2. Februar 2020

Netzfundstücke (40) – Corona, Soziologen, Schimpansen

Jonas Schick / 15 Kommentare

Das Coronavirus hält die Welt in Atem – mehr als 14.000 Infizierte weltweit, 305 Tote (Stand 02. Feburar 2020).

Noch immer bangen die Mediziner vor der Möglichkeit, daß sich in der dichtbevölkerten, verkehrsschnellen zivilisierten Welt unvermutet eine neue, bis dahin unbekannte Virusart zeigen könnte, die verheerende Seuchen mit sich brächte, vergleichbar den völkermordenden Pestzügen des Mittelalters.

So der Spiegel 1967 nach dem Ausbruch des „Marburgvirus“, einem Filovirus, der vor seiner Entdeckung durch Dietrich Peters und Günther Müller als gefährliche Unbekannte der Republik kurz den Angstschweiß auf die Stirn trieb.

Indessen hatte es in den 40 Jahren vor dem Erscheinen des Spiegel-Artikels »mit der „Spanischen Grippe“ (1918-1920) und der „Asiatischen Grippe“ (1957/58) zwei weltweite Influenza-Pandemien gegeben, denen bis zu 52 Millionen Menschen zum Opfer gefallen waren und denen sich nach den Ereignissen in Marburg noch die „Hongkong-Grippe“ (1968-1970) zugesellen sollte, an der – heute vergessen – allein in der Bundesrepublik rund 30.000 Menschen starben«, wie man in Nils Wegners faktenreichem und lesenswerten Sezession-Artikel „Eine Welt, eine Risikogruppe“ lesen kann.

Der »Schwarze Tod« hängt als düstere Pandemie-Erzählung Europas über unseren Köpfen und ruft uns in Erinnerung, wie dünn der Firnis der Zivilisation ist, wie schnell geordnete Verhältnisse ins kopflos Chaotische kippen können. Rund 1/3 (25 Millionen) der damaligen europäischen Bevölkerung raffte die Pest dahin.

Auch sie kam über „globalisierte“ Handelswege, genauer über die Handelsnetze der Genueser, 1347 aus Zentralasien nach Europa. Gleichwohl war die Vernetzung der Welt noch nicht im selben Maß fortgeschritten wie in unserer industrialisierten Epoche und eine Verbreitung in rasantem Tempo – erst 1353 erreichte die Pest ihren maximalen Ausbreitungsgrad in Europa – kaum bis gar nicht möglich.

Die jüngste Heimsuchung durch eine tödliche Krankheit, die uns noch in Erinnerung ist – wenn auch hauptsächlich als mediales Ereignis –, ist die Ebola-Epidemie in Westafrika, die von 2014 bis 2016 wütete. Ebola, wie das »Marburgvirus« zur Familie der Filoviridae gehörend, kostete in diesem Zeitrahmen laut WHO 11.316 von 28.639 Infizierten das Leben. Auch anläßlich des Ebolavirus notierte Nils Wegner seine Gedanken zur Epidemiologie unter dem Titel „Annotationen zur Seuchenlage“ hier bei Sezession im Netz  und wies auf das Kernproblem der Bedrohungslage durch Viren hin:

Das Kernproblem liegt aber woanders, nämlich – oh Wunder – in der Globalisierung und ihren Begleiterscheinungen. Wie oben angemerkt, ist Ebola samt Verwandtschaft nicht darauf ausgerichtet, den Menschen zu befallen. Das Aufkommen innerhalb der menschlichen Population erklärt sich insbesondere durch das massive Bevölkerungswachstum in Afrika, die damit verbundene Durchsiedelung des Urwaldes und die daraus erfolgende Verschleppung der Zoonose in Ballungsräume. Viel eher als die Rückverlegung erkrankter Einzelpersonen in ihre Heimatländer könnte sich denn auch die Möglichkeit einer globalen Ausbreitung innerhalb weniger Tage zur Bedrohung entwickeln, und dem ließe sich nur durch komplette Abschottung eines ganzen befallenen Landes entgegensteuern, was in der heutigen Welt recht utopisch erscheint.

Währenddessen hat ARTE pünktlich zur Ausbreitung des Coronavirus eine sehenswerte französische Dokumentation aus dem Jahr 2014, am Anfang der Ebola-Epidemie, wieder auf YouTube ins Netz gestellt, die Wegners Problemanalyse unterstreicht – eine ständige Bedrohungslage qua einer globalisierten Welt:

Derweil ist die Frage nach dem Ausbruchsort und dem Erstträger des Coronavirus keineswegs so eindeutig geklärt, wie es manche Medienberichte kolportieren. Im Artikel „Wuhan seafood market may not be source of novel virus spreading globally” auf der Netzseite der Zeitschrift Science bezweifelt Jon Cohen auf der Basis der Untersuchung chinesischer Forscher, daß der besagte Markt für Meerestiere die Quelle des Virus sei.

Wo auch immer der Virus letztendlich seinen Ursprung hatte und ungeachtet der tatsächlichen Gefahr, die von ihm ausgeht, führt uns das aktuelle Geschehen die Fragilität zivilsatorischer Selbstverständlichkeiten nachdrücklich vor Augen.


Zwischen allen Seuchenlagen noch einmal zurück zur Akademie; mittlerweile kann mit »Volk, Nation und Staat« von Dr. Thor von Waldstein ein weiterer Vortrag der letzten Winterakademie auf dem »kanal schnellroda« angeschaut werden:

An dieser Stelle ein Zitat aus meinem Akademiebericht:

Von Waldstein begann und machte seine Lektürebesichtigung an ihrer Behandlung des »Volkes« fest. Drei deutsche Soziologen unterzog er dabei einer Tiefenbetrachtung: Max Weber, Werner Sombart und Hans Freyer (Sombart und Freyers Denken und Leben werden in Rolf Peter Sieferles »Die konservative Revolution. Fünf biographische Skizzen« eingehend beschrieben). Weber, diesem Ausnahmetheoretiker, widmete Waldstein eine ausgiebige Schilderung seines Lebenslaufs, die in einer Darlegung Webers Konzeption von Volk und Nation mündete.

Ein, wie bei Waldstein gewohnt, sehr sehens- bzw. hörenswerter Vortrag über drei deutsche Soziologen, der verdeutlicht, daß die wissenschaftliche Disziplin keinesfalls als linkes Hegemonieprojekt ihr Dasein fristen muß und sollte.


Im akademischen Diskurs verbleibend zu einem Phänomen, das in den Fundstücken bereits mehrere Male, nämlich in den »Netzfundstücken (13) – Problemschüler, Dysgenik, Klima« und den »Netzfundstücken (15) – Masse, Gene, Sachsen« bei den Erörterungen zur Dysgenik und der Gen-Kultur-Koevolution implizit mitschwang: der Krieg als anthropologische Konstante.

In diesem Zusammenhang stellte Rolf Peter Sieferle in seinem Werk Krieg und Zivilisation (hier verfügbar) die Frage, »ob es in der Vergangenheit einen „Ursprung“ des Krieges gegeben hat oder ob sich (sic) beim Krieg um eine Universalie der menschlichen (bzw. hominiden) Existenz handelt.« Dazu weiter Sieferle:

Das aktuelle Wissen über die Anthropologie des Krieges stammt aus drei unterschiedlichen Quellen:

  1. Primatenforschung
  2. prinzipielle evolutiontheoretische Überlegungen
  3. empirische Daten über rezente Jäger und Sammler, ergänzt durch archäologische Funde

Unsere nächsten phylogenetischen Verwandten sind andere Primatenspezies, besonders die Schimpansen. Kann man aus dem Umgang dieser Tiere mit intraspezifischer Gewalt Schlüsse auf die entsprechende Disposition unserer Vorfahren ziehen?

Jemand, der diese Frage mit »Ja« beantworten würde, ist der Anthropologe David Watts, der sich auf die Studie der Verhaltensweisen von Menschenaffen spezialisiert hat und mit dem Ngogo-Schimpansenprojekt erstaunliche Beobachtungen machen konnte.

Nämlich, daß die von ihm und seinen Kollegen beobachtete Schimpansengruppe systematische Angriffe auf benachbarte Gruppen initiierte und somit ihre Größe und Territorium im Vergleich zu dem, was für Schimpansen sonst üblich ist, exorbitant ausdehnte. Die Ngogo-Schimpansen führten einen regelrechten »Krieg«.

Watts Forschung floß außerdem in die vielbeachtete, in der Fachzeitschrift Nature erschienene Analyse »Lethal aggression in Pan is better explained by adaptive strategies than human impacts« des Anthropolgen Michael L. Wilson, der mit seinen Kollegen Daten über das Verhalten und die Lebensweise von 18 Schimpansen- und 4 Bonobo-Gruppen auswertete.

Im Gegensatz zu der oft vorgebrachten Hypothese, daß die tödliche Aggression in Schimpansen durch den Kontakt mit Menschen hervorgerufen werde, fanden sie heraus, daß der Einfluß des Menschen kaum Auswirkungen auf die Anzahl der tödlich endenden Kämpfe unter den Affen hatte – die natürlichen Einflüsse (Anzahl der Männchen, Nahrungsangebot, Dichte konkurrierender Grupen etc.) seien ausschlaggebend

Also hat man es mit einem evolutionär bedingten Verhalten zu tun, das bei den nahverwandten Bonobos so nicht vorkommt: Es ist Teil der Anpassungsstrategie von Schimpansen, Artgenossen fremder Gruppen zu töten, insofern als diese Verhaltensweise für sie ein größeres Territorium und somit auch mehr Nahrung verspricht.

Wilsons Auswertung profitiert maßgeblich von den Studien an der Ngogo-Gruppe: Während im ungestörten Ngogo-Gebiet Schimpansen ihre Artgenossen am häufigsten töteten, starben beispielsweis in Bossou, wo Menschen signifikant in die Lebensweise der Tiere eingreifen, gar keine Schimpansen in Kämpfen.

Die berühmten Ngogo-Schimpansen und ihr außergewöhnliches Verhalten hat der eindrucksvolle Dokumentarfilm »Kampf der Kriegeraffen« festgehalten, der noch bis zum 23 Februar in der Mediathek von ARTE zu sehen ist:



Kommentare (15)

Max
3. Februar 2020 03:57

"1953 erreichte die Pest ihren maximalen Ausbreitungsgrad"

scheint mir doch etwas spät. Bitte korrigieren.

Schick: Schon geschehen; da ist wohl eine 9 anstatt einer 3 hineingepurzelt.

Andreas Walter
3. Februar 2020 04:19

Corona könnte rein statistisch betrachtet 170 Millionen Menschen das Leben kosten, vorausgesetzt a), alle werden infiziert und b), die derzeit hauptsächlich betroffene Population in Wuhan ist repräsentativ für die ganze Welt. Als Hersteller von Biowaffen wäre mir das allerdings viel zu wenig, eine Letalität von nur knapp über 2%, sollten es doch 80% Minimum schon sein. Besser wären natürlich 90%, doch alles darüber gilt eh als unwahrscheinlich und somit unrealistisch. Auch darum ist die Menschheit keine Monokultur und sollte es auch deshalb niemals werden. Jedes Jahr werden übrigens etwa 1% der aktuellen Population geboren, also etwa 80 Millionen Menschen. Die Mehrheit davon sind Afrikaner, Inder und Muslime. 2% allein in China wären jedoch auch 28 Millionen Tote, was die chinesische Regierung darum zu recht mit allen Mitteln verhindern möchte. Die Maßnahmen derzeit sind daher nicht drastisch, sondern vollkommen berechtigt. Allein schon um auch möglichen Angreifern und Terroristen mit Biowaffen zu demonstrieren, dass man damit in China nicht weit kommt.

Oh, da bin ich jetzt aber mal gespannt. Warum die (an Nahrung und Schutz) wohlhabenden Bonobos so (relativ) friedlich und "verschmust" sind weiß ich ja, doch was macht die Ngogo über das normale Maß für Schimpansen zu Kriegern?

Franz Bettinger
3. Februar 2020 10:16

Wikiblödia: "Influenza spreads around the world in yearly outbreaks resulting in about 3-5 Mio. cases of severe illness and about 290,000 to 650,000 deaths.“ Falls das stimmt, betrüge die Todes-Rate bei einer normalen Grippe bereits 10%. Ich halte das für zu hoch gegriffen. Aber jedenfalls wäre die Gefährlichkeit einer normalen I-Grippe damit viel höher als bei der Corona-Grippe. Die Inkubations-Zeit ist 1-3 Tage kurz. Die Diagnose wird meistens klinisch (nicht durch Tests) anhand der Symptome gestellt, wobei Fieber >39° ausschlaggebend ist (=Unterschied zu den häufigeren und harmloseren "Erkältungs-Krankheiten“, common flue-type). Es gibt keine wirksame Behandlung. (Tamiflu und andere "Virustatica" taugen nichts.) Grippe-Impfungen bringen mehr Schaden als Nutzen (können selbst Grippe auslösen und tödlich verlaufen). Ich habe in meiner Praxis nie gegen Grippe geimpft. Man kann und sollte also nur Symptom-Therapie betreiben: Ibuprofen. Absolut wichtig: (Bett-) Ruhe, sonst drohen Komplikationen (Myocarditis…).

Am Corona-Virus sind bis jetzt 304 Menschen gestorben, über 99,8% davon in China, bei >14.000 Infizierten. Da schafft die stinknormale Influenza-Grippe jährlich locker das zig-fache! Wenn also die angegebenen zahlen stimmen und die Überlebensrate (97%) relativ hoch ist, ist der Virus relativ harmlos.

Für Mediziner ergeben sich (ähnlich wie bei Aids, von dem heute keiner mehr spricht; warum?) noch andere Fragen: Wer wird hauptsächlich befallen? Alte und Kleinkinder oder auch Erwachsene im besten Alter? Wie wird die Diagnose der Corona-Grippe gestellt? Wie verlässlich sind die Tests? Was kosten die Tests? Wie hoch ist deren Spezifizität und Sensitivität (=Genauigkeit)? Wahrscheinlich weiß man das noch gar nicht. (Die Aids-Teste haben sich schnell als völlig untauglich herausgestellt.) Wer verdient daran? Man hört schon, ein Impfstoff sei entwickelt worden. Nachtigall…!

Franz Bettinger
3. Februar 2020 10:22

Corona: Ich denke, da wird (wie einst bei Schweine- und Vogelgrippen) wieder mal 'ne Sau durch’s Dorf getrieben. Um von den größeren Sauereien abzulenken, die parallel dazu laufen. Nicht nur. Ich denke auch: Man will dem Volk demonstrieren, dass die da oben nötig sind, und dass sie mächtig sind, und dass die schon etwas machen werden gegen die vielen Gefahren, die uns drohen, und dass wir denen deshalb immer schön viele Steuern zahlen müssen (für Impfungen, CO2 und bald wohl auch das Wasser zum Trinken und die Luft zum Atmen), sonst wären wir schon ausgestorben. Die retten sogar das Klima und damit die Welt und immer wieder unseren Arsch. Halleluja!

Es gilt, die nächste Stufe der Fragen-Rakete zu zünden: Sitzen die Chinesen im selben Boot wie deep state? Ich denke Ja. Es geht nicht nur um Geld, sondern um eine Macht-Demonstration. Den Völkern soll erst eine große Gefahr vorgegaukelt werden, welche die Mächtigen dann abwenden. Und rollt der Rubel der Dankbarkeit.

Tiuri
3. Februar 2020 22:07

@Andreas Walter
Rumgerechne lässt keine Schlüsse zu, dazu ist zuvieles unbekannt, Sie könnten auch würfeln.
Ein Hersteller von Biowaffen hat kein Intersse an einer Letalität von 90% oder mehr, weil sich der Virus kaum verbreitet wenn er seine Wirte tötet. Wie in der modernen Kriegsführung überhaupt wäre auch hier das Ziel möglichst viele Kräfte zu binden, d.h. möglichst viele Personen mit Krankheitsverläufen die intensivmedizinisch behandelt werden müssen und schweren Spätfolgen.

Um die Situation zu beurteilen muss man meines Erachtens nach auf drei Punkte schauen:
1. China hat schon vor einer Woche 50 Millionen Menschen unter Quarantäne gestellt, der politische und wirtschaftliche Schaden ist enorm. Würde der chinesische Staat sich so bei lediglich "einer schweren Grippe" verhalten?
2. Die Geschichte des Ausbruchs in Bayern geht etwa so: Chinesin wird in China von ihren Eltern aus Wuhan besucht, fliegt Tage später nach Deutschland (symptomfrei), hat hier mit einigen Menschen Kontakt (über Händeschütteln wird der nicht hinausgegangen sein), ist immer noch symptomfrei, fliegt zurück nach China und hat erste Symptome. Während ihres Aufenthalts in D haben sich mindestens 4 Personen angesteckt.
3. Von den 12Mio Einwohnern Wuhans haben zwischen Ausbruch und unter Quarantänestellung 3Mio die Stadt verlassen.

Punkt 2 und 3 lassen mich sehr bezweifeln, dass man das Virus wird eindämmen können.

Der Starost
3. Februar 2020 22:49

Das Coronavirus hat doch für die Chinesen eine andere Bedeutung als für uns. Möglicherweise betreibt die Führung der KP Chinas ihre aktionistische Vorsorge auch aus rationalen Gründen, denn bei einer Sterberate von „nur“ 2 % wären die Todesfälle in absoluten Zahlen bei einer Bevölkerung von 1,4 Milliarden Menschen auch im günstigsten Fall noch gewaltig und seuchenmedizinisch nur schwer zu handhaben.
Die Corona - Epidemie kommt unserer Führung natürlich sehr zupass, kann man das deutsche „Hühnervolk“ doch wunderbar von den eigentlich wichtigen Fragen ablenken und mit dessen direkt unter der Oberfläche lauernder Hysterie spielen. Von daher ist es mit Sicherheit kein Zufall, dass gerade jetzt auch wieder die Vogelgrippe fröhliche Urständ feiert: https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/vogelgrippe-erster-neuer-fall-in-deutschland-bestaetigt-a-7a1fb6f8-b5e5-4e5e-b26a-9c603048c2f9
Bei uns drehen die Leute in Gesundheitsfragen doch immer schwer am Rad: 2015 hatte die Vogelgrippe die Deutschen schon einmal in ihren Klauen. Wer beschrieb mein Erstaunen, als ich damals auf dem Weg nachhause Zeuge einer Eilmeldung im Autoradio wurde, wonach die Autobahn A 1 in der Höhe von Neustadt/Holstein hat voll (!) gesperrt werden müssen, weil ein toter Vogel die Fahrbahn blockierte!
Jedem erstaunten oder fassungslosen Leser zur Information: Das ist kein Witz!

RMH
4. Februar 2020 07:45

"Möglicherweise betreibt die Führung der KP Chinas ihre aktionistische Vorsorge auch aus rationalen Gründen."

Davon ist auszugehen - die chinesische Führung ist einer der rationalsten der Welt, wenn auch die Chinesen z.T. selber für den Grad der High-Tech, welchen dieses Land mittlerweile angenommen hat, z.T. erstaunlich irrational sind, siehe bspw. TCM etc.

Maiordomus
4. Februar 2020 10:58

Wenn man über die fragwürdige Geschichte um den Affenkrieg, deren Thema leider jenseits der anerkannten Kompetenzen des verstorbenen Rolf Peter Sieferle liegt (für dessen Ruf als eines ehemaligen Professors in St. Gallen ich mich vor drei Jahren als Publizist öffentlich verwendet habe), schon nicht in der notwendigen Breite und Offenheit debattieren will, so sollte man diese Sache still und leise ad acta legen. In Sachen Theorie des Krieges sind zwar Fortschritte möglich, zumal was die Rolle der Information und der Digitaltechnik betrifft, aber das Niveau von Heraklit, Thukydides und Clausewitz sollte nicht unterschritten werden. Sowieso sollte man, unbeschadet mitlaufender krimineller Energie bei militärischen Führern, das strategische Denken etwa von Hannibal, Caesar, Napoleon, Churchill, Mao, Putin nicht auf Kriterien der Primatenforschung reduzieren. Zumal man sich in anderen Beiträgen auf dieser Seite in der Art von Bosselmann für Bildung auf humanistischem Niveau engagiert. Es scheint mir auch nicht zutreffend, dass die entsprechenden Einlassungen, zum Beispiel diejenigen von @Monika, mit einem bildungsbürgerlichen Damen-Kaffeekränzchen zu verwechseln wären.

PS. Für den Fall, dass es sich beim Lärm um die Coronagrippe um eine freilich noch nicht ganz durchschaubare Art von Kriegsführung handeln würde, wäre dies ein Konflikt-Austrag, den man mit dem "Kampf der Kiegeraffen" nicht angemessen illustrieren kann. Um aber mögliche Missverständnisse auszuräumen: Ich kritisiere den Affenvergleich keineswegs unter dem Gesichtspunkt einer "Kränkung des Menschengeschlechtes". Wiewohl Schimpansen sich bereits gewisser Listen bedienen können, vgl. "dolus malus" als Mordkriterium beim Menschen, sind die Kapazitäten für das Böse bei den Affen meines Erachtens noch relativ beschränkt, vgl. die diesbezüglich lehrreiche Kriminalerzählung "Mord in der Rue Morgue" von Edgar Allan Poe. Sir Arthur Conan Doyle hat mit der Beschreibung des sozusagen gnostisch-manichäischen Endkampfs zwischen Professor Moriarty und Sherlock Holmes auf in der Kriminalliteratur eindrücklichste Weise den durchaus philosophischen Nachweis erbracht, dass für das "radikal Böse" (ein anthropologischer Begriff von Kant, hinter den man ebenfalls nicht zurückfallen sollte), allerhöchste Intelligenz erforderlich ist. Mephistopheles etwa in Faust I verhält sich bei weitem weniger affenmässig als etwa der verliebte Doktor Johann Georg Faust. "Er nennt's Vernunft und braucht's allein,/Nur tierischer als jedes Tier zu sein." Wobei freilich selbst bei Goethe die Wortwahl "tierischer" in diesem Zusammenhang nur als Analogie zu verstehen ist, eher nicht "biologistisch" gemeint sein dürfte. Es geht letztlich um die Metaphysik des Bösen. Hier kommt ein Gorilla definitiv an seine Grenzen. King Kong lässt grüssen! Das in Deutschland erreichte Zivilisationsniveau sollte bei Kant bleiben.

Andreas Walter
4. Februar 2020 14:22

@Tiuri

Bei natürlichen Viren mag das so sein, doch bei Produkten aus der Militärforschung könnte ich mir auch zweistufige Varianten mit Zeitverzögerung vorstellen. Oder auch zwei (Komponenten) Viren, die erst zusammen das eigentliche, das tödliche Programm entfalten.

Zu Ihren Fragen. Vielleicht weiß oder vermutet die chinesische Regierung etwas, was Sie nicht wissen oder sich nicht vorstellen können.

Der Superspreader von SARS bewohnte im Hotel Metropole in Hong Kong das Zimmer 911.

Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Epidemie (wie bei Corona der Fall) exakt in der Mitte eines Landes beginnt ist auch nicht 1.

Bitte denken Sie auch daran, was für eine hohe Geheimhaltung auch das Manhattan-Projekt bis zum Schluss erfolgreich aufrecht gehalten hat.

Die Aktien in China (oder chinesische Aktien) sind ja bereits um glaube ich 9% (andere schreiben 8%) in den Keller gegangen:

https://boerse.ard.de/boersenwissen/boersengeschichte-n/coronavirus-schwarzer-schwan-fuer-die-weltwirtschaft100.html

Die gleiche Nachricht aus NY über den Dow Jones würde dort bereits völlige Panik auslösen.

Hätte ich viel Geld würde ich jetzt chinesische Aktien kaufen. 2001 gab es übrigens auch seltsame Finanzaktivitäten rund um das Hauptereignis damals im Herbst. Ein Schelm, wer auch Böses dabei denkt.

heinrichbrueck
5. Februar 2020 00:36

Affenkrieg: Soziale Netzwerke und ihre Funktionen. Der Menschenkrieg ist verlogener. Die Schimpansen dezimieren die Roten Stummelaffen (rotten sie fast aus), töten fremde Schimpansen, auch einen Chaoten aus der eigenen Gruppe, ohne Menschenbildung, mit deren Hilfe die Expansionen verschleiert bzw. schöngeredet werden könnte. Hätten mal die europäischen Demokraten die normale Beobachtungsgabe der Schimpansen, wir säßen nicht so tief im Schlamassel. Auf evolutionärer Ebene kein so großer Unterschied. Soziale Netzwerke, Zusammenhalt, Führung, Evolutionskrieg, Affen- oder Menschengruppen, der Lebenskampf bleibt in beiden Fällen Weitergabe und Mehrung des eigenen Stammes. Die Natur regelt alles. Auch wenn sie am Endergebnis nicht interessiert ist. Lebenssinn und Rechtfertigung; einem sterbenden Affen die Frage gestellt, was er in seinem Leben anders machen würde, könnte er die Zeit zurückdrehen, hätte er wohl keine Möglichkeit zu verstehen; er könnte nicht menschenähnlich lügen. Die Affen verstehen ihre eigene Welt einfach besser. Was an Falschinformationen in nur einer Tageszeitung steht, begegnet einem Affen sein Lebtag lang nicht. Um den Coronatest wahrheitsgemäß einordnen zu können, müßte das richtige Informationsumfeld vorhanden sein (Bildung allein scheint mir nicht auszureichen). Eine kreative Interpretation, deren Voraussetzungen vernünftig scheinen, muß nicht stimmen. Wie bösartig kann der Mensch politisch mißbraucht werden, wenn er seine Schuldfähigkeit langfristig überhaupt nicht denken kann?

Maiordomus
5. Februar 2020 11:11

@Heinrichbrueck. Ihr Volltreffer: "Die Affen verstehen ihre eigene Welt einfach besser. Was an Falschinformationen in nur einer Tageszeitung steht, begegnet einem Affen sein Lebtag lang nicht." Kompliment für diese Wahrheit. Aber gerade deswegen, wegen dem, was Popper "Welt 3" nennt, geht im obigen Artikel und letztlich auch bei Ihnen der Affenvergleich nicht auf.

Laurenz
5. Februar 2020 12:20

@heinrichbrueck & Maiordomus ... Ihre Beiträge sind interessant zu lesen, wobei man bei Maiordomus wieder kaum den Aspekt der eigentlichen Mitteilung findet.
Es ist nicht nachweisbar, ob Affen lügen können oder nicht, warum sollte der in der Hierarchie schwächere Affe nicht lügen? In Asien ist die Lüge beim Menschen auch nicht verfemt, sondern legitim. So gut wie alle Prädatoren bringen ihresgleichen um, vor allem dann, wenn das Nahrungsangebot begrenzt ist, wie zB in den Polar-Regionen. Das sorgt für Intelligenz und Stärke.

Kant ist für den Allerwertesten, Maiordomus. Unseresgleichen rottete noch den Neanderthaler aus (Thor zieht nach Osten Trolle erschlagen. Orks und Trolle haben wieder Einzug in unseren Sprachgebrauch gefunden, quer durch alle politischen Strömungen). Opportun ließ man ein paar Neanderthal-Frauen leben, da wir seinerzeit mutmaßlich in einem Matriarchat lebten, was manchen Mann leer ausgehen ließ.
Daß wir Menschen unsere frühzeitige Sterberate nicht erhöhen, hat damit zu tun, daß es möglich ist, Gegner in den eigenen Herrschaftsbereich einzugliedern, indem man ihm seine Identität nimmt, siehe Inkas.
Natürlich sind Kant und die Inkas unsäglich. Sie sorgen beide für Degeneration.

Nemesis
5. Februar 2020 21:40

@rmh:
"Davon ist auszugehen - die chinesische Führung ist einer der rationalsten der Welt, wenn auch die Chinesen z.T. selber für den Grad der High-Tech, welchen dieses Land mittlerweile angenommen hat, z.T. erstaunlich irrational sind, siehe bspw. TCM etc."

TCM ist keineswegs irrational. Sie können davon ausgehen, daß Behandlungsmethoden die seit 3500 - 4000 Jahren existieren
durchaus ihre (rationale) Wirksamkeit haben. Sonst existierten sie nicht mehr.

Aus der Wikipedia:
"Scientific investigation has not found evidence for traditional Chinese concepts such as qi, meridians, and acupuncture points."

Nur weil etwas mit unseren Meßmethoden nicht meßbar ist, existiert es nicht? Selbstverständlich haben z.B. Akkupunkturpunkte Auswirkungen. Das kann man auch sehr leicht zeigen.

Es gibt z.B. kein objektives Verfahren, um Schmerz bzw. Schmerzstärke messen zu können. Existiert er deswegen nicht?
Hauen Sie sich mal mit dem Hammer auf den Finger.
Nach unseren Meßmethoden dürften Sie dabei eigentlich keine unterschiedlichen Schmerzstärken empfinden, weil man sie nicht objektiv messen kann. Dann müßte es gemäß Wikipedia heißen:
"Scientific investigation has not found evidence for concepts as painstrength." Irrational?
Und das gilt für sehr viele andere Aspekte.

Selbstverständlich hat TCM ihre Einschränkungen und ihre Schwachstellen und wird damit auch Mißbrauch getrieben.
Wie bei unseren Verfahren auch.

Franz Bettinger
6. Februar 2020 09:26

Übrigens betrügt sich die TCM selbst. Ein Freund von mir (Arzt) hat sechs Monate in Peking in einer Geburts-Klinik gearbeitet, die damit warb, zur Schmerz-Ausschaltung (sogar beim Kaiserschnitt) Akupunktur einzusetzen. Erst nach meinem Nachbohren gab der (von Akupunktur und später von Homöopathie angetane) Freund und Kollege zu, dass gleichzeitig immer auch eine kleine Spritze gesetzt wurde. Was das denn für eine Spritze war, wollte ich wissen. Widerwillig gestand er: Morphium. Von seinem Glauben abgebracht hat ihn das nicht. Small wonder, die Freundschaft ist seit September 2015 im Arsch.

Ich habe in meiner Praxis ebenfalls Akupunktur betrieben. Am Ende habe ich bewusst falsche Punkte gestochen - die Resultate waren dieselben. Eben diesen und ähnliche Teste hat die englische Aku-Gesellschaft sehr wissenschaftlich durchgeführt - und kam zum gleichen Ergebnis. Die Punkte und Meridiane taugen nichts. Und doch ist etwas dran an der Akupunktur, Stichworte: Gate Control, Renshaw Zelle, Alpha- und Gamma-Fasern. Ganz kurz, wie's läuft, wenn ich darf: Wenn man sich z.B. am Ellbogen stößt, greift man reflexartig an die Stelle des Schmerzes und reibt sie. (Das ist Aku-Pressur.) Und das linder den Schmerz. Die taktilen (schnellen) Alpha-Fasern (die durch das Reiben ihre APs = Aktions-Potentiale abfeuern, also den Tastreiz übertragen) erreichen dieselbe (!) Renshaw Zelle im Rückenmark, aber einen Bruchteil deiner Sekunde vor den langsamen Gamma -Nervenfasern, die den Schmerz übertragen wollen, aber nicht können, weil die R-Zelle kurzfristig blockiert ist. Das Schmerz-Tor (Gate Control) ist geschlossen.

Nemesis
7. Februar 2020 00:40

@Franz Bettinger
Danke für Ihre Rückmeldung und kurze Erläuterung.
Ja, es gibt unterschiedliche Hypothesen. Die Gate Control Hypothese ist eine davon. Andere machen eine (wohl tatsächlich nachgewiesene) Adenosinerhöhung im umliegenden Gewebe verantwortlich. Wieder andere halten Endorphinausschüttungen für eine mögliche Erklärungsursache. Tatsächlich nachgewiesen wurde meines Wissens nach aber keine der Erklärungen wirklich.

Ja, die Akkupressur (Vorgänger der Akkupunktur) kann verschiedenste Wirkungen hervorrufen. Man kann damit z.B. nicht nur Schmerzen lindern, sondern auch umgedreht hervorrufen.
Es ist damit auch möglich, Lähmungen hervorzurufen (z.B. auch Atemlähmungen). Durch entsprechende Gegendruckpunkte kann das dann wieder geöffnet werden. Im Kampfsport werden diese Punkte pressure points genannt und traditionell seit Jahrhunderten verwendet (wurde jetzt als Kyusho „wiederentdeckt“).
https://www.youtube.com/watch?v=2QYjnrZd3do

Was ich sehr interessant finde, ist, das 1992 eine Untersuchung der Meridianverläufe (de Vernejoul, Albarède und Darras in Paris) mit Radiotracern durchgeführt wurde. Dabei wurde Technetium 99 als Tracersubstanz in Akupunkturpunkte injiziert und seine Ausbreitung via Szintillation nachverfolgt. Die Tracersubstanz folgte den Meridianverläufen.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/1311036
(pdf rechts oben)
Wenn Sie mehr darüber finden, lassen Sie es mich wissen.

Zwei Anmerkungen noch:
1. In der TCM ging es vornehmlich darum, Gesundheit zu erhalten, nicht erst, wenn gar nichts mehr geht, zum Arzt zu rennen (was aber auch Heilungsmaßnahmen nicht ausschloß). Daß man jetzt die Methoden zur schnellen Heilung einzusetzen versucht, widerspricht zwar nicht dem Zeitgeist (Kohle), wohl aber dem Wesen der TCM.
Völlig anderer Ansatz.

2. „Small wonder, die Freundschaft ist seit September 2015 im Arsch.“
Wenn das die Freundschaft beendete, dann war sie wohl keine…
:))

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