Sammelstelle für Gedrucktes (37)

Wie es so war auf der diesjährigen Corona-Buchmesse, das hat die Redaktion Jonas Schick und Philip Stein längst gefragt.

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

Nun folgt ein klei­ner Ein­blick in die Post-Mes­se-Bericht­erstat­tung, wobei all jene außen vor blei­ben, die ledig­lich Phil­ip Steins Wiki­pe­dia-Ein­tra­gun­gen oder ähn­li­ches in sämt­li­chen Varia­tio­nen von­ein­an­der abschrieben.

Das heißt: Öffent­lich-Recht­li­che blei­ben nicht nur außen vor, weil sich die­se »Sam­mel­stel­le« als Kolum­ne ohne­hin Gedruck­tem wid­met, nicht Radio- oder TV-Berich­ten, son­dern auch, weil ihre Aus­ein­an­der­set­zung – erwar­tungs­ge­mäß – poli­tisch vor­ge­prägt ist.

Den alle Kon­flikt­par­tei­en ein­be­zie­hen­den Auf­schlag macht dem­ge­gen­über die Neue Zür­cher Zei­tung (v. 27.10.2021).

Clau­dia Mäder leis­tet etwas, was bei dem Gros ihrer Kol­le­gen unvor­stell­bar scheint: Sie geht in medi­as res, schaut sich an, wer die Geäch­te­ten in Frank­furt waren und was sie tat­säch­lich in ihrem ver­le­ge­ri­schen Tun vor­zu­wei­sen haben:

Für den Novem­ber ist ein Buch ange­kün­digt, das laut Ver­lags­wer­bung unser Jahr­zehnt prä­gen könn­te. «Gegen den Libe­ra­lis­mus» heisst das Werk, und es ver­spricht, den «Kult des frei­en Indi­vi­du­ums» sowie «die Ver­göt­zung des Mark­tes» zu sezie­ren. Aus wel­cher Ecke der Titel kommt, könn­te man auf­grund die­ser Inhalts­an­ga­be viel­leicht nicht sofort sagen, aber sobald man sei­ne Her­kunft kennt, ist die Sache klar: Das Buch erscheint im Ver­lag Jun­g­eu­ro­pa, der in Deutsch­land die Ideen der Neu­en Rech­ten verbreitet.

Der Titel, hier bereits ver­füg­bar, ist der Auf­takt zu Mäders Frank­furt-Bericht­erstat­tung. Jun­g­eu­ro­pa, aber auch der Stand­part­ner, die öko­lo­gi­sche Zeit­schrift Die Keh­re, eck­ten bekann­ter­ma­ßen an:

Der Ver­lag war dort mit einem Stand prä­sent und ist seit­her in ganz Deutsch­land bekannt. Denn rund um sei­nen Mes­se­auf­tritt hat sich ein Streit ent­zün­det, der zuletzt gar dazu führ­te, dass die Zere­mo­nie zur Ver­lei­hung des Frie­dens­prei­ses von einer akti­vis­ti­schen Inter­ven­ti­on gestört wurde.

Nun war die »akti­vis­ti­sche Inter­ven­ti­on« eine links­grü­ne Show, aber wenn man es, wert­neu­tra­ler wie die NZZ häu­fig ist, so nen­nen will, sei es der Jour­na­lis­tin nach­ge­se­hen. Die Beschrei­bung der woken Far­ce rund um die Ver­lei­hung des Frie­dens­prei­ses des Deut­schen Buch­han­dels an die sim­bab­wi­sche Autorin Tsit­si Dangar­emb­ga ist ent­lar­vend genug:

Als der Frank­fur­ter Ober­bür­ger­meis­ter den Anlass eröff­ne­te, begab sich die grü­ne Lokal­po­li­ti­ke­rin Mir­ri­an­ne Mahn aus dem Publi­kum ans Red­ner­pult und ergriff das Wort. Es sei para­dox, sag­te sie, dass hier einer schwar­zen Frau der Frie­dens­preis ver­lie­hen wer­de, aber schwar­ze Frau­en auf der Buch­mes­se «nicht will­kom­men» gewe­sen sei­en. Nicht will­kom­men, «weil sie sich nicht sicher» fühlten.

Das ist eine inhalt­lich gewag­te, um nicht zu sagen rea­li­täts­wid­ri­ge Aus­sa­ge, vor allem wenn man bedenkt, wie geschäfts­för­dernd mas­sen­me­di­al sich die schwar­zen Autorin­nen aller­or­ten äußern konn­ten und ihnen aus­nahms­los jeder »Kul­tur­schaf­fen­de«, der sich zu Wort mel­de­te, kri­tik- und vor­be­halt­los den Rücken stärkte.

Mäder nun wagt vor­sich­ti­ge Kri­tik an dem Kom­plex der woken Kul­tur-Bub­ble. Zwar habe Jas­mi­na Kuhn­ke (Quat­tro­milf; der Aus­lö­ser der welt­wei­ten Empö­rung über den Jun­g­eu­ro­pa-Keh­re-Stand) tat­säch­lich in der Ver­gan­gen­heit ras­sis­ti­sche Äuße­run­gen über sich erge­hen las­sen müs­sen, aber

wie­so sich eine schwar­ze Per­son an der Frank­fur­ter Buch­mes­se nun beson­ders fürch­ten müss­te, ist schwer zu verstehen.

In der Tat waren es dann nicht »rech­te« Akteu­re, die »lin­ke« oder »schwar­ze« Mes­se­be­su­cher drang­sa­lier­ten oder abfo­to­gra­fier­ten, son­dern anti­fa­schis­ti­sche Stal­ker, die eben das tun, was sie aus­zeich­net: Vor dem Stand abhän­gen, die Aus­stel­ler und Besu­cher über Stun­den hin­weg immer wie­der aus jeder Per­spek­ti­ve foto­gra­fie­ren, eine ver­meint­li­che oder tat­säch­li­che Bedro­hungs­ku­lis­se auf­bau­en. Geschenkt.

Mäders Appell gegen Ende ihres Arti­kels atmet den Geist einer tat­säch­lich frei­heit­li­chen Denk­wei­se, was ein­mal mehr eher schwei­ze­risch als bun­des­deutsch wir­ken dürfte:

Bleibt zu hof­fen, dass die Mes­se auch unter dem ver­stärk­ten Druck der Akti­vis­ten nicht abweicht von die­sen Grund­sät­zen. Bücher sind Spie­gel der Gesell­schaft: Wie im Leben begeg­net man in ihnen gele­gent­lich Din­gen, die einem zutiefst miss­fal­len. Vom öffent­li­chen Dis­kurs aus­ge­schlos­sen gehört Stö­ren­des jedoch nur dann, wenn es eine Gren­ze über­schrei­tet – eine Gren­ze, die in einem Rechts­staat die Geset­ze zie­hen und nicht ein­zel­ne Individuen.

– –

Da man immer bei­de Sei­ten hören soll, folgt nun ein Blick in die Tages­zei­tung jun­ge Welt (v. 27.10.2021).

Das tra­di­ti­ons­mar­xis­ti­sche Organ, des­sen Auf­la­ge mitt­ler­wei­le unter 20 000 liegt, was gleich­wohl immer noch respek­ta­bel scheint für ein Nischen­blätt­chen, das selbst dem Main­stream der Links­par­tei zu links ist, hat seit dem Tod der unbe­que­men Edel­fe­der Wer­ner Pir­ker vor eini­gen Jah­ren an Attrak­ti­vi­tät ver­lo­ren – für Freund wie Feind.

Fabi­an Lin­der faßt zunächst zusam­men, was mitt­ler­wei­le jeder wis­sen dürf­te: Jas­mi­na Kuhn­ke fühl­te sich durch Jun­g­eu­ro­pa bedroht, sag­te ihren Mes­se­auf­tritt ab, nicht ohne »eine gene­rel­le Kri­tik« dar­an zu üben, »Nazis Raum zu bieten«.

Dann ver­läßt Lin­der ein wenig der Blick fürs Kon­kre­te. 2017 sei

der Ver­le­ger Joa­chim Berg­mann vom lin­ken Tri­kont-Ver­lag vor dem Stand der rech­ten Wochen­zei­tung Jun­ge Frei­heit nie­der­ge­schla­gen worden,

was von ande­ren Augen­zeu­gen frei­lich auch gänz­lich anders geschil­dert wor­den ist: Berg­mann habe JF-Besu­cher in gut anti­fa­schis­ti­scher Manier mit kri­ti­schen Bemer­kun­gen belegt, sei auf­ge­for­dert wor­den, dies zu unter­las­sen, kam dem wohl nicht nach, es kam zu einem kur­zen, sof­ten Hand­ge­men­ge, wobei Berg­mann dann wie wei­land Andy Möl­ler zu Boden ging. Daß es auch die­se Wahr­neh­mung jen­seits der Berg­mann-Ver­si­on gab, ver­rät die jW natür­lich nicht.

Regel­recht bizarr wird es dann, wenn Lin­der der »öster­rei­chi­schen Poli­tik­wis­sen­schaft­le­rin Nata­scha Stro­bl« Glau­ben schenkt: Die Jungeuropa-Publikation

»Sozia­lis­mus und Nati­on« ver­su­che sich »an einer Ver­bin­dung von Nati­on und (völ­ki­schem) Sozialismus«,

wobei zu fra­gen wäre, ob die Poli­tik­wis­sen­schaft­le­rin über­haupt etwas mit dem Namen Her­mann Hel­ler, dem Autor besag­ten Ban­des, anfan­gen kann. Es sprä­che nicht zwin­gend für die Wie­ner Poli­to­lo­gie, wür­de man dort just Hel­ler als »völ­ki­schen« Den­ker ein­ord­nen. (Alle not­wen­di­gen Infos zu dem Buch, das mit einem Vor­wort von Thor v. Wald­stein erschien, kann man hier ein­se­hen.)

– –

Wie man sich gegen Jun­g­eu­ro­pa und Keh­re posi­tio­niert, ohne zugleich den woken Irr­sinn zu repro­du­zie­ren, zeig­te die Axel-Sprin­ger-Tages­zei­tung Die Welt (v. 21.10.2021) bereits wäh­rend der Messe.

Zwar wer­den die Autoren Jun­g­eu­ro­pas durch Mara Deli­us abschät­zig beur­teilt, der her­aus­ra­gen­de und in Frank­reich jähr­lich Zehn­tau­sen­de Aus­ga­ben abset­zen­de Phi­lo­soph Michel Onfray gar als »zuneh­mend ins Para­no­ide drif­tend« beschrieben:

Den­noch kann der Ver­lag in Frank­furt aus­stel­len wie Hun­der­te ande­rer auch; die Mes­se ist kein poli­tisch moti­vier­tes Ver­an­stal­tungs­zen­trum mit Safe-Space-Zonen, son­dern eine kar­tell­recht­lich bestimm­te Han­dels­mes­se, die zur Gleich­be­hand­lung aller Ver­la­ge ver­pflich­tet ist, theo­re­tisch bis zu dem Punkt, an dem jemand erfolg­reich eine Straf­an­zei­ge wegen des Inhalts eines ver­leg­ten Buches stellt,

was selbst­re­dend nicht der Fall war oder ist.

Deli­us wid­met sich dann dem Kuhn­ke/­Quat­tro­milf-Ver­lag:

Rowohlt kennt als jahr­zehn­te­lan­ger Teil­neh­mer der Mes­se die Sta­tu­ten, wer aus­stel­len darf und wer nicht. Wur­de der Ver­lag also nur über­rum­pelt durch Kuhn­kes Akti­vis­mus in eige­ner Sache und ver­sucht, die Wogen zum Woh­le der Autorin zu glät­ten? Oder surft er eher bequem auf der woken Wel­le mit, die gera­de auf Twit­ter hin­ter sei­ner Autorin auf­bran­det, ohne zu ahnen, wie sehr damit die Buch­mes­se beschä­digt wird? Fest steht jeden­falls, dass der Ver­lag dar­über infor­miert gewe­sen sein dürf­te, wel­ches Sicher­heits­kon­zept für den Auf­tritt der eige­nen Autorin geplant war – er hät­te vor­ab ent­spre­chend reagie­ren können.

Dann fin­den sich die Akteu­re Jonas Schick und Phil­ip Stein plötz­lich auf einer Argu­men­ta­ti­ons­ebe­ne mit den gro­ßen glo­ba­len Reiz­fi­gu­ren wieder:

Denn natür­lich hat die Mes­se nicht zum ers­ten Mal jeman­den zum Auf­tritt auf eine ihrer Büh­nen gela­den, der eines beson­de­ren Schut­zes bedarf. Hat nicht auch Sal­man Rush­die die Mes­se besucht, noch in Hoch­zei­ten der Fat­wa-Bedro­hung, oder Autoren, die gegen die Mafia anschrie­ben, Chi­ne­sen, Ira­ner und Rus­sen, die ver­folgt wur­den? Sicher­heits­kon­zep­te wer­den in der Regel Mona­te im Vor­feld mit allen Betei­lig­ten abge­stimmt, gegen­über WELT sagen die Ver­an­stal­ter, das The­ma Sicher­heit habe “obers­te Prio­ri­tät”, an allen Mes­se­ta­gen sei­en Ein­satz­kräf­te zivil und in Uni­form unterwegs,

was man aus eige­nen Ein­drü­cken bestä­ti­gen kann, wenn­gleich die sicht­ba­re Poli­zei- und Secu­ri­ty-Prä­senz im Ver­gleich zu ver­gan­ge­nen Leip­zi­ger Mes­sen gleich Null gewe­sen ist.

Unab­hän­gig davon, so Mara Deli­us, sei es

Jas­mi­na Kuhn­kes gutes Recht, als Opfer von Ras­sis­mus ihren Auf­tritt abzu­sa­gen, genau­so, wie es ihr frei­steht, offen anzu­kla­gen, dass sie bedroht wird. Aber gera­de eine Autorin soll­te doch die her­me­neu­ti­sche Genau­ig­keit und das Gespür für chro­no­lo­gi­sche Abläu­fe besit­zen, rhe­to­risch aus einem neu­rech­ten Ver­lags­stand als sol­chem nicht einen Nazi-Auf­marsch zu machen und dar­aus dann eine Legi­ti­ma­ti­on für einen Boy­kott zu begrün­den; zu sug­ge­rie­ren, die Buch­mes­se berei­te gera­de­zu bereit­wil­lig Ras­sis­ten eine brei­te Büh­ne, ist schlicht unredlich.

Die Unred­lich­keit mün­det in die

Tra­gik der letz­ten Tage: Indem Kuhn­ke die Buch­mes­se boy­kot­tiert, macht sie sich selbst als Autorin unsicht­bar und ist nur noch als Akti­vis­tin sichtbar,

wobei es ihren Ver­käu­fen als Autorin den­noch auf eine mas­si­ve Art und Wei­se genutzt haben dürfte.

– –

Beim Cice­ro ver­sucht man sich der­weil im Dia­log mit Beob­ach­tern der Sze­ne­rie. Ant­je Hil­de­brandt inter­viewt den Schrift­stel­ler Per Leo, mit dem der Kom­plex »Schnell­ro­da« ver­schie­de­ne Erfah­run­gen machen durf­te (hier Licht­mesz, hier Kositza, oder zuletzt Leh­nert hier).

Leo übt sich zunächst in Äqui­di­stanz zur Kuhn­ke-Bla­se und zur Neu­en Rech­ten. Er finde,

dass bei­de auf Kos­ten der gesam­ten Buch­bran­che von dem Skan­dal pro­fi­tiert haben.

Lus­tig wird es kurz, wenn Leo Kuhn­kes PR-Gag jen­seits des wirt­schaft­li­chen Inter­es­ses ansiedelt:

Ich wür­de trotz­dem nicht so weit gehen, ihr ein Kal­kül zu unter­stel­len – zumin­dest kein ökonomisches.

Was denn sonst?

Jeden­falls weiß auch Leo, daß auf der Frank­fur­ter Buch­mes­se kei­ne Gefahr für das Leben Kuhn­kes bestan­den habe:

Ich glau­be, das kann man guten Gewis­sens verneinen.

Hil­de­brandt fragt, ob die Sor­ge dem­nach vor­ge­scho­ben gewe­sen sei. Leo zurückhaltend:

Es steht mir nicht zu, das zu beur­tei­len. Es gibt zwei Mög­lich­kei­ten. Ent­we­der war die Sor­ge nur vor­ge­scho­ben, um die Auf­merk­sam­keit für ihr Anlie­gen zu erhö­hen. Oder sie hat sich sub­jek­tiv tat­säch­lich bedroht gefühlt. Viel­leicht ging bei­des auch Hand in Hand,

wobei der Boy­kott­auf­ruf zu kri­ti­sie­ren sei:

Sie hat damit eine gan­ze Bran­che in ein mora­li­sches Dilem­ma ver­strickt. Auch Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen, die dann vor der Wahl ste­hen: Ent­we­der ich schlie­ße mich dei­nem Boy­kott an oder ich set­ze mich dem Vor­wurf aus, zum Kom­pli­zen von Rechts­ex­tre­men zu wer­den. Ich fin­de die­se Zwick­müh­le inakzeptabel,

immer­hin.

Wie war das aber dann damals, 2017, als Anti­fa­schis­ten immer wie­der den Antai­os-Stand und sei­ne Autoren und Gäs­te angin­gen, die sich das irgend­wann nicht mehr bie­ten las­sen wollten?

Leo:

Dass es zu Tumul­ten kam, lag dar­an, dass sich zwei Grup­pen eine gewalt­tä­ti­ge Aus­ein­an­der­set­zung gelie­fert haben. Es war nicht so, dass die eine Grup­pe spon­tan auf die ande­re zuge­gan­gen wäre,

son­dern die Lin­ken und Links­ra­di­ka­len haben pau­sen­los ver­sucht, Antai­os und Co. zu atta­ckie­ren, erst ver­bal, dann kör­per­lich, was Leo, der bei der Mes­se vor Ort war, eigent­lich wis­sen müßte.

Vor­sich­tig mahnt er an:

Anti­fa­schis­mus ist Hand­ar­beit: Das ist ein gän­gi­ger Slo­gan. Das heißt aber nicht, dass die auf­ein­an­der ein­ge­prü­gelt haben. Aber es kam eben zu tumult­ar­ti­gen Sze­nen, in deren Mit­te ein Poli­zei­kor­don zwi­schen zwei extrem pola­ri­sier­ten Grup­pen gezo­gen wur­de. Es kam zu Ran­ge­lei­en. Es wur­de auch mal jemand auf den Boden gesto­ßen. So was kommt vor, wenn Men­schen­grup­pen aggres­siv auf­ein­an­der los­ge­hen. Es gab kei­ne schwe­rer Verletzten,

nein, es gab auf der Mes­se gar kei­ne Ver­letz­ten. Die gab es erst 2018, als eine »Sport­grup­pe« der Frank­fur­ter Anti­fa Kubit­schek, Kositza und Anhang vor einer Piz­ze­ria über­fie­len, was frei­lich sel­ten Erwäh­nung fin­det; man will ja kei­ne Opfer­n­ar­ra­ti­ve bedienen.

Span­nend wird es dann, als Leo gefragt wird, wie das eigent­lich mit Buch Mit Lin­ken leben als pole­mi­sche Replik auf Leos Mit Rech­ten reden gewe­sen sei.

Hil­de­brandt fragt:

Hat es Sie geär­gert, dass Sie den bei­den noch die Steil­vor­la­ge gelie­fert haben?

Und Leo antwortet:

Ach, das haben wir damals sport­lich genom­men. Es war eben Teil einer Pira­ten-Tak­tik, die bei Antai­os viel stär­ker aus­ge­prägt ist als beim Jun­g­eu­ro­pa-Ver­lag. Sie haben es geschafft, im Wind­schat­ten unse­res Ver­la­ges Klett-Cot­ta mit­zu­se­geln. Es ist ihnen gelun­gen, dass unse­re Bücher von den Medi­en im Dop­pel wahr­ge­nom­men wur­den. Gefreut hat es mich nicht, aber das war dann eben so.

Mei­ne Abschluß­fra­ge wäre hier: Wer ist eigent­lich in wes­sen Wind­schat­ten gese­gelt? Benö­tigt jemand ande­res Antai­os, Jun­g­eu­ro­pa und Co. als Lebens­eli­xier und Beschäf­ti­gungs­maß­nah­me – oder benö­ti­gen wir, als non­kon­for­me Ver­lags­ni­sche, allen Erns­tes Kuhn­ke, Leo und Co., um The­men für unse­re täg­li­che Arbeit zu finden?

Es ist anzu­neh­men, daß die nahe­lie­gen­de ratio­na­le Ant­wort einen Teil der NZZ‑, Welt‑, jW- und Cice­ro-Leser glei­cher­ma­ßen nicht schme­cken dürfte.

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

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Kommentare (17)

Laurenz

28. Oktober 2021 14:32

Habe nachgeschaut. "Schiltbürger", heute Schildbürger, gibt es seit 1598. Um

@Allnichts

auf einer anderen Ebene zu widersprechen, es hat sich seitdem nicht wirklich was geändert, wenn man diesen Artikel lächelnd genießt.

RMH

28. Oktober 2021 14:36

Es ist zwar eher ein Netzfundstück, als etwas für die Sammelstelle für Gedrucktes, aber das Thema passt zu der Art der Auseinandersetzung, wie sie bei der vergangenen Buchmesse exemplarisch durchgeführt wurde, sehr treffend. Peter Boghossian stellt diese Art des Kampfes um Vorherrschaft als "Kulturkampf 2.0" dar und ich finde, seine Ausführungen sind lesenswert, weshalb ich zum Artikel verlinke:

https://www.achgut.com/artikel/wollt_ihr_den_totalen_kulturkampf

 

 

Laurenz

28. Oktober 2021 15:55

Vielleicht ein kleiner Netzfundstück-Exkurs erlaubt, wo es dem Mainstream kürzlich leicht an den Kragen geht? Einen Hinweis dazu gab es bei Achgut.

Bei Itunes, etc. recht weit oben angesiedelt

F... Joe Biden, bzw. Let's go Brandon

https://youtu.be/qr_F_XQrukM

oder hier etwas choral, bombastischer

https://youtu.be/1tqVQqMWClk

Man könnte auch den Eindruck gewinnen, es sei ein Machwerk von schwarzen Trump-Anhängern .....

Nordlicht

28. Oktober 2021 17:02

Zu "Buchmesse; Druck der Aktivisten":

Diese in der NZZ zu lesende Bezeichnung sollte eher "Druck des linken Pöbels" nennen.

heinrichbrueck

28. Oktober 2021 17:02

@ Laurenz

"Ein Krebs kommt vor Gericht: Ein Krebs, der auf unerklärliche Weise in Schilda auftaucht, wird wegen Anmaßung (wegen seiner großen Scheren hält man ihn für einen Schneider), Sachbeschädigung und Körperverletzung zum Tod durch Ertränken verurteilt. Im Beisein der ganzen Gemeinde wird er ins Wasser geworfen, wo er sofort zappelt. Etliche Schildbürger weinen und klagen: Ach seht doch nur, wie muss er vor dem Tod leiden." 

RMH

28. Oktober 2021 21:25

Das passt auch dazu:

Prof. Bolz spricht von einem kulturellen Bürgerkrieg. Sehenswertes Interview, link zu finden in diesem Artikel:

"Wir befinden uns in einem kulturellen Bürgerkrieg" - reitschuster.de

Da wird viel von dem gespiegelt, was hier in der letzten Zeit diskutiert wurde (auch beim letzten Beitrag von Sellner).

Gracchus

28. Oktober 2021 21:56

Die entscheidende Frage ist doch: Haben Philip Stein und Jonas Schick die Quattromilf (anonym) bedroht oder unterstützen dergleichen? Lautet die Antwort nein, wäre die Quattromilf eine Verleumderin. Lautet die Antwort ja, wäre das Verhalten der Quattromilf zumindest verständlich.

Die nächstentscheidende Frage: Ist das nicht egal? Denn Philip Stein und Jonas Schick sind ja "Nazis" bzw. betreiben "faschichste Projekte",  und ihr "Fascho oder Nazi-Sein" impliziert ja Gewaltbereitschaft, so dass es also gar nicht darauf ankommt, ob die konkreten Vorwürfe stimmen. Antwort: Nein, es ist nicht egal, ob die konkreten Vorwürfe stimmen. (Notabene: Die woke Linke rehabilitiert die Tätertypenlehre der Nazis.)

Ansonsten würde ich die Quattromilf nicht mit zu viel Aufmerksamkeit füttern. Ich habe in ihr Buch reingeschaut. Es ist natürlich pulp oder nach eigener Aussage porno, aber ich muss zugeben, so schlecht liest es sich nicht (wenn man davon absieht, dass die pädagogische Intention schon im "Vorspann" kundgetan wird - es könnte dann interessant sein, ob diese Intention unbewusst konterkariert wird. Es könnte auch interessant sein, zu sehen, wie viel Bukowski, also toter weißer Mann steckt in der Quattromilf) - nur steht anderes auf meinem Lektürezettel.

 

 

 

 

Gracchus

28. Oktober 2021 21:57

Statt also die Quattromilf weiter zu debattieren, könnten die Foristen - vor allem die ungeimpften, für die ja Lockdown ist -, anlässlich der Buchmesse Literaturtipps geben.

micfra

29. Oktober 2021 00:57

Es war mir ein Lesegenuss, dieser Beitrag!

Eo

29. Oktober 2021 12:01

@RMH 28. Oktober 2021 21:25

Das passt auch dazu:

Prof. Bolz spricht von einem kulturellen Bürgerkrieg.

-----

Najanu, der läuft schon länger.
Aber schön, daß ein Prof das auch einmal ausspricht und kundtut. Früher und nicht nur bloß reden, wäre besser gewesen ...

https://neue-spryche.blogspot.com/2014/12/kulturkampf-unausweichlich.html

 

Niekisch

29. Oktober 2021 12:35

"kulturellen Bürgerkrieg."

@ Eo 29. 12:01: Und wieviele Bürger im herkömmlichen Sinne sind daran beteiligt?

RMH

29. Oktober 2021 12:59

@EO,

dass manche Erkenntnis individuell erst spät kommt, davor sind auch Professoren nicht gefeit. Wichtig ist doch, dass es mehr werden, die zu diesen Ergebnissen kommen.

tearjerker

29. Oktober 2021 16:37

@Gracchus

Na gut: Ragnar’s Guide to the Underground Economy / Ragnar Benson. Zwar schon etwas älter, aber immer noch eine gute Einführung, wenn man sich mit dem Aufbau eigener Strukturen beschäftigt und wie man Initiative ergreift, auch wenn bereits die Gegenseite daran arbeitet Einen auszuschliessen.

Ordo

29. Oktober 2021 16:59

@Eo

Den Vorwurf können Sie einem Bolz so nicht machen. Der schreibt schon seit zwei Jahrzehnten Bücher gegen die neue Linke. Er ficht eben mit den Waffen, die ein Professor und Medienwissenschaftler am besten beherrscht, also Stift und Tastatur. Und das auch noch als einer, der ursprünglich ebenfalls von der Frankfurter Schule her kam. Ich wundere mich, dass er immer noch einen Job hat. Aber vielleicht hat sich das mittlerweile auch geändert. Hab ihn länger nicht mehr verfolgt, früher allerdings viel von ihm gelesen. 

anatol broder

29. Oktober 2021 17:51

@ gracchus 21:57

bei utb ist im september das schopenhauer-lexikon (auch auf papier) erschienen. die herausgeber daniel schubbe und jens lemanski stellen im vorwort die herkunft der autoren heraus:

«dieses lexikon ist aber auch noch ein lexikon in einem anderen sinn: wir haben die gelegenheit genutzt, nicht nur schopenhauers werk vorzustellen, sondern auch die weit verzweigte internationale schopenhauer-forschung. an dem vorliegenden lexikon haben insgesamt 76 autorinnen und autoren mitgewirkt, die in 18 ländern europas, nord- und südamerikas sowie asiens beheimatet sind und an verschiedenen forschungs- und bildungseinrichtungen oder als freischaffende autoren und künstler arbeiten. sie sind experten in bereichen der philosophie, literaturwissenschaft, psychologie, linguistik, ökonomie, geschichte, naturwissenschaft, informatik, mathematik oder medizin. damit spiegelt das schopenhauer-lexikon sowohl die vielfältigkeit des schopenhauerschen werkes als auch der aktuellen schopenhauer-forschung wider.»

die autoren sind also alles mögliche ausser afrikanisch. kuhnke würde jetzt sagen, dass die weissen schwänze schubbe und lemanski ein ganzes lexikon herausgeben, nur um schwarze herzen zu diskriminieren. somit wären sowohl das lexikon als auch der verlag rassistisch.

Eo

29. Oktober 2021 23:01

@ Niekisch+RMH

Längst nicht genug.
Die braven Bürger wollen nicht aus der Rolle fallen, auch wenn sie sich schon arg angepißt vorkommen, und meinen noch immer, daß sie am besten fahren, wenn sie sich wie bisher weckducken ...

Und was die Profs angeht,
die genießen ihren Status und achten mehr darauf, diesen nicht zu gefährden. Mit anderen Worten -- Kulturkampf ist denen, von Ausnahmen abgesehen, einfach zu stressig. Dergleichen ja auch mal in echt erlebt vor dreivier Jahren auf dem Neujahrsempfang der Unni Potsdam. Einfach nur beschämend. Nun, da verspreche ich mir zB. doch mehr von den deutschen Gerüstbauern.

 

eike

30. Oktober 2021 01:49

@RMH
"dass manche Erkenntnis individuell erst spät kommt, davor sind auch Professoren nicht gefeit. Wichtig ist doch, dass es mehr werden, die zu diesen Ergebnissen kommen."

Naja, Ende 2021 die Frankfurter Schule zu entdecken und Marcuse zu zitieren, ist zwar nicht besonders originell - da sind Kevin McDonald und viele US sites schon ein paar Jährchen voraus - aber für deutsche Professoren nicht schlecht.

Bereits vor 40 Jahren kamen schon die meisten, die das Theater an den Unis hautnah miterlebten, "zu diesen Ergebnissen".

Ob es heute mehr geworden sind, wage ich anhand der letzten Wahlen zu bezweifeln, eher das Gegenteil.

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