niemanden, ist bloss Fakt. 

heinrichbrueck

29. Januar 2021 17:36

Sehe in diesen Ländern keine Vorbilder. Deren Souveränität wird immer in Abhängigkeit eine Rolle spielen. Sie hängen an Deutschland und Rußland; fallen diese großen Player vollständig, sind ihre Tage besiegelt.

Justus Wertmüller ist unterhaltsam, aber was soll diese Unterhaltung bringen? Indianer (proweiße Indianer sind noch peinlicher) haben kein langfristiges Konzept, deshalb auch keine Heimat, die sie behalten können. Und die ganzen Linksunterteilungen, was wollen diese Leute?

Wertmüller will keine gemeinsam orientierte Organisation, also: keine Volksgemeinschaft, kein Überlebenskonzept, keine Zukunft. Keine eigene Organisationsideologie, dafür jede Menge Ablenkungsspielarten. Eine Art westliche Zivilisation im Selbstverteidigungsmodus (die westliche Wertegemeinschaft der Indianer), die es sich gefallen läßt, Kritik üben zu dürfen. Untergeordnete weiße Indianer.

heinrichbrueck

29. Januar 2021 17:36

Diskurs in der Gefängnisfalle. Wie bei Broder, ohne Persönlichkeitsstörung: „Was ich völlig im Ernst gut finde ist, dass diese demografische Struktur Europas nicht mehr zu halten ist. Je eher die Europäer das einsehen, desto besser. Einige Städte sind schon recht farbig und nicht mehr «arisch» weiss, und dagegen kann man überhaupt nichts sagen. Hagalil: Heisst ein farbiges Europa, dass davon keine Katastrophen mehr ausgehen? Broder: Das könnte es bedeuten. Es könnte aber auch bedeuten, dass Europa zu existieren aufhört. (…) Ich würde gerne das weisse Europa aufgeben, aber ich würde ungern das demokratische Europa aufgeben.

Es werden richtige Sachverhalte beschrieben, aber das globale Überlebenskonzept, nur als organisiertes Volk möglich, wird individuell verneint. Eine Masse aus Individuen, immer noch Masse, ist so oder so steuerbar.

Wie müssen die Voraussetzungen gedacht werden, so für die nächsten 5000 Jahre?

Gelddrucker

29. Januar 2021 18:04

@heinrichbrueck

 

Haben Sie mal eine Quelle dazu?

Das wäre ein Weckruf für viele Cuckservative und Liberalkonservative, die dieser Aussage sicher nicht zustimmen werden.

Imagine

29. Januar 2021 18:14

@Maiordomus

Woher stammt das große Vermögen der Guttenbergs?

Aus dem Raubrittertum der Vorfahren, so habe ich es gelesen.

Bislang gab es in Deutschland noch keine einzige Regierung, welche das vom Adel geraubte Land und Vermögen wieder in Volkseigentum zurückgeführt hat.

Nach der deutschen Revolution von 1918 stellte sich die Frage, was mit dem beschlagnahmten Vermögen der deutschen Fürstenhäuser geschehen solle.

„Nicht nur Wähler der KPD und der SPD befürworteten die entschädigungslose Enteignung. Auch viele Anhänger der Deutschen Zentrumspartei (Zentrum) und der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) bejahten sie. In bestimmten Regionen Deutschlands unterstützten auch Wähler konservativ-nationaler Parteien diese Gesetzesinitiative. Man versprach sich von ihr die Verteilung von Grund und Boden an Bauern, Wohnraum, Unterstützung für Kriegsversehrte und andere soziale Maßnahmen.“ (Wikipedia)

Auch die Sozialisten in der NSDAP – so auch der „Strasser-Flügel“ – waren für eine Rückführung ins Volkseigentum.

Hitler hatte dies zwar versprochen, aber es – wie vieles andere – verraten, um an die Macht zu kommen.

Imagine

29. Januar 2021 18:15

2/2

1930 verfasste die Otto-Strasser-Gruppe einen Aufruf: „Die Sozialisten verlassen die NSDAP".

Der Kampf in der NSDAP der reaktionären Anti-Sozialisten gegen die nationalen Sozialisten gipfelte der Ermordung von Ernst Röhm, Gregor Strasser und vieler andere NS-Führer und Mitglieder durch die Hitleristen und Verräter der Idee eines nationalen Sozialismus.

Hier findet sich eine Darstellung der Geschichte des Kampfes der revolutionären nationalen Sozialisten gegen Hitler

Maiordomus

29. Januar 2021 19:13

@"Aus dem Raubrittertum der Vorfahren". Wie war das jetzt schon wieder genau in der "kaiserlosen, der schrecklichen Zeit" (1254 - 1273)? Das historische Niveau einer zehnjährigen aufgeweckten  Romanleserin;  nur sollte man darüber vielleicht doch mal hinauskommen. Auch Wikipedia ist reine Promillebildung für sonstige konforme Nichtswisser, zitieren Sie dort doch gleich noch, wie man über Kubitschek u. Co informiert wird. 

Laurenz

29. Januar 2021 19:34

@Imagine

Beim Lesen Ihres Beitrags überlegte ich mir antworten oder nicht antworten. Da der Beitrag so schlecht, wie noch nie war, entschied ich mich für nicht antworten. Dann übernahm es @Maiordomus Ihnen korrekte Antworten zu geben.

Und Sie können es dann nicht lassen, weiter Schrott zu schreiben. Wenn Sie Deutschen Blutes sind, dann sind Sie, wie Maiordomus und ich auch, entfernt mit einem Guttenberg verwandt. Dann tragen Sie doch deren Schuld ab. Wie wär's?

heinrichbrueck

29. Januar 2021 19:35

@ Gelddrucker 

https://www.hagalil.com/archiv/2006/07/europa.htm 

Imagine

29. Januar 2021 20:06

Woher haben die Guttenbergs ihr Land?

Vom lieben Gott durch Gottesgnadentum erhalten?

Herr, lass Hirn regnen!

Volksdeutscher

29. Januar 2021 20:39

Nicht zum Thema gehörig

Wer kann mir sagen, warum meine Kommentare verschwinden, wenn ich Buchempfehlungen von Kanal Schnellroda auf YouTube kommentiere? Es ist mir schon mehrmals aufgefallen und es nervt mich ziemlich.

anatol broder

29. Januar 2021 21:19

Wir erinnern uns: Ausländer töteten in einer Auseinandersetzung, die sich nach dem Zufallsprinzip ergab, einen Einheimischen.

zusätzlich wurde einer seiner freunde lebensgefährlich verletzt. da er zufällig überlebte, wird er so gut wie nie erwähnt.

Maiordomus

29. Januar 2021 21:42

Bei Guttenbergs sen. stand im Pass "Landwirt", Zu @"Gehirn regnen": Niccolo Machiavelli, der bekannt unintelligente Meister politischer Logik, erklärte Zusammenhang zwischen Enteignungsphantasien und Mordphantasien. Soll man, schrieb er im 23. oder 24. Kapitel des "il principe", den politischen Feind eher ermorden oder "nur" enteignen? Enteignen, betonte er, gehe langfristig nur bei gleichzeitigem Ermorden gefahrlos auf. Enteignen allein sei politisch gefährlicher als ermorden. Über einen Todesfall trauern Erben oft kaum länger als ein Jahr. Enteignung hingegen gibt lebenslang. Ärger. Der enteignete Gegner, siehe die Landreform des Schahs auf Kosten der Ayatollahs, wird langfristig und oft tödlich ausholen. Also muss, wer enteignet, die Enteigneten sicherheitshalber liquidieren. Der von Marx und Engels befürwortete revolutionäre Massenterror. Ähnlich die politische Phantasie, die vor Jahresfrist bei einem Kongress der Partei "Die Linke" ein Mädchen reizend  präsentiert hat; worauf der Parteiboss aber sagte, nein, die Enteigneten nicht erschiessen, sie bloss, siehe Gulag arbeiten lassen. Aber Eigentum ist Diebstahl und das Gefühl der Macht bedeutet, den Verhassten endlich tot sehen zu können. Im Vergleich zu den Guttenbergs kam eine Habsburgerprinzessin mal durch Heirat sogar in den Besitz der Stadt Pressburg. Dagegen waren z.B. die schlesischen Städte im 2. WK ein Pappenstiel!  

Laurenz

29. Januar 2021 22:41

@Imagine

Als Gott es Hirn regnen ließ, sind Sie leider drinne geblieben.

Natürlich kann man ohne eine Gesellschaft nur die Güter erwerben, die man selbst produzieren kann. Nur durch eine Gesellschaft kann man darüber hinaus erwerben. Deswegen leben Sie alleine im Wald? 

Aber, Imagine, Sie können Sich Ihren sozialitsischen Scheiß'  anhand des "Wahlspruchs" der Franzmann-Revolution selbst aussuchen, "Liberté, Égalité, Fraternité".

Wenn Sie alle frei machen, ist nach 5 Minuten keiner mehr gleich. Und wenn Sie alle gleich machen, ist augenblicklich keiner mehr frei. Und brüderlich sollen immer nur die anderen sein.

Gotlandfahrer

29. Januar 2021 23:29

@ imagine:

Ich habe nichts gegen Raubritter oder Clanchefs, die sich durch meine Bewirtschaftung bereichern. Solange daraus eine Ordnung entsteht, die durch Pflege der Ideen, die auf unseren gemeinsamen Fortbestand angelegt sind, die Möglichkeit würdigen Daseins erhält. Mit anderen Worten: Wenn es sich um ein ehrliches Hierarchieverhältnis handelt.

Es verhält sich entgegengesetzt bei dem heutigen Neofeudalismus, der nicht mit dem Schwert und klaren Worten, sondern mit der Maske und gespaltener Zunge alles verdreht, weil ihm Existenz schlichtweg egal bis hassenswert ist. Es ist im wahrsten Sinne die Anti- Autorität, die die Würdelosigkeit der Zeit ausmacht.

Ich fürchte dieses Empfinden ist Materialisten unzugänglich.

Valjean72

30. Januar 2021 10:19

heinrichbrueck

Sehe in diesen Ländern keine Vorbilder. Deren Souveränität wird immer in Abhängigkeit eine Rolle spielen. Sie hängen an Deutschland und Rußland

PL/CZ wurden 1919 in Versailles von den alliierten Siegermächten, den Feinden Deutschlands gegründet.

GB/F verfuhren bei den Grenzziehungen ähnlich wie in Afrika und Asien, wo sie die Grenzen - nach dem alten römisch-imperialen Prinzip "divide et impera" - bewusst durch Stammesgebiete zogen. Derart konnten bei Bedarf Spannungen hochgefahren, Konflikte erzeugt und eine Seite gegen die andere ausgespielt werden.

PL/CZ wurden 1919 nicht aus humanistischen, sondern aus geopolitischen Gründen aus der Taufe gehoben. Der Hauptzweck bestand darin, dauerhaft schwelende Spannungsherde an der deutschen Ostflanke zu schaffen, die bei Bedarf "hochgefahren" werden konnten.

Diese Staaten waren von Anfang an gegen Deutschland gerichtet und darin hat sich mE bis heute nicht viel geändert.

RMH

30. Januar 2021 11:20

Gefühlt die bislang absolut schwächsten Beiträge von @Imagine. Eine reine Sammlung von Klischees und Neidschablonen.

Von den historischen und rechtsgeschichtlichen Abläufen von Landnahmen und insbesondere der Begründung von Eigentum ist offenbar kaum ein Funken Kenntnis vorhanden.

Imagine

30. Januar 2021 12:52

1/4

@Maiordomus   29. Januar 2021 21:42
„Aber Eigentum ist Diebstahl und das Gefühl der Macht bedeutet, den Verhassten endlich tot sehen zu können.“

In welcher - zumal paranoiden - Welt leben Sie?

Selbstverständlich wird es bei den existierenden gigantischen Vermögen und Landbesitz eine Rückführung ins Gemeineigentum geben müssen, wenn diese Zivilisation nicht zugrunde gehen will. Aber dazu muss prinzipiell niemand getötet werden.

Denn die notwendige Veränderung der Eigentumsstruktur betrifft nur die Riesenvermögen, also jene, die weitgehend „leistungsfrei“ erworben wurden. Dies in der Regel durch anti-soziale Aktivitäten, wie Ausbeutung, Betrug, Raub, Drogen-, Menschenhandel etc. „Leistungsfrei“ in dem Sinne, dass man mit gemeinwohlorientierter und ehrlicher Arbeit nicht reich werden kann. Anschließend werden diese Vermögen  dann legal vermittels durch Heirat oder Erbschaft weitergegeben.

Um eine Hausnummer zu nennen, was die Höhe der Vermögen betrifft, die ins Gemeineigentum rückgeführt werden müssen:
Das werden Vermögen sein, deren Wert 10 Millionen pro Person übersteigt.

Selbstverständlich können alle Normalos, einschließlich der Besserverdienenden, ihr Eigenheim oder ihre Villa sowie sonstiges Vermögen behalten.

Imagine

30. Januar 2021 12:52

2/4

Folglich bleibt das Eigentum vom 99,99 % der Bevölkerung nicht nur unangetastet, es wird zudem dafür gesorgt werden, dass mehr Menschen über Wohneigentum, bessere Einkommen und Vermögen verfügen können. So wie das in China geschieht.

0,01% bedeutet, dass 1 von 10.000 Reichen einen Teil seines Vermögens an die Gesellschaft zurückführen muss, also an jene Menschen, die als Arbeitsbevölkerung diesen Reichtum erarbeitet haben. Aber weiterhin mit 10  Millionen Vermögen reich bleiben kann, aber eben nicht super-reich und super-mächtig.

Warum sind diese Veränderungen in der Eigentumsstruktur nötig?

Weil Super-Reichtum bedeutet, über Super-Geldmacht, Super-Medienmacht, Super-Korruptionsmacht und sogar Militärmacht in Form von Privatarmeen verfügen zu können.

Diese Machtallokation bei den 0,01% schränkt die Freiheit der 99,99 % ein.

Denn diese werden zu ohnmächtigen und fremdbestimmten Objekten – zur „Schafherde“ derjenigen, die mit ihrer Super-Macht Herrschaft ausüben können. Und zwar ohne die Möglichkeit einer politischen Korrektur durch 99,99%, weil Politiker durch Korruption und Medienmanipulation zu Marionetten der Super-Reichen gemacht werden und Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zu einer Simulation werden.

Imagine

30. Januar 2021 12:53

3/4

Was ist mit dem rechten Lager?

Bis auf wenige Ausnahmen gehören sie zu den 99.99% und verfügen über kleinbürgerliche Vermögen.

Durch ihren System- und Herrschaftskonformismus, durch ihre Enteignungsparanoia und ihrem Anti-Sozialismus machen sich zu reaktionären Systemerhaltern und damit zu „useful idiots“ der Reichen und Mächtigen.

Die Rechten projizieren ihre Veränderungswünsche und –phantasien auf typische rechtspopulistische Führerfiguren.

In Wirklichkeit werden die Rechten jedoch durch Populisten wie Hitler und Trump betrogen und verraten.

Oswald Spengler war der große rechte Untergangsphilosoph und Hitler war sein Vollstrecker, wie Rolf Hochhuth treffend feststellte.

Imagine

30. Januar 2021 12:53

4/4

Politik im kapitalistischen System besitzt das Hauptziel, Wirtschaftswachstum zu fördern. Konkret bedeutet dies, aus Geld mehr Geld zu machen. Das kapitalistische System ist eine Geldvermehrungsmaschine, die ohne Rücksicht auf Mensch und Natur funktioniert.

So hatte und hat Merkels kapitalistisch-marktkonforme Politik die Wirkung einer Abrissbirne auf Deutschland und Europa.

Die Rechten opponieren zwar gegen die herrschende Politik und wollen zugleich am System festhalten. Die Wirtschaftsliberalen im rechten Spektrum fordern sogar noch mehr „Wirtschaftswachstum“ mit noch weniger Rücksicht auf Mensch und Natur.

Ist dies nicht schizophren?

Wie passt da „solidarischer Patriotismus“, der einen starken, gemeinwohlorientierten Staat fordert, in das rechte Spektrum? Wo doch ein starker, gemeinwohlorientierter Staat ein Synonym für einen sozialistischen Staat ist?

Genau diesen lehnt jedoch der Mainstream der Rechten ab, China sehen sie als Feind und Bedrohung.

Wie soll sich unter diesen Bedingungen eine Bewegung mit dem Ziel eines „solidarischer Patriotismus“ entwickeln, wo doch die dafür erforderlichen Strukturveränderungen abgelehnt und bekämpft werden?

Maiordomus

30. Januar 2021 14:20

@Also müsste man, wie alle bisherigen einschlägigen irrenhausreifen Weltverbesserungsthorien nur mal die 8000 Mächtigsten und Schlimmsten auf dieser Welt, und was man darunter versteht und definiert, entmachten. Wunderbar, wie Sie die Chinesen erwähnen, von denen es ja so viele gab und gibt, dass die Opfer Maos im Vergleich zu den im Westen stärker bedauerten Opfergruppen prozentual kaum ins Gewicht fallen, weil es ja immer noch jede Menge Chinesen gibt. Dass Sie damit aber wie all diese wahnbesessenen Enteignungstheoretiker ausser Aggressionsentladung kein soziales Problem auf dieser Welt lösen, passt zum Eindruck, dass Sie selber wohl auf lokaler Ebene und sei es nur als Mitglied eines Gemeinde- oder Regionalparlament als Politikerin noch nie ein Problem konkret angepackt haben dürften, das irgendjemandem im Nahbereich das Leben vielleicht etwas leichter gemacht hätte. Zu Ihrem Beispiel hat Machiavelli das Nötige analysiert; wobei indes Marx, Engels und die anderen Repräsentanten der Sozialreligionen und Wahntheorien glaubten, dass es beim Weltenbrand nur darum gehe, die paar 1000 Schlimmsten unschädlich zu machen, welche aber dummerweise noch eine profitierende Klientel haben. Weswegen es dann ohne Millionen Tote, meist selber schuld, halt doch nicht abgeht. Weil Politanalphabeten wie Sie noch nie ein politisches Problem gelöst haben, muss es wieder diese wahnhafte immergleiche aggressive Globalweltreinigung sein mit Endresultat "Farm der Tiere", Orwell, letzte Szene. 

Cugel

30. Januar 2021 18:17

@Autorenkollektiv

"Selbstverständlich können alle Normalos, einschließlich der Besserverdienenden, ihr Eigenheim oder ihre Villa sowie sonstiges Vermögen behalten."

Selbstverständlich.

Imagine

30. Januar 2021 20:51

@Maiordomus

Irgendwie amüsant, was Sie schreiben. Klingt nach Realsatire. So wie wir damals zur Belustigung ZDF-Magazin von Gerhard Löwenthal angeschaut haben.

Da lebt jemand in seiner Blase in der Provinz, gewissermaßen hinter den sieben Bergen bei den sieben Zwergen, bekommt nichts mit vom tatsächlichen Weltgeschehen und dessen Veränderungen, hatte nie Anschluss zur modernen Sozialwissenschaft und ist noch vollgepumpt mit Trivial-Ideologien aus der Zeit des Kalten Kriegs.

In wenigen Jahrzehnten werden alle Lehrer Loblieder auf China singen, so wie sie im NS-System auf den Führer, in der DDR auf den Sozialismus und heute im Imperium auf die Marktwirtschaft singen.

Lotta Vorbeck

30. Januar 2021 20:56

@Volksdeutscher - 29. Januar 2021 - 08:39 PM

Nicht zum Thema gehörig

Wer kann mir sagen, warum meine Kommentare verschwinden, wenn ich Buchempfehlungen von Kanal Schnellroda auf YouTube kommentiere? 

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Max

31. Januar 2021 08:25

@Imagine:  Es braucht gar keine explizite Eigentumsumverteilung, weil die Superreichen automatisch verlieren werden, wenn sie keine politische Macht mehr haben.  Es ist die politische Macht der Superreichen, wie sie in den USA existiert, die fatal ist. 

Das ist das, was es Putin ermöglicht hat, Russland neu aufzubauen.  Er musste die Superreichen nicht enteignen.  Er musste sie lediglich von der politischen Macht verdrängen. Er hat ihnen dafür garantiert, dass sie, soweit sie sich ab jetzt an die Gesetze halten, ihr geraubtes Eigentum behalten können. Ja, die, die das Angebot nicht angenommen haben und meinten, mit Putin um die Macht kämpfen zu können, die verloren sowohl die Macht als auch ihr Eigentum. Mit dem Rest wurde friedlich kooperiert. Aber das Staatseigentum war nicht mehr zur Selbstbedienung der Oligarchen da, nein, da wurde durchaus auch gegen die Oligarchen gearbeitet. Und zumindest einige von ihnen sind heute zwar immer noch superreich, aber deutlich ärmer als damals, und der russische Staat ist deutlich reicher geworden, dies insbesondere auch was Eigentumsanteile an den verschiedensten Firmen betrifft. 

Max

31. Januar 2021 08:50

@Imagine: Die These, dass man die Superreichen vor allem von der politischen Macht trennen muss, beruht auch darauf, dass ihr Superreichtum zentral von ihrer Fähigkeit abhängt, selbst die Gesetze zu schreiben - also all die Wände voller staatlicher Regulierungen, von diesen Superreichen selbst geschrieben, die es jeglicher Konkurrenz schwierig bis unmöglich machen, mit ihnen zu konkurrieren.  Allein schon die Fixkosten, die dadurch entstehen, dass man eine Rechtsabteilung braucht, um die Gesetze überhaupt zu kennen ... 

Ohne solche Unterstützung durch selbstgeschriebene Gesetze wären  zu große Firmen eher ein wirtschaftlicher Nachteil, schon weil die Untergebenen in großen Hierarchien auch immer eigene, den Interessen der Firma widersprechende Interessen haben, was sie weniger effizient im Vergleich zu Firmen der optimalen Größe macht.  Klar ist die optimale Größe sehr von dem abhängig, was man herstellt, der optimale Frisör ist kleiner als der optimale Containerschiffbauer.  Aber für die ganz Großen gibt es eben die zusätzlichen politischen Möglichkeiten, die alles verzerren. 

Maiordomus

31. Januar 2021 09:11

"Nie Anschluss zur modernen Sozialwissenschaft" tönt schön. Was habe ich denn nicht gelesen, darüber hinaus aber noch Helmut Schoeck (von ihm alles) und Popper? Viele der meistzitierten Gelehrten habe ich noch selber zu Vorträgen aufgesucht, muss Ihnen hier nicht aus meinem Briefaustausch mit Canetti zitieren. Und im Ernst halte ich es für keine Kleinigkeit, wenigstens im regional-lokalen Bereich mal praktisch-politisch dies und jenes bewegt zu haben, was mich hoffentlich überlebt. Im Kalten Krieg hatte ich nebst den herkömmlichen auch noch  Kontakt mit einem jüdischen Ungarn-Flüchtling, Autor, der vom damaligen antikommunistischen Mob in den Westen geflohen ist. Das gab ergänzende Perspektiven.  Hoffe noch, aus der einstigen DDR erhaltene Akten über Konrad Farner mal noch aufarbeiten zu können. Wenn Sie mir noch jemanden nennen können, von denen ich über die deutschen Konservativen im 2. Weltkrieg, für mich seit bald 60 Jahren ein Thema, zumal Karl Ludwig von Guttenberg, noch was lernen kann, nehme ich Ihre Anregung gerne entgegen.  Was vom Kalten Krieg, über den ich im Rahmen eines Forschungsinstituts gearbeitet habe, raten Sie mir zum ergänzenden Studium? Nehme jeden Lesetipp entgegen und besuche auch Archive, um nicht hinter Ihrem Informationsstand zurückzubleiben.

Maiordomus

31. Januar 2021 11:49

@Max. Wer ist "man", der die Superreichen, die natürlich alle unter einer Decke stecken, von der Macht trennt? Und wie viele Divisonen hatte zu seinen tatsächlich mächtigen Zeiten der Papst, über dessen Reichtum mein verstorbener Weggefährte Deschner viel geschrieben hat: ohne damit die Machtfrage etwa bei Papst Innonzenz III. oder dem in Avignon residierenden Johanness XXII. (verurteilte Eckhart) wirklich zu treffen. Ausgehend von der Debatte über die Guttenberg würde ich die Memoiren der verstorbenen Altbaronin, einer klugen, weisen und lebenserfahrenen Frau, hier durchaus empfehlen. Jeder vernünftige Meinungsaustausch nüsste ja von konkreten Quellentexten ausgehen, die man kritisch lesen müsste. Was wissen Sie, @Max, eigentlich von russischer Geschichte, sagen wir mal der aus deutscher, französischer und wissenschaftsgeschichtlicher Sicht wegweisenden Akademie von Petersburg? Auf der Basis von welchen Standardwerken beruhen Ihre Behauptungen betr. die ök. Hintergründe bei Putin? Mit welchen nicht korrumpierten russischen Gelehrten (ich kann Ihnen Adressen geben) haben Sie sich darüber unterhalten?  Wie weit sind Sie eingearbeitet?

Maiordomus

31. Januar 2021 12:14

@Max. Meine erste Probe-Vorlesung für das Diplom für das Höhere Lehramt hielt ich vor genau 50 Jahren zum Thema "Die industrielle Revolution in Russland.". Ehrlich, wenn ich an mein damaliges, auf kaum zwei Dutzend Titel meist westlicher Fachliteratur beruhendes Wissen zurückdenke, wird mir peinlich zu Mute. Heute würde ich wohl noch über einen Spitzengelehrten in St. Petersburg hinaus noch ergänzende Auskünfte bei einem SiN-Mitdebattierer einholen, der dank Russischkenntnissen und entsprechend mehrjährigem Aufenthalt vieles weiss, was es alternativ zu bedenken gäbe; nicht wegen umstrittener Einschätzungen, die vielleicht nicht weit entfernt sind von den Ihrigen, sondern wegen den verfluchten Details, für die man sich nun mal vor Ort auskennen muss. Eine Nichte von mir unterrichtet russische Geschichte an einer norddeutschen Universität, doktorierte über die Wirtschaftspolitik zur Zeit von Breshnev. Mir fällt indes auf, dass in Deutschland Geschichte auf der Basis von Konsens-Objektivität unterrichtet wird. Trotzdem schadet es nichts, mit Eingearbeiteten in Dialog zu treten, will man konkret etwas mehr wissen als bloss @Imaginiertes oder Mainstream-Medien-Quatsch.  

Imagine

31. Januar 2021 15:08

@Maiordomus   31. Januar 2021 09:11
„"Nie Anschluss zur modernen Sozialwissenschaft" tönt schön. Was habe ich denn nicht gelesen …?“

Ein altes Problem.

Lesen und Verstehen sind zweierlei:

Schon in der Bibel wird die Frage gestellt: „Verstehst du auch, was du liesest?“

Den Marx und andere kritische Theoretiker haben viele gelesen, aber nur ganz wenige verstanden.

Weil nur wenige in Art einer „Bewusstseinsrevolution“ die erforderlichen „höheren“ kognitiven Strukturen entwickelt haben und daher nur aus dem Marx et al. herausgelesen haben, was sie mit ihrem Bewusstsein hineinprojiziert haben.

In der DDR war Marxismus sogar Pflichtfach. Dieser Marxismus war jedoch die Herrschaftsideologie einer „neuen Klasse“ der Parteifunktionäre und so verdreht und falsch, wie die angeblich christliche Lehre der Kirchen und ihrer Pfaffen, welche im Dienste feudaler Klassenherrschaft standen und mit Privilegien davon profitierten.

Die Aversion von Ex-DDRlern gegenüber dem Marxismus ist gut verständlich. Eben weil es nicht die kritische und emanzipatorische Theorie von Marx war, sondern ein falsches Bewusstsein von einem angeblichen Sozialismus und einem „Arbeiter- und Bauern-Staat“, was ihnen eingetrichtert wurde.

Marx` Maxime war hingegen: „De omnibus dubitandum!“

Maiordomus

31. Januar 2021 18:30

@imagine.Bin dankbar, dass Sie auf Texte verweisen. Was Marxismusforschungen in der DDR betrifft, gab es - abgesehen von editorischen Bemühungen - auch Qualität: So das  Lexikon "Logik", das dank stark methodischen Charakter vernünftige Kritik zulässt, schon weil mit beträchtlicher Klarheit Begriffe definiert werden. Ihr esoterischer Verstehensanspruch lässt sich angesichts gigantischer weltweiter Forschungen nicht halten, zu schweigen davon, dass Theorien klar sein müssen.. Für M. wird typisch, dass er in gnostischer Tradition Frageverbote aufstellt, schon in Frühschrifter: "Denke nicht, frage nicht; denn sobald du denkst und fragst, hat deine Abstraktion vom Sein der Natur u. des Menschen keinen Sinn." Es geht in da um die angeblich falsche Frage nach der Schöpfung. Ernst Kux "Karl Marx - Die revolutionäre Konfession" zeigte den  "theologisch"-metaphysischen Ansatz dieser nicht unfruchtbaren Sozialreligion. Dabei ist alles Wesentliche über das brit. Proletariat lange vor Marx von Baader 1835 in Abhandlung über die "Proletairs" dargetan worden, bei Warnung vor Revolution, wenn diese Ungerechtigkeiten nicht beseitigt würden. Darüber publizierte ich 1972 erstmals. Massiv unwissenschaftlich, auch in logischer Hinsicht, werden Marx u. Engels indes in ihrer Geschichtstheorie; mit der ich mich mit meinem Lehrer Lübbe über Jahre auseinandergesetzt habe.

Maiordomus

31. Januar 2021 21:16

PS. Hier wird natürlich nicht bestritten, dass Marx und natürlich auch Friedrich Engels in der Geschichte etwa der Oekonomie als Fussnote zu A. Smith wichtig sind, selbst wenn in ihrer Philosophie Sätze wie "Der Sprössling ist die Negation des Korns" oder das "Huhn Negation des Eis"  unter dem Niveau von Plinius sind; eine absurdere und unlogischere Theorie ferner als etwa der historische Materialismus mit seinen Geschichtsgesetzen wurde wohl auch im Mittelalter kaum je konstruiert; vgl. "Das Elend des Historizismus" von Popper und streng logisch analytisch weiterführend  "Geschichtsbegriff und Geschichtsinteresse", 2. Auflage Basel 2012, von Hermann Lübbe. "Geschichtsgesetze" verwechselt heute niemand mehr mit Wissenschaft, wiewohl etwa das Buch "Das Ende der Geschichte" von Fukuyama sogar aus dumm-kapitalistischer Sicht da noch einen drauf gibt.  Dabei können aber durchaus unwissenschaftliche, weil nicht falsifiziergare Annahmen wie bei Freuds Psychoanalyse die Forschung fruchtbringend anregen, d.h. indirekt Erkenntnisfortschritte bringen; Voraussetzung bleibt im Prinzip die Denkbarkeit der Falschheit etwa in der Art "Wenn die Rotverschiebung der Spektrallinien durch das Gravitationspotential nicht existiert, wird die Allgemeine Relativitätstheorie unhaltbar."(Einstein)  In diese Richtung müssten wissenschaftliche Theorien wohl formuliert werden.  

anatol broder

31. Januar 2021 21:26

@ maiordomus

irgendeine idee, warum viktor pelewin (*1962) in deutschland kaum gelesen wird?

Nath

31. Januar 2021 21:29

Ich stelle hier für @Imagine, @Maiordomus wie überhaupt für den gesamten Blog einen link zur Verfügung, der uns - seien wir nun Sozialisten oder Anti-Sozialisten - als Diskussionsplattform dienen könnte. Wem der junge Ire noch nicht bekannt ist, sollte meines Erachtens mit ihm Bekanntschaft machen, denn man wird, egal, ob man "ideologisch" nun mit ihm übereinstimmt oder nicht, bald feststellen, dass hier jemand bestrebt ist, dicke Bretter zu bohren. Es handelt sich um den Youtuber Keith Woods, einem Sozialisten und Nationalisten mit spirituellem Einschlag, der sich weder vom Materalismus der Linken noch vom Anti-Egalitarismus de Rechten vereinnahmen lässt. Das Thema: "The Coming Neo-Feudal Age". www.youtube.com/watch?v=Ebq0iMcVpf0

Um nun wieder auf die beiden oben genannten Foristen zu sprechen zu kommen, so halte ich die Diskussion, die sie hier führen, für durchaus produktiv. Es ist ein Gewinn für diesen Blog, jemanden zu haben (von dem mich gleichwohl Entscheidendes trennt), der sich für Marx und die Aufklärung stark macht. Für weltanschauliche Gegengewichte in Form hierarchie-affiner Gesellschaftskonzepte ist ohnehin gesorgt.

Maiordomus

1. Februar 2021 08:07

@Marx war Gegenaufklärer; dies hat Eric Voegelin in "Wissenschaft, Politik und Gnosis" erschlagend dargetan; siehe die oben genannten Frageverbote; vgl. Bd. 2 von Popper "Die offene Gesellschaft und ihre Feinde". @Nath. Sie glauben nicht im Ernst, dass es angesichts einer breit-kontroversen Forschungsliteratur -  verhält sich ähnlich wie  Bibeldeutung - auch diversen Enzyklopädien zum Thema; sowohl kritischen wie marxgläubigen, für die Forschung auf ein Influencer-Bubi ankommt? Nichts gegen Gunnar Kaiser, der dies auf seine Weise derzeit als Libertärer praktiziert. Aber den Marxismus mit Aufklärung verwechseln kann nur, wer sich noch nie die Mühe genommen hat, den dialektischen Materialismus als Metaphysik für ein paar Jahre einer logischen Untersuchung zu unterstellen, wie das der Philosoph I.M. Bochenski gemacht hat,  führender Logik-Historiker des 20. Jahrhunderts. Dabei bleiben die marxistischen Schemata trotz erwiesener Dummheit ähnlich wie Ideologeme des Faschismus und Nationalsozialismus eine Sammlung von Halbwahrheiten, die weder methodisch noch empirisch Nachprüfungen standhalten; sie dienen einem Glaubensbedürfnis und liefern die heute noch erfolgreiche Geistesfreiheit unterdrückende Feindbildtheorie. Aber mit Wissenschaft hat das nicht mehr zu tun als Scientology. Das Bedürfnis nach weltanschaulichem Glauben muss aber - wie der Islamismus oder der intellektuell im Vergleich zum Marxismus immer noch weit anspruchsvollere Katholizismus - ernst genommen werden.

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