Dugins “Das Große Erwachen gegen den Great Reset” (2/5)

Langweilig ist Dugins Das Große Erwachen gegen den Great Reset nicht.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Er ver­teilt dra­ma­tur­gisch geschickt sei­ne welt­ge­schicht­li­chen Rol­len von Freund und Feind, Gut und Böse, Hell und Dun­kel, und lädt den Leser ein, sei­nen Platz im Schlach­ten­ge­mäl­de zu erken­nen und ein­zu­neh­men. Sei­ne Ver­ein­fa­chun­gen haben etwas Genia­li­sches, aber es sind eben doch Ver­ein­fa­chun­gen, deren schein­ba­re Klar­heit blen­det und täuscht.

Das im Juli 2020 von Klaus Schwab und Thier­ry Mal­leret in Spiel gebrach­te Schlag­wort vom “Gre­at Reset” ver­steht Dugin haupt­säch­lich als Pro­gramm, die Mensch­heit in die soge­nann­te “Vier­te Indus­tri­el­le Revo­lu­ti­on” zu über­füh­ren, “im Sin­ne einer schritt­wei­sen Erset­zung der Arbeits­kraft durch Cyborgs und Imple­men­tie­rung künst­li­cher Intel­li­genz im welt­wei­ten Maßstab”.

Dugin erwähnt zwar, daß die “Coro­na-Pan­de­mie” als “Recht­fer­ti­gung” dient, die­ses Pro­gramm umzu­set­zen, tas­tet dabei aber kaum das gro­ße pan­de­mi­sche Nar­ra­tiv an, was hier­zu­lan­de zum A und O des “Gro­ßen Erwa­chens” gehört (im Sin­ne einer Bewußt­wer­dung des Lügen- und Mani­pu­la­ti­ons­cha­rak­ters des poli­tisch-media­len Kom­ple­xes) . Er prä­sen­tiert also ein “Gro­ßes Erwa­chen” ohne nen­nens­wer­te Kri­tik am Corona-Konstrukt.

Zusätz­lich ver­strickt er sich in ekla­tan­te Wider­sprü­che. In einem der Bonus­tex­te, publi­ziert am 18. Janu­ar 2021 (zwei Mona­te vor Erschei­nen des “Mani­fests”), schreibt er:

Der Coro­na­vi­rus ist die Pest – eine Art escha­to­lo­gi­sches Zei­chen (das ist sehr wich­tig) und ein Sym­bol für die tota­le Unfä­hig­keit der Glo­ba­lis­ten, ein Pro­blem wie eine Epi­de­mie zu bewäl­ti­gen. Dies ist ein kla­res Zei­chen für das Ende der Globalisierung.

Ent­we­der dient “Coro­na” als Ali­bi, den Macht­an­spruch der Glo­ba­lis­ten aus­zu­wei­ten, oder es ist ein Sym­bol für ihre Unfä­hig­keit und Mene­te­kel ihres Untergangs.

In dem Bonus­ar­ti­kel “Sani­tä­rer Tota­li­ta­ris­mus: Eine bio­po­li­ti­sche Dik­ta­tur” (13. August 2021) spricht Dugin end­lich den Kern der Coro­na­maß­nah­men­kri­tik im Wes­ten an. Was hier­zu­lan­de unter dem Schlag­wort “Gre­at Reset” ins Visier genom­men wird, ist in der Regel weni­ger der von Dugin beton­te Trans­hu­ma­nis­mus, als das “tota­le Sys­tem der Über­wa­chung, Kon­trol­le, Auf­for­de­rung und Regis­trie­rung”, dem der Kör­per des Men­schen unter dem Vor­wand der Pan­de­mie­be­kämp­fung unter­wor­fen wird.

Die­ser zen­tra­le Punkt ist Dugin gera­de mal drei Sei­ten wert, auf die ich im drit­ten Teil des Bei­trags ein­ge­hen wer­de, und er igno­riert dabei fast völ­lig die Bedeu­tung der Mas­sen­imp­fung für die­se “extrem radi­ka­le und unmensch­li­che bio­po­li­ti­sche Diktatur”.

Zusätz­lich ver­schweigt er aus irgend­ei­nem nicht all­zu schwer zu erra­ten­den Grund, daß auch in Russ­land Impf­zwang, Gehirn­wä­sche, Panik­ma­che und Über­wa­chung im Namen der Viren­be­kämp­fung vor­an­ge­trie­ben wur­den. (Dazu paßt der – frei­lich unve­ri­fi­zier­te – Tratsch, der mir zu Ohren kam, daß Dugin per­sön­lich aus­ge­spro­che­ne Angst vor Anste­ckung hat).

Die Kon­den­sie­rung des Davos’schen Welt­ret­tungs­pro­gram­mes auf den trans­hu­ma­nis­ti­schen Aspekt ist für Dugin wich­tig, um den Gre­at Reset als radi­ka­li­sier­te End­stu­fe des Libe­ra­lis­mus zu deu­ten. Im dia­me­tra­len Gegen­satz zu Armin Moh­ler (und phi­lo­so­phisch schlüs­si­ger) lei­tet er dabei den Libe­ra­lis­mus aus dem mit­tel­al­ter­li­chen “Nomi­na­lis­mus” ab.

Unter Libe­ra­lis­mus ver­steht er vor allem die schritt­wei­se Her­aus­lö­sung des “Indi­vi­du­ums” als allen kol­lek­ti­ven Iden­ti­tä­ten, wobei am End­punkt der Ent­wick­lung eben auch noch die kol­lek­ti­ve Iden­ti­tät “Mensch” abge­schafft und über­wun­den wer­den muß. Der Moment der “Sin­gu­la­ri­tät” tritt dann ein, wenn “die Künst­li­che Intel­li­genz mit mensch­li­chen Wesen ver­gleich­bar sein wird.”

Dugin unter­schei­det dabei zwi­schen einem “alten” (1.0) und einem “neu­en” (2.0) Libe­ra­lis­mus, die sich heu­te feind­lich gegen­über­ste­hen. Der “alte” Libe­ra­lis­mus war kon­sti­tu­tio­nell anti­to­ta­li­tär und erblick­te im tota­li­tä­ren Kom­mu­nis­mus und Faschis­mus sei­ne haupt­säch­li­chen poli­ti­schen Fein­de (und vice ver­sa). Zusam­men bil­den die­se ideo­lo­gi­schen Kom­ple­xe die drei zen­tra­len poli­ti­schen Theo­rien der Moder­ne. Mit dem Unter­gang der Sowjet­uni­on hat­te der Libe­ra­lis­mus (schein­bar) gesiegt, was sei­ne Apo­lo­ge­ten als “Ende der Geschich­te” interpretierten.

Dugin ist nun bekannt­lich dar­um bemüht, eine “vier­te” poli­ti­sche Theo­rie zu bas­teln, um die vor­an­ge­gan­ge­nen Theo­rien und mit ihnen die Moder­ne (und Post­mo­der­ne als tota­le Auf­lö­sung aller Din­ge) über­haupt zu überwinden.

Den “klas­si­schen”, “idea­len” Libe­ra­lis­mus 1.0 sieht Dugin exem­pla­risch von Fried­rich von Hayek ver­tre­ten. Die­se Art des Libe­ra­lis­mus lehn­te die Idee eines “Pla­nes” ent­lang “fort­schritt­li­cher” Dok­tri­nen ab, und bau­te statt­des­sen auf die her­ge­brach­te “Tra­di­ti­on” als “die Sum­me der ratio­na­len Ent­schei­dun­gen, die von den vie­len vor­her­ge­hen­den Genera­tio­nen getrof­fen wur­den”. Die­se Art des Libe­ra­lis­mus war “natio­nal, offen­sicht­lich kapi­ta­lis­tisch, prag­ma­tisch, indi­vi­dua­lis­tisch und gewis­ser­ma­ßen libertär”.

Die nächs­te Radi­ka­li­sie­rungs­stu­fe kommt laut Dugin mit Karl Pop­per, der nicht nur von einer “offe­nen Gesell­schaft”, son­dern auch von ihren “Fein­den” spricht. In Hay­eks Gesell­schafts­mo­dell “darf” man libe­ral sein, in Pop­pers “muß” man libe­ral sein. “Der Feind der Offe­nen Gesell­schaft ist per defi­ni­tio­nem ein ideo­lo­gi­scher Ver­bre­cher”, so Dugin, egal, ob er von links oder rechts kommt:

Pop­per hasst alles, das dem Natio­na­lis­mus oder Sozia­lis­mus ähn­lich sieht. Er lehnt die Zwei­te und Drit­te Poli­ti­sche Theo­rie nicht nur ab, son­dern kri­mi­na­li­siert sie und ruft zu ihrer Aus­lö­schung auf.

Umge­kehrt wird ein Schuh dar­aus: Bekannt­lich waren Kom­mu­nis­mus und Faschis­mus (also Sozia­lis­mus und Natio­na­lis­mus in ihrer radi­kals­ten Form) Ideo­lo­gien, die “aufs Gan­ze” gin­gen, und gegen­über dem Libe­ra­lis­mus den­sel­ben Aus­lö­schungs­wil­len heg­ten, den Dugin Karl Pop­per unter­stellt. Pop­pers For­mel “Kei­ne Tole­ranz den Into­le­ran­ten” hat gewiß eine ein­leuch­ten­de sys­te­mi­sche Logik; die Fra­ge ist nur, wer ent­schei­det, wann die Gren­ze des “Tole­ra­blen” für das Sys­tem über­schrit­ten ist.

Den Über­gang zum “Libe­ra­lis­mus 2.0”, den er als Ideo­lo­gie hin­ter dem Gre­at Reset iden­ti­fi­ziert, sieht Dugin bei­spiel­haft in der Gestalt von Geor­ge Soros ver­kör­pert. Sein nach Pop­per benann­tes “Open Society”-Netzwerk begreift den Libe­ra­lis­mus gleich­sam als Auf­trag zur Weltrevolution:

Durch Soros wird der Libe­ra­lis­mus wirk­lich extre­mis­tisch. Er zögert nicht, Farb­re­vo­lu­tio­nen zu finan­zie­ren, Auf­stän­de, Put­sche und was auch immer er als taug­lich emp­fin­det, um die Fein­de der Offe­nen Gesell­schaft zu bekämp­fen. Wie lau­ten die Kri­te­ri­en, nach denen ein sol­cher bestimmt wird? Wer ist der Rich­ter? Die Kri­te­ri­en dazu wer­den in Soros’ Bibel, Pop­pers Buch “Die Offe­ne Gesell­schaft und ihre Fein­de”, bestimmt. Der Rich­ter ist Soros selbst, der Haupt­ver­mitt­ler des libe­ra­len Plans und sei­ner prak­ti­schen Umsetzung.

Mit Soros wird der Libe­ra­lis­mus buch­stäb­lich “links­ex­trem” oder “extrem links­li­be­ral” und “greift fast alles an, was Hayek lieb und teu­er war”. Die ideo­lo­gi­sche und prak­ti­sche Kon­ver­genz mit dem “rech­ten” Flü­gel des Glo­ba­lis­mus, dem Neo­kon­ser­va­ti­vis­mus, darf dabei frei­lich nicht aus dem Augen ver­lo­ren werden.

“Soros” mar­kiert für Dugin also den Punkt, an dem der Libe­ra­lis­mus 2.0 (gekenn­zeich­net durch Post­hu­ma­nis­mus, poli­ti­sche Kor­rekt­heit, Gen­de­ris­mus, Femi­nis­mus, “Can­cel Cul­tu­re” und “alle Arten anti-reli­giö­ser Bewe­gun­gen”) den Libe­ra­lis­mus 1.0 gleich­sam “auf­frißt” und zum (inne­ren) Feind erklärt. Der Libe­ra­le, der sich bei­spiels­wei­se gegen die Coro­na­maß­nah­men aus­spricht, sieht sich plötz­lich zu sei­ner gro­ßen Ver­wun­de­rung mit “Faschis­ten” und ande­ren Anti­li­be­ra­len auf eine Stu­fe gestellt.

 

Libe­ra­lis­mus 1.0 vs. Libe­ra­lis­mus 2.0 nach Ben Garrison

 

Umge­kehrt betrach­tet der Libe­ra­lis­mus 1.0 den Libe­ra­lis­mus 2.0. als neu­en “Faschis­mus” oder “Kom­mu­nis­mus”, zum Teil, weil ihm ein­fach die Begrif­fe für die­se neue Art des Tota­li­ta­ris­mus feh­len; da die Gespens­ter der poli­ti­schen Theo­rien 1–3 offen­bar noch lan­ge nicht aus­ge­trie­ben sind, ist heu­te jeder des ande­ren “Faschist” oder “Nazi” (so auch im Ruß­land-Ukrai­ne-Krieg). Im Libe­ra­lis­mus 2.0 wer­den die Libe­ra­len “selbst zum Opfer”, also

jene von ihnen, die es ableh­nen, das end­gül­ti­ge Ver­schwin­den der guten alten Mensch­heit, der guten alten Indi­vi­du­en, der guten alten Frei­heit und der Markt­wirt­schaft zu genie­ßen. Für nichts davon wird es einen Platz im Libe­ra­lis­mus 2.0 geben. Er wird post­hu­man wer­den, und jeder, der das in Fra­ge stellt, wird im Ver­ein der Fein­de der Offe­nen Gesell­schaft will­l­kom­men gehei­ßen. Wir sind hier schon seit Jahr­zehn­ten und füh­len uns hier mehr oder weni­ger wohl. Also hei­ßen wir euch in der Höl­le will­kom­men, ihr Neu­ein­stei­ger! Jeder Trump­un­ter­stüt­zer und gewöhn­li­che Repu­bli­ka­ner wird nun als poten­zi­ell gefähr­li­che Per­son betrach­tet, genau­so wie es uns seit lan­ger Zeit geht.

Das ist in der Tat im wesent­li­chen, was in den Jah­ren der “rechts­po­pu­lis­ti­schen” Wel­le gesche­hen ist, wofür das Bei­spiel des “Trumpis­mus” exem­pla­risch ist. In die­sem Inter­view mit einem sehr komi­schen nord­ame­ri­ka­ni­schen Vogel betont Dugin, daß er selbst als rus­sisch-ortho­do­xer Anti­li­be­ra­ler mit den wei­ßen, kon­ser­va­ti­ven Pro­tes­tan­ten, die zu den Haupt­wäh­lern Trumps zäh­len, nicht viel gemein habe, sie aber als Ver­bün­de­te im Kampf gegen einen gemein­sa­men Feind sehe.

Es trifft zu, daß sich die Feinder­klä­run­gen des Sys­tems erwei­tert und radi­ka­li­siert haben, was eine neu­ar­ti­ge und hete­ro­ge­ne “Quer­front” auf den Plan geru­fen hat. In mei­ner “Ant­wort auf Mar­tin Sell­ner” schrieb ich etwas überspitzt:

“Rech­te”, die immer noch nicht ver­stan­den haben, was hier auf dem Spiel steht, sind nicht mehr mei­ne Brü­der und kön­nen nicht mehr mit mei­ner Soli­da­ri­tät rech­nen. Hin­ge­gen füh­le ich eine Ver­bun­den­heit mit jedem auf­rech­ten Lin­ken, Libe­ra­len und Liber­tä­ren, der sich noch eine grund­sätz­li­che Rest­ver­nunft und Mensch­lich­keit (ich schre­cke vor die­sem Aus­druck nicht zurück) bewahrt hat, und sich gegen die­sen Wahn­sinn stellt, der uns alle glei­cher­ma­ßen bedroht. Ich ken­ne kei­ne Juden und Grie­chen mehr, son­dern nur mehr Geg­ner und Befür­wor­ter der Corona-Tyrannei.

Dugin sieht nun in Trump einen Libe­ra­len des “alten”, Hayek’schen Schla­ges, wäh­rend Biden und sei­ne Hin­ter­män­ner für den “neu­en” Libe­ra­lis­mus Soros’scher Prä­gung ste­hen. Die Spal­tung der USA in eine repu­bli­ka­nisch-trumpis­ti­sche und eine demo­kra­tisch-bide­nis­ti­sche Hälf­te ist für Dugin also eine Art Bür­ger­krieg zwi­schen zwei For­men des Libe­ra­lis­mus: einen tota­li­tär-pro­gres­si­ven (Biden) und eine nicht­to­ta­li­tär-kon­ser­va­ti­ven (Trump). Die Trumpis­ten stün­den dem­nach für einen Libe­ra­lis­mus der “Nor­ma­len”, die nichts mit “Drag Queen Sto­ry Hours” und ande­ren “woken” Per­ver­sio­nen anfan­gen können.

 

Trump vs. Tie­fen­staat nach Ben Garrison

 

Dar­über­hin­aus meint Dugin, das alte geo­po­li­ti­sche Sche­ma Land und Meer wiederzuerkennen:

Die Geo­po­li­tik der Wahl 2020 zeigt uns die Gren­zen zwei­er Ame­ri­kas – ein blau­es, atlan­ti­sches, ultra­li­be­ra­les und glo­ba­lis­ti­sches Küs­ten­land und ein rot gefärb­tes, kon­ser­va­ti­ves, tra­di­tio­na­lis­ti­sches Heart­land. Die blaue Per­ver­si­on gegen die rote Normalität.

Man könn­te auch alter­na­tiv sagen: Stadt gegen Land, urba­nes Bal­lungs­ge­biet vs. länd­li­che Peri­phe­rien mit ihren unter­schied­li­chen Wer­ten, Lebens­for­men und poli­ti­schen Präferenzen.

Die­se Sche­ma­ta Dugins könn­te man auch auf die rechts­po­pu­lis­ti­sche Revol­te in Euro­pa anwen­den, wobei hier ver­stärkt Züge hin­zu­kom­men, die er als im wei­tes­ten Sin­ne “natio­nal­bol­sche­wis­tisch” bezeich­net, da Ele­men­te der alten Geg­ner des Libe­ra­lis­mus, Sozia­lis­mus und Natio­na­lis­mus, kom­bi­niert und gegen die libe­ra­len Eli­ten in Stel­lung gebracht werden.

Der “alte” Libe­ra­lis­mus steht nach Dugin für die Idee der Demo­kra­tie als Herr­schaft der Mehr­heit, im Gegen­satz zur Min­der­hei­ten­herr­schaft der Eli­ten, die sich auf Moral, “Experten“tum, “Wis­sen­schaft” usw. beru­fen. In ihm ist die Eman­zi­pa­ti­on des Indi­vi­du­ums aus kol­lek­ti­ven Ein­bet­tun­gen nicht voll­stän­dig voll­zo­gen, son­dern hält sich in einem “prag­ma­ti­schen”, aber “offe­nen” Rah­men. Libe­ra­lis­mus 1.0 steht “pro­gres­sis­ti­schen” Expe­ri­men­ten skep­tisch gegen­über, und aner­kennt des­halb Natio­nal­staat, Fami­lie, tra­di­tio­nel­le Geschlech­ter­iden­ti­tä­ten und Religion.

Die­se alt­her­ge­brach­ten kol­lek­ti­ven Ein­bin­dun­gen sind nun im Gegen­satz zu vor­li­be­ra­len Gesell­schaf­ten “optio­nal” gewor­den, und kön­nen damit rasch ihre Ver­bind­lich­keit und Inte­gra­ti­ons­kraft ver­lie­ren. Dadurch wird der Wider­stand gegen die Sog­kraft der per­ma­nen­ten “Eman­zi­pie­rung” und des “Fort­schritts” geschwächt, beson­ders wenn sie sich mit mora­lisch mit­rei­ßen­den lin­ken Ideen ver­bin­det, als Kampf für Gleich­heit und “sozia­le Gerech­tig­keit”, gegen “Unter­drü­ckung”, “Dis­kri­mi­nie­rung”, “Aus­beu­tung”, “Kolo­nia­lis­mus”, “Ras­sis­mus” usw.

Das ist ein Punkt, den Dugin durch sei­ne Fixie­rung auf den Libe­ra­lis­mus ziem­lich ver­nach­läs­sigt: Was er als “Libe­ra­lis­mus 2.0”, als “Soros-Libe­ra­lis­mus” bezeich­net, wird vor allem durch Strick­mus­ter aus der “zwei­ten poli­ti­schen Theo­rie” (Kommunismus/Sozialismus) gespeist. Nicht das libe­ra­le The­ma Frei­heit, son­dern das lin­ke The­ma Gleich­heit ist hier der Motor, und wie stets in der Geschich­te geht die For­de­rung nach Gleich­heit rasch in die For­de­rung nach Supre­ma­tie und Pri­vi­le­gie­rung über (“man­che Tie­re sind gleicher”).

Letz­te­res zeigt sich beson­ders deut­lich im “Anti­ras­sis­mus” der “kri­ti­schen Ras­sen­theo­rie” (cri­ti­cal race theo­ry), die in Bidens Ame­ri­ka qua­si Staats­dok­trin gewor­den ist. Sie wird von Dugin selt­sa­mer­wei­se mit kei­nem Wort erwähnt, obwohl sie in den USA eine weit­aus grö­ße­re Rol­le spielt als Gen­der­po­li­tik, LGBT-Kult, und “Post­hu­ma­nis­mus”. Das hat wohl damit zu tun, daß er sich selbst eben­falls als Anti­ras­sist betrach­tet, und Anti­ras­sis­mus als Cha­rak­ter­ei­gen­schaft des abso­lu­ten Fein­des nicht so recht in sei­nen ideo­lo­gi­schen Kram paßt.

Ame­ri­ka­ni­schen “Eth­no­na­tio­na­lis­ten” ist jeden­falls schon auf­ge­fal­len, daß das Kon­zept der “ras­si­schen” Iden­ti­tät der Dugin’schen Reichs­ideo­lo­gie zuwi­der­läuft und im mul­ti­eth­ni­schen Ruß­land, das sich zur Hälf­te über Asi­en erstreckt, wohl auch für erheb­li­che Span­nun­gen sor­gen würde.

Sowje­ti­scher Ethnopluralismus

 

Sys­te­misch betrach­tet, kann eine libe­ra­le Gesell­schaft nur dann eini­ger­ma­ßen sta­bil blei­ben, wenn sie sich nicht voll­stän­dig libe­ra­li­siert, son­dern gewis­se Gren­zen respek­tiert und von der Libe­ra­li­sie­rung aus­nimmt.  Wird der Indi­vi­dua­lis­mus, von Dugin als Kern­idee des Libe­ra­lis­mus ver­stan­den, jedoch radi­ka­li­siert und auf die äußers­te Spit­ze getrie­ben, so hebt er sich irgend­wann selbst auf. Aus dem Indi­vi­du­um wird ein “Divi­du­um”, also etwas “Teil­ba­res”, das Sum­me sei­ner Tei­le ist und somit aus “aus­tausch­ba­ren Tei­len besteht”, gleich einer Maschine.

Das ist in der Tat das Ziel der Ideo­lo­gen des “Gre­at Reset”, die die­se Aus­sicht als Heils­ver­spre­chen prä­sen­tie­ren, das die Mensch­heit zum Bes­se­ren trans­for­mie­ren soll. “Wir sind kei­ne geheim­nis­vol­len See­len mehr“, sag­te Yuval Hara­ri, ein zwie­späl­ti­ger Vor­den­ker der trans­hu­ma­nis­ti­schen Tech­no­kra­tie, 2020 in Davos. „Wir sind jetzt Tie­re, die man hacken kann.“

Inso­fern ist es kei­nes­wegs über­trie­ben, wenn Dugin den “Gre­at Reset” als einen “Plan zur Aus­lö­schung der Mensch­heit” bezeich­net, aller­dings nicht im Sin­ne eines bio­po­li­ti­schen Mas­sen­mor­des durch Impf­stof­fe oder Gain-of-Func­tion-Viren, wie das man­che “Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker” mut­ma­ßen, son­dern im Sin­ne einer “Abschaf­fung des Men­schen” (C. S. Lewis).

Nun naht der Moment der end­gül­ti­gen Erset­zung des Indi­vi­du­ums durch die gen­der-optio­na­le rhi­zo­ma­ti­sche Enti­tät, eine Art Netz­werk-Iden­ti­tät. Und der letz­te Schritt wird schließ­lich in der Erset­zung der Mensch­heit durch unheim­li­che Wesen bestehen – Maschi­nen, Chi­mä­ren, Robo­ter, künst­li­che Intel­li­genz und ande­re Spe­zi­es der Gentechnologie.

An die­sem Punkt wird Dugins Rhe­to­rik schrill und apo­ka­lyp­tisch. Mit dem “gro­ßen Erwa­chen” der Völ­ker beginnt der escha­to­lo­gi­sche End­kampf, die “Schlacht der Libe­ra­len gegen die Mensch­heit”, der aber nicht zu ver­wech­seln sei mit einem Kampf des Wes­tens gegen den Osten oder der USA und der NATO “gegen alle ande­ren”. Denn er “schließt auch jenen Teil der Mensch­heit mit ein, der sich selbst auf dem Ter­ri­to­ri­um des Wes­tens befin­det, der sich jedoch immer mehr von den glo­ba­lis­ti­schen Eli­ten weg­ge­be­wegt”, mit ande­ren Wor­ten all jene, die “rechts­po­pu­lis­tisch” wäh­len oder sich neu­er­dings gegen Zwangs­imp­fung und ande­re vor­geb­lich epi­de­mio­lo­gi­sche Maß­nah­men wehren.

Die­se Beteue­run­gen sind aller­dings mit Vor­sicht zu genie­ßen, denn ande­re Stel­len in dem vor­lie­gen­den Buch und wei­te­ren Schrif­ten Dugins erwe­cken den gegen­tei­li­gen Anschein – näm­lich daß das ideo­lo­gi­sche Rin­gen zwi­schen den Kräf­ten der Ver­wur­ze­lung und jenen der Auf­lö­sung eben doch auf einen sehr kon­kre­ten Kampf hin­aus­läuft, Wes­ten gegen Osten, Ruß­land gegen USA und NATO, mit bei­spiels­wei­se der Ukrai­ne als Proxy-Schlachtfeld.

Angeb­lich kur­sie­ren gera­de unter rus­si­schen Offi­zie­ren Hand­bü­cher, in denen Sät­ze die­ser Art stehen:

Der rus­si­sche Offi­zier ist ein Krie­ger des Geis­tes. So war es zu allen Zei­ten. Ruß­land und die ruß­län­di­sche Armee sind die letz­te Bas­ti­on, um den Angriff der sata­ni­schen “Neu­en Welt­ord­nung” “auf­zu­hal­ten”.

Das ist ein katechon­ti­scher, durch­aus dugi­nis­ti­scher Gedanke.

Wenn Dugin grund­sätz­lich wird, wer­den Libe­ra­lis­mus 1.0 und 2.0 trotz ihrer Gegen­sätz­lich­keit und Ver­fein­dung nicht mehr von­ein­an­der unter­schie­den, son­dern zum Namen ein- und des­sel­ben Fein­des, ja zum “Sym­bol des abso­lut Bösen” und poli­ti­schen Verbrecherischen.

Dugin plä­diert sogar dafür, das Wort “libe­ral” eben­so als “Belei­di­gung” zu benut­zen, wie frü­her (und heu­te) das Wort “faschis­tisch”. Dabei ser­viert er ziem­lich star­ken Tobak:

Wenn du libe­ral bist, bist du ein Unter­mensch, du bist weni­ger als ein Mensch, du bist eine kran­ke Krea­tur, eine per­ver­se Krea­tur. Und du bist ein Ver­bre­cher, denn du schürst Bür­ger­krieg, sozia­le Unge­rech­tig­keit, Besat­zung, Kolo­ni­sie­rung, Ent­mensch­li­chung. Der Libe­ra­lis­mus ist ein Ver­bre­chen, ein Ver­bre­chen gegen die Mensch­heit – schlim­mer als Faschis­mus und Kommunismus. (.…)

Heu­te gibt es sie und uns. “Sie” sind die Libe­ra­len, und sie sind nicht nur gegen russ­si­sche, chi­ne­si­sche, mus­li­mi­sche und euro­päi­sche Patrio­ten – sie sind gegen Nord­ame­ri­ka­ner, Latein­ame­ri­ka­ner, Afri­ka­ner, Euro­pä­er und alle ande­ren. Sie sind von ihrer eige­nen Gesell­schaft ent­frem­det. Sie haben kei­ne Legi­ti­ma­ti­on zu regie­ren, denn sie sind Usur­pa­to­ren, Aus­beu­ter und Mör­der. Libe­ral zu sein, heißt ein Mör­der zu sein.

Noch eine Geschmacks­pro­be aus dem Arti­kel “Das Gro­ße Erwa­chen: Die Zukunft beginnt jetzt”, geschrie­ben im Janu­ar 2021, unmit­tel­bar nach dem sog. “Kapi­tol­sturm”:

Unser Haupt­kampf ist jetzt ein­deu­tig inter­na­tio­nal. Glo­ba­lis­ten gegen Antiglo­ba­lis­ten ist heu­te viel wich­ti­ger als Rus­sen gegen Ame­ri­ka­ner, oder der Wes­ten gegen den Osten, oder Chris­ten gegen Muslime.

Ash­li Bab­bitt, die Trump-Anhän­ge­rin, die im Kapi­tol von einem Sicher­heits­mann erschos­sen wurde,

gab ihr Leben für ech­te Frei­heit und Gerech­tig­keit. Und Frei­heit und Gerech­tig­keit sind uni­ver­sel­le Wer­te. Sowohl rus­si­sche als auch ame­ri­ka­ni­sche, mus­li­mi­sche als auch christ­li­che, west­li­che als auch östliche. (…)

Es gibt nur zwei Par­tei­en auf der Welt: die glo­ba­lis­ti­sche Par­tei des Gre­at Resets und die antiglo­ba­lis­ti­sche Par­tei des Gro­ßen Erwa­chens. Und nichts in der Mit­te. Dazwi­schen befin­det sich der Abgrund. Er will mit Mee­ren von Blut gefüllt wer­den. Das Blut von Ash­li Bab­bitt ist der ers­te Tropfen.

Der Kampf wird uni­ver­sell. Die Demo­kra­ti­sche Par­tei der USA und ihre glo­ba­lis­ti­schen Stell­ver­tre­ter – ein­schließ­lich aller High-Tech-Indus­trien und der Groß­fi­nanz – sind ab sofort eine kla­re Ver­kör­pe­rung des abso­lut Bösen.

Ganz uni­ver­sa­lis­tisch, von der “Mensch­heit” aus gedacht, ist der Libe­ra­le (oder wahl­wei­se der glo­ba­lis­ti­sche Libe­ra­le) also ein in Schmitt’scher Ter­mi­no­lo­gie “abso­lu­ter Feind”, ein hos­tis huma­ni gene­ris, ein “Feind des Menschengeschlechtes”.

Das ist ziem­lich inkon­sis­tent für jeman­den, der noch ein paar Sei­ten zuvor einen radi­ka­len Kul­tur­re­la­ti­vis­mus ver­tre­ten hat: “Nie­mand kann den ande­ren beur­tei­len. Es gibt kein uni­ver­sel­les Kri­te­ri­um im poli­ti­schen Den­ken, und das ist das Haupt­prin­zip der Vier­ten Poli­ti­schen Theo­rie”, also jener Dok­trin, die Dugin dem Libe­ra­lis­mus, Kom­mu­nis­mus und Faschis­mus ent­ge­gen­stel­len will.

Wenn das aber so ist, wie kann man von einem “abso­lut Bösen” spre­chen? Wenn es “kein uni­ver­sel­les Kri­te­ri­um im poli­ti­schen Den­ken” gibt, war­um soll der west­li­che Libe­ra­lis­mus dann kei­ne mög­li­che, gleich­be­rech­tig­te Lebens­form unter vie­len ande­ren sein (ein Gedan­ke, den Dugin auch hin und wie­der äußert)?

Um es noch kom­pli­zier­ter zu machen, bringt Dugin geschichts­phi­lo­so­phi­sche Auf­fas­sun­gen in Spiel, die offen­bar von René Gué­non und Juli­us Evo­la (mehr noch als von Hei­deg­ger) beein­flußt sind. Die her­kömm­li­che Geschichts­auf­fas­sung datiert die gro­ße Ent­fal­tung des “Wes­tens” mit dem Anbruch der Neu­zeit und der Los­lö­sung vom mit­tel­al­ter­li­chen Welt­bild. Für Dugin beginnt hier die gro­ße Ent­ar­tung, die den Wes­ten gleich­sam zum Krebs­ge­schwür des Pla­ne­ten gemacht hat.

Auch wird man etli­che Wider­sprü­che fin­den. Dugin schreibt einer­seits, offen­bar in Anspie­lung auf Hun­ting­ton (“What is uni­ver­sa­lism to the West is impe­ria­lism to the rest”):

Wir müs­sen die Mensch­heit als Mensch­heit akzep­tie­ren – nicht den Wes­ten und den Rest. Wir soll­ten die Posi­ti­on umkeh­ren: Der Rest ist der Name der Mensch­heit, und der Wes­ten ist der Name der Krank­heit am Kör­per der Menschheit.

Ande­rer­seits:

Wir müs­sen den Wes­ten befrei­en. (…) Wir soll­ten in der glo­ba­len Revo­lu­ti­on gegen die west­li­che poli­ti­sche Moder­ne geeint sein. Aber wir soll­ten ver­ste­hen, daß wir nicht gegen den Wes­ten kämp­fen. Wir kämp­fen gegen das Regime der Moder­ne. (…) Die Moder­ne ist eine Abwei­chung der west­li­chen Geschich­te, die auf einem völ­li­gen Miss­ver­ständ­nis ihrer selbst beruht. Die west­li­che Moder­ne ist die Krank­heit. Es ist eine west­li­che Krank­heit – aber zual­ler­erst tötet sie den Wes­ten selbst. Wir müs­sen also dem Wes­ten hel­fen, sich von der Moder­ne zu befreien.

Aber wer ist die­ses “Wir”? Dugin bringt in gera­de­zu roman­ti­sie­ren­der Wei­se eine (noch zu schaf­fen­de) Alli­anz von nicht-west­li­chen Kul­tu­ren in Stel­lung gegen den “Wes­ten”, sozu­sa­gen “The Rest against the West”. Der “Wes­ten” wird teil­wei­se geo­gra­phisch, teil­wei­se poli­tisch, teil­wei­se als (kran­ker) “Geis­tes­zu­stand” bestimmt. Dugin muß des­halb einräumen:

Jeder ist von der poli­ti­schen Moder­ne kolo­ni­siert. Nicht nur die nicht-west­li­chen Kul­tu­ren und Zivi­li­sa­tio­nen – der Wes­ten selbst ist von der Moder­ne kolonisiert.

Die “Moder­ne” wäre dem­nach das gro­ße Mias­ma, das vom Wes­ten aus­ging und inzwi­schen die gan­ze Welt befal­len und kon­ta­mi­niert hat. Der “Gre­at Reset” ist nur ein Name für sei­ne aktu­ells­te und gefähr­lichs­te Form. Damit schließt der gro­ße Kampf jeden Men­schen ein, der in irgend­ei­ner Wei­se von die­ser “Krank­heit” befal­len oder bedroht ist, sei es “auf dem Ter­ri­to­ri­um des Wes­tens” oder auf irgend­ei­nem ande­ren “Ter­ri­to­ri­um”. Der “Wes­ten” wäre dem­nach auch eine Art von poli­tisch-geis­ti­ger Pandemie.

Und wer soll nun das “gro­ße Erwa­chen” der Völ­ker gegen die­se Welt­be­dro­hung anfüh­ren, wer ist für die­se Mis­si­on aus­er­ko­ren? Natür­lich Ruß­land! Ruß­land hat laut Dugin auf­grund sei­ner tief­sit­zen­den anti­li­be­ra­len Tra­di­ti­on eine End­zeit-Sen­dung und soll die Völ­ker vom Libe­ra­lis­mus und Glo­ba­lis­mus befrei­en (wie sie einst die Rote Armee svom “Faschis­mus” befreit hat?).

Weil die “Höchst­wer­te” der his­to­ri­schen rus­si­schen Zivi­li­sa­ti­on (die Dugin von der euro­päi­schen Zivi­li­sa­ti­on abgrenzt) “kol­lek­ti­ve Iden­ti­tät” und die “Wahr­neh­mung der Sou­ve­rä­ni­tät und der staat­li­chen Frei­heit” (also nicht der staats­bür­ger­li­chen) sind, steht sie dem west­li­chen, libe­ra­len Den­ken ewig wesens­fremd gegen­über und ist somit der natür­li­che Wider­sa­cher des Globalismus: 

Schlu­ßend­lich ist die Rol­le des wich­tigs­ten Pols des Gre­at Awa­ke­n­ing für Russ­land vorgesehen. (…)

Der Sieg des Glo­ba­lis­mus, des Nomi­na­lis­mus und der kom­men­den Sin­gu­la­ri­tät wür­de das Schei­tern der his­to­ri­schen Mis­si­on Russ­lands bedeu­ten, nicht nur in der Zukunft, son­dern auch in der Ver­gan­gen­heit. Immer­hin war die Bedeu­tung der rus­si­schen Geschich­te immer genau auf die Zukunft aus­ge­rich­tet und die Ver­gan­gen­heit war nur der Pro­be­lauf für sie. 

Und in die­ser Zukunft, die nun her­auf­däm­mert, liegt die Rol­le Russ­lands nicht nur dar­in, eine akti­ve Rol­le im Gre­at Awa­ke­n­ing ein­zu­neh­men, son­dern auch dar­in, an sei­ner Spit­ze zu ste­hen und den Impe­ra­tiv der Inter­na­tio­na­le der Völ­ker im Kampf gegen den Libe­ra­lis­mus zu erklä­ren, der Seu­che des 21. Jahrhunderts.

Die­sen Gedan­ken rela­ti­viert Dugin zwar “rea­lis­tisch”, denn auch im rus­si­schen Apfel steckt schon tief der libe­ra­le Wurm. Auch Ruß­land selbst muß noch zu sei­ner Bestim­mung befreit werden:

Natür­lich hat auch das heu­ti­ge Russ­land kei­ne voll­stän­di­ge und kohä­ren­te Ideo­lo­gie, die eine ernst­haf­te Her­aus­for­de­rung des Gre­at Resets dar­stel­len wür­de. Dar­über hin­aus sind die libe­ra­len Eli­ten, die sich an der Spit­ze der Gesell­schaft ver­schanzt haben, noch immer stark und ein­fluss­reich in Russ­land. Libe­ra­le Ideen, Theo­rien und Metho­den domi­nie­ren noch immer die Wirt­schaft, Bil­dung, Kul­tur und Wis­sen­schaft. All das schwächt Russ­lands Poten­ti­al, ver­wirrt die Gesell­schaft und berei­tet den Boden für wach­sen­de inter­ne Wider­sprü­che. Aber ins­ge­samt ist Russ­land der wich­tigs­te – wenn nicht sogar der bedeu­tends­te – Pol des Gre­at Awakenings. 

Aber schließ­lich läßt er (wenig über­ra­schend) die Kat­ze aus dem Sack, wel­che Art “Gro­ßes Erwa­chen” ihn vor­ran­gig inter­es­siert- das “impe­ria­le” (und zu die­sem Zweck ist die Kon­trol­le über die Ukrai­ne unerläßlich):

Was bedeu­tet es für Russ­land unter sol­chen Umstän­den zu “erwa­chen”? Es bedeu­tet, Russ­lands his­to­ri­sche, geo­po­li­ti­sche und zivi­li­sa­to­ri­sche Aus­ma­ße zur Gän­ze wie­der­her­zu­stel­len und ein Pol der neu­en Mul­ti­po­la­ren Welt zu werden.

Ist an die­ser Idee nun etwas dran, oder ist das bloß eine Fik­ti­on Dugins?

Mehr dar­über im drit­ten Teil die­ser Artikelreihe.

Ukrai­ne-Krieg nach Alex­an­der Dugin

 

Zur Nach­le­se:

Teil eins.
Teil zwei.
Teil drei. 
Teil vier.
Teil fünf.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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Kommentare (52)

Waldgaenger aus Schwaben

9. März 2022 12:32

Mir kommt dieser Dugin vor wie Alfred Rosenberg. Um diese Vermutung zu überprüfen, müsste ich beider Werke lesen, was ich gewiss nicht tun werde. Sie sollen beide fast unlesbar sein. 

Zehn Ster Holz wollen gesägt werden für den nächsten Winter und dann muss der Garten bestellt werden.

Imagine

9. März 2022 13:00

1/2

Dugin scheint sich eine eigene historische Realität zu konstruieren

Gehen wir zurück in die Zeit, wo das alte Nachkriegsweltsystem mit beendet wurde.

Gorbatschow kapitulierte, der Warschauer Pakt wurde 1989 beendet, die Sowjetunion löste sich 1991 auf. Zuvor waren Gorbatschows Reformversuche (Glasnost, Perestroika) gescheitert.

Jelzin etablierte eine Verbrecherherrschaft mit Ausverkauf an die USA und Ausplünderung durch die Oligarchen, welche meist – wie er selbst - Funktionäre aus dem alten Apparat waren.

Putin rettete Russland, wobei er sich auf die Macht der Geheimdienste und des Militärs sowie auf loyales Personal im Staatsapparat stützen konnte. Zudem ging Putin einen Deal mit den Oligarchen ein. Die Oligarchen durften weiterhin die Ressourcen Russland ausbeuten und ausplündern, was dazu führte, dass Russland nach einer Phase der wirtschaftlichen Erholung unter Putins Regierung jedoch danach keinen weiteren Fortschritt hinsichtlich der Verbesserung des allgemeinen Wohlstands aufwies, sondern sich die ökonomische Spaltung in wenige Superreiche und viele Arme sich in der russischen Gesellschaft immer weiter vertiefte.

Imagine

9. März 2022 13:01

2/2

Putin hat nie die Allianz mit den verbrecherischen Oligarchen beendet. Die Frage ist, ob er dies nicht wollte oder nicht konnte?

Tatsächlich ist Putin selbst zu einem Oligarchen und Diktator geworden, der eine Politik gegen das Volk macht.

Die Oligarchen konnte Russland weiterhin ausplündern und als Supereiche im Westen ein parasitäres Leben führen.

Der Krieg gegen die Ukraine schadet trotz aller nationalistischen und Großmacht-Phrasen dem russischen Volk und spaltet es immer weiter.

Wäre Putin in der Lage gewesen, auf Basis von Russlands Reichtum an natürlichen Ressourcen eine rationale und erfolgreiche Wirtschaftspolitik mit erheblicher Steigerung des allgemeinen Lebensstandards zu entwickeln, dann hätte sich vermutlich die Mehrheit der Ukrainer in ihrem korrupten Failed State und ihrer Armutsexistenz an Russland orientiert.

Volksdeutscher

9. März 2022 13:14

Es ist etwas unzureichend, auf György Schwarcz alias George Soros hinzuweisen. Er ist  ja nur das sichtbare Gesicht einer unsichtbaren Macht, die hinter ihm steht und in deren Dienst er sein zerstörerisches Werk gegen unsere westliche Zivilisation betreibt. Vielleicht gegen die ganze Welt.

Der_Juergen

9. März 2022 13:14

Teil 1

Eine wie üblich saubere Analyse von Lichtmesz.

Ich habe Dugins «Das grosse Erwachen» noch nicht gelesen, aber zwei seiner früheren Bücher übersetzt und mich einmal zu einem längeren Gespräch mit ihm getroffen. Mein Bild von ihm ist zwiespältig. Er ist ohne jede Frage hochgebildet und hochintelligent, und seine Deutschfreundlichkeit ist mit Sicherheit echt. Was mich an ihm irritiert, sind vor allem zwei Dinge. Erstens: Er bekennt sich zum orthodoxen Christentum, predigt aber andererseits einen mit diesem unvereinbaren absoluten Werterelativismus und schreibt u. a., die Hindus hätten das Recht, ihre Witwen zu verbrennen, denn das sei Teil ihrer Tradition. Dieses Argument ist mit einem simplen Hinweis auf das Naturrecht zu widerlegen: Da es kein Verbrechen ist, Witwe zu werden, hat niemand ein Recht, eine Frau dafür zu töten, dass ihr Mann gestorben ist.

 

Der_Juergen

9. März 2022 13:15

Teil 2

Der zweite mich stark irritierende Punkt ist Dugins absolute Putin-Treue auch in innenpolitischer Hinsicht. In seinem Buch «Das Rätsel Putin» lässt er kein Wort der Kritik daran fallen, dass Putin die Aussaugung Russlands durch (fast durchwegs nichtslawische) Oligarchen während seiner ganzen Amtszeit geduldet hat (ausgeschaltet wurden nur die drei Ganoven Gussinski, Beresowski und Chodorkowski, die sich nicht mit dem Geldscheffeln begnügten, sondern Putin die Macht streitig machen wollten).

Dennoch fällt mein Urteil über Dugin überwiegend positiv aus. Was ich ihm u. a. anrechne, ist, dass er die primitive antifaschistische Rhetorik, die den Diskurs der Putin-Propagandisten gemeinhin prägt, nicht mitmacht und u. a. Vertreter der Goldenen Morgenröte in Moskau empfangen hat – einer Partei, die von der griechischen Demokratie inzwischen unter fadenscheinigen Vorwänden verboten und deren Führung zu langjährigen Haftstrafen verurteilt wurden.

ML: Ich denke, dass er einfach der Ansicht ist, daß "faschistische" (PT§) wie auch andere antiliberale (islamische oder altkommunistische zB) Gruppierungen Werkzeuge sind, um den "Westen" zu unterminieren.

RMH

9. März 2022 13:52

"Wäre Putin in der Lage gewesen, auf Basis von Russlands Reichtum an natürlichen Ressourcen eine rationale und erfolgreiche Wirtschaftspolitik mit erheblicher Steigerung des allgemeinen Lebensstandards zu entwickeln, dann hätte sich vermutlich die Mehrheit der Ukrainer in ihrem korrupten Failed State und ihrer Armutsexistenz an Russland orientiert."

Exakt so - und nicht mit Panzern und Gewalt - sollte "Systemkonkurrenz" aussehen und damit gewinnt man Partner, die nicht nur auf  "Männerfreundschaften" zwischen Autokraten basieren. Das chinesische Regime hat sein Land, als bei ihm auch der "wind of change" etwas kräftiger wehte, eben nicht nur mit Gewalt, Zensur und Unterdrückung wieder in den Griff bekommen, sondern vor allem dadurch, dass es den unzähligen, braven Ackergäulen, welche die Karren ziehen, nicht nur Mohrrüben vorgebunden hat, sondern regelmäßig auch davon hat abbeißen lassen. Damit predige ich nicht die Simplifizierung "erst kommt das Fressen, dann die Moral" sondern das der Blick auf einen breiten Wohlstand der Untertanen integraler Teil kluger, nachhaltiger Herrschaftsausübung ist.

RMH

9. März 2022 14:03

Auch hier wieder Dank an M.L. für die verständliche Aufbereitung der Gedankenwelt des Herrn Dugin. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Dugin auch nur eine zweite Geige im Orchester des Herrn Putin ist (@W.a.S.: Rosenberg hatte offizielle Partei- und Regierungsämter, ich habe noch nichts davon gelesen, dass Dugin solche Posten hätte. Im Übrigen ist Rosenbergs "Mythus" deutlich lesbarer als A.Hs. "Mein Kampf", wenn auch von penetranter, teilweise nerviger Bildungshuberei durchzogen). Hier im Westen sucht man jetzt eben in den Medien schnell die "Ideengeber". Dugin ist - nach dem, wie er hier vorgestellt wird - weniger interessant für die Erklärung der konkreten Herrschaft des aktuellen Regimes in Russland, als vielmehr für eine für Impulse offene, intellektuelle Rechte. Um ehrlich zu sein, weiß ich jetzt aber nicht, was ich mir von Dugins Argumenten und Ideen im Sinne eines Eklektizismus in meinen eigenen, persönlichen Kasten mit politischen Argumenten legen soll. 

Niekisch

9. März 2022 14:08

"Mir kommt dieser Dugin vor wie Alfred Rosenberg. Um diese Vermutung zu überprüfen, müsste ich beider Werke lesen, was ich gewiss nicht tun werde. Sie sollen beide fast unlesbar sein". 

@ Waldgaenger aus Schwaben 12:32: Verraten Sie uns doch bitte, worauf sich Ihre Vermutung stützt und lesen Sie ganz einfach als Sekundärliteratur Pieper, Ernst, Alfred Rosenberg, Hitlers Chefideologe, Blessing 2005. Da findet sich viel Interessantes zu Rußland und dem übrigen Osten. 

Laurenz

9. März 2022 14:12

@RMH

Wir wissen 0 von dem, was in der Ukraine passiert. Von daher ist Vorsicht geboten. Die Ukrainer machen es mit dem, der mehr Brosamen vom Tisch fallen läßt. Und wir sind das labilste Glied der westlichen Kette. Wie sonst könnte der Typ, der gerade Präsident der Ukraine spielt & seine beiden Profi-Schläger solch freches, unverschämtes Ansinnen an unser Land stellen?

@ML (1)

Muß Ihnen für Ihre Geduld & Akribie wieder mal danken. Dafür, daß Sie Sich hier viel Arbeit gemacht haben, um uns das wesentliche Dugins zu präsentieren. Denn, wie @WaS, hätte ich keinen Nerv, den ganzen Rotz zu lesen. Artikel II ist wesentlich spannender als I, aber, ich bin nicht begeistert. Man bemerkt eben, daß Dugin teils selbst nicht glaubt, was er sagt. Eine liberale Haltung kann als Definition nur auf der persönlichen Ebene, in unseren individuellen Freiheitsrechten dienen. Da sind wir hier, im Gegensatz zu (grünen) Linken, wohl alle Liberale. Über das Individuum hinaus gibt es nur einen Liberalismus. Entweder lügt hier Dugin oder er ist zu blöd. Kann ich nicht beurteilen.

Laurenz

9. März 2022 14:27

@ML (2)

Hayek oder Popper sind doch nur Handlanger oder Stiefelputzer von Marx. Deregulierung, Liberalisierung eines Staates, der Ökonomie bedeuten eine schnelle, grundsätzliche Kumulierung des Kapitals in wenigen Händen, was man erstmal als Neo-Feudalismus oder als Oligarchie bezeichnen kann, der/die dann, aufgrund des rasant anwachsenden Prekariats in die bolschewistische Revolution mündet, Sinn & Zweck der Übung. Der Unterschied zur Historie ist der Verzicht auf staatlichen Formalismus, ähnlich der geänderten Kriegspolitik von symmetrischen Kriegen auf asymmetrische. Was Dugin bei Gorbatschow & seinem Versagen, außer acht läßt, ist die erfolgreiche Transformation Chinas hin zum Nationalsozialismus. China hat natürlich militärisches Drohpotential aufgebaut, aber, bis auf Tibet, nie benutzt. China rächt die eigene historische Ohnmacht gegenüber dem Westen mit einer diametralen strategischen Ausrichtung von ökonomischen Abhängigkeiten des Auslands.

Hajo Blaschke

9. März 2022 14:35

RMH, wie schon festgestellt, wissen Sie weder über Russland noch über die Ukraine auch nur ansatzweise Bescheid.

Die Rente der Bewohner der Krim z.B. ist spürbar höher auf russischem Niveau als das, was Rentner bekamen, als die Krim ukrainisch war. Und im Gegensatz zur Ukraine wird diese Rente auch tatsächlich regelmäßig gezahlt.

Das Gleiche ist generell zum Lebenstandard in Russland im Vergleich zur Ukraine zu sagen. Wenn schon Putin- und Russland-Bashing, dann sollte man zumindest Ahnung haben, wovon man schreibt.

kikl

9. März 2022 14:52

"Wenn du liberal bist, bist du ein Untermensch, du bist weniger als ein Mensch, du bist eine kranke Kreatur, eine perverse Kreatur..."

Hat er zu viel "mein Kampf" inhaliert? Lohnt es sich wirklich über Dugin so viele Worte zu verlieren?

Dugin will letztlich ein russisches Imperium mit Europa als kolonisiertem Wurmfortsatz errichten. Sein Traum ist die Russifizierung der Welt, zwar nicht mehr unter dem Deckmantel des "Kommunismus" aber dafür im Namen seiner neuen Religion, als deren Prophet er sich sieht.

Ich werde meine Zeit damit nicht verschwenden.

Valjean72

9. März 2022 15:45

Teil 1/2:

Vielen Dank für diese Herausarbeitung der Positionen Dugins.

mE ist er zu allererst russischer Imperialist und auch aus diesem Grund vertritt er keinen slawisch-russischen Patriotismus, sondern ausschliesslich einen eurasisch-russländischen. Seine Weltanschauung begreife ich im wesentlichen als Stützgerüst, um den russischen Imperialismus nach aussen und nach innen hin zu rechtfertigen.

Nach meiner Sicht der Dinge ist Putins Russland keineswegs der hehre Gegenspieler zur NWO der Globalisten. Es ist Teil dieser Machtstrukturen und versucht lediglich in nachrangigen Fragen Sonderpositionen herauszuschlagen ...

Letzte Woche wurde in Moskau einen Anti-Kriegsdemo behördlich verboten. Begründung: epidemische Notlage aufgrund der C-Pandemie. Humor kann man ihnen nicht absprechen, den Russen.

 

 

 

.

 

 

 

Valjean72

9. März 2022 15:47

Teil 2/2:

Eines noch. In Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg kam mir sehr früh der Gedanke, dass es sich um ein abgekartetes Spiel handeln könnte. Die Wirtschaftssanktionen werden Russland verhältnismässig wenig, die USA fast gar nicht aber Europa und hier gerade Deutschland massiv schaden.

Die europäischen Schäfchen westlich der Ukraine - und hier ebenfalls im Besonderen die BRD - werden über die NATO wieder stärker an die USA gebunden und sind bereit Sondervermögen für Rüstungsausgaben aufzuwenden.

Wirtschaftlich als eindeutiger Gewinner wird, wie bereits aus der C-Pandemie, China hervorgehen. Und das scheint mir so gewollt zu sein.

RMH

9. März 2022 15:56

@Hajo Blaschke,

wie unschwer erkennbar ist, habe ich die Ausführungen von @Imagine als Grundlage meiner Ausführungen verwendet. Im Übrigen schrieb ich schon, dass das Materielle eine Komponente von mehreren ist. Durch Kaputtschießen der Lebensgrundlagen einschließlich dem Umbringen von Menschen in der Ukraine wird Russland sicher keine neuen Freunde dort finden - und versuchen Sie es bei Ihren guten Kontakten doch bitte einmal dort vor Ort, die Leute davon zu überzeugen, dass sie ihr persönliches Leid ausschließlich ihrer eigenen von "der Nato" aufgehetzten Regierung zu verdanken haben und das all das Leid über sie als reine, denknotwendige Folge der Verbrechen der eigenen "Nazis" über sie hereingebrochen ist. Und anschließend bitte noch nach Russland fahren und einer betroffenen Mutter erklären, warum ihr Sohn jetzt tot oder schwer verwundet oder verschollen ist.

Aber wie ich an anderer Stelle schon schrieb: Im Moment deutet sich eine kleine Hoffnung an, dass morgen evtl. ein Durchbruch in den Verhandlungen erzielt wird. Immerhin verhandelt Russland schon mit den "Nazis". Hoffen wir, dass der Krieg aufhört.

tearjerker

9. März 2022 16:22

Zur russischen Corona-Praxis hier ein Einblick.

Hajo Blaschke

9. März 2022 16:30

RMH, in den russischen Truppen, die das Ermorden der Donbassbewohner durch die ukrainische Regierung beenden, sind ausschließlich Soldaten, die sich freiwillig für diesen Einsatz verpflichtet haben.

Und nun fahren Sie doch in die beiden Donbass-Republiken und erklären Sie einer russischen Mutter, aus welchem Grund Sie es für richtig und gut halten, dass ihr Kind von ukrainischen Mördern ermordet wurde, nur weil es Russe war.

Es scheint, als ob Sie unbedingt belegen wollen, dass Sie nichts wissen.

MARCEL

9. März 2022 16:41

Mich erinnert vieles an die orthodoxe Eschatologie, in der historische Phänomene fast durchgehend als Wiedergänger uralter Häresien angesehen werden, z.B. der Westen als zutiefst arianisch (Arius lehrte, Christus sei nicht aus göttlichem Wesen, sei allenfalls der perfekte Mensch, der von Gott, ähnlich wie bei den römischen Kaisern, adoptiert worden sei etc.), also weltlich, materialistisch und diesseitsbezogen.

Hinzu kommt die Vorstellung von Moskau als dem "Dritten Rom" (im Kommunismus säkularisiert), das berufen sei, diesen eschatologsichen Kampf zu führen. Alles wird spiritualisiert und dogmatisiert.

Dugin ist tatsächlich der "Slavoj Zizek" (Lichtmesz) der Rechten, irgendwo zwischen Entertainer, Prophet, Visionär, Rasputin und Politclown. Glaube aber nicht, dass er zu Putins Flüsterern gehört. Es gibt ganz andere Falken, die Putin vorwerfen, seit 2014 zu lasch in der Ukraine gewesen zu sein.

Dennoch: Nicht alles ist deswegen falsch, was Alexander Dugin intuiert, bedenkt und ausdrückt. Sein russisch-orthodoxer Hintergrund ist bei allem unverkennbar.

Der Gehenkte

9. März 2022 17:08

@ Der_Jürgen

"zwei seiner früheren Bücher übersetzt und mich einmal zu einem längeren Gespräch mit ihm getroffen."

Darf man - ganz naiv - fragen, welche Bücher das sind? Aus dem Englischen oder dem Russischen? Von den vier Sachen, die ich hier habe - "Konflikte", "Vierte PT", "Ethnos", "Heidegger" sind nur zwei mit Übersetzerangaben.

Dann hatte ja Miss Pettibone mal ein Interview gemacht, in dem er sich auch auf Evola bezog - aber das war schon sehr hölzern.

Dennoch: Was muß man lesen, um den Mann kennen und verstehen zu lernen?

Mir scheint durch Putins Einmarsch sich folgendes Paradox aufzutun: Angenommen, er tut dies mit Dugin im Gepäck, so stehen doch die Zeichen derart, daß die geostrategischen Ziele durch den Einmarsch und die nun folgende ewige Verdammung Putins just damit begraben sein könnten. Das heißt: die Verwirklichung führt zur Entwirklichung.

Ein Fremder aus Elea

9. März 2022 17:16

Herr Lichtmesz, Sie hatten gefragt, was die Verbindung zwischen Corona und Ukraine ist. Die Antwort ist natürlich völlig trivial: Beides lehrt uns, mit weniger zu leben, und wie ich Blofeld verstanden habe, geht's ja auch darum, daß wir nichts haben und damit zufrieden sind.

Imagine

9. März 2022 17:23

Auch mich erinnert Dugin an Slavoj Žižek. Beide sind unfähig, eine realitätsbasierte, logisch konsistente und zukunftsträchtige Theorie zu formulieren. Also Fälle fürs Feuilleton. Marktgängiger Unterhaltungsmüll, Zeitverschwendung und rausgeworfenes Geld.

Interessant finde ich hingegen den biographischen Text: „Das Leben ist so einfach und doch so grausam” von Wladimir Putin (https://www.nachdenkseiten.de/?p=81502).

Gracchus

9. März 2022 17:40

Gewöhnlich lese ich die Beiträge von Lichtmesz gern. Hier bin ich aber schnell ausgestiegen und habe den Rest nur quergelesen, was weniger an Lichtmesz, sondern mehr an Dugins anscheinend wirren Ideen liegen mag. Die ideologische Situation ist im Westen wirr; was den Ton angibt, lässt sich m. E. nur schwer als kohärente Ideologie beschreiben. Ideologische Versatzstücke werden je nach Bedarf aus dem Hut gezaubert. Während man z. B. sein Geschlecht frei wählen können soll, so nicht, was man sich injizieren lässt. Ich sehe derzeit am ehesten einen massenmedial induzierten und gesteuerten Kollektivismus am Werk. Die Situation ist ohne Medientheorie - also ohne die Wirkungsweise von Massenmedien zu bedenken - nicht begreiflich.

Laurenz

9. März 2022 18:05

@Valjean72

Auch die Russen kennen ganz sicher die von @RMH verlinkte Aussage Friedmans. Natürlich entspricht dieser Krieg den Wünschen der USA andere gegeneinander auszuspielen. Aber auch die USA wissen nicht, was das für einen Einfluß auf die Vorherrschaft in Eurasien bedeutet. Vielleicht sind den USA die Russen auch lieber als die Chinesen. Wer weiß das schon. Aber das ist im Pentagon & beim CIA immer Glücksache, ob da grad einer sitzt, der auch schon 1x die Weltkarte in seinem Leben gesehen hat oder nicht.

Rußland profitiert ökonomisch massiv von diesem Krieg, Medwedew hatte das am 22.02. verlautbart https://www.wallstreet-online.de/nachricht/15083941-medwedew-hohen-gaspreisen-willkommen-welt

Die Russen hatten 2 Optionen. Option 1 war, wie wir, sich unter us amerikanische Hegemonie zu stellen. Man wählte Option 2, um für eine tripolare Welt zu kämpfen. Das haben weder Sie, noch @Franz Bettinger, noch einige andere hier verstanden, weil Sie grundsätzlich in der Tiefen-Staat-Ideologie gefangen sind. Den Tiefen Staat gab es schon immer.

https://www.pressenza.com/de/2021/12/ranghoher-us-general-erklaert-die-kuenftige-welt-fuer-tripolar-was-steckt-dahinter/

Volksdeutscher

9. März 2022 18:07

1.

@Hajo Blaschkes Bemerkungen zu manchen Kommentaren sind auch aus meiner Sicht richtig, der ich mich die Mühe mache, auch russische Nachrichten zu lesen. Wenn man sich nicht die Mühe macht, sich wenigstens ein bißchen mit Rußlands Geschichte und der Russen Mentalität auseinanderzusetzen, wird man Russlands Agieren weder im Allgemeinen, noch im Besondern verstehen - im Sinne von Nachvollziehen. Für ihn werden die Fragen, die die jetzigen Geschehnisse in der Ukraine aufwerfen, unbeantwortet bleiben. Ein kritischer Geist lasse sich nicht von der primitiven Agitationspropaganda des westlichen Finanzkapitals irreführen, die unsere Marionetten von Politikern mit beiden Händen unters Volk streuen, am allerwenigsten sollte er sie aneignen. Wie wäre es, sie mal zu überprüfen durchs Lesen russischer Nachrichten? Er braucht ja kein Putin-Versteher, aber auch kein Selenskij-Versteher zu werden.

Heinrich Loewe

9. März 2022 18:15

Habe ich das richtig gesehen, daß es gerade außer dem hier besprochenen kein einziges weiteres Buch von Dugin auf Deutsch bei Amazon zu kaufen gibt? - Danke für die ausführliche Besprechung. Ich wollte es mir gerade kaufen und werde nun wohl verzichten.

Ein spirituell grundierter russischer politischer Denker ist allemal interessant und bedeutsam. Er scheint nicht ganz stringent und klar in der Argumentation und Begrifflichkeit zu sein. Aber dies beiseite - die Richtung stimmt wohl schon. Man vergesse nicht, daß bei den Marien-Erscheinungen von Fatima Russland eine besondere Rolle spielte.

Und der 100% Vernichtungswille der Globalisten-Mafia aktuell gegen Putin/Russland, ich meine die ökonomische Kriegsführung, ist doch irgendwie eigenartig extrem. Die ausländischen Zentralbank-Assets einzufrieren, das wurde noch nichtmal gegen Hitler gemacht. Da geht es um die absolute Zerstörung. Unter der Annahme, daß es eigentlich ein spiritueller Kampf ist, erinnert das an einen Teufel, dar nach einer Provokation völlig rasend austickt.

Volksdeutscher

9. März 2022 18:20

2.

Aber er sollte sich vor der naiven und höchst unpolitischen Wahrnehmung hüten, indem er auf das Schicksal der Kinder und Zivilisten hinweist. Nicht nur deshalb, weil es in der Weltgeschichte schon zu allen Zeiten so war und keine neue Erkenntnis aus dieser hilflosen Attitüde zu ziehen ist. Sondern weil es unredlich ist, daß er in Unkenntnis Kritik wagt und Partei ergreift. Denn dieser Krieg geht seit mindestens 2014. Wo war er mit seiner zur Schau gestellten, jetzt auf Hochturen laufenden Menschlichkeit, als in Lugansk und Donbass Zivilisten von der ukrainischen Artillerie beschossen wurden? Wo war er, als die ukrainische Armee Schulen und Wohnhäuser zerschoß? Wo war er, als Hunderttausende ukrainische Staatsangehörige russischer Ethnizität nach Russland geflohen sind? Die Heuchler der Menschlichkeit in der westlichen Welt wollten jenes Elend nicht sehen und sie wollten auch nicht, daß wir sie sehen, ergo haben sie darüber nicht berichtet. Aber das entbindet keinen, sich zu informieren und den Dingen nachzugehen, ehe er seine Meinung zu den Kriegsgeschehnissen bildet.

drieu

9. März 2022 18:25

Hin und wieder - wenn es mich nach einem anderen Blick gelüstet - schaue ich in Jungle World und Junge Welt. Zumindest letzteres spare ich mir jetzt dank Herrn Blaschke. 

Tja, hätten die russischen Eliten mal weniger in Luxus und mehr in Zukunftsperspektive und Technologie  investiert, dann müssten sie jetzt nicht zur Gewalt greifen. Soviele kluge Köpfe, die auf und davon sind, weil Korruption, Vetternwirtschaft und Machtmissbrauch ihnen keine Chance lassen. 

Und nun? Kein jubelnder Empfang in der Ukraine! Und dafür sollen sie sich zukünftig in den Schweizer Bergen, den französischen Küsten und italienischen Manufakturen schief anschauen lassen? Vielleicht klemmt beim Bezahlvorgang plötzlich die Kreditkarte? Was für ein Affentanz!

PS:Herrlich, wie hier einige dem „antifaschistischen“ Krieg des Herrn P. das Wort reden. 

RMH

9. März 2022 18:41

@Hajo Blaschek,

ihre Kenntnisse sind offenbar auch nur aus den russischen Staatsmedien. Die sog. "Freiwilligkeit" der Soldaten Russlands erscheint aber teilweise schlüssig, denn sie geben ja auch teilweise ihr Kampfgerät freiwillig auf. Im Übrigen  - selbst wenn es so wäre, wie sie es darstellen, was ich nicht glaube - dürfen die Ukrainer dann in ihrem eigenen Land nicht das machen, was Russland mit seiner abtrünnigen Provinz Tschetschenien gemacht hat. Aber um einmal ihr Thema von den Renten aufzugreifen: Die jetzigen Rentner in der Ukraine werden fast alle Anwartschaften in Zeiten ihres Erwerbslebens in der UdSSR erworben haben. Russland macht geltend, den Raum der ehem. Sowjetunion nach seinem Genehm zu gestalten. Frage an Sie, als Kenner: Zahlt Russland an die ehem. Sowjetrepubliken dann auch entsprechende Rentenanteile für die dortigen Rentenempfänger?

Wenn ja, Punkt für Sie. Wenn Nein, dann ist das Beleg für die These, dass es Russland versäumt hat, sich außerhalb blanken Machtgebarens eine eigene Stimmungsbasis im anderen Land zu verschaffen. Wer Nachfolger der UdSSR sein will, muss auch so handeln.

Volksdeutscher

9. März 2022 18:52

3.

Dieser Krieg geht schon seit 2014. Sollte es nur mir unter den Kommentatoren aufgefallen sein? Auf Russisch findet man dazu ua. die folgenden Hinweise:

"Переселенцами из-за конфликта стали около 1,6 миллиона человек", — сказал Дюжаррик на брифинге, ссылаясь на данные управления верховного комиссара ООН по делам беженцев."

"Rund 1,6 Millionen Menschen sind aufgrund des Konflikts vertrieben worden", sagte Dujarric bei einem Briefing und bezog sich dabei auf Zahlen des UN-Hochkommissariats für Flüchtlinge."

Wo blieben und bleiben Empörung und Hysterie in der westlichen Welt über diese Opfer, die - immerhin Staatsbürger der Ukraine - von der Armee des eigenen Staates bekämpft, getötet und vertrieben wurden?

"С 2014 года на Донбассе погибло более 240 детей, 56 пропали без вести."

"Seit 2014 wurden mehr als 240 Kinder getötet, 56 werden vermißt."

 

Andreas Walter

9. März 2022 18:53

Die Quelle des (wirklich sehr lustigen) Cartoons würde ich gerne wissen. Sehe rechts auf dem Bild nur das Kürzel DB, was mir leider nichts sagt.

Dass ein ehemals marxistisches (radikal progressives) Land danach genau in's Gegenteil verfällt, so wie ein anderes nach Jahrzehnten des Kapitalismus jetzt ins Hyperprogressive abdriftet, ist im Grunde nichts ungewöhnliches. War ja und ist mit Deutschland ähnlich. Von dem einen "Extrem" ins Andere hat hier auch nur ein paar Jahrzehnte gedauert.

Der Grund: Das Komplementärgesetz (siehe Daoismus, TCM, C. G. Jung, Dahlke, Betz, Psychosomatik, Kabbala, Sufismus, Jordan Peterson, Baal Shem Tov)

Die Stichworte und Phänomene dazu in der “klassischen“, westlichen Psychologie: Der Schatten, Schattenbildung, Verdrängung, Projektion, Enge (Engst, angustia).

Gibt es alles nämlich auch im Kollektiv. Gerade im Zeitalter der Massenmedien und seit gewisser Zeit auch durch die Möglichkeiten der sogar internationalen Gleichschaltung jetzt auch noch über das WeltWeiteWabennetz.

Nein, keine Seite kann (auf Dauer) gewinnen, doch selbst die Goldene Mitte, Mesotes, wird mit der Zeit eben langweilig (gähn), starr und festgefahren. Alles schwingt und dreht sich daher im Universum, wieder und wieder, und so ist es darum auch mit den Menschen.

Volksdeutscher

9. März 2022 19:26

4.

Russlands Krieg gegen die Ukraine sei gleich Deutschlands Krieg gegen die Sowjetunion, ein Angriffskrieg, der völkerrechtlich nicht legitimiert sei, weil das UN-Mandat dazu fehle, hört man oft in diesen Tagen sagen. Das stimmt. Aber ein Angriffskrieg kann deshalb noch lange berechtigt sein - auch ohne UN-Mandat - würde Macchiavelli sagen. Warum störte sich niemand im Westen am Fehlen des UN-Mandats im Jugoslawien-Krieg? Na sowas! Russland hat zudem eine Menge glaubwürdige Gründe für seinen Angriffskrieg. Und schließlich anstatt die obligatorische, aber einfallsarme Runde mit den "leidenden Kindern und Zivilisten" zu laufen möchte ich lieber unseren Niccoló Macchiavelli zitieren:

"Nicht, wer zuerst die Waffen ergreift, ist Anstifter des Unheils, sondern wer dazu nötigt.“ (Niccoló Macchiavelli)

Diese Aussage ist sowohl im Falle Deutschlands als auch im Falle Russlands wahr.

Ein Fremder aus Elea

9. März 2022 19:50

Er präsentiert also ein “Großes Erwachen” ohne nennenswerte Kritik am Corona-Konstrukt.

Ich hatte mir vor dem Ausbruch des Ukrainekriegs mal die Titelseite von Izvestia von Google übersetzen lassen, und da war ein Coronaartikel, in welchem es darum ging, daß russische Wissenschaftler einen Test für beginnende Thrombosen entwickelt hätten, von welchen es hieß, daß es belastbare Hinweise darauf gäbe, daß sie das Virus verursachen würde.

Meines Wissens gibt es nur belastbare Hinweise darauf, daß sie die Impfung verursacht. Warum bringt Izvestia also sowas? Gibt eigentlich nur zwei Möglichkeiten:

  1. Sputnik wirkt zwar nicht, verursacht aber trotzdem Thrombosen, und die russische Regierung hat Angst, daß es einen Aufstand gegen sie wegen ihrer Coronahandhabung gibt, was zugleich den Krieg gegen die Ukraine und Dugins Sprüche erklären würde, ist der Krieg doch für die Russen und Ukrainer eine größere Ablenkung als für jeden sonst.
  2. Wenn die Thrombosen tatsächlich auf das Virus zurückgehen, dann muß die Deltavariante speziell mit dieser Eigenschaft in einem Biowaffenlabor hergestellt worden sein und wir stecken schon längst im Dritten Weltkrieg.

LetzteGoten

9. März 2022 19:55

Wenn man weiß, welch geringen Einfluß Dugin und seine Theorien auf Putin wirklich haben, werden all die geistreichen Ausführungen obsolet.

In Rußland wurde Dugin schon seit langem auf für ihn angenehme, faktisch aber ohne Einfluß bleibende Pöstchen abgeschoben. Nicht mehr, nicht weniger.

ML: Dugins Theorien sind nicht bloß Dugins Theorien.

Der_Juergen

9. März 2022 20:06

@Der Gehenkte

Ich habe "Konflikte der Zukunft. Die Rückkehr der Geopolitik" aus dem Russischen übersetzt und "Das Phänomen Putin" hauptsächlich anhand einer englischer Vorlage, spätere Zusätze aus dem Russischen. Als Übersetzer wurde ich in beiden Fällen nicht genannt.

Dugins wohl wichigstes Buch, "Geopolitik", ist nie ins Deutsche übersetzt worden; vielleicht existiert eine englische Übersetzung.

Dass Dugin "Putins Berater" ist oder war, trifft sicherlich nicht zu; er hat dies selber auch nie behauptet. Natürlich ist es sehr wohl möglich, dass Putin durch Dugins Schriften beeinflusst wurde. Nicht in Abrede gestellt wird, dass Dugin Berater von Sergej Naryschkin war.

Skeptiker

9. März 2022 22:00

@drieu

Danke für Ihre klaren Worten. Auch für mich ist es unerträglich, wie hier 1:1 die russische Kriegspropaganda wiedergegeben wird. Dabei ist es nun doch wirklich jedem möglich, mit Menschen zu sprechen, die dem Horror dieses unsäglichen Krieges, der nur Verlierer kennt, entronnen sind. Es ist die reine Gier und Verzweiflung der völlig enthemmt agierenden Putin-Administration, deren Dekadenz erstmal von Westpolitikern übertroffen werden muss. Oder sind deren Luxusvillen, Yachten, Fußball -Clubs etc. nun auch wieder nur Fakes der Mainstreampresse?

Lausitzer

9. März 2022 22:03

Vielen Dank für die bisherige Einführung in Dugins Denken. Ich werde Dugin nicht lesen, weil ich ihn zu anziehend finde.

Wenn ich darüber nachdenke, wie sich Deutschland wieder aufrappeln könnte, komme ich nicht umhin zu denken, dass wir es ohne eine atomare Schutzmacht im Rücken, nicht schaffen können. Und wohin sollen die letzten weißen Europäer flüchten, wenn sie eine Überlebenschance wollen? Da bleibt doch nur Russland.

Vielleicht ist manches bei Dugin widersprüchlich oder unausgegoren, aber ich kann seinen Gedanken doch einiges abgewinnen. Europa könnte jedenfalls eine Großmacht werden, wenn es gelänge sich mit Russland zu vereinigen 

Gracchus

9. März 2022 22:20

1. Was den Krieg angeht: Wer verfügt denn über belastbare Informationen? 

2. Dass Dugins vierte politische Theorie Bastelei genannt wird (von Lichtmesz), heißt ja, dass sie selbst postmodern ist - weil die Bricolage für postmodernes Denken steht - und daher daran krankt, was sie überwinden will. Die spannende Frage ist aber (auch für hiesige Opposition), ob man dem Bricolieren irgendwie entkommt. Auch bei den Traditionalisten wie Guenon oder Evola steht diese Frage im Raum. 

3. Das Corona-Regime hat mitnichten abgedankt, sondern macht v. a. in Person von Karl Lauterbach munter weiter. Umso wichtiger wäre die Formierung einer Opposition. Braucht diese eine gemeinsame Ideologie? 

4. Allenfalls der Fassade nach ist Deutschland noch ein liberaler, demokratischer Rechtsstaat, und für den, der Augen hat, ist die Fassade schon ganz schön gebröckelt. Was zeigt sich dahinter? Ein Liberalismus 2.0? 

RMH

9. März 2022 22:26

"Wenn man sich nicht die Mühe macht, sich wenigstens ein bißchen mit Rußlands Geschichte und der Russen Mentalität auseinanderzusetzen, wird man Russlands Agieren weder im Allgemeinen, noch im Besondern verstehen - im Sinne von Nachvollziehen."

@Volksdeutscher, gehen Sie bitte davon aus, dass sie in einem Forum sind, bei denen alle gerade geschichtlich im Vergleich zum Durchschnitt recht sattelfest sind und bspw. auch ohne Erklärbär genau wissen, warum Putin am Tag der Frau auf Katharina die Große hingewiesen hat. Aber: Es fällt aus der Perspektive eines Deutschland, welches keine Atomwaffen hat, schon schwer nachzuvollziehen, warum ein Land wie Russland, welches bekanntermaßen die meisten Atomwaffen der Welt und damit die höchste Abschreckungskraft hat, solch ein "Sicherheitsbedürfnis" hat, einen cordon sanitaire von "neutralen" Staaten um sich haben "zu müssen". Nachvollziehbar wird es hingegen, wenn man den russischen Imperialismus historisch kennt. Aber mit dem Krieg erzeugt Putin gerade erst die "Geburt der Nation" Ukraine. Oder kurz: Nicht alles, was man nachvollziehen kann, muss man für gut, richtig oder vernünftig halten - Krieg schon gleich gar nicht. Der Konflikt in der Ostukraine wird im Übrigen seitens der Ukraine diametral anders dargestellt als von Moskau. Man darf sich also aussuchen, wen man der Lüge bezichtigen mag und wen nicht, wenn man unbedingt auf eine einseitige Sichtweise bestehen will.

Pit

9. März 2022 23:49

Tja... Einfach Grundlegendes nicht erkannt: ja warum sind denn die "Liberalen" stark? Hm? Woher kommt denn ihre Stärke, deren sich Rußland so erwehren muß? Einfach so... vom Himmel... vom Satan? Es sind die PRODUKTE !! Jeder Russe, jeder Nicht-Westler, will im Westen leben: weil dort die ANGEBOTE besser sind ! Und nein das sagt nicht daß der Westen gut ist, es sagt lediglich, daß die anderen schlechter sind.
Woher hat denn der Westen das Geld für die Rüstung, mit welcher er andere Länder bedroht? Alle Länder kaufen die Produkte des Westens, daher kommt das Geld. Und das geht so weit, daß die Nichtwestler nicht mehr auf westliche Produkte verzichten wollen: ja... da hat eben der Nichtwesten den Konkurrenzkampf verloren. Also sollte man vielleicht einfach mal selber attraktie Produkte anbieten. Oder die Leute kaufen eben die Produkte nicht, obwohl sie sie attraktiv finden. Wie ich immer sage: der Verbraucher hat alle Macht.

Aber kurz und gut: die Macht des attraktiven Warenangebots, die Macht von Kreativität und Innovation, wird eben von Leuten wie Dugin überhaupt nicht erkannt, und er bleibt hängen in einem Netz von ideologischen Konstrukten... die einfach niemanden interessieren. Laß die Leute einfach selbst bestimmen, wie sie leben wollen... und das heißt eben z.B. auch: was sie KAUFEN wollen. Da, wo wir ZU WENIG Freiheit haben, da soll Dugin mal protestieren, und nicht mit seiner "Illiberalität" hausieren gehen.

Ordoliberal

9. März 2022 23:53

Teil 1

Wieder einmal beweist Martin Lichtmesz, dass er der schärfste Kopf der neurechten Bewegung ist. Vor allem die präzise Unterscheidung zwischen Liberalismus 1.0 und Liberalismus 2.0, die Hayek auch als wichtigem konservativen Denker gerecht wird, gefällt mir sehr gut. Hayek hat sich selbst als "Old Whig" charakterisiert und nie einen Hehl daraus gemacht, dass ihm die Konservativen viel näher stehen als die Linken.

ML: Achtung, ich gebe hier Dugins Gedanken wieder!

Die Rechten haben ein ideologisches Loch dort, wo eine Wirtschaftspolitik unter Industriebedingungen in konkrete Gesetze zu gießen wäre. Leider füllen sie es nur zu gern mit linken Utopien. Dabei liegt mit dem Ordoliberalismus bereits eine gut durchdachte konservative Wirtschaftstheorie vor. Man muss doch nicht immer das Rad neu erfinden! Subsidiarität und wirtschaftliche Selbstständigkeit müssen das Ziel eines Konservativen sein. Nicht Zentralisierung und Abhängigkeit von Bürokratie und Sozialsystemen.

Ordoliberal

9. März 2022 23:56

Teil 2

It's the economy, stupid! Wer miteinander handeln muss, bildet eine gemeinsame Sprache aus, ein gemeinsames Rechtsverständnis und gemeinsame Umgangsformen. Handel schafft Vertrauen. Vertrauen schafft eine Kulturgemeinschaft. Eine Kulturgemeinschaft schafft eine Abstammungsgemeinschaft. Denn wer sich versteht, heiratet untereinander und reicht die Tradition weiter.

Der Liberalismus 2.0, das heißt der Globalismus, versucht, dieses natürliche Wachstum zu unterbinden. Sein Ziel ist das Monopol. Sein Mittel ist die Komplizenschaft von Staat und Großkapital, um eine Erziehung von oben durchzusetzen. Seine Lüge ist ein immer wieder neu erfundenes Gemeinwohl. All das ist von den Denkern des Liberalismus 1.0 schon sehr scharfsinnig und weitsichtig beschrieben worden. Kein Wunder, dass sich seine Anhänger heute als Feinde der Gesellschaft wiederfinden!

Laurenz

10. März 2022 00:06

@Skeptiker & Drieu

"Korrupter Machtapparat in Rußland"

Da steht der Westen, gerade Deutschland, nicht hintenan. Ob von der Leyen, Scholz, Spahn, Lagarde, Schäuble etc.pp., alle haben sie Dreck am Stecken & die Strafverfolgung wird erst gar nicht vorgenommen oder zumindest verzögert. Hier & da wird ein Hinterbänkler wegen Maskenschieberei verknackt. Den Amateur-Halunken opfert man doch gerne. Wir sind, bezüglich der Strafverfolgung gegen Politiker, bereits eine Bananenrepublik & sollten erst mal vor der eigenen Türe kehren. Und die einzige Partei im Parlament, die sich noch um Deutschland schert, wird genau deswegen vom VS beobachtet. Da sind sogar die Bürger Schildas absolute Vernunfts-Menschen.

@RMH

"Aber mit dem Krieg erzeugt Putin gerade erst die "Geburt der Nation" Ukraine."

Diese Behauptung können Sie in keiner Weise belegen, ich das Gegenteil auch nicht. Die Ukraine ist jetzt bereits als Staat dysfunktional. Die Russen brauchen bloß zu warten, bis das Ende von selbst eintritt, anstatt die eigenen Leute zu verheizen.

Laurenz

10. März 2022 00:27

Was mir hier etwas auf den Senkel geht, ist die Moralisierung der Debatte auf Seiten der Transatlantik-Propagandisten, RMH, Skeptiker & Co. Zu Moral-Predigten besteht für den Westen überhaupt kein Anlaß. Die Ignoranz gegenüber europäischer Geschichte, ja ihre bewußte Ausklammerung, wird einerseits "unserem" Forum nicht gerecht & andererseits schon gar nicht der aktuellen Realität. Hier kommt zB der Weltkriegsverlierer & kleine 10-Mio.-Einwohner-Staat Ungarn zum tragen, der gerade immer weiter aus der Visegrad-Gruppe rausgesprengt wird & dessen diesbezüglichen Befindlichkeiten auch weitestgehend ausgeblendet werden. Daß das bisher noch anders lief, ist dem einzig echten Staatsmann Osteuropas zu verdanken, Viktor Orbán. Nur Orbán ist es, wie Friedman klar, daß es für einen kleinen Staat wesentlich günstiger ist, wenn sich 2 Großmächte um den Einfluß in einem kleinen Staat schlagen, als wenn nur eine Großmacht dies gar nicht nötig hat. Im Netz sind bezüglich der Ukraine & Ungarn einige Artikel im Netz. Ich hab mal eine deutsche Übersetzung herausgesucht. 

https://blog.bti-project.de/2021/01/11/ukrainisch-ungarische-beziehungen-eine-geschichte-wachsenden-gegenseitigen-misstrauens/

Ordoliberal

10. März 2022 05:36

@ML

Stimmt. Sie referieren hier eine Unterscheidung, die Dugin trifft. Ob es einen Weg von Hayek über Popper zu Soros gibt, wage ich allerdings zu bezweifeln. Eher gibt es einen Weg von Hayek über Reagan zu Trump. Was mich interessieren würde: Was ist daran falsch? Ist Trumps MAGA Projekt nicht ein Weg, den auch die Rechten in Deutschland gehen könnten - jenseits von ethnischer Volksfrömmigkeit?

Das "Volk" ist doch eine romantische Fiktion! Der linksliberale Globalismus wird in Deutschland vom "Volk" getragen. Das will sich gar nicht ethnisch homogenisieren lassen. Das Ziel der Rechten muss es sein, die traditionellen deutschen Institutionen zu schützen. Die können dann auch von Ausländern der zweiten Generation weitergetragen werden. Das ordoliberale Mittel dafür wäre die Verweigerung jeglicher Subvention für Zuwanderer für die Dauer von zehn Jahren. Das würde zuverlässig die Spreu vom Weizen trennen.

RMH

10. März 2022 07:15

@ Laurenz, Was mir hier etwas auf den Senkel geht, ist die Moralisierung der Debatte auf Seiten der Transatlantik-Propagandisten, RMH, Gegen Krieg zu sein und gegen das Leid der Menschen auf beiden Seiten sich auszusprechen kann man nicht mit dem Begriff "Moralisierung" irgendwie in den Bereich des Kindergartensandkastens sortieren, wo die sind, die nicht bei den "Großen" mitspielen dürfen. Im Übrigen ist es auch Ausdruck einer Moral und damit gerade eine Moralisierung, wenn man Krieg als etwas normales ansieht, bei dem das Sterben von Soldaten u. Zivilisten auch ganz normal ist. Man mag seine Männlichkeit unterstreichen wollen oder sonst was, wenn man die Moral des Krieges vertritt, aber anderen dann irgendwie mit "Moralisierung" als Einwand zu kommen, ist nicht gerade rationales, logisches Denken. Moralisierung ist es auch, wenn man behauptet, der Krieg habe schon 2014 begonnen, denn dann geht man davon aus, dass ein Land eine Rechtfertigung für seine Aktionen braucht. Es ist zudem ein billiger Trick, durch den ewigen Verweis auf "den Westen" quasi jeden, der Russland für diesen Krieg kritisiert in den Versuch einer Rechtfertigung zu bringen. Einen Sch... rechtfertigt man, wenn man Russland für diesen Krieg kritisiert. Wo kommen wir denn hin, wenn jetzt jeder seine Argumente mit der Einleitung "Ich bin ja kein Freund der Nato, kein Transatlantiker und finde alles, was die Nato und die USA gemacht haben, ganze böse und schlimm, aber" einleiten muss, nur um in einem rechten Forum seine Meinung vertreten zu können.

RMH

10. März 2022 07:25

" ...sind ausschließlich Soldaten, die sich freiwillig für diesen Einsatz verpflichtet haben." (Hajo Blaschke)

Und bereits gestern, spät Abends ging es über die News-Ticker (auch heute noch zu finden) das Russland ganz offiziell einräumt, dass auch Wehrpflichtige zum Einsatz in der Ukraine gekommen sind. Natürlich sucht man jetzt intensiv nach Verantwortlichen dafür, um diese zu bestrafen. Als Gedienter fragt man sich dann schon, was für ein Sauhaufen diese Armee ist, wenn kein kleiner Truppführer sich traut zu sagen, Hallo, hier bei mir sind Wehrpflichtige, die darf ich nicht mit auf die Reise nehmen. Der politisch Verantwortliche dafür ist schnell ermittelt: Putin. 

Die Stories, in denen russische Soldaten erzählen, dass sie zur Unterschrift unter eine Verpflichtung genötigt wurden, gewinnen damit auch an Glaubwürdigkeit. So viel zur "Freiwilligkeit". Ja, ich weiß, jetzt kommt der Einwand, aber in der Ukraine bla, bla, bla, ... die behaupten aber wenigsten nicht, dass bei ihnen alles Freiwillige sind und haben klar darauf hingewiesen, dass sie Männer unter 60 nicht aus dem Land ausreisen lassen.

Franz Bettinger

10. März 2022 07:40

Wenn Dugin nicht mal in der Lage ist, den Corona-Schwindel zu erkennen, oder doch in der Lage, aber zu feige ist, ihn korrekt zu benennen, kann der Mann mir gestohlen bleiben wie mittlerweile auch Trump und Putin. Jeder, der dieses Theater nach 2 Jahren leicht erkennbarer Lügen immer noch nicht durchschaut, ist, sorry, entweder bl.de oder ein Corona-Gewinnler. Dugin müsste, wollte er reinen Tisch machen, auch zum Klima-Schwindel klar Stellung nehmen, und zu vielem mehr. Wenn er all das nicht tut, ist auch er nur ein Falschspieler unter Falschspielern.

Franz Bettinger

10. März 2022 07:44

Ich habe es unter GK’s Artikel bereits verlinkt, tue es hier aber nochmals*, weil ich die verbrecherischen Ziele des WEF in Form eines Geständnisses des von @ML erwähnten Yuval Harari noch nie besser präsentiert sah. Unbedingt ansehen! Schwab und seine Bande sind dumm und leichtgläubig; keine Botaniker, Zoologen, keine Mediziner; sie verstehen weder die Natur des Menschen noch das (wenig!) Machbare in der Biologie. Sie sind verrückt, reich und am Drücker; ein fatales Gemisch. Lysenko lässt grüßen. Sie wollen eine Mensch-Maschine erschaffen und halten diese (wäre sie machbar, was sie Gottseidank nicht ist) dem Menschen gegenüber für überlegen. Gefährlich nackte Könige!  * (ab 3’36):

https://thebfd.co.nz/2022/03/07/the-bfd-nightcap-638/  

Rheinlaender

10. März 2022 08:56

@Laurenz

"Die Ukraine ist jetzt bereits als Staat dysfunktional."

Zentrale staatliche Institutionen, darunter die Regierung und die Streitkräfte, funktionieren angesichts der Tatsache, dass die russische Invasion nur langsam voran kommt, doch offensichtlich auch unter Kriegsbedingungen bzw. unter dem Druck eines militärisch deutlich überlegenen Angreifers weiter. Bei einem dysfunktionalen Staate wäre dies nicht der Fall. Relevant ist in diesem Zusammenhang auch, dass keine Absetzbewegungen von Inhabern bestimmter Ämter zu beobachten sind. Zumindest die höchsten Ebenen der Verwaltung scheinen in den Frontstädten zu verbleiben und weiter zu arbeiten. Die sind vielleicht korrupt, aber die funktionieren.

drieu

10. März 2022 09:11

1/2

Laurenz; wie gehabt nur Dampfplauderei.

Mal drei Beispiele aus meinen Leben: Mein bester russischer Freund, Dr. und Forscher an KI und ein richtiger russischer Patriot auf meine Frage, warum er nicht zurück in die Heimat ginge: "Angenommen, ich nähme an einer Ausschreibung teil und hätte die beste Idee, in Deutschland hätte ich tatsächlich die Chance, den Auftrag zu bekommen. In Russland niemals, es sei denn, ich hätte vorher die Entscheider bestochen." -- alltägliche, allgegenwärtige Korruption!

Im Kasaner Haus eines wohnhabenden russischen Freundes stand ich unter der Dusche und bemerkte ein großes Loch zwischen Wand und Becken. Das Wasser floß ungehindert hinein. Auf meine Frage an den Hausherrn, warum er dies zuließe die Antwort: "Ach, das Loch war schon da, als ich das Haus kaufte." -- alltägliche, allgegenwärtige Verschwendung

Ob ich mir das bedeutenste Museum des Landes anschauen wolle, fragte mich Frau D., die damals vor zehn Jahren noch in der Duma saß. Natürlich. Ich bekam dann allerdings nicht nur eine Freikarte, sondern musste im Büro des Direktors der Eremitage auf eine leitende Wissenschaftlerin des Hauses warten, weil diese mir deutsch sprechend eine 1 zu 1 Führung gab. Mir, dem 0-8-15 Kumpel des Sohnes einer unbedeutenden Abgeordneten. -- Machtmissbrauch, Angst vor Autorität
 

drieu

10. März 2022 09:12

2/2

All das zieht sich wie ein roter Faden durch alle Bereiche des russischen Lebens. Und nur deswegen kommt es nicht voran, nicht weil irgendjemand es bedroht, was absurd ist, denn einzig und allein die Armee ist einiger Maßen in Schuss.
Deshalb möchte ich es trotz aller Faszination nur bereisen, niemals dort leben müssen (obwohl meine Voraussetzungen sicherlich gut dafür wären).

Ansonsten freue ich mich hier u.a. über die Äußerungen von Pit - es ist noch nicht alles verloren in der deutschen Rechten.

PS: Dugin ist, wenn überhaupt, nur eine Art Lanz von Liebenfels für den guten Putin.

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