Sezession
4. Mai 2019

Netzfundstücke (9) – Harmlose Rechte, gefährliche Begriffe

Gastbeitrag / 12 Kommentare

von Jonas Schick – »Wenn Sie mit einem 'Rechten' zu tun haben, so suchen Sie herauszubekommen, wer sein Feind Nr. 1 ist.

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Sind es die Kommunisten, so haben Sie einen von Grund harmlosen Menschen vor sich.«

Dieser im Eingangssatz des in der reihe kaplaken erschienen Traktates Gegen die Liberalen von Armin Mohler beschriebene Typus des Beschwichtigungskonservativen erfährt über die letzten Wochen und Monate speziell im neu (zu schnell?) gewachsenen AfD-Umfeld Hochkonjunktur.

Den jüngsten Anstoß zu seinem hysterischen Schäumen und Krampfen lieferten die Überlegungen des Juso-Chefs Kevin Kühnert zur Kollektivierung (Achtung: keine Verstaatlichung!) von Betrieben quasi ihrer Vergenossenschaftung.

Sezession-Redakteur Benedikt Kaiser summiert die grassierende ideologische Wirrnis hier präzise. Im Unterholz der bundesrepublikanischer Konservatismus-Definitionen scheint man sich im liberalkonservativen respektive wertkonservativen Gestrüpp verfangen zu haben.

Erster gravierender Fehlschluß ist die Gleichsetzung der neoliberalen Wirtschaftsordnung in ihrer finanzkapitalistischen Ausprägung, die seit den 1990ern in Europa und global an Wucht gewann und die aktuell das Momentum auf ihrer Seite hat, mit konservativen Wirtschaftsprinzipien. Erschwerend kommt hinzu, daß man in der Europäischen Union nicht die supranationale Trägerkonstruktion der Liberalisierung der nationalen Märkte erkennt, sondern sich in EUdSSR-Fantasien versteigt.

Ganz im Einklang mit der „Ideologielosigkeit“ der neoliberalen Ideologie (näheres dazu in Marx von rechts) wird vergessen, daß vor allem die bundesrepublikanische Spielart des Kapitalismus erhebliche Unterschiede zum angelsächsischen laissez-faire Markt aufwies, der heute als dominantes Kapitalismusprinzip auftritt. In dem von Wolfgang Streeck und Martin Höpner herausgegeben Band Alle Macht dem Markt? Fallstudien zur Abwicklung der Deutschland AG im Campus Verlag wird der sukzessive Umbau des bewährten deutschen Wirtschaftssystems anschaulich nachvollzogen.

Ein Akteur dieser Entfesselung „freier“ Marktkräfte ist zweifelsohne die Europäische Union. Die Wirtschafts- und Sozialwissenschaften subsumieren diesen Prozeß unter dem Begriff der „Europäisierung“ – exemplifiziert zum Beispiel im Sammelband Governance in der politischen Ökonomie. Struktur und Wandel des modernen Kapitalismus von der Politikwissenschaftlerin Susanne K. Schmidt. Für Leser, die des Englischen mächtig sind, empfiehlt sich außerdem folgendes Werk aus dem Hause Palgrave: Public Sector Employment Regimes. Transformations of the State as an Employer.

Die Europäisierung respektive Liberalisierung des deutschen Wirtschaftsgeschehens läßt sich nun begrüßen oder ablehnen – es bleibt aber eine deskriptive Tatsache und straft jegliches EUdSSR-Geunke Lügen.

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Genauso kurzsichtig ist die allseits beliebte, kategorische Verteufelung des Islam im patriotischen Milieu, wodurch man sich schlußendlich nur zum nützlichen Vehikel westlich-liberaler Gesellschaftsordnungen macht, die rechten Gemeinschaftsvorstellungen diametral zuwiderlaufen. Derweil findet man auf Sezession im Netz zuhauf differenzierte Betrachtungen einer komplexen Kulturgemeinschaft, die den aufmerksamen Leser eines Besseren belehren sollten.

Das beginnt bei Dr. Seyed Alireza Mousavis Artikel zum schiitischen Gottesstaat im Iran unter dem Titel Schiitischer Staat und Säkularisierung und endet bei Dr. Thor von Waldsteins achtzehn Thesen zum Islam.

Zeitgleich wurde Siegfried Gerlich die Möglichkeit zur Gegenrede in drei Teilen hier, hier und hier gegeben, die wiederum von Waldstein eine Erwiderung erfuhren. Ferner hatte von Waldstein im Jahr 2016 bei einer Compact-Veranstaltung die Möglichkeit, seine Positionen bezüglich des Islams vor einem breiten Publikum zu referieren:

Wer den Islam in seiner Gesamtheit verstehen will, der wird wiederum bei Tilman Nagel fündig. In seinem Buch Was ist der Islam? Grundzüge einer Weltreligion gibt der renommierte Islamwissenschaftler einen fundierten Einblick in die muslimische Lebenswelt.

Nicht vergessen werden sollte auch die IfS-Studie Ist der Islam unser Feind?, die eine differenzierte Feindbestimmung im Detail vornimmt. Alle hier bisher aufgeführten Bücher und Studien können natürlich direkt bei Antaios, dem größten konservativen Versandbuchhandel, bestellt werden.

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Damit aber nicht genug, greift die neo-konservative Hybris auf die Faschismus-Definition über und macht ihre Protagonisten dadurch erneut zu willfährigen Idioten des Feindes. Indem man Antifa-Schläger und Konsorten zur neuen Sturmabteilung erklärt und sie in eine Reihe mit dem Faschismus stellt, spinnt man das linke Märchen weiter, das totalitäre und gewalttätige Politik nur von rechts ausgehen könne.

Es wird in perfider Weise die eigene Stigmatisierung reproduziert – ganz davon abgesehen, daß man die plumpen Faschismusvorstellungen linker „Extremismusexperten“ gleich mit übernimmt.

Dabei hat Hans-Helmuth Knütter das Herrschaftsinstrument der Linken, die „Faschismuskeule“, für das Institut für Staatspolitik bereits in seine Einzelteile zerlegt und seine totalitären Wesenszüge demaskiert.

Außerdem existiert eine Klarstellung zum Faschismus in Form eines kaplaken Bandes von Karlheinz Weißmann, die sich dem politischen Phänomen außerhalb des vorgefaßt antifaschistischen Korridors nähert. Ferner beschäftigt sich eine ganze Ausgabe der Sezession mit dem Faschismus, die hier im Archiv frei verfügbar ist. Das bessere Wissen gibt es also zu genüge; nur genutzt werden muß es!

Kurz vor der Europawahl und den in diesem Jahr anstehenden und überaus wichtigen Landtagswahlen sei in Anlehnung an den konservativen Vordenker Armin Mohler einem Teil der AfD und ihrer Fackelträger dies nachdrücklich und fett ins Stammbuch geschrieben: Der Feind agiert bereits innerhalb der Burg und macht unsere Abwehr so weich, daß der äußere Feind eindringen kann.

Es bleibt daher zu konstatieren: eine fundierte ideologische Selbstverortung und Feindbestimmung tuen nach dem Zulauf, den unser Lager seit 2015 erfahren hat, dringlichst Not.


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Kommentare (12)

Niekisch
4. Mai 2019 19:59

"Es bleibt daher zu konstatieren: eine fundierte ideologische Selbstverortung und Feindbestimmung tuen nach dem Zulauf, den unser Lager seit 2015 erfahren hat, dringlichst Not."

Von wem, so frage ich provokativ, ist ein solches Werk zu erwarten? Mehrfach habe ich auf SiN ansatzweise, schlagwortartig, solches in den Ring geworfen. Reaktion gleich null. Auf dem früheren "Gesamtrechts"-Blog und auf "Metapolitika" wurde es unter der Kategorie "Metapolitisches" über einen längeren Zeitraum hinweg sogar unter Begleitung von Fachleuten mit hoher Beteiligung von Autoren und Kommentatoren versucht und bereits "das große Ziel" und ein "Weltanschauliches Minimum" sowie ein Verhaltenskodex erarbeitet.

Da ist es hier aber dann an der Zeit!

HomoFaber
4. Mai 2019 21:57

“Die Europäisierung respektive Liberalisierung des deutschen Wirtschaftsgeschehens läßt sich nun begrüßen oder ablehnen – es bleibt aber eine deskriptive Tatsache und straft jegliches EUdSSR-Geunke Lügen.”

Diese Art von “Liberalisierung” privatisiert die Gewinne, sozialisiert aber die Verluste des Finanzkapitals.
Es handelt sich also um eine besonders perfide Kombination der beiden Kinder der Aufklärung. Zudem zeichnet sich die EU durch eine sozialistisch-planwirtschaftliche und zentralistisch-illiberale Regulierungs- und Verteilungswut aus. Damit ist das “EUdSSR-Geunke” also nicht so weit hergeholt.

“Indem man Antifa-Schläger und Konsorten zur neuen Sturmabteilung erklärt und sie in eine Reihe mit dem Faschismus stellt, spinnt man das linke Märchen weiter, das totalitäre und gewalttätige Politik nur von rechts ausgehen könne.”

Ich glaube, daß es genau andersherum gedacht ist.

Waldgaenger aus Schwaben
5. Mai 2019 07:07

Als erstes möchte ich daran erinnern, dass die AfD von mit der Euro-Rettung unzufriedenen CDU- und FDP Mitgliedern, -Anhängern und -Wählern gegründet und in die ersten Parlamente getragen wurde. Andere Neugründungen rechts der CDU/CSU/FDP in der Bundesrepublik waren zuvor stets erfolglos. Fragt sich, wer hier in wessen Burg eingedrungen ist.

Zum Thema Zukunft des Kapitalismus:
Weltweit gehen Hunger und Kindersterblichkeit zurück, die Lebenserwartung steigt. Und das trotz weltweitem Bevölkerungszuwachs. Der technische Fortschritt getragen vom Freien Markt entfaltet eine segensreiche Wirkung.

Richtig ist aber auch, dass in Europa, den USA und wahrscheinlich auch Japan, den führenden kapitalistischen Ländern, die Masse der Bürger vom technischen Fortschritt kaum mehr profitiert. Die bereinigten Nettolöhne steigen kaum noch.

Nur was Kühnert, Habeck, Palmer, Wagenknecht und andere ähnlicher Provenienz dazu sagen, ist einfach nur Müll.
Sondermüll um genau zu sein.
Ich verweise auf di e Achse des Guten:
Vera Lengsfeld
https://www.achgut.com/artikel/kevin_ist_nicht_allein_zu_haus

und vor allem auf Dushan Wegener
https://www.achgut.com/artikel/kevin_die_nuetzliche_nebelkerze

Dieser Kevin'sche Sondermüll verhindert eine ernsthafte Diskussion wie die soziale und ökologische Marktwirtschaft weiter zu entwickeln ist, und was verhindert, dass sie in dem Maße dem Volk zu Gute kommt, in dem sie es könnte.

Von den bürgerlichen Parteien, außer der AfD, kommen nur Parolen, die die Intelligenz der Wähler beleidigen: "Mehr Netto vom Brutto." "Digital first. Bedenken second".
- Ja warum macht ihr nicht?

Nur frage ich mich langsam, ob auch hier auf SiN der richtige Ort ist, eine Diskussino über die Zukunft der Marktwirtschaft zu führen.

quarz
5. Mai 2019 08:50

"Genauso kurzsichtig ist die allseits beliebte, kategorische Verteufelung des Islam im patriotischen Milieu"

Der Islam hat nun mal als unveräußerlichen ideologischen Kern den politischen Weltherrschaftsanspruch, den er auch bei jeder sich historisch bietenden Gelegenheit versucht hat umzusetzen. Schon deshalb sehe ich da kein Versöhnungspotential.

Der_Juergen
5. Mai 2019 09:24

Zwei Bemerkungen, die nicht sonderlich neu sind, aber manchmal darf man bereits Bekanntes ja wiederholen:

1) Natürlich ist der Islam der Feind Europas, aber nur aufgrund der Tatsache, dass das System ihn als Rammbock zur Zerstörung gewachsener Strukturen benutzt. Gäbe es die islamische Einwanderung nicht, so könnten wir mit den muslimischen Staaten in Frieden leben. Doch da nach einem hypothetischen Paradigmenwechsel mehrere Millionen Muslime repatriiert werden müssen, davon die Mehrzahl Türken, steht uns dann ein gewaltiger Konflikt vor allem mit der Türkei ins Haus, einschliesslich massiver Terrorismus auf deutschem Boden und "Racheakte" an orientalischen Christen, die womöglich als Sündenböcke werden herhalten müssen. Die Verbrechen, die dieses System an den Völkern begangen hat und täglich weiter begeht, sprengen jedes Mass.

2) Wer, wie es z. B. die Leute von PI mit ärgerlicher Penetranz tun, die Antifa und ähnliche linke kriminelle Vereinigungen als "neue Nazis" oder "neue SA" tituliert, übernimmt dadurch das Narrativ der Herrschenden und schmiedet die Ketten, in denen Deutschland gefangen liegt, noch fester. Aber die Dummköpfe sind ja nicht in der Lage, das zu kapieren - ausser vielleicht jenen, die einfach ihre beruflichen Pflichten erfüllen, weil sie für ihr Nebelgranatenwerfen bezahlt werden.

Lotta Vorbeck
5. Mai 2019 09:31

@Waldgaenger aus Schwaben - 5. Mai 2019 - 07:07 AM
"... Nur frage ich mich langsam, ob auch hier auf SiN der richtige Ort ist, eine Diskussinon über die Zukunft der Marktwirtschaft zu führen."

**********************************

Über die Zukunft der auf Raubbau und Ressourcenverschwendung und permanentem Wachstum basierenden, angeblichen Marktwirtschaft braucht man weder auf SiN noch anderswo zu diskutieren. Für diese Art des Wirtschaftens gibt's keine Zukunft.

„Gemeinschaftsorientierung vor persönlichen Interessen, Politik vor Wirtschaft, Staat vor Markt, Volk vor Individualismus. Über den Rest kann man streiten, darüber nicht.“
[Benedikt Kaiser]

franzheister
5. Mai 2019 16:07

Zu Dr. Thor von Waldsteins 18 Thesen zum Islam.
Ich war ehrlich gesagt etwas erschrocken als ich diese Thesen las. Explizit solche, die den Islam als Kulturbringer (Schiiten und Persien) darstellen. Zum besseren Verständnis empfehle ich folgende Textquellen. Die Raubzüge des Islam nach Indien und der mehrfache Versuch die indische Kultur auszurotten, sind von verschiedenen Autoren differenziert beschrieben worden. Die sog. Errungenschaften des Islam lassen sich ebenfalls als Missverständnis erklären. Selbst die angebliche Bewahrung der Traditionen der griechischen Antike muss hier noch genauer beleuchtet werden. Beginnen wir mit Spanien: http://inarah.de/bereits-veroeffentlichte-artikel/was-heisst-muslimisches-spanien/ Zu Tilman Nagel: http://inarah.de/bereits-veroeffentlichte-artikel/wissenschaftliches-arbeiten-in-der-islamwissenschaft/ Islam in Indien und Asien: http://guruprasad.net/wp-content/uploads/2016/03/islamic-jihad-legacy-of-forced-conversion-imperialism-slavery.pdf und abschließend zur Übersetzungsarbeit buddhistischer und anderer Gelehrter innerhalb des islamischen Machtbereichs: https://studybuddhism.com/de/fortgeschrittene-studien/geschichte-und-kultur/buddhismus-in-zentralasien/die-geschichte-des-buddhismus-und-des-islam-in-afghanistan Im Rahmen dieser Quellen lässt sich keinesfalls belegen, dass der Islam in irgendeiner Weise positiven Einfluss auf diese Länder genommen hätte. Wenn ich von Waldsteins richtig lese, so geht es ihm um die Warnung vor dem falschen Feindbild, d.h. die Angst vor dem Islam wird bei ihm durch die Politik der USA und anderer Länder begründet. Dies ist natürlich nicht ganz falsch.

Amos
5. Mai 2019 16:52

@imagine: Sie bringen hier eine meiner Ansicht nach wichtige Beobachtung ins Spiel. Während in den Neunzigern noch die Drohung der Firmen ins Ausland zu gehen, Streiks, Entlassungen zu den Abendnachrichten gehörten, haben wir heute eine Situation, in der Firmen wie Siemens Großprojekte wie dieses umsetzten: https://new.siemens.com/de/de/unternehmen/nachhaltigkeit/siemens-campus-erlangen.html
Im selben Zeitraum entstanden die „policies“ der Konzerne,
die „diversity“ aufgrund der internen internationalen Zusammenarbeit noch vor der Politik zu ihrer Maxime erhoben.
Und es ist erwiesen, dass unterschiedliche internationale Standards in Punkto Bildung und Rechtsstaatlichkeit dazu führten, dass manche Firmen wieder zurück kamen. So zeichnet sich eine neue internationale Arbeitsteilung ab, bei der Drittweltländer es schwer haben dürften aus der Rolle des Rohstofflieferanten heraus zu finden. In Europa fehlen aber neben billigen Arbeitskräften vor allem Konsumenten, denn die kinderarme postmaterialistische Latte- und Fahrradgeneration erfüllt hier wohl kaum die Erwartungen der Industrie. 2015 wurde neben der Lage im arabischen Raum (Krieg, youth- bulge) deshalb zum Jahr der Willkommenskultur, weil das wirtschaftliche Interesse bestand (Zetsche-Zitat vom neuen Wirtschaftswunder), weil Verwaltungskader und Technokraten (Merkel) hofften, somit die heimischen Strukturprobleme zu lösen (Demographie) und weil es mit einer inzwischen nach links gedrifteten, romantisierten und den existentiellen Fragen entfremdeten Mitte machbar war. Das neue war der Gleichschritt von Gewerkschaften und Konzernen, von CDU und Antifa, ein Schock, aber für manche heilsam.

Zum Begriff „Cuckservatives“ oder vielleicht deutsch „Weicheier“ oder „Schlappschwänze“: tatsächlich haben die 68er kulturell einen so völligen Sieg errungen, dass heute jeder Sparkassendirektor und CDU Ortsvorsteher „mit der Zeit“ gehen will und als liberal und weltoffen gelten. Das hat aber auch damit zu tun, dass konservativ bis 2015 immer mehr als „wirtschaftsliberal“ verstanden wurde. Der Fetisch „Erfolg“ und das Credo „sei dir selbst der Nächste“ waren das Markenzeichen der CDU, Ihr Aushängeschild geradezu. „Modern“ zu sein wurde zum Teil dieses Erfolges oder zu seiner Bedingung wie ihn vielleicht Stoibers Schmankerl von Laptop und Lederhose (Quelle?) zum Ausdruck bringt. Unter dem wirtschaftsliberalen Primat und unter dessen Modernisierungsdruck durften die „Modernisierer“ Der CDU ein neues Image verpassen, bis Merkel dann ernst machte....

quarz
5. Mai 2019 22:21

"Genauso kurzsichtig ist die allseits beliebte, kategorische Verteufelung des Islam im patriotischen Milieu"

Zum ideologischen Kernbestand des Islam gehört nun mal der unveräußerliche Anspruch auf politische Weltherrschaft. Und diesen Anspruch hat er während der letzten 1400 Jahre bei jeder sich bietenden historischen Gelegenheit umzusetzen versucht. Schon deshalb sehe ich hier kein Versöhnungspotential.

Ratwolf
5. Mai 2019 22:25

"Es bleibt daher zu konstatieren: eine fundierte ideologische Selbstverortung und Feindbestimmung tuen nach dem Zulauf, den unser Lager seit 2015 erfahren hat, dringlichst Not"

Sehe ich auch so

Laurenz
6. Mai 2019 02:19

Sehr geehrter Herr Schick.... Sie machen es sich hier recht einfach mit Ihrer Hop- oder Top-Theorie, diese entspricht auch nicht den Fakten. Die größte Wirtschaftsschlacht aller Zeiten fand im 19. Jahrhundert in Europa statt. Mit der einhergehenden Abschaffung der Leibeigenschaft, wehrte sich der Bürger Europas gegen die neu entstandenen Bankpaläste sehr wohl mit der Kommunalisierung und dem Raiffeisen-Prinzip recht erfolgreich, im Kapitalmarkt hieß es früher "the mighty Sparkassen". Die Situation hat sich insofern geändert, daß es die Großbankenlobby europaweit geschafft hat, die Vorschriften in Digitalisierung und der IT-gestützten Risikobewertung die vielen kleinen Banken zu Fusionen zu zwingen. Denn die Kosten fraßen oft die 5fache Menge des Eigenkapitals auf. Das entzog dem föderalen Finanzsystem etwas die Schlagkraft. Ihr Wirtschafts-Liberalismus hat auch im angelsächsischen Raum seine Grenzen. Es waren Briten und Amerikaner, die 2 Weltkriege und viele andere Kriege führten, um die eigene Wirtschaft zu sponsorn, nehmen Sie das Apollo-Programm, oder der häufige Marktschutz. Wenn Sie heute planen, morgen Boing zu übernehmen, sind Sie gestern bereits tot. Es gibt also keine freien Märkte, das ist reines Propaganda-Blabla für Wirtschafts-Studenten im 1. Semester. Die aktuellen Terms of Trade basieren auf der globalen Machtbasis des us amerikanischen Militärs, vor 1944 auf der Macht der britischen Royal Navy. Der Wohlstand einer Mittelschicht, egal, ob in Deutschland oder im anglo-amerikanischen Raum, bestand nur durch eine politische Maßgabe, die Existenz der Warschauer-Pakt-Staaten. Solange der Warschauer Pakt existierte, benötigte man ein Wohlstandsgefälle. Mit dem Zusammenbruch des Warschauer Paktes fiel der politische Grund für das Wohlstandsgefälle weg und damit verarmt seitdem die bürgerliche Mittelschicht, eine zutiefst linke politische Strategie.

Infrage gestellt, wird diese Entwicklung durch den Aufstieg Chinas, mit einem ökonomischen System, welches in Deutschland erfunden wurde. In China wurde in kürzester Zeit und in einer nie dagewesenen Leistung eine Mittelschicht von 500 Mio. Menschen geschaffen, welche dem System des Westens entgegen steht.
In China herrscht ein autoritäres politisches System, welches eine relativ freie Wirtschaft harsch staatlich kontrolliert. Selbst eine Verschiebung des Eigenkapitals müssen sie gegenüber Beamten begründen. China ist, wie Deutschland 2x. mit diesem System sehr erfolgreich, nur ist China machtpolitisch ein ganz anderes Kaliber als das frühere Deutsche Reich, oder die neue noch kleinere Bonner Republik. Daß China hier auch mit unfairen Mitteln kämpft, ist nach seiner historischen Erfahrung mit den Westmächten durchaus nachvollziehbar. Von daher können wir auf Ihre Debatte liberal-illegal-exkrementalegal gut und gerne verzichten. Das Thema spielt eben nur in der sozialen Frage eines Wahlkampfes eine Rolle. Die geo-politische Situation ist dieselbe wir vor 100 oder 120 Jahren. Es hat sich nichts geändert. Die USA versuchen Europa zu destabilisieren. Da dieses mit einem Weltkrieg so nicht mehr ganz funktioniert, destabilisiert man eben den Nahen Osten und Nordafrika, und damit in der Konsequenz nachhaltig Europa. Politik ist entscheidend.

Sie können natürlich mit geförderten Belegschaftsaktien die Mitsprache von Arbeitnehmern steigern, aber die meisten Menschen sind zu einer unternehmerischen Tätigkeit nicht in der Lage. Von daher bleibt Kevin allein zuhaus'.

@Waldgaenger aus Schwaben ... Zitat - "Nur frage ich mich langsam, ob auch hier auf SiN der richtige Ort ist, eine Diskussin über die Zukunft der Marktwirtschaft zu führen." -Zitatende ... hier liegt der Hund begraben. Rechte Themen zwingen die Rechte in die Defensive auf die innere Linie, siehe die Hangar-Sendung auf Servus-TV mit Herrn Kubitschek. Herr Kubitschek hat sich hervorragend geschlagen, aber alleine das Thema "mit Rechten reden" ist symptomatisch daneben. Was fehlt, ist der globale Angriff auf die Themen der Liberalen und der Linken. Angriff ist die beste Verteidigung.
Ich gebe Ihnen gerne ein Beispiel. Freizügigkeit im Personenverkehr war und ist der Angriff auf die Lohn- und Einkommensstruktur ganzer Berufszweige. Die Antwort der Identitären Bewegung darauf ist ehrlich, wird aber nur von einer kleinen Minderheit verstanden. Den mit der Freizügigkeit im Personenverkehr verbundenen konzertierten Angriff auf die Lohntüte würde auch eine Mehrheit verstehen.

RMH
6. Mai 2019 09:12

"Nur frage ich mich langsam, ob auch hier auf SiN der richtige Ort ist, eine Diskussion über die Zukunft der Marktwirtschaft zu führen."

Das frage ich mich auch schon seit einiger Zeit. Irgendwie scheinen hier einige einer Art Stamokap-Theorie aufgesessen zu sein und identifizieren damit auch den Liberalismus bzw. meinen offenbar, Liberale seien immer gleich kleine, dicke, Zigarre rauchende Schweinchen-Schlaus in Nadelstreifen-Anzügen. Dabei erkennt gerade ein liberales Denkmodell als eine der wenigen echten Aufgaben eines Staates immer eine strenge Fusions- und Wettbewerbskontrolle an und ist auch für eine Zerschlagung von Monopolen und Oligopolen zur Erhaltung einer echten, freien Marktwirtschaft.

In den bisher bekannten sozialistischen Systemen gab es hingegen durch Verstaatlichung, Kollektivierung und Planwirtschaft eine Wirtschaft, die deutlich eher das Wort Staatsmonopolkapitalismus sinnhaft ausfüllt, als dies Lenin und seine Epigonen damit beim Kapitalismus erkannt zu haben glaubten.

Hier kippen manche zu leicht das Kind mit dem Bade aus, weil man vermutlich populär sein will und ein Stück weit Linke mit herüber ziehen will. Dabei ist die Basis unseres Wohlstandes in Deutschland nach wie vor Arbeit, die von Selbständigen organisiert wird und von der dann alle ein Stück weit profitieren - der größte "Mehrwert"-Absauger der Arbeitsleistung ist hier gerade oftmals nicht mehr der Kapitalist, sondern der Staat und hier sehen zu viele in einem Staat, dessen dirigistische und zunehmend repressive Seite wir gerade kennen lernen, die Antwort auf alle Fragen - der Staat quasi als großer "Arbeitskreis", wenn ich einmal nicht mehr weiter weis. Das große Orakel eben und wenn nur möglichst viele irgendwie "teilhaben" sei alles gerecht. Der Ausschluss von Teilhabe, die Exklusivität, ist hingegen schon immer eine Wesensmerkmal eines "Rechtes" und wer als Rechter Rechte verallgemeinern will, der entzieht jeder positiven Diskriminierung im sinner einer legitimen Unterscheidung die Basis. Dabei ist legitime Unterscheidung (Diskriminierung) die einzige Möglichkeit, sich ohne große Beimengungen von Willkür und damit Unrecht des Themas "großer Austausch" und dessen Beseitigung und Verhinderung zu widmen.

Vor diesen Hintergründen gerade auch noch eine EU, die für immer mehr Bürokratie, zentralen Dirigismus und Eingriffen in die Wirtschaft, die nur ernsthaft große Firmen, die ohnehin für alles und nichts bereits Controler, Compliance-Beauftragte etc. haben, erfüllen können, als Ausfluss eines "Liberalismus" zu deuten, entbehrt jeglichem theoretischem Unterbau und auch jeder praktischen Erfahrung.

Bitte Leute, geht auch mal in die VWL-Vorlesungen ...

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