12. Februar 2021

Sammelstelle für Gedrucktes (6)

Benedikt Kaiser / 54 Kommentare

Mit der 6. »Sammelstelle für Gedrucktes« wird der Name eingekürzt. Der alte Titel bezog sich in voller Länge auf Caspar von Schrenck-Notzing.

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

Er war Herausgeber der Zeitschrift Criticón, einer internationalen Tribüne für die heterogene konservative Szene der 1970er und 1980er Jahre. Sie gilt als Vorläufer der Sezession.

Von Schrenck-Notzing hatte bei der Gründung 1970 an eine »Sammelstelle in der Sturzflut des Gedruckten« gedacht, die für jene Leser des eigenen Milieus Pressematerial sichten sollte, die selbst nicht oder nur unzureichend »quer« lesen könnten – etwa aus zeitlichen Gründen.

Dieses ursprüngliche Anliegen von Criticón, einen Anlaufpunkt zu bieten, bleibt jedoch bestehen. Daher hab ich es mir zu eigen gemacht. Der Titel ist nun plaziert, die Leser wissen, woran sie sind – und der Prägnanz halber wird aus der »Sammelstelle in der Sturzflut des Gedruckten« ab sofort die »Sammelstelle für Gedrucktes«.

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Was es für Deutschlands politische Landschaft im allgemeinen und für das rechtsalternative Lager im besonderen bedeutet, daß der sächsische Landesverband der AfD seine Kandidatenliste für die Bundestagswahl 2021 so aufgestellt hat, wie er sie aufgestellt hat, wurde von Götz Kubitschek dargelegt.

Zu ergänzen bleibt noch eine Anmerkung zur Personalie Herwig Schöffler. Der Leipziger Jurist hatte beim Parteitag für Aufsehen gesorgt, weil er den anwesenden 700 Mitglieder seiner eigenen Partei als »Feindzeuge« gegenüber trat.

Er verwendete Munition des politischen Gegners gegen die eigenen Reihen, raunte vor laufenden Kameras über »Nationalsozialisten« in der AfD und ging seine Kontrahenten um Jens Maier und Siegbert Droese an, daß sie mit entsprechenden Personen kooperieren würden.

Das sorgte für Verwunderung, Protestrufe, Ärger. Schöffler erhielt nur drei Stimmen bei der Wahl um Listenplatz drei. Gegenüber dem Newsletter der Freien Presse (Chemnitz) v. 10. Februar äußerte sich Schöffler nun süffisant:

Mir war völlig klar, dass es für mich überhaupt keine Chance gibt, ein Mandat zu erringen,

und doch habe sein Auftritt seinen Sinn erfüllt, denn er habe auf

extremistische Bestrebungen des gesamten Landesverbandes

hinweisen wollen.

Gegenüber der größten Tageszeitung Sachsens (Auflage täglich um die 200 000 Exemplare), die als SED-Bezirksblatt 1963 begann und der man heute mitunter nachsagt, sozialdemokratischen Tendenzen nicht abgeneigt zu sein, frohlockt Schöffler über

den netten Effekt einer schnelleren Einstufung

als eindeutig rechtsextremer Partei. Diese Maßnahme durch den Verfassungsschutz könnte folgen, wenn man die verantwortlichen AfD-Akteure entsprechend vorführt und zu Stellungnahmen nötigt.

Ziel sei es folglich gewesen, daß

dem Bundesvorstand gar keine andere Wahl mehr bleibt, als meine Forderung nach Landesverbandsauflösung umzusetzen.

Man erstaunt nur kurz ob einem derart unverhohlen artikulierten Vernichtungswillen gegenüber den eigenen Parteifreunden in einem AfD-gegnerischen Blatt, zumal es sich nicht um Parteifreunde handelt, die bei 5 oder 7 Prozent vor sich hin stagnieren, sondern um solche, die bundesweit seit jeher die besten Wahlergebnisse für die AfD eingefahren haben – und wohl auch in diesem Jahr einfahren werden.

Es besteht dabei ja kein Zweifel: Schöffler ist fast alleine im Landesverband und sein Ausschluß ob parteischädigenden Verhaltens nur eine Frage der Zeit. Entsprechende, theoretisch leicht zu überwindende Überspitzungen sollten indes nicht darüber hinwegtäuschen, daß es in Sachsen und anderswo durchaus ernster zu nehmende Akteure gibt, die sich nach wie vor nicht mit dem Ausschluß von Andreas Kalbitz und Frank Pasemann, dem erzwungenen Nichtantritt von Jungpolitikern wie Patrick Pana oder der Entlassung von Mitarbeitern »mit Vorgeschichte« im patriotischen Vorfeld zufrieden geben.

Sprich: Schöfflers Geballer verpufft im Nichts – andere Detonationen können die Partei ungleich stärker erschüttern. 

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Eskalierende Richtungskämpfe sind aber nicht nur Partei-immanent. Auch Stiftungen und Gesellschaften sind davor nicht gefeit: Man denke an die Konflikte der Hayekianer oder, ebenfalls ganz aktuell und einige Kilometer weiter im gemeinwohlorientierten Spektrum, an den altehrwürdigen Verein für Socialpolitik (VfS).

Diese 1873 gegründete Institution stellt bis heute die größte Ökonomenvereinigung im deutschen Sprachraum dar – und streitet nun über ihren Mitgründer Gustav Schmoller (1838–1917). »Auf Distanz zu Schmoller?« fragt dementsprechend die Frankfurter Allgemeine Zeitung (v. 9. Februar), um die Antwort prompt zu liefern: Ja, der Verein »ringt um sein Verhältnis« zum Hauptvertreter der älteren historischen Schule der Nationalökonomie.

Man ahnt es vielleicht:

Anlass für die Auseinandersetzung mit Schmollers Erbe sind Passagen in dessen Werk, die nach heutigen Maßstäben rassistisch und antisemitisch sind.

Des Rätsels Lösung liegt natürlich in der verräterischen Wendung »nach heutigen Maßstäben«. Was gilt heute nicht als tendenziell bedrohlich, seitdem die Maßstäbe systematisch nach links verrückt wurden und antifaschistische Ideologieproduzenten in den Geisteswissenschaften, Feuilletons und dergleichen Wortführer des Gesellschaftsumbaus wurden?

In Schmollers Dutzende Studien umfassenden Lebenswerk hat man nun wenige Stellen aus dem Jahr 1900 (!) gefunden, in denen er, unter Berufung auf Otto von Bismarck, über die potentielle Staatsführungskünste deutscher Juden sinnierte. Er lobte sie vor über 120 Jahren für ihre schriftstellerischen und politischen Künste, bezweifelte aber en passant, daß sie die nötigen »Härten« staatlicher Zwangsmaßnahmen begreifen könnten.

In der Tat eine merkwürdige Überlegung, die jedoch im brillanten Œuvre Schmollers allein auf weiter Flur steht. Gleichwohl könnte sie zeitgeistbedingt den Ausschlag dafür geben, daß die Gustav-Schmoller-Medaille (Preisträger 2014 Hans-Werner Sinn, Olaf W. Reimann, seither: niemand) direkt wieder eingestampft wird.

Für eine solche Maßnahme gäbe es im Verein jedoch einige Gegner,

verrät immerhin die FAZ, nicht ohne hinzuzufügen, daß sich der Vorstandsvorsitzende des Vereins für Socialpolitik, Georg Weizsäcker, zu dem Fall nicht äußern wollte.

Sollte es Leser geben, die erst durch die Pseudo-Skandalisierung auf Gustav Schmoller aufmerksam geworden sind, sei ihnen – in einer Ausnahme von Eigenwerbung – empfohlen, das Buch Solidarischer Patriotismus zu konsultieren. Schmoller taucht dort wiederholt an der Seite von Adolph Wagner oder Karl Rodbertus auf.

Die Ideen der Sozialkonservativen waren immerhin am Ende des 19. Jahrhunderts an Vorbereitung und Verwirklichung des bahnbrechenden Bismarckschen Sozialstaates beteiligt und stellten als solche dann Referenzpunkte für die sozialorientierten Kräfte innerhalb der Konservativen Revolution dar (vom »Tatkreis« Hans Zehrers über Wichard von Moellendorf bis zu Otto Strasser und Herbert Blank).

Deren »staatssozialistische Grundperspektive« – ungeachtet ideeller und weltanschaulicher Unterschiede der einzelnen Protagonisten – umriß der Historiker Friedrich Lenger mit folgendem Zitat des Schmoller-Schülers (und Nachfolgers im VfS) Werner Sombart:

Nicht das subjektive Befinden des Einzelnen entscheidet über Reform oder nicht Reform, sondern die Existenzbedingungen einer Kulturnation sind das Entscheidende.

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Die Quintessenz dieser Generallinie des gemeinschaftsorientierten Denkens war, in einem genuinen Sinne der damaligen Zeit, durchaus autoritär gedacht. Entsprechende Denkmuster könnten, zumal in sich hinschleppenden Krisenzeiten, eine epochenbedingte »Palingenese« feiern.

Mathias Brodkorbs Räsonnieren (vgl. die fünfte »Sammelstelle«) über »Demokratie und klare Führerschaft, Demokratie und effizientes Staatshandeln« bieten ein Argument im positiven Sinne hierfür.

Ein Fall schlechter Wendungen ins Autoritäre stellt hingegen ein Feuilleton-Aufmacher der Süddeutschen Zeitung (v. 9. Februar) dar. Thomas Brussig fordert: »Mehr Diktatur wagen«. Man darf annehmen, daß der Autor von Am kürzeren Ende der Sonnenallee mit dem Provokationseffekt kokettiert. Aber das allein erklärt nicht alles. Brussig meint das schon ernst, was er schreibt.

Zunächst geht es ihm um die Corona-Maßnahmen und die unterschiedliche Bewertung derselbigen. Für ihn steht fest:

Wie mit dem Coronavirus umzugehen ist, ist Behau der Wissenschaft und nur der Wissenschaft.

Bevor weiteres ausgeführt wird, kann als Einschub unmittelbar mit Alexander Kissler gekontert werden:

Wo es nur »die« Wissenschaft gibt, ist es keine Wissenschaft, sondern Dogma.

Alsdann geht es weiter mit dem meinungsstarken, aber faktenarmen Brussig, der feststellt, daß es »keine Spielräume« für die restriktive Lockdownpolitik gäbe:

Hier tobt ein Virus, mit dem sich weder verhandeln noch das sich überzeugen oder einschüchtern lässt. Wollen wir das Virus loswerden, sind wir gezwungen, bestimmte Maßnahmen zu ergreifen. Dank der Wissenschaft wissen wir, welche Maßnahmen nötig sind, wir wissen sogar, welchen Preis wir zahlen müssen, wenn sie ausbleiben.

Werden Zweifel so apodiktisch beiseite geräumt, kritische Stimmen (auch: aus »der« Wissenschaft) ignoriert und Widerspruch als potentiell lebensbedrohlich delegitimiert, bleibt tatsächlich nur Brussigs Zwischenfazit:

»Mehr Diktatur wagen!« wäre das Gebot der Stunde.

Und dann kommt Brussig doch noch auf Maßnahmenkritiker zu sprechen, natürlich wiederum unversöhnlich argumentierend, indem er sie als »Leugner« diffamiert statt als »Kritiker« adressiert:

Dass ausgerechnet die Corona-Leugner eine »Corona-Diktatur« heraufziehen sehen, sollte erst recht Grund sein, sie zu wollen. Die Leugner,

setzt Brussig seinen kleinen Feldzug herrisch fort,

sind außerstande, die Gefahr durch das Virus einzuschätzen.

Aber Thomas Brussig kann dies? Oder nur die Wissenschaft (deren Zwischentöne und Diskussionen Brussig ausblendet)?

Zumindest gibt er vor, daß »das Nötige« dem Virus den Garaus machen würde.

Die Rezepte sind bekannt.

Allein, Brussig nennt sie nicht. Oder geht das Virus eo ipso in die Knie, wenn es die Ausrufung der Diktatur vernommen hat? Jedenfalls rät der Autor der Demokratie, daß sie

ihre Rituale und Umständlichkeiten

– will meinen: so Gedöns wie die Grundlagen einer parlamentarischen Demokratie, die er hier abtragen will? –

nicht so wichtig nehmen

sollte,

ihrer Legitimität zuliebe.

Bei so viel Volks- und Demokratieferne geht ein bedenkenswerter Diskussionsansatz Brussigs vollkommen unter: Denn er berührt ja final die Brodkorbsche Problematik, wenn er die Frage aufwirft, welche Staats- und Regierungsformen aus welchen Gründen wie mit welchen Widersprüchen der Gegenwart umzugehen gedenken. Aber wer so losschlägt wie Thomas Brussig, darf sich nicht wundern, wenn sein Gastbeitrag auf ebendieses substanzloses Gepolter reduziert wird.

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Apropos Diktatur. Lothar Fritze, dessen neue Publikation Kulturkampf in dieser Woche in der linken Tageszeitung nd (ehemals: neues deutschland) scharf angegangen wurde, warnt bekanntlich davor, daß der moralische Universalismus der Allianz aus Mitte und politischer Linken freiheitliche demokratische Pfeiler abträgt. Damit aber geraten wir in prätotalitäre Zustände, die ich als Tyrannei des Antifaschismus fassen würde.

Ein Bestandteil dieser Tyrannei-im-Werden ist seit vielen Jahren das Prozedere sogenannter Outings (sprich: öffentliche Anprangerung und Denunziation durch i. d. R. mediale Hilfsmittel) von Andersdenkenden. Wer rechts der linken Mitte steht und dies öffentlich kund tut (als Politiker, als Publizist, als Pegida-Gänger, als Basisaktivist usw.) gerät ins Visier – und kommt auf Listen der linken Szene.

Doch das könnte bald erschwert werden. In der Süddeutschen Zeitung (v. 9. Februar) wird getitelt:

Bis zu drei Jahre Haft für »Feindeslisten«

Die Ironie an der Geschichte: Vorgeblich richtet sich der Gesetzesentwurf aus dem Justizministerium »gegen rechts«. Zirkulierende Feindeslisten wären bisher nicht ausreichend in den bestehenden Vorschriften erfaßt; fortan soll diese Lücke geschlossen werden.

Robert Rossmann faßt zusammen:

Wer personenbezogene Daten einer anderen Person in einer Weise verbreitet, »die geeignet ist, diese Person oder eine ihr nahestehende Person der Gefahr eines gegen sie gerichteten Verbrechens oder einer sonstigen rechtswidrigen Tat gegen die sexuelle Selbstbestimmung, die körperliche Unversehrtheit, die persönliche Freiheit oder gegen eine Sache von bedeutendem Wert auszusetzen«, soll künftig mit bis zu zwei Jahren Haft bestraft werden können. Für den Fall, dass es sich um nicht allgemein zugängliche Daten handelt, ist sogar eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren vorgesehen.

Ein solcher Vorgang entspricht wohl einer Schrumpfform der Dialektik unter bundesdeutschen Verhältnissen: Denn der »Kampf gegen rechts« wendet sich zwangsläufig, sofern man das neue Gesetz konsequent durchzusetzen in der Lage ist, gegen den antifaschistischen Sumpf. Rechts der Mitte gibt es – von einzelnen Ausnahmen abgesehen – nunmal keine vergleichbar systematisch vorgehenden Strukturen.

Mit dem Schließen dieser Gesetzeslücke würden beispielsweise auf Outings und dergleichen spezialisierte Antifa-Blätter sowie entsprechende »Recherchegruppen« fortan bereits qua Existenz gesetzeswidrige Handlungen begehen.

Gewiß: Unter derzeitigen Machtverhältnissen wird daraus einstweilen nichts folgen. Aber Geschichte bleibt kontingent, Politik ebenso ergebnisoffen – abgelegt zur Wiedervorlage.

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Während dieser Passus erst noch volle Wirkmacht entfalten muß, ist das »Lichtmesz-Sommerfeld-Gesetz« seit Jahr und Tag gültig. Ein weiteres Beispiel für Linke und Mittige, die just solche Dinge auf ihre Gegner projizieren, für die sie selbst emblematisch stehen, ist das aktuelle Nawalny-Prozedere.

Beispielhaft kann das Leib- und Magenblatt des liberalen Restbürgertums des deutschsprachigen Raumes gelten, die Neue Zürcher Zeitung (NZZ). Wird sie bisweilen dafür gelobt, die neue »Westpresse« darzustellen, offenbart das wiederum einen Doppelcharakter, den man in »positive« und »negative« Lesart aufspalten könnte:

Erstens findet man dort tatsächlich vernunftorientierte Berichterstattung und informative Analysen, die in der bundesdeutschen Tagespresse ausgeblendet oder aber ideologisch einseitig aufbereitet werden: Ob kriminalitätsbezogene Fakten, Verfall des Bildungswesen, und, verstärkt in den letzten Monaten, die Kritik des reüssierenden Cancel Culture-Komplexes der postmodernen Linken.

Zweitens verweist der Terminus »Westpresse« aber eben auch auf den Westen als (geistigen) Standort des eigenen Denkens. Das macht sich in der außenpolitischen Abteilung der NZZ Tag für Tag bemerkbar. Offener Transatlantismus und die bisweilen moralpolitisch daherkommende Parteinahme wider Nationalstaaten, die der liberalen Weltordnung gegenüber skeptisch operieren – meist sind dies souveränistische Akteure wie China oder Syrien, immer häufiger Ungarn und Polen –, finden sich ebenso wie gefälliges Rußland-Bashing.

Zwei volle Seiten am 10. Februar verschreiben sich diesem Vorhaben. Zsuzsa Breiers Text mit dem sperrigen Titel »Auch 1989 ahnte niemand, wie schnell sich Russland verändern kann« (dagegen war die alte »Sammelstelle in der Sturzflut des Gedruckten« doch konzise?) kann man getrost im Ordner »Politisch-utopische Rabulistik« abheften, weil der Vergleich zwischen Putins Rußland und Ceausescus Rumänien zunächst verstörend deplaziert, dann peinlich wirkt.

Ob Putins »Regime« durch Nawalnys Brillanz wirklich »in Bedrängnis« geraten ist und seinem zweiten »1989« entgegengeht – der Geschichtsprozeß wird es zeigen. Aber dafür muß man keinen kurzen Lehrgang bei Zsuzsa Breier belegen.

Andreas Umland widmet sich derweil dem »Phänomen Nawalny« und schreibt ihm eine potentiell gestalterische Rolle der russischen Politik zu, die selbst Anhänger des schillernden (vorsichtiger: ambivalenten) Politaktivisten frappieren dürfte.

Der Research Fellow am Swedish Institute of International Affairs in Stockholm erkundet nichts anderes als die Frage:

Würde ein Präsident Nawalny die Krim zurückgeben?

Daß Umland Nawalnys Kleingruppen als »Bewegung« skizziert, mag eine tendenziell sympathisierende Übertreibung sein; daß er ebenjene Szene als »potenziell tödliches Virus für Putins Regime« verklärt, entspricht dem (wieder) gängigen Treiben, Begriffe aus der Biologie zu politisieren.

Daß er aber als Jenaer Forscher über den völkerrechtlichen Status der Krim sinniert, was schlechterdings den Bewohnern dieser russisch-ukrainischen Halbinsel überlassen werden sollte, wird nur noch dadurch übertroffen, daß der werte Research Fellow – wie viele Kollegen seines Faches – übersieht, daß seine folgende forsche Kritik am russischen System geradewegs auf westliche Systeme zurückfallen würde, nähme man sie ernst.

Denn Umland schreibt einer einzigen Gruppe – den Nawalny-Anhängern, einer in Rußland zahlenmäßig sehr kleinen Minderheit – zu,

in der Parteienlandschaft, in den Massenmedien und im politischen Leben Russlands einen substanziellen Pluralismus wiederzubeleben.

Umland schwärmt:

Die Bedeutung einer solchen Transformation in der Beziehung zwischen Elite und Volk kann kaum überschätzt werden.

Und dann wird es besonders interessant für Gesellschaftskritiker in der BRD:

Würden etwa die nationalen Fernsehsender wieder zu Plattformen für wirklichen Journalismus und politische Debatte werden, dürften viele Schlüsselepisoden von Putins Biografie und Herrschaft kritisch unter die Lupe genommen werden – von seinem kometenhaften Aufstieg in den späten neunziger Jahren bis hin zu seinen aussenpolitischen Eskapaden in den letzten Dezennien.

Tauschte man die ein oder andere Vokabel aus, erhielte man folgende Projektion:

Würden etwa die nationalen Fernsehsender wieder zu Plattformen für wirklichen Journalismus und politische Debatte werden, dürften viele Schlüsselepisoden von Merkels Herrschaft kritisch unter die Lupe genommen werden – von ihren potentiell verheerenden Folgen der übereilten Energiewende 2011 ff. bis hin zu ihren Eskapaden im Zuge der Massenmigration in den letzten sechs Jahren.

Aber gewiß: Das wäre dann zu viel der kritischen »Westpresse« (in der positiven Lesart unter »Erstens«, siehe oben), das wäre zu viel der Ehre für die – auch von der NZZ befehdeten – nonkonformen Kräfte in Deutschland, die, wir erinnern uns an Umland, doch

in der Parteienlandschaft, in den Massenmedien und im politischen Leben Russlands einen substanziellen Pluralismus wiederzubeleben

versuchen, oder?

Aber gut, in Zeiten eines hegemonial gewordenen linksliberalen Elends, in denen just ein wirkmächtiger Ideologie- und Neusprechproduzent gebeten wird, ein Vorwort zur Neuauflage des Orwellschen Klassikers 1984 zu schreiben (mehr hier), darf man diese Auftragsarbeit zwar unter den Begriff neuer »Normalität« subsumieren, während originäre Oppositionelle vergeblich darauf warten, daß Andreas Umland und Konsorten die Wiederbelebung eines »substanziellen Pluralismus« in der geschlossenen Medien- und Politikwelt Deutschlands einfordern werden.

Das ist natürlich in Ordnung so:

Uns aus dem Elend zu erlösen können wir nur selber tun.


Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.


Kommentare (54)

RMH

12. Februar 2021 11:17

Nur der Vollständigkeit halber:

Man liest hier manches über harte und z.T. auch lächerliche innerparteiliche Auseinandersetzungen bei der AfD und dann sieht man sich bspw an, was die AfD Bundestagsfraktion nachwievor leistet. Gestern jedenfalls hat die AfD im Bundestag mit den Reden von Weidel und Curio erneut das geliefert, was man von einer AfD erwarten kann und darf. 

Zu diesen Reden möchte ich im Nachgang applaudieren, so kritisiert man die Corona Politik seriös - und nicht anders.

Laurenz

12. Februar 2021 12:55

@BK

Vielen Dank, Sie haben tatsächlich wieder, kurz & bündig, meinen Horizont erweitert.

"Werner Sombart:

Nicht das subjektive Befinden des Einzelnen entscheidet über Reform oder nicht Reform, sondern die Existenzbedingungen einer Kulturnation sind das Entscheidende."

Das ist bis zur jetzigen Stunde & wohl auch weiterhin das zentrale Thema auf der SiN.

Was Putin & Nawalny angeht, so werden die Russen die 10 Jahre Manchester-Kapitalismus, Oligarchie und Globalismus unter Jelzin nie vergessen.

Nur jemand, der russischer als Putin agiert, also zB die Region Donezk (Donbass) okkupiert, wird Putin schlagen können.

 

Und beim obigen Thema @Imagine

https://www.mdr.de/nachrichten/politik/gesellschaft/karl-marx-rassist-chemnitz-100.html

https://www.beck-elibrary.de/10.17104/9783406638862-77/44-warum-begruesste-karl-marx-den-britischen-imperialismus

https://www.n-tv.de/politik/politik_person_der_woche/Karl-Marx-war-einer-der-uebelsten-Rassisten-article21848678.html

Dieter Rose

12. Februar 2021 14:04

Ich muss immer grinsen,

wenn ich treue Hörer

des Deutschlandfunks/Radios

von der kritischen Haltung

von NZZ und FAZ faseln höre.

Imagine

12. Februar 2021 14:43

@BK:
„Aber gut, in Zeiten eines hegemonial gewordenen linksliberalen Elends …“

Die gesellschaftliche Realität ist nicht „linksliberal“, sondern rechtsliberal aka „wirtschaftsliberal“/„neoliberal“.

„Linksliberal“ ist nur die affirmative Ideologie, also das ideologische Überbauphänomen.

Interessanterweise wandelt sich die affirmative Ideologie genau in die Richtung „Mehr Diktatur wagen!“

Ganz deutlich zeigt sich dies auch im taz-Artikel des Politologen Udo Knapp, einer Ex-SDS-Größe und nunmehr Merkel-Fan. Er spricht offen aus:
„Den Weg hin zu einem dauerhaften Austrocknen des Coronavirus werden wir bis Ende 2022 gehen müssen.“

Das ist ein Hinweis darauf, dass es in Richtung eines Rechtsfaschismus geht, einer Diktatur der Plutokratie, wie bei Pinochet, Franco, Salazar. Das neoliberale Regime der Pinochet-Freundin Thatcher war ein Zwischenstadium.

Davon zu unterscheiden ist der Mussolini-Faschismus, der inhaltlich eher ein Linksfaschismus war, ähnlich wie die poststalinistischen Staaten im Ostblock wie z.B. die DDR.

Vom Faschismus zu unterscheiden ist der Totalitarismus (NS-Hitlerismus, Stalinismus), so wie Hannah Arendt tat.

Imagine

12. Februar 2021 14:43

„Mehr Diktatur wagen!“ als neue Regierungspraxis manifestiert sich bereits in Form der „neuen Normalität“ im „Corona-Pandemie-Regime“.

Wer diese Wahrheit ausspricht, wird immer mehr in die „extremistische Ecke“ gedrängt.

Imagine

12. Februar 2021 15:18

Der Link zum taz-Artikel des Politologen Udo Knapp:
https://taz.de/Streit-ueber-Corona-Politik/!5749819/

anatol broder

12. Februar 2021 16:00

gestern fand ich im briefkasten zwei gedruckte feindeslisten. die kleine verspricht 19 stimmen, die grosse lockt mit 93. ich dürfe panaschieren und kumulieren.

gibt es sonst noch irgendetwas zu beachten?

eigentlich nur selbstverständlichkeiten: vergib nicht mehr stimmen, als dir zustehen. kreuze nicht mehr als eine liste an. gib keinem kandidaten mehr als drei stimmen. du riskierst sonst, dass ein teil deiner stimmen verloren geht oder deine stimmabgabe insgesamt ungültig ist.

ich danke meinem wahlamt für die gute zuarbeit. übrigens kenne ich keinen verfassungsschutz.

Laurenz

12. Februar 2021 16:39

@Imagine/sok

"Davon zu unterscheiden ist der Mussolini-Faschismus, der inhaltlich eher ein Linksfaschismus war, ähnlich wie die poststalinistischen Staaten im Ostblock wie z.B. die DDR."

Was unterscheidet denn bitte den Rechts-Faschismus vom linken Mussolini-Faschismus?

Leo

13. Februar 2021 00:26

Tja, diese peinlichen Merkel-konformen Ausführungen des ehemals non-konformen Thomas Brussigs in der SZ (10.2.) werden quasi durch die Merkel-kritischen ("populistischen", "umstrittenen") Äußerungen Kati Witts in der Berl. Ztg. (8.2.) kommentiert. Bäumchen, verwechsel dich!

Erinnert man sich noch daran, wie verhaßt sich "das schönste Gesicht des Sozialismus" durch ihre Zur-Schau-Stellung mit dem DDR-Staatsratsvorsitzenden E.H. machte? Rund dreißig Jahre ist's nun her: Witt die Staatsnahe, Brussig der Opposition. Und nun ist's wieder andersrum. Helden wie uns schreibt das Leben schreibt wirklich die lustigsten Geschichten.

Jaja: "Völker hört die Signale"...!

anatol broder

13. Februar 2021 02:14

karl marx. es ist nicht das bewusstsein der menschen, das ihr sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches sein, das ihr bewusstsein bestimmt.

thomas brussig. dank der wissenschaft wissen wir.

marcel reich-ranicki. sollten etwa autoren, die die kommunistische welt kennen, für diese erzählung besonders empfänglich sein?

marquis von posa. raserei war meine zuversicht. (friedrich schiller)

Imagine

13. Februar 2021 11:22

1/3

@Benedikt Kaiser

Die Beschränkung auf „Gedrucktes“ ist eine Einengung, weil wichtige bzw. die wichtigsten Informationen gar nicht mehr in den Printmedien oder im TV erscheinen, sondern nur noch übers Internet zugänglich sind.

Was in den Printmedien und im TV nicht erscheint, ist der Diskurs kritischer Wissenschaftler.

In der Wissenschaft gibt es kein „links“ oder „rechts“. In der Naturwissenschaft generell nicht und auch in den Sozialwissenschaften – sofern es sich nicht um Ideologie, sondern um richtige Erfassung der gesellschaftlichen Realität handelt – auch nicht.

Deshalb ist der Bezug auf den Diskurs von kritischen Wissenschaftlern so wichtig, weil dort jenseits der (partei)politischen Positionierungen so etwas wie ein wissenschaftlicher Grundkonsens besteht, wobei die politischen Differenzen sowie die Unterschiede bei den Wertorientierungen, Menschen- und Gesellschaftsbildern und gesellschaftlichen Zielsetzungen keineswegs unter den Tisch gekehrt werden.

Deutlich wird dies, wenn z.B. die Diskussionen zwischen T. W. Adorno und A, Gehlen angeschaut werden.

Imagine

13. Februar 2021 11:23

2/3

Zu meiner Studienzeit war es noch normal, dass es Podiumsdiskussionen zwischen Wissenschaftlern gab, die kontroverse politische Positionen vertraten.

Heute finden derartige Diskussionen weder in den etablierten Printmedien noch im TV statt. Das zeigt den Niedergang der Diskurskultur.

Hier ist das Internet zu einem Alternativmedium geworden, allerdings nicht generell. Generell ist das Internet ein Abbild des gesellschaftlichen Diskurses mit Lagerbildungen, politischer Religiosität, Irrationalität und Fanatismus.
Aber es gibt vereinzelt noch Medien, z.B. KenFM, in denen es einen kontroversen Diskurs gibt.

Interessanterweise gibt es bei den ganz großen Themen einen Grundkonsens unter kritischen Wissenschaftlern. So hinsichtlich der Systemkrise.

Da sind ein Max Otte und ein Wolfgang Streeck nicht weit voneinander entfernt.

Einigkeit besteht darüber, dass das kapitalistische System sich in einer Zusammenbruchskrise befindet und es einer Systemtransformation bedarf, um das Funktionieren der ökonomischen Kreislaufprozesse zu erhalten.

Es geht also nicht um die Frage des „Ob“, sondern des „Wie“ der Systemtransformation. Dass es einer anderen „NWO“ bedarf, ist unstrittig.

Imagine

13. Februar 2021 11:23

3/3

Die Vorstellungen und Ziele über eine zukünftige NWO, wie sie von Bill Gates, Klaus Schwab et al. vertreten und von den Regierungen politisch umgesetzt werden, stoßen sowohl beim „rechten“ Max Otte wie auch bei „linken“ Wissenschaftlern, wie z.B. Streeck, Häring et al. gleichermaßen auf Ablehnung. Wobei über parteipolitische Orientierungen und Positionierungen durchaus Kontroversen existieren.

Die Öffentlichkeit erfährt durch die etablierten Medien nicht, das derzeit eine Systemtransformation stattfindet, warum diese von deren Kritikern abgelehnt wird und welche alternativen Vorstellungen bei diesen existieren.

Bis auf wenige Ausnahmen ist es den meisten Menschen gar nicht bewusst, dass das „Corona-Pandemie-Regime“ Teil des Transformationsprozesses in das neue System ist.

Bei SiN gibt es zwar viel Kritik an den konformistischen Linken, die konformistischen Rechten bei AfD, FPÖ, SVP etc. werden jedoch ausgeklammert, obwohl die Mehrheit des „rechten Lagers“ gleichermaßen oder noch mehr konformistisch ist, wie die neoliberalen Markt-Fundamentalisten und Hayek-Anhänger.

Abschließend möchte ich als Beispiel für meine Ausführungen noch auf ein ganz aktuelles Video hinweisen, wo Max Otte seine Analyse und politischen Vorstellungen ausführt (ab 5:04:50 - 5:40:00)

Maiordomus

13. Februar 2021 12:02

@Imagine. Der bedeutendste Wissenschaftler Deutschlands, dessen Texte ich gelesen habe, war Johannes Kepler um 1600 u. später; las ferner Kontroversen über Thermometer und Barometer vor 260 Jahren. Eine Rechts- oder Linkstendenz ist nicht auszumachen; am politisch interessantesten aber die Horoskope Keplers zum 30jährigen Krieg. Sie waren nicht nur nicht links oder rechts; es ist kaum erkennbar, ob Kepler (eig. Lutheraner) protestantisch oder katholisch war; selbst die von ihm meist lateinisch formulierte Verteidigung seiner als Hexe angeklagten Mutter erfolgte streng sachbezogen. Es gab zur damaligen Zeit neben der grossen Mehrheit der wahnhaften Hexenprozesse auch "vernünftige", z.B. wenn man verdorbene Arzneimittel, Speiseöl usw., von einer Frau verkauft, mangels chemischer Analyse juristisch nicht anders "kausal"  erfassen konnte. Die "besseren" Hexenprozesse, zu denen aber der gegen Keplers Mutter nicht gehörte, erfolgten auf einem Informations- und Panikgrad, der sich mit den schlechteren Begründungen der Coronazeit Analogien aufweist. Es ist hier nicht der Orr, darüber eine Vorlesung zu halten, ausser: Es lohnt sich, z.B. die Medizin- und Pandemiegeschichte zu studieren.

Laurenz

13. Februar 2021 12:03

@Imagine

"In der Wissenschaft gibt es kein „links“ oder „rechts“."

In der Wissenschaft gibt aber Stellen am Institut oder eben nicht.

Lotta Vorbeck

13. Februar 2021 13:09

@Leo - 13. Februar 2021 - 00:26 AM

"Erinnert man sich noch daran, wie verhaßt sich "das schönste Gesicht des Sozialismus" durch ihre Zur-Schau-Stellung mit dem DDR-Staatsratsvorsitzenden E.H. machte? Rund dreißig Jahre ist's nun her: Witt die Staatsnahe, Brussig der Oppositionelle."

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Volltreffer, @Leo!

Und man schaue sich "das schönste Gesicht des Sozialismus" dieser einstigen Grinsekatze mal ein paar Sekunden lang aufmerksam an. Da ist trotz sauberer Luft am Ufer des Werbellinsees wohl nicht nur der Lack ab, sondern auch ansonsten "der Riemen runter". "In Würde gealtert" sieht anders aus.

Wie war das noch gleich, mit den im Winde hängenden Mäntelchen?

Ja, @Leo, "Bäumchen, verwechsele Dich!"

Darauf einen Dujardin!

 

Uodal

13. Februar 2021 15:48

"...einen Anlaufpunkt zu bieten, bleibt jedoch bestehen. Daher hab ich es mir zu eigen gemacht."

Danke! Ein gutes Format, echter Mehrwert. Komprimierte Info, für Menschen die wenig Zeit haben. Könnte tatsächlich neue Leser bringen.

Auch die Kommentare hier sind gut, sogar der lorbergekränzte.

Tja, der Brussig. Da kann man Mal sehen wie weit die Linke unter ihr einmal erreichtes Niveau fällt. Da macht es doch direkt Spaß, den zu dekonstruieren. "Sein bestimmt Bewusstsein". Alter, weißer Mann hat einerseits Schiss sich anzustecken, andererseits muss er sein Geld nicht als Friseur, Kleinhändler, Gastronom verdienen, sondern mit Regierungsapologetik. Kann man ja fast mathematisch berechnen, was da für ne Schreibe rauskommt. Tss, tss voll der Egozentrismus, nahe am Rassismus, direkt gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit... Man, man, wenn man so im Glashaus sitzt...

RWDS

13. Februar 2021 23:07

Auch wenn es albern ist, sich auf eine Wahl zu freuen, ich tue es trotzdem, da ich hier in Dresden der AfD meine Stimme geben kann. Je anrüchiger, je kontroverser, desto besser.

Schließlich müsste ich auch für sie stimmen, wenn die Möllners hier die Richtung vorgäben, aber dass es nicht so ist, gibt immerhin ein gutes Gefühl.

2017 kam man in meinem Wahlbezirk auf 43,9%. Es ist nichts geschehen, dass mich glauben lässt, das Ergebnis werde nicht noch höher ausfallen, im Gegenteil. Bin gespannt ob man die 50% knackt.

RWDS

13. Februar 2021 23:08

Korrektur: Schöffler, nicht Möllner. Keine Ahnung, wie dieser Aussetzer zustande kam.

anatol broder

14. Februar 2021 01:16

professor beton. ich bin für die jetzige mischung.

professor sozi-o-thron. ich bin für die jetzige.

professor antifon. ich bin für die.

professor proton. ich bin für.

professor bariton. ich bin.

professor neutron. ich.

Maiordomus

14. Februar 2021 10:42

@Laurenz. Ein Volltreffer, betreffend "Stellen am Institut". Ich bewarb mich vor 15 Jahren für ein (ausnahmsweise) hochdotiertes Historikerprojekt zum Thema "Aufarbeitung des 2. Weltkrieges mit Schwerpunkt Literatur". Wer mich kennt, weiss (worüber ich mir nichts einbilde), dass ich als Publizist für mein jeweiliges Lebensalter nicht weniger Bücher gelesen habe als M.R.R., der zwar als Kritiker Klasse war, andererseits seinen Einfluss medienpolitischen Grundsatzentscheidungen verdankte, siehe Einschätzungen Jünger oder christliche Autoren, auch solcher, die er schlicht nicht kannte. Bei meiner Bewerbung mit optimalen Nachweisen und Qualifikationen  (zu viel gelesen kann sogar in diesem Forum als Befangenheit ausgelegt werden) wurde mir mitgeteilt, wegen der Menge geeigneter Bewerber ich schon in Vorauswahl ausgeschieden sei und könne deswegen meinen Projekt-Vorschlag nicht vorstellen. Ausser der Links-Vorschrift spielte noch die Frauenquote. Das Projekt, dem zentrale Grundinformationen betr. bürgerliche Literatur im 3. Reich fehlen, müsste, trotz Qualitäten achtbarer linker Autoren, neu geschrieben werden. Kein Gejammer, nur ein Beispiel für vermutlich viele.

Gustav Grambauer

14. Februar 2021 10:53

Lotta Vorbeck

I

Der Schlüssel zum Verständnis der Klüngelstrukturen beim harten Kern der einstigen Ost-Promis ist die CDU-CSU.

In die neue Zeit rübergetragen wurde dieser Klüngel von der Schiene CDU-CSU ---> Hubert Burda ---> Ex-Super-Illu-Chefredakteur Wolff, wobei die Hemmschwellen beim Übergang zum Inzesthabitus viel niedriger waren als je unter Honecker. (Wir hatten früher gedacht gehabt, inzestuöser als z. B. in Adlershof ginge es gar nicht mehr - Irrtum!)

Dieser Klüngel hatte früher drei institutionelle Bastionen, heute sind es nur noch zwei:

Die erste Bastion ist der MDR, geführt von der Tochter des SED-ZK-Politbüromitglieds Lorenz (damals ein getreuer Paladin am halboffiziellen Reformer-Fürstenhof von Krenz).

Die zweite ist die Super-Illu. In seinen dortigen Kolumnen die Ossi-Leser über "journalistische Unabhängigkeit im besten (aufgeklärtesten) Deutschland, das wir je hatten" belehrend hat deren früherer Chefredakteur Wolff sich in der Präge-Phase mit dem harten (politisch-zuverlässigen) Kern der Ost-Künstler wie ein absolutistischer Fürst mit seinen Hofschranzen umgeben: Daumen hoch, Daumen runter - nach CDU-CSU-Gusto. Z. B. bei der "Nationalpreisträgerin" Dagmar Frederic (Selbstcharakterisierung: "Kampfameise") gehörte er zum Inventar deren Hauses in Woltersdorf - so wie diese früher zum Inventar von Kurt Hager gehört hatte. Sehen Sie die Steigerung?!

- G. G.

Gustav Grambauer

14. Februar 2021 10:53

II

Die dritte Bastion war bis zum Machtverlust der Berliner CDU der dortige Friedrichstadtpalast. Dessen frühere Verwaltung (unter Honi) war ein Parkhaus für hochsubventionierte Systemschranzengattinen u. ä., die dort kontrolliert ihre Frohsinns-"Kreativität" ausleben oder einfach fürstlich bezahlt faulenzen konnten. Die mögen von der Schiene Diepgen ---> dessen Senator Radunski ---> Intendant Iljinski Anfang der 90er alle rausgeworfen worden sein, aber das Modell der Hausbühne eines (neuen) (politischen) "Komitees für Unterhaltungskunst" als solches wurde kalt grinsend beibehalten und sogar noch hemmungsloser ausgebaut.

Ob die "Kampfameise", ob die "Ikone des schlechten Geschmacks" (entsetze Aussage meiner Frau beim ersten Anblick der einst von der FDJ hochlancierten Petra Zieger), ob die früher Angela-Davis-frisierte Schreckensgestalt Ute Freudenberg, ob die ewigblödelnde "Stimmungskanone" Achim Mentzel RIP, ob das lustige (???) Quietschentchen Andrea Kiewel - alle wären nichts ohne die CDU-CSU (gewesen). Die Zieger einst mit ihrer ML-Atheisten-Hymne "Der Himmel schweigt" macht sogar direkt Wahlkampf für Merkel respektive die Partei mit dem "C". Ohne die CDU-CSU wären sie alle im Off verschwunden so wie unzählige teilweise hochkarätige aber "weniger geschmeidig-antichambrierende" (Zitat Veronika Fischer, auf die dies zutrifft) Ost-Künstler.

- G. G.

Gustav Grambauer

14. Februar 2021 10:53

III

Bei der Stange gehalten wurden oder werden sie alle von der Gier nach der (nach der damaligen Ostberliner Proll-Krawallnudel Helga Hahnemann, ebenso ab `90 CDU-bekennend, benannten) "Goldenen Henne", einem indirekt von der CDU-CSU in engster Abstimmung mit dem Burda-Verlag vergebenen Quasi-Staatskunstpreis - oder wenigstens danach, bei der "Goldene-Henne-Gala" (in Nachfolge des Hochfeierns des "Fernsehlieblings der DDR" im "Palast der Repube") am Katzentisch mit dem unvermeidlichen Rotkäppchen-Gesöff-Glas in der Hand sitzend fotografiert zu werden, auf daß bitte-bitte-bitte wenigstens ein winziges Bildchen von ihnen in der nächsten Nummer der Super-Illu abgedruckt werden möge. Denn das heißt für sie und für den ganzen Osten sichtbar: Ich gehöre "d-a-z-u".

Das mit Brussig muß ich erstmal "sacken lassen". Hätte das bei dem nie erwartet. "Sonnenallee" und "Helden wie wir" gehören zu meinen Lieblingsbüchern bzw. -filmen. Immerhin ist Leander Haussmann aus ganz anderem Holz gemacht, der führt bei sich in Friedrichshagen Bürgerinitiativen gegen das Merkel-System an, siehe auch:

https://www.welt.de/kultur/plus214283722/Leander-Haussmann-ueber-Corona-Verbote-Ich-fuehle-mich-unter-Generalverdacht.html

- G. G.

Laurenz

14. Februar 2021 17:05

@Gustav Grambauer

Es war Klaus Wowereit, der die Jüdische Gemeinde Berlin, zwecks Haushalts-Sparmaßnahmen, von ihrem Millionen-Etat aus der Stadtkasse befreite.

Gustav Grambauer

14. Februar 2021 18:03

"Ermüdend werden langsam die ständig wiederkehrenden Parolen der Politik und das nicht endende Mantra: 'Wir sitzen alle in einem Boot und wir müssen gemeinsam durchhalten'!" - Katarina Witt (Quelle: www.berlin.de/aktuelles/brandenburg/6443936-5173360-coronakritik-katarina-witt-bekommt-unter.html)

Ääähhh, ... hmmm, die hält sich aber jetzt nicht an das Framing!:

"... gab ein Wissenschaftler ... diese Realität mit der Bootmetapher wieder: 'Die 7 Mrd., die den Planeten Erde bewohnen, leben nicht mehr in mehr als 100 separaten Booten [Ländern]. Stattdessen leben sie alle in 193 separaten Kabinen auf demselben Boot.' ... 'Wenn wir 7,5 Mrd. jetzt auf einem virusinfizierten Kreuzfahrtschiff zusammengepfercht sind, macht es dann Sinn, nur unsere eigenen Kabinen zu reinigen und zu schrubben und dabei die Gänge und Luftschächte draußen zu ignorieren, durch die sich das Virus ausbreitet? Die Antwort lautet eindeutig nein. Und trotzdem haben wir genau das getan. ... Da wir jetzt alle im selben Boot sitzen, muss sich die Menschheit um dieses eine Boot als Ganzes kümmern.'" - Schwab / Malleret: "COVID-19 - Der große Umbruch", WEF / FORUM Publishing, Genf 2020, Seite 22

Nach obigem Satz bekommt Frau Witt nie wieder Hubert Burdas "Goldene Henne". Aber sie ist vermögend genug, um in keiner Weise auf diesen Kindergarten angewiesen zu sein. Und das ist m. E. der Kern hierbei!

- G. G.

Gustav Grambauer

14. Februar 2021 18:03

Hacks hat immer wieder süffisant darauf hingewiesen, daß ihn seine Unterschrift im ND gegen (!!!) Biermann etwa 1,5 Millionen D-Mark bzw. Schweizerfranken respektive DDR-Mark gekostet hat (Ausfall der Tantiemen, weil seine Stücke infolge subito von nahezu allen Spielplänen abgesetzt wurden - in West und Ost).

- G. G.

Lotta Vorbeck

14. Februar 2021 18:30

@Gustav Grambauer

Ehrfürchtig verneige ich mich in landsmannschaftlicher Verbundenheit vor Ihnen.

DANKE, lieber @Gustav Grambauer - besser als Sie kann es niemand!

Maiordomus

14. Februar 2021 21:52

@Grambauer. Ihre Ossi-Geschichten sind nicht ohne Informationswert, müssten jedoch statt in einem Blog sozusagen authentisch publiziert werden. Aber trotzdem danke für Zusammenhänge, die ich als Aussenstehender trotz DDR-Beziehungen seit 40 Jahren so nicht kannte.

Maiordomus

14. Februar 2021 21:57

M.R.R: Autoren, die er, der Literaturpapst, "schlicht nicht kannte". Diese galten bei ihm und unzähligen anderen, die offiziell und berufsmässig Literatur vermittelten, als automatisch unbedeutend. Darüber könnte in einem diesbezüglichen analytischen Aufsatz Rechenschaft geleistet werden. Der wirklich kritische Germanist Friedrich Denk, auch Rechtschreibereform-Gegner, sprach in einem Buch von der "Zensur der Nachgeborenen". Dabei gehört dieser letztere verdienstvolle Literat keineswegs zur deutschen Rechten. 

Gustav Grambauer

14. Februar 2021 22:01

Liebe(r?) Lotta Vorbeck, danke für die Lorberren, fühle mich geehrt, geee! Hier noch ein Witz von damals falls Sie ihn noch nicht kennen:

Witt und Honecker prosten sich im Staatsratsgebäude beim Sekt-Empfang für die Olymiasieger zu.

Er: "Nu, Genussin Gadi, du hast für deine hervooooooorragenden Laestungen zu Ehren des Soliiismus aenen Wunsch fraeee".

Sie: "Lieber Genosse Erich, ich wünsche mir, daß du die Mauer aufmachst!"

Er: "Du glaenes Luder, du willsd doch nooor mid mir ganz allaeeen ssaeeen!"

- G. G.

Franz Bettinger

15. Februar 2021 06:05

@RMH:  Ganz richtig!  Egal wer in der AfD gerade oben schwimmt, wir sollten diese Partei unterstützen.  Es ist eine einmalige Chance. Wenn die AfD auch noch abschmiert und unter 5% rutscht, sind wir total im Arsch. So eine Partei lässt der linke Gegner nie mehr hochkommen. Also alle Querelen hintanstellen und bei der Stange bleiben! Auch das ist Treue. 

Laurenz

15. Februar 2021 10:57

 

@Franz Bettinger @RMH

Werter Franz, sehe das nicht so,wie Du. Die AfD hat nur eine Daseinsberechtigung, wenn sie oppositionell ist. Und ohne AfD sind die Oppositionellen gezwungen, etwas Neues zu schaffen.

Imagine

15. Februar 2021 11:18

1/2

@B.K.

Es lohnt sich, Ihren Artikel „Rechte Kapitalismuskritik in Deutschland“ nach 3 Jahren erneut zu lesen und zu fragen, was aus dieser „rechten Kapitalismuskritik“ geworden ist?

Diese Kapitalismuskritik fand im rechten Milieu keinen fruchtbaren Boden. Bereits bei der Massenimmigration wollte man über den Zusammenhang zum Kapitalismus nichts wissen. Und jetzt ist es beim Pandemie-Szenario das Gleiche.

Der „The Great Reset“ – die Transformationsziele und -methoden der herrschenden Klasse – werden nicht thematisiert.

Zum „Terror der Ökonomie“ (V. Forrester), welcher nun immer mehr auch die Mittelschichten betrifft, kommt nun der Corona-Terror mit seinen Zwängen und Freiheitseinschränkungen hinzu.

Wo bleibt die Kapitalismuskritik, welche diese Vorgänge (Migrationspolitik, Pandemie-Regime, Great Reset etc.) als terroristische Form der Aufrechterhaltung der Klassenherrschaft und des Ausbeutungs- und Betrugssystems erklärt?

Imagine

15. Februar 2021 11:21

2/2

Immer stärker wird die gesellschaftliche Mitte – und zwar links wie rechts – vom Ungeist eines kleinbürgerlichen Anarchismus a la Stirner erfasst (vgl. Hans G Helms). Von einer Dekadenzideologie, die unfähig ist, die größeren gesellschaftlichen Zusammenhänge zu verstehen und immer mehr – wie bei der Massenpsychose im Hitlerfaschismus – in Irrationalismus und Fatalismus versinkt.

Mein Eindruck ist, dass die „rechte Kapitalismuskritik“ eingegangen ist, so wie ein Pflänzchen, das man vergessen hat, zu gießen.

Hamsterradartig drehen sich die Diskussionen um die AfD, man beschäftigt sich mit Historie und mit Nebenkriegsschauplätzen anstatt mit dem realen Weltgeschehen.

Die rechten Kapitalismuskritiker sind im rechten Milieu noch mehr isoliert als jene im linken. Eine Sarah Wagenknecht besitzt Relevanz und Einfluss auf den kapitalismuskritischen Diskurs in der Partei und der Gesellschaft.

Lotta Vorbeck

15. Februar 2021 13:25

@Laurenz - 15. Februar 2021 - 10:57 AM

"Die AfD hat nur eine Daseinsberechtigung, wenn sie oppositionell ist. Und ohne AfD sind die Oppositionellen gezwungen, etwas Neues zu schaffen."

---

Es ist überall dieselbe Art von toten Fischen, die wie anderswo ebenfalls, auch in der AfD oben schwimmen.

Die AfD ist fungiert als Sicherheitsventil im Deckel auf dem überhitzen BRD-Schnellkochtopf.

Laurenz

15. Februar 2021 13:33

 

@Imagine

"Diese Kapitalismuskritik fand im rechten Milieu keinen fruchtbaren Boden."

Das stimmt so nicht. BK schreibt & spricht aus den Herzen der "Solidarischen Patrioten". Nur sind diese solidarischen Patrioten die schwächere Fraktion in der parlamentarischen Opposition, was auch im Grunde nicht zu verwundern ist.

Denn, die stärkere Fraktion innerhalb der AfD besteht weder aus Patrioten noch aus Neuen Rechten.

Ihr Vergleich mit Sahra Wagenknecht hinkt auf allen schönen Beinen. Daß Sahra Wagenknecht nicht blöd ist, wissen wir alle. Aber Ihre mediale Wirkung basiert zwar auch auf Ihrem Intellekt, aber vor allem auf Ihrer äußeren Wirkung. Die Neue Rechte hat auch schöne & kluge Frauen mit entsprechender Wirkung vorzuweisen, aber das sind keine Politikerinnen. Die beiden Politikerinnen, dir mir als Pendant zu Wagenknecht einfallen, sind Susanne Fürst/FPÖ & Alice Weidel/AfD. Nur haben Sich beide Damen nie eindeutig geäußert & sich nie mit der eigenen Partei (wie zB Petry) angelegt. Auch jetzt kracht es schon gewaltig im Gebälk der Ex-SED. Denn keiner der entscheidenden Genossen Wagenknechts will, daß Sie noch einmal für DIE LINKE im Bundestag/Reichstag sitzt. Und Wagenknecht sollte sich vorsehen. Es werden ja schon wieder Linke publiziert, die Erich Mielke auferstehen lassen & ihre politischen Gegner erschießen wollen. 

anatol broder

15. Februar 2021 13:51

zeitmagazin, 2021, nr 6, s 68, er sucht sie:

«linksliberaler best ager aus norddeutschland, der viele der anzeigen in dieser rubrik für peinlich hält, der es viel schöner fände eine sie im blumenladen kennen zu lernen, der nicht länger allein auf den grossen zufall hoffen mag, sucht eine intelligente und selbstbewusste sie (ab 50), der es ähnlich geht. nicht das bislang erreichte, sondern die gewonnenen lebenserfahrungen, die bestehenden wünsche und träume und das interesse am unbekannten sind die basis für alles weitere. ich freue mich auf zuschriften.»

Laurenz

15. Februar 2021 13:59

@Lotta Vorbeck @Laurenz

Das wissen wir doch. Und was ist demzufolge der Vorschlag von @Lotta Vorbeck? Schäferhund erschießen? Frau erschießen? Sich selbst erschießen?

Lotta Vorbeck

15. Februar 2021 15:34

@Laurenz - 15. Februar 2021 - 01:59 PM

"Und was ist demzufolge der Vorschlag von @Lotta Vorbeck? Schäferhund erschießen? Frau erschießen? Sich selbst erschießen?"

---

Nichts von alledem, lieber @Laurenz.

Der Vorschlag lautet, auf den Gasbrenner unter dem vernehmbar ächzenden Schnellkochtopf gemünzt: 

"Anblasen!"

Und dann: "Alles was drin ist LI! - Alles was drin ist!"

Laurenz

15. Februar 2021 15:37

@Anatol Broder

Sind die Begrifflichkeiten "linksliberal & intelligent" nicht ein diametraler Widerspruch in sich? Und dann auch noch der geographische Begriff "Norddeutschland".... als ob es sowas gäbe. "Bezirk Vechta" hätte es wohl besser ausgedrückt. Und als ob Linke irgendwas dem Zufall überlassen würden.....

Was hat Sie denn dazu veranlaßt, uns die Anzeige eines solchen Mini-Habecks mitzuteilen? Und wer liest, als verheirateter Mann, diese Anzeigen?

Gustav Grambauer

15. Februar 2021 17:08

anatol broder

"zeitmagazin, 2021, nr 6, s 68, er sucht sie

linksliberaler best ager ... der nicht länger allein auf den grossen zufall hoffen mag, sucht ... "

---

Motor-Klassik-Magazin, unter "Gespanne":

"Mann ohne Bremsen will Frau mit Kurven!"

- G. G.

Imagine

15. Februar 2021 17:33

1/3

Hauptaufgabe der „rechten Kapitalismuskritiker“ wäre vor allem, im rechten Milieu aufzuklären, warum aus Gründen der Vernunft der Kapitalismus überwunden werden muss. Und zugleich den Blödsinn in den Köpfen beseitigen, der mit „Kapitalismuskritik“ und „Sozialismus“ in den Köpfen vorhanden ist, wie
- Gleichmacherei
- Enteignung aller Privateigentümer und Verbot von Privateigentum
- Verbot (privat)unternehmerischer Tätigkeit; zentralistische Staatswirtschaft

- Funktionärsdiktatur, Unfreiheit, Terror wie im Stalinismus und Maoismus
etc.

Man müsste darüber informieren, welche Entwicklungs- und Bewusstseinsstufen die Ideen und Diskussionen über gesellschaftliche Ziele und Veränderungen durchlaufen haben (nur kurz skizziert):

1. Aufklärung – bürgerliche Gesellschaft: Kant, Schiller, Goethe, Humboldt …
2. Aufklärung – gesellschaftliche Realität vs. Idealismus: Marx, Engels, Feuerbach,  Freud …
3. Aufklärung – Freudomarxismus – Kritik an Vulgärmarxismus und Leninismus: Rosa Luxemburg, Wilhelm Reich, Frankfurter Schule, Erich Fromm …
4. Aufklärung - Konkrete Gesellschaftsutopie - Postmarxismus: Herbert Marcuse, Alfred Sohn-Rethel, Radovan Richta, André Gorz („Abschied vom Proletariat“) …
 

Imagine

15. Februar 2021 17:35

2/3

Es geht vor allem darum, welche Möglichkeiten der wissenschaftlich-technische Fortschritt aka „die Entwicklung der Produktivkräfte“ in Zukunft eröffnet, die jedoch das kapitalistische System nicht nur verunmöglicht, sondern zudem auch die Menschen entmenschlicht und die Natur zerstört.

 Oswald von Nell-Breuning (katholischer Theologe, Nationalökonom) schrieb schon in den 1960er Jahren:
„Auch die heutigen Schritte sind nicht kampflos vor sich gegangen. Aber ich denke nicht an die 35-Stunden-Woche, auch nicht an die 24-Stunden-Woche. Ich denke an eine viel weiter gehende Arbeitszeitverkürzung. Ich stelle mir vor, daß wir dahin kommen werden, daß zur Deckung des gesamten Bedarfs an produzierten Konsumgütern ein Tag in der Woche mehr als ausreicht."

Davon erfährt man in der Schule und in den Medien nichts.

Am Gymnasium sind wir nur bis zur 1. Aufklärung gekommen. Heute wird noch nicht einmal dies erreicht. Man hat sich von der Idee und der Erziehung zu einem freien und mündigen Bürger verabschiedet und will nur noch marktkonforme Lohnarbeitsidioten und Konsumidioten produzieren.

Imagine

15. Februar 2021 17:36

3/3

Zudem müsste über die gesellschaftliche Realität und den sozialwissenschaftlichen Diskussionsstand in China informiert werden, damit die Horrorgeschichten und falschen Vorstellungen überwunden werden. Viele der „solidarischen Patrioten“ würden eine positive Einstellung zum chinesischen Weg entwickeln, wenn sie die Wahrheit und Realität kennen würden.

Vor allem fehlt eine konkrete Vorstellung darüber, wie eine postkapitalistische Gesellschaft anders organisiert ist und warum dort Wohlstand und individuelle Freiheit möglich sind (vgl. dazu Sohn-Rethel, Richta et al.). Kurz: Vom System der Tauschwertökonomie zur Gebrauchswertökonomie.

anatol broder

16. Februar 2021 14:26

@ imagine 

«vom system der tauschwertökonomie zur gebrauchswertökonomie.»

der tauschwert ist das produkt von recht und pflicht. seine ökonomie: (1) nehmen, was gegeben; (2) geben, was genommen.

der gebrauchswert ist das produkt von recht und null. seine ökonomie: (1) nehmen, was nicht gegeben; (2) geben, was nicht genommen.

Imagine

16. Februar 2021 20:39

@anatol broder

Sie haben null Ahnung vom Gegenstand.

Merken nicht, welch Blödsinn Sie schreiben.

Dunning-Kruger-Effekt

Imagine

16. Februar 2021 21:46

1/2

@ BK

Kapitalismuskritik – so meine These - kann sich nicht im rechten Milieu entwickeln.

Deshalb wird der „solidarische Patriotismus“ dort nicht erfolgreich sein,

Henning Eichberg et al. sind Beispiele aus jüngerer Geschichte dafür.

Heute ist „rechts“ im Sinne des „AfD-Milieus“ mehr denn je in der deutschen Nachkriegsgeschichte in einer gesellschaftlichen Außenseiterposition und wird aus dem zivilisatorischen Diskus exkludiert, weil das „rechte Milieu“ die Grenzziehungen „nach rechts außen“ nicht akzeptiert.

Für heutige Rechte ist Merkels Politik „links“ und sie meinen, dass die Linken die Gesellschaft beherrschen würden. Beides ist absurd.

Aber es passt in das traditionelle rechte Bürgerkriegsparadigma, wo die Linken die zu bekämpfenden Feinde sind.

Aber es sind nicht die Linken, welche die Familie, die Volksgemeinschaft und den Nationalstaat zerstörten.

Das Kapital will die Arbeitskraft von Frauen und Müttern profitabel verwerten, daher die Zerstörung der traditionellen Familie. Hauptsächlich umgesetzt wurde dies von konservativen Parteien, die bis auf wenige Jahre immer den Kanzler und die Regierung stellten.

Der heutige Feminismus hat mit wirklicher Frauenemanzipation nichts (mehr) zu tun, sondern wurde von Neoliberalismus gekapert.

„Social Freezing“ z.B. war nie ein Projekt der Linken, sondern von Anfang an eines des Kapitals.

Imagine

16. Februar 2021 21:50

2/2

Der Massenimport ausländischer Arbeitskräfte wurde von den traditionellen Rechten forciert, und zwar gegen den Widerstand von Linken in der SPD und den Gewerkschaften..

Die Schwächung des Nationalstaats mit „no borders, no nations“ ist ein neoliberales Projekt im Interesse globaler Konzerne, genauso wie die Massenimmigration – auch wenn sich die Linken aus Opportunismus oder als nützliche Idioten zu Propagandisten machen.

Jedoch sind die traditionellen Rechten die tatsächlichen ökonomischen, politischen und medialen Machtgruppen hinter diesen neoliberalen Projekten, auch wenn sie sich nunmehr als „Mitte“ bezeichnen.

Imagine

17. Februar 2021 11:19

Die Entwicklung der Technik ist in gewisser Weise irreversibel. Ein Leben, das dauerhaft  ohne Computer, Internet, Kommunikationstechnologie, Medizintechnik etc. auskommt, ist als zukünftiges gesellschaftliches Leben nicht denkbar, auch wenn es irgendwo auf der Welt noch einzelne Menschen geben kann, die wie Steinzeitmenschen leben und sich von der Natur ernähren.

Die Globalisierung ökonomische Kreisläufe ist irreversibel.

Aber die Art und Weise der Globalisierung ist veränderbar und hier stehen sich eine kapitalistische Tauschwertökonomie und eine humanistische (sozialistische) Gebrauchswertökonomie als Alternativen gegenüber.

Das gegenwärtige China ist eine Mischform. Aber mit jedem Jahrzehnt geht es mehr in Richtung einer Gebrauchswertökonomie, wie die staatliche Investitions- und Infrastrukturpolitik belegt.

In wenigen Jahrzehnten wird China sich kontinuierlich zu einem Wohlfahrtsstaat mit drastischer Reduzierung der Wochen- und Jahresarbeitszeit entwickeln.

Denn schon jetzt gibt es in China durch Automatisierung und Roboterisierung eine zunehmende strukturelle Arbeitslosigkeit, welcher der Staat mit Beschäftigungsprogrammen entgegenwirkt.

Dies kann man seit einigen Jahren als Tourist unmittelbar beobachten, sofern man über moderne („marxistische“) ökonomische Theorien verfügt. Ohne letztere bleibt man allerdings „blind“, weil man diese Zusammenhänge nicht wahrnimmt und begreift.  

Laurenz

17. Februar 2021 15:33

@Imagine

"Die Globalisierung ökonomischer Kreisläufe ist irreversibel."

Es gab schon vor langer Zeit Autoren, die eine ganz andere Meinung vertreten, wie zB Frank Herbert https://de.wikipedia.org/wiki/Dune

Desweiteren ist Ihre obige Aussage, wissenschaftlich betrachtet, Unfug. Globalisierungs- und Nationalisierungsphasen wechseln sich ab, seit es Zivilisationen gibt. Jede jeweilige Phase dauerte im Schnitt 60 Jahre.

Von daher, Dr. Prof. Imagine, sollten Sie, als Wissenschafts-Fetischist, Ihre obskure Behauptung nochmals einer eingehenden Überprüfung unterziehen.

In der Ukraine sind Blackouts von 8 Stunden Normalität. Das betrifft nicht nur die Stromversorgung, sondern auch fließend Wasser und Heizung. Die virtuelle Welt hängt am seidenen Faden. Daran erkennt man auch, daß es keine echten Terroristen gibt. Echte Terroristen erschießen keine Mitbürger, sie würden den Mitbürgern den Strom abschalten.

Lotta Vorbeck

17. Februar 2021 20:38

@Laurenz - 17. Februar 2021 - 03:33 PM

"In der Ukraine sind Blackouts von 8 Stunden Normalität. Das betrifft nicht nur die Stromversorgung, sondern auch fließend Wasser und Heizung. Die virtuelle Welt hängt am seidenen Faden."

---

Nicht nur die virtuelle.

Ohne kontinuierlich bereitgestellte Elektroenergie ist's sofort Essig mit dem schönen "Neuen Normal" aka der orwellesken 24/7 totalüberwachten ID2020-Welt wie sie sich der Klaus-Ihr-werdet-nichts-mehr-besitzen-und-Ihr-werdet-glücklich-sein & der Herrn mit der Rechnung im Namen ausgedacht haben.

Das Stromnetz ist, solange es existiert, auch in Kriegszeiten, noch nie vollständig außer Betrieb gewesen. Die eine Störung zuviel an entscheidender Stelle, würde selbständig und unkontrollierbar fortkaskadierend einen großflächig virulenten Stromausfall verursachen, wie ihn die Welt noch niemals zuvor gesehen hat. Die vollständig ausgefallene Stromversorgung zunächst im Inselbetrieb wiederherzustellen, um das Gesamtnetz durch späteres Verbinden der Inseln wieder zusammenzuschalten, wäre ein vielmonatiger, die Verfügbarkeit hochqualifizierten Fachpersonals zur Voraussetzung habender Prozess.

Deshalb dürfte der Deep State auch alles daran setzen, einen großflächigen Stromausfall zu vermeiden.

Imagine

18. Februar 2021 00:31

1/2

Die Wirtschaftskreisläufe werden sich zwar grundlegend verändern, zum Teil in Richtung von mehr Autokratie und Regionalisierung. Zugleich werden sie weiterhin global bleiben. Bei den technischen Innovationen, bei der Wissenschaft, beim Tourismus etc.

Kein Staat hat und wird ein Interesse am Zusammenbruch der Weltwirtschaft haben, nicht die USA China, nicht Indien, nicht Russland und die EU auch nicht.

Deshalb wird der „Kasinokapitalismus“ am Laufen gehalten werden, die Alltagsgebrauchsgüter werden weiterhin vor Inflation geschützt etc.

China muss das falsche Spiel mitspielen, denn China will und muss sich weiter industrialisieren und wirtschaftlich wachsen, um das angestrebte Ziel eines nationalen Sozialismus zu erreichen. Dazu müssen die Wirtschaftskreisläufe laufen und die Weltwirtschaft darf nicht kollabieren.

Wie Benedikt Kaiser zutreffend schreibt, hegt der Neoliberalismus gerade nicht den klassisch liberalen Nachtwächterstaat als Leitbild hegt, sondern instrumentalisiert den Staat zum ausführenden Organ des Marktes und baut ihn entsprechend um.

Der „Markt“ ist dabei eine ideologische Fiktion, denn es handelt um eine zunehmend totalitärer werdende plutokratische Herrschaft, die realiter immer mehr eine Betrugs- und Raubökonomie ist.

Imagine

18. Februar 2021 00:32

2/2

Im heutigen Kapitalismus dreht sich beim Establishment alles darum, möglichst viel und schnell Geld zu machen. So sind die Menschen konditioniert und so funktionieren die Funktionseliten. Die Realwirtschaft und vor allem das gemeinwohlorientierte und nachhaltige Wirtschaften werden vernachlässigt.
 

Logischerweise wird es eine Gegenbewegung zum Niedergang der Realwirtschaft und zum Wohlstandsverlust der Mitte geben, und politisch – so meine These – werden sich vermutlich in zwei gegensätzliche Richtungen entwickeln.

Zum einen eine Bewegung nach rechts in Richtung Wirtschaftsliberalismus. Die Marktradikalen werden noch mehr „Markt“ und noch mehr „Hayek“ fordern, weil sie am alten System festhalten wollen und Feinde staatlicher Regulation und des Sozialstaats sind.

Zum anderen wird eine gemischte Opposition gegen die aktuelle Politik entstehen. Diese Opposition wird weder traditionell links noch traditionell rechts ausgerichtet sein, aber eher links“ und durchaus auch patriotisch, aber mit klarer Abgrenzung von Positionen, die sie als „rechtsextremistisch“ wahrnehmen. Zu beobachten war dies bei den Gelbwesten in Frankreich, aber auch bereits bei „Stuttgart 21“ und jetzt gegen das „Corona-Regime“.

Diese Bewegung wird Aufwind bekommen, weil sie im weltpolitischen Trend liegt.

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