Deutsche Vita: Was woll’n die beiden?

“Spiel mit meiner Nudel, ich bin dein kleiner Pudel.” Der Ohrfloh hatte zugebissen und ließ mich den Rest des Tages nicht mehr los. Wie es sich für seine Art gehört, war er exquisit dämlich. Er stammte aus dem Song "Pudel" des mysteriösen, seit 2025 aktiven Berliner Synthiepop-Duos Deutsche Vita, das in Teilen des rechten Spektrums regelrechten Kultstatus erlangt hat.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Bis­lang kann­te ich es nur vom Hören­sa­gen. Ich hat­te den Ein­druck gewon­nen, daß sei­ne Fans mit ziem­li­cher Sicher­heit davon aus­gin­gen, es han­de­le sich bei den Machern hin­ter den Kunst­fi­gu­ren “Die­ter und Vito” im Rin­ger­shirt um “our­guys”, auch wenn die iro­ni­schen, oft betont alber­nen Tex­te in kei­ner Wei­se poli­tisch sind oder ein­schlä­gi­ge “Bot­schaf­ten” transportieren.

Indi­zi­en waren nicht nur der Name der Band (von Kol­le­gah abge­guckt?) und ihr ein­präg­sa­mes Frak­tur­schrift-Logo, son­dern auch der Umstand, daß sie sich nur mas­kiert zei­gen (ein biß­chen an die “Unsterb­li­chen” erin­nernd), also aus irgend­ei­nem Grund anonym blei­ben wol­len (man weiß, was Rech­ten blüht, die “gedo­xxt” wer­den). Aber auch ande­re Ele­men­te die­ses Pro­jekts sind “rechts­co­diert”.

Da gibt es bei­spiels­wei­se Songs mit Titeln wie “Krieg” (einer ihrer bes­ten) oder “Eri­ka”, ers­te­rer han­delt aller­dings von der Not­wen­dig­keit, daß “alle tan­zen” müs­sen, “auch die Fet­ten und die Tran­sen”, denn “bald ist wie­der Krieg”, zwei­te­rer lockt zwar im Thumb­nail zum Video mit Frak­tur­schrift, dreht sich aber nicht um das klei­ne Blü­mel­ein auf der Hei­de, son­dern um eine Bade­schön­heit mit Kim-Wil­de-Fri­sur ( Eri­ka Ele­ni­ak aus der Serie “Bay­watch”).

Ver­spiel­te Iro­nie steht über­haupt im Zen­trum des Gesamt­kunst­werks Deut­sche Vita, des­sen Ästhe­tik auf der Fik­ti­on auf­baut, es han­de­le sich um eine ver­schol­le­ne Elek­tro­pop-Kapel­le der Neu­en Deut­schen Wel­le, die zwi­schen 1983 und 1992 aktiv war. Zu die­sem Zweck bedie­nen sie sich auch geschick­ter, KI-unter­stüt­zer Fäl­schun­gen von Fern­seh­aus­strah­lun­gen aus die­ser Zeit mit der Optik von abge­nutz­ten VHS-Kas­set­ten. Die Video­clips zu den Songs sind fast aus­schließ­lich schwarz-weiß, was aller­dings auf Zei­ten lan­ge vor den bun­ten Acht­zi­gern verweist.

Deut­sche Vita, deren Musik man auch auf Retro-Ton­trä­gern wie Vinyl, CD und Kas­set­te kau­fen kann, suchen offen­sicht­lich nach aura­ti­schen Wir­kun­gen, wie man sie nur im ana­lo­gen, vor-digi­ta­len Zeit­al­ter erzie­len konnte.

Die Fans spie­len das Spiel augen­zwin­kernd mit, indem sie in den Kom­men­ta­ren in “Erin­ne­run­gen” die­ser Art schwelgen:

Som­mer 1983. Eri­ka und ich, ein alter Käfer, die A3 irgend­wo zwi­schen Duis­burg und nir­gend­wo. Kas­set­te klemmt, Radio rauscht, sie schaut aus dem Fens­ter. Die Hit­ze steht über dem Asphalt wie ein schlech­tes Ver­spre­chen. Ich sag nichts. Sie sagt nichts. Das Fens­ter ist halb offen und ihre Haa­re flie­gen, und ich denk mir – so soll es immer sein. Genau so. Für immer.

Mei­ne Sabi­ne hab ich 1987 in der Dis­ko ken­nen­ge­lernt als die­ser Song lief, es war zwar schon Herbst aber wir haben trotz­dem direkt Som­mer­lau­ne bekom­men. Früh mor­gens bei Son­nen­auf­gang sind wir dann nach­hau­se. Ich hat­te ihr mein Sak­ko umge­legt und sie sich an dem Abend in mich ver­guckt. Fast 40 Jah­re spä­ter tan­zen wir immer­noch oft im Wohn­zim­mer zu die­sem Lied.

Nun hat auch die­se optisch-musi­ka­li­sche Bespie­lung von (in die­sem Fall: west­deut­scher) Acht­zi­ger­jah­re-Nost­al­gie, zumin­dest für man­che, eher rech­te Vibra­tio­nen und Kon­no­ta­tio­nen. In der Blü­te­zeit der “Alt­right”, etwa 2016 und 2017, wur­den betont “retro” klin­gen­de Vari­an­ten und Able­ger von “Vapor­wa­ve” zum Sound­track einer Bewe­gung aus­er­ko­ren, die vor­ran­gig aus Mil­len­ni­als bestand, die weh­mü­ti­ge Gefüh­le gegen­über den “hei­le­ren”, “wei­ße­ren” und opti­mis­ti­sche­ren Zei­ten ihrer Kind­heit und Jugend in den Acht­zi­ger- und Neun­zi­ger­jah­ren heg­ten. Seit­her gibt es eine fixe kon­tex­tu­el­le Ver­bin­dung zwi­schen Syn­thie-Sounds der alten Schu­le, rech­tem “Lebens­ge­fühl” und rech­ten (Online-)Bewegungen.

Ich selbst fand die­sen Rück­griff immer ein wenig zwie­späl­tig. Auch ich hege nost­al­gi­sche Gefüh­le für die Acht­zi­ger und Neun­zi­ger und lie­be die Pop­mu­sik die­ser Zeit, fin­de aber auch, daß sich eine poli­ti­sche Bewe­gung nicht zu sehr auf das Ver­gan­ge­ne oder Ver­lo­re­ne fokus­sie­ren soll (eine Ver­su­chung, die ich selbst nur all­zu gut ken­ne). Mehr noch, konn­te man dar­in eine Unsi­cher­heit lesen, aus der Gegen­wart her­aus zu spre­chen und zu erschaffen.

Man schlüpf­te statt­des­sen in die Mas­ke der Acht­zi­ger­jah­re, und kopier­te eine ver­gan­ge­ne Ästhe­tik (die gewiß immer noch oder schon wie­der gro­ße Popu­la­ri­tät genießt), statt eine neue zu erschaf­fen. Auf die­se Wei­se bleibt man aber im Pas­ti­che und im iro­ni­schen Zitat ste­cken, was man ver­mei­den soll­te, wenn man eine ech­te poli­ti­sche Wir­kung erzie­len will.

Auch “Die­ter und Vito” tra­gen Mas­ken, buch­stäb­li­che und sti­lis­tisch-ästhe­ti­sche, aber ver­mut­lich aus ande­ren Grün­den als einst die “Alt­righ­ter”. In ihrem Fal­le haben wir es eben­falls mit einem (durch­aus weh­mü­ti­gen) Rück­griff zu tun, auf eine Zeit, in der die deutsch­spra­chi­ge Pop­mu­sik eine spek­ta­ku­lä­re Blü­te erleb­te und zum Teil Welt­erfol­ge fei­er­te (man den­ke an Nena und ihre “99 Luft­bal­lons”). Es war aber auch eine Ära des spie­le­risch-iro­ni­schen, pro­vo­ka­ti­ven, nicht sel­ten auch “flir­ten­den” Umgangs mit “faschis­ti­scher” Ästhe­tik und natio­na­len Themen.

Die bekann­tes­te Band die­ser Art war Deutsch-Ame­ri­ka­ni­sche Freund­schaft, deren Kür­zel “DAF” an die NS-Orga­ni­sa­ti­on “Deut­sche Arbeits-Front” erin­ner­te. In einem berüch­tig­ten Song for­der­ten sie “Tanz den Adolf Hit­ler” (und den Mus­so­li­ni, Jesus Chris­tus und Kom­mu­nis­mus), wäh­rend sie in einem ande­ren “Die lus­ti­gen Stie­fel” besan­gen, die “über Polen mar­schie­ren”. DAF cover­ten unter dem Titel “Kebab-Träu­me” auch den Song “Mili­türk” von Fehl­far­ben, der schon 1980 die Über­frem­dung Ber­lins the­ma­ti­sier­te (Refrain: “Deutsch­land, Deutsch­land, alles ist vorbei!”).

Es gab etli­che ande­re Pro­jek­te, die mit sol­chen und ähn­li­chen Ver­satz­stü­cken spiel­ten. Die bereits seit 1970 akti­ven Elek­tro­nik-Pio­nie­re Kraft­werk ver­brei­te­ten eine küh­le, ger­ma­no-futu­ris­ti­sche Aura und spiel­ten mit Kli­schees über den deut­schen Natio­nal­cha­rak­ter. In einem Inter­view mit dem ame­ri­ka­ni­schen Jour­na­lis­ten Les­ter Bangs beton­te Ralf Hut­ter 1975 erstaun­lich expli­zit die natio­na­len Wur­zeln sei­ner Musik:

„Nach dem Krieg“, erklärt Ralf, „wur­de die deut­sche Unter­hal­tungs­in­dus­trie zer­stört. Dem deut­schen Volk wur­de sei­ne Kul­tur geraubt und ihr ein ame­ri­ka­ni­scher Anstrich ver­paßt. Ich glau­be, wir sind die ers­te Gene­ra­ti­on nach dem Krieg, die dies abschüt­teln kann, und die weiß, wo sie ame­ri­ka­ni­sche Musik spürt und wo sie sich sel­ber spürt. Wir sind die ers­te deut­sche Grup­pe, die in unse­rer eige­nen Spra­che auf­nimmt, unse­ren elek­tro­ni­schen Hin­ter­grund nutzt und uns eine mit­tel­eu­ro­päi­sche Iden­ti­tät schafft.

Man sehe sich eine Grup­pe wie Tan­ge­ri­ne Dream an: Obwohl sie Deut­sche sind, haben sie einen eng­li­schen Namen, und so schaf­fen sie auf der Büh­ne eine anglo­ame­ri­ka­ni­sche Iden­ti­tät, was wir kom­plett ablehnen.

Wir aber wol­len, daß die gan­ze Welt unse­ren Hin­ter­grund kennt. Wir kön­nen nicht leug­nen, daß wir aus Deutsch­land kom­men, denn die deut­sche Men­ta­li­tät, die fort­schritt­li­cher ist, wird immer ein Teil unse­res Ver­hal­tens sein. Wir schöp­fen aus der deut­schen Spra­che, unse­rer Mut­ter­spra­che, die sehr ‚mecha­nisch‘ ist, und nut­zen sie als Grund­struk­tur unse­rer Musik. Auch aus den Maschi­nen, den Indus­trien Deutschlands.“

Man könn­te noch etli­che wei­te­re Bei­spie­le aus der Epo­che nen­nen, auf die sich Deut­sche Vita musi­ka­lisch und visu­ell bezie­hen. Eine Band nann­te sich Rhein­gold, eine ande­re Pro­pa­gan­da (hier mit einem von Fritz Lang inspi­rier­ten Lied und Video), wie­der eine ande­re Die Krupps. Frei­wil­li­ge Selbst­kon­trol­le ver­öf­fent­lich­ten 1981 eine Plat­te mit dem Titel “Stür­mer”, auf dem sich unter ande­rem der Song “Otto Hahn in Stahl­ge­wit­tern” fand. Die Band Bres­lau (mehr har­ter Rock als Pop) besang „blon­des Haar mit Sei­ten­schei­tel / und ein kla­rer, hel­ler Blick, / schö­ne blan­ke Leder­stie­fel, / die Uni­form ist schick”, wäh­rend Nichts ein “Deut­sches Lied” anstimmten:

Deutsch sein
Nie­man­dem sagen
Nur Angst vor Fragen
Scham für mein Land

Stolz sein
Ist mir verboten
Ich bin hier geboren
Mich trifft kei­ne Schuld

Ich sing ein deut­sches Lied
Ich sing ein deut­sches Lied
Und will es kei­ner hör’n
Ich sing ein deut­sches Lied!

Spu­ren­ele­men­te die­ses Zugangs fin­den sich auch in den Songs von Deut­sche Vita, gemäß ihrer selbst­ge­wähl­ten Epi­go­nen­rol­le in Form des Zitats, der Anspie­lung auf die Anspie­lung, eines Spiels mit dem Spiel von damals. Wie bei man­chen NDW-Bands die­ser heu­te um so vie­les unschul­di­ger und unbe­fan­ge­ner wir­ken­den Zeit, wirkt ihre Hal­tung zum “Deutsch­sein”, das heu­te ver­bo­te­ner als je zuvor ist, aller­dings ziem­lich “affir­ma­tiv”, und sei es nur in simp­len Zei­len wie: “Ich lebe jetzt die deut­sche Vita, ich lebe im Him­mel hier auf Erden…”

Viel­leicht ist es auch von Bedeu­tung, daß sich Deut­sche Vita an einer Zeit ori­en­tie­ren, in der es noch eine Pop­mu­sik gab, die ganz selbst­ver­ständ­lich und unver­krampft deutsch war und einen ganz eige­nen deut­schen Flair und Cha­rak­ter hat­te. Mehr als einen posi­ti­ven Bezug zum Deutsch­tum, und sei er noch so hauch­zart und unpo­li­tisch gemeint, braucht es heut­zu­ta­ge nicht, um “gecan­celt” zu werden.

Ers­te Erfah­run­gen die­ser Art hat die Band offen­bar bereits gemacht. Am 21. April ver­kün­de­te die Pro­mo­ti­on-Agen­tur Pris­ma ohne Anga­be von Grün­den, sie habe “die Zusam­men­ar­beit mit dem Pro­jekt Deut­sche Vita mit sofor­ti­ger Wir­kung beendet”.

Viel­leicht war dies der Anlaß, war­um sich Deut­sche Vita bemü­ßigt sahen, am 27. April ein State­ment zu ver­öf­fent­li­chen, das vie­le Fans ent­täuscht hat:

Hal­lo Leute,

Es nervt uns ehr­lich gesagt ein biss­chen, so ein State­ment machen zu müs­sen, aber das haben wir uns wohl selbst eingebrockt.
Schein­bar wird Deut­sche Vita von Vie­len als rech­te oder gar rechts­extre­me Band angesehen.

Kurz und klar: Wir sind kein poli­ti­sches Projekt.

Auf die Fra­ge “Seid ihr rechts oder links?” war unse­re ehr­li­che Ant­wort sowohl öffent­lich als auch pri­vat immer: “Wir sind Deut­sche Vita”.

Deut­sche Vita ist in ers­ter Linie ein Kunst­pro­jekt mit Kunst­fi­gu­ren. Für uns ver­dirbt die Poli­tik die Kunst und macht aus ihr lang­wei­li­ge Pro­pa­gan­da. Wir sind nicht unpo­li­tisch, wir sind anti­po­li­tisch. Wir ver­ste­hen die Ver­wir­rung jedoch, zu der wir durch unse­re Ästhe­tik und unkla­re Hal­tung auch bei­getra­gen haben.

Dass das Gan­ze jetzt aber als rechts­extrem ange­se­hen wird, stört uns, weil es nicht stimmt: Wir sind kei­ne rech­te Band. Wir sind auch kei­ne lin­ke Band. Wir sind nicht ein­mal eine Band.

Wir sind zwei Typen, die Musik machen und Spaß haben wol­len. Spoi­ler: Wir sind auch kein Pro­jekt aus den 80ern.

Wir sind nicht dafür ver­ant­wort­lich, wer wie unse­re Musik hört/nutzt. Das kön­nen und wol­len wir nicht kon­trol­lie­ren. Wer nach die­ser Stel­lung­nah­me jedoch noch immer Poli­tik in unse­rer Musik hören will, tut dies auf eige­ne Verantwortung.

Und mal ganz im Ernst, wel­che rechts­extre­me Band singt: “Spiel mit mei­ner Nudel, ich bin dein klei­ner Pudel.”

Wir haben als Künst­ler auch immer den Anspruch, anzu­ecken und zu ver­wir­ren. Die­ser Anspruch birgt auch immer ein Risiko.

Uns ist klar, daß die­se Stel­lung­nah­me für vie­le zu spät kommt, aber die Mas­ke, sei es auch nur kurz, fal­len zu las­sen, war für uns immer ein schwie­ri­ger Schritt, der uns jetzt aber nötig erscheint.

Wem das nicht zusagt, weil Poli­tik wich­ti­ger als Musik ist, kann sich ger­ne ein ande­res Pro­jekt suchen. Davon gibt es genügend.

Und für Alle, die noch da sind: Mas­ke wie­der auf, es geht wei­ter. Mit dem Kopf durch die Wand.

Auch in ihrem neu­es­ten Song, “Rockers” (ein ziem­li­cher Ban­ger), schei­nen sie trot­zig auf die “Ver­wir­rung”, die sie gestif­tet haben, zu antworten:

Die Leu­te reden
Wenn sie uns sehen
Sie sagen: Was ist los?
Und blei­ben stehen

Was woll’n die beiden?
Wer sind die zwei?
Und die­se Masken
Was soll der Scheiß?

Sie sagen: Wart mal
Was singt ihr da?
Soll das wit­zig sein?
Ich komm nicht klar

Ist das verboten?
Ist das erlaubt?
Boah, ist das schei­ße, Alter
Und überhaupt

Wie­so macht ihr daaas??
Wie­so macht ihr daaas??
Macht euch das Spaß??
Hä??

Immer­hin: Deut­sche Vita haben sich nicht “von rechts” distan­ziert und auch nicht von ihren rechts­ge­rich­te­ten Hörern, wie es bei­spiels­wei­se 2016 die Neo­folk-Kapel­le Jän­ner­wein getan hat­te (weil Mar­tin Sell­ner sie moch­te) oder 2009 die Indie-Band Ja, Panik (weil sie “ver­se­hent­lich” der Blau­en Nar­zis­se ein Inter­view gege­ben haben), um nur zwei Bei­spie­le zu nennen.

Den­noch hat die­ses State­ment vie­le Fans ver­är­gert und ent­täuscht, vor allem sol­che, die in Deut­sche Vita eine Art Sze­ne­band erblick­ten. Nicht unbe­dingt, weil sich das Duo als “anti­po­li­tisch” posi­tio­nier­te, was das gute Recht jedes Künst­lers sein soll­te, son­dern weil ihre Stel­lung­nah­me als eine über­flüs­si­ge Unter­wer­fung unter den Druck des Zeit­geis­tes gele­sen wur­de, die sich womög­lich mehr der Angst vor dem sozia­len und gesell­schaft­li­chen Stig­ma als dem Drang zur künst­le­ri­schen Inte­gri­tät verdankte.

Der all­seits bekann­te Punkt ist eben, daß sich nie­mand zu Distan­zie­run­gen ver­an­laßt fühlt, wenn er “links” ein­sor­tiert wird, da mit die­ser Zuord­nung kei­ne Äch­tungs­ge­fahr ver­bun­den ist, die ins­be­son­de­re für Künst­ler im Show­busi­ness pures Gift ist. Aus die­sem Grund haben Stel­lung­nah­men die­ser Art immer ein gewis­ses “Geschmäck­le”, wer­den von man­chen Fans als Ver­rat, Umkip­pen, Feig­heit und Anbie­de­rung emp­fun­den. Ich den­ke, daß es in die­sem Fall kei­nen Grund zur Auf­re­gung gibt: Man soll die bei­den in Ruhe ihr Ding machen las­sen, das ihnen ganz offen­sicht­lich sehr viel Spaß bereitet.

Ich sel­ber weiß nichts über “Die­ter und Vito” und ihre tat­säch­li­chen poli­ti­schen Über­zeu­gun­gen. Sie haben objek­tiv recht, daß es absurd ist, ihr Pro­jekt als “rechts­extrem” abzu­stem­peln, auch wenn es, wie gesagt, aus ver­schie­de­nen atmo­sphä­ri­schen, ästhe­ti­schen und kon­tex­tu­el­len Grün­den wohl eher rechts- als links­ge­rich­te­ten Men­schen zusagt. Das eigent­li­che Pro­blem liegt weder bei Deut­sche Vita noch ihrem State­ment, son­dern in dem Umstand, daß Künst­ler (und nicht nur die­se) heu­te nach ihrer Gesin­nung und nicht nach ihrem Werk beur­teilt wer­den. Auf die­se Wei­se wer­den vie­le talen­tier­te Künst­ler dar­an gehin­dert, sich wei­ter­zu­ent­wi­ckeln und eine Publi­kums­ba­sis aufzubauen.

Künst­ler kön­nen, wie alle ande­ren Men­schen auch, star­ke poli­ti­sche Über­zeu­gun­gen haben, und es gibt vie­le Fäl­le, in denen die­se auch ihre Kunst maß­geb­lich inspi­rie­ren und prä­gen. Gera­de die Rock- und Pop­mu­sik ist voll von ein­schlä­gi­gen Bei­spie­len. Dar­an ist an und für sich nichts ver­kehrt, solan­ge das nicht zu “lang­wei­li­ger Pro­pan­da” führt (es gibt ja auch “span­nen­de” Pro­pa­gan­da). Ich den­ke, es sind meis­tens eher die Talen­tier­te­ren, die dazu ten­die­ren, poli­tisch unsi­che­re Kan­to­nis­ten zu sein, weil Künst­ler nun ein­mal eine ande­re, eher intui­ti­ve Art haben, die Welt zu ver­ste­hen und zu inter­pre­tie­ren als Men­schen, die einen eher ana­ly­ti­schen Zugang haben.

Ich fin­de jeden­falls über­haupt nicht, daß Kunst prin­zi­pi­ell a- oder anti­po­li­tisch sein muß. Aber gera­de im rech­ten Spek­trum fin­den sich häu­fig bemüh­te Men­schen, deren poli­ti­sche Lei­den­schaf­ten grö­ßer als ihr Talent sind, was ihren Appeal auf klei­ne Krei­se beschränkt, die haupt­säch­lich eine “Mes­sa­ge” kon­su­mie­ren und abfei­ern wol­len. Das ist auch “meta­po­li­tisch” gese­hen ein eher mage­rer Ertrag.

Ide­al wäre eine poli­ti­sche Band, die so gut ist, daß man sie auch als unpo­li­ti­scher oder gar poli­tisch kon­trä­rer Hörer lie­ben kann (wie ich etwa Crass, Dead Ken­ne­dys, Sex Pis­tols, Minis­try oder Raz­zia mag). Auf die­sem Gebiet waren lin­ke Musi­ker ohne Zwei­fel weit­aus erfolg­rei­cher als rech­te, wenn man sich etwa das Desas­ter des Rechts­rock­gen­res ansieht, das nur sehr weni­ge gute Songs her­vor­ge­bracht hat.

Aus die­sem Grund haben sich wohl so vie­le Hörer gewünscht, Deut­sche Vita mögen doch “unse­re Ker­le” sein oder sich gar offen als “rechts” posi­tio­nie­ren, wäh­rend sie Musik machen, die zugleich nach innen sze­ne­taug­lich und nach außen anschluß­fä­hig ist, die unter­hält, ohne zu indok­tri­nie­ren, die ech­te Ohr­wür­mer her­vor­bringt und einen unver­wech­sel­ba­ren Sound erschafft. Immer­hin haben die bei­den die “Erlaub­nis” gege­ben, ihre Musik zu hören und zu nut­zen, wie man will, auf eige­ne Gefahr und Ver­ant­wor­tung. Die Aneig­nung durch das Publi­kum ist sowie­so ein natür­li­cher Vor­gang, den kein Künst­ler ver­hin­dern kann.

Deut­sche Vita sind zwei­fel­los sehr talen­tiert, auch wenn ihre Musik nicht über­mä­ßig ori­gi­nell ist, was frei­lich Teil ihres Retro-Kon­zep­tes ist. Es muß und kann nicht jede Band das Rad neu erfin­den. Bei Deut­sche Vita sehe ich ein biß­chen eine Sack­gas­se dräu­en, in die sie der nost­al­gi­sche Eska­pis­mus füh­ren könn­te. Der Schmäh mit der Acht­zi­ger­jah­re-Optik wird sich bald erschöp­fen, und könn­te mög­li­chen Ent­wick­lun­gen im Weg stehen.

Damit mei­ne ich frei­lich nicht, daß sie den musi­ka­li­schen Stil auf­ge­ben sol­len, der sie offen­sicht­lich begeis­tert und inspi­riert und zu ihrem Mar­ken­zei­chen gewor­den ist. Aber ich stel­le es mir reiz­voll vor, mit dem Syn­thie­sound der Acht­zi­ger eine Musik mit­samt dazu­ge­hö­ri­ger Optik zu schaf­fen, die aus der Gegen­wart der 2020er Jah­re spricht, statt in eine ver­klär­te Ver­gan­gen­heit zu flüchten.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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Kommentare (61)

Maiordomus

8. Mai 2026 10:54

Was da von ML präsentiert wird, ist zu mittelmässig, als dass man als noch rechtskonvervativer Bildungsbürger mit immerhin Kulturalisation um 1968 darauf noch abfahren könnte. Dies ganz im Gegensatz zum variété identitaire, so der deutsch übersetzten Singversion von Avanti Ragazzi du Buda und weiteren Nummern, es muss nicht unbedingt die Anhimmelung von Wagenknecht sein, was von dort zwar auch gekommen ist. Wie heisst das Sängerpaar, das zusammen wunderbar "Vorwärts, Jugend von Buda" singt? Heisst die in der Tat aus meiner Sicht attraktive Sängerin Melandie Schmitz oder ist es doch eine andere? In dieser Richtung sollte man, wenn schon, weitermachen. Nicht zu vergessen die Pflege des nichtkitischigen Volksliedes, in der Schweiz unübertroffen "Simeliberg", eine der schönsten ländlich konservativ in Moll intonierten Liebesromanze mit dem "Vreneli ab em Guggisberg" und "Simelis Hansjoggeli ennet am Berg" im bürgerlichbäuerlichen Anklang an "Es waren zwei Konigskinder", letzteres Lied nach Goethe nach wie vor sangbar so wie Mörike und Brentano es verdienen würden, neu und heutiger vertont zu werden. Auch das Thule-Lied bleibt eigentlich unübertrefflich, nur ist die Gesamtqualität der slawischen Lieder leider den deutschen wohl überlegen und in ihrer Atmosphäre ganz sicher hundertprozentig "unlinks", immer heimatbezogen-patriotisch.  

Maiordomus

8. Mai 2026 11:46

"Avanti Ragazzi d i   Buda, avanti Ragazzi di Pest" beginnt das Lied, das mich als nachmaligen R e c h t s k o n s e r v a t i v e n  an meine Politisierung durch den Ungarn-Aufstand gemahnt, eine Erinnerung auch daran, dass konservativ nie nur bedeuten darf, "stille zu sitzen", was notabene eine einseitige Auslegung von Neutralität wäre. Der Begriff der bewaffneten Neutralität stammt als Metapher überraschenderweise von Sören Kierkegaard (1813 - 1855), was zur Zeit des 2. Weltkrieges dem Schweizer Feldprediger und späteren Dichter Kurt Marti aufgefallen ist. Das Variété identitaire hat indes das Ungarnlied sehr schön in eine deutsche Version gegossen. Wie Sänger und Sängerin wirklich heissen, weiss ich leider nicht, nehme an, Herr ML kann mir da Auskunft geben, auch wie es mit dieser Gruppe weitergegangen ist. Auch von der oben als rechte Sängerin vermuteten Frau Schmitz habe ich lange nichts mehr gehört.
PS. Als ich den ungarischen Schriftsteller Istvan Bekeffy bei der ersten Begegnung als (vorübergehenden) Flüchtling u. vermeintlichen Freiheitskämpfer bewunderte, erklärte er mir, als kommunistischer Jude vor dem Mob der Aufständischen geflohen zu sein.   

MarkusMagnus

8. Mai 2026 11:54

Zum Thema Kultur:
Ich bin der Meinung das es eine Art "rechtes" Volks-Theater geben sollte.
Wo wir -mit Witz und Humor- die Absurditäten dieser Republik und der Linken und Antideutschen der Lächerlichkeit preisgeben.
Ich hätte da voll Lust drauf.

Karl Otto

8. Mai 2026 12:21

Werde nie verstehen, wie man sich solche öden Maschinenklänge freiwillig anhören kann.

Alex Schleyer

8. Mai 2026 12:32

Selbstredend hat Lichtmesz Meinung und Gedanken zum Thema; äußerst fundierte natürlich! Und natürlich wünschen sich die ersten jene "ländlich konservativ in Moll intonierten" Schmonzetten, wo rotweingerötete Rentnergesichter, angeheizt von Marianne und Michael, auf der Kaffeefahrt zu klatschen. Der übliche "volkstümliche" Müll, der auch auf dem bunten Abend des CDU-Ortsverbands laufen könnte. Wer wirklich "identitäre" Musik hören will, möge zu Country greifen. Wer einfach nur Musik genießen will, dreht das auf, was ihm gefällt. Sei es Bach oder Bad Religion, Mendelssohn oder Motörhead - das künstlerische Spiel mit Ästhetik ist im Idealfall undurchschaubar. 

ML: Gretchen Wilson hab ich von Dir übernommen! :)

Eo

8. Mai 2026 13:56

Najanu, die Namensgebung 'Deutsche Vita' dieses Duos scheint mir doch mehr auf 'dolce vita' abzuzielen und bezieht also daher auf ironisierende Art Klang und Wirkung.

Ein gebuertiger Hesse

8. Mai 2026 14:03

Ja, die beiden sollten ihr 80er-Nostalgie-Ding loswerden (Kim Wilde ist nur noch wild für Männer, die inzwischen glauben sich die Haare färben zu müssen) und sich mehr im Heute postieren. Die Anspruchs-Latte haben die beiden selbst hoch gelegt. Good luck to them!

RMH

8. Mai 2026 14:59

Die Combo (Rockers ist wirkliche ein "Banger") hat mir "mein" YouTube Algorithmus auch schon vor einiger Zeit einmal hevorgespült. Mit "Rechts" hätte ich die aber nicht in Verbindung gebracht. Liegt aber evtl. auch daran, dass ich den meisten 80er-Jahre-Scheiß als junger Mensch in echt erlebt habe und die 80er weit weniger als vermeintlich heile Welt in Erinnerung habe, wie andere. In den 80ern war vieles völlig normal und unverdächtig, was heute "rechts" und damit vor allem verurteilend eingordnet wird. Das wäre dann mal was Positives aus dieser eigentlich eher grauen & depressiven Zeit. Retro-Sachen kann ich meist nicht mehr als 1 Lied ertragen - mein Keller ist noch voll mit Tonträgern aus den 60ern (geerbt) bis Anfang der 2000er, da liegt der Griff zu den echten, damaligen Songs näher. Dennoch: Wem es gefällt, der mag das hören. Mein YouTube- Algorhitmus hat mir vor kurzem auch das hier präsentiert:
https://youtu.be/cjp7tlgRsLU?si=E7wfqPgTmLMRg74D
Klingt Irgendwie mittlerweile so retro & nach Senioren, die nicht aufhören wollen, wie die Stones auf ihrer 125ten Welt-Tournee. Hält mich Youtube also für rechts? Wo und wie kann ich YouTube jetzt auf Unterlassung verklagen?
PS: Der Artikel von M.L. war mal wieder Lesefreude für mich, danke. 
 

RWDS

8. Mai 2026 15:16

Es gab in meinem musikalischen Werdegang keinen befreienderen Moment als den, an dem ich aufgehört habe, mir über aufgedrückte Hörverbote Gedanken zu machen oder mich sogar an diese zu halten.
Das Statement mag nicht so stabil daherkommen wie man es sich wünschen würde, aber ist damit für den gemeinen Linksalman immer noch gefährlich grauzonig.
Im Übrigen muss eine Band sich auch nicht immer entwickeln. Ein Demo und ein Album und dann darf es auch gut sein. Alleine die Fragezeichen, die DV bis dato aufgerufen hat, sind ein Stück Musikgeschichte.

Jan

8. Mai 2026 15:37

"Erika...eine Badeschönheit..."
 
Nicht irgendeine Badeschönheit. Bei der Dame im Video handelt es sich um keine geringere als Erika Eleniak. DIE Baywatch-Badenixe, bevor Pamela Anderson kam. Die Szenen mit ihr sind allesamt aus der Baywatch-Serie. Also kalifornische bzw. amerikanische TV-Ästhetik, die durch Riefenstahl-Olympia-Schwarz-Weiß und Frakturschrift nicht so auffällt. Aber vielleicht liegt hier ja auch der künstlerische Trick: Wie stark die Riefenstahl- und NS-Körperkultästhetik die Schönheitsideale der westlichen Fitness-Industrie und Hollywoods beeinflusst hat. I don't know. Vielleicht auch nur meine Interpretation und die Künstler haben sich nichts dabei gedacht...oder irgendwas anderes.     

ML: Lustig, ich hab ernsthaft nie Baywatch geschaut!

Herold

8. Mai 2026 16:11

Die Übernahme/Vereinnahmung von L’amour toujours war der größte metapolitische Erfolg dieses Bereichs in den letzten ... zehn Jahren? Am Ende ist die Art der Musik gar nicht so entscheidend, sondern das, was in den Köpfen der Leute passiert, wenn sie sie hören. So kann man heute eben genanntes Stück nicht mehr ohne den entsprechenden Text hören, wenn man das einmal erlebt hat, genau wie man Indilas Dernière Danse nicht ohne Tate hören kann, wenn man die Assoziation einmal entwickelt hat. Allesamt Stücke, die völlig unpolitisch oder gar "auf der anderen Seite" sind. Man kann hier Landnahme betreiben und Köpfe ernten. Und es triggert die Gegenseite wunderbar.
Rechte Musik bzw. Kultur ist schon deshalb schwierig, weil der Kunstbetrieb nunmal ein Milieu ist, das heute entweder von großen Erfolgen, Nichtwahrnehmung oder aber "Förderung" beherrscht wird - wenn gefördert wird, wird's politisch und wenn's politisch wird, wird's links. Würde ja EinProzent mit mehr Funds sehen, die auch Kulturbetrieb machen, aber das ist wohl nur ein wilder Traum.

Carsten Lucke

8. Mai 2026 21:39

" ML : Lustig, ich hab ernsthaft nie Baywatch geschaut ! "
Na, ich weiß nicht... Hoffentlich haben Sie zu dieser Zeit wenigstens mal im "Playboy" geblättert !?

ede

8. Mai 2026 23:40

Falco ist der Maßstab. Finde ich. 

Laurenz

9. Mai 2026 05:40

@Carsten Lucke @ML ... ich bin 61 & habe auch noch nie Baywatch geschaut, so what? ... @ML ... interessanter Artikel. Die Neue Deutsche Welle Nummer ist gut gemacht, keine Frage. Aber alleine der Name & die Schrift provoziert, ähnlich aller Tabubrüche Rammsteins. Wer das nutzt, sucht Aufmerksamkeit mit dem Reiz des Anrüchigen. Sehe das noch viel radikaler, als Sie, ML. Selbst die ganzen Hofschranzen & linken Lackaffen, wie Gröli, die Ärzte & Co. singen Deutsch & sind damit Rechts. Deutsch vertonen ist Rechts, da braucht sich kein Linker was vorzumachen. Daran sind nicht wir schuld, sondern eben die ganzen Prinzen & Lindenbergs in unserer Geschichte. Rammstein & Knorkator sind Post-NDW-Bands aus den 90ern, beide würden sich auch nie als rechts sehen. Aber es ist die Perfektion in einer Art Preußischen Wahns, die beide ausmacht. Man braucht sich bloß das Publikum von Knorkator anschauen, kein einziger Beute-Orientale. Hier der älteste Schlager von denen (98) in 2023. https://youtu.be/T9eA_ftp7vM?list=RDT9eA_ftp7vM Die Kirche sang/sprach kosmopolitisch Latein, der Adel sprach Französisch, man schrieb Opern in Italienisch. Der Weg hin zum Deutschen Ausdruck ist völkisch identitär. Gestern lief mir wieder ein neue Clip aus der Clip-Flut des Deutschlandkuriers über den Weg. 

Laurenz

9. Mai 2026 06:11

@ML (2) ... https://www.youtube.com/shorts/MFc01fIpI4Q?feature=share Mir fiel sofort die Musik auf & mußte recherchieren, wer das ist. Die Nummer arbeitet um https://youtu.be/AX94Ex0PQmo?list=RDAX94Ex0PQmo die 1. Strophe des Gedichts "Der Tod in Flandern". Mir gefällts. Es wurde Hermann Löns zugeschrieben, man weiß aber nicht, wer der Autor ist. Vertonte wurde es von https://de.wikipedia.org/wiki/Elsa_Laura_von_Wolzogen in 1917. Die Melodie der Intonierung von Wolzogens soll auf ein Nonnentanzlied aus dem 15. Jahrhundert zurückgehen, was ja schon die reinste Ketzerei ist. Nonnen tanzen nicht.

Maiordomus

9. Mai 2026 06:51

@ML. Nachträglich glaube ich, dass Ihnen abermals ein respektabler Essay gelungen ist, siehe auch den Abschnitt, "dass alle tanzen müssen". Ich verstehe unterdessen Unmut Ihres Kollegen @A. S., der Sie wohl auf Anhieb verstanden hat. Dabei empfand ich aber nicht Ihren Aufsatz, sondern den nicht kommentierbaren benachbarten von GK über das Wandern in Weissen Nächten in Rumänien als einen der absolut besten in SiN seit langem, es wird dabei klar, dass alle vermeintlichen Experten über die deutsche Rechte und die tonangebende Journaille natürlich nichts wissen von dieser Geisterwelt und versteht man ohne die Gesamtlektüre des Heftes Sezession incl. Vorgänger Criticon von der deutschen Rechten etwa so viel wie von historisch-kritischen Ausgaben altchinesischer Literatur. Mir gefiel indes der GK-Aufsatz mit Wandern in der rumänischen Nacht deswegen, weil mich an den siebenstündigen Film "Satantango" erinnernd, wo freilich Tanz und Musik vorkommt, die ein für alle mal, @Schleyer, nicht mit dem "bunten Abend" eines CDU-Ortsverbandes zu verwechseln wäre. Wollte Sie, @ML, längst fragen, was Sie von Bela Tarr halten, der für mich nebst Dreyer, Bresson und hauptsächlich Tarkowsky nebst Bergman, Truffault, Lean, Hitchcock und den Italienern, natürlich noch Kurosawa, zu den mich prägenden Grössen  der Filmkunst gehört, siehe noch Rocco und seine Brüder.  

RMH

9. Mai 2026 09:34

@Laurenz,
eine frühe popkulturelle Aneignung von "In Flandern reitet der Tod" (oder wie man es auch nennt, gibt verschiedene Titel) schlug sich in einem kleinen Szenehit in der Dark-Wave/Gothik Szene vor über 30 Jahren nieder.
https://youtu.be/fMxs_d7F0Lk?si=6zitIUMmh_tckecy
Im Liederbuch des Bundesverbandes der Soldaten der ehem. Waffen-SS, "Lieder, die wir einst sangen", findet man es in der Version als Volkslied und dem v. Wolzogen Text mit Noten auf Seite 39 unter dem Titel "Der Tod reit´t auf einem kohlschwarzem Rappen".

Le Chasseur

9. Mai 2026 12:51

@ede"Falco ist der Maßstab. Finde ich."
Maßstab wofür? Absolute Coolness?
https://youtu.be/5PjsE2sEkZg?si=xclrRlImWFa0En3p

Ein gebuertiger Hesse

9. Mai 2026 13:05

@ede
"Falco ist der Maßstab. Finde ich."
Thanks for the reminder. Sie haben Recht.
Eins der besten Musikvideos der Welt.
 

Laurenz

9. Mai 2026 14:17

@Le Chasseur ... ähm nein. Abgesehen davon, daß ich, als Süd-Piefke, Hansi Hölzel als https://www.youtube.com/shorts/ZurCo4xdEIA?feature=share typischen Wiener empfinde, war Er einfach ein guter Musiker mit einer außergewöhnlichen, wiedererkennbaren Stimme, was selten ist. Er war von der Lage her fast ein Tenor, was günstig für Rock- oder Popmusik ist. Dazu war Er weltweit einer der ersten Rapper & der erste weiße Rapper überhaupt. Daß Ihm der Erwartungsdruck & die Popularität nicht so ganz bekommen sind, macht Ihn nicht zu einem Einzelfall, sondern zu einem sehr menschlichen Zeitgenossen, den man einfach gerne haben darf. Nicht nur Österreich darf auf Falco stolz sein. Falco & Rammstein sind unsere kulturelle Rache für 2 desaströse Weltkriege.

Monika

9. Mai 2026 16:06

Etwas andere Stilrichtung, vertonte Dichtkunst von Achim Reichel 1978. DIE REGENBALLADE
Immer noch gut! Die  gesungenen Gedichte ( Herr von Ribbeck, Der Zauberlehrling, Die Regenballade von Ina Seidel u.v.a.) . Das laut am Lagerfeuer abgespielt. Die Kinder lernen die Gedichte wie am Schnürchen. Gruß an Tino 😉
https://www.youtube.com/watch?v=TwbxWlJlHzc
 

Monika

9. Mai 2026 16:12

Und noch die Regenballade von Ina Seidel, gesungen von Achim Reichel. Für alle vom "trockenen Geschlecht" 
https://www.youtube.com/watch?v=WmiBxPlv6kg

Majestyk

9. Mai 2026 17:27

"Vielleicht ist es auch von Bedeutung, daß sich Deutsche Vita an einer Zeit orientieren, in der es noch eine Popmusik gab, die ganz selbstverständlich und unverkrampft deutsch war und einen ganz eigenen deutschen Flair und Charakter hatte."
Wann soll das gewesen sein? Zu Zeiten von Peter Alexander, Peter Kraus und Cornelia Froboess? Was war denn an Rio Reiser, Geier Sturzflug, Ärzte, Tote Hosen, Ina Deter und Co. positiv deutsch? Ich fand die Neue Deutsche Welle übrigens als Jugendlicher schon besch...eiden. 
Der Gedanke an einer einheitlich nationalen Musikkultur krankt schon daran, daß es so etwas noch nie gab. Musik jenseits eines kommerziellen Mainstream ist regional verankert, siehe Alpenraum. Selbst in den USA ist Country vor allem Musik der Südstaaten, Appalachen und Texas/ Arizona. 
Klassische Musik war nie Musik des Volkes, sondern wurde für Bildungsschichten produziert und die verachten meist das eher Volkstümliche. Musik wird auch nach Ethnien, Schichten oder Generationen gehört, sogar nach politischen Überzeugungen oder tanzen hiesige Teilnehmer zu Feine Sahne Fischfilet? 
Den Gedanken Musik würde politische Veränderung auslösen halte ich für seltsam. Man erreicht die eigene Klientel und stößt die anderen ab. Politische Veränderung entsteht durch große Krisen, Niederlagen oder Staatszusammenbruch. Das durchzieht die deutsche Geschichte.

Diogenes

9. Mai 2026 23:18

Mir fällt gerade ein Vergleich ein, den "man" musikalisch-visuell aufarbeiten könnte. Remigration in Deutschland vs. Odysseus Ankunft nach seinen Irrfahrten in seiner Heimat, wo die "Freier" (ausländische Messerstecher, Vergewaltiger) seine Gemahlin umlagern und das Königreich an sich reißen wollen. Diese Erzähle aus der Ilias ist doch im übertragenen Sinne das perfekte Spiegelbild zu den Zuständen in den deutschen Landen und Städten. 
 
Nur so ein künstlerischer Blitzgedanke, da es hier um Musik und Transport von Fakten u. Ideen mehr oder minder geht. Und natürlich ist Musik kultureller Schöpferausdruck in seiner Melodie und Harmonie Klanggefüge/Klangkunst.
 
Das ist alter Brei. Es gibt dazu wissenschaftliche Experimente voneinander getrennte Wassergläser mit unterschiedlichen Frequenz- und Tonlagen zu beschallen. Genauso fühlst sich das Kind im Mutterleib zu Beethoven Melodien wohl, während es sich vor schrägen Tönen fürchtet und gegen den Mutterleib tritt.. 

Ein gebuertiger Hesse

9. Mai 2026 23:20

Wenn 'mer schon von Falco reden, hier ein Paar Minuten und das Wochenende wird gut werden: https://youtu.be/TJm4S5Tg4SE?t=140
 

Laurenz

10. Mai 2026 05:16

@Majestyk ... mit der Erlaubnis der Redaktion, muß ich Ihrem letzten Kommentar hart widersprechen. Im Deutschsprachigen Raum konnten zur Zeit Mozarts schon viele lesen & schreiben. Gegen die musikalische Bildung der damaligen Masse sind wir seit der Existenz von Tonträgern zu absolut primitiven Proleten mutiert. Es tanzt heute keiner mehr Polka. Moderne Pop-, Techno-/Rockmusik ist der Marschmusik nachempfunden. Ganz selten mal ein 3/4-Takt (Mull of Kentyre oder One Caress https://youtu.be/aTlecVVh1NQ?list=RDaTlecVVh1NQ) oder ein 6/8-12/8 Takt (Shine on You crazy Diamond https://youtu.be/CiXNIjGX1hY?list=RDCiXNIjGX1hY). Hits aus der Zauberflöte wurden vereinfacht im Klaviersatz, heruntergestimmt (wer kann schon das 3-gestrichende Fis singen, wie Diana Damrau). Hier eine insznierte Nachempfindung,  https://youtu.be/yvZ10m4Ose4 wie das früher in Kneipen ablief. Selbst in den 20/30ern war die musikalische Ausbildung unserer Altvorderen auch ganz unten in der Gesellschaft besser, als unsere heute. Es war auch in meiner sehr kleinbürgerlichen Familie üblich, abends im Satz zu singen. Auch Librettos waren viel freizügig, aber tiefsinnig frivoler als heute. Man scheut es heute, Texte von Artur Rebner (Jude) oder Bruno Balz (schwul) zu intonieren, weil nicht politisch korrekt. Hier, nur die 1. Strophe geht noch. https://youtu.be/_VZ0NaNLKuM?list=RD_VZ0NaNLKuM von der Harmonik ziemlich rockig.

RMH

10. Mai 2026 10:19

@Majestyk, es kommt darauf an, wie kleinteilig man die Genres etc auslegen will oder nicht. RIo Reiser hat mit Ton Steine Scherben schon Maßstäbe für kulturelles AgitProp gesetzt, Ärzte & Hosen waren in den Anfangsjahren in der Tat Punk & Nonkonform (durften sich dann auch distanzieren, heute würden die Ärzte selbstredend nie mehr so etwas humoristisch auf den Punkt Bringendes wie "Eva Braun" veröffentlichen). Alle Genannten waren auch nicht echte NDW (die ein Beispiel für das Wirken der Kultuindustrie nach Adorno/Horkheimer ist). Aber egal, ich brauch diese Combos nicht zu verteidigen, der Punkt ist, wenn man das Kleinteilige verlässt & sich die Kuluturräume insgesamt ansieht, dann leigen sie mit der These "Der Gedanke an einer einheitlich nationalen Musikkultur krankt schon daran, daß es so etwas noch nie gab." falsch. Gerade Europa hat der Welt die in Notenschrift festhaltbare, damit wiederholbare Musik mit Harmonien& Melodien geschenkt, wo andern Orts der durch Nachahmung tradierte Rythmus im Vordergrund stand. Worum beneiden den uns Asiaten, wenn sie ein gewisses Bildungsniveau haben? Richtig, um Bach, Beethoven, Mozart et. Das größte Geschenk des weißen Europas an die Welt ist die Musik. "Wo man singt, da lass dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder." 

RMH

10. Mai 2026 11:32

@Monika, schön, dass Sie auf A. Reichel hinweisen. Ein Künstler, der immer unterbewertet war, weil er sich nicht so recht in Schubladen pressen lies & tatsächlich nicht nur auf 1 Album versuchte, dt Volkslieder in eine Art von zeitgenössische Musik zu bringen. Angefangen von seiner Zeit mit den Rattles, die ihre Anfänge wie die Beatles im Star Club HH hatten, wo er dann für den Wehrdienst (!) ausgestiegen ist, über eine "Prog" Zeit, bei der er all den Intellektuellen zeigte, wie fast schon lächerlich easy "Krautrock" geht, wenn man Instrumente & eine Tonbandmaschine bedienen konnte (legendär "Die grüne Reise"), fand er die bis heute andauernde Phase, in der er voll auf dt Texte setzte, ohne damit in den Schlager abzurutschen, & dabei eben gerne entweder auf Seemanslieder (Shantys), alte Volksweisen & Gedichte zurückgriff, oder aber sich von zeitgen., dt Autoren Texte schreiben lies (ebenfalls mittlerweile "Kult", die Lieder aus der Zeit der Zusammenarbeit mit J. Fauser). A. Reichel mag auf den esten Blick nicht "Szene-" oder Feuilleton-taulich sein, im Rückblick hat er aber mehr für die Verwendung dt Sprache in Pop & Rock getan, als andere, die dafür regelmäßig genannt werden.

RMH

10. Mai 2026 14:25

"Gegen die musikalische Bildung der damaligen Masse sind wir seit der Existenz von Tonträgern zu absolut primitiven Proleten mutiert."
Absolut richtig. Wenn es früher, also im letzten Jahrhundert, irgendwo ne kleine Runde gab, bei der man mit Familie oder anderen beim Bier oder Wein zusammensaß, hatte meist irgendwer eine Quetschkommode dabei und es wurde dazu gesungen, statt gestritten oder irgendwie herum diskutiert. Das war auch in einfacheren Kreisen ziemlich normaler Standard. Evtl. gab es auch deshalb weniger Streit in den Familien, weil mehr gesungen wurde, statt naseweis dem anderen Vorhaltungen zu machen oder an ihm herumzuerziehen, wie es heute der Fall ist.

Karl

10. Mai 2026 14:46

@Monika @RMH
Achim Reichelts Goethe-Balladen (Erlkönig, Zauberlehrling) und das Lied "Der Spieler" (Rolling Stone zählt es zu den „besten deutschen Songs“ überhaupt), und das Album "Regenballade": herausragend!

ede

10. Mai 2026 15:28

@ le Chasseur:
"Maßstab wofür?"
Kulturführerschaft
Oder wie es eine Flugzeugfirma mal bescheiden ungefähr so formulierte:
Vor uns ist nichts mehr. Nur noch der Fortschritt. Und hinter uns steht die Nation. Wenn sie weiß, was gut für sie ist. 

tearjerker

10. Mai 2026 16:08

Wollt ihr, dass die Erde sich bewegt? Euch gehört die ganze Erde Und alle Sterne gehören euch Eure Sterne, nehmt sie euch Eure Erde, nehmt sie euch Die ganze Erde, die ganze Erde Wollt ihr, dass die Erde sich bewegt? Bewegt euch!

Laurenz

10. Mai 2026 16:36

@RMH & Majestyk ... auch mit der NDW ist das Deutsche Abendland noch nicht untergangen. Peter Schilling hatte seinen großen Weltraum-Schlager, Major Tom,  in 1982. Diese a capella Chor-Version braucht man nicht von der Bettkannte stoßen. Die Mehrheit der Sänger waren 1982 noch nicht geboren. https://youtu.be/SrzgTXSe4co?list=RDSrzgTXSe4co

RMH

10. Mai 2026 17:13

@Karl,
beim Erlkönig ist natürlich Schuberts Vertonung der Maßstab.
Bei den neuzeitlichen Vertonungen können Sie sich neben der Fassung von Reichelt ja auch einmal die Fassung von "Forseti" anhören (ich verlinke nicht, findet man aber bei YT). Forseti ist ohnehin der Tipp für "Neofolk" aus Deutschland (leider gibt es die Formation aus gesundheitlichen Gründen des Band-Gründers nicht mehr), gehe davon aus, dass viele hier die Gruppe kennen. 
 

Gracchus

10. Mai 2026 17:39

Was ich mir jetzt angehört, lässt sich durchaus hören. Ich hab aber den Anschluss verloren an die aktuelle Popkultur. Ist es nicht so, dass diese sich nurmehr in einer Retroschleife bewegt?
Wenn Pop sich durch affirmativen Gegenwartsbezug auszeichnet, müsste dieser auch die aufbrechenden rechten Tendenzen spiegeln; "rechts" mit gollumartigen Neonazi-Karikaturen, wie es aber die abgehängten ÖRR-Produktionen nicht müde werden zu tun, zu identifizieren, ist eigentlich vorbei. Da "neurechts", folgt man Christian Illner, noch etwas undefiniertes hat ("weltoffen"), kann dies auch künstlerisch reizvoll sein. "Rechts" könnte in dem Konzext weniger ein weltanschauliches Bekenntnis heißen als die Verteidigung künstlerischen Eigenwillens und -sinns.
 
 

Gracchus

10. Mai 2026 17:54

@Maiordomus: Meine Regisseur-Liste sähe etwas anders aus. Was ist zum Beispiel mit Herzog, Murnau, Lang? Oder mit John Ford? The Searchers hat bei Lichtmesz Lichtspielführer zurecht 5 Sterne bekommen. Vielleicht habe ich was übersehen, aber kein Film jüngeren Datums - sagen wir vor 1980 - hat 5 Sterne bekommen.
Vielleicht war ich in meiner Jugend "intellektueller", aber heute sagt mir das europäische Kunstkino weit weniger zu. 
 

Gracchus

10. Mai 2026 18:13

@Majestyk: Dem Tenor nach würde ich Ihrem Kommentar zustimmen. Eine national einheitliche Musikkultur gab und gibt es nicht. Volk ist wohl eine romantische Imagination - die Märchen der Gebrüder Grimm kommen so wenig unmittelbar aus dem Volk wie Des Knaben Wunderhorn. 
Imagination schafft aber Wirklichkeit. Davon handelt Endes Unendliche Geschichte - ein sehr wahrhaftiges Buch. Es passt aber zur deutschen Nachkriegskultur, dass fantasy in die unernste Ecke abgeschoben und nicht für voll genommen wurde. 
Ich würde jetzt nicht sagen, dass Pausewangs "Die Wolke" die deutschen Atomkraftwerke in die Luft gesprengt hat. Aber das Buch hat sicher zu einem Klima beigetragen, in dem solche Entscheidungen möglich wurden. Man kann weitere Themen finden. Das Muster ist immer dasselbe: Die Schilderung leidensvoller Einzelschicksale, deren Leiden nicht wäre, wenn ... z. B..Sterbehilfe erlaubt wäre. 
Jugendliche Identifikation mit irgendeiner Weltanschaung läuft auch über Musik, Klamotten, Geschichten (Filme, Games). Insoweit liegt es nahe, wenn "neurechts" solche Angebote schaffen will. 
 

RMH

10. Mai 2026 19:56

"Peter Schilling hatte seinen großen Weltraum-Schlager, Major Tom,  in 1982".
Auf der selben Platte "Fehler im System" findet man ein Lied, welches vom Text her sicher viele hier goutieren:
U.S.A.

RMH

10. Mai 2026 19:57

... und dann natürlich noch IDEAL:
Keine Heimat

anatol broder

11. Mai 2026 01:30

war am 10 mai auf einem deutschen friedhof. am ehrenmal für die kriegsopfer der ersten zwei weltkriege standen etwa zehn in schwarz gekleidete leute. in den 1990ern erklärte man mir, dass solche kleidung von gruftis getragen wird. ich kenne keinen grufti persönlich. die gruftis am ehrenmal schossen eine weile gruppenfotos im eingangsbereich.

Laurenz

11. Mai 2026 08:00

@Gracchus @Majestyk ... Märchen der Gebrüder Grimm ... man muß hier Ihnen nicht absolut, aber in der Tendenz widersprechen. Die Vorgehensweise der Gebrüder Grimm war natürlich akademisch, entsprach nie dem Mythos, daß Jacob & Wilhelm, mit dem Rucksack, Papier, Tinte & Feder bewaffnet, übers Land nach Jagd auf alte Geschichten zogen. Aber dazu muß man auch die Zeit der Französischen Besatzung sehen, die aber Beide nicht daran hinderte, das Rotkäppchen zu adaptieren, welches mehr aus dem Französischen Raum stammte. Wer hatte in der Ära der Napoleonischen Kriege & danach überhaupt die Zeit, solch eine Arbeit zu leisten, doch nur die Oberschicht. Aber in Ihrer egozentrischen Betrachtung, Gracchus, übersehen Sie unsere kulturelle Eigenart des Auswendiglernens (durch alle Bevölkerungsschichten), die sich bis ins 20. Jahrhundert aus der Nicht-Schrift-Kultur der Germanen & Kelten erhalten hatte. Mein Großvater (*1908) konnte, völlig dement, noch mehr Lieder auswendig singen, als ich bei klarem Bewußtsein. Der sich weltweit ähnelnde Plejaden-Mythos, verbrieft in der Himmelsscheibe von Nebra (1.600 vor 0.), findet sich bei uns detailliert im Märchen vom "Wolf (Mond) & die 7 Geißlein (Plejaden)" wieder. Erst unsere Vorgänger-Generation (*1930er) & wir haben diese kulturelle, Jahrtausende alte Fähigkeit des Erzählens & Singens sukzessive verloren.

Olmo

11. Mai 2026 08:49

"Wir schöpfen aus der deutschen Sprache, unserer Muttersprache, die sehr ‚mechanisch‘ ist,"
Mir gefållt dieses mechanische Scheitel-Deutsch, Stock im Arsch-Klischee nicht besonders, und ich empfinde die Sprache nicht als mechanisch. 
Ich las vor kurzem, Französisch spreche man beim Friseur, Deutsch im Wald. 
 
 
 

Laurenz

11. Mai 2026 09:14

@Anatol Broder ... wenn ich alte Bilder & Super8-Filme aus den 70ern anschaue, war die Deutsche Welt, auch meine Eltern, naiv, freizügig & völlig bunt gekleidet. Aus der Mitte der 70er existiert das Portrait meiner Mutter von einem Spanischen Touri-Maler auf der Strandpromenade gemalt, eine absolute Granate (ähnlich der jungen Lieselotte Pulver, heute 96), auch wenn mich das natürlich nie interessierte. Sichtbar ist der Träger eines extrem bunten, leichten Hosenanzugs, farblich quasi wie auf einen LSD-Trip-Plattencover. Das hielt sich in die 80er & 90er nur noch sehr bedingt. Heute tragen wir, vor allem die Älteren, quasi maoistisch, freiwillig nur noch dunkle Funktionskleidung. Fehlt nur noch der Tarnfleck. Auf EK-Videos, sieht man den Versuch, mit leichten kurzen Kleidchen im Sommer daraus auszubrechen. Aber meist sind auch die Kleider EKs unifarben.

RMH

11. Mai 2026 10:43

@Laurenz, ja, das, was man früher als Räuberzivil bezeichnet hätte, ist schon länger "À la mode".
@anatol broder, wenn die Gruftis pinke Haare oder andere Manga-Versatzstücke dabei hatten, sollen es sog. "Emos" sein (unsereiner kann sowas kaum auseinander halten). Emos sind angeblich Pflicht-Mobbing-Opfer in jeder Schule. Fragt man sich, warum es so etwas überhaupt gibt.

FraAimerich

11. Mai 2026 11:05

Eine gesunde, mindestens ironische Distanz zum Amerikanismus - samt Baywatch - gehörte Anfang der 80er Jahre von der Gegenkultur bis weit in den Mainstream zum "guten Ton". Hatte natürlich nicht zuletzt mit Reagen und dem NATO-Doppelbeschluß zu tun.
War freilich eine wilde Zeit. Die RAF ging nach dem Scheitern der Big Raushole 1977 wieder in die "Offensive", nahm 1981 Ramstein ins Visier, schoß in Heidelberg mit einer Panzerfaust auf den Dienstwagen des Oberbefehlshabers der US-Landstreitkräfte in Europa.
Im Gefolge des Reagan-Besuchs in Westberlin kam es am 11. Juni 1982 zur "Schlacht am Nollendorfplatz", die sich sechs Stunden lang bis zum Winterfeldplatz und in die umliegenden Straßen ausbreitete. Autonome, Antiimps, Kommunisten lieferten der Polizei die vielleicht heftigste "offene" Straßenschlacht der 80er. Übrigens unter "teilnehmender Beobachtung" nationalrevolutionärer Kleinstgruppen.
Alte Veteranen könnten melancholische Lieder singen.
Solche etwa.  -  Grüße gehen raus!

Gracchus

11. Mai 2026 11:39

@Laurenz: Ich weiß nicht, worin genau Sie mir widersprechen. Ich widerspreche Ihnen nicht. Die Märchen liebe ich ja trotzdem, man kann sie immer wieder und wieder lesen. Ob Auswendiglernen jetzt ein deutsches Spezifikum ist, bezweifle ich, aber es ist  bedauerlich, dass mündliches Erzählen und Singen abgenommen haben. An Muttertag, erinnere ich mich, sind wir im größeren Familienverband immer gewandert, und selbstverständlich wurde dabei gesungen. Mein Opa, als er schon dement war, hat Kirchen- und Volkslieder immer noch gepfiffen, vor allem das Steigerlied. 

Le Chasseur

11. Mai 2026 13:31

@Laurenz
Auch die Autos waren früher abwechslungsreicher: https://www.spiegel.de/stil/autolackierungen-in-deutschland-grauzone-a-1298523.html

Majestyk

11. Mai 2026 16:13

Identität, die nur darauf basiert fremde menschen oder Länder schlecht zu reden ist keine echte Identität, sondern nur Zeichen eines Minderwertigkeitskomplexes. Identität sollte positiv aus sich selbst heraus besetzt sein, nicht durch Vergleich mit anderen.
@ Gracchus:
Gegen Angebote ist nichts einzuwenden, ich glaube nur nicht an die dadurch ausgelöste große Veränderung. Dafür ist es nach meinem Empfinden zu spät.
War es in Deutschland nicht immer so, daß in Musik oder Literatur zwischen ernsthaft und Unterhaltung unterschieden wurde? Könnte vielleicht am Standesdünkel liegen, den es angeblich ja nicht mehr gibt. Ich bestreite übrigens nicht, daß früher mehr musiziert wurde. Früher gab es aber auch weniger Fernsehen und Internet. Man kann die freie Zeit aber entweder am Bildschirm verbringen oder im Kontakt mit anderen Menschen, beides zusammen geht nicht. Persönlich glaube ich, daß es noch viel schlimmer werden wird, womöglich wird ein Großteil des Unterhaltungsangebots in wenigen Jahren von KI erzeugt werden. Man schau mal auf die entsprechende Schwemme an Videos auf YT. Man muß schon durch viel Müll wühlen, um Gutes auszugraben. Das kostet Lebenszeit. Der Mensch neigt wohl auch bei Musik eher zum Konsumieren als selber machen, bezüglich denken scheint es ähnlich.
Schön, daß Sie und ML John Ford wertschätzen. Das ist eine Überraschung, die mich beim Lesen tatsächlich gefreut hat. The Searchers gehört zu jenen wenigen Filmen, zu denen ich immer wieder zurückkehre.

Laurenz

11. Mai 2026 17:31

@Gracchus @L. ... mein Widerspruch, den ich so akut nicht belegen kann, liegt in der Quellenlage der Gebrüder Grimm. Ich denke, der Zugriff aller Sammler um die Grimms, war wesentlich weiter & breiter gefächert, als Sie unterstellen. Wie @Majestyk zu Recht bemerkte, ließ man sich bereits durch Radio & TV viel zu sehr ablenken. Allerdings teile ich generell nicht die apokalyptischen Anwandlungen, die Majestyk & Co. immer befallen. Unsere Leiden sind doch alle nichts gegen eine fette Magdeburgisierung.

Jan

11. Mai 2026 20:29

@Karl
"Achim Reichelts...Lied "Der Spieler" (Rolling Stone zählt es zu den „besten deutschen Songs“ überhaupt)...herausragend!"
Das fiel mir auch auf, als ich 10- oder 11-jährig vor dem Fernseher die ZDF-Hitparade schaute. Eigentlich wartete ich auf die neuesten NDW-Hits, aber Reichelts Nummer hatte eine besondere Qualität, die ich trotz meines jungen Alters deutlich wahrnehmen konnte. Ebenso wie ungefähr zur selben Zeit Hans Hartz mit "Steine leben lang". Das war natürlich alles reifer und erwachsener als der NDW-Klamauk, aber trotzdem nicht so politisch und moralinsauer wie BAP/Niedecken, Grönemeyer, Lindenberg & Co. Ein weiteres gutes Beispiel ist "Rendesvouz" von Jawoll. Texte mit zeitlosen Wahrheiten über Menschen und das Leben, ohne moralischen Zeigefinger und dazu noch mit guter Musik. Schade, dass die deutsche Musikindustrie daraus nicht mehr gemacht hat. Die Ansätze waren da, aber im Gegensatz zu den USA hat es hier an einem nachhaltigen Künstlermanagement und Star-Aufbau gemangelt. Vermutlich fehlte auch das Geld. Die 80er hätten die Basis für die Entwicklung einer richtig guten deutschen Populärmusik werden können, jenseits von Schlager-Dreck und SPD-Deutschrock. Chance leider vertan. 

Platon

11. Mai 2026 20:56

Heute haben z. B. Bands wie K.I.Z., Kraftklub, AnnenMayKantereit großen Einfluss auf die Jugendkultur. Man sehe einfach die folgenden Inszenierungen von K.I.Z und AnnenmayKantereit an. Die bedienen Sehnsüchte, da brennt dann auch schon mal eine Deutschlandfahne - hier natürlich nur verbalradikal im zweiten Lied/Link:
https://youtu.be/pmy4p2t2oaU?si=VatVymtNzaKbaYO_
https://youtu.be/ef5O4YLWEwk?si=3DoG4WFWe9xn-cJL

Gracchus

11. Mai 2026 22:06

Achim ist nicht der Bruder von Julian - ich kannte ihn bisher nicht, aber er heißt Reichel - und die verlinkten Sachen, muss ich zugeben, gefallen mir. 

Gracchus

11. Mai 2026 22:28

@Majestyk: "Identität ...", vollkommen richtig; anderer Völker abzuwerten, gehört hier aber auch nicht zum guten Ton.
Es muss ja nicht gleich die große Veränderung ausgelöst werden. Zu spät - wozu? Mir klingt das wie @Laurenz zu apokalyptisch. 
"Immer ... Standesdünkel" Immer? Es gab wohl einerseits Bildungsdünkel und gibt einen pädagogischen Furor, oben wie unten. Für mich zählt: Begeisterung.
Kleists Stories - Hochkultur - haben einen hohen Unterhaltungswert und sogar Pulp-Faktor. Michael Kohlhaas kann man sich auch als Western verfilmt vorstellen. Und es fällt auf, dass ein Vollbluterzähler wie Joseph Roth es schwieriger hat.
The Searchers hab ich etliche Male angesehen und nicht zum letzten Mal. Freut mich, dass wir da einer Meinung sind. Bin sowieso großer Western-Fan, auch andere von Ford (Stagecoach) oder Hawks (Red River, Rio Bravo) oder Anthony Mann. Sowieso ein Fan des klassischen Hollywood.
 
 

Liselotte

12. Mai 2026 00:00

Habs mir jetzt mal angeschaut. Sehr eigenartige Band. Musikalisch NDW, die Optik... die Masken - naja, Sido aus dem MV, aber sie sehen eher aus wie diese NPC-Memes. Die Retro-Hintergründe - 70er-Jahre-Wasserski und Autoverkehr, 90er-Jahre-Leerstand und -Graffitti-Betonwand zitieren "das Leben der Anderen", weil vorheriger Alterskohorten, und das Schwarz-Weiß empfinde ich als leicht depressiv. Vielleicht so eine Art sich lösendes Corona-Trauma... andernseits tanzt zumindest der eine der Beiden, der nicht gerade die Roland-Tasten drückt, sehr agil und körperlich, aber stets vor einem Hintergrund, in dem er etwas verloren wirkt. Sie wirken irgendwie - einsam. - ("Nichts" hätte ich fast mal gehört, in Basel Anfang der 80er. Alle waren zu dem Konzert gekommen, aber die Sängerin sagte plötzlich ab, und so gab es keinen Auftritt.)

anatol broder

12. Mai 2026 04:07

@ laurenz,  rmh
danke für die erläuterungen.
ich habe persönlich weder erfahrungen mit mobbing noch kenne ich mangas.
fürs gesamtbild der begegnung mit gruftis am ehrenmal sollte ich die eigene erscheinung erwähnen. am 10 mai (warm und sonnig in deutschland) trug ich ein weisses blau-gestreiftes hemd mit hochgekrempelten ärmeln, eine weisse hose, weisse blau-gestreifte turnschuhe, eine armbanduhr mit weissem ziffernblatt, eine braune sonnenbrille. zwischen den weissen zähnen steckte eine blaue zigarettenspitze. meine begleiterin, die den besuch des ehrenmals vorschlug, trug ein rosa-weisses oberteil mit einer bunten mehrschichtigen halskette, eine weite weisse hose, azurblaue turnschuhe, eine rosa sonnenbrille. ihre langen fingernägel waren rosa lackiert. letztendlich kamen wir nicht in den hauptraum des ehrenmals hinein, weil die gruftis den eingang für eine weile versperrten.

Le Chasseur

12. Mai 2026 08:04

@Platon
"[KIZ] bedienen Sehnsüchte, da brennt dann auch schon mal eine Deutschlandfahne"
Mittlerweile kann man es ja auch nachvollziehen:
https://youtu.be/lnsf4b69JbI?si=fSQSnwKt6X8ZDFU4
"Sie sagen, 'Warum bist du so anti?' Keine Ahnung, warum bist du es nicht?"

Karl

12. Mai 2026 17:45

NDW: Ein kurzer, herrlicher Aufstand gegen die Weltmacht des anglophonen Einheitsbreis. Die Welle verebbte und wir Deutschen taten, was wir gut können: rumjammern. Jahre später die „Deutschquote“. Heinz Rudolf Kunze u.a.: „Mehr deutschsprachige Musik im Radio!“ Petitionen, Bundestagsdebatten, CSU-Forderungen. Ergebnis? Eine laue „freiwillige“ Selbstverpflichtung. 35 Prozent? Vielleicht. Irgendwann. Längst vergessen. In Frankreich gilt seit 1994 per Gesetz: 40 Prozent französische Musik im Radio! Und Österreich? Die haben ihren Austropop in den 80ern mit ORF-Hilfe groß gemacht. Wir? Wir hören weiter Einheitsgedudel auf Repeat. Woke Hässlichkeiten. Zum Kotzen. Eine NDW 2.0 würde ich mir wünschen. Ob dafür noch Substanz vorhanden ist? Woraus kann es entstehen? Traditionelle Deutsche Kultur? Selbstbehauptung? Wille? Kreative rauschhafte Lust? Zusammen gehen?

Johann

12. Mai 2026 18:46

Werter Herr Lichtmesz, als früherer Szenegänger der sog. "Schwarzen Szene" müssten Sie doch die Gruppe Welle:Erdball kennen.
1990 gegründet, ununterbrochen bis heute aktiv, sah die Gruppe ihre Inspiration ebenfalls bei Kraftwerk, der NDW und dem Elektropop der 80er. Diese würde ich als genuin rechte Band bezeichnen, auch, wenn die Gruppe selbst diesen Begriff wohl ablehnen würde. Dies liegt auch hier schlicht am Zeitgeist, der linken Kulturhegemonie. Bereits 1995 wurden sie angegriffen aufgrund es Liedes "Deutsche Jugend (kritisch, aber unpolitisch)", das zudem ein Sprachsample des Führers enthielt. Ihr Erscheinungsbild, die (fast) ausschließlich deutschsprachigen Texte, machten sie verdächtig. Sie wiesen die Vorwürfe, des "Rechtsseins" von sich, fühlten sich "missverstanden" und betonten "eigene Politik, fernab des Pöbels" zu machen.

Johann

12. Mai 2026 18:51

Die Gruppe benannte sich nach einem Hörspiel der Weimarer Republik, die Texte behandeln Themen wie die Verwahrlosung der deutschen Sprache, auch durch Anglizismen ("Sprechen und Denken", 2004), propagieren einen positiven Heimatbezug ("Deutsche Liebe", 2011), kritisieren die Genderideologie ("Wendy, Walter und die Geschlechtsmaschine", 2023). Es gab Liebeslieder an deutsche Produkte wie den Volksempfänger oder den VW Käfer. Viele Lieder kritisieren staatliche Übergriffe, Technikgläubigkeit und Obrigkeitshörigkeit.
Alles in allem durchaus rechte Themen.
 

Majestyk

12. Mai 2026 19:00

@ Gracchus:
Die Veränderung, die Sie sich wünschen ist ein Langzeitprojekt. Ehe diese Veränderung greifen kann, wird Deutschland mit einer neuen ökonomischen und geopolitischen Realität konfrontiert werden.
Wenn man in den falschen Zug steigt, muß man am nächsten Bahnhof raus und zurückfahren. Deutschland ist aber seit Jahrzehnten sitzen geblieben, bis der falsche Zug sein Ziel fast erreicht hat. Der Rückweg wird lange dauern, zumal man womöglich zu Fuß gehen muß, da keine Bahn mehr fährt. Mit Pessimismus hat das nichts zu tun. Natürlich kann man hoffen, daß einen der Sturm nicht mit voller Wucht trifft, aber Wetten würde ich keine darauf abschließen. Alles eine Frage der Perspektive. Genau wie der Standesdünkel. Dessen Wahrnehmung wird auch durch die Perspektive bestimmt. 
Derweil erfreue mich derweil daran, daß Sie Western und klassisches Kino mögen. 
“Courage is being scared to death, but saddling up anyway.” John Wayne

Andreas Stullkowski

12. Mai 2026 19:18

Was Deutsche Vita übersehen (oder auch nicht) wenn sie sagen sie wären unpolitisch: auch wer unpolitisch ist, ist rechts. Gerade der ist es. Jeder der nicht explizit links ist, ist in seiner Wirkung rechts.
Was Lichtmesz übersieht wenn er neue Musik fordert: es gibt seit 20 Jahren keine neue Musik, alles ist bestenfalls Retro, schlimmstenfalls degradierte Gegenwart.Man kann es einfach nachprüfen indem man sich irgend ein erfolgreiches Lied vor 20 Jahren anhört, und sich dann fragt ob es nicht auch von heute sein könnte.

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