Sammelstelle in der Sturzflut des Gedruckten (5)

Wenn Polen und Ungarn in den bisherigen vier »Sammelstellen« überrepräsentiert scheinen, so hat das seinen Grund:

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

In bei­den Staa­ten der Visegrád-Grup­pe – die wei­te­ren bei­den Part­ner in die­sem sou­ve­rä­nis­ti­schen Ver­bund sind Tsche­chi­en und die Slo­wa­kei – mate­ria­li­siert sich in den poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chen Berei­chen jene Rest­ver­nunft, die in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land nur noch in Nischen vor­zu­fin­den ist.

Aus die­sem Grund ist der Blick auf Ungarn und Polen sei­tens der bun­des­deut­schen Leit­me­di­en so unver­söhn­lich bis unver­stän­dig. Die­sen Punkt spricht das Febru­ar-Heft des Cice­ro (2/2021) an. Die Redak­ti­on hat Nor­bert Map­pes-Nie­diek gewon­nen, in der Rubrik »Welt­büh­ne« dar­zu­le­gen, was »wir« an Ost­eu­ro­pa (bes­ser wäre: Ost­mit­tel­eu­ro­pa) nicht ver­ste­hen würden.

»Euro­pa anders­rum« ist ein lesens­wer­ter Bei­trag zur Debat­te. Mar­kant ist etwa jene Pas­sa­ge, in der der stei­ri­sche Jour­na­list und Buch­au­tor (Euro­pas geteil­ter Him­mel erscheint in weni­gen Tagen) die Bedeu­tung dar­legt, die in der Schlüs­sel­fra­ge ent­hal­ten ist, ob bei­spiels­wei­se Ungarn mehr Gel­der von der Euro­päi­schen Uni­on, ihrem Appa­rat und ihren domi­nie­ren­den Kon­zer­nen »nimmt« – oder ob Ungarns Volk mehr »gibt«.

Für den libe­ra­len Frak­ti­ons­chef im Euro­pa­par­la­ment Guy Ver­hof­stadt ist die Sache klar: Vik­tor Orbáns Staat wür­de »unser Geld« neh­men, aber gleich­zei­tig zu wenig auf Brüs­sel zuge­hen und sich natio­nal ein­igeln. Ähn­li­che Inter­pre­ta­tio­nen sind auch in der BRD altbekannt.

Nicht nur in der Boulevard‑, son­dern auch in der soge­nann­ten Qua­li­täts­pres­se wird regel­mä­ßig dar­auf hin­ge­wie­sen, wie sehr Ungarn und Co. von jener EU pro­fi­tie­ren, die sie in Schlüs­sel­fra­gen (Grenz­schutz, Sou­ve­rä­ni­täts­trans­fers, Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus usw.) vor den Kopf stießen.

Doch hier rät Map­pes-Nie­diek zum Wech­sel des Blickwinkels:

Aus öst­li­cher Per­spek­ti­ve sind die Rol­len des Gebers und des Emp­fän­gers näm­lich vertauscht,

erfährt man von ihm.

Vie­le Ungarn oder Polen fra­gen sich (mit Recht, wür­de ich wer­tend ergänzen):

Pro­fi­tie­ren west­li­che Inves­to­ren nicht enorm davon, dass sie unse­ren Arbeit­neh­mern viel nied­ri­ge­re Löh­ne zah­len? Spie­len sie unse­re Regie­run­gen in der Wer­bung um Betriebs­an­sied­lun­gen nicht gegen­ein­an­der aus, sodass wir kei­ne For­de­run­gen an sie stel­len dür­fen und wir sie mit Steu­er­ge­schen­ken her­bei­lo­cken müssen?

Doch damit noch nicht genug:

Haben sie uns über den Umweg über ihre Regie­run­gen und die EU-Kom­mis­si­on nicht selbst die Regeln auf­ge­drückt, nach denen sie dann hier wirtschaften?

Eben­je­ne öko­no­mi­sche Linie setzt sich fort, wenn Map­pes-Nie­diek die Ost(mittel)europäer zwei­feln läßt:

Ver­kau­fen sie uns am Ende nicht die Waren, die wir selbst für gerin­gen Lohn her­ge­stellt haben, zu über­höh­ten Prei­sen? Und müs­sen wir es uns gefal­len las­sen, dass west­li­che Län­der ihre Pro­ble­me mit Zuwan­de­rung zu uns expor­tie­ren? Uns, die wir doch täg­lich Exper­ten, Ärz­te, Fach­leu­te, Wis­sen­schaft­ler an euch verlieren?

Map­pes-Nie­dieks weiß hier anzu­mer­ken, daß sich die »rech­ten« Visegrád-Staa­ten aus­ge­rech­net auf den lin­ken Den­ker Tho­mas Piket­ty bezie­hen können:

Der Öko­nom ver­glich die Zah­lun­gen aus dem Brüs­se­ler Haus­halt, die tat­säch­lich zu einem gro­ßen Teil von Wes­ten nach Osten flie­ßen, mit den Unter­neh­mens­ge­win­nen, die die umge­kehr­te Rich­tung. Net­to kam für den Osten ein Minus her­aus, ein beson­ders dickes für Tsche­chi­en und Ungarn und immer noch ein spür­ba­res für Polen und die Slowakei.

Allei­ne die­se Infor­ma­tio­nen, die in bun­des­deut­scher Pres­se gewöhn­li­cher­wei­se ver­schwie­gen oder gar gegen­sätz­lich dar­ge­stellt wer­den, »sicht­bar« zu machen, ist bereits ein Ver­dienst des Sechsseiters.

Aber auch an Kri­tik spart der Ken­ner ost­mit­tel­eu­ro­päi­scher Gesell­schaf­ten nicht. Die vier Visegrád-Staa­ten wür­den zwar kon­stant Brüs­sel für Fehl­ver­hal­ten und ver­meint­li­che wie tat­säch­li­che Über­grif­fig­kei­ten schel­ten, ver­säu­men es aber seit vie­len Jah­ren, eige­ne Ideen für Euro­pa jen­seits des »Dage­gen« zu präsentieren.

In die­sem Kon­text legt Map­pes-Nie­diek den Fin­ger in die natio­nal­kon­ser­va­ti­ve Wunde:

Aus Ost­eu­ro­pa kom­men kei­ne kon­struk­ti­ven Vor­schlä­ge, wie man die Staa­ten­ge­mein­schaft anders, loser, enger oder effi­zi­en­ter orga­ni­sie­ren könnte.

Die­ser Tadel ist wohl berech­tigt, wobei die Situa­ti­on nicht sta­tisch blei­ben muß.

Aus Ungarns geis­ti­gem Betrieb hört man in die­sem Sin­ne, daß an euro­pä­isch-kon­ser­va­ti­ven Stand­punk­ten gear­bei­tet wer­den wird. Die Moto­ren hier­für sit­zen etwa in der Redak­ti­on der Buda­pes­ter Zeit­schrift Kom­men­tár aus dem Nah­feld der Regie­rungs­par­tei Fidesz  Sezes­si­on-Leser wer­den frü­her als ande­re ers­te Essen­zen die­ser theo­re­ti­schen Arbeit prä­sen­tiert bekommen.

Bis dahin emp­fiehlt sich der Bei­trag Nor­bert Map­pes-Nie­dieks im aktu­el­len Cice­ro über die Rebel­len wider das »sanf­te Mons­ter Brüs­sel« (Hans Magnus Enzens­ber­ger) als pro­fun­de »Anfüt­te­rung«.

– –

Apro­pos Cice­ro: Im »Maga­zin für Poli­ti­sche Kul­tur« ste­hen wei­te­re Ver­än­de­run­gen an. Wei­te­re – denn mit Alex­an­der Kiss­ler (vgl. Kositz­as Video oder die ers­te »Sam­mel­stel­le«) hat­te im ver­gan­ge­nen Jahr bereits ein prä­gen­der Autor das Monats­ma­ga­zin ver­las­sen. Er arbei­tet seit Som­mer 2020 als Ber­li­ner Kor­re­spon­dent für die Neue Zür­cher Zei­tung (NZZ).

Nun ver­läßt auch Co-Her­aus­ge­ber und Co-Chef­re­dak­teur Chris­toph Schwen­ni­cke das Blatt und wird durch den illus­tren Dirk Not­heis ersetzt, der bis 2012 BRD-Ver­ant­wort­li­cher der US-ame­ri­ka­ni­schen Invest­ment­bank Mor­gan Stan­ley gewe­sen ist. Schwen­ni­cke selbst ver­ab­schie­det sich mit sei­nem Edi­to­ri­al, indem er den Weg für den Leit­ar­ti­kel der Febru­ar­aus­ga­be ebnet.

Schwen­ni­cke bie­tet dar­in eine Steil­vor­la­ge für sei­nen Titel­au­to­ren Mathi­as Brodkorb:

Der real exis­tie­ren­de Föde­ra­lis­mus ist natio­nal wie euro­pä­isch zu lang­sam für die­se Welt und für ein Virus, das auf Sub­si­dia­ri­tät und Ein­stim­mig­keits­prin­zip kei­ne Rück­sicht nimmt.

Brod­korb ist für lang­jäh­ri­ge »Sezes­sio­nis­ten« sicher­lich kein Unbe­kann­ter. Als Grün­der von »End­sta­ti­on rechts« wur­de der sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Nord­deut­sche über­re­gio­nal bekannt; acht Jah­re lang war er Minis­ter in Meck­len­burg-Vor­pom­mern (erst im Bereich Bil­dung, dann Finan­zen). Nun reüs­siert er als Buch­au­tor (Der Abitur­be­trug) und gefrag­ter Zeit­schrif­ten­au­tor – ob als Gesprächs­part­ner in Cato oder als Leit­ar­tik­ler im aktu­el­len Cice­ro.

Die­ser jüngs­te Auf­satz hat es in sich. »Die gefes­sel­te Repu­blik« dürf­te vor allem bei sei­nen Kri­ti­kern links der Mit­te, in Brod­korbs urei­ge­nem Milieu, als Abschied von eben­je­nen Krei­sen gewer­tet wer­den. Denn Brod­korb ver­mißt Hand­lungs­fä­hig­keit des deut­schen Staa­tes, kri­ti­siert den föde­ra­len Rechts­staat als »Schön­wet­ter­in­sti­tu­ti­on« und for­dert eine Neu­ord­nung der Struk­tu­ren der Republik.

Eini­ge hei­li­ge Zöp­fe der ver­ei­nig­ten Lin­ken schnei­det Brod­korb recht forsch ab. Ein Bei­spiel bie­tet sei­ne ratio­nal-küh­le wie rich­ti­ge Über­le­gung zum Wesen von Politik:

In der Poli­tik (…) geht es nicht in ers­ter Linie um Wahr­heit, son­dern um Inter­es­sen, nicht um Argu­men­te, son­dern um Macht und die mit ihr ver­wo­be­nen mensch­li­chen Eitelkeiten.

Die­se Aus­sa­ge für sich genom­men wäre kei­ne Auf­re­gung wert. Poli­tisch reiz­voll wird sie erst durch ihre Liai­son mit einer genu­in »rech­ten« Lage­ana­ly­se in bezug auf die anhal­ten­de Coronakrise.

Kri­sen­be­wäl­ti­gung, so defi­niert Brodkorb,

ist die staats­po­li­ti­sche Königsklasse.

Bei der­lei Begrif­fen des Poli­ti­schen denkt man womög­lich an den Wei­sen aus Plet­ten­berg. Und tat­säch­lich fährt Brod­korb fort:

Es liegt in der Natur der Sache, dass es in kei­ner Situa­ti­on so sehr auf den Staat ankommt wie im »Ernst­fall« (Carl Schmitt).

Doch eben­je­ner Staat hat einen schlech­ten Leu­mund in der BRD des Jah­res 2021. Das füh­re dazu, daß sowohl »Auto­ri­tät« als auch »Hand­lungs­fä­hig­keit« des Staa­tes suk­zes­si­ve ver­lo­ren gehen. Man spü­re dies im All­tag deutlich:

Ret­tungs­kräf­te wer­den bei ihrer Arbeit behin­dert und ver­höhnt, Poli­zis­ten belei­digt und bespuckt, Sol­da­ten als »Mör­der« ver­ach­tet. Eine nicht uner­heb­li­che Zahl von Bür­gern begreift den Staat nicht mehr als gemein­wohl­för­der­li­che Schutz­macht, der Respekt zu zol­len ist, son­dern als Herr­schafts­in­stru­ment einer abge­ho­be­nen Elite.

Zudem, und nun müs­sen links­ge­pol­te Leser prü­fen, ob der Autor wirk­lich Mathi­as Brod­korb heißt, wer­de der Staat oft­mals fehlinterpretiert,

als Ver­sor­gungs­an­stalt für jeder­mann, die mit Ansprü­chen jed­we­der Art über­schüt­tet wer­den darf.

Über die Pro­ble­ma­tik der Impf­mit­tel­be­schaf­fung (»das eigent­li­che Staats­ver­sa­gen«) kommt der Autor – er heißt wirk­lich Brod­korb – zur Mer­kel­schen Volks­ver­ges­sen­heit. Die Bun­des­kanz­le­rin adres­sie­re die EU, nicht das eige­ne Volk. Sie unter­mi­nie­re den inne­ren »Sinn eines jedes Staats­we­sens«, und des­halb erlaubt sich Brod­korb auf jenes Fak­tum hin­zu­wei­sen, wonach Mer­kel ihren Amts­eid auf das deut­sche Volk abge­leis­tet habe.

Dies für sich genom­men ist bereits eine kor­rek­te Bestands­auf­nah­me. Brod­korb treibt sei­ne Kri­tik aber erheb­lich wei­ter. Daß Chi­nas Öko­no­mie sich etwa trotz Coro­na­maß­nah­men bes­tens erho­len konn­te, habe sei­nen Grund:

Es gehört wenig Ein­sicht dazu, die Erfol­ge Chi­nas bei der Pan­de­mie­be­kämp­fung und der Wie­der­be­le­bung der Wirt­schaft auch und vor allem sei­nen auto­ri­tä­ren Struk­tu­ren zuzuschreiben.

Ent­schei­dungs­pro­zes­se wer­den effek­tiv ver­kürzt, straf­fe und kla­re Füh­rung führe

zu einem nicht weg­zu­dis­ku­tie­ren­den Standortvorteil.

Ohne daß Brod­korb nun zum unver­hoh­le­nen Ver­fech­ter eines deut­schen »chi­ne­si­schen Weges« wür­de, ver­weist er doch auf die Pro­ble­ma­tik eines jeden »Ernst­falls«: Ein sol­cher Ernst­fall (ob durch einen Virus oder eine Kata­stro­phe her­vor­ge­ru­fen) ist einem

Dis­kurs schlicht nicht zugänglich.

Doch die­se Klar­heit ver­mißt der Autor:

Dass das Leben nicht voll­stän­dig der deli­be­ra­ti­ven Demo­kra­tie unter­stellt wer­den kann, muss West­eu­ro­pa offen­bar erst wie­der lernen.

Brod­korb erklärt sich bereit­wil­lig zum Leh­rer, wenn er sei­ne Kri­tik an der bun­des­deut­schen Malai­se und an Mer­kels Stolz auf ihre »stark indi­vi­dua­li­sier­te Gesell­schaft« mit drei Hin­wei­sen ver­knüpft, die zu beach­ten es erfor­der­te, wenn man

Demo­kra­tie und kla­re Füh­rer­schaft, Demo­kra­tie und Geschwin­dig­keit, Demo­kra­tie und effi­zi­en­tes Staatshandeln

nicht als Wider­sprü­che, son­dern als anzu­stre­ben­de Ein­hei­ten begrei­fen möchte.

Die drei Din­ge, die von­nö­ten sei­en, las­sen kei­ne Zwei­fel offen, wel­chen Pfad Brod­korb ein­zu­schla­gen empfiehlt.

Ers­tens nennt er das

Zurück­stut­zen einer teils metasta­sie­ren­den Bürokratie,

die es beför­der­te, daß

Geset­ze, Ver­ord­nun­gen und Erlasse

fort­wäh­rend

zahl­rei­cher, umfang­rei­cher und detaillierter

wur­den, was unter ande­rem zu

gro­tes­ken Verfahrensdauern

geführt habe.

Zwei­tens drängt Brod­korb zu einer Neu­ord­nung der föde­ra­len Mecha­nis­men Deutsch­lands. Wer einen »hand­lungs­fä­hi­gen Staat« anstre­be, müsse

die Kom­ple­xi­tät der Ent­schei­dungs­struk­tu­ren dras­tisch reduzieren.

Auf die­se unver­hoh­le­ne Bereit­schaft zur Neu­jus­tie­rung des Ver­hält­nis­ses Zentralstaat–Teilstaaten (sprich: Bundespolitik–Länderpolitik) folgt in Brod­korbs Ana­ly­se – drit­tens – eine dezi­dier­te Handlungsempfehlung.

Es gel­te,

mehr poli­ti­sche Füh­rung und weni­ger blo­ße Moderation

zu wagen:

Der Staat muss wie­der in den Stand gesetzt wer­den, sich über­bor­den­der Ansprü­che an ihn zu erweh­ren. Er ist kei­ne »Milch­kuh« (Arnold Geh­len), an deren Zit­zen sich aller­lei Par­ti­ku­lar­in­ter­es­sen laben kön­nen, son­dern hat in unser aller Inter­es­se dem Gemein­wohl zu dienen.

Staat, deut­sches Volk, Ernst­fall, Carl Schmitt, Hand­lungs­fä­hig­keit, Gemein­wohl, Arnold Geh­len, Dienst – die Lis­te der Brod­korb­schen Sün­den­fäl­le auf zwölf (zum Teil bebil­der­ten) Cice­ro-Sei­ten ist lang und dürf­te für eini­gen Nach­hall sor­gen. Ein rich­tungs­wei­sen­der, dich­ter, mei­nungs­star­ker Bei­trag, an dem ich ledig­lich bekrit­teln könn­te, daß er nicht in der Sezes­si­on erschie­nen ist.

– –

Nun ist er im Cice­ro publi­ziert wor­den, der vor allem des­halb eine star­ke Febru­ar­aus­ga­be sein eigen nen­nen darf. Nicht, daß das Heft durch die Bank lesens­wert wäre; zum Teil sind Bei­trä­ge ent­hal­ten, deren Lek­tü­re irrepa­ra­blen Lebens­zeit­ver­lust mit sich bringt.

Doch ein drit­ter Coup gelingt den Machern um Alex­an­der Mar­gu­ier und Schwen­ni­cke (letzt­mals) dank eines Inter­views mit Tho­mas Kem­me­rich. Der FDP-Poli­ti­ker hat im Febru­ar 2020 bekannt­lich für 28 Tage lang als Minis­ter­prä­si­dent Thü­rin­gens gel­ten dür­fen, bevor ihn die ver­ei­nig­te Lin­ke in Pres­se, Poli­tik und »Zivil­ge­sell­schaft« in Tat­ein­heit mit Kanz­le­rin Mer­kel (»Das Ergeb­nis muss rück­gän­gig gemacht wer­den«) zu Fall brachte.

Der als »Zocker« gel­ten­de Bodo Rame­low (Die Lin­ke) durf­te Rot-Rot-Grün bei Unter­stüt­zung durch die Christ­de­mo­kra­ten wei­ter­füh­ren, Kem­me­rich wur­de in der FDP und weit dar­über hin­aus zur Per­so­na non gra­ta, und die AfD bewies, daß es gelin­gen kann, in »Thü­rin­gen jeman­den so auf einen Stuhl set­zen, daß es in Ber­lin einem ande­ren Stuhl die Bei­ne abschlägt« (Götz Kubit­schek).

Moritz Gath­mann und Chris­toph Schwen­ni­cke inter­es­sie­ren sich ein Jahr nach dem Thü­rin­ger Fanal für Kem­me­richs wei­te­ren Wer­de­gang: Ist die Polit­kar­rie­re des gebür­ti­gen Aache­ners been­det? Wie erleb­te er die Zeit nach sei­nem Zwangsrücktritt?

Kem­me­rich wird dem Leser als emi­nent gel­tungs­be­wuß­ter Akteur vor­stel­lig. Er teilt erwar­tungs­ge­mäß gegen den dama­li­gen CDU-Lan­des­va­ter Mike Mohr­ing aus, sieht sich aber pri­mär als Opfer – wohl­ge­merkt nicht zual­ler­erst als Opfer der Mer­kel­schen Apo­dik­tik oder des im Haß auf Abwei­chung ver­ei­nig­ten Anti­fa­schis­mus, son­dern als Opfer der unfai­ren AfD, die gewis­se »Spiel­re­geln« nicht befolg­te, wes­we­gen Kem­me­rich mitteilt:

Ich habe nicht gefoult, ich bin der Gefoulte.

Die­se Lar­moy­anz muß man ertra­gen als Leser, wie man auch sei­ne bis­wei­len gezeig­te Ableh­nung links­las­ti­ger Bünd­nis­se getrost in ihrer Authen­ti­zi­tät rela­ti­vie­ren darf. Denn Kem­me­rich räumt selbst offen ein, daß er und ande­re an einer »Sim­bab­we-Lösung« gear­bei­tet hat­ten, also an einem Bünd­nis zwi­schen CDU, FDP, Grü­nen und Sozi­al­de­mo­kra­ten. Denn für ihn sei eines unverrückbar:

Es wird kei­ne Zusam­men­ar­beit mit der AfD geben.

Bedau­er­li­cher­wei­se scheint Kem­me­rich wenig aus dem aggres­si­ven Vor­ge­hen der All­par­tei­en­al­li­anz unter Zuhil­fe­nah­me anti­fa­schis­ti­scher Stra­ßen­tä­ter gelernt zu haben, obwohl es mar­kan­te Anläs­se hier­für gege­ben hat. Er ver­weist nament­lich auf einen ent­schei­den­den lin­ken Mul­ti­funk­tio­när Rame­lows: Ben­ja­min-Imma­nu­ell Hoff.

Der war bzw. ist nicht nur Chef der Thü­rin­ger Staats­kanz­lei, Minis­ter für Kul­tur, Bun­des- und Euro­pa­an­ge­le­gen­hei­ten, son­dern bereits seit 2019 auch kom­mis­sa­ri­scher Minis­ter für Infra­struk­tur und Land­wirt­schaft und Lan­des­be­auf­trag­ter für die För­de­rung jüdi­schen Lebens und die Bekämp­fung des Antisemitismus.

So vie­le Ämter, so wenig poli­ti­sche Höf­lich­keit. Kemmerich:

Der Staats­mi­nis­ter Hoff hat mir damals die Schlüs­sel der Staats­kanz­lei über­ge­ben. Kurz dar­auf stell­te er sich vor die Tür und sag­te: Wir müs­sen den da wie­der rauskriegen.

Als Libe­ra­ler, der sel­te­ner als AfD-Akteu­re in den Fokus der­ar­ti­ger Anti­fa­schis­ten gerät, kommt Kem­me­rich zu fol­gen­der Feststellung:

Das Aus­maß der Anfein­dun­gen hat mich schockiert.

Nun, sein Par­la­ments­kol­le­ge Björn Höcke hät­te ihm sicher­lich schon Jah­re vor­her eini­ges über lin­ke Angriffs­kul­tur erzäh­len kön­nen, sofern Kem­me­rich sich danach erkun­digt hät­te. Nun wur­de dies­mal ihm zuge­setzt, auch sei­ne Fami­lie muß­te Angrif­fe erleiden.

Die eta­blier­te Poli­tik ein­schließ­lich Mer­kel blieb natür­lich gewohnt stumm. Auch aus der CDU erfuhr Kem­me­rich näm­lich kei­ne Soli­da­ri­tät. Jene Christ­de­mo­kra­ten, die Kem­me­rich im Wil­len bestärk­ten, zur Minis­ter­prä­si­den­ten­wahl anzu­tre­ten, tauch­ten ab. In den Wor­ten des gefal­le­nen Poli­ti­kers selbst:

Die waren weg. Sie haben sich ver­mut­lich dem Dik­tat der Kanz­le­rin aus Süd­afri­ka gebeugt.

Kri­tik an Mer­kel und Rame­low? Ja, aber bit­te nur im Kon­text, man ist nicht einem rech­ten Flü­gel oder der­glei­chen zugehörig:

Natio­nal­li­be­ral wür­de ich zurück­wei­sen. Ich bin ein kon­ser­va­ti­ver Mensch, aber ich bin aus tiefs­tem Her­zen wirtschaftsliberal.

Bei der­lei Bekennt­nis­lust ahnt man es schon: Ein­schnei­den­de Leh­ren aus dem Thü­rin­ger Deba­kel wur­den von Tho­mas Kem­me­rich nicht gezo­gen. Auch von der Zunei­gung zur Christ­de­mo­kra­tie will der Ver­bann­te sei­ne Fin­ger nicht lassen:

Mei­ne Lei­den­schaft gehört eher einer Koali­ti­on mit der CDU als einer Ampel. Wich­tig ist aber, dass wir wie­der zwei­stel­lig wer­den, um dann auf Augen­hö­he ver­han­deln zu können.

Nach all den demü­ti­gen­den und ehr­ver­let­zen­den Erfah­run­gen eine Koali­ti­on mit den eige­nen Anklä­gern und Rich­tern anzu­stre­ben – bei so viel devo­ter Bereit­schaft zur Sub­or­di­na­ti­on wird sogar ein Co-Bun­des­vor­sit­zen­der der AfD nei­disch und ein Pro­fes­sor aus Dres­den schreibt die nächs­te Emp­feh­lung zur Folg­sam­keit gegen­über Rat­schlä­gen aus dem ideo­lo­gi­schen Staatsapparat.

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

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Kommentare (71)

Maiordomus

5. Februar 2021 11:33

Kemmerich hat nicht gemerkt, dass er bereits, neben Höcke, als "Hindenburg" dargestellt wurde. Einmal mehr ein Doppel-Artikel. Das Wichtigste wäre, Polen und Ungarn nicht gerade gleichzusetzen. Allein nur schon wer sich näher mit der Geschichte Oberschlesiens befasst hat, vor 100 Jahren fand dort eine denkwürdige Volksabstimmung statt, weiss, dass wegen dem Verhältnis zu Deutschland (und natürlich auch zu Russland) Polen einen ganz anderen Fall darstellt als Orbans Ungarn. Kein Wunder, hat Walesa Nawalny zur Provokation der Russen zum Friedensnobelpreisträger vorgeschlagen. Selber habe ich mich unterdessen bei einer russischen achtsprachigen Gewährsperson, um Welten besser informiert als Korrespondenten, auch von russ. Medien unbeeinflusst, nach Nawalny erkundigt. Antwort gehört nicht hierher ausser:  Wer heute in RU demonstriert, bekennt sich oft kaum zu Nawalny. Er schlägt einen Sack, meint aber einen Esel. Welchen wohl?  

bb

5. Februar 2021 11:38

Ich bin ein konservativer Mensch, aber ich bin aus tiefstem Herzen wirtschaftsliberal.

Denkfehler, denn für Konservative geht liberal nur national.

Maiordomus

5. Februar 2021 12:05

@bb. Sie lassen die Lebensgeschichte von Bundespräsident Theodor Heuss aussen vor. In der Geschichte des Kapitalismus wurden schon immer dem Merkantilismus und der Abschottung nach aussen Grenzen gesetzt. Wohlstand braucht Globalisierung. Dass es aber Grenzen braucht, ist heute schon durch Sozialstaat bedingt. Das können Sie bei jedem nicht gerade übergeschnappten Wirtschaftsliberalen nachlesen. Ohnehin müsste jeder, der über Hayek schimpft, mal dessen Standardwerk "Der Weg zur Knechtschaft" greifbar haben. Wilhelm Röpke, Professor in Genf, befürwortete 1966 Massnahmen zur Eindämmung von zu viel Fremdarbeitereinwanderung, woran sich in der Schweiz der Bundesrat vor 50 Jahren halten wollte; ausserdem machte Röpke wie kein zweiter Wirtschaftstheoretiker klar, dass ohne Massstäbe "jenseits von Angebot und Nachfrage" buchstäblich kein Staat zu machen sei. Das Problem heutiger "Neoliberaler" ist oft ihr Mangel an Bildung bzw. Fehlen auch historischer Kenntnis der Theorie, wenn Linke schon mit Marx kommen; W. Röpke, Kritiker des "Bildungsjakobinismus", lernte als Junge in einem umgebauten Rossstall Latein.

Imagine

5. Februar 2021 12:22

@B.K.
„In beiden Staaten [..] materialisiert sich in den politischen und gesellschaftlichen Bereichen jene Restvernunft …“.

Einspruch, Euer Ehren!

Restvernunft sehe ich in der polnischen Politik überhaupt nicht. Polen geht den Weg eines „failed state“, so wie dies der Ökonom und Nobel-Preisträger Paul Krugman auch für die USA prognostiziert hat.

Polen hat sich total von den USA abhängig gemacht, mit Russland ist es tief verfeindet und auch in der EU ist Polen ein Fremdkörper.

Restvernunft sehe ich im Kontext von Europa nur bei jenen Staaten, welche ihre ökonomischen, politischen und kulturellen Beziehungen zu China und den BRICS-Staaten ausbauen.

So wie es beispielsweise die Schweiz macht.

Es ist doch völlig klar, dass „Wirtschaft“ heute und in Zukunft durch globale Wirtschaftskreisläufe gekennzeichnet ist. Nationale oder regionale Autarkievorstellungen sind von vorgestern.

Für einen wachen Geist ist es zudem offensichtlich, dass sich das US-amerikanische Gesellschafts- und Wirtschaftsmodell im Niedergang befindet und die Weltentwicklung immer mehr von China bestimmt wird.

Wolfram Elsner hat dies in seinem Buch „Das chinesische Jahrhundert“ begründet, Benedikt Kaiser hat es bereits vor vier Monaten hier rezensiert.

Maiordomus

5. Februar 2021 12:50

@Imagine. Sie sagen betr. Polen, was ich vorher andeutete. Ergänze,  dass die dramatische deutschnational orientierte Volksabstimmung in Oberschlesien 1921, worin ein auch ethnischer Konflikt zum Austrag kam, der Anfang der Vorgeschichte des 1. September 1939 war. Würde die Geschichte Schlesiens etwa gleichlang behandelt wie die Geschichte des jüdischen Volkes, die auch die tragische Geschichte jüdischer Patrioten und Heimatfreunde war (was wie die Verbrechen vor 1945 alles gründlich behandelt werden muss), könnte man rationaler über den 2. Weltkrieg diskutieren; jenseits nur politisch gemeinter Empörungsgeschichte. Noch ein Peter Glotz (SPD), der in St. Gallen  zur Zeit von Rolf Peter Sieferle Vorlesungen hielt, kannte diese Zusammenhänge. 1948 erschien ein dickes Standardwerk über die Vertreibungen aus Schlesien (10 Millionen), welche zusammen mit dem Wiederaufbau und der Ablehnung vieler Ostflüchtlinge und der damals ebenfalls keinesfalls verschweigbaren oder verschwiegenen Geschichte von den Massenmorden im Osten ein breiter abgestütztes Narrativ ergab für Zeitgenossen noch mit Lebens- und sogar "Todeserfahrung" in fast jeder Familie. Heute liegt eine vergleichsweise erfahrungslose Manipuliermasse vor.

Laurenz

5. Februar 2021 13:44

@Imagine

Sie haben nur insofern Unrecht, was Polen zur EU-Politik betreibt. Allerdings sollten Sie die Polen von ihrer Regierung unterscheiden. In der Regel bekommt man mit Polen in Debatten weniger Schwierigkeiten als zB mit Serben, deren nationalistisches Geschichtsbild dazu diente, 500 Jahre Türken-Herrschaft zu überleben, aber nicht real ist. 

Die Polen haben eben noch ein besseres Händchen dafür, als wir, exkrementale Regierungen zu wählen. Hierbei ist auch zu bedenken, daß polnische Erfahrungen mit der Demokratie historisch extrem kurz sind. Bisher, da haben Sie vollkommen Recht, gab es noch keine polnische Regierung, die sich nicht existentiell mit ihren Nachbarn angelegt hätte.

Mutmaßlich die Nato verweigerte Helmut Kohl ein Staatsbegräbnis, wohl, weil er zu feige war, von Jelzin russisch-Ostpreußen zurückzukaufen, was heute einen Dorn in der Nato-Front gegen Rußland bedeutet. Hätte Kohl Russisch-Ostpreußen zurückgekauft, hätte sich Polen längst der Frage der Rückgabe anderer Deutscher Ostgebiete stellen müssen. Dafür ist man in Polen natürlich auf beiden Augen blind.

Laurenz

5. Februar 2021 16:15

@BK

Fand Ihre aktuelle Sammelstelle wieder wirklich gelungen. Erlaubt es doch tatsächlich einen Blick auf des wesentliche unter den Tonnen von publizierten Müll.

Beeindruckt hat mich Ihr Ex-Linker, Herr Brodkorb, im Grunde ein Überläufer zu Neuen Rechten, der ich mich, als als "Alter weißer Mann", zugehörig fühle.

Der Mann ist nicht liberal,

auch damit kann ich mich abseits des persönlichen Lebensbereiches, in dem ich jedem(!) alle erdenkliche Freiheit wünsche,

absolut anfreunden.

Vielleicht findet ja eines Tages dieser Brodkorb den Weg zur Sezession.

Nordlicht

5. Februar 2021 16:16

a. Ungarn ist mir politisch näher als Polen, weil wir Deutsche mit Polen eine problematische Vergangenheit haben. Das kann man nicht einfach vergessen - und die polnischen Opfer der deutscher Verbrechen im 2. Weltkrieg machen die vorherigen polnischen Aggressionen ja nicht ungeschehen. Es gibt historisch kein "jetzt sind wir quitt". Die beiden Länder haben nun einmal einander sehr geschadet, haben unterschiedliche Interessen und Sensibilitäten; diese Probleme haben wir mE mit Ungarn nicht. 

Daher ist mit Ungarn sympathischer als Polen. Ich habe die Budapester Zeitung im Internet abonniert.

 

b. Kemmerich: Der hat nicht nur nichts gelernt, sondern hatte wohl auch vorher schon kein Format. Er wurde zufällig hochgespült, abgesägt, und begreift immer noch nicht, was ihm geschah.

Uninteressant, der Mann.

Laurenz

5. Februar 2021 16:30

@Nordlicht

Wir haben mit dem Staat Polen nicht nur eine problematische Vergangenheit.

Volksdeutscher

5. Februar 2021 20:31

1.

Den geteilten Himmel Europas verdankt man jenen "weisen" Männern des Westens, die - ihrer eigenen Aussage nach - das falsche Schwein geschlachtet hatten. So politisch instinktlos sie waren, ließen sie den Bären im Schafspelz mehr und mehr in Richtung Westen vorrücken, obwohl es an warnenden Stimmen nicht fehlte und auch eindeutige Zeichen vorlagen. Seitdem ist Europa´s Himmel geteilt. Man kann auch auf die Frage verzichten, wann Europas Himmel denn jemals einheitlich war oder seit wann die (etwas sentimental geratene) Bezeichnung Gemeinsames Haus Europa denn eigentlich gäbe. Den Eisernen Vorhang hat nicht Deutschland verschuldet, folglich hat es ihn auch nicht zu verschulden. Die morbide Lebensabsage des Liberalismus des Westens und der gesunde Lebenswille Ost-Mitteleuropas haben keinen gemeinsamen Nenner. Selbstaufgabe und Selbstbehauptung können nicht miteinander versöhnt werden. Jene lebensfeindlichen liberalen Kräfte erwarten (!), daß auf sie zugegangen werde. Warum? Um sein Lebensrecht von ihnen in Frage stellen zu lassen und sich Stück für Stück aufzugeben? Die auseinandersetzung mit ihnen ist überflüssig, sie wollen ja keine Einigung in politischen Fragen, sondern in lebensrechtlichen erzielen. Das Recht zu existieren, kann jedoch niemals Gegenstand von Verhandlungen sein. Man überlege: eine von niemand durch Wahlen legitimierte Institution maßt sich an, einer historisch gewachsenen nationalen Kulturgemeinschaft Vorschriften machen zu wollen.

Old Linkerhand

5. Februar 2021 20:31

Wer kennt ihn nicht, den Storch Heinar, der noch im letzten Jahrhundert die Braunbauchunken aus dem Sumpf gefischt hat. Auch wenn er jetzt unkt, mit den Unberührbaren aus Schnellroda wird er wohl nicht mehr klappern. Wie war das noch mit dem Rauschen?

Volksdeutscher

5. Februar 2021 20:33

2.

"....wie sehr Ungarn und Co. von jener EU profitieren, die sie in Schlüsselfragen (Grenzschutz, Souveränitätstransfers, Multikulturalismus usw.) vor den Kopf stießen."
 
Entweder ist es die ehrliche Ahnungslosigkeit der Naiven oder die unehrliche Ahnungslosigkeit der Hinterlistigen. Jene finanziellen Leistungen von der EU zu erhalten beruhen auf vertraglichen Vereinbarungen. Jeder Mitgliedstaat bekommt im gleichen Verhältnis wie er eingezahlt hat, Fördergelder zurück, deren Erhalt nicht in Abhängigkeit von vertagsfremden Forderungen steht. In anderen Worten: Polen und Ungarn schulden der EU nicht mit der Aufgabe ihrer staatlichen Souveränität und ihres nationalen Selbstbestimmungsrechts, um diese Leistungen zu erhalten. Wie auch andere Staaten nicht.
 

Volksdeutscher

5. Februar 2021 20:40

3.

Westliche Firmen zahlen für gleiche Arbeit nicht nur geringere Löhne. Sie beliefern z.B. Ungarn auch regelmäßig mit qualitativ minderwertigen "Lebensmitteln", die sie im Westen niemals verkaufen könnten. Das Phenomän war schon des öfteren Gegenstand der Empörung und Beanstandung in der ungarischen Presse. Man muß auch der Vollständigkeit halber auch hinzufügen, daß die ungarische Regierung bislang wenig getan hat, um die Interessenvertretung der Arbeiternehmer zu stärken und/oder diesen Mißständen in Zusammenarbeit mit den einzelnen Unternehmen abzuhelfen, da sie befürchtet, daß sie darauf hin abzögen. Dadurch machen sich Staaten wie Ungarn ihre Volkswirtschaft in gefährlichem Maße von solchen Unternehmen abhängig, die eh nichts außer primitiver Montagearbeit anzubieten haben. Denn wenn ein Autohersteller z.B. ein Werk eröffnet, feiern die Regierungsparteien dies als Erfolg ihrer politischen Arbeit vor den Wählern. Die Feigheit der Regierung und die Rücksichtslosigkeit der Unternehmen müssen die Arbeitnehmer und Verbraucher auslöffeln.

Volksdeutscher

5. Februar 2021 21:14

4.

Daß Länder wie Ungarn viele Ärzte und Pflegekräfte verloren haben und noch verlieren werden, schuldet auch der Tatsache, daß sie für einen Bruchteil dessen schuften, wie ihre Kollegen im westlichen Europa. Viele, die ausgewandert sind, kehren nie wieder zurück. Und was hatte die Regierungspartei auf den besorgten Hinweis auf die Auswanderungwelle von Ärzten und Pflegekräften geantwortet? Sie gab die zynische und verlogene Antwort, daß "die Ungarn sich schon bei der Staatsgründung gerne die Abenteuer (im Westen) suchten". So antworten Liberale, aber keine um die Nation besorgten Konservative: Auswanderung in existenzieller Notlage gleich Suche nach Abenteuern... Das ließ bei der Opposition das Blut hochkochen.

Pflegekräfte arbeiten über ihre gesundheitlichen Verhältnisse und Ärzte für "Dankhonoration". Da niemand hier weiß, was damit gemeint ist, möchte ich das erklären: das ist nicht der offizielle Gehalt der Ärzte, sondern eine private Honoration seitens des Patienten "unterm Tisch", will er eine normale Verpflegung und die nötige Behandlung. Das ist eine Art Bestechungsgeld für nichts Außergewöhnliches. Man hört oft den verbitterten und ironischen Spruch über die herrschenden Verhältnisse in den Krankenhäusern: "Wenn du ordentlich verpflegt werden willst, mußt du die Medikamente mit ins Krankenhaus nehmen." Weil es seit langer Zeit auch an ihnen mangelt oder weil sie einfach zu teuer sind.

Volksdeutscher

5. Februar 2021 22:04

5.

An Kemmerichs Aussagen und Verhalten kann man die berühmt-berüchtigte liberale Verlogenheit ablesen: immer irgendetwas Unbeschreibliches, Unfaßbares, Ungenießbares dazwischen. Der Fall des "Weder-Fisch-Noch-Fleisch". Da Grenzgänger in beider Richtungen, verfügen sie über kein eigenes Territorium: "Wes Brot ich ess, des Lied ich sing." Auch hierin die typische Verlogenheit der manchmal aus Überlebensstrategie sich national gebärdenden Kosmopoliten durch und durch. Kämmerich schlägt die Hacken zusammen und faselt untertänigst von dem "Makel der Unterstützung durch die AfD". Die ungesetzliche und undemokratische Rückgängigmachung gültiger Wahlen durch die Kanzlerdarstellerin ist für ihn also ohne Makel. Und gewappnet mit dem David-Stern im Rücken ist er womöglich auch noch überzeugt von der Richtigkeit seiner Aussage.

https://www.youtube.com/watch?v=aTzAxEOdrHs

 

 

Eo

5. Februar 2021 22:34

Daß ein Brodkorb nun
sich vernehmlich (rechter) Vernunft gegenüber öffnet, weil er jetzt langsam begreift, daß das Sozentum mehr für die gravierenden Probleme verantwortlich zeichnet als daß es sich zu deren Lösung eignet, ist sicher zu begrüßen.

Doch es fällt auf,
daß es nur ein halber Sprung ist, da er das K-Problem, also die ganze fatale Entwicklung, die mit Slumisierung einhergeht und nicht Islamisierung oder gar Umvolkung genannt werden darf, sorgsam ausblendet.

Und von daher mag
bei mir auch nicht so recht Freude aufkommen analog zum Jesus-Wort, im Himmel sei mehr Freude über einen Sünder, der von seim bisherigen Weg abkommt, als über 99 Gerechte.

Aber valleicht tut sich ja was,
und die nicht so ganz dummen Linken legen ihre idiologische Brille ab und werden vernünftig, also zusehends rechts. Das Alter und die Entwicklung der Zeitläufte dürfte solchem Wandlungsprozeß überdies förderlich sein.

 

Maiordomus

5. Februar 2021 22:59

@Volksdeutscher. Ob Kemmerich überhaupt ein "ausgebildeter" Liberaler ist. Es war für ihn wohl bloss das geringste Übel als Mittelständler mit bescheidener politischer Orientierung. Ich fürchte, er wäre als Ministerpräs. überfordert gewesen.

Erwähnte oben die Volksabstimmung in Oberschlesien um Zugehörigkeiten  vor genau 100 Jahren, weil diese eine Analyse wert wäre, auch als Versuch direkter Demokratie in Deutschland. Es fällt aber auf, das war in der Schweiz auch beim Jurakonflikt so, dass "Ethnisches" gerade am wenigsten volksabstimmungstauglich scheint. Wo Ethnien sich überhaupt zu kompaktem Stimmverhalten bewegen lassen, wie das natürlich in Irland und im Balkan schon noch der Fall war; hier gewinnt  jeweils die ethnische Mehrheit automatisch. In Schlesien war es indes komplizierter, Empörend war, wie sich Präsident Wilson damals, natürlich als Anwalt Polens, einmischte; sowieso begann die Geschichte schon in Versailles. Eines ist sicher; bei jenem sich anbahnenden Konflikt ging für mich als aussenstehender Neutraler das Schema "Die Bösen gegen die Guten" und umgekehrt nicht auf. 

 

 

Laurenz

5. Februar 2021 23:46

 

@Volksdeutscher

Will nicht zu sehr Ihre Beiträge auseinander nehmen. Aber ich bitte Sie, besser zu recherchieren. Sie schreiben vieles korrekt, aber an den Fakten sollten härter arbeiten.

Ich gebe Ihnen 2 Beispiele.

1. Der Russische Adel weigerte sich im 19. Jahrhundert entsprechende Reformen durchzuführen, die Preußen schon über 100 Jahre vorher eingeführt hatte. Das schaffte den Boden für die bolschewistische Revolution, die übrigens durch den Westen, vor allem durch die Amis unterstützt wurde.

2. Polen zahlt, wie bisher die Briten auch, nur die halben Beiträge nach Brüssel. Das war mit ein Grund, warum in der Slowakei die "Rechten" Wahlen verloren, weil sie, an der Macht, zu blöd waren, gleiches auszuhandeln.

Laurenz

6. Februar 2021 00:03

@Imagine

Jetzt seien Sie mal bitte nicht so grob zu Ihrer Eigenen Bagage.

Volksdeutscher

6. Februar 2021 01:22

1. @Nordlicht - Ungarn hat traditionell gute Beziehungen zu Deutschland und Deutschen, die in der Geschichte nur selten getrübt war, so z.B. in der Zeit der Freiheitskämpfe gegen die Habsburger-Herrschaft im 18.-19. Jahrhundert. Ungarische Nationalkonservative nehmen jedes Jahr im Februar an der Gedenkveranstaltung namens Becsület napja/Tag der Ehre teil, die anläßlich der Verteidigung von Budapest durch die sich in der Burg verschanzten ungarischen und deutschen Truppen und ihres heldenhaften Kampfes um die Stadt und ihres Ausbruchs aus der Umzingelung der sowjet-russischen Besatzer stattfindet. Teil der Gedenkveranstaltung ist der Kitörés 60-túra/Ausbruch 60-Tour, d.h. das Begehen jener 60 km lange Strecke, die aus der Burg herausbrechende ungarische und deutsche Verteidiger zurücklegen mußten, um die deutschen Linien zu erreichen. Ihre Verluste waren verheerend.
 

 

Volksdeutscher

6. Februar 2021 01:26

2. @Nordlicht

An der Gedenkveranstaltung nehmen Patrioten vieler europäischer Nationen teil. Einerseits brachte die Orbán-Regierung restriktive Verordnungen gegen die Gedenkveranstaltung, andererseits ist es kein Geheimnis, daß sie vom Schwiegersohn eines von der Fidesz gestellten Vizepräsidents des Parlaments organisiert wird. Eine staatliche Gedenkfeierlichkeit jedoch gibt es nicht. Offiziell spricht man von Besetzung Ungarns durch deutsche Truppen (weil "manche Leute" es gerne hören). Ungarische Nationalkonservative verwenden diese Bezeichnung nicht. Wegen der Treue Ungarns zu seinem deutschen Verbündeten (im Gegensatz zu ihren Verrätern Italien und Rumänien) wird es bis zum heutigen Tag als "Hitlers letzter Verbündete" geschmäht. Ungarns Nationalisten erfüllt diese Treue mit Stolz. In Wikipedia steht über das Thema viel Ungenauigkeit, Lüge und Verdrehung.

Maiordomus

6. Februar 2021 08:30

Für deutsch-polnische historische Hintergründe waren die  oberschlesischen Unruhen (3 "Polenputsche", Erstürmung des Annabergs durch Deutschschlesier am 21.5.21) auch für die Weltpolitik seither bedeutsamer als der neuliche Sturm auf das Kapitol. Wichtig ist, dass das Plebiszit Oberschlesiens vom 20. März 1921 (aufgrund Drängens der dt. Seite) v. Friedensvertrag von Versailles angeordnet worden war: 709 348 oberschlesische Stimmen für Deutschland, 479 747 Stimmen für Polen bei äusserst aufgeheizter Stimmung. Gegen die "putschenden" Polen gab es einen deutschen "Selbstschutz", der sich in abgetretenem Gebiet östlich Beuthen betätigte. Eine hochkomplexe Geschichte mit 700 Jahren Hintergründen, vgl. Serbien. Das von mir oben erwähnte gutdokumentierte Buch "Die Tragödie Schlesiens 1945/46" erschien nicht 1947, sondern 1952 in München mit kirchlicher Druckerlaubnis. U.a. hunderte präziser Lokalgeschichten v. Eroberung u. Vertreibung, Vergewaltigungen inbegriffen. Dazu 6 Karten zur Würdigung deutscher Verteidigungsleistungen, was damals dort niemand als Widerstand gegen die "Befreiung" interpretierte. Persönlich kannte ich noch den versöhnungswilligen Bischof Alfons Nossol von Oppeln, der 1988 in einer Predigt im Freiburger Münster Deutschland (im religiösen Sinne) zum Missionsland erklärte.   

Maiordomus

6. Februar 2021 08:51

PS. Dass man Plebiszite, zumal wenn sie den Mächtigen nicht passen, ausser sie sind wie auf der Krim von denselben angeordnet, nicht überschätzen sollte, beweist eine Abstimmung im Hultschiner Ländchen (Oberschlesien), bei der sich 93,7% für den Verbleib in Deutschland erklärt hatten, dasselbe aber dennoch an die Tschechoslowakei abgetreten wurde als Anhängsel des späteren "Sudetenproblems". Interessant ist, wie sich Armin Laschet, mit ignoranten Aussagen über die Schweiz, über die direkte Demokratie geäussert hat. Für deutsche Gegner dieser Art politischer Entscheidungsfindung gibt es historische mildernde Umstände, weil rein ethnische Plebiszite oft problematische Demokratie waren. Damit hätte aber eine Volksabstimmung über den Euro, die europäische Verfassung (wie in Frankreich) sowie unzählige weitere existentielle Fragen, wie etwa Regionalabstimmungen in Sachen Lockdown usw. nichts zu tun. In Deutschland gilt jedoch der selbstbestimmend politisieren wollende Bürger nun mal als potentieller Nazi. 

Gustav Grambauer

6. Februar 2021 09:08

I

Selbst in den Kommentarspalten von Altermedia, wo es sehr ruppig zuging, wurde nie versäumt, "Matze", - den dortigen Erzfeind -, als ritterlichen Gegner zu würdigen. Habe ihn die letzten Jahre nicht mehr auf meinem Radar gehabt, damals habe ich mich immer gewundert über ihn, für mich war er ein "Phänomen", ich war fasziniert von seiner Mischung aus Margot-Honecker-Schulsozialiation und gräzistischer Bildungstiefe, diskreter Klugheit und Eintreten für die Pippi-Langstrumpf-Politkamarilla, Grandezza und Hinneigung zu mieser Gesellschaft. Er wirkte für mich immer wie ein Aristokrat, den es aus irgendeinem Grund in die Kaschemmen zieht. Nehme an, das ewige Komplettversagen des humanistisch-gebildeten Bürgertums vor Augen wollte er Kontrapunkte setzen - in völliger Hilflosigkeit der Wucht dieses Abgrunds gegenüber und mit viel naiven illusionen, die ihn als Idealisten auszeichneten.

Die Vorstöße, die ich hier von ihm lese, könnten alle auch von Schäuble, der Verkörperung dieses Komplettversagens, gekommen sein. Aber wenn zwei das Gleiche sagen, ist es noch lange nicht das Gleiche. Brodkorb ist eben nicht von Grund auf verdorben, ist eben kein von überlaufender Galle zerfressener Machtriecher und dabei Opportunist.

- G. G.

Gustav Grambauer

6. Februar 2021 09:08

II

Dem_Juergen wird`s nicht gefallen: Brodkorb ist für mich, und zwar gerade durch seine Bildung und seinen Anspruch der Konstruktivität, der Prototyp des - wohlverstandenen und damit ehrbaren - Bolschewiken (von einer Position aus, die den Bolschewismus als apollinischen und damit eigentlich wenig Marx-affinen Kult sieht).

So weh mir Brodkorbs Vorschläge z. B. zur Schleifung des Föderalismus tun - würde mich freuen, wenn er und andere seines Kalibers reüssieren würden: um Dimensionen besser als die in diesen Tagen "vielversprechenden" (Hippie-)Typen wie Schiffmann und Ballweg.

Weil es auf den Menschen ankommt und nicht auf dessen "Meinung".

- G. G.

Maiordomus

6. Februar 2021 09:13

@Laurenz. Hielt vor Jahren mal eine Vorlesung über die Aufhebung der Leibeigenschaft in Russland 1861, wobei dieser Status in keiner Weise etwa mit der amerikanischen Sklaverei zu verwechseln ist. Es verhielt sich mit dem russischen Adel komplizierter, als sie sagen, auch mit der Reformwilligkeit fortschrittlicher Zaren, siehe Dostojewskij.

Schlussanmerkung Polen: Bischof Alfons Nossel (emeritiert, heute 88), deutscher und polnischer Staatsbürger, Kenner von Karl Barth, Reinhold Schneider, Werner Bergengruen, Jochen Klepper, Gegenteil eines Hetzers (betrifft alle Themen) ist für mich, Ratzinger inbegriffen, der bedeutendste, an Heiligkeit grenzende Geistliche, dem ich je begegnen durfte. Am Dienstag, den 21. Juni 1983 hielt er mit Papst J.Paul II. auf dem Annaberg eine Messe vor einer Million Gläubigen; er predigte auch deutsch. 

RMH

6. Februar 2021 11:06

Das mit Brodkorb überrascht nun wenig, gibt aber Zeugnis davon, dass er seine Feindstudien intensiver und gründlicher gemacht hat, als die üblichen anderen platten Nazi-Kreischer. Wer sich intensiv mit den Ideen des Gegners befasst, wird immer auch versuchen, das aus seiner Sicht Brauchbare für die eigenen Zwecke zu verwenden oder einzubauen, außerdem ist es nur natürlich, dass in einer nie komplett trennbaren Gedankenwelt etwas vom einen zum anderen abfärben kann (siehe als Beispiel von der anderen Feldpostnummer auch: "solidarischer Patriotismus").

Zudem: Die Sozialisten sind keine Menschenfreunde und Freiheitsliebenden - Das ist nur Show und Marketing. Im Kern sind sie knallharte Etatisten, die den Menschen für unmündig und erziehungsbedürftig halten. Kontrollfreaks, die kein Vertrauen in die eigene Bevölkerung haben, da sie ja selber deren vermeintlich mögliche Randalefähigkeit im Rahmen ihrer eigenen Revolutionsphantasien im politischen Repertoire haben. Wer das Volk zur Revolution bringen will, der muss denknotwendig auch selber Angst vor ihm haben.

Der Konservative ist der einzige, der den Mensch mit all seinen Mängeln so nimmt, wie er ist. Als klassisch Liberal-Konservativer springt er auf den Tiger und reitet ihn, wohlwissend, dass er deswegen immer auch herunterfallen und gefressen werden kann.

Laurenz

6. Februar 2021 11:08

@Maiordomus @Laurenz

Bieten Sie bitte hier jetzt nicht Maulaffen feil, Maiordomus.

Wann wurde die Schulpflicht in Rußland eingeführt? Genau, endgültig erst in 1925, als die Bolschewisten längst an der Macht waren.

Maiordomus

6. Februar 2021 11:21

Grambauer "Schleifung des Föderalismus". Gegen solche Leute, als auswärtige Aggressoren, wäre der Landesverteidigungsfall auszurufen. Doch ist der innenpolitische technokratisch und ideologisch bedingte sogenannte Reformübereifer von in der Regel nachhaltigerem Schaden. Gemäss Arnold Stadler sind nie mit grösserem "Erfolg" herkömmliche historisch gewachsene politische Strukturen altmündiger Bürgerschaft zerstört worden als z.B. durch die baden-württembergischen Gemeindereformen der letzten 50 Jahre. Dort wurde einst, noch zur Zeit der Salpeterer, sogar Freiheit gelitten. 

Valjean72

6. Februar 2021 12:22

@Maiordomus:

Sie erwähnten die Plebiszite nach dem 1.WK in Oberschlesien und im Hutschiner Ländchen. In diesem Zusammenhang könnte man noch jene in Tirol und im Land Salzburg anführen. In Tirol sprachen sich 98% für einen Anschluss an Deutschland aus, in Salzburg war es ähnlich. Die Siegermächte untersagten weitere Volksbefragungen in anderen Ländern Österreichs zu diesem Sachverhalt.

In den Provinzen Posen und Westpreußen (mit Danzig) wurden gar keine Plebiszite durchgeführt.

All die hehren Worte, die westliche Politiker, allen voran Wilson im Krieg von sich gaben, vom Selbstbestimmungsrecht der Völker, waren schnell Makkulatur als Deutschland/Österreich 1918 die Waffen niederlegten.

Glast

6. Februar 2021 12:26

Immer dasselbe mit den Brodkorbs, Bosbachs und Kemmerichs. Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass. 

Doch Kemmerich zaubert mir dann doch ein monströses Kichern ins Gesicht. So ein Winden und Kriechen - köstlich.

Volksdeutscher

6. Februar 2021 13:32

@Laurenz - Die Fakten im Allgemeinen korrekt darzustellen reicht mir. Eine Skizze zur Übersicht zu liefern ist besser als sich in Details zu verlieren.

heinrichbrueck

6. Februar 2021 13:56

Globale Coronakrise. Dieses Virus mußte die Strukturen nicht schaffen, es fand sie vor. So ist es auch mit den Politikern. Die Rahmenhandlung verändert sich nicht, es herrscht Abhängigkeit. Der Rahmen entscheidet, wodurch Handlungsbilder in Rahmengröße gedacht werden dürfen. Könnte ein Kemmerich auf die Idee kommen, kein Kemmerich zu sein?

Wir leben in einer Demokratie!

Wie kann man denn die Demokratie ändern?

Laurenz

6. Februar 2021 15:52

@Volksdeutscher

Das ist der Unterschied. Lesen Sie einfach diesbezüglich BK- oder GK-Artikel. Die sind so kurz wie möglich, aber die Inhalte sind immer genau recherchiert.

Lotta Vorbeck

6. Februar 2021 17:17

@Laurenz - 5. Februar 2021 - 01:44 PM

"Mutmaßlich die Nato verweigerte Helmut Kohl ein Staatsbegräbnis, wohl, weil er zu feige war, von Jelzin russisch-Ostpreußen zurückzukaufen, was heute einen Dorn in der Nato-Front gegen Rußland bedeutet."

---

Steht der NATO die russische Exklave Kaliningrad im Weg?

RT - 28. Oktober 2018

Obwohl sich fast alle darüber einig sind, dass Russland keine militärische Bedrohung darstellt, handelt man dennoch, als ob es so wäre. Ein ehemaliger NATO-Kommandeur deutete jetzt darauf hin, dass Kaliningrad als großes Problem betrachtet wird.

Weiterlesen ...

Lotta Vorbeck

6. Februar 2021 17:21

@Laurenz - 5. Februar 2021 - 04:15 PM

Beeindruckt hat mich Ihr Ex-Linker, Herr Brodkorb, im Grunde ein Überläufer zu Neuen Rechten, der ich mich, als als "Alter weißer Mann", zugehörig fühle.

Der Mann ist nicht liberal ...

Vielleicht findet ja eines Tages dieser Brodkorb den Weg zur Sezession.

---

"Dieser Brodkorb", lieber @Laurenz,

saß nicht nur einfach beiläufig mit in der Rotweinrunde, die einst den Storch Heinar ausbrütete.

 

Lotta Vorbeck

6. Februar 2021 17:27

@Laurenz - 5. Februar 2021 - 04:30 PM

"Wir haben mit dem Staat Polen nicht nur eine problematische Vergangenheit."

---

... man schaue sich nur mal die Liste der Nachbarländer an, gegen die das nach dem WK1 neu entstandene Polen, unterm in Litauen geborenen Marschall Józef Klemens Piłsudski aktiv Krieg führte.

Maiordomus

6. Februar 2021 18:42

@Laurenz. Danke für Belehrungen betr. Bildungsgeschichte Russland. In der Schweiz, Deutschland und Österreich gab es vor 100  - 150 Jahren wohl weniger Analphabeten als heute, zumal funktionale.  Bei letztem Aufenthalt in Ru waren wir, meine Weggefährten dort, einig, dass qualitatives Gesamtniveau von Bildung zur Zeit Tolstois und Dostojewskijs höher gewesen sein könnte, zumal wenn man den Fernseher einschaltet. Heute geht's bei uns in Richtung "leichte Sprache" als Massstab..Höchstes mathematisches Niveau in Menschheitsgeschichte fand im 18. Jahrhundert in Basel (Euler, Bernoulli), Bern, Genf aber auch in deutschen und anderen europäischen Städten mit Privatunterricht statt. Einer besten Politiker des Kantons Luzern um 1800 kämpfte entschieden gegen die Schulpflicht; um Kinder selber unerrichten zu dürfen; auf dieser hat sich bei uns  damals Fröbel installiert. Castro u. Kommunisten verwendeten Schulpflicht als Manipulationsbasis, DDR besser wegen deutscher Tradition. In vielen Ländern waren u. sind  kath., erst recht jüd. Privatschulen die besten. Bei fortgesetzter Manipulation durch Sprache u. Ideologie halte ich staatliche Schulpflicht langfristig für bildungs- und aufklärungshemmend. 

Laurenz

6. Februar 2021 23:48

@Maiordomus @Laurenz (1)

Sie sehen Bildung viel zu elitär, was eine typisch linke-, feudale -, kirchliche Sicht (bei allen Attributen handelt es sich quasi um dieselbe Ideologie) auf Bildung darstellt. Natürlich bieten Jesuiten weltweit die beste Bildung. Aber glauben Sie ernsthaft, die Jesuiten manipulierten Ihre Schüler nicht?

Und mal Hand auf's Herz, Eidgenosse Maiordomus, wie viel % Ihrer damaligen Landsleute waren in der Lage um 1800 ihre eigenen Kinder zu unterrichten?

Elitäre Bildung mag zwar nett sein, aber auf die Eliten kommt es in einer Volkswirtschaft nicht an. Diese Meinung teilt auch (zum wiederholten Male) Paul Kennedy in seinem Werk "The Rise and the Fall of the Great Powers", wo er konstatiert, daß Deutschland nur in der Lage war, solange 2 Weltkriege gegen eine solch gewaltige Übermacht durchzustehen, weil seine Soldaten die beste Ausbildung, bzw. Berufsausbildung genossen hatten. Kann ein Gefreiter schriftliche Befehle lesen & verstehen? Kann er seinem Offizier klare Informationen schriftlich mitteilen?

Laurenz

7. Februar 2021 00:00

@Maiordomus @Laurenz (2)

Wenn Sie die Einführung der Schulpflicht historisch in allen Staaten betrachten, wie auch Erfolge bei Pisa-Studien, dann haben die Staaten sich ein gutes Bildungswesen geschaffen, deren Politiker zu einem bestimmten Zeitpunkt meinten, daß der Staat und sein Staatsvolk dies nötig hätten, zB wegen Ermangelung an genügend Rohstoffen.

Alle diejenigen Staaten, denen eine gebildete Unterschicht lästig war, in ihr eine Gefahr sahen, und meinten es nicht nötig zu haben, wie Britannien & Rußland zB, legten erst sehr spät & zwangsweise Wert auf eine allgemeine Volks-Bildung.

Da der Kirche, den Linken, den Liberalen und vielen Feudalen das Volk egal war und ist, verwässern sie allgemeine Bildung, solange ihre eigenen Kinder in monopolisierten Einrichtungen privilegiert bleiben.

Da die Jesuiten auf ein Kloster, wie Ordenstracht verzicht(et)en, agier(t)en sie weltweit wie eine NGO.

Laurenz

7. Februar 2021 00:08

@Lotta Vorbeck @Laurenz

Polen hat bis zum heutigen Tage, obwohl es mit dem Hanswurst Brandt die Ostverträge abschloß, nie auf seine ehemaligen Ostgebiete, welche in der Schlacht vor Warschau gegen die Rote Armee gewonnen wurden,

https://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_bei_Warschau_(1920) 

aufgegeben. Auch die aktuellen, lächerlichen Reparationsforderungen an Deutschland geben ein historisch kontinuierliches Bild polnischer Aggression gegen seine europäischen Nachbarn ab. Deswegen ist auch zu erwarten, daß der aktuelle Staat Polen nicht mehr lange existieren wird, wie üblich.

Was macht denn die NATO, wenn die Russen den polnischen Sack endgültig zu machen? Genau, nichts.

Gracchus

7. Februar 2021 01:29

Mit Brodkorb ist Benedikt Kaiser einem falschen Fuffziger aufgesessen. Manches klingt gut, läuft im Ergebnis aber auf die Bejahung desen hinaus, was ohnehin geschieht, und insofern kann man Brodkorbs Artikel getrost als Bewerbungsschreiben betrachten. Das Problem ist nicht Föderalismus und deliberative Demokratie, sondern deren Abbau, sind Lobbyismus und Parteiengeklüngel unter der Flagge einer neoliberal globalistischen Agenda, und das unter den Bedingungen einer hysterisierten Medienwelt. 

Die Corona-Konferenzen Merkels mit den MPs laufen wie geschmiert. Energiewende, die Massnahmen in der sogenannten Flüchtlingskrise wurden von Merkel quasi im Alleingang beschlossen. Wenn, dann kann man wohl eher einen Mangel an deliberativer Demokratie feststellen, und auch hier auf SiN wurde oft genug die Verengung des Meinungskorridors beklagt. Und man sollte sich dann vor Augen halten, dass die Regierung den Ernstfall definiert, und wozu das führt, sieht man ja jetzt in der Pandemie, und der nächste Ernstfall wird dann wieder "Klimakrise" heissen.  

Gut, ich habe den Artikel nicht gelesen, sondern nur die Zusammenfassung BKs, und vielleicht etwas falsch verstanden. Wie Brodkorb tickt, erhellt aber ein frei zugänglicher Artikel auf cicero-online, wo er für die sofortige Rückgabe der Grundrechte an die schon Geimpften plädiert. Der Mann ist ein lupenreiner Technokrat, ich erspare mir jeden weiteren Kommentar. Findet BK auch, das einzig Schlechte daran sei, dass er nicht auf SiN erschienen ist?  

 

Maiordomus

7. Februar 2021 10:04

Korr. Die Schulpflicht, klar ein Instrument kultureller Machtausübung, war zur Frühzeit des Kulturkampfes auch in der Schweiz umstritten., wobei im Kanton Luzern die Mädchen doch schon ab 1650 schulberechtigt, aber nicht schulpflichtig waren; Töchter von Geschäftsleuten und zumal künftige Ordensfrauen, was in guten Familien Standard war, mussten lesen und schreiben können. In einem Bergdorf war vor Jahren ein Dorflehrer aber stolz, dass alle Kinder lesen und schreiben konnten, mit durchschnittlich wenig Fehlern, und fast perfekt Kopfrechnen, iicher besser als heutiger Standard, dies bei mehr als 80 Schülern, weswegen der didaktisch fruchbare wechselseitige Unterricht nach Pater Girard eingeführt wurde. Wichtig war, dass man sich aber der Aufklärung schämte, wenn man nicht lesen und schreiben konnte, was autodidaktisches Lernen ermöglichte. Noch Rousseau war reiner Autodidakt. Es gab in Deutschland im Sinne von Herrn Bosselmann zumindest bei den Männern mehr und besser humanistisch Gebildete als heute. Max Frisch beanstandete, dass trotzdem der NS möglich geworden sei. Bei der SA war das Niveau freilich tiefer.

Laurenz

7. Februar 2021 10:13

 

@Gracchus

Werter Gracchus, es geht hier nicht um die charakterliche Beurteilung des Angeklagten Brodkorb in einem Gerichtsverfahren, sondern darum, welche politischen, wie kritischen Inhalte der Mann publiziert hat.

Bei Ihrer Verfahrensweise müßten mehr als 50% aller Juristen aus öffentlichen Ämtern entfernt, und die freien Rechtsanwälte ihrer Zulassung beraubt werden.

Maiordomus

7. Februar 2021 10:48

@Laurenz. Bitte Sie, der Sie ja über anständige Gymnasialbildung verfügen, Kritik dort, wo ich vielleicht noch mehr zum Thema gearbeitet habe als Sie, nicht übelzunehmen. Ihre Einwürfe sind selten völlig falsch, und manchmal sehen Sie was, das der vermeintliche Profi unterschätzt. Noch wünschbar wäre wie bei allen mehr ideologische Selbstkritik. Warum lobe ich Sie? Weil ich Matthias Matusseks Andacht in der JF auf seinen Kollegen Mosebach "Krass" gelesen habe, womit Rezensent beweist, dass er sich die 500 besten Romane der westlichen Weltliteratur ebenso wenig vorgenommen hat wie er vielleicht zur Nachkontrolle Cervantes, Fontane, Hoffmann, Flaubert, Garcia-Marquez und Solschenizyn nicht liest, auch nicht den Marquis de Sade u. Roland Barthes. Las gestern nacht mit grösster Bewegung Eichendorffs Literaturgeschichte, ein Werk ohne dessen Lektüre einer nicht als deutscher Konservativer durchgeht, auch seine Mitteilung über den Tod seiner Frau an seinen Sohn. Da Matussek zumal auch als katholischer Publizist die Mittelmässigkeit selber darstellt, kürzlich in Weltwoche Hürlimann durch Gesinnungslob einen schlechten Dienst erwies, bedaure ich unterdessen, dass Reich-Ranicki wegen Ableben zu Mosebach nicht mehr das Nötige zu sagen weiss.

links ist wo der daumen rechts ist

7. Februar 2021 12:55

Ad Visegrad-Staaten

Ich weiß nicht, warum man diesen Staaten so huldigt.
Aus all den genannten Ländern wurden Deutsche durch die Niederlage in WK2 vertrieben - im Wahn "ethnischer Homogenität". 
An Österreich wäre es gelegen, über die Jahrhunderte mit seinen Völkerschaften eine Skandinavien-Identität entstehen zu lassen (1989 hätte man dann ernten können); aber auch dazu waren die Habsburger zu blöd.
An Deutschland wäre es gelegen, den Polen meinetwegen ihre Russenangst zu lassen, aber ein föderatives Verhältnis zu finden (also für die eh. deutschen Ostgebiete eine Art Südtirol-Lösung): hätte es 1990 keine halberte "Wiedervereinigung", sondern zwei deutsche Staaten gegeben (damals eine linke Haltung, heute eine rechte), wäre einer echten Versöhnung mit Polen nichts im Wege gestanden. Mit einem kleinen mitteldeutschen Staat hätte Polen eher Gemeinsamkeiten gefunden als mit einer aufgeblähten "imperialistischen" BRD.
Und ein österr. "Skandinavien-Gefühl" verbunden mit einem (süd-)osteuropäischen DM-Block hätte die Russen auf Distanz gehalten und die USA-Hörigkeit (bei allem Liebesgeplänkel- s. Ungarn) deutlich gebremst.
Nein, für  mich sind diese Staaten, dank Vertreibungen auf unsere Kosten "ethnisch homogen", den Russen entronnen, um den Amis zu huldigen, so fremd wie zu Ostblock-Zeiten.

Lotta Vorbeck

7. Februar 2021 13:06

@Gracchus - 7. Februar 2021 - 01:29 AM

"Wie Brodkorb tickt, erhellt aber ein frei zugänglicher Artikel auf cicero-online, wo er für die sofortige Rückgabe der Grundrechte an die schon Geimpften plädiert. Der Mann ist ein lupenreiner Technokrat, ich erspare mir jeden weiteren Kommentar. Findet BK auch, das einzig Schlechte daran sei, dass er nicht auf SiN erschienen ist?"

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"Der Mann [Brodkorb] ist ein lupenreiner Technokrat ..." und darüberhinaus jemand, mit einem totsicheren Instinkt dafür, wie man es anstellt, um auf einer der BRD-immanenten Karriereleitern zügig nach oben zu kommen.

+ Frage 1: Waren diese angeblichen Grundrechte nicht mal als Abwehrrechte des Bürgers gegen einen sich übergriffig gebärdenden Staat konzipiert?

+ Frage 2: Wenn es sich um, bis zum Jahre 2020 als "unveräußerlich" deklarierte Grundrechte handelt, wie ist es dann möglich, diese Par ordre du mufti für gegenstandslos zu erklären und kommentarlos einzukassieren, um sie nach Gutsherrenart vielleicht, eventuell, möglicherweise, "das kommt auf den Einzelfall, die weitere Entwicklung und die gesamte Situation an", partiell rückzugewähren?

 

anatol broder

7. Februar 2021 15:40

gracchus 1:29 

nicht zufällig lobt der bekennende technokrat imagine benedikt kaisers solidarischen patriotismus bei jeder gelegenheit. diese beiden denken, dass sich solidarität beeinflussen lässt. das wiederum gründet auf der annahme, der menschliche wille sei frei. diesem irrtum erliegen grundsätzlich alle hegelianer. warum sie sich irren, erklärt schopenhauer in seiner preisschrift über die freiheit des menschlichen willens.

Laurenz

7. Februar 2021 17:05

@Anatol Broder @Gracchus

"nicht zufällig lobt der bekennende Technokrat Imagine BKs solidarischen Patriotismus bei jeder Gelegenheit. Diese Beiden denken, dass sich Solidarität beeinflussen läßt. Das wiederum gründet auf der Annahme, der menschliche Wille sei frei."

Lesen Sie eigentlich auch mal Ihre eigene Beiträge? 

Wenn sich Solidarität beeinflussen ließe, ist der menschliche Wille nicht frei. Ist der menschliche Wille frei, ist er nicht zu beeinflussen.

Menschen, vor allem Frauen, neigen dazu, sich (imaginäre) Sicherheiten zu erschaffen. Bestes Beispiel ist das Deutsche Beamtenrecht, welches die historische Oberschicht implementierte, wo privat bezahlte Bildung und nicht Leistung die Karriere bestimmten.

Es geht in der Politik, Schopenhauer hin oder her, nicht darum, Recht zu haben, sondern darum, gewählt zu werden. BK vertritt einfach eine politische Strategie, welche auf die Bedürfnisse der Wähler eingeht, um Wählerstimmen zu generieren, nicht mehr und nicht weniger. Klug, nicht?

Ihnen, Anatol Broder, schreibe ich dasselbe, wie @Maiordomus, gemessen an einer Bevölkerung, interessiert Schopenhauer nicht mal 0,5%, also kein Schwein. Damit will ich niemanden davon abhalten, Schopenhauer oder sonstwen zu lesen. Aber schauen Sie Sich die Bücher an, die in den Bestseller-Listen stehen, unter anderem auch bei Antaios erhältlich. Diese Autoren, mögen sie nun gefallen oder nicht, interessieren.

Volksdeutscher

7. Februar 2021 17:16

@links ist wo der daumen rechts ist - "Aus all den genannten Ländern wurden Deutsche durch die Niederlage in WK2 vertrieben - im Wahn "ethnischer Homogenität". 

Das stimmt so nicht. Das trifft auf die Sudetendeutschen und Schlesier zu, nicht jedoch auf die Deutschen aus Ungarn zu. Aus Ungarn wurden Volksdeutsche nicht von den Ungarn und auch nicht aus Gründen der ethnischen Homogenität vertrieben. Sie wurden von den Kommunisten im Einvernehmen mit den Alliierten vertrieben und zwar aus Rache, weil viele von ihnen Mitglieder des deutschen Volksbundes und/oder Soldaten deutscher Armeeverbände waren. Besonders in den letzten Kriegsjahren strömten sie von ungarischen Armeeverbänden in deutsche. Waren sie gerade in einzugsfähigem Alter, ließen sie sich gleich bei deutschen Armeeverbänden, vornehmlich bei der Waffen-SS mustern. Gezielte Anwerbungen in die Waffen-SS fanden bereits ab 1941-42 statt. Franz Anton Basch (Sohn eines Banater Schwaben und einer Schweizerdeutschen), den Führer des Volksbundes in Ungarn ließen die Kommunisten mit anderen führenden ungarischen Politikern in einem Schauprozess hinrichten. 

Gracchus

7. Februar 2021 21:45

@Laurenz 

Ich beziehe mich nicht auf Brodkorbs Charakter, den ich nicht kenne, sondern auf seine Positionen.

@anatol broder

Mit der Willensfreiheit machen Sie jetzt aber ein Fass auf. Sehen Sie sich: Gleich schickt Maiordomus eine Literaturliste. 

@Lotta Vorbeck

Das BVerfG hat die Grundrechte um weitere "Dimensionen" erweitert. Die Grundrechte sind dennoch nicht zurückzugeben, deren Beschränkungen vielmehr aufzuheben. Wer das für Geimpfte fordert, ohne von den Genesenen zu sprechen, ohne sich zu fragen, weshalb sie für Gesunde überhaupt eingeschränkt werden können, will die Gesellschaft weiter spalten. 

links ist wo der daumen rechts ist

7. Februar 2021 22:18

Vertreibungen

@ Volksdeutscher

Wie auch immer, die Vertreibung von etwa 200 000 Deutschen fand auf Grundlage der Potsdamer Beschlüsse, Artikel XIII statt.

http://www.documentarchiv.de/in/1945/potsdamer-abkommen.html

Der Ansporn war die ethnische Homogenität, die individuell-staatliche Begründung natürlich ideologisch (Deutscher = Faschist).

Gracchus

7. Februar 2021 22:42

@SiN-Redaktion: Es ist nicht meine Schuld, aber Maiordomus hackt schon wieder - ohne jeden Zusammenhang - auf Mosebachs "Krass" herum, jetzt auch noch auf Matussek.

@Maiordomus

Ich bin baff: Wie sich einderart belesener Mensch wie Sie derart närrisch, ja mit Verlaub kleingeistig aufführen kann.

Reinste Schulmeisterei. Argumente: Fehlanzeige. Stattdessen: Gefuchtel mit Namen. Wer Mosebach gut findet, kann 500 in Ihren Augen gute Romane (? - Roland Barthes zum Beispiel  hat keinen Roman geschrieben) nicht gelesen haben - das ist das einzige anmassende Scheinargument. Es gibt keine Verpflichtung, Romane als Literaturhistoriker zu lesen, damit haben Sie den Text schon getötet, und es ist nicht meine Art so zu lesen; und ich würde behaupten: auch nicht die von Matussek und Kositza.  

Lotta Vorbeck

7. Februar 2021 23:38

@Gracchus - 7. Februar 2021 - 09:45 PM

Wenn angebliche Grundrechte "um weitere "Dimensionen" erweitert", eingeschränkt und entzogen werden können, dann sind diese Grundrechte keine Grundrechte, sondern wertloser Mind-Fuck.

anatol broder

8. Februar 2021 03:14

@ laurenz 17:05

wir wollen uns nicht bei der willensfreiheit aufhalten. (danke @ gracchus 21:45.) bleiben wir bei der strategie.

BK vertritt einfach eine politische Strategie, welche auf die Bedürfnisse der Wähler eingeht, um Wählerstimmen zu generieren, nicht mehr und nicht weniger.

ziehen wir martin sellner heran:

Umwälzende Ereignisse ändern den Bezugsrahmen und damit den Bereich des Gangbaren und Möglichen, in dem politische Strategie und Taktiken entwickelt werden. Ihr Eintreten kann jedoch nicht vorhergesagt oder künstlich herbeigeführt werden, sonst wären sie ja Bestandteil der eigenen Strategie. Da eine kühle Lageanalyse niemals fest mit solchen Ereignissen […] rechnen darf, dürfen sie kein Bestandteil einer Strategie sein.

wie verhalten sich die bedürfnisse der wähler zu umwälzenden ereignissen?

Volksdeutscher

8. Februar 2021 06:33

@links ist wo der daumen rechts ist - Die Erzielung ethnischer Homogenität als Vertreibungsgrund der Deutschen aus Ungarn trifft nicht zu, wohl aber im Falle der Schlesier und Sudetendeutschen. Es ist notwendig zu differenzieren, was im Potsdamer Abkommen auch immer steht. Bitte glauben Sie einem Volksdeutschen, der des Ungarischen mächtig ist. Es gibt so viele spezifische Informationen darüber, die nicht im Potsdamer Abkommen stehen, die leider auch nicht ins Deutsche übersetzt worden sind.

Valjean72

8. Februar 2021 07:47

@Laurenz @Volksdeutscher

Wie auch immer, die Vertreibung von etwa 200 000 Deutschen fand auf Grundlage der Potsdamer Beschlüsse, Artikel XIII statt

Dennoch ist ist die Situation mit Ungarn eine gänzlich andere als in Bezug auf Polen und Tschechien. Schon alleine Ausmass (CZ: ca. 3 Mio., PL: ca. 9-10 Mio. vertriebene Deutsche) und Ablauf dieser Vertreibungen unterscheiden sich deutlich von Ungarn.

Darüber hinaus ist auch der Umgang von offizieller Seite ein gänzlich anderer.

Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán (Fidesz) hat anläßlich des 75. Jahrestages der Vertreibung der Ungarndeutschen den Opfern mit einem Kranz gedacht. Ihnen gebühre Ehrfurcht und eine angemessene Erinnerung an ihr Leiden, schrieb er auf Facebook.

(Quelle: jungefreiheit.de, 21.01.2021)

Aus PL und CZ sind diesbezüglich von offizieller Seite eher zynisch-gehässige Kommentare zu vernehmen.

 

 

Valjean72

8. Februar 2021 10:05

Mein Kommentar von 7:47 Uhr war an den Diskursteilnehmer "links ist wo der daumen rechts ist" gerichtet.

Volksdeutscher

8. Februar 2021 14:39

@Valjean72 - Danke, Valjean72, das habe ich die ganze Zeit behauptet. Nicht zu übersehen dabei sind die Tatsachen, daß 1. nicht die "Ungarn" und 2. nicht aus ethnischen Gründen die Vertreibungen vornahmen.

Von polnischen Chauvinisten hört man bis zum heutigen Tage nichts anderes, daß Schlesien schon immer polnisches Gebiet darstellte, folglich nahmen sie nur zurück, was schon immer das ihrige war. Mit solchen Leuten kann man sich nicht über Geschichte verständigen und Unstimmigkeiten beseitigen. In solch einer Situation sind die deutscherseits praktizierten unterwürfigen Versöhnungsgesten kontraproduktiv: die unverschämten Forderungen nach Reparationszahlungen sind nicht nur unrealistisch, sondern sind logische Folgen der in der Vergangheit praktizierten Schuldbkenntnisse und Reueorgien. Siehe auch Brandts pathetischen Kniefall vor Warschau.

Nemo Obligatur

8. Februar 2021 19:07

Mein Lob kommt dieses Mal spät, aber es soll nicht ausbleiben. Wieder ein paar Stunden Suche und Lektüre gespart.

Herr Brodkorb ist mir schon ab und zu aufgefallen, zuletzt durchweg positiv. Ein Linker, den das Leben oder seine bessere Einsicht erst in die Mitte und dann nach rechts drückt, zieht, schiebt? Er wäre nicht der Erste.

Das Argument für Polen und Ungarn die Unternehmensgewinne gegen die EU-Salden zu verrechnen, muss ich mal gelegentlich prüfen. Aber Vorsicht! Die Kapitalbilanz der Zahlungsbilanz steckt voller Tücken.

Gracchus

8. Februar 2021 22:04

@Lotta Vorbeck

Ohne eine Grundrechtsvorlesung halten zu wollen (was ich nicht könnte): Die weiteren Dimensionen sind Schutzpflichten, Drittwirkung, Teilhaberechte.

Grundgesetzlich sind Einschränkungen vorgesehen. Das ist normal. Auch Strafgesetze sind Eingriffsnormen.

Das Problem: Anscheinend schläft die Justiz (den Schlaf der Gerechten). Wenn es irgendwann zu einer ehrlichen Aufarbeitung der Pandemie kommen wird, wird auch das Versagen der Justiz thematisiert werden müssen. 

 

heinrichbrueck

9. Februar 2021 01:16

1. @ Lotta Vorbeck („Mind-Fuck“) / @ Gracchus / Aufarbeitungsvorhaben:

„In diesem Zusammenhang ist ein Bericht aus der „Welt am Sonntag“ mehr als aufschlussreich: Demnach soll das Innenministerium von Horst Seehofer in der ersten Corona-Hochphase im vergangenen Jahr Wissenschaftler mehrerer Forschungsinstitute und Hochschulen dafür eingespannt haben, ein Rechenmodell zu entwickeln, auf dessen Basis „Maßnahmen präventiver und repressiver Natur“ politisch begründet werden sollten und dann auch begründet wurden. In diese Manöver war dem Bericht zufolge auch das Robert-Koch-Institut verwickelt.“ PI

„Die Wissenschaftler erarbeiteten dem Schriftverkehr zufolge in nur vier Tagen in enger Abstimmung mit dem Ministerium Inhalte für ein als geheim deklariertes Papier, das in den folgenden Tagen über verschiedene Medien verbreitet wurde. Darin wurde ein „Worst Case-Szenario“ berechnet, laut dem in Deutschland mehr als eine Million Menschen am Coronavirus sterben könnten, würde das gesellschaftliche Leben so weitergeführt wie vor der Pandemie.“ Welt am Sonntag

heinrichbrueck

9. Februar 2021 01:16

2. Wahrzunehmende Wirklichkeit: Pandemie – Maßnahmen – Nebenwirkungen. (Angst und Schuld sind mit von der Partie).

Realität und Wahrheit: Nebenwirkungen – Pandemie-Maßnahmen. Gewünschte Nebenwirkungen (sind) bedürfen eines Grundes, also müssen Maßnahmen ergriffen, damit falsche Begründungen geglaubt werden können.

Ziel: Gegenwart zeigt die Pläne der Vergangenheit.

Fazit: Maßnahmen nicht gegen die Pandemie, Maßnahmen für die Nebenwirkungen.

Maiordomus

9. Februar 2021 12:34

@Gracchus. Von Barthes gibt es eine der lehrreichsten modernen Romantheorien des 20. Jahrhunderts; Lukacs, der ca. drittbedeutendste, hat auch keinen Roman geschrieben; ausserdem hat Roland Barthes am Beispiel von Werther, Platon, französischer Literatur, Mystik, Bibel exemplarisch gezeigt, in welcher Richtung man  über Erotisches schreiben kann, wenn man nicht ein Stümper wie Mosebach ist, der hier wohl auch nicht  mit den ca. 50 000 Besten mithalten kann ausser als Beispiel für Schundlehrbücher. Las gestern den zwar ebenfalls etwas zu lang geratenen Meisterroman "Im Himmel wie auf Erden" (1947) von Bergengruen endlich zu Ende, der in den "Schreibtischerinnerungen" als Kurzfassung interpretiert wird. Der Roman ist leider (obwohl 1931-1940) geschrieben wegen Unvergleichlichkeit Kurfürst Joachim/Hitler u.a.. als Widerstandsroman untauglich, aber meisterhaft in Richtung Weltuntergangspanik, Meterorologie, Pandemie/Aussätzige/hist. und polit. Angstanalyse; dazu folgt er allen wohlbegründeten Regeln des gutgeschriebenen hist. Romans. Bergengruen trifft erst heute, Mosebach wohl kaum je. 

Maiordomus

9. Februar 2021 12:50

Wir diskutieren hier vorab politisch. Also eine Ergänzung zum Thema "direkte Demokratie" einerseits und unparteiische Sicht der deutsch-polnischen Verhältnisses. Ohne etwa ein halbes Jahr Beschäftigung mit Schlesien, die schöne Literatur, auch Heimat betreffend, inbegriffen, bleibt man auf Klischee-Historie. Auf youtube gibt es aber doch noch für Schnellkonsumenten als Anfängerhinweis die  Sequenz "Polnische Freischärler stürmen 1921 den Annaberg", nach dem bekannten Abstimmungsausgang der ursprünglich vom Versailler Friedensvortrag angeordneten Abstimmung in Oberschlesien. Mein oben getätigtes Rühmen von Adorno betr. seinen Eichendorff-Essay betrifft nicht unbedingt dessen Polemiken gegen spätere schlesische Heimatfreund, die E. politisch angeblich ganz unzulässig instrumentalisieren; Hauptsache, er kann mit der Lyrik Eichendorffs tatsächlich wie wenige auf hohem Einfühlungsniveau etwas anfangen. Eichendorff war auch der Lieblingsdichter Adenauers., des Rosenfreundes, vgl. noch Stifters "Nachsommer" für diejenige, die wissen wollen, was unvergleichlich gute deutsche Literatur ist. Karl Kraus schlug im Zusammenhang mit Stifter schlechteren Autoren vor, aus Scham ihre Werke dem Feuer anzuvertrauen.  

 

Lotta Vorbeck

9. Februar 2021 14:30

@Gracchus - 8. Februar 2021 - 10:04 PM

Sie, @Gracchus müssen gar keinen "Mit-dem-Versagen-der-Justiz"-Strohmann aufbauen.

Auch Ihnen, @Gracchus dürfte bekannt sein, daß Staatsanwaltschaften weisungsgebunden sind und dementsprechend handeln, was unlängst im Zusammenhang mit dem Thema "Europäischer Haftbefehl" eine signifikante Rolle spielte.

Wenn es Ihrer Ansicht nach als "normal" anzusehen ist, Grundrechte mit "Einschränkungen" auszuhebeln, dann stellen diese angeblich "unveräußerlichen, fundamentalen Grundrechte" allenfalls folkloristische Dekorationselemente während Schönwetterperioden dar, sind aber eben keine Grundrechte.

 

 

Gracchus

8. Februar 2021 22:04

@Lotta Vorbeck

Ohne eine Grundrechtsvorlesung halten zu wollen (was ich nicht könnte): Die weiteren Dimensionen sind Schutzpflichten, Drittwirkung, Teilhaberechte.

Grundgesetzlich sind Einschränkungen vorgesehen. Das ist normal. Auch Strafgesetze sind Eingriffsnormen.

Das Problem: Anscheinend schläft die Justiz (den Schlaf der Gerechten). Wenn es irgendwann zu einer ehrlichen Aufarbeitung der Pandemie kommen wird, wird auch das Versagen der Justiz thematisiert werden müssen. 

Laurenz

9. Februar 2021 15:02

@Gracchus @Lotta Vorbeck

Lesen Sie doch einfach, was @Lotta geschrieben hat. Staatsanwaltschaften unterstehen Ministerien und sind in Deutschland daher nicht frei, sondern den Weisungen von Partei-Politikern verpflichtet.

Das ist der Grund, warum Deutschland im EU-Maßstab eine Ausnahme macht, und europäische Haftbefehle von Richtern und nicht von Staatsanwaltschaften bearbeitet werden müssen.

Nur Richter erheben keine Klage, sondern Staatsanwaltschaften oder eben auch nicht. Wer verklagt schon seinen Vorgesetzten?

Maiordomus

9. Februar 2021 15:27

@Grach.. Zu Theorie des Romans. Mit zu den Klassikern gehört Nietzsche-Freund Erwin Rohde mit dem Standardwerk "Der griechische Roman und seine Vorläufer", Pflichtlektüre. Elementar für Grundverständnis, was europ. Roman ist: der Artus-Roman à la Parzival mit Grundstruktur a) des Helden b) des seit der antiken Literatur grundlegenden Familiennarrativs c) die aventiure und d) die Liebe;  zu schweigen vom je nachdem enthaltenen oder nicht enthaltenen oder distanzierten transzendenten und transzendentalen Bezug, bei Mosebach noch gut angedeutet. Die Revolution des europ. Romans mit der für den gesamten auch "bürgerlichen" Roman grundlegenden Differenzierung "Schein - Sein" (vgl. Flaubert, Fontane, praktisch alle mod. gesellschaftskrit. Romane) präsentiert nach Lukacs als Geschichte von Illusionen Cervantes mit dem Don Quijote. Meine aufwendigste Seminararbeit zur Romantheorie schrieb ich 1969 bei Prof. von Weltspitze über Heliodors "Äthiopica": ein früher Liebesroman für ein Massenpublikum. Habe selber 3 Romane unpubliziert in Schublade, 2 wegen "schlecht", einen aus rechtlichen Gründen. Lektorierte Romane von Kollegen; mit einer Ausnahme (autobiogr. Roman eines Arbeiters) meinen Ansprüchen nicht genügend.  Beim hist. Roman schreit der Dilettantismus oft zum Himmel. 

Maiordomus

9. Februar 2021 19:24

Grossartige Formulierung betr. die Meinungsverschiedenheit Sellner - Kaiser. "Aus einem Elefanten eine Mücke machen." Wer oben brachte diese Trouvaille?

@Gracchus: Ehrlich gesagt haben Sie schon recht, dass man bei der Beurteilung eines Romans nicht gerade 500 Vertreter der Gattung präsent haben muss; wiewohl ein erfahrener Rezensent mit 30 Jahren+ sicher ähnlich viele (incl. Krimi und Jugendromane) gelesen hat, sonst  kein Lese-Profi, was @Kositza sicher ist.. Nicht auf die Zahl kommt es an: aber theoretische Kenntnisse über Strukturen und Bauformen des Romans sind für Beurteilungen nötig. Es schadet auch nicht in Sachen Musik, wenn man Noten kennt und die Meister gehört hat. Mit penetrantem Mittelmass statt grosser massstäblicher Romane bilden wir uns als Leser zu Analphabeten zurück, zumal wenn M. mit Zauberberg-Motiven  hantiert. Mir machte in Damaskus die dortige Radiounterhaltungsmusik durchaus Spass im Auto des Taxichauffeurs. Aber hier auf diesen Zeilen wird immer wieder behauptet, es gäbe an deutscher Kultur etwas zu verteidigen. Auch wenn ich die Grenzen des Bildungsbürgertums sehe und bei Bildungszeit fressenden mittelmässigen Werken das Geleistete respektiere, engagiert sich z.B. @Bosselmann eindrücklich als eine Art Bildungspatriot ebenfalls in Richtung Qualität. Vielleicht sehen Sie dies ähnlich.

 

 

 

Maiordomus

9. Februar 2021 19:38

PS. @Kaiser. In der "Sturzflut des Gedruckten" sind viele Gesichtspunkte möglich und hier also auch zugelassen. Danke.  Habe Sie als Referent in guter Erinnerung, ein Hoffnungsträger. Ihre Generation und Richtung repräsentieren Sie meines Erachtens mit Format. Z.B in der kritischen Auseinandersetzung mit dem Magazin Cicero. Den Autor Brodkorb werde ich mir aber bestimmt nicht antun, liegt wohl näher bei Mücke als bei Elefant. Bin aber dankbar, das Sie über diese Szene referieren. 

Götz Kubitschek

9. Februar 2021 20:12

dank an alle. gruß!

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