5. Februar 2021

Sammelstelle in der Sturzflut des Gedruckten (5)

Benedikt Kaiser / 75 Kommentare

Wenn Polen und Ungarn in den bisherigen vier »Sammelstellen« überrepräsentiert scheinen, so hat das seinen Grund:

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

In beiden Staaten der Visegrád-Gruppe – die weiteren beiden Partner in diesem souveränistischen Verbund sind Tschechien und die Slowakei – materialisiert sich in den politischen und gesellschaftlichen Bereichen jene Restvernunft, die in der Bundesrepublik Deutschland nur noch in Nischen vorzufinden ist.

Aus diesem Grund ist der Blick auf Ungarn und Polen seitens der bundesdeutschen Leitmedien so unversöhnlich bis unverständig. Diesen Punkt spricht das Februar-Heft des Cicero (2/2021) an. Die Redaktion hat Norbert Mappes-Niediek gewonnen, in der Rubrik »Weltbühne« darzulegen, was »wir« an Osteuropa (besser wäre: Ostmitteleuropa) nicht verstehen würden.

»Europa andersrum« ist ein lesenswerter Beitrag zur Debatte. Markant ist etwa jene Passage, in der der steirische Journalist und Buchautor (Europas geteilter Himmel erscheint in wenigen Tagen) die Bedeutung darlegt, die in der Schlüsselfrage enthalten ist, ob beispielsweise Ungarn mehr Gelder von der Europäischen Union, ihrem Apparat und ihren dominierenden Konzernen »nimmt« – oder ob Ungarns Volk mehr »gibt«.

Für den liberalen Fraktionschef im Europaparlament Guy Verhofstadt ist die Sache klar: Viktor Orbáns Staat würde »unser Geld« nehmen, aber gleichzeitig zu wenig auf Brüssel zugehen und sich national einigeln. Ähnliche Interpretationen sind auch in der BRD altbekannt.

Nicht nur in der Boulevard-, sondern auch in der sogenannten Qualitätspresse wird regelmäßig darauf hingewiesen, wie sehr Ungarn und Co. von jener EU profitieren, die sie in Schlüsselfragen (Grenzschutz, Souveränitätstransfers, Multikulturalismus usw.) vor den Kopf stießen.

Doch hier rät Mappes-Niediek zum Wechsel des Blickwinkels:

Aus östlicher Perspektive sind die Rollen des Gebers und des Empfängers nämlich vertauscht,

erfährt man von ihm.

Viele Ungarn oder Polen fragen sich (mit Recht, würde ich wertend ergänzen):

Profitieren westliche Investoren nicht enorm davon, dass sie unseren Arbeitnehmern viel niedrigere Löhne zahlen? Spielen sie unsere Regierungen in der Werbung um Betriebsansiedlungen nicht gegeneinander aus, sodass wir keine Forderungen an sie stellen dürfen und wir sie mit Steuergeschenken herbeilocken müssen?

Doch damit noch nicht genug:

Haben sie uns über den Umweg über ihre Regierungen und die EU-Kommission nicht selbst die Regeln aufgedrückt, nach denen sie dann hier wirtschaften?

Ebenjene ökonomische Linie setzt sich fort, wenn Mappes-Niediek die Ost(mittel)europäer zweifeln läßt:

Verkaufen sie uns am Ende nicht die Waren, die wir selbst für geringen Lohn hergestellt haben, zu überhöhten Preisen? Und müssen wir es uns gefallen lassen, dass westliche Länder ihre Probleme mit Zuwanderung zu uns exportieren? Uns, die wir doch täglich Experten, Ärzte, Fachleute, Wissenschaftler an euch verlieren?

Mappes-Niedieks weiß hier anzumerken, daß sich die »rechten« Visegrád-Staaten ausgerechnet auf den linken Denker Thomas Piketty beziehen können:

Der Ökonom verglich die Zahlungen aus dem Brüsseler Haushalt, die tatsächlich zu einem großen Teil von Westen nach Osten fließen, mit den Unternehmensgewinnen, die die umgekehrte Richtung. Netto kam für den Osten ein Minus heraus, ein besonders dickes für Tschechien und Ungarn und immer noch ein spürbares für Polen und die Slowakei.

Alleine diese Informationen, die in bundesdeutscher Presse gewöhnlicherweise verschwiegen oder gar gegensätzlich dargestellt werden, »sichtbar« zu machen, ist bereits ein Verdienst des Sechsseiters.

Aber auch an Kritik spart der Kenner ostmitteleuropäischer Gesellschaften nicht. Die vier Visegrád-Staaten würden zwar konstant Brüssel für Fehlverhalten und vermeintliche wie tatsächliche Übergriffigkeiten schelten, versäumen es aber seit vielen Jahren, eigene Ideen für Europa jenseits des »Dagegen« zu präsentieren.

In diesem Kontext legt Mappes-Niediek den Finger in die nationalkonservative Wunde:

Aus Osteuropa kommen keine konstruktiven Vorschläge, wie man die Staatengemeinschaft anders, loser, enger oder effizienter organisieren könnte.

Dieser Tadel ist wohl berechtigt, wobei die Situation nicht statisch bleiben muß.

Aus Ungarns geistigem Betrieb hört man in diesem Sinne, daß an europäisch-konservativen Standpunkten gearbeitet werden wird. Die Motoren hierfür sitzen etwa in der Redaktion der Budapester Zeitschrift Kommentár aus dem Nahfeld der Regierungspartei Fidesz  Sezession-Leser werden früher als andere erste Essenzen dieser theoretischen Arbeit präsentiert bekommen.

Bis dahin empfiehlt sich der Beitrag Norbert Mappes-Niedieks im aktuellen Cicero über die Rebellen wider das »sanfte Monster Brüssel« (Hans Magnus Enzensberger) als profunde »Anfütterung«.

-- --

Apropos Cicero: Im »Magazin für Politische Kultur« stehen weitere Veränderungen an. Weitere – denn mit Alexander Kissler (vgl. Kositzas Video oder die erste »Sammelstelle«) hatte im vergangenen Jahr bereits ein prägender Autor das Monatsmagazin verlassen. Er arbeitet seit Sommer 2020 als Berliner Korrespondent für die Neue Zürcher Zeitung (NZZ).

Nun verläßt auch Co-Herausgeber und Co-Chefredakteur Christoph Schwennicke das Blatt und wird durch den illustren Dirk Notheis ersetzt, der bis 2012 BRD-Verantwortlicher der US-amerikanischen Investmentbank Morgan Stanley gewesen ist. Schwennicke selbst verabschiedet sich mit seinem Editorial, indem er den Weg für den Leitartikel der Februarausgabe ebnet.

Schwennicke bietet darin eine Steilvorlage für seinen Titelautoren Mathias Brodkorb:

Der real existierende Föderalismus ist national wie europäisch zu langsam für diese Welt und für ein Virus, das auf Subsidiarität und Einstimmigkeitsprinzip keine Rücksicht nimmt.

Brodkorb ist für langjährige »Sezessionisten« sicherlich kein Unbekannter. Als Gründer von »Endstation rechts« wurde der sozialdemokratische Norddeutsche überregional bekannt; acht Jahre lang war er Minister in Mecklenburg-Vorpommern (erst im Bereich Bildung, dann Finanzen). Nun reüssiert er als Buchautor (Der Abiturbetrug) und gefragter Zeitschriftenautor – ob als Gesprächspartner in Cato oder als Leitartikler im aktuellen Cicero.

Dieser jüngste Aufsatz hat es in sich. »Die gefesselte Republik« dürfte vor allem bei seinen Kritikern links der Mitte, in Brodkorbs ureigenem Milieu, als Abschied von ebenjenen Kreisen gewertet werden. Denn Brodkorb vermißt Handlungsfähigkeit des deutschen Staates, kritisiert den föderalen Rechtsstaat als »Schönwetterinstitution« und fordert eine Neuordnung der Strukturen der Republik.

Einige heilige Zöpfe der vereinigten Linken schneidet Brodkorb recht forsch ab. Ein Beispiel bietet seine rational-kühle wie richtige Überlegung zum Wesen von Politik:

In der Politik (...) geht es nicht in erster Linie um Wahrheit, sondern um Interessen, nicht um Argumente, sondern um Macht und die mit ihr verwobenen menschlichen Eitelkeiten.

Diese Aussage für sich genommen wäre keine Aufregung wert. Politisch reizvoll wird sie erst durch ihre Liaison mit einer genuin »rechten« Lageanalyse in bezug auf die anhaltende Coronakrise.

Krisenbewältigung, so definiert Brodkorb,

ist die staatspolitische Königsklasse.

Bei derlei Begriffen des Politischen denkt man womöglich an den Weisen aus Plettenberg. Und tatsächlich fährt Brodkorb fort:

Es liegt in der Natur der Sache, dass es in keiner Situation so sehr auf den Staat ankommt wie im »Ernstfall« (Carl Schmitt).

Doch ebenjener Staat hat einen schlechten Leumund in der BRD des Jahres 2021. Das führe dazu, daß sowohl »Autorität« als auch »Handlungsfähigkeit« des Staates sukzessive verloren gehen. Man spüre dies im Alltag deutlich:

Rettungskräfte werden bei ihrer Arbeit behindert und verhöhnt, Polizisten beleidigt und bespuckt, Soldaten als »Mörder« verachtet. Eine nicht unerhebliche Zahl von Bürgern begreift den Staat nicht mehr als gemeinwohlförderliche Schutzmacht, der Respekt zu zollen ist, sondern als Herrschaftsinstrument einer abgehobenen Elite.

Zudem, und nun müssen linksgepolte Leser prüfen, ob der Autor wirklich Mathias Brodkorb heißt, werde der Staat oftmals fehlinterpretiert,

als Versorgungsanstalt für jedermann, die mit Ansprüchen jedweder Art überschüttet werden darf.

Über die Problematik der Impfmittelbeschaffung (»das eigentliche Staatsversagen«) kommt der Autor – er heißt wirklich Brodkorb – zur Merkelschen Volksvergessenheit. Die Bundeskanzlerin adressiere die EU, nicht das eigene Volk. Sie unterminiere den inneren »Sinn eines jedes Staatswesens«, und deshalb erlaubt sich Brodkorb auf jenes Faktum hinzuweisen, wonach Merkel ihren Amtseid auf das deutsche Volk abgeleistet habe.

Dies für sich genommen ist bereits eine korrekte Bestandsaufnahme. Brodkorb treibt seine Kritik aber erheblich weiter. Daß Chinas Ökonomie sich etwa trotz Coronamaßnahmen bestens erholen konnte, habe seinen Grund:

Es gehört wenig Einsicht dazu, die Erfolge Chinas bei der Pandemiebekämpfung und der Wiederbelebung der Wirtschaft auch und vor allem seinen autoritären Strukturen zuzuschreiben.

Entscheidungsprozesse werden effektiv verkürzt, straffe und klare Führung führe

zu einem nicht wegzudiskutierenden Standortvorteil.

Ohne daß Brodkorb nun zum unverhohlenen Verfechter eines deutschen »chinesischen Weges« würde, verweist er doch auf die Problematik eines jeden »Ernstfalls«: Ein solcher Ernstfall (ob durch einen Virus oder eine Katastrophe hervorgerufen) ist einem

Diskurs schlicht nicht zugänglich.

Doch diese Klarheit vermißt der Autor:

Dass das Leben nicht vollständig der deliberativen Demokratie unterstellt werden kann, muss Westeuropa offenbar erst wieder lernen.

Brodkorb erklärt sich bereitwillig zum Lehrer, wenn er seine Kritik an der bundesdeutschen Malaise und an Merkels Stolz auf ihre »stark individualisierte Gesellschaft« mit drei Hinweisen verknüpft, die zu beachten es erforderte, wenn man

Demokratie und klare Führerschaft, Demokratie und Geschwindigkeit, Demokratie und effizientes Staatshandeln

nicht als Widersprüche, sondern als anzustrebende Einheiten begreifen möchte.

Die drei Dinge, die vonnöten seien, lassen keine Zweifel offen, welchen Pfad Brodkorb einzuschlagen empfiehlt.

Erstens nennt er das

Zurückstutzen einer teils metastasierenden Bürokratie,

die es beförderte, daß

Gesetze, Verordnungen und Erlasse

fortwährend

zahlreicher, umfangreicher und detaillierter

wurden, was unter anderem zu

grotesken Verfahrensdauern

geführt habe.

Zweitens drängt Brodkorb zu einer Neuordnung der föderalen Mechanismen Deutschlands. Wer einen »handlungsfähigen Staat« anstrebe, müsse

die Komplexität der Entscheidungsstrukturen drastisch reduzieren.

Auf diese unverhohlene Bereitschaft zur Neujustierung des Verhältnisses Zentralstaat–Teilstaaten (sprich: Bundespolitik–Länderpolitik) folgt in Brodkorbs Analyse – drittens – eine dezidierte Handlungsempfehlung.

Es gelte,

mehr politische Führung und weniger bloße Moderation

zu wagen:

Der Staat muss wieder in den Stand gesetzt werden, sich überbordender Ansprüche an ihn zu erwehren. Er ist keine »Milchkuh« (Arnold Gehlen), an deren Zitzen sich allerlei Partikularinteressen laben können, sondern hat in unser aller Interesse dem Gemeinwohl zu dienen.

Staat, deutsches Volk, Ernstfall, Carl Schmitt, Handlungsfähigkeit, Gemeinwohl, Arnold Gehlen, Dienst – die Liste der Brodkorbschen Sündenfälle auf zwölf (zum Teil bebilderten) Cicero-Seiten ist lang und dürfte für einigen Nachhall sorgen. Ein richtungsweisender, dichter, meinungsstarker Beitrag, an dem ich lediglich bekritteln könnte, daß er nicht in der Sezession erschienen ist.

-- --

Nun ist er im Cicero publiziert worden, der vor allem deshalb eine starke Februarausgabe sein eigen nennen darf. Nicht, daß das Heft durch die Bank lesenswert wäre; zum Teil sind Beiträge enthalten, deren Lektüre irreparablen Lebenszeitverlust mit sich bringt.

Doch ein dritter Coup gelingt den Machern um Alexander Marguier und Schwennicke (letztmals) dank eines Interviews mit Thomas Kemmerich. Der FDP-Politiker hat im Februar 2020 bekanntlich für 28 Tage lang als Ministerpräsident Thüringens gelten dürfen, bevor ihn die vereinigte Linke in Presse, Politik und »Zivilgesellschaft« in Tateinheit mit Kanzlerin Merkel (»Das Ergebnis muss rückgängig gemacht werden«) zu Fall brachte.

Der als »Zocker« geltende Bodo Ramelow (Die Linke) durfte Rot-Rot-Grün bei Unterstützung durch die Christdemokraten weiterführen, Kemmerich wurde in der FDP und weit darüber hinaus zur Persona non grata, und die AfD bewies, daß es gelingen kann, in »Thüringen jemanden so auf einen Stuhl setzen, daß es in Berlin einem anderen Stuhl die Beine abschlägt« (Götz Kubitschek).

Moritz Gathmann und Christoph Schwennicke interessieren sich ein Jahr nach dem Thüringer Fanal für Kemmerichs weiteren Werdegang: Ist die Politkarriere des gebürtigen Aacheners beendet? Wie erlebte er die Zeit nach seinem Zwangsrücktritt?

Kemmerich wird dem Leser als eminent geltungsbewußter Akteur vorstellig. Er teilt erwartungsgemäß gegen den damaligen CDU-Landesvater Mike Mohring aus, sieht sich aber primär als Opfer – wohlgemerkt nicht zuallererst als Opfer der Merkelschen Apodiktik oder des im Haß auf Abweichung vereinigten Antifaschismus, sondern als Opfer der unfairen AfD, die gewisse »Spielregeln« nicht befolgte, weswegen Kemmerich mitteilt:

Ich habe nicht gefoult, ich bin der Gefoulte.

Diese Larmoyanz muß man ertragen als Leser, wie man auch seine bisweilen gezeigte Ablehnung linkslastiger Bündnisse getrost in ihrer Authentizität relativieren darf. Denn Kemmerich räumt selbst offen ein, daß er und andere an einer »Simbabwe-Lösung« gearbeitet hatten, also an einem Bündnis zwischen CDU, FDP, Grünen und Sozialdemokraten. Denn für ihn sei eines unverrückbar:

Es wird keine Zusammenarbeit mit der AfD geben.

Bedauerlicherweise scheint Kemmerich wenig aus dem aggressiven Vorgehen der Allparteienallianz unter Zuhilfenahme antifaschistischer Straßentäter gelernt zu haben, obwohl es markante Anlässe hierfür gegeben hat. Er verweist namentlich auf einen entscheidenden linken Multifunktionär Ramelows: Benjamin-Immanuell Hoff.

Der war bzw. ist nicht nur Chef der Thüringer Staatskanzlei, Minister für Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten, sondern bereits seit 2019 auch kommissarischer Minister für Infrastruktur und Landwirtschaft und Landesbeauftragter für die Förderung jüdischen Lebens und die Bekämpfung des Antisemitismus.

So viele Ämter, so wenig politische Höflichkeit. Kemmerich:

Der Staatsminister Hoff hat mir damals die Schlüssel der Staatskanzlei übergeben. Kurz darauf stellte er sich vor die Tür und sagte: Wir müssen den da wieder rauskriegen.

Als Liberaler, der seltener als AfD-Akteure in den Fokus derartiger Antifaschisten gerät, kommt Kemmerich zu folgender Feststellung:

Das Ausmaß der Anfeindungen hat mich schockiert.

Nun, sein Parlamentskollege Björn Höcke hätte ihm sicherlich schon Jahre vorher einiges über linke Angriffskultur erzählen können, sofern Kemmerich sich danach erkundigt hätte. Nun wurde diesmal ihm zugesetzt, auch seine Familie mußte Angriffe erleiden.

Die etablierte Politik einschließlich Merkel blieb natürlich gewohnt stumm. Auch aus der CDU erfuhr Kemmerich nämlich keine Solidarität. Jene Christdemokraten, die Kemmerich im Willen bestärkten, zur Ministerpräsidentenwahl anzutreten, tauchten ab. In den Worten des gefallenen Politikers selbst:

Die waren weg. Sie haben sich vermutlich dem Diktat der Kanzlerin aus Südafrika gebeugt.

Kritik an Merkel und Ramelow? Ja, aber bitte nur im Kontext, man ist nicht einem rechten Flügel oder dergleichen zugehörig:

Nationalliberal würde ich zurückweisen. Ich bin ein konservativer Mensch, aber ich bin aus tiefstem Herzen wirtschaftsliberal.

Bei derlei Bekenntnislust ahnt man es schon: Einschneidende Lehren aus dem Thüringer Debakel wurden von Thomas Kemmerich nicht gezogen. Auch von der Zuneigung zur Christdemokratie will der Verbannte seine Finger nicht lassen:

Meine Leidenschaft gehört eher einer Koalition mit der CDU als einer Ampel. Wichtig ist aber, dass wir wieder zweistellig werden, um dann auf Augenhöhe verhandeln zu können.

Nach all den demütigenden und ehrverletzenden Erfahrungen eine Koalition mit den eigenen Anklägern und Richtern anzustreben – bei so viel devoter Bereitschaft zur Subordination wird sogar ein Co-Bundesvorsitzender der AfD neidisch und ein Professor aus Dresden schreibt die nächste Empfehlung zur Folgsamkeit gegenüber Ratschlägen aus dem ideologischen Staatsapparat.


Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.


Kommentare (75)

Maiordomus

5. Februar 2021 11:33

Kemmerich hat nicht gemerkt, dass er bereits, neben Höcke, als "Hindenburg" dargestellt wurde. Einmal mehr ein Doppel-Artikel. Das Wichtigste wäre, Polen und Ungarn nicht gerade gleichzusetzen. Allein nur schon wer sich näher mit der Geschichte Oberschlesiens befasst hat, vor 100 Jahren fand dort eine denkwürdige Volksabstimmung statt, weiss, dass wegen dem Verhältnis zu Deutschland (und natürlich auch zu Russland) Polen einen ganz anderen Fall darstellt als Orbans Ungarn. Kein Wunder, hat Walesa Nawalny zur Provokation der Russen zum Friedensnobelpreisträger vorgeschlagen. Selber habe ich mich unterdessen bei einer russischen achtsprachigen Gewährsperson, um Welten besser informiert als Korrespondenten, auch von russ. Medien unbeeinflusst, nach Nawalny erkundigt. Antwort gehört nicht hierher ausser:  Wer heute in RU demonstriert, bekennt sich oft kaum zu Nawalny. Er schlägt einen Sack, meint aber einen Esel. Welchen wohl?  

bb

5. Februar 2021 11:38

Ich bin ein konservativer Mensch, aber ich bin aus tiefstem Herzen wirtschaftsliberal.

Denkfehler, denn für Konservative geht liberal nur national.

Maiordomus

5. Februar 2021 12:05

@bb. Sie lassen die Lebensgeschichte von Bundespräsident Theodor Heuss aussen vor. In der Geschichte des Kapitalismus wurden schon immer dem Merkantilismus und der Abschottung nach aussen Grenzen gesetzt. Wohlstand braucht Globalisierung. Dass es aber Grenzen braucht, ist heute schon durch Sozialstaat bedingt. Das können Sie bei jedem nicht gerade übergeschnappten Wirtschaftsliberalen nachlesen. Ohnehin müsste jeder, der über Hayek schimpft, mal dessen Standardwerk "Der Weg zur Knechtschaft" greifbar haben. Wilhelm Röpke, Professor in Genf, befürwortete 1966 Massnahmen zur Eindämmung von zu viel Fremdarbeitereinwanderung, woran sich in der Schweiz der Bundesrat vor 50 Jahren halten wollte; ausserdem machte Röpke wie kein zweiter Wirtschaftstheoretiker klar, dass ohne Massstäbe "jenseits von Angebot und Nachfrage" buchstäblich kein Staat zu machen sei. Das Problem heutiger "Neoliberaler" ist oft ihr Mangel an Bildung bzw. Fehlen auch historischer Kenntnis der Theorie, wenn Linke schon mit Marx kommen; W. Röpke, Kritiker des "Bildungsjakobinismus", lernte als Junge in einem umgebauten Rossstall Latein.

Imagine

5. Februar 2021 12:22

@B.K.
„In beiden Staaten [..] materialisiert sich in den politischen und gesellschaftlichen Bereichen jene Restvernunft …“.

Einspruch, Euer Ehren!

Restvernunft sehe ich in der polnischen Politik überhaupt nicht. Polen geht den Weg eines „failed state“, so wie dies der Ökonom und Nobel-Preisträger Paul Krugman auch für die USA prognostiziert hat.

Polen hat sich total von den USA abhängig gemacht, mit Russland ist es tief verfeindet und auch in der EU ist Polen ein Fremdkörper.

Restvernunft sehe ich im Kontext von Europa nur bei jenen Staaten, welche ihre ökonomischen, politischen und kulturellen Beziehungen zu China und den BRICS-Staaten ausbauen.

So wie es beispielsweise die Schweiz macht.

Es ist doch völlig klar, dass „Wirtschaft“ heute und in Zukunft durch globale Wirtschaftskreisläufe gekennzeichnet ist. Nationale oder regionale Autarkievorstellungen sind von vorgestern.

Für einen wachen Geist ist es zudem offensichtlich, dass sich das US-amerikanische Gesellschafts- und Wirtschaftsmodell im Niedergang befindet und die Weltentwicklung immer mehr von China bestimmt wird.

Wolfram Elsner hat dies in seinem Buch „Das chinesische Jahrhundert“ begründet, Benedikt Kaiser hat es bereits vor vier Monaten hier rezensiert.

Maiordomus

5. Februar 2021 12:50

@Imagine. Sie sagen betr. Polen, was ich vorher andeutete. Ergänze,  dass die dramatische deutschnational orientierte Volksabstimmung in Oberschlesien 1921, worin ein auch ethnischer Konflikt zum Austrag kam, der Anfang der Vorgeschichte des 1. September 1939 war. Würde die Geschichte Schlesiens etwa gleichlang behandelt wie die Geschichte des jüdischen Volkes, die auch die tragische Geschichte jüdischer Patrioten und Heimatfreunde war (was wie die Verbrechen vor 1945 alles gründlich behandelt werden muss), könnte man rationaler über den 2. Weltkrieg diskutieren; jenseits nur politisch gemeinter Empörungsgeschichte. Noch ein Peter Glotz (SPD), der in St. Gallen  zur Zeit von Rolf Peter Sieferle Vorlesungen hielt, kannte diese Zusammenhänge. 1948 erschien ein dickes Standardwerk über die Vertreibungen aus Schlesien (10 Millionen), welche zusammen mit dem Wiederaufbau und der Ablehnung vieler Ostflüchtlinge und der damals ebenfalls keinesfalls verschweigbaren oder verschwiegenen Geschichte von den Massenmorden im Osten ein breiter abgestütztes Narrativ ergab für Zeitgenossen noch mit Lebens- und sogar "Todeserfahrung" in fast jeder Familie. Heute liegt eine vergleichsweise erfahrungslose Manipuliermasse vor.

Laurenz

5. Februar 2021 13:44

@Imagine

Sie haben nur insofern Unrecht, was Polen zur EU-Politik betreibt. Allerdings sollten Sie die Polen von ihrer Regierung unterscheiden. In der Regel bekommt man mit Polen in Debatten weniger Schwierigkeiten als zB mit Serben, deren nationalistisches Geschichtsbild dazu diente, 500 Jahre Türken-Herrschaft zu überleben, aber nicht real ist. 

Die Polen haben eben noch ein besseres Händchen dafür, als wir, exkrementale Regierungen zu wählen. Hierbei ist auch zu bedenken, daß polnische Erfahrungen mit der Demokratie historisch extrem kurz sind. Bisher, da haben Sie vollkommen Recht, gab es noch keine polnische Regierung, die sich nicht existentiell mit ihren Nachbarn angelegt hätte.

Mutmaßlich die Nato verweigerte Helmut Kohl ein Staatsbegräbnis, wohl, weil er zu feige war, von Jelzin russisch-Ostpreußen zurückzukaufen, was heute einen Dorn in der Nato-Front gegen Rußland bedeutet. Hätte Kohl Russisch-Ostpreußen zurückgekauft, hätte sich Polen längst der Frage der Rückgabe anderer Deutscher Ostgebiete stellen müssen. Dafür ist man in Polen natürlich auf beiden Augen blind.

Laurenz

5. Februar 2021 16:15

@BK

Fand Ihre aktuelle Sammelstelle wieder wirklich gelungen. Erlaubt es doch tatsächlich einen Blick auf des wesentliche unter den Tonnen von publizierten Müll.

Beeindruckt hat mich Ihr Ex-Linker, Herr Brodkorb, im Grunde ein Überläufer zu Neuen Rechten, der ich mich, als als "Alter weißer Mann", zugehörig fühle.

Der Mann ist nicht liberal,

auch damit kann ich mich abseits des persönlichen Lebensbereiches, in dem ich jedem(!) alle erdenkliche Freiheit wünsche,

absolut anfreunden.

Vielleicht findet ja eines Tages dieser Brodkorb den Weg zur Sezession.

Nordlicht

5. Februar 2021 16:16

a. Ungarn ist mir politisch näher als Polen, weil wir Deutsche mit Polen eine problematische Vergangenheit haben. Das kann man nicht einfach vergessen - und die polnischen Opfer der deutscher Verbrechen im 2. Weltkrieg machen die vorherigen polnischen Aggressionen ja nicht ungeschehen. Es gibt historisch kein "jetzt sind wir quitt". Die beiden Länder haben nun einmal einander sehr geschadet, haben unterschiedliche Interessen und Sensibilitäten; diese Probleme haben wir mE mit Ungarn nicht. 

Daher ist mit Ungarn sympathischer als Polen. Ich habe die Budapester Zeitung im Internet abonniert.

 

b. Kemmerich: Der hat nicht nur nichts gelernt, sondern hatte wohl auch vorher schon kein Format. Er wurde zufällig hochgespült, abgesägt, und begreift immer noch nicht, was ihm geschah.

Uninteressant, der Mann.

Laurenz

5. Februar 2021 16:30

@Nordlicht

Wir haben mit dem Staat Polen nicht nur eine problematische Vergangenheit.

Imagine

5. Februar 2021 19:00

Es scheint, dass sich Brodkorb anbietet als rechter Politiker für postdemokratische Zeiten.

An Erfahrung, wie man Karriere macht, den Staat und gemeinnützige Organsationen ausplündert sowie durch Korruption und Begünstigung sich selbstbereichert, dürfte es ihm nicht mangeln.

ARBEITERWOHLFAHRT ROSTOCK - Wo eine Hand die andere wäscht

Volksdeutscher

5. Februar 2021 20:31

1.

Den geteilten Himmel Europas verdankt man jenen "weisen" Männern des Westens, die - ihrer eigenen Aussage nach - das falsche Schwein geschlachtet hatten. So politisch instinktlos sie waren, ließen sie den Bären im Schafspelz mehr und mehr in Richtung Westen vorrücken, obwohl es an warnenden Stimmen nicht fehlte und auch eindeutige Zeichen vorlagen. Seitdem ist Europa´s Himmel geteilt. Man kann auch auf die Frage verzichten, wann Europas Himmel denn jemals einheitlich war oder seit wann die (etwas sentimental geratene) Bezeichnung Gemeinsames Haus Europa denn eigentlich gäbe. Den Eisernen Vorhang hat nicht Deutschland verschuldet, folglich hat es ihn auch nicht zu verschulden. Die morbide Lebensabsage des Liberalismus des Westens und der gesunde Lebenswille Ost-Mitteleuropas haben keinen gemeinsamen Nenner. Selbstaufgabe und Selbstbehauptung können nicht miteinander versöhnt werden. Jene lebensfeindlichen liberalen Kräfte erwarten (!), daß auf sie zugegangen werde. Warum? Um sein Lebensrecht von ihnen in Frage stellen zu lassen und sich Stück für Stück aufzugeben? Die auseinandersetzung mit ihnen ist überflüssig, sie wollen ja keine Einigung in politischen Fragen, sondern in lebensrechtlichen erzielen. Das Recht zu existieren, kann jedoch niemals Gegenstand von Verhandlungen sein. Man überlege: eine von niemand durch Wahlen legitimierte Institution maßt sich an, einer historisch gewachsenen nationalen Kulturgemeinschaft Vorschriften machen zu wollen.

Old Linkerhand

5. Februar 2021 20:31

Wer kennt ihn nicht, den Storch Heinar, der noch im letzten Jahrhundert die Braunbauchunken aus dem Sumpf gefischt hat. Auch wenn er jetzt unkt, mit den Unberührbaren aus Schnellroda wird er wohl nicht mehr klappern. Wie war das noch mit dem Rauschen?

Volksdeutscher

5. Februar 2021 20:33

2.

"....wie sehr Ungarn und Co. von jener EU profitieren, die sie in Schlüsselfragen (Grenzschutz, Souveränitätstransfers, Multikulturalismus usw.) vor den Kopf stießen."
 
Entweder ist es die ehrliche Ahnungslosigkeit der Naiven oder die unehrliche Ahnungslosigkeit der Hinterlistigen. Jene finanziellen Leistungen von der EU zu erhalten beruhen auf vertraglichen Vereinbarungen. Jeder Mitgliedstaat bekommt im gleichen Verhältnis wie er eingezahlt hat, Fördergelder zurück, deren Erhalt nicht in Abhängigkeit von vertagsfremden Forderungen steht. In anderen Worten: Polen und Ungarn schulden der EU nicht mit der Aufgabe ihrer staatlichen Souveränität und ihres nationalen Selbstbestimmungsrechts, um diese Leistungen zu erhalten. Wie auch andere Staaten nicht.
 

Volksdeutscher

5. Februar 2021 20:40

3.

Westliche Firmen zahlen für gleiche Arbeit nicht nur geringere Löhne. Sie beliefern z.B. Ungarn auch regelmäßig mit qualitativ minderwertigen "Lebensmitteln", die sie im Westen niemals verkaufen könnten. Das Phenomän war schon des öfteren Gegenstand der Empörung und Beanstandung in der ungarischen Presse. Man muß auch der Vollständigkeit halber auch hinzufügen, daß die ungarische Regierung bislang wenig getan hat, um die Interessenvertretung der Arbeiternehmer zu stärken und/oder diesen Mißständen in Zusammenarbeit mit den einzelnen Unternehmen abzuhelfen, da sie befürchtet, daß sie darauf hin abzögen. Dadurch machen sich Staaten wie Ungarn ihre Volkswirtschaft in gefährlichem Maße von solchen Unternehmen abhängig, die eh nichts außer primitiver Montagearbeit anzubieten haben. Denn wenn ein Autohersteller z.B. ein Werk eröffnet, feiern die Regierungsparteien dies als Erfolg ihrer politischen Arbeit vor den Wählern. Die Feigheit der Regierung und die Rücksichtslosigkeit der Unternehmen müssen die Arbeitnehmer und Verbraucher auslöffeln.

Volksdeutscher

5. Februar 2021 21:14

4.

Daß Länder wie Ungarn viele Ärzte und Pflegekräfte verloren haben und noch verlieren werden, schuldet auch der Tatsache, daß sie für einen Bruchteil dessen schuften, wie ihre Kollegen im westlichen Europa. Viele, die ausgewandert sind, kehren nie wieder zurück. Und was hatte die Regierungspartei auf den besorgten Hinweis auf die Auswanderungwelle von Ärzten und Pflegekräften geantwortet? Sie gab die zynische und verlogene Antwort, daß "die Ungarn sich schon bei der Staatsgründung gerne die Abenteuer (im Westen) suchten". So antworten Liberale, aber keine um die Nation besorgten Konservative: Auswanderung in existenzieller Notlage gleich Suche nach Abenteuern... Das ließ bei der Opposition das Blut hochkochen.

Pflegekräfte arbeiten über ihre gesundheitlichen Verhältnisse und Ärzte für "Dankhonoration". Da niemand hier weiß, was damit gemeint ist, möchte ich das erklären: das ist nicht der offizielle Gehalt der Ärzte, sondern eine private Honoration seitens des Patienten "unterm Tisch", will er eine normale Verpflegung und die nötige Behandlung. Das ist eine Art Bestechungsgeld für nichts Außergewöhnliches. Man hört oft den verbitterten und ironischen Spruch über die herrschenden Verhältnisse in den Krankenhäusern: "Wenn du ordentlich verpflegt werden willst, mußt du die Medikamente mit ins Krankenhaus nehmen." Weil es seit langer Zeit auch an ihnen mangelt oder weil sie einfach zu teuer sind.

Volksdeutscher

5. Februar 2021 22:04

5.

An Kemmerichs Aussagen und Verhalten kann man die berühmt-berüchtigte liberale Verlogenheit ablesen: immer irgendetwas Unbeschreibliches, Unfaßbares, Ungenießbares dazwischen. Der Fall des "Weder-Fisch-Noch-Fleisch". Da Grenzgänger in beider Richtungen, verfügen sie über kein eigenes Territorium: "Wes Brot ich ess, des Lied ich sing." Auch hierin die typische Verlogenheit der manchmal aus Überlebensstrategie sich national gebärdenden Kosmopoliten durch und durch. Kämmerich schlägt die Hacken zusammen und faselt untertänigst von dem "Makel der Unterstützung durch die AfD". Die ungesetzliche und undemokratische Rückgängigmachung gültiger Wahlen durch die Kanzlerdarstellerin ist für ihn also ohne Makel. Und gewappnet mit dem David-Stern im Rücken ist er womöglich auch noch überzeugt von der Richtigkeit seiner Aussage.

https://www.youtube.com/watch?v=aTzAxEOdrHs

 

 

Eo

5. Februar 2021 22:34

Daß ein Brodkorb nun
sich vernehmlich (rechter) Vernunft gegenüber öffnet, weil er jetzt langsam begreift, daß das Sozentum mehr für die gravierenden Probleme verantwortlich zeichnet als daß es sich zu deren Lösung eignet, ist sicher zu begrüßen.

Doch es fällt auf,
daß es nur ein halber Sprung ist, da er das K-Problem, also die ganze fatale Entwicklung, die mit Slumisierung einhergeht und nicht Islamisierung oder gar Umvolkung genannt werden darf, sorgsam ausblendet.

Und von daher mag
bei mir auch nicht so recht Freude aufkommen analog zum Jesus-Wort, im Himmel sei mehr Freude über einen Sünder, der von seim bisherigen Weg abkommt, als über 99 Gerechte.

Aber valleicht tut sich ja was,
und die nicht so ganz dummen Linken legen ihre idiologische Brille ab und werden vernünftig, also zusehends rechts. Das Alter und die Entwicklung der Zeitläufte dürfte solchem Wandlungsprozeß überdies förderlich sein.

 

Maiordomus

5. Februar 2021 22:59

@Volksdeutscher. Ob Kemmerich überhaupt ein "ausgebildeter" Liberaler ist. Es war für ihn wohl bloss das geringste Übel als Mittelständler mit bescheidener politischer Orientierung. Ich fürchte, er wäre als Ministerpräs. überfordert gewesen.

Erwähnte oben die Volksabstimmung in Oberschlesien um Zugehörigkeiten  vor genau 100 Jahren, weil diese eine Analyse wert wäre, auch als Versuch direkter Demokratie in Deutschland. Es fällt aber auf, das war in der Schweiz auch beim Jurakonflikt so, dass "Ethnisches" gerade am wenigsten volksabstimmungstauglich scheint. Wo Ethnien sich überhaupt zu kompaktem Stimmverhalten bewegen lassen, wie das natürlich in Irland und im Balkan schon noch der Fall war; hier gewinnt  jeweils die ethnische Mehrheit automatisch. In Schlesien war es indes komplizierter, Empörend war, wie sich Präsident Wilson damals, natürlich als Anwalt Polens, einmischte; sowieso begann die Geschichte schon in Versailles. Eines ist sicher; bei jenem sich anbahnenden Konflikt ging für mich als aussenstehender Neutraler das Schema "Die Bösen gegen die Guten" und umgekehrt nicht auf. 

 

 

Laurenz

5. Februar 2021 23:46

 

@Volksdeutscher

Will nicht zu sehr Ihre Beiträge auseinander nehmen. Aber ich bitte Sie, besser zu recherchieren. Sie schreiben vieles korrekt, aber an den Fakten sollten härter arbeiten.

Ich gebe Ihnen 2 Beispiele.

1. Der Russische Adel weigerte sich im 19. Jahrhundert entsprechende Reformen durchzuführen, die Preußen schon über 100 Jahre vorher eingeführt hatte. Das schaffte den Boden für die bolschewistische Revolution, die übrigens durch den Westen, vor allem durch die Amis unterstützt wurde.

2. Polen zahlt, wie bisher die Briten auch, nur die halben Beiträge nach Brüssel. Das war mit ein Grund, warum in der Slowakei die "Rechten" Wahlen verloren, weil sie, an der Macht, zu blöd waren, gleiches auszuhandeln.

Laurenz

6. Februar 2021 00:03

@Imagine

Jetzt seien Sie mal bitte nicht so grob zu Ihrer Eigenen Bagage.

Volksdeutscher

6. Februar 2021 01:22

1. @Nordlicht - Ungarn hat traditionell gute Beziehungen zu Deutschland und Deutschen, die in der Geschichte nur selten getrübt war, so z.B. in der Zeit der Freiheitskämpfe gegen die Habsburger-Herrschaft im 18.-19. Jahrhundert. Ungarische Nationalkonservative nehmen jedes Jahr im Februar an der Gedenkveranstaltung namens Becsület napja/Tag der Ehre teil, die anläßlich der Verteidigung von Budapest durch die sich in der Burg verschanzten ungarischen und deutschen Truppen und ihres heldenhaften Kampfes um die Stadt und ihres Ausbruchs aus der Umzingelung der sowjet-russischen Besatzer stattfindet. Teil der Gedenkveranstaltung ist der Kitörés 60-túra/Ausbruch 60-Tour, d.h. das Begehen jener 60 km lange Strecke, die aus der Burg herausbrechende ungarische und deutsche Verteidiger zurücklegen mußten, um die deutschen Linien zu erreichen. Ihre Verluste waren verheerend.
 

 

Volksdeutscher

6. Februar 2021 01:26

2. @Nordlicht

An der Gedenkveranstaltung nehmen Patrioten vieler europäischer Nationen teil. Einerseits brachte die Orbán-Regierung restriktive Verordnungen gegen die Gedenkveranstaltung, andererseits ist es kein Geheimnis, daß sie vom Schwiegersohn eines von der Fidesz gestellten Vizepräsidents des Parlaments organisiert wird. Eine staatliche Gedenkfeierlichkeit jedoch gibt es nicht. Offiziell spricht man von Besetzung Ungarns durch deutsche Truppen (weil "manche Leute" es gerne hören). Ungarische Nationalkonservative verwenden diese Bezeichnung nicht. Wegen der Treue Ungarns zu seinem deutschen Verbündeten (im Gegensatz zu ihren Verrätern Italien und Rumänien) wird es bis zum heutigen Tag als "Hitlers letzter Verbündete" geschmäht. Ungarns Nationalisten erfüllt diese Treue mit Stolz. In Wikipedia steht über das Thema viel Ungenauigkeit, Lüge und Verdrehung.

Maiordomus

6. Februar 2021 08:30

Für deutsch-polnische historische Hintergründe waren die  oberschlesischen Unruhen (3 "Polenputsche", Erstürmung des Annabergs durch Deutschschlesier am 21.5.21) auch für die Weltpolitik seither bedeutsamer als der neuliche Sturm auf das Kapitol. Wichtig ist, dass das Plebiszit Oberschlesiens vom 20. März 1921 (aufgrund Drängens der dt. Seite) v. Friedensvertrag von Versailles angeordnet worden war: 709 348 oberschlesische Stimmen für Deutschland, 479 747 Stimmen für Polen bei äusserst aufgeheizter Stimmung. Gegen die "putschenden" Polen gab es einen deutschen "Selbstschutz", der sich in abgetretenem Gebiet östlich Beuthen betätigte. Eine hochkomplexe Geschichte mit 700 Jahren Hintergründen, vgl. Serbien. Das von mir oben erwähnte gutdokumentierte Buch "Die Tragödie Schlesiens 1945/46" erschien nicht 1947, sondern 1952 in München mit kirchlicher Druckerlaubnis. U.a. hunderte präziser Lokalgeschichten v. Eroberung u. Vertreibung, Vergewaltigungen inbegriffen. Dazu 6 Karten zur Würdigung deutscher Verteidigungsleistungen, was damals dort niemand als Widerstand gegen die "Befreiung" interpretierte. Persönlich kannte ich noch den versöhnungswilligen Bischof Alfons Nossol von Oppeln, der 1988 in einer Predigt im Freiburger Münster Deutschland (im religiösen Sinne) zum Missionsland erklärte.   

Maiordomus

6. Februar 2021 08:51

PS. Dass man Plebiszite, zumal wenn sie den Mächtigen nicht passen, ausser sie sind wie auf der Krim von denselben angeordnet, nicht überschätzen sollte, beweist eine Abstimmung im Hultschiner Ländchen (Oberschlesien), bei der sich 93,7% für den Verbleib in Deutschland erklärt hatten, dasselbe aber dennoch an die Tschechoslowakei abgetreten wurde als Anhängsel des späteren "Sudetenproblems". Interessant ist, wie sich Armin Laschet, mit ignoranten Aussagen über die Schweiz, über die direkte Demokratie geäussert hat. Für deutsche Gegner dieser Art politischer Entscheidungsfindung gibt es historische mildernde Umstände, weil rein ethnische Plebiszite oft problematische Demokratie waren. Damit hätte aber eine Volksabstimmung über den Euro, die europäische Verfassung (wie in Frankreich) sowie unzählige weitere existentielle Fragen, wie etwa Regionalabstimmungen in Sachen Lockdown usw. nichts zu tun. In Deutschland gilt jedoch der selbstbestimmend politisieren wollende Bürger nun mal als potentieller Nazi. 

Gustav Grambauer

6. Februar 2021 09:08

I

Selbst in den Kommentarspalten von Altermedia, wo es sehr ruppig zuging, wurde nie versäumt, "Matze", - den dortigen Erzfeind -, als ritterlichen Gegner zu würdigen. Habe ihn die letzten Jahre nicht mehr auf meinem Radar gehabt, damals habe ich mich immer gewundert über ihn, für mich war er ein "Phänomen", ich war fasziniert von seiner Mischung aus Margot-Honecker-Schulsozialiation und gräzistischer Bildungstiefe, diskreter Klugheit und Eintreten für die Pippi-Langstrumpf-Politkamarilla, Grandezza und Hinneigung zu mieser Gesellschaft. Er wirkte für mich immer wie ein Aristokrat, den es aus irgendeinem Grund in die Kaschemmen zieht. Nehme an, das ewige Komplettversagen des humanistisch-gebildeten Bürgertums vor Augen wollte er Kontrapunkte setzen - in völliger Hilflosigkeit der Wucht dieses Abgrunds gegenüber und mit viel naiven illusionen, die ihn als Idealisten auszeichneten.

Die Vorstöße, die ich hier von ihm lese, könnten alle auch von Schäuble, der Verkörperung dieses Komplettversagens, gekommen sein. Aber wenn zwei das Gleiche sagen, ist es noch lange nicht das Gleiche. Brodkorb ist eben nicht von Grund auf verdorben, ist eben kein von überlaufender Galle zerfressener Machtriecher und dabei Opportunist.

- G. G.

Gustav Grambauer

6. Februar 2021 09:08

II

Dem_Juergen wird`s nicht gefallen: Brodkorb ist für mich, und zwar gerade durch seine Bildung und seinen Anspruch der Konstruktivität, der Prototyp des - wohlverstandenen und damit ehrbaren - Bolschewiken (von einer Position aus, die den Bolschewismus als apollinischen und damit eigentlich wenig Marx-affinen Kult sieht).

So weh mir Brodkorbs Vorschläge z. B. zur Schleifung des Föderalismus tun - würde mich freuen, wenn er und andere seines Kalibers reüssieren würden: um Dimensionen besser als die in diesen Tagen "vielversprechenden" (Hippie-)Typen wie Schiffmann und Ballweg.

Weil es auf den Menschen ankommt und nicht auf dessen "Meinung".

- G. G.

Maiordomus

6. Februar 2021 09:13

@Laurenz. Hielt vor Jahren mal eine Vorlesung über die Aufhebung der Leibeigenschaft in Russland 1861, wobei dieser Status in keiner Weise etwa mit der amerikanischen Sklaverei zu verwechseln ist. Es verhielt sich mit dem russischen Adel komplizierter, als sie sagen, auch mit der Reformwilligkeit fortschrittlicher Zaren, siehe Dostojewskij.

Schlussanmerkung Polen: Bischof Alfons Nossel (emeritiert, heute 88), deutscher und polnischer Staatsbürger, Kenner von Karl Barth, Reinhold Schneider, Werner Bergengruen, Jochen Klepper, Gegenteil eines Hetzers (betrifft alle Themen) ist für mich, Ratzinger inbegriffen, der bedeutendste, an Heiligkeit grenzende Geistliche, dem ich je begegnen durfte. Am Dienstag, den 21. Juni 1983 hielt er mit Papst J.Paul II. auf dem Annaberg eine Messe vor einer Million Gläubigen; er predigte auch deutsch. 

RMH

6. Februar 2021 11:06

Das mit Brodkorb überrascht nun wenig, gibt aber Zeugnis davon, dass er seine Feindstudien intensiver und gründlicher gemacht hat, als die üblichen anderen platten Nazi-Kreischer. Wer sich intensiv mit den Ideen des Gegners befasst, wird immer auch versuchen, das aus seiner Sicht Brauchbare für die eigenen Zwecke zu verwenden oder einzubauen, außerdem ist es nur natürlich, dass in einer nie komplett trennbaren Gedankenwelt etwas vom einen zum anderen abfärben kann (siehe als Beispiel von der anderen Feldpostnummer auch: "solidarischer Patriotismus").

Zudem: Die Sozialisten sind keine Menschenfreunde und Freiheitsliebenden - Das ist nur Show und Marketing. Im Kern sind sie knallharte Etatisten, die den Menschen für unmündig und erziehungsbedürftig halten. Kontrollfreaks, die kein Vertrauen in die eigene Bevölkerung haben, da sie ja selber deren vermeintlich mögliche Randalefähigkeit im Rahmen ihrer eigenen Revolutionsphantasien im politischen Repertoire haben. Wer das Volk zur Revolution bringen will, der muss denknotwendig auch selber Angst vor ihm haben.

Der Konservative ist der einzige, der den Mensch mit all seinen Mängeln so nimmt, wie er ist. Als klassisch Liberal-Konservativer springt er auf den Tiger und reitet ihn, wohlwissend, dass er deswegen immer auch herunterfallen und gefressen werden kann.

Laurenz

6. Februar 2021 11:08

@Maiordomus @Laurenz

Bieten Sie bitte hier jetzt nicht Maulaffen feil, Maiordomus.

Wann wurde die Schulpflicht in Rußland eingeführt? Genau, endgültig erst in 1925, als die Bolschewisten längst an der Macht waren.

Maiordomus

6. Februar 2021 11:21

Grambauer "Schleifung des Föderalismus". Gegen solche Leute, als auswärtige Aggressoren, wäre der Landesverteidigungsfall auszurufen. Doch ist der innenpolitische technokratisch und ideologisch bedingte sogenannte Reformübereifer von in der Regel nachhaltigerem Schaden. Gemäss Arnold Stadler sind nie mit grösserem "Erfolg" herkömmliche historisch gewachsene politische Strukturen altmündiger Bürgerschaft zerstört worden als z.B. durch die baden-württembergischen Gemeindereformen der letzten 50 Jahre. Dort wurde einst, noch zur Zeit der Salpeterer, sogar Freiheit gelitten. 

Valjean72

6. Februar 2021 12:22

@Maiordomus:

Sie erwähnten die Plebiszite nach dem 1.WK in Oberschlesien und im Hutschiner Ländchen. In diesem Zusammenhang könnte man noch jene in Tirol und im Land Salzburg anführen. In Tirol sprachen sich 98% für einen Anschluss an Deutschland aus, in Salzburg war es ähnlich. Die Siegermächte untersagten weitere Volksbefragungen in anderen Ländern Österreichs zu diesem Sachverhalt.

In den Provinzen Posen und Westpreußen (mit Danzig) wurden gar keine Plebiszite durchgeführt.

All die hehren Worte, die westliche Politiker, allen voran Wilson im Krieg von sich gaben, vom Selbstbestimmungsrecht der Völker, waren schnell Makkulatur als Deutschland/Österreich 1918 die Waffen niederlegten.

Valjean72

6. Februar 2021 12:24

Polen und die Tschechoslowakei wurden von den Feinden Deutschlands in Versailles aus der Taufe gehoben. Konfliktlinien über dubiose Grenzziehungen wurden hierbei bewusst gelegt.

Es geht spätestens seit 1914 darum den „deutschen Geist“ zu vernichten und das gilt bis heute.

Auszug aus einem Rundschreiben des poln. Innenministeriums an die Wojwodschaften - 15. Juni 1939:

"Die Auflösung des Deutschtums in Polen ist das wichtigste Ziel der polnischen Minderheitenpolitik."

(Quelle: facebook.com/Dr.Stefan.Scheil )

Glast

6. Februar 2021 12:26

Immer dasselbe mit den Brodkorbs, Bosbachs und Kemmerichs. Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass. 

Doch Kemmerich zaubert mir dann doch ein monströses Kichern ins Gesicht. So ein Winden und Kriechen - köstlich.

Volksdeutscher

6. Februar 2021 13:32

@Laurenz - Die Fakten im Allgemeinen korrekt darzustellen reicht mir. Eine Skizze zur Übersicht zu liefern ist besser als sich in Details zu verlieren.

heinrichbrueck

6. Februar 2021 13:56

Globale Coronakrise. Dieses Virus mußte die Strukturen nicht schaffen, es fand sie vor. So ist es auch mit den Politikern. Die Rahmenhandlung verändert sich nicht, es herrscht Abhängigkeit. Der Rahmen entscheidet, wodurch Handlungsbilder in Rahmengröße gedacht werden dürfen. Könnte ein Kemmerich auf die Idee kommen, kein Kemmerich zu sein?

Wir leben in einer Demokratie!

Wie kann man denn die Demokratie ändern?

Laurenz

6. Februar 2021 15:52

@Volksdeutscher

Das ist der Unterschied. Lesen Sie einfach diesbezüglich BK- oder GK-Artikel. Die sind so kurz wie möglich, aber die Inhalte sind immer genau recherchiert.

Lotta Vorbeck

6. Februar 2021 17:17

@Laurenz - 5. Februar 2021 - 01:44 PM

"Mutmaßlich die Nato verweigerte Helmut Kohl ein Staatsbegräbnis, wohl, weil er zu feige war, von Jelzin russisch-Ostpreußen zurückzukaufen, was heute einen Dorn in der Nato-Front gegen Rußland bedeutet."

---

Steht der NATO die russische Exklave Kaliningrad im Weg?

RT - 28. Oktober 2018

Obwohl sich fast alle darüber einig sind, dass Russland keine militärische Bedrohung darstellt, handelt man dennoch, als ob es so wäre. Ein ehemaliger NATO-Kommandeur deutete jetzt darauf hin, dass Kaliningrad als großes Problem betrachtet wird.

Weiterlesen ...

Lotta Vorbeck

6. Februar 2021 17:21

@Laurenz - 5. Februar 2021 - 04:15 PM

Beeindruckt hat mich Ihr Ex-Linker, Herr Brodkorb, im Grunde ein Überläufer zu Neuen Rechten, der ich mich, als als "Alter weißer Mann", zugehörig fühle.

Der Mann ist nicht liberal ...

Vielleicht findet ja eines Tages dieser Brodkorb den Weg zur Sezession.

---

"Dieser Brodkorb", lieber @Laurenz,

saß nicht nur einfach beiläufig mit in der Rotweinrunde, die einst den Storch Heinar ausbrütete.

 

Lotta Vorbeck

6. Februar 2021 17:27

@Laurenz - 5. Februar 2021 - 04:30 PM

"Wir haben mit dem Staat Polen nicht nur eine problematische Vergangenheit."

---

... man schaue sich nur mal die Liste der Nachbarländer an, gegen die das nach dem WK1 neu entstandene Polen, unterm in Litauen geborenen Marschall Józef Klemens Piłsudski aktiv Krieg führte.

Maiordomus

6. Februar 2021 18:42

@Laurenz. Danke für Belehrungen betr. Bildungsgeschichte Russland. In der Schweiz, Deutschland und Österreich gab es vor 100  - 150 Jahren wohl weniger Analphabeten als heute, zumal funktionale.  Bei letztem Aufenthalt in Ru waren wir, meine Weggefährten dort, einig, dass qualitatives Gesamtniveau von Bildung zur Zeit Tolstois und Dostojewskijs höher gewesen sein könnte, zumal wenn man den Fernseher einschaltet. Heute geht's bei uns in Richtung "leichte Sprache" als Massstab..Höchstes mathematisches Niveau in Menschheitsgeschichte fand im 18. Jahrhundert in Basel (Euler, Bernoulli), Bern, Genf aber auch in deutschen und anderen europäischen Städten mit Privatunterricht statt. Einer besten Politiker des Kantons Luzern um 1800 kämpfte entschieden gegen die Schulpflicht; um Kinder selber unerrichten zu dürfen; auf dieser hat sich bei uns  damals Fröbel installiert. Castro u. Kommunisten verwendeten Schulpflicht als Manipulationsbasis, DDR besser wegen deutscher Tradition. In vielen Ländern waren u. sind  kath., erst recht jüd. Privatschulen die besten. Bei fortgesetzter Manipulation durch Sprache u. Ideologie halte ich staatliche Schulpflicht langfristig für bildungs- und aufklärungshemmend. 

Volksdeutscher

6. Februar 2021 22:30

@LottaVorbeck - Der Grund dafür, daß die Amerikaner immernoch in Europa sind, dürfte etwa dem entsprechen, was George Friedman einst als Prämisse für das politische Handeln von Amerika bestimmte, nämlich eine Einigung zwischen Deutschland und Russland zu verhindern. Sollte sie zustandekommen, könnten sie einpacken und heimgehen. In seinen Worten:

"Also, wie kann man das erreichen, dass diese deutsch-russische Kombination verhindert wird? Die USA sind bereit, mit ihrer Karte diese Kombination zu schlagen: Das ist die Linie zwischen dem Baltikum und dem Schwarzem Meer."

https://www.zeit-fragen.ch/archiv/2017/nr-21-29-august-2017/us-hauptziel-ist-ein-buendnis-zwischen-russland-und-deutschland-zu-verhindern.html

Laurenz

6. Februar 2021 23:48

@Maiordomus @Laurenz (1)

Sie sehen Bildung viel zu elitär, was eine typisch linke-, feudale -, kirchliche Sicht (bei allen Attributen handelt es sich quasi um dieselbe Ideologie) auf Bildung darstellt. Natürlich bieten Jesuiten weltweit die beste Bildung. Aber glauben Sie ernsthaft, die Jesuiten manipulierten Ihre Schüler nicht?

Und mal Hand auf's Herz, Eidgenosse Maiordomus, wie viel % Ihrer damaligen Landsleute waren in der Lage um 1800 ihre eigenen Kinder zu unterrichten?

Elitäre Bildung mag zwar nett sein, aber auf die Eliten kommt es in einer Volkswirtschaft nicht an. Diese Meinung teilt auch (zum wiederholten Male) Paul Kennedy in seinem Werk "The Rise and the Fall of the Great Powers", wo er konstatiert, daß Deutschland nur in der Lage war, solange 2 Weltkriege gegen eine solch gewaltige Übermacht durchzustehen, weil seine Soldaten die beste Ausbildung, bzw. Berufsausbildung genossen hatten. Kann ein Gefreiter schriftliche Befehle lesen & verstehen? Kann er seinem Offizier klare Informationen schriftlich mitteilen?

Laurenz

7. Februar 2021 00:00

@Maiordomus @Laurenz (2)

Wenn Sie die Einführung der Schulpflicht historisch in allen Staaten betrachten, wie auch Erfolge bei Pisa-Studien, dann haben die Staaten sich ein gutes Bildungswesen geschaffen, deren Politiker zu einem bestimmten Zeitpunkt meinten, daß der Staat und sein Staatsvolk dies nötig hätten, zB wegen Ermangelung an genügend Rohstoffen.

Alle diejenigen Staaten, denen eine gebildete Unterschicht lästig war, in ihr eine Gefahr sahen, und meinten es nicht nötig zu haben, wie Britannien & Rußland zB, legten erst sehr spät & zwangsweise Wert auf eine allgemeine Volks-Bildung.

Da der Kirche, den Linken, den Liberalen und vielen Feudalen das Volk egal war und ist, verwässern sie allgemeine Bildung, solange ihre eigenen Kinder in monopolisierten Einrichtungen privilegiert bleiben.

Da die Jesuiten auf ein Kloster, wie Ordenstracht verzicht(et)en, agier(t)en sie weltweit wie eine NGO.

Laurenz

7. Februar 2021 00:08

@Lotta Vorbeck @Laurenz

Polen hat bis zum heutigen Tage, obwohl es mit dem Hanswurst Brandt die Ostverträge abschloß, nie auf seine ehemaligen Ostgebiete, welche in der Schlacht vor Warschau gegen die Rote Armee gewonnen wurden,

https://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_bei_Warschau_(1920) 

aufgegeben. Auch die aktuellen, lächerlichen Reparationsforderungen an Deutschland geben ein historisch kontinuierliches Bild polnischer Aggression gegen seine europäischen Nachbarn ab. Deswegen ist auch zu erwarten, daß der aktuelle Staat Polen nicht mehr lange existieren wird, wie üblich.

Was macht denn die NATO, wenn die Russen den polnischen Sack endgültig zu machen? Genau, nichts.

Gracchus

7. Februar 2021 01:29

Mit Brodkorb ist Benedikt Kaiser einem falschen Fuffziger aufgesessen. Manches klingt gut, läuft im Ergebnis aber auf die Bejahung desen hinaus, was ohnehin geschieht, und insofern kann man Brodkorbs Artikel getrost als Bewerbungsschreiben betrachten. Das Problem ist nicht Föderalismus und deliberative Demokratie, sondern deren Abbau, sind Lobbyismus und Parteiengeklüngel unter der Flagge einer neoliberal globalistischen Agenda, und das unter den Bedingungen einer hysterisierten Medienwelt. 

Die Corona-Konferenzen Merkels mit den MPs laufen wie geschmiert. Energiewende, die Massnahmen in der sogenannten Flüchtlingskrise wurden von Merkel quasi im Alleingang beschlossen. Wenn, dann kann man wohl eher einen Mangel an deliberativer Demokratie feststellen, und auch hier auf SiN wurde oft genug die Verengung des Meinungskorridors beklagt. Und man sollte sich dann vor Augen halten, dass die Regierung den Ernstfall definiert, und wozu das führt, sieht man ja jetzt in der Pandemie, und der nächste Ernstfall wird dann wieder "Klimakrise" heissen.  

Gut, ich habe den Artikel nicht gelesen, sondern nur die Zusammenfassung BKs, und vielleicht etwas falsch verstanden. Wie Brodkorb tickt, erhellt aber ein frei zugänglicher Artikel auf cicero-online, wo er für die sofortige Rückgabe der Grundrechte an die schon Geimpften plädiert. Der Mann ist ein lupenreiner Technokrat, ich erspare mir jeden weiteren Kommentar. Findet BK auch, das einzig Schlechte daran sei, dass er nicht auf SiN erschienen ist?  

 

Maiordomus

7. Februar 2021 10:04

Korr. Die Schulpflicht, klar ein Instrument kultureller Machtausübung, war zur Frühzeit des Kulturkampfes auch in der Schweiz umstritten., wobei im Kanton Luzern die Mädchen doch schon ab 1650 schulberechtigt, aber nicht schulpflichtig waren; Töchter von Geschäftsleuten und zumal künftige Ordensfrauen, was in guten Familien Standard war, mussten lesen und schreiben können. In einem Bergdorf war vor Jahren ein Dorflehrer aber stolz, dass alle Kinder lesen und schreiben konnten, mit durchschnittlich wenig Fehlern, und fast perfekt Kopfrechnen, iicher besser als heutiger Standard, dies bei mehr als 80 Schülern, weswegen der didaktisch fruchbare wechselseitige Unterricht nach Pater Girard eingeführt wurde. Wichtig war, dass man sich aber der Aufklärung schämte, wenn man nicht lesen und schreiben konnte, was autodidaktisches Lernen ermöglichte. Noch Rousseau war reiner Autodidakt. Es gab in Deutschland im Sinne von Herrn Bosselmann zumindest bei den Männern mehr und besser humanistisch Gebildete als heute. Max Frisch beanstandete, dass trotzdem der NS möglich geworden sei. Bei der SA war das Niveau freilich tiefer.

Laurenz

7. Februar 2021 10:13

 

@Gracchus

Werter Gracchus, es geht hier nicht um die charakterliche Beurteilung des Angeklagten Brodkorb in einem Gerichtsverfahren, sondern darum, welche politischen, wie kritischen Inhalte der Mann publiziert hat.

Bei Ihrer Verfahrensweise müßten mehr als 50% aller Juristen aus öffentlichen Ämtern entfernt, und die freien Rechtsanwälte ihrer Zulassung beraubt werden.

Maiordomus

7. Februar 2021 10:48

@Laurenz. Bitte Sie, der Sie ja über anständige Gymnasialbildung verfügen, Kritik dort, wo ich vielleicht noch mehr zum Thema gearbeitet habe als Sie, nicht übelzunehmen. Ihre Einwürfe sind selten völlig falsch, und manchmal sehen Sie was, das der vermeintliche Profi unterschätzt. Noch wünschbar wäre wie bei allen mehr ideologische Selbstkritik. Warum lobe ich Sie? Weil ich Matthias Matusseks Andacht in der JF auf seinen Kollegen Mosebach "Krass" gelesen habe, womit Rezensent beweist, dass er sich die 500 besten Romane der westlichen Weltliteratur ebenso wenig vorgenommen hat wie er vielleicht zur Nachkontrolle Cervantes, Fontane, Hoffmann, Flaubert, Garcia-Marquez und Solschenizyn nicht liest, auch nicht den Marquis de Sade u. Roland Barthes. Las gestern nacht mit grösster Bewegung Eichendorffs Literaturgeschichte, ein Werk ohne dessen Lektüre einer nicht als deutscher Konservativer durchgeht, auch seine Mitteilung über den Tod seiner Frau an seinen Sohn. Da Matussek zumal auch als katholischer Publizist die Mittelmässigkeit selber darstellt, kürzlich in Weltwoche Hürlimann durch Gesinnungslob einen schlechten Dienst erwies, bedaure ich unterdessen, dass Reich-Ranicki wegen Ableben zu Mosebach nicht mehr das Nötige zu sagen weiss.

links ist wo der daumen rechts ist

7. Februar 2021 12:55

Ad Visegrad-Staaten

Ich weiß nicht, warum man diesen Staaten so huldigt.
Aus all den genannten Ländern wurden Deutsche durch die Niederlage in WK2 vertrieben - im Wahn "ethnischer Homogenität". 
An Österreich wäre es gelegen, über die Jahrhunderte mit seinen Völkerschaften eine Skandinavien-Identität entstehen zu lassen (1989 hätte man dann ernten können); aber auch dazu waren die Habsburger zu blöd.
An Deutschland wäre es gelegen, den Polen meinetwegen ihre Russenangst zu lassen, aber ein föderatives Verhältnis zu finden (also für die eh. deutschen Ostgebiete eine Art Südtirol-Lösung): hätte es 1990 keine halberte "Wiedervereinigung", sondern zwei deutsche Staaten gegeben (damals eine linke Haltung, heute eine rechte), wäre einer echten Versöhnung mit Polen nichts im Wege gestanden. Mit einem kleinen mitteldeutschen Staat hätte Polen eher Gemeinsamkeiten gefunden als mit einer aufgeblähten "imperialistischen" BRD.
Und ein österr. "Skandinavien-Gefühl" verbunden mit einem (süd-)osteuropäischen DM-Block hätte die Russen auf Distanz gehalten und die USA-Hörigkeit (bei allem Liebesgeplänkel- s. Ungarn) deutlich gebremst.
Nein, für  mich sind diese Staaten, dank Vertreibungen auf unsere Kosten "ethnisch homogen", den Russen entronnen, um den Amis zu huldigen, so fremd wie zu Ostblock-Zeiten.

Lotta Vorbeck

7. Februar 2021 13:06

@Gracchus - 7. Februar 2021 - 01:29 AM

"Wie Brodkorb tickt, erhellt aber ein frei zugänglicher Artikel auf cicero-online, wo er für die sofortige Rückgabe der Grundrechte an die schon Geimpften plädiert. Der Mann ist ein lupenreiner Technokrat, ich erspare mir jeden weiteren Kommentar. Findet BK auch, das einzig Schlechte daran sei, dass er nicht auf SiN erschienen ist?"

---

"Der Mann [Brodkorb] ist ein lupenreiner Technokrat ..." und darüberhinaus jemand, mit einem totsicheren Instinkt dafür, wie man es anstellt, um auf einer der BRD-immanenten Karriereleitern zügig nach oben zu kommen.

+ Frage 1: Waren diese angeblichen Grundrechte nicht mal als Abwehrrechte des Bürgers gegen einen sich übergriffig gebärdenden Staat konzipiert?

+ Frage 2: Wenn es sich um, bis zum Jahre 2020 als "unveräußerlich" deklarierte Grundrechte handelt, wie ist es dann möglich, diese Par ordre du mufti für gegenstandslos zu erklären und kommentarlos einzukassieren, um sie nach Gutsherrenart vielleicht, eventuell, möglicherweise, "das kommt auf den Einzelfall, die weitere Entwicklung und die gesamte Situation an", partiell rückzugewähren?

 

Lotta Vorbeck

7. Februar 2021 13:46

@Volksdeutscher - 6. Februar 2021 - 10:30 PM

DANKE, @Volksdeutscher!

Zitat aus dem von Ihnen oben verlinkten Beitrag:

US-Hauptziel ist, ein Bündnis zwischen Russland und Deutschland zu verhindern

"Und die Sache, worauf wir keine Antwort parat haben, ist die Frage, was wird Deutschland in dieser Situation unternehmen. Die reale unbekannte Variable in Europa sind die Deutschen, wenn die USA diesen Sicherheitsgürtel aufbauen, nicht in der Ukraine, sondern zum Westen, und der Einfluss der Russen in der Ukraine wird schwinden – wir wissen nicht, wie die deutsche Haltung ausfallen wird. ... Der ehemalige Bunderkanzler Gerhard Schröder ist im Aufsichtsrat von Gazprom. Die Deutschen haben ein sehr komplexes Verhältnis zu den Russen. Die Deutschen wissen selbst nicht, was sie tun sollen. ... Für die Vereinigten Staaten ist es das Hauptziel zu verhindern, dass deutsches Kapital und deutsche Technologien und die russischen Rohstoff-Ressourcen und die russische Arbeitskraft sich zu einer einzigartigen Kombination verbinden – was die USA seit einem Jahrhundert zu verhindern versuchen. Also, wie kann man das erreichen, dass diese deutsch-russische Kombination verhindert wird? Die USA sind bereit, mit ihrer Karte diese Kombination zu schlagen: Das ist die Linie zwischen dem Baltikum und dem Schwarzem Meer."

Dies ist dann wohl die, seit mehr als 100 Jahren offen publizierte "Herzland-Theorie".

anatol broder

7. Februar 2021 15:40

gracchus 1:29 

nicht zufällig lobt der bekennende technokrat imagine benedikt kaisers solidarischen patriotismus bei jeder gelegenheit. diese beiden denken, dass sich solidarität beeinflussen lässt. das wiederum gründet auf der annahme, der menschliche wille sei frei. diesem irrtum erliegen grundsätzlich alle hegelianer. warum sie sich irren, erklärt schopenhauer in seiner preisschrift über die freiheit des menschlichen willens.

Laurenz

7. Februar 2021 17:05

@Anatol Broder @Gracchus

"nicht zufällig lobt der bekennende Technokrat Imagine BKs solidarischen Patriotismus bei jeder Gelegenheit. Diese Beiden denken, dass sich Solidarität beeinflussen läßt. Das wiederum gründet auf der Annahme, der menschliche Wille sei frei."

Lesen Sie eigentlich auch mal Ihre eigene Beiträge? 

Wenn sich Solidarität beeinflussen ließe, ist der menschliche Wille nicht frei. Ist der menschliche Wille frei, ist er nicht zu beeinflussen.

Menschen, vor allem Frauen, neigen dazu, sich (imaginäre) Sicherheiten zu erschaffen. Bestes Beispiel ist das Deutsche Beamtenrecht, welches die historische Oberschicht implementierte, wo privat bezahlte Bildung und nicht Leistung die Karriere bestimmten.

Es geht in der Politik, Schopenhauer hin oder her, nicht darum, Recht zu haben, sondern darum, gewählt zu werden. BK vertritt einfach eine politische Strategie, welche auf die Bedürfnisse der Wähler eingeht, um Wählerstimmen zu generieren, nicht mehr und nicht weniger. Klug, nicht?

Ihnen, Anatol Broder, schreibe ich dasselbe, wie @Maiordomus, gemessen an einer Bevölkerung, interessiert Schopenhauer nicht mal 0,5%, also kein Schwein. Damit will ich niemanden davon abhalten, Schopenhauer oder sonstwen zu lesen. Aber schauen Sie Sich die Bücher an, die in den Bestseller-Listen stehen, unter anderem auch bei Antaios erhältlich. Diese Autoren, mögen sie nun gefallen oder nicht, interessieren.

Volksdeutscher

7. Februar 2021 17:16

@links ist wo der daumen rechts ist - "Aus all den genannten Ländern wurden Deutsche durch die Niederlage in WK2 vertrieben - im Wahn "ethnischer Homogenität". 

Das stimmt so nicht. Das trifft auf die Sudetendeutschen und Schlesier zu, nicht jedoch auf die Deutschen aus Ungarn zu. Aus Ungarn wurden Volksdeutsche nicht von den Ungarn und auch nicht aus Gründen der ethnischen Homogenität vertrieben. Sie wurden von den Kommunisten im Einvernehmen mit den Alliierten vertrieben und zwar aus Rache, weil viele von ihnen Mitglieder des deutschen Volksbundes und/oder Soldaten deutscher Armeeverbände waren. Besonders in den letzten Kriegsjahren strömten sie von ungarischen Armeeverbänden in deutsche. Waren sie gerade in einzugsfähigem Alter, ließen sie sich gleich bei deutschen Armeeverbänden, vornehmlich bei der Waffen-SS mustern. Gezielte Anwerbungen in die Waffen-SS fanden bereits ab 1941-42 statt. Franz Anton Basch (Sohn eines Banater Schwaben und einer Schweizerdeutschen), den Führer des Volksbundes in Ungarn ließen die Kommunisten mit anderen führenden ungarischen Politikern in einem Schauprozess hinrichten. 

Gracchus

7. Februar 2021 21:45

@Laurenz 

Ich beziehe mich nicht auf Brodkorbs Charakter, den ich nicht kenne, sondern auf seine Positionen.

@anatol broder

Mit der Willensfreiheit machen Sie jetzt aber ein Fass auf. Sehen Sie sich: Gleich schickt Maiordomus eine Literaturliste. 

@Lotta Vorbeck

Das BVerfG hat die Grundrechte um weitere "Dimensionen" erweitert. Die Grundrechte sind dennoch nicht zurückzugeben, deren Beschränkungen vielmehr aufzuheben. Wer das für Geimpfte fordert, ohne von den Genesenen zu sprechen, ohne sich zu fragen, weshalb sie für Gesunde überhaupt eingeschränkt werden können, will die Gesellschaft weiter spalten. 

links ist wo der daumen rechts ist

7. Februar 2021 22:18

Vertreibungen

@ Volksdeutscher

Wie auch immer, die Vertreibung von etwa 200 000 Deutschen fand auf Grundlage der Potsdamer Beschlüsse, Artikel XIII statt.

http://www.documentarchiv.de/in/1945/potsdamer-abkommen.html

Der Ansporn war die ethnische Homogenität, die individuell-staatliche Begründung natürlich ideologisch (Deutscher = Faschist).

Gracchus

7. Februar 2021 22:42

@SiN-Redaktion: Es ist nicht meine Schuld, aber Maiordomus hackt schon wieder - ohne jeden Zusammenhang - auf Mosebachs "Krass" herum, jetzt auch noch auf Matussek.

@Maiordomus

Ich bin baff: Wie sich einderart belesener Mensch wie Sie derart närrisch, ja mit Verlaub kleingeistig aufführen kann.

Reinste Schulmeisterei. Argumente: Fehlanzeige. Stattdessen: Gefuchtel mit Namen. Wer Mosebach gut findet, kann 500 in Ihren Augen gute Romane (? - Roland Barthes zum Beispiel  hat keinen Roman geschrieben) nicht gelesen haben - das ist das einzige anmassende Scheinargument. Es gibt keine Verpflichtung, Romane als Literaturhistoriker zu lesen, damit haben Sie den Text schon getötet, und es ist nicht meine Art so zu lesen; und ich würde behaupten: auch nicht die von Matussek und Kositza.  

Lotta Vorbeck

7. Februar 2021 23:38

@Gracchus - 7. Februar 2021 - 09:45 PM

Wenn angebliche Grundrechte "um weitere "Dimensionen" erweitert", eingeschränkt und entzogen werden können, dann sind diese Grundrechte keine Grundrechte, sondern wertloser Mind-Fuck.

anatol broder

8. Februar 2021 03:14

@ laurenz 17:05

wir wollen uns nicht bei der willensfreiheit aufhalten. (danke @ gracchus 21:45.) bleiben wir bei der strategie.

BK vertritt einfach eine politische Strategie, welche auf die Bedürfnisse der Wähler eingeht, um Wählerstimmen zu generieren, nicht mehr und nicht weniger.

ziehen wir martin sellner heran:

Umwälzende Ereignisse ändern den Bezugsrahmen und damit den Bereich des Gangbaren und Möglichen, in dem politische Strategie und Taktiken entwickelt werden. Ihr Eintreten kann jedoch nicht vorhergesagt oder künstlich herbeigeführt werden, sonst wären sie ja Bestandteil der eigenen Strategie. Da eine kühle Lageanalyse niemals fest mit solchen Ereignissen […] rechnen darf, dürfen sie kein Bestandteil einer Strategie sein.

wie verhalten sich die bedürfnisse der wähler zu umwälzenden ereignissen?

Volksdeutscher

8. Februar 2021 06:33

@links ist wo der daumen rechts ist - Die Erzielung ethnischer Homogenität als Vertreibungsgrund der Deutschen aus Ungarn trifft nicht zu, wohl aber im Falle der Schlesier und Sudetendeutschen. Es ist notwendig zu differenzieren, was im Potsdamer Abkommen auch immer steht. Bitte glauben Sie einem Volksdeutschen, der des Ungarischen mächtig ist. Es gibt so viele spezifische Informationen darüber, die nicht im Potsdamer Abkommen stehen, die leider auch nicht ins Deutsche übersetzt worden sind.

Valjean72

8. Februar 2021 07:47

@Laurenz @Volksdeutscher

Wie auch immer, die Vertreibung von etwa 200 000 Deutschen fand auf Grundlage der Potsdamer Beschlüsse, Artikel XIII statt

Dennoch ist ist die Situation mit Ungarn eine gänzlich andere als in Bezug auf Polen und Tschechien. Schon alleine Ausmass (CZ: ca. 3 Mio., PL: ca. 9-10 Mio. vertriebene Deutsche) und Ablauf dieser Vertreibungen unterscheiden sich deutlich von Ungarn.

Darüber hinaus ist auch der Umgang von offizieller Seite ein gänzlich anderer.

Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán (Fidesz) hat anläßlich des 75. Jahrestages der Vertreibung der Ungarndeutschen den Opfern mit einem Kranz gedacht. Ihnen gebühre Ehrfurcht und eine angemessene Erinnerung an ihr Leiden, schrieb er auf Facebook.

(Quelle: jungefreiheit.de, 21.01.2021)

Aus PL und CZ sind diesbezüglich von offizieller Seite eher zynisch-gehässige Kommentare zu vernehmen.

 

 

Valjean72

8. Februar 2021 10:05

Mein Kommentar von 7:47 Uhr war an den Diskursteilnehmer "links ist wo der daumen rechts ist" gerichtet.

Volksdeutscher

8. Februar 2021 14:39

@Valjean72 - Danke, Valjean72, das habe ich die ganze Zeit behauptet. Nicht zu übersehen dabei sind die Tatsachen, daß 1. nicht die "Ungarn" und 2. nicht aus ethnischen Gründen die Vertreibungen vornahmen.

Von polnischen Chauvinisten hört man bis zum heutigen Tage nichts anderes, daß Schlesien schon immer polnisches Gebiet darstellte, folglich nahmen sie nur zurück, was schon immer das ihrige war. Mit solchen Leuten kann man sich nicht über Geschichte verständigen und Unstimmigkeiten beseitigen. In solch einer Situation sind die deutscherseits praktizierten unterwürfigen Versöhnungsgesten kontraproduktiv: die unverschämten Forderungen nach Reparationszahlungen sind nicht nur unrealistisch, sondern sind logische Folgen der in der Vergangheit praktizierten Schuldbkenntnisse und Reueorgien. Siehe auch Brandts pathetischen Kniefall vor Warschau.

Nemo Obligatur

8. Februar 2021 19:07

Mein Lob kommt dieses Mal spät, aber es soll nicht ausbleiben. Wieder ein paar Stunden Suche und Lektüre gespart.

Herr Brodkorb ist mir schon ab und zu aufgefallen, zuletzt durchweg positiv. Ein Linker, den das Leben oder seine bessere Einsicht erst in die Mitte und dann nach rechts drückt, zieht, schiebt? Er wäre nicht der Erste.

Das Argument für Polen und Ungarn die Unternehmensgewinne gegen die EU-Salden zu verrechnen, muss ich mal gelegentlich prüfen. Aber Vorsicht! Die Kapitalbilanz der Zahlungsbilanz steckt voller Tücken.

Gracchus

8. Februar 2021 22:04

@Lotta Vorbeck

Ohne eine Grundrechtsvorlesung halten zu wollen (was ich nicht könnte): Die weiteren Dimensionen sind Schutzpflichten, Drittwirkung, Teilhaberechte.

Grundgesetzlich sind Einschränkungen vorgesehen. Das ist normal. Auch Strafgesetze sind Eingriffsnormen.

Das Problem: Anscheinend schläft die Justiz (den Schlaf der Gerechten). Wenn es irgendwann zu einer ehrlichen Aufarbeitung der Pandemie kommen wird, wird auch das Versagen der Justiz thematisiert werden müssen. 

 

heinrichbrueck

9. Februar 2021 01:16

1. @ Lotta Vorbeck („Mind-Fuck“) / @ Gracchus / Aufarbeitungsvorhaben:

„In diesem Zusammenhang ist ein Bericht aus der „Welt am Sonntag“ mehr als aufschlussreich: Demnach soll das Innenministerium von Horst Seehofer in der ersten Corona-Hochphase im vergangenen Jahr Wissenschaftler mehrerer Forschungsinstitute und Hochschulen dafür eingespannt haben, ein Rechenmodell zu entwickeln, auf dessen Basis „Maßnahmen präventiver und repressiver Natur“ politisch begründet werden sollten und dann auch begründet wurden. In diese Manöver war dem Bericht zufolge auch das Robert-Koch-Institut verwickelt.“ PI

„Die Wissenschaftler erarbeiteten dem Schriftverkehr zufolge in nur vier Tagen in enger Abstimmung mit dem Ministerium Inhalte für ein als geheim deklariertes Papier, das in den folgenden Tagen über verschiedene Medien verbreitet wurde. Darin wurde ein „Worst Case-Szenario“ berechnet, laut dem in Deutschland mehr als eine Million Menschen am Coronavirus sterben könnten, würde das gesellschaftliche Leben so weitergeführt wie vor der Pandemie.“ Welt am Sonntag

heinrichbrueck

9. Februar 2021 01:16

2. Wahrzunehmende Wirklichkeit: Pandemie – Maßnahmen – Nebenwirkungen. (Angst und Schuld sind mit von der Partie).

Realität und Wahrheit: Nebenwirkungen – Pandemie-Maßnahmen. Gewünschte Nebenwirkungen (sind) bedürfen eines Grundes, also müssen Maßnahmen ergriffen, damit falsche Begründungen geglaubt werden können.

Ziel: Gegenwart zeigt die Pläne der Vergangenheit.

Fazit: Maßnahmen nicht gegen die Pandemie, Maßnahmen für die Nebenwirkungen.

Maiordomus

9. Februar 2021 12:34

@Gracchus. Von Barthes gibt es eine der lehrreichsten modernen Romantheorien des 20. Jahrhunderts; Lukacs, der ca. drittbedeutendste, hat auch keinen Roman geschrieben; ausserdem hat Roland Barthes am Beispiel von Werther, Platon, französischer Literatur, Mystik, Bibel exemplarisch gezeigt, in welcher Richtung man  über Erotisches schreiben kann, wenn man nicht ein Stümper wie Mosebach ist, der hier wohl auch nicht  mit den ca. 50 000 Besten mithalten kann ausser als Beispiel für Schundlehrbücher. Las gestern den zwar ebenfalls etwas zu lang geratenen Meisterroman "Im Himmel wie auf Erden" (1947) von Bergengruen endlich zu Ende, der in den "Schreibtischerinnerungen" als Kurzfassung interpretiert wird. Der Roman ist leider (obwohl 1931-1940) geschrieben wegen Unvergleichlichkeit Kurfürst Joachim/Hitler u.a.. als Widerstandsroman untauglich, aber meisterhaft in Richtung Weltuntergangspanik, Meterorologie, Pandemie/Aussätzige/hist. und polit. Angstanalyse; dazu folgt er allen wohlbegründeten Regeln des gutgeschriebenen hist. Romans. Bergengruen trifft erst heute, Mosebach wohl kaum je. 

Maiordomus

9. Februar 2021 12:50

Wir diskutieren hier vorab politisch. Also eine Ergänzung zum Thema "direkte Demokratie" einerseits und unparteiische Sicht der deutsch-polnischen Verhältnisses. Ohne etwa ein halbes Jahr Beschäftigung mit Schlesien, die schöne Literatur, auch Heimat betreffend, inbegriffen, bleibt man auf Klischee-Historie. Auf youtube gibt es aber doch noch für Schnellkonsumenten als Anfängerhinweis die  Sequenz "Polnische Freischärler stürmen 1921 den Annaberg", nach dem bekannten Abstimmungsausgang der ursprünglich vom Versailler Friedensvortrag angeordneten Abstimmung in Oberschlesien. Mein oben getätigtes Rühmen von Adorno betr. seinen Eichendorff-Essay betrifft nicht unbedingt dessen Polemiken gegen spätere schlesische Heimatfreund, die E. politisch angeblich ganz unzulässig instrumentalisieren; Hauptsache, er kann mit der Lyrik Eichendorffs tatsächlich wie wenige auf hohem Einfühlungsniveau etwas anfangen. Eichendorff war auch der Lieblingsdichter Adenauers., des Rosenfreundes, vgl. noch Stifters "Nachsommer" für diejenige, die wissen wollen, was unvergleichlich gute deutsche Literatur ist. Karl Kraus schlug im Zusammenhang mit Stifter schlechteren Autoren vor, aus Scham ihre Werke dem Feuer anzuvertrauen.  

 

Lotta Vorbeck

9. Februar 2021 14:30

@Gracchus - 8. Februar 2021 - 10:04 PM

Sie, @Gracchus müssen gar keinen "Mit-dem-Versagen-der-Justiz"-Strohmann aufbauen.

Auch Ihnen, @Gracchus dürfte bekannt sein, daß Staatsanwaltschaften weisungsgebunden sind und dementsprechend handeln, was unlängst im Zusammenhang mit dem Thema "Europäischer Haftbefehl" eine signifikante Rolle spielte.

Wenn es Ihrer Ansicht nach als "normal" anzusehen ist, Grundrechte mit "Einschränkungen" auszuhebeln, dann stellen diese angeblich "unveräußerlichen, fundamentalen Grundrechte" allenfalls folkloristische Dekorationselemente während Schönwetterperioden dar, sind aber eben keine Grundrechte.

 

 

Gracchus

8. Februar 2021 22:04

@Lotta Vorbeck

Ohne eine Grundrechtsvorlesung halten zu wollen (was ich nicht könnte): Die weiteren Dimensionen sind Schutzpflichten, Drittwirkung, Teilhaberechte.

Grundgesetzlich sind Einschränkungen vorgesehen. Das ist normal. Auch Strafgesetze sind Eingriffsnormen.

Das Problem: Anscheinend schläft die Justiz (den Schlaf der Gerechten). Wenn es irgendwann zu einer ehrlichen Aufarbeitung der Pandemie kommen wird, wird auch das Versagen der Justiz thematisiert werden müssen. 

Laurenz

9. Februar 2021 15:02

@Gracchus @Lotta Vorbeck

Lesen Sie doch einfach, was @Lotta geschrieben hat. Staatsanwaltschaften unterstehen Ministerien und sind in Deutschland daher nicht frei, sondern den Weisungen von Partei-Politikern verpflichtet.

Das ist der Grund, warum Deutschland im EU-Maßstab eine Ausnahme macht, und europäische Haftbefehle von Richtern und nicht von Staatsanwaltschaften bearbeitet werden müssen.

Nur Richter erheben keine Klage, sondern Staatsanwaltschaften oder eben auch nicht. Wer verklagt schon seinen Vorgesetzten?

Maiordomus

9. Februar 2021 15:27

@Grach.. Zu Theorie des Romans. Mit zu den Klassikern gehört Nietzsche-Freund Erwin Rohde mit dem Standardwerk "Der griechische Roman und seine Vorläufer", Pflichtlektüre. Elementar für Grundverständnis, was europ. Roman ist: der Artus-Roman à la Parzival mit Grundstruktur a) des Helden b) des seit der antiken Literatur grundlegenden Familiennarrativs c) die aventiure und d) die Liebe;  zu schweigen vom je nachdem enthaltenen oder nicht enthaltenen oder distanzierten transzendenten und transzendentalen Bezug, bei Mosebach noch gut angedeutet. Die Revolution des europ. Romans mit der für den gesamten auch "bürgerlichen" Roman grundlegenden Differenzierung "Schein - Sein" (vgl. Flaubert, Fontane, praktisch alle mod. gesellschaftskrit. Romane) präsentiert nach Lukacs als Geschichte von Illusionen Cervantes mit dem Don Quijote. Meine aufwendigste Seminararbeit zur Romantheorie schrieb ich 1969 bei Prof. von Weltspitze über Heliodors "Äthiopica": ein früher Liebesroman für ein Massenpublikum. Habe selber 3 Romane unpubliziert in Schublade, 2 wegen "schlecht", einen aus rechtlichen Gründen. Lektorierte Romane von Kollegen; mit einer Ausnahme (autobiogr. Roman eines Arbeiters) meinen Ansprüchen nicht genügend.  Beim hist. Roman schreit der Dilettantismus oft zum Himmel. 

Maiordomus

9. Februar 2021 19:24

Grossartige Formulierung betr. die Meinungsverschiedenheit Sellner - Kaiser. "Aus einem Elefanten eine Mücke machen." Wer oben brachte diese Trouvaille?

@Gracchus: Ehrlich gesagt haben Sie schon recht, dass man bei der Beurteilung eines Romans nicht gerade 500 Vertreter der Gattung präsent haben muss; wiewohl ein erfahrener Rezensent mit 30 Jahren+ sicher ähnlich viele (incl. Krimi und Jugendromane) gelesen hat, sonst  kein Lese-Profi, was @Kositza sicher ist.. Nicht auf die Zahl kommt es an: aber theoretische Kenntnisse über Strukturen und Bauformen des Romans sind für Beurteilungen nötig. Es schadet auch nicht in Sachen Musik, wenn man Noten kennt und die Meister gehört hat. Mit penetrantem Mittelmass statt grosser massstäblicher Romane bilden wir uns als Leser zu Analphabeten zurück, zumal wenn M. mit Zauberberg-Motiven  hantiert. Mir machte in Damaskus die dortige Radiounterhaltungsmusik durchaus Spass im Auto des Taxichauffeurs. Aber hier auf diesen Zeilen wird immer wieder behauptet, es gäbe an deutscher Kultur etwas zu verteidigen. Auch wenn ich die Grenzen des Bildungsbürgertums sehe und bei Bildungszeit fressenden mittelmässigen Werken das Geleistete respektiere, engagiert sich z.B. @Bosselmann eindrücklich als eine Art Bildungspatriot ebenfalls in Richtung Qualität. Vielleicht sehen Sie dies ähnlich.

 

 

 

Maiordomus

9. Februar 2021 19:38

PS. @Kaiser. In der "Sturzflut des Gedruckten" sind viele Gesichtspunkte möglich und hier also auch zugelassen. Danke.  Habe Sie als Referent in guter Erinnerung, ein Hoffnungsträger. Ihre Generation und Richtung repräsentieren Sie meines Erachtens mit Format. Z.B in der kritischen Auseinandersetzung mit dem Magazin Cicero. Den Autor Brodkorb werde ich mir aber bestimmt nicht antun, liegt wohl näher bei Mücke als bei Elefant. Bin aber dankbar, das Sie über diese Szene referieren. 

Götz Kubitschek

9. Februar 2021 20:12

dank an alle. gruß!

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