Mit Rinken leden – Neues von Debattenfront

"Mit Rechten reden" hat sich zum Bestseller entwickelt und wird zur Zeit heiß auf allen Plattformen diskutiert, wo Rechte von der Teilnahme ausgeschlossen sind.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Mit ande­ren Wor­ten redet mal wie­der die Fil­ter­bla­sen­be­sat­zung mit sich selbst, und denkt, sie habe einen Fort­schritt gemacht.

Dabei zeich­nen sich zwei Lager ab: Da wäre zum einen das links­li­be­ra­le Feuil­le­ton, das momen­tan vor allem des­we­gen Pur­zel­bäu­me schlägt, weil es in einer lite­ra­risch anspre­chen­den Ver­pa­ckung ein für sein Selbst­bild sehr beque­mes Nar­ra­tiv bestä­tigt bekom­men hat, das lin­ker Her­kunft und im Grun­de nicht so neu ist, wie es erscheint:

“Rech­te” sind nichts wei­ter als “Pro­vo­ka­teu­re”, die sich “zum Opfer sti­li­sie­ren”, sobald sie auf­grund ihres “Arsch­loch­ver­hal­tens” eins auf die Müt­ze bekom­men, haben wahn­haf­te Iden­ti­täts­pro­ble­me und dif­fu­se neu­ro­ti­sche Ängs­te, mit denen sie dem Rest der Welt grund­los auf den Zei­ger gehen und sind außer­dem Säcke vol­ler hei­ßer Luft, die ohne das Feind­bild “Lin­ke” nichts wären. Der immer­grü­ne und prak­ti­sche “Mimikry”-Vorwurf ist im Gegen­satz zur übli­chen Lite­ra­tur über oder “gegen Rechts” stark redu­ziert, aber immer noch in der Behaup­tung prä­sent, die Rech­ten wür­den sich hin­ter Rhe­to­rik und “Sprach­spie­len” verstecken.

Anders hat die dus­se­li­ge links­ra­di­ka­le Par­tie reagiert, die den links­li­be­ra­len Feuil­le­to­nis­ten und auch Leo & Co bei aller Sym­pa­thie und inne­ren Ver­bun­den­heit ziem­lich pein­lich gewor­den ist, weil sie die Sache der Lin­ken mit ihren Metho­den per­ma­nent ins Unrecht setzt, und der Rech­ten unter man­chen Umstän­den (wie etwa der Frank­fur­ter Buch­mes­se) Publi­ci­ty und Sym­pa­thie verschafft.

Wenn nun am Ende einer Links-Rechts-Kon­fron­ta­ti­on fast immer her­aus­kommt, daß “sich die Lin­ke genau so ver­hält, wie es dem Feind­bild der Rech­ten ent­spricht”, dann bestä­tigt das weni­ger die “zen­tra­le The­se von ‘Mit Rech­ten reden’ ” (Man­gold), son­dern viel­mehr, daß die Rech­ten mit dem, was sie über die Lin­ken sagen, ein­fach Recht haben.

Zu die­sem Schluß kam auch Alex­an­der Grau im Cice­ro in einem Arti­kel über einen Auf­tritt Marc Jon­gens im Han­nah-Arendt-Cen­ter in New York. Auch hier gab es Pro­test dage­gen, daß man einen “Rech­ten” ein­ge­la­den hat­te, auf einer Main­stream­platt­form zu spre­chen; dies­mal ging er aller­dings nicht von der Anti­fa, son­dern von aka­de­mi­schen Lin­ken aus. Grau schreibt:

Über jeden ein­zel­nen Punkt [der Rede Jon­gens] kann man nüch­tern und sach­lich dis­ku­tie­ren. Doch dar­an sind nicht alle inter­es­siert. Also dau­er­te es nur ein paar Tage, und es erschien ein offe­ner Brief, gerich­tet an Roger Ber­ko­witz, Lei­ter des Han­nah Arendt Cen­ters, und Leon Bot­stein, Prä­si­dent des Bart College.

Tenor des Brie­fes: Es sei ein Feh­ler gewe­sen, Jon­gen die Chan­ce ein­zu­räu­men, Han­nah Arendts Namen zu benut­zen, um sei­ne Ideo­lo­gie zu legi­ti­mie­ren. Jon­gen habe Migran­ten­gup­pen ver­un­glimpft, etwa durch die Aus­sa­ge, es gäbe einen enor­men Ver­lust an inne­rer Sicher­heit in Deutsch­land und eine neue Form des Terrorismus.

Man braucht kein Fan von Marc Jon­gen zu sein, um ein­zu­se­hen, dass die in dem Brief vor­ge­brach­ten Vor­wür­fe an der Sache vor­bei­ge­hen. Schlim­mer noch. Sie bestä­ti­gen sei­ne Ana­ly­se unfrei­wil­lig: Als Spal­ter gel­ten jene, die auf die Spal­tung der Gesell­schaft auf­merk­sam machen, und als Angst­ma­cher die­je­ni­gen, die den Ängs­ten der Men­schen Aus­druck verleihen.

Das ist, neben­bei gesagt, eine “zen­tra­le The­se” von “Mit Lin­ken leben”. Wie auch dies hier:

Natür­lich wäre es naiv zu glau­ben, dass es hier wirk­lich um das bes­se­re Argu­ment geht, um mög­li­che Deu­tungs­mus­ter oder alter­na­ti­ve Inter­pre­ta­tio­nen. Tat­säch­lich geht es um Macht und Ein­fluss. Die aka­de­mi­sche Lin­ke wehrt sich gegen den Ver­lust ihrer Dis­kur­s­ho­heit, die sie de fac­to zumin­dest in den Geis­tes­wis­sen­schaf­ten Euro­pas und Nord­ame­ri­kas hat. Dem dro­hen­den Ver­fall die­ser lin­ken Dis­kurs­he­ge­mo­nie ver­sucht man mit Äch­tung und Iso­lie­rung zu begegnen.

In die­ser Hin­sicht sind sich die media­le, die feuil­le­to­nis­ti­sche, die aka­de­mi­sche und die anti­fan­ti­sche Lin­ke einig: Man will die­se Macht und die­se Dis­kurs- und Deu­tungs­ho­heit behal­ten. Aller­dings haben nicht alle Frak­tio­nen glei­cher­ma­ßen kapiert, daß “Äch­tung und Iso­lie­rung” (oder im Fall der Anti­fa: Gewalt­an­wen­dung und ‑andro­hung) als Waf­fen nicht mehr funk­tio­nie­ren, und die es kapiert haben, täu­schen sich teils-teils über die Grün­de hin­weg: daß 1. wie gesagt, die Lin­ke (und nicht nur die Anti­fa) sich mit ihren Metho­den zur Rech­ten­be­kämp­fung ins Unrecht setzt, und daß 2. die Rech­ten unleug­bar Recht haben, was bestimm­te Prä­mis­sen, Fol­gen und Pro­ble­me lin­ker (bzw. links-glo­ba­lis­ti­scher) Poli­tik angeht.

Die Empö­rung auf links­ra­di­ka­ler Sei­te über MRR bezieht sich also vor allem auf zwei Din­ge: Die Manö­ver­kri­tik, die die Autoren an der Lin­ken üben, wie auch ihr Plä­doy­er, die Iso­la­ti­on der Rech­ten zu been­den und mit ihr ech­te Debat­ten zu füh­ren, “ein­ge­hegt zu strei­ten”. Hier fin­den sich die stärks­ten Über­schnei­dun­gen zu “Mit Lin­ken leben”, bis in die Wort­wahl hinein:

Dann könn­ten wir strei­ten, indem die einen die Exis­tenz der Ungleich­heit gegen die nivel­lie­ren­de Ten­denz der Moral ver­tei­di­gen, und die ande­ren das Recht auf Gleich­heit gegen die Anma­ßung der Stär­ke. Denn Men­schen sind ein­an­der ja nie nur gleich oder ungleich. Sie sind immer bei­des. Und dann könn­ten sich bei­de auch end­lich frei­mü­tig zu einem Gefühl beken­nen, das sie ins­ge­heim schon immer gehegt haben: der Freu­de an den bes­ten Ver­tre­tern der ande­ren Seite.

Das Ergeb­nis ist, wie nicht anders zu erwar­ten, daß die Autoren von MRR nun selbst unter lin­ken Beschuß gera­ten sind, unter ande­rem von deren quint­essen­ti­el­lem, auto­par­odis­ti­schem Tram­pel­tier Jut­ta Dit­furth, die Leo & Co gar als “Neo­cons” (har) iden­ti­fi­ziert hat (eine klei­ne Samm­lung von Twit­ter-Fund­stü­cken habe ich hier zusam­men­ge­stellt; für beson­de­re Hei­ter­keit emp­feh­le ich die­sen beson­ders enga­gier­ten Zwit­sche­rer).

In der anti­fa-affi­nen Dit­furth kon­zen­trie­ren sich auf bur­les­ke Wei­se sämt­li­che Las­ter der Lin­ken: die atlan­tik­bun­ker­fes­te, nie­mals reflek­tier­te und infra­ge gestell­te Über­zeu­gung, zu den abso­lut Guten zu gehö­ren und gleich­sam die gan­ze Mensch­heit zu ver­tei­di­gen, mit­samt der Dop­pel­denk­fä­hig­keit, Gewalt zu rech­fer­ti­gen, wenn sie aus huma­ni­tä­ren Grün­den erfolgt, und dem dar­aus resul­tie­ren­den Ver­nich­tungs­wil­len. Wer also ver­ste­hen will, wie es der Kom­mu­nis­mus zu einer Quo­te von über 100 Mil­lio­nen Opfern gebracht hat, braucht nur Jut­ta Dit­furths Gehirn zu stu­die­ren, auch wenn wir es hier wohl eher mit der marx’schen Far­ce der wie­der­keh­ren­den Geschich­te zu tun haben.

An ihr zeigt sich auch bei­spiel­haft die Grund­über­zeu­gung, die die radi­ka­le Lin­ke, die nun auch MRR und sei­ne Autoren atta­ckiert, eint: daß sämt­li­che Rech­ten (und alle, die von ihr als sol­che mar­kiert wer­den) auch weit jen­seits des “natio­na­len Wider­stands”, sei­en es nun “Wut­bür­ger”, Ein­wan­de­rungs­kri­ti­ker, Pegi­da-Spa­zier­gän­ger, kon­ser­va­ti­ve Chris­ten, CSU‑, FDP- oder AfD-Poli­ti­ker und ‑wäh­ler, Iden­ti­tä­re, “Neue Rech­te” etc. “Nazis” sei­en, und zwar “Nazis”, wie sie sie sich ihren eige­nen Feind­bild­be­dürf­nis­sen und inne­ren Hor­ror-Shows gemäß vor­stel­len (die frei­lich zuwei­len auch in der Wirk­lich­keit in Rest­ex­em­pla­ren oder BRD-Buh­mann-Par­odien auftauchen).

Und wenn die­se “Rech­ten” augen­schein­lich weder wie “Nazis” argu­men­tie­ren, noch wie sol­che auf­tre­ten oder sich wie sol­che ver­hal­ten, dann hel­fen sie sich kogni­tiv mit dem “Mimikry”-Dogma aus der Pat­sche, wonach die Rech­ten ein­fach nur “Krei­de gefres­sen” hät­ten oder sonst­wie gut getarnt sei­en (dar­auf beruht neben­bei auch ein gro­ßer Teil von an Böh­mer­manns “Wit­zen”). Damit haben sie ihre Glau­bens­vor­stel­lun­gen her­me­tisch und zir­ku­lär abgesichert.

Des­halb beruft sich die anti­fan­ti­sche Lin­ke auch auf das “Para­dox der Tole­ranz” nach Karl Pop­per: “Kei­ne Tole­ranz den Into­le­ran­ten” – eine Logik, die eine erheb­li­che Berech­ti­gung hät­te, wür­den “die Rech­ten” ihrem Zerr­bild tat­säch­lich ent­spre­chen, und die etwa Islam­kri­ti­ker mit – weit­aus grö­ße­rem Recht!- als Argu­ment gegen mus­li­mi­sche Ein­wan­de­rung und mus­li­mi­schen poli­ti­schen Ein­fluß ins Feld füh­ren. Und auf die­ser Vor­stel­lung basiert auch ihre Furcht, “Nazis” “eine Büh­ne zu geben”, wie auch die fixe Idee, daß “Rech­te” in einem mora­li­schen Sin­ne hors la loi stünden.

Zu den Orga­nen, die “not amu­sed” sind, zäh­len unter ande­rem die Jung­le World oder das links­ra­di­ka­le, der Ama­deu- Anto­nio-Stif­tung nahe­ste­hen­de Hoch­in­tel­li­genz­blätt­chen Bell­tower News, das for­dert, “den Rech­ten kei­ne demo­kra­ti­schen Räu­me zu überlassen”:

Wir hal­ten dem­ge­gen­über an der Stra­te­gie fest, Akteur_innen der Rech­ten und der Neu­en Rech­ten nicht ohne laut­star­ken Wider­spruch öffent­li­che Räu­me zu über­las­sen, nicht mit ihnen öffent­lich zu dis­ku­tie­ren und ihnen kei­ne Gele­gen­heit zu geben, sich vor einem Publi­kum zu erklären.

Und auch sonst fort­zu­fah­ren wie bis­her, näm­lich per Framing-Kon­trol­le die eige­ne Deu­tungs­ho­heit eisern in der Hand zu behalten:

Was macht man also, wenn man in einer Talk­show, bei einer Podi­ums­dis­kus­si­on oder andern­orts in eine Dis­kus­si­on gezwun­gen wird? Sicher­lich nicht mit den Ideo­lo­gen der Rech­ten selbst reden. Man redet dann über sie und adres­siert das öffent­li­che Publi­kum. Man ver­sucht nicht sie zu kon­fron­tie­ren, son­dern über die Kon­se­quen­zen ihrer Ideo­lo­gie zu spre­chen. Man nimmt am Dis­kurs teil, um sie aus­zu­schlie­ßen. Das ist womög­lich noch schwie­ri­ger als mit ihnen zu reden.

Die­se Art von Lin­ken redet aller­dings nie wirk­lich über Rech­te, son­dern pri­mär über ihr ver­zerr­tes Bild von den Rech­ten, ihre ideo­lo­gi­sche Inter­pre­ta­ti­on der Rechten.

Dazu ein klei­ner Exkurs über mein jüngs­tes “Reden mit Linken”.

Am letz­ten Tag der Frank­fur­ter Buch­mes­se, stat­te­te ich kurz vor mei­ner Abrei­se den schräg gegen­über von unse­rem Stand posi­tio­nier­ten Genos­sen der Ama­deu-Anto­nio-Stif­tung einen Besuch ab, und sprach einen mage­ren, etwas freud­los drein­bli­cken­den Typen an, des­sen Name mir ent­fal­len ist. Ich frag­te ihn, was als Mit­ar­bei­ter der AAS sei­ne Mei­nung über den gest­ri­gen Vor­fall sei: Anti­fan­ten hat­ten die Ver­an­stal­tung des Ver­lags Antai­os nie­der­ge­brüllt und ‑gepfif­fen, unse­ren Red­nern hier­mit das Wort abge­würgt und eine Bei­na­he-Saal­schlacht provoziert.

Die AAS tre­te natür­lich für Mei­nungs­frei­heit ein, sag­te er, und wir hät­ten eben­so das Recht hier zu sein, wie sie. Aller­dings hal­te er Pro­test gegen eine “völ­kisch-natio­na­le Ideo­lo­gie” für gerecht­fer­tigt. Ich frag­te, ob er einen sol­chen Pro­test auch noch für gerecht­fer­tigt hält, wenn er dazu führt, daß dem Anders­den­ken­den das Wort abge­würgt und ihm die Rede­mög­lich­keit ent­zo­gen wird. Und wenn ja, wie läßt sich das mit einem Bekennt­nis zur Mei­nungs­frei­heit verbinden?

An die­sem Punkt misch­te sich ein Zeit­ge­nos­se in das Gespräch ein, den ich spä­ter als Robert Lüdecke iden­ti­fi­zier­te, der vor Beginn der Mes­se noch geprotzt hat­te, er kön­ne “gän­gi­ge Kli­schees und Stamm­tisch­pa­ro­len” “gut ent­kräf­ten”, der aber unter faden­schei­ni­gen Aus­re­den den Schwanz ein­zog, als Ellen Kositza ihm anbot, die­se her­aus­ra­gen­de Fähig­keit doch in einer öffent­li­chen Dis­kus­si­on mit uns unter Beweis zu stellen.

Lüdecke ver­hielt sich ohne Eska­la­ti­ons­stu­fe aggres­siv und unter­grif­fig, fiel mir hek­tisch ins Wort, ver­zog das Gesicht in Hohn­fal­ten, als ich sag­te, daß die Form des “Pro­tests”, die wir am Vor­abend erlebt hat­ten, mit der Mei­nungs­frei­heit nicht ver­ein­bar sei. “Sie haben doch auch eine lin­ke Ver­an­stal­tung gestört!”, sag­te er. Wel­che denn? Ein paar Tage zuvor hat­ten zwei von Kubit­scheks Kin­dern und ein jun­ger Mann eine Ver­an­stal­tung zum The­ma “Umgang mit Rech­ten” besucht und ein paar kri­ti­sche Wort­mel­dun­gen und Fly­er pla­ziert. Das woll­te nun Lüdecke allen Erns­tes auf eine Stu­fe mit den Brüll­kon­zer­ten von Sams­tag abend stel­len. “Wo zie­hen Sie denn die Gren­ze, wel­cher Pro­test nun erlaubt ist und wel­cher nicht?” – “Das kann ich Ihnen genau sagen: die Gren­ze zwi­schen legi­ti­mem und ille­gi­ti­mem Pro­test ver­läuft für mich dort, wo ich die Rede des ande­ren abwür­ge und ver­un­mög­li­che. Das ist ges­tern gesche­hen. Ich will von Ihnen wis­sen, ob Sie das gutheißen.”

An die­sem Punkt schal­te­te der in die Enge getrie­be­ne Lüdecke auf eine neue Stra­te­gie um: “Sie haben kei­ne Argu­men­te! Sagen Sie mir ein Argu­ment!”, rief er, obwohl ich ihm gera­de eben ein sehr prä­zi­ses Argu­ment dar­ge­legt hat­te, dabei jenes arro­gant-selbst­si­che­re Lächeln auf­set­zend, das ein untrüg­li­ches Anzei­chen für das Wirk­sam­wer­den des Dun­ning-Kru­ger-Effekts ist. Zusätz­lich wur­de er nun per­sön­lich angrif­fig: “Sie sind ein­fach nur lächer­lich! Sehen Sie nicht, wie lächer­lich Sie sind? Sie sind ja völ­lig auf­ge­regt! Sie kön­nen kei­nen kla­ren Gedan­ken mehr fas­sen!” Som­mer­feld und ich nen­nen die­se Tak­tik “Gas­ligh­t­ing”, nach einem Psy­cho­spiel aus der Psychopathologie.

Als Krö­nung des Gan­zen gab Bell­tower News wie­der, was von mei­nen Wor­ten in Lüdeckes Gehirn ein­ge­si­ckert war: Laut die­sem Tweet soll ich behaup­tet haben, daß “Pro­test gg rechts sei ille­gal”. Er war also offen­bar nicht ein­mal imstan­de, “ille­gal” von “ille­gi­tim” zu unter­schei­den. Von Pro­test spe­zi­fisch “gg rechts” (oder links) hat­te ich kein Wort gesagt, aber es ist äußerst bezeich­nend, wie sich die emp­fan­gen­den Gehir­ne das Gesag­te über­setzt haben.

Und hier behaup­tet Kira Ayya­di, der ich wört­lich das­sel­be wie zu Lüdecke sag­te, ich hät­te behaup­tet, “der Pro­test wäh­rend der Lesun­gen sei durch die Stif­tung geplant wor­den”. In Wahr­heit hat­te ich ledig­lich gesagt, daß all­ge­mein bekannt sei, daß die AAS mit der Anti­fa und ande­ren links­ex­tre­men Grup­pen eng ver­ban­delt sei. Ich habe auch nicht gesagt, daß “sich die Gegendemonstrant_innen am Stand der Stif­tung ver­sam­melt hät­ten, um dann gemein­sam zu der Lesung zu gehen”, son­dern, daß ich nach­her eine Hand­voll von ihnen gese­hen habe, wie sie sich am Stand der AAS sam­mel­ten,  unter ande­rem die Dame im Rin­gel­hemd, die hier neben Ayya­di steht, und die ihrem Gesichts­aus­druck nach zu urtei­len, offen­bar wirk­lich an ihren eige­nen Nazi­hirn­film glaubte.

Um es noch ver­rück­ter zu machen: Als ich letz­te­res gegen­über Lüdecke und Ayya­di erwähn­te, ver­nein­ten sie es vehe­ment, als hät­te ich etwas völ­lig Bizar­res und Abwe­gi­ges von mir gege­ben. Buch­stäb­lich im sel­ben Moment umzin­gel­ten mich vier Anti­fan­ten, die kör­per­lich ziem­lich nahe rück­ten, und ver­such­ten, mit mir Inqui­si­ti­on zu spie­len, indem sie mich stell­ver­tre­tend für alle Rech­ten für den Faust­schlag, den der pöbeln­de APO-Opa Achim Berg­mann von einem Unbe­kann­ten emp­fan­gen hat­te, ver­ant­wort­lich machen woll­ten. Mit die­ser Tat recht­fer­tig­ten sie auch das Nie­der­brül­len unse­rer Ver­an­stal­tung: “Gewalt gegen die Gewalt­tä­ti­gen ist legitim!”

Der hys­te­ri­sche Arti­kel von Fräu­lein Ayya­di ist jeden­falls ein Para­de­bei­spiel dafür, wie sehr es die Lin­ken not­wen­dig haben, sich zum Opfer umzu­lü­gen, um ihre Täter­schaft zu recht­fer­ti­gen. Die Het­ze wird dick auf­ge­tra­gen: “Neu rech­te Schlä­ger Scher­gen” (sic) will sie zum Nach­barn gehabt haben, und behauptet:

Beson­ders bei die­sem Gewalt­po­ten­ti­al das sich am Antai­os-Ver­lag ver­sam­mel­te, ist Alko­hol ein gefähr­li­cher Ent­hem­mer, der die Sicher­heits­la­ge der Stiftungsmitarbeiter_innen und der Messebesucher_innen wei­ter gefähr­de­te. Zumal vie­le Antai­os-Fans an unse­ren Stand kamen und auf ver­schie­de­ne Wei­sen pöbel­ten und ver­such­ten die Mitarbeiter_innen einzuschüchtern.

Auch das ist min­des­tens eine Über­trei­bung, wenn nicht eine glat­te Lüge, ein weh­lei­di­ges lin­kes Opfer­mär­chen, das nichts mit der Rea­li­tät zu tun hat. Wäh­rend es beim Stand von Antai­os geram­melt voll war, herrsch­te bei der AAS meis­tens tote Hose, und die Mit­ar­bei­ter saßen mit freud­lo­sen und gelang­weil­ten Gesich­tern her­um. Das Ver­hält­nis war durch­ge­hend eher das eines wech­sel­sei­ti­gen Igno­rie­rens. Von “Gewalt” oder “Ein­schüch­te­rung” kei­ne Spur, auf bei­den Sei­ten nicht (dazu kam es erst bei den Van­da­len­ak­ten in der Nacht). Auch zu uns kamen hin und wie­der Gestal­ten, die “auf ver­schie­de­ne Wei­sen pöbel­ten”; ein­mal knall­te einer mit einem Urschrei einen Sta­pel Antai­os-Pro­spek­te auf den Boden. Aber das ist alles nicht der Rede wert, des­we­gen hat sich nie­mand von uns “zum Opfer stilisiert”.

Bell­tower News, Fleisch von die­sem Fleisch, schreibt nun:

Die akti­ve Stö­rung anti­de­mo­kra­ti­scher Ver­an­stal­tun­gen ist kei­ne Fra­ge der Mei­nungs­frei­heit, wie es Zei­tungs­ar­ti­kel bei­spiels­wei­se in der Welt oder im Frei­tag sug­ge­rie­ren. Die Mei­nungs­frei­heit ist ein Grund­recht der Bürger*innen, ins­be­son­de­re gegen den Staat. Auf einer Buch­mes­se über­neh­men die dor­ti­gen Demonstrant_innen nicht die staats­po­li­ti­sche Funk­ti­on, die Mei­nungs­frei­heit zu garan­tie­ren. Sie üben gera­de ihr Recht auf Mei­nungs­frei­heit aus, wenn sie mit poli­ti­schen Paro­len ihre Mei­nung laut­stark zum Aus­druck brin­gen. Die Gegen­sei­te kann im Übri­gen auf die glei­che Art verfahren.

Eine völ­lig ver­que­re Logik, die schnur­stracks in eine bür­ger­kriegs­ar­ti­ge Eska­la­ti­on führt (es ist der Sache der Mei­nungs­frei­heit sicher sehr dien­lich, wenn sich bei­de Grup­pen nie­der­schrei­en, und das freie Wort auf der Stre­cke bleibt) : Hier wird im End­ef­fekt behaup­tet, es gäbe ein Recht dar­auf, dem Anders­den­ken­den (der zum “Anti­de­mo­kra­ten” ernannt wird, damit man ein gutes Gewis­sen gemäß dem “Para­dox der Tole­ranz” hat) das öffent­li­che Wort abzu­schnei­den und abzu­wür­gen. Dann haben wir “Demo­kra­ten”, die auf die Grund­rech­te ande­rer pfei­fen, man ist ja nicht sel­ber der Staat, der sie garan­tiert (wenn er ein­schrei­tet, wird gejam­mert “Poli­zis­ten schüt­zen die Faschis­ten”). Das so offen aus­zu­spre­chen, haben sich Lüdecke und sei­ne Mit­ar­bei­ter nicht getraut.

Wenn die Autoren nun sagen, “Die Gegen­sei­te kann im Übri­gen auf die glei­che Art ver­fah­ren”, mei­nen Sie damit, daß es völ­lig gerecht­fer­tigt sei, wenn z.B. Iden­ti­tä­re eine Ver­an­stal­tung von Anet­ta Kaha­ne oder eine Buch­vor­stel­lung von Lia­ne Bed­narz mit Pfeif­kon­zer­ten und Paro­len­chor stö­ren wür­den, sodaß sie abge­bro­chen wer­den müß­ten? Ganz sicher nicht: Sie wür­den heu­len und zäh­ne­klap­pern über die­sen “faschis­ti­schen Ter­ror” und sich lei­den­schaft­lich in der Opfer-Anklä­ger­rol­len suhlen!

Dage­gen Kubitschek:

… einen Stand auf der Buch­mes­se zu betrei­ben oder ein Haus­pro­jekt in Hal­le zu ver­wirk­li­chen – das ist nichts, was wir unter­las­sen möch­ten oder wofür wir uns recht­fer­ti­gen wollen.

Die­se Äuße­rungs­for­men hat der “Geg­ner” zu akzep­tie­ren, punk­tum, eben­so, wie er 92 AfD-Abge­ord­ne­te im Bun­des­tag zu akzep­tie­ren hat – um sie dann und sofort mit den ange­mes­se­nen poli­ti­schen Mit­teln zu bekämpfen.

Einem uner­freu­li­chen Mes­se­stand begeg­net man ange­mes­sen mit Lesun­gen, Stän­den, mei­net­hal­ben auch mit einer hoch­pein­li­chen Demons­tra­ti­on – nicht aber mit Plün­de­rung und Zerstörung.

Einem Haus­pro­jekt begeg­net man ange­mes­sen mit eige­nen Haus­pro­jek­ten (die weiß Gott groß­zü­gigst städ­tisch finan­ziert wer­den), mit Demons­tra­tio­nen, Auf­klä­rungs­ar­beit und einem in jeder Hin­sicht inter­es­san­te­ren eige­nen Ange­bot – nicht aber mit Zer­stö­rung und mit Angrif­fen auf Leib und Leben.

Ich habe die Sät­ze aus Bell­tower News denen Kubit­scheks gegen­über­ge­stellt, um zu ver­deut­li­chen, daß es auch hier kei­ne Sym­me­trie zwi­schen den feind­li­chen Lagern gibt, selbst wenn das man­chem bei ober­fläch­li­cher Betrach­tung so erschei­nen mag. Vor allem aber bie­tet sich hier eine schnel­le Flucht in eine ver­füh­re­ri­sche zen­tris­ti­sche Pose an, in der man sich ver­meint­lich über die “Extre­mis­ten von Links und Rechts” stel­len kann.

Einer der Autoren von MRR, Dani­el-Pas­cal Zorn (ihm fällt ver­mut­lich nicht der Löwen­an­teil des Tex­tes zu), wird gera­de auf Face­book und Twit­ter scharf von Lin­ken atta­ckiert und selbst der Rechts­las­tig­keit ver­däch­tigt. Gute Gele­gen­heit für ihn, sich in sei­ner Rol­le als über den Lagern thro­nen­der Phi­lo­soph und “Argu­men­ta­ti­ons­lo­gi­ker” bestä­tigt zu sehen (Fahrt nahm sei­ne Kar­rie­re aller­dings erst auf, als er sich als gro­ßer Ent­lar­ver rech­ter oder “popu­lis­ti­scher” Reden emp­fahl; trotz­dem brau­chen laut MRR die Rech­ten ihn mehr, als er sie).

Auf Face­book schrieb Zorn über Lin­ke etwas, das ich sehr amü­sant fand:

Selbst­ge­rech­tig­keit infol­ge iden­ti­täts­po­li­tisch über­form­ten Mora­lis­mus. Sie hal­ten sich für das Gewis­sen der Nati­on, kön­nen das aber nicht anders als mit dis­kur­si­ver Gewalt und stän­di­ger Unter­bie­tung des eige­nen Anspruchs vertreten.

Sieh an! Zorn redet nun haar­ge­nau wie ein Rech­ter, gemäß sei­ner eige­nen Analyse:

Eines der meist­ver­wen­de­ten argu­men­ta­ti­ven Mit­tel der „Rech­ten“ besteht in der Behaup­tung von Heu­che­lei und dop­pel­ten Stan­dards auf Sei­ten der „Lin­ken“ und „Libe­ra­len“. Dabei kom­men, abge­se­hen vom stets invol­vier­ten Bestä­ti­gungs­feh­ler der Mora­lis­mus-Unter­stel­lung, ver­schie­de­ne Stra­te­gien zum Ein­satz, die die­sem Vor­wurf Evi­denz ver­lei­hen sollen:

• statt einen dop­pel­ten Stan­dard nach­zu­wei­sen, wird eine Hal­tung, Absicht oder Dis­po­si­ti­on unter­stellt und dann aus der Dif­fe­renz von eige­ner, das Ope­ra­ti­ve betref­fen­den, Unter­stel­lung und dem tat­säch­li­chen inhalt­li­chen Aus­sa­gen oder Han­deln Dis­tink­ti­ons­ge­winn und eben die „Abwei­chung“ gezo­gen, die als Nach­weis für den dop­pel­ten Stan­dard die­nen soll.

Well, viel­leicht haben die­se “Rech­ten”, die er da so groß­ar­tig ana­ly­siert, und als total unpar­tei­ischer und nicht-lin­ker Autor für die Leser von “Dei­ne SPD” “zu einer Feind­bild-Posi­ti­on ver­ein­heit­licht” hat (um es in sei­nen eige­nen Wor­ten zu sagen), nicht bloß irgend­wem  irgend­et­was “unter­stellt”, son­dern ein typi­sches Ver­hal­ten der Lin­ken beschrie­ben und kri­ti­siert. Ich gra­tu­lie­re ihm jeden­falls zu der spä­ten Erkennt­nis, wahr­schein­lich muß man erst in der lin­ken Man­gel ste­cken, um man­che Din­ge zu kapieren.

Hier schrieb eine Dame eine Kri­tik an MRR, die ich gera­de­zu rüh­rend fand, und die so man­che Erfah­rung unse­rer Leser von links her spie­gelt. Zorns “Logik für Demo­kra­ten” (in MLL zei­gen wir auf, daß sie mit “Demo­kra­tie” nichts zu tun hat), sei ein

… Schlag ins Gesicht für jeman­den wie mich, die ver­sucht hat, mit rech­ten Bekann­ten zu reden - gar nicht mit Stie­fel­na­zis oder mit Kadern, nur mit nor­ma­len Leu­ten, teil­wei­se mit lin­kem Habi­tus, aber Querfront.

Dar­auf ant­wor­te­te Zorn:

Ein Vor­schlag für’s Gespräch, den Sie anneh­men oder ableh­nen kön­nen, war für Sie ein “Schlag ins Gesicht”?

 Ja. Weil er die Erfah­run­gen, die ich und die vie­le Men­schen, die schon ver­sucht haben, mit Rech­ten zu dis­ku­tie­ren, nicht ernst nimmt, son­dern sagt: ihr seid selbst schuld, ihr seid zu mora­li­sie­rend, setzt eure Ansich­ten abso­lut etc. etc. Ich habe mei­ne Erfah­run­gen nicht mit Rech­ten gemacht, son­dern mit Men­schen, die sich selbst für nicht rechts oder sogar für links hal­ten, die aber den­noch “rech­tes”, völ­ki­sches oder verschwörungstheoretisches/antisemitisches Gedan­ken­gut pfleg­ten oder die sich schlicht wei­ger­ten, die deut­sche Allein­ver­ant­wor­tung für den Zwei­ten Welt­krieg anzu­er­ken­nen, und selbst mit die­sen war ein ver­nünf­ti­ges, argu­men­ta­ti­ves Gespräch nicht möglich.

“susan­na” bestä­tigt hier vie­les, was wir in MLL beschrie­ben haben: Daß die Ein­ord­nung nach “rechts” meis­tens eine Fremd­zu­schrei­bung ist, die ent­lang bestimm­ter inhalt­li­cher Bruch­li­ni­en appli­ziert wird. Ana­log iden­ti­fi­zie­ren wir in MLL vie­le Lin­ke, “die sich selbst für nicht für links” hal­ten, oder die in man­cher Hin­sicht “rech­ter” sind, als sie selbst glau­ben (etwa im kon­kre­ten Lebensvollzug).

Sie fährt fort:

… und ich habe mir wirk­lich Mühe gege­ben, schließ­lich waren es Men­schen, mit denen ich befreun­det war und an deren Freund­schaft mir lag, so dass ich vor­sich­tig war, es ver­mied, zu sagen “du bist rechts”, ver­such­te, zu erklä­ren, wo die Feh­ler lagen, aber am Ende stand ich doch vor der Ent­schei­dung, ob ich mit Men­schen befreun­det sein woll­te, die der “Ost­küs­ten­fi­nanz” die Ver­ant­wor­tung für den Zwei­ten Welt­krieg zuscho­ben oder nicht. Und ich bin nicht die ein­zi­ge, die sol­che Erfah­run­gen gemacht hat. Die ein­zi­gen, die sol­che Erfah­run­gen nicht machen, sind Men­schen, denen es nichts aus­macht, sich sol­ches Reden schwei­gend und wider­spruchs­los anzu­hö­ren, und das kann ich nicht.

 Zorns “Ana­ly­se des Ver­hal­tens der ‘Lin­ken’ ” hält sie für “grob falsch” (ich nicht, aber ganz befrie­di­gend ist sie auch nicht). Am wich­tigs­ten, um “das Gedan­ken­gut der Rech­ten” zu ana­ly­sie­ren, fin­det sie Schmö­ker wie “Angriff der Anti­de­mo­kra­ten” von Samu­el Salz­born oder “Die auto­ri­tä­re Revol­te” von Vol­ker Weiß (also zwei so rich­tig dum­me, dämo­ni­sie­ren­de Bücher, die zum Gen­re der stramm lin­ken Auf­hetz­li­te­ra­tur gehören):

Sol­che Bücher sind wich­tig, um Men­schen zu errei­chen, die unsi­cher sind. Die Rech­ten selbst sind nicht mehr erreichbar.

 Dar­auf Zorn:

Mit die­ser Vor­aus­set­zung bleibt Gewalt die ein­zi­ge Opti­on. Was prä­zi­se das Freund-Feind-Sche­ma der Rech­ten ist.

Bei­des ist irrig: Weder ist Gewalt (oder gar “Apo­ka­lyp­se”, wie Zorn anders­wo mein­te) bereits an die­sem Punkt “die ein­zi­ge Opti­on”, noch ist das “prä­zi­se” das “Freund-Feind-Sche­ma der Rech­ten”. Sei­ne Mes­sa­ge an “susan­na” ist: “Du – bzw. die Lin­ken, die so den­ken wie du – bist nicht anders als die Rech­ten auf der ande­ren Seite.”

Ich erspa­re mir an die­ser Stel­le eine Dis­kus­si­on über den Unfug, der mit der Behaup­tung getrie­ben wird, die auch in Zorns Bemer­kung zumin­dest mit­schwingt, daß die Rech­ten (und nur die Rech­ten oder pri­mär die Rech­ten) die Welt zwang­haft in “Freund-Feind”-Kategorien ein­tei­len wür­den, oder daß sie die­se “bana­li­té supé­ri­eu­re” (Gün­ter Masch­ke) über­haupt erst aus Bos­heit erfun­den hät­ten (ähn­lich, wie man­che Lin­ke es heu­te von der Unter­schei­dung “Wir” und “die Ande­ren” behaupen).

Hier fin­den sich Tie­fen­schich­ten, die nur ange­deu­tet wer­den kön­nen. Wenn Schmitt schreibt, “Ein end­gül­tig pazi­fi­zier­ter Erd­ball, wäre eine Welt ohne die Unter­schei­dung von Freund und Feind und infol­ge­des­sen eine Welt ohne Poli­tik”, dann ist es unschwer, hier einen Bezug zum links-glo­ba­lis­ti­schen, “erlö­sungs­li­be­ra­lis­ti­schen” Pro­jekt zu erken­nen, das genau dar­auf abzielt, eine sol­che post-poli­ti­sche, pazi­fi­zier­te Welt zu schaf­fen – und das jeden als Feind betrach­ten muß, der negiert, daß sich die Natur des Men­schen änder und das Poli­ti­sche abge­schafft wer­den kann. (Die Fra­ge, wie man Schmitts Freund-Feind auf­faßt und bewer­tet, ist übri­gens ein guter Lac­mus-Test, der in der Regel auch über ande­re Fra­gen des “Ich-seh-was-was-du-nicht-siehst” Aus­kunft gibt.)

Auf mei­ne Fra­ge, was er denn mit die­sem “Sche­ma” mei­ne, nann­te Zorn fol­gen­den “Argu­men­ta­ti­ons­ver­lauf”:

 

1: Eine Bedro­hung wird behaup­tet. 2: Jede Ver­mitt­lung wird negiert. 3: Gewalt. 

Es ist typisch für Zorn, daß er hier nur “Argu­men­ta­ti­ons­ver­läu­fe” sieht. Man kann sich auch fol­gen­de kon­kre­te Situa­ti­on vor­stel­len: 1: Es besteht eine rea­le Bedro­hung. Jemand kon­sta­tiert sie und for­dert ent­spre­chen­des Han­deln. 2: Jede Ver­mitt­lung schei­tert, und zwar aus Grün­den, die den Par­tei­en zutiefst inhä­rent sind, und die auch nicht mehr durch guten Wil­len über­wind­bar sind. 3: Gewalt. Der Unter­schied ist, daß man vom “behaup­ten” und “negie­ren” zum “fest­stel­len” gelangt ist. Also, mit Schmitt gesagt, bei einem “wirk­li­chen” Feind.

Indes, wie auch in MLL immer wie­der betont und aus­ge­führt wird, besteht kei­ne exak­te Gleich­heit zwi­schen den Lagern. Die Rech­te will am öffent­li­chen Dis­kurs teil­neh­men, die Lin­ke ver­wei­gert es ihr. Nicht von unge­fähr wird MRR von den Rech­ten eben wegen die­ses Aspekts recht posi­tiv auf­ge­nom­men, vom har­ten Kern der Lin­ken aber bekämpft (die Rosa­ro­ten jubeln zwar, weil es gera­de schick ist, aber laßt uns abwar­ten, ob sie auch danach handeln).

Die Rech­te hat kein (nen­nens­wer­tes) Pen­dant zur (teil­wei­se staats­a­li­men­tier­ten) Anti­fa auf­zu­wei­sen (also orga­ni­sier­te Sturm­trup­pen, die sys­te­ma­tisch Ver­an­stal­tun­gen blo­ckie­ren und ihren Abbruch erzwin­gen, Gegen­de­mons­tra­tio­nen orga­ni­sie­ren, Anders­den­ken­de ter­ro­ri­sie­ren, sozi­al iso­lie­ren und denun­zie­ren, die Bücher, Autos, Fens­ter­schei­ben etc beschä­di­gen, Men­schen phy­sisch atta­ckie­ren etc.)

Die Lin­ke will die Mei­nungs­frei­heit zu Unguns­ten der Rech­ten ein­ge­schränkt sehen, die Rech­te will, daß ihr ein­fach garan­tiert wird, was dies­be­züg­lich im Grund­ge­setz ver­an­kert ist. Die Lin­ke kämpft gegen eine behaup­te­te Bedro­hung (das Nazi­phan­tom), die Rech­te gegen rea­le Anti­fa­ge­walt und Staats­re­pres­si­on (und gegen die rea­len Bedro­hun­gen, die durch die Flücht­lings- und Ein­wan­de­rungs­po­li­tik entstehen). 

Die Rech­te hat einen wirk­li­chen, die Lin­ke einen abso­lu­ten Feind. Die Lin­ke besitzt bis in die hell­ro­sa Schat­tie­run­gen der (ver­meint­li­chen) Zen­tris­ten hin­ein die Dis­kur­s­ho­heit, die Rech­te kämpft um dis­kur­si­ves Ter­ri­to­ri­um. Die Lin­ke ver­mint das Gelän­de, die Rech­te räumt die Minen. Die Lin­ke hält die Rech­te für böse und unmo­ra­lisch, sie aber hält die Lin­ke für dumm und kindisch.

Die Lis­te ist lang, aber eine Sache ist noch von beson­de­rer Bedeu­tung. In MLL schrei­ben Som­mer­feld und ich:

Wie kommt es, daß bei­de Lager sich spie­gel­bild­lich die­sel­ben Din­ge vor­wer­fen? Oder genau­er gesagt: Wie kommt es, daß die Lin­ke uns stän­dig exakt die­sel­ben Din­ge vor­wirft, die sie selbst praktiziert?

 Das ist der frap­pie­rends­te Punkt, und wir haben ver­sucht, dar­auf eine Ant­wort zu geben.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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Kommentare (18)

Umdenker

30. Oktober 2017 11:26

Früher redete man über Rechte.
Jetzt redet man über das Reden mit Rechten.
Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen, aber wir sind einen kleinen Schritt weiter.

RMH

30. Oktober 2017 11:54

Interessant ist auch, was Houellebecq zu dem Thema schwindende linke Hegemonie und deren Rückzugsgefachte ins seinem aktuellen, angeblich "letzten" Interview zu sagen hat:

"Die Linke liegt jedenfalls im Sterben, ihre Ideen sind tot, trotz eines Volkstribuns wie Mélenchon und seiner unbestreitbaren Wortgewalt. Die Wahrheit ist, dass es in Frankreich nur noch die Rechte und die extreme Rechte gibt. Die Linke hat ihre Mobilisierungskraft verloren.

...

Die Wähler sind viel weniger blöd und verantwortungslos, als die Medien sie gern schildern. Sie wissen, dass die Schulden und die Defizite nicht endlos steigen können. Deshalb bezweifle ich, dass hinter dem linken Widerstand noch eine große soziale Kraft steht.

...

Die Linke ist hierzulande wirklich bösartig geworden. Man wird jedes Mal angeklagt, wenn man etwas sagt. Man wird unter Beobachtung gestellt. Die linken Gesinnungswächter sind seit einiger Zeit wahrhaft unausstehlich geworden. Sie verhalten sich wie ein Tier, das in der Falle sitzt und fühlt, dass es bald zu Ende ist."

https://www.spiegel.de/spiegel/michel-houellebecq-tritt-ab-und-zieht-im-spiegel-gespraech-bilanz-a-1174396.html

(Wie alles, was ansatzweise rechts und damit interessant ist, versucht Spon damit Kohle zu machen - linken Mainstream gibt es bei SPON dagegen noch gratis, da es eh keinen mehr groß interessiert, geschweige denn, dass er dafür etwas bezahlen würde ;) - Spiegel lebt also vom rechten Diskurs und beweist damit, dass Houellebecq durchaus recht hat, dass die Zeit der Linken vorbei ist.)

Maiordomus

30. Oktober 2017 12:01

Spannende Analyse von Lichtmesz; es würde sich lohnen, wie immerhin von ihm  angedeutet, die Poppersche These von "Keine Toleranz gegenüber Intoleranten" noch zu vertiefen. Zu bedauern bleibt, dass Popper, mit dem ich einschliesslich seiner Macken noch im Gespräch war, nicht mehr selber zu Rate gezogen werden kann. Vor 30 Jahren war er es nämlich, der die Linken zur Weissglut brachte, sich von ihnen als Faschist beschimpfen lassen musste, ich war mal bei einer solchen Debatte dabei. Da erklärte er: "Wenn Sie meine These, dass Macht der Kontrolle bedürfe und es keine Instanz geben könne, die ein Monopol auf Rechthaberei hat, wenn dieses Postulat der Kontrolle der Macht  für Sie Faschismus ist, dann nennen Sie mich halt meinetwegen einen Faschisten."

 

Natürlich nahm ich auch das absolut tiefe und in keiner Weise korrigierbare Misstrauen des Österreichers Popper gegen Jörg Haider wahr. Hier lag eine Art Feindwitterung vor. Aus der historischen Situation des österreichischen Juden der Generation von Popper war dies erklärbar und insofern verständlich. Ohnehin ergibt es sich, dass Popper zu den bedeutenden Denkern gehört, die unbedingt noch weitergedacht werden müssen. Popper durchschaute durchaus die Ideologie des Parteidenkens und am konkretesten hasste er die Grünen und deren romantisierende irrationalistische Zivilisationskritik, in der er durchaus rechtsextreme Elemente wahrzunehmen glaubte. Die Rechte, zumal die deutsche Rechte, wäre wohl beraten, das kritische Potential der jüdischen Intelligenz tiefer auszuloten. Wenn man nur schon bedenkt, in welchem Ausmass und auf welcher Qualifikation, weit intelligenter als Alice Schwarzer, hochgescheite und im übrigen agnostische Jüdinnen wie Phyllis Schlafly, vor einem Jahr verstorben,  und Esther Vilar das Feminismus- und Genderproblem kritisch angegangen sind. Qualifizierte Kritik am Feminismus gehört meines Erachtens zu den wichtigsten gesellschaftspolitischen Pflichtaufgaben der politischen Rechten, wobei es gerade hier das Kind nicht mit dem Bade auszuschütten gilt. Wie auch immer: In der Auseinandersetzung mit der zumal nichtlinken jüdischen Intelligenz, im Einzelfall selbst auch in der Auseinandersetzung mit der linken jüdischen Intelligenz, etwa in der Art von Marx bis hin zu Horkheimer, lernt man als "Rechter" argumentieren und vertiefen. Wir brauchen schlicht mehr Hunger nach wahren Sätzen, und was Lichtmesz schreibt über dasjenige, was die Rechten durchaus richtig sehen, ist meines Erachtens ein noch zu erweiternder Ansatzpunkt im Kampf gegen die linke Diskurshoheit im sogenannten geistigen Leben, welche Diskurshoheit zumal  im institutionalisierten und staatlich geschützten geistigen Leben stattfindet, ferner natürlich im deutschen Feuilleton. Der Geist an sich weht bekanntlich, wo er will, und die Dummheit sucht sich noch bekanntlicher ihr Ruhebett im Lager der jeweiligen Diskursmehrheit, wobei jedoch das von Jacques Maritain, franz. Philosoph, formulierte "Erhaltungsgesetz der Dummheit" mitzubedenken bleibt. Wenn die Diskurshoheit wechselt, dann wechselt auch die Dummheit das Lager. Das war schon vor 80 Jahren so und desgleichen vor 200 und vor 250 Jahren. Insofern gilt es im geistigen Leben und Streben einen langen Atem zu behalten.

Gustav Grambauer

30. Oktober 2017 13:43

"... diesmal ging er allerdings nicht von der Antifa, sondern von akademischen Linken aus."

Auch wenn der Topos offenbar von Grau in die Diskussion eingeführt und hier nur aufgegriffen wurde: ich wette, daß der weit, weit größte Teil der Antifas sowohl Kinder von Akademikern als auch selbst Akademiker in spe sind. Sicher bin ich mir, daß deren Gebaren nur ein verkorkstes, feiges, stilloses linkes Pendant zum Waffenstudententum ist, das aber psychohygienisch / psychoenergetisch und karrieretechnisch / filterpersonalpolitisch (so wie wir das beispielhaft an Madeleine Albright und ihrem Ziehsohn Joschka Fischer nachgewiesen sehen) dieselbe Funktion erfüllt. Oft mag noch, anders als auf dem Paukboden, das Moment der Erpreßbarkeit hinzukommen.

---

"Wie kommt es, daß beide Lager sich spiegelbildlich dieselben Dinge vorwerfen?" 

Mir fällt noch eine ganz andere Spiegelbildlichkeit auf. Karma is a bitch, jetzt kommt die jahrzehntelange Nazi-Schubldisierung von allem rechts der CSU oder meinetwegen rechts von Heiner Geißler wie ein Bumerang zu den Linken zurück. Dies geschieht nicht nur durch deren Überforderung mit unserer durch diese Schubladisierung unterschätzten Tragweite, sondern je weiter sich diese Tragweite öffentlich sichtbar auffächert desto mehr kommt deren (eben: spiegelbildliche) Selbstzerfleischung über jeden neuen linken Profilierungsversuch am Feindkontakt in Gang, im Vergleich mit der deren bisherige Realo-Fundi-Zwiste, die ja alle innerhalb der Blase stattgefunden haben, für die Wellness-Parties gewesen sein werden.

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"dabei jenes arrogant-selbstsichere Lächeln aufsetzend, das ein untrügliches Anzeichen für das Wirksamwerden des Dunning-Kruger-Effekts ist."

War das womöglich das "Horst-Schulze-Lächeln", wie wir es in der DDR nach der Rolle des Schauspielers als Karl Liebknecht im gleichnamigen DEFA-Film nannten, das wie eingefrorene Augurenlächeln der letztlichen Siegesgewißheit über die dialektisch-historische (gesetzmäßige) Weltmission des Proletariats, dem noch ein kleiner Zug mitleidsimulierender Altväterlichkeit (gegenüber allen, die`s noch nicht so kapiert haben) eingewinkelt war?   

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"... links-globalistischen, 'erlösungsliberalistischen' Projekt" ... "(, )das genau darauf abzielt, eine solche post-politische, pazifizierte Welt zu schaffen - und das jeden als Feind betrachten muß, der negiert, daß sich die Natur des Menschen ändert und das Politische abgeschafft werden kann."

Exkurs: ich gebe mal ein kleines Beispiel, das aufzeigt, wie die Diskurshoheit für dieses "Projekt" aus dem Nichts heraus fingiert wird. Wir hatten Mitte Oktober hier in der Schweiz eine schon als solche völlig aus der Luft gegriffene - aber erfolgreiche - Skandalisierung der Waffenlobby, deren Nachbeben sich am Wochenende in der Aargauer Zeitung so las (man kann die letztlich nichtssagenden Anspielungen, aus der die Schlagzeile vor allem besteht, gar nicht abschließend zählen): 

"Der neue FDP-Bundesrat Ignazio Cassis hat sich von der mächtigen Ärztegesellschaft FMH zum Ehrenmitglied ernennen lassen. Dies, nachdem sein Ein- und Austritt bei der Waffenlobby Pro Tell erst kürzlich Kritik hervorgerufen hatte."

https://www.aargauerzeitung.ch/schweiz/nichts-gelernt-aus-pro-tell-cassis-ist-jetzt-ehrenmitglied-der-aerztelobby-131847516

- G. G.

Der_Jürgen

30. Oktober 2017 13:47

@Maiordomus

Mir scheint, SIe rennen offene Türen ein. Glauben Sie denn ernsthaft, dass es unter den Lesern dieses Blogs sehr viele gibt, die das Werk eines jüdischen Autors nur darum ablehnen werden, weil er Jude ist? Sie bauen da einen Pappkameraden auf.

Haben SIe je jemanden kennengelernt, der beispielsweise Egon Friedells eindrückliche "Kulturgeschichte der Neuzeit" oder die Romane von Stefan Zweig aufgrund der jüdischen Abstammung ihrer Autoren verwirft? Ich kenne keine solchen Menschen.

Dass man eine Theorie oder These völlig unabhängig von der politischen Einstellung, Weltanschauung und Herkunft ihres Urhebers unvoreingenommen zu prüfen hat, ehe man ein Urteil darüber fällt, braucht man intelligenten Rechten - und die dummen Rechten, die es leider auch gibt, interessieren uns nicht - nicht noch eigens zu erklären. Die wissen das auch so. Von unseren linken Widersachern wissen es freilich die wenigsten. 

S. J.

30. Oktober 2017 14:06

Es ist bekannt, dass es eigentlich kaum möglich ist, bei der Gegenseite mit vernünftigen Argumenten etwas auszulösen. Wenn man also trotz Beredsamkeit und Sachkenntnis nicht weiterkommt oder Wiederholungen drohen, empfiehlt sich ein Verfahren, das bei einem sehr bekannten Historiker - der Name tut hier nichts zur Sache - während seiner Glanzzeiten zu beobachten war. Besonders dumme Einwände oder nicht abreißende Selbstdarstellungen von Studenten pflegte er immer mit einem angedeuteten Lächeln sowie den Worten "Ach was" oder "Finden Sie?" bloßzustellen bzw. zu beenden. Funktionierte immer. Manchmal sind solche mit aristokratischer Beherrschung vorgetragenen Bemerkungen (auch nicht übel: "Wenn Sie es sagen, muss es ja stimmen" oder "Was Sie nicht sagen") der beste Weg, die Dinge auslaufen zu lassen, wenn man seine Position dargelegt hat und mit diesen Worten signalisiert, kein Interesse mehr zu haben, sich von seinem missionarischen Gegenüber die Ohren ermüden zu lassen. Es ärgert solche Leute über alle Maßen, besonders wenn Zeugen zugegen sind. 

Corax

30. Oktober 2017 14:15

An Linke, die sagen, die Rechten wollten sich nur als Opfer stilisieren:

Wir sind nicht Opfer auf euren Altären und können es auch gar nicht sein, denn wir sind ja diejenigen, die auf eure Altäre spucken. Ihr opfert euch schon selbst, bringt euren eigenen Intellekt zum Opfer dar, dessen Verbrennung auf dem Altar eurer Götzen erst die Chimären eures Wahns zum Spuk verhilft.

 

Herr K.

30. Oktober 2017 15:48

Ich kann den Toleranzquark echt nicht mehr hören. Gut, dann sollen die Intoleranten eben bekämpft werden, also Jeder gegen Jeden. SPORT FREI! 

Ein feines Beispiel für die Lebensfremdheit verquaster Ideologen.

Einfach weiter rechts leben, handeln, denken. Was die da drüben denken, ist mir schnuppe.

Heinrich Brück

30. Oktober 2017 17:22

Identitätsrelativistische Ideologie (LINKE) gegen identitätsstiftende Weltanschauung (RECHTE). Globalismus funktioniert nur über das Nichtkennen der eigenen Identität, nicht wissen wer man in Wahrheit ist; und in diesem Sinne muß die Erziehung stattfinden. Die identitätsstiftende Weltanschauung der Rechten steht im Weg. Und inzwischen auch Merkels Gäste, die zumindest eine negative Identifikation provozieren. Also sind wir nicht so, im konkreten Umgang erfahrbar, und können (wollen danach) es auch nicht sein! Diesen Konflikt müssen die Linken ideologisch ausbaden, weil er sich frontal gegen das linke Bewußtsein des Multikulturalismus und Globalismus zentral wendet, also müssen die Rechten für die linke Täterbeschreibung herhalten. Die Linke bekommt keinen einzigen Diskurs auf die Reihe, zu sehr hängt ihr geheucheltes Sein, ihre Nichtidentität, an vergangen-verlogen umgeschriebener Historiographie. Ein Philosoph steht nicht über den Dingen, kann somit Rassenunterschiede und aus diesen hervorgegangene Kulturen nicht leugnen, was den Raum der linken Nichtexistenz verkleinert auch argumentativ zukunftslos den Volksaustausch vorantreiben muß. Merkels Gäste bleiben privat Natur-Kultur-National-RECHTE, öffentlich dagegen angewiesen auf die monatlichen Geldüberweisungen, und deshalb wird das Spiel nur in den sich häufenden Einzelfällen gestört. Was können diese Kleingeldempfänger schon? Für die linken Edelviertel keine Konkurrenz. Sie konsumieren den Überschuß, füllen im System den gewünschten Part, und sorgen als Kollateralnutzen für die Aufrechterhaltung der demokratischen Uneinigkeit. Ein Absaugprinzip parasitärer Enteignung ohne deutlich formuliert Schuldtragenden. Na ja, bis auf die Schuld der Störenfriede. Diese soll unverhandelbar, zur Machtkonsolidierung, eingesetzt bleiben. Und wenn diese ganzen Streitereien für eine Sache gut sind, nun sind sie halt da, dann für eine bewußtseinsverändernde Identitätsbildung.

 

Der Gehenkte

30. Oktober 2017 19:00

@Maierdomus

Langer Rede kurzer Sinn:

"Wir brauchen schlicht mehr Hunger nach wahren Sätzen!" Applaus! ... und den Mut, sie auszusprechen und zuzulassen! Betonung auf "Wir"

Urwinkel

30. Oktober 2017 19:15

"Es ist bekannt, dass es eigentlich kaum möglich ist, bei der Gegenseite mit vernünftigen Argumenten etwas auszulösen."

Stimmt soweit. Was angebotene Gesprächsoffenheit auslösen kann, sind feige Rückzugsgefechte bis hin zu suizidalen Sinnkrisen.  - Es ist präventiv davor zu warnen, gerade älternen Semestern eine philosophisch gestimmte Standpauke im neurechten Kontext zu halten. Das geht meist an den Hirnsynapsen vorbei und kann zu Ausrastern führen, die sie sich nachträglich selbst nicht erklären können und wollen. Ein nicht ganz gefahrloses Klientel. Vor allem wenn es mit ihnen um ein Grundmaß an Familienfrieden geht.

Aristoteles

30. Oktober 2017 19:26

Kann man diesen Dunning-Kruger-Effekt nicht einfach auch aggressive Dummheit nennen? Mein Respekt gilt jedenfalls der Bereitschaft zum argumentierenden Dialog.

Die Lüdeckes gab es übrigens schon in der Antike, z.B. in Platons 'Politeia', wo im ersten Buch die Debatte um die Gerechtigkeit geht und 'Sokrates' sagt:
"Als wir nach meiner letzten Frage eine Pause machten, hielt Thrasymachos keine Ruhe mehr, sondern duckte sich und stürzte wie ein Tier auf uns zu, um uns zu zerreißen."

Der Totalitarismus der Linken ist wahrscheinlich der Grund, warum sie gegenüber Gott so intolerant sind, der es am Anfang wagte, Himmel und Erde und Mann und Frau und später verschiedene Völker voneinander zu (unter)scheiden.

Wer die ganze Verlogenheit der jüngst vergangenen Ereignisse zurückverfolgt --- ich wundere mich da schon, warum nicht auch Konservativen hier und da ein Licht aufgeht bei der Frage, wie sehr auch im Krieg und unmittelbar danach gelogen, verbogen und mit False Flag gearbeitet wurde ..., und wer dabei linkischer und trickreicher war, mit Nachwirkungen bis heute.

Einer der größten Extremisten der Opferrolle ist neben Sokrates bekanntlich 'Jesus': Wäre Jesus ein Rechter, so würden die Linken nicht nur nicht zögern, sondern sich geradezu beeilen, ihm die hingehaltene Wange zu zerschmettern. Immerhin ist er ja nicht nur Gottes Sohn, sondern auch Gott.

 

Martin S.

30. Oktober 2017 20:26

Zur Toleranzdebatte kann ich nur noch hinzufügen:

"Tolerant sein kann jeder. Intoleranz muss man sich erarbeiten!"

 

Coriolan

30. Oktober 2017 23:01

*Sie sind einfach nur lächerlich! Sehen Sie nicht, wie lächerlich Sie sind? Sie sind ja völlig aufgeregt! Sie können keinen klaren Gedanken mehr fassen!*

Auf Arthur Schopenhauer zu verweisen, lohnt sich hier wieder. Speziell für Anfänger in Sachen Dialektik, wie mich.

Nach dem Herr Lichtmesz konkret wurde, wandte sein Gegner im Streitgespräch gleich zwei Kunstgriffe an. Zunächst die an dieser Stelle 'völlig' unangebrachte Beweisrede zum Menschen, und diese gleich mehrfach und in Superlative erweitert angebracht. Drei Totschlagargumente. Und einmal mehr stellt sich bei solchen ad hominem die Frage, ob es sich um Projektion handelt?

Im Recht bleiben kann man damit dennoch, wenn man die Zuhörer davon überzeugt, dass man selbst die objektive Wahrheit spricht.

Anfügen zu MRR und MLL möchte ich noch, dass mich das peinliche Theater zwischen Links und Rechts gewaltig nervt.

Franz Bettinger

31. Oktober 2017 10:41

@ S.J. - Ich gebe Ihnen recht. Das sind gute Methoden, um mit Linken zu reden oder ein hoffnungslos dummes Gespräch pointiert zu beenden. Ich mache es oft so, empathisch auf meinen linken (oder FDP-) Gesprächspartner einzugehen ("Ja, Sie haben recht") und sei es, dass man über das Angeln spricht, um dann irgendwann, nachdem er den Schild gesenkt und sich geöffnet hat, zu saen: "Kommt drauf an, wie Sie rassistisch oder rechts definieren. Wie definieren Sie's denn?" Schon an der Stelle kommen die meisten Linken ins Straucheln und stolpern über ihre Dummheit.

Franz Bettinger

31. Oktober 2017 11:24

@ Maiordomus: "Wenn die Diskurs-Hoheit wechselt, wechselt auch die Dummheit das Lager." Schöner Satz! 

@ Heinrich Brück: "Die Linke bekommt keinen einzigen Diskurs auf die Reihe". Ja. Die sich jetzt Links nennen oder Welcome Refugees rufen, werden sich mal weit mehr schämen (müssen) als die historischen Nazis und später die DDR-Versteher, die Rote-Bibel-Schwenker, Mao-Rufer und Ho-Ho-Chi-Minh-Skandierer. Schlimmer und dümmer war keine Generation als die heutige Linke. Ob ich ihr schmähliches Ende noch erlebe? - Ja! Es ist nicht mehr lang hin.

@ Aristoteles: "Der Totalitarismus der Linken ist der Grund, warum sie gegenüber Gott so intolerant sind,..."'In Deutschland ist die Kritik der Religion im wesentlichen beendigt, und die Kritik der Religion ist die Voraussetzung aller Kritik'. So Karl Marx 1844 in der Einleitung zur Kritik der Hegelschen Rechts-Philosophie. Im ersten Satz irrte er, im zweiten nicht. Solange man an Religionen festhält und die eine Heils-Erwartung mit der anderen bekämpft, erreicht man: Nichts. Nur Chaos, Mord und Totschlag und pfäffisches Gezänk. Bezeichnend, dass die Kultur-Marxisten längst von ihrer Forderung nach Beseitigung der Kirche abgekommen sind. Weil sie sich der nützlichsten aller nützlichen Idioten - der Gläubigen - nicht entledigen wollen. Deshalb!  - Unglaublich bleibt, dass die Integration des blutdurstigen, missionarischen, steinzeitlichen Islam in unsere Gesellschaft von den Kirchen im Interesse der Erhaltung ihrer eigenen Privilegien (die enorm sind) betrieben wird. Darin manifestiert sich eine korrupte Niedertracht, welche jene zur Zeit der Reformation weit übertrifft. Gegenüber den Kirchen muss immer wieder einer aufstehen wie Voltaire und sagen: "Ecrasez l'infâme!"

"Einer der größten Extremisten der Opferrolle ist bekanntlich Jesus gewesen: Wäre Jesus ein Rechter, so würden die Linken nicht nur nicht zögern, sondern sich geradezu beeilen, ihm die hingehaltene Wange zu zerschmettern." Danke für diese herrlich formulierte Erkenntnis, Herr "Aristoteles". 

@ Paracelsus:  Das Thema "Mit Linken Leben" mag für viele hier langweilig klingen, das Buch ist es nicht.

ALD

31. Oktober 2017 23:54

Das Dilemma der Deutschen Linken erreicht nun auch sie selbst:

https://www.ardmediathek.de/tv/Panorama/Krieg-gegen-IS-Der-US-Pakt-mit-Marxiste/Das-Erste/Video?bcastId=310918&documentId=47214508

 

Für die Nationalen, Heimatlichen, Identitären, für die Bewahrer des Gewachsenen und Verwahrer des Übergebenswerten heißt  es nun abwarten und Tee trinken...und ab und zu mal die Schutzhaube rausholen, um sich vor dem umherfliegenden Geröll der auseinandergesprengten linksideologisch verkrusteten ideologischen Formationen zu schützen.

Lotta Vorbeck

1. November 2017 01:17

@Franz Bettinger - 31. Oktober 2017 - 10:24 AM

"... Bezeichnend, dass die Kultur-Marxisten längst von ihrer Forderung nach Beseitigung der Kirche abgekommen sind. Weil sie sich der nützlichsten aller nützlichen Idioten - der Gläubigen - nicht entledigen wollen. Deshalb!  - Unglaublich bleibt, dass die Integration des blutdurstigen, missionarischen, steinzeitlichen Islam in unsere Gesellschaft von den Kirchen im Interesse der Erhaltung ihrer eigenen Privilegien (die enorm sind) betrieben wird. Darin manifestiert sich eine korrupte Niedertracht, welche jene zur Zeit der Reformation weit übertrifft. Gegenüber den Kirchen muss immer wieder einer aufstehen wie Voltaire und sagen: "Ecrasez l'infâme!" ..."

Den beiden BRD-Amtskirchen, nämlich sowohl der Käßmann-Bedford-Strohm-Irmgard-Adam-Schwaetzer-Protestanten, als auch der sich nicht erst unterm Globalistenpabst Bergoglio immer offener an den Islam heranwanzenden, formal noch immer als "römisch-katholisch" deklarierten Kirche, während zur selben Zeit beiden Organisationen das Schicksal der weltweit in zahlreichen, beileibe nicht nur in islamischen Ländern offensiv verfolgten Christen herzlich egal ist, wäre wohl auch leicht zuzutrauen, daß sie, angenommen das gegenwärtige System würde von einem harten, autokratischen, nationalistisch ausgerichteten Regime abgelöst, binnen kürzester Zeit, umstandslos auch mit diesem im Bett lägen.

„Mit keiner Lobby ist die Politik so eng verbandelt wie mit den Wohlfahrtsunternehmen. Rund ein Drittel aller Bundestagsabgeordneten hat zugleich eine Leitungsfunktion bei der Diakonie oder Caritas inne, auf kommunaler Ebene sind die Verbindungen noch frappierender, mancherorts betreiben Staat und Wohlfahrt sogar gemeinsame Tochtergesellschaften.“

schrieb die „Wirtschaftswoche“ am 20. November 2012

Wolfgang Schimank notierte am 30. Oktober 2017 als Gastautor auf dem Blog von Vera Lengsfeld:

"Die Kirchen in Lateinamerika haben sich seit Ende des Zweiten Weltkrieges zuweilen gegen faschistische Diktaturen und Repressionen gegen die indianische Bevölkerung aufgelehnt. Erinnert sei an den ermordeten Erzbischof Óscar Arnulfo Romero y Galdámez von El Salvador. In Deutschland, Österreich und Südtirol halten sich die Kirchen hingegen an die Machthaber. Sie nehmen die ihnen vom Staat zugedachte Rolle wahr und sorgen dafür, dass sich der gläubige Teil der Bevölkerung mit den Zuständen, die von der Staatselite verursacht worden sind, abfindet und im Idealfall diese sogar gut findet. Auffallend ist die gleichlautende Aussage von Politikern und Kirche, dass sich die Ursachen für Armut, Not, Flucht und Vertreibung nicht mit einfachen Worten erklären lassen und dass es keine Islamisierung in Deutschland und in Österreich gebe. Dass das Wort „Islamisierung“ nicht ein Begriff für die Beschreibung eines Zustandes, sondern eines Prozesses steht, sei nur am Rande bemerkt. Damit liegen die Kirchen ganz auf der Linie Martin Luthers, der die vorherrschenden Machtverhältnisse als gottgegeben predigte. Die Mainstream-Medien sind nebenbei gesagt mittlerweile auch dabei, diese Aufgabe zu übernehmen."

Siehe auch: Die Flüchtlingsgewinnler: Caritas und Diakonie - Klick mich!

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