Dugins “Das Große Erwachen gegen den Great Reset” (1/5)

Krieg in der Ukraine und "Great Reset" - gibt es hier einen Zusammenhang?

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Zunächst nur einen indi­rek­ten. Nach zwei Jah­ren Dau­er­be­schuß wur­de “Coro­na” durch ein neu­es Angst­nar­ra­tiv aus den Schlag­zei­len gedrängt. Die Pres­se und die von ihr kon­di­tio­nier­ten Mas­sen set­zen ihren Ent­hem­mungs­mo­dus naht­los fort. Das Feind­bild “Impf­geg­ner” und “Quer­den­ker” wur­de durch das Feind­bild “Rus­se” oder “Put­in­ver­ste­her” ersetzt.

Hier gibt es natur­ge­mäß gro­ße Über­schnei­dun­gen, der Spal­tungs­for­mel fol­gend, die Som­mer­feld und ich in Mit Lin­ken leben auf­ge­stellt haben: Der Vek­tor Vertrauen/Mißtrauen in die Main­stream­m­edi­en hat hier unse­rer Ansicht nach mehr Gewicht, als genu­in “lin­ke” oder “rech­te” Über­zeu­gun­gen. Wer sich von der Pres­se über Coro­na belo­gen fühlt, wird ihr in der Regel auch nicht glau­ben, was sie über Putin und die Ukrai­ne schreibt.

In unse­rem Buch nann­ten wir eini­ge mar­kan­te Sta­tio­nen, die für vie­le Men­schen zur Abkop­pe­lung aus dem Main­stream führ­ten, weil sie die Bericht­erstat­tung als ver­zer­rend, mani­pu­la­tiv oder ten­den­zi­ös emp­fan­den: “9/11”, Tra­vyon Martin/BLM 2012,  die Mai­dan-Krim­kri­se 2014, Pegi­da 2014/15, die Flücht­lings­kri­se 2015, die Coro­na­vi­rus­kri­se seit 2020. Jedes Mal haben wir ein kom­pli­zier­tes und explo­si­ves Gemisch aus Lüge, Wahr­heit, Wert­ur­tei­len und Emo­tio­na­li­sie­rung vor uns.

Wider­spruch gegen das gän­gi­ge Ukrai­ne-Russ­land-Nar­ra­tiv wird immer schwie­ri­ger, da man nun in Gefahr läuft, der Recht­fer­ti­gung eines “Angriffs­krie­ges” und damit der Unmensch­lich­keit und Empa­thie­lo­sig­keit bezich­tigt zu wer­den (letz­te­rer Vor­wurf schirmt prak­tisch alle poli­ti­schen Agen­den im Wes­ten vor Kri­tik ab, von der Flücht­lings­po­li­tik bis zur Mas­sen­imp­fungs­kam­pa­gne). Putin ist nun der aktu­el­le “neue Hit­ler”, also das abso­lut Böse. Eine ähn­li­che Situa­ti­on hat­ten wir auf einer nied­ri­ge­ren Zünd­stu­fe bereits 2014 im Zuge der Krim-Annektion.

Jedes­mal, wenn das Feind­bild Ruß­land an der Tages­ord­nung steht, wird der rus­si­sche Phi­lo­soph Alex­an­der Dugin als Buh­mann und ver­meint­li­cher ideo­lo­gi­scher Ein­flüs­te­rer Putins aus dem Gru­sel­ka­bi­nett geholt – aktu­el­le Bei­spie­le gibt es etwa hier, hier, hier, hier. 2014 habe ich mich mit die­sem Fabel­tier aus dem Osten kri­tisch aus­ein­an­der­ge­setzt, sie­he hier und hier.

Kurz gesagt dreht sich Dugins Den­ken um eine radi­ka­le Moder­ne- und Libe­ra­lis­mus­kri­tik, in der Ruß­land die Rol­le einer katechon­ti­schen Groß­raum­macht zukommt, die nicht nur als geo­po­li­ti­scher, son­dern auch als ideo­lo­gi­scher Wider­sa­cher und Anti­po­de zum “Wes­ten” auf­tritt. Es han­delt sich um eine Art “Reichs­ideo­lo­gie” mit mythi­sie­ren­den und escha­to­lo­gi­schen Zügen. Dugins Mis­si­on scheint dabei zu sein, die euro­päi­sche Rech­te zu pro-rus­si­schen und pro-chi­ne­si­schen Hal­tun­gen zu ver­füh­ren, und aus ihr tat­säch­lich eine Art “fünf­te Kolon­ne” zu machen.

Ich nann­te den rus­si­schen Phi­lo­so­phen damals den “Sla­voj Žižek der Rech­ten”, Thors­ten Hinz bezeich­ne­te sein Buch Die vier­te poli­ti­sche Theo­rie als “kru­de Mischung aus Apo­ka­lyp­tik, Escha­to­lo­gie, Dezisio­nis­mus und Anarchismus.”

Ich mahn­te zur Vor­sicht, da Dugin dafür bekannt ist, daß er “nach innen” oft ein ande­res Gesicht zeigt als nach außen. Sei­ne För­de­rung von rech­ten, sys­tem­kri­ti­schen Grup­pie­run­gen in der west­li­chen Welt kann auch als Zer­set­zungs­stra­te­gie gedeu­tet wer­den, etwa so, wie die Sowjet­uni­on frü­her lin­ke und sowjet­freund­li­che Grup­pen förderte:

Unterm Strich klingt das alles eher nach einem rus­sisch-impe­ria­lis­ti­schen “cant”, und Ruß­land wird Schwie­rig­kei­ten haben, ihn gegen­über den Völ­kern, über die es die Hege­mo­ni­al­macht bean­sprucht, glaub­haft zu ver­tre­ten. Schon gegen­über der Ruß­land so ver­wand­ten und nahe­ste­hen­den Ukrai­ne scheint dies zum Schei­tern ver­ur­teilt zu sein. Dugins Kri­tik des ame­ri­ka­ni­schen Impe­ria­lis­mus und west­li­chen Libe­ra­lis­mus ist bestechend; was er die­sen Mäch­ten ideo­lo­gisch ent­ge­gen­zu­set­zen hat, wirkt aber weit­ge­hend “gebas­telt” und konstruiert.

Damals (2014) gab Dugin dem Spie­gel ein viel­be­ach­te­tes Inter­view (“Jeder West­ler ist ein Ras­sist”), in dem er sich zu Aus­sa­gen wie die­sen verstieg:

SPIEGEL: Sie sagen: „Es gibt kei­ne Kri­ti­ker des Put­in­schen Kur­ses mehr. Und wenn es sie gibt, dann sind das psy­chisch Kran­ke, und man muss sie ärzt­li­cher Über­wa­chung über­ge­ben. Putin ist alles, Putin ist uner­setz­bar.“ Ist das wirk­lich von Ihnen?

Dugin: Ja.

SPIEGEL: Psy­chisch krank?

Dugin: Die­je­ni­gen, die Putin angrei­fen, grei­fen die Mehr­heit an. Das ist psy­chisch anor­mal, ein Abwei­chen von der Norm. Muss man Normab­wei­chun­gen dul­den? Man muss. Muss man Anor­ma­li­tät zur Norm machen? Nein. Des­we­gen sind Leu­te, die Putin nicht unter­stüt­zen, psy­chisch nicht nor­mal. Aber psy­chisch Kran­ke haben ein Recht auf Hei­lung, auf Unterstützung.

Spie­gel­ver­kehrt ver­su­chen heu­te man­che Leuch­ten im Wes­ten, Putins Angriff auf die Ukrai­ne mit “Nar­ziss­mus” und “Geis­tes­krank­heit” zu erklä­ren. Jeden­falls kann ich mein dama­li­ges Urteil über Dugin nur wiederholen:

Wer so spricht, hat sich jeder intel­lek­tu­el­len und geis­ti­gen Red­lich­keit bege­ben. Er ist nur mehr ein Dem­ago­ge und Pro­pa­gan­dist der Macht. Allein, wie hier mit Begrif­fen wie “Mehr­heit” und “Norm” han­tiert wird, ist schlicht­weg nie­der­träch­tig. Und die Metho­de, mit Dis­si­den­ten psych­ia­trisch fer­tig zu wer­den, hat er sich wohl aus der Sta­lin-Zeit abgeschaut

Dugin hat nun auch ver­sucht, den “Gre­at Reset” in sei­ne gro­ße Geschichts­er­zäh­lung ein­zu­span­nen.  “Der Glo­ba­lis­mus tritt in sei­ne tota­li­tä­re Pha­se ein”, schreibt er in dem Ende 2021 auf Deutsch und Eng­lisch publi­zier­ten Büch­lein Das Gro­ße Erwa­chen gegen den Gre­at Reset, und das wer­de auch geo­po­li­ti­sche Fol­gen haben:

Dies macht den Aus­bruch neu­er Krie­ge wahr­schein­li­cher denn je, ein erhöh­tes Risi­ko für den Ein­tritt des Drit­ten Welt­kriegs mit eingeschlossen. 

Die “Geo­po­li­tik des “Gre­at Resets”, ange­führt von den USA unter Joe Biden, habe näm­lich fol­gen­de Schwer­punk­te: Inten­si­vie­rung der Kon­fron­ta­ti­on mit dem Iran und Chi­na, Stär­kung der NATO, “Aus­wei­tung der US-Prä­senz im Nahen Osten und Zen­tral­asi­en, “der Haupt­fo­kus muß jedoch auf dem Kampf gegen Russ­land liegen”.

Aus rus­sí­scher Sicht waren es die NATO und der Wes­ten, die den lau­fen­den Krieg pro­vo­ziert haben, indem sie die Ukrai­ne als anti­rus­si­schen Keil auf­ge­rüs­tet haben. Bei­de Sei­ten, USA wie Ruß­land, stim­men dar­in über­ein, daß die Ukrai­ne von höchs­ter geo­po­li­ti­scher Bedeu­tung ist, was die Herr­schaft über das “Herz­land” der “Welt­in­sel” betrifft.

Die west­li­chen Staa­ten spre­chen und ver­hal­ten sich dabei bereits jetzt so, als ob sie im Krieg mit Ruß­land wären. Es wer­den mas­si­ve, noch nie dage­we­se­ne Wirt­schafts­sank­tio­nen ver­hängt. In den Medi­en ist die Rede von einem “Exo­dus der glo­ba­len Wirt­schaft”. Big Tech hat sich dem Boy­kott ange­schlos­sen, wäh­rend Ruß­land den Inter­net­zu­gang zu You­tube, Face­book und Twit­ter abblockt. Der äußers­te Flucht­punkt der lau­fen­den Eska­la­ti­on wäre eine mili­tä­ri­sche Kon­fron­ta­ti­on zwi­schen NATO und Ruß­land auf ukra­ni­schem Ter­ri­to­ri­um, womit der Drit­te Welt­krieg ange­bro­chen wäre.

Wie hängt die geo­stra­te­gi­sche Poli­tik des Wes­tens, die nun tat­säch­lich zum Krieg geführt hat, laut Dugin mit dem “Gre­at Reset” zusam­men? Einer­seits durch die Ver­knüp­fung von “Umwelt­pro­jek­ten und tech­ni­schen Neue­run­gen, zual­ler­erst die Ein­füh­rung der künst­li­chen Intel­li­genz und Robo­tik” mit dem “Anstieg eine aggres­si­ven Mili­ta­ris­mus”, ande­rer­seits durch weit­rei­chen­de geis­tes­ge­schicht­li­che Lini­en, die er in sei­ner Schrift Das gro­ße Erwa­chen gegen den Gre­at Reset zu skiz­zie­ren versucht.

Das Buch besteht aus einem fünf­zigsei­ti­gen Haup­teil, einem “Mani­fest”, das erst­ma­lig am 3. März 2021 in rus­si­scher  und am 21. März 2021 in deut­scher Spra­che erschie­nen ist, sowie sechs zusätz­li­chen kür­ze­ren Tex­ten, die zwi­schen Janu­ar und Sep­tem­ber 2021 ver­faßt wurden.

Schon das Arti­kel­bild des Mani­fests zeigt, daß Dugin hier offen­bar ver­sucht, an man­che Vor­stel­lun­gen inner­halb der Coro­na-Wider­stands­be­we­gung im Wes­ten anzu­do­cken (auf Eng­lisch nennt man das “co-opting”). Die Pro­fi­le von Bill Gates und Geor­ge Soros erschei­nen neben einem sche­ma­ti­schen “kyber­ne­ti­schen” Men­schen­kopf, vor ihnen der blaue Erd­ball, auf dem die Lich­ter der indus­tria­li­sier­ten Welt blinken.

Den Begriff des “Gro­ßen Erwa­chens” (Gre­at Awa­ke­n­ing) hat Dugin dabei aus dem Schlag­wort-Arse­nal der QAnon-Bewe­gung über­nom­men, die er als zwar etwas bizar­ren, aber “authen­ti­schen” Auf­stand der Mas­sen gegen den Glo­ba­lis­mus deutet.

Und schon an die­sem Punkt regen sich Ein­wän­de. QAnon ist als “Nar­ren­saum” des Trumpis­mus ein Phä­no­men des “alten” Popu­lis­mus, der in ers­ter Linie eine Reak­ti­on auf die Ein­wan­de­rungs- und Bevöl­ke­rungs­po­li­tik der west­li­chen Län­der war. “Q” war ein angeb­li­cher anony­mer Whist­leb­lower aus dem Inners­ten des Tie­fen­staa­tes, der über das Inter­net kryp­ti­sche Bot­schaf­ten ver­brei­te­te, die eine unmit­tel­bar bevor­ste­hen­de apo­ka­lyp­ti­sche Abrech­nung mit dem glo­ba­lis­ti­schen “Sumpf” ver­spra­chen, in dem sich buch­stäb­li­che Sata­nis­ten, Kin­der­schän­der, Trans­hu­ma­nis­ten und ande­re fins­te­re Gestal­ten tummelten.

Die Kern­bot­schaft von “Q” lau­te­te :“Trust the Plan”, “Ver­trau dem Plan”, also der unend­li­chen Gewitz­heit von Donald Trump, der schon sämt­li­che Schach­zü­ge des bösen Geg­ners vor­aus­ge­dacht hat­te und einen siche­ren Sieg errin­gen wer­de. “Q” lie­fer­te eine Art men­ta­les Opi­um, das die Anhän­ger Trumps über sein äußerst erra­ti­sches Ver­hal­ten hin­weg­täu­schen und bei der Stan­ge hal­ten soll­te. Er wur­de zum unfehl­ba­ren, genia­li­schen Halb­gott hochgememt.

“Q” füt­ter­te die Gläu­bi­gen mit einem Misch­masch aus Zutref­fen­dem und Fan­tas­ti­schem, wobei das eine naht­los in das ande­re über­ging. Gleich­zei­tig ermun­ter­te es sie zur Pas­si­vi­tät (Trump und sei­ne Ver­bün­de­ten im “tie­fen Staat” wür­den schon alles in Ord­nung brin­gen), und wenn sie han­del­ten, dann ging das in der Regel hef­tig die Hose.

Typisch für die idea­lis­ti­schen Tröp­fe, die die­sen Mär­chen, die wohl irgend­wann zum Selbst­läu­fer wur­den, auf den Leim gin­gen, ist etwa der “Q‑Schamane” Jake Ange­li, der zum iko­ni­schen “Gesicht” des soge­nann­ten “Kapi­tol-Sturms” wur­de, und der für sei­ne Ese­lei eine dra­ko­ni­sche Gefäng­nis­stra­fe kassierte.

Die nahe­lie­gends­te Ver­mu­tung ist, daß es sich bei “Q” um eine Psy-Op zur bewuß­ten Irre­füh­rung der Trump-Anhän­ger han­del­te. Die Initia­tio­ren kön­nen aus dem Trump-Umfeld selbst stam­men, es könn­te sich aber auch um eine Geheim­dienst-Ope­ra­ti­on zur Kon­trol­le und Irre­füh­rung der Oppo­si­ti­on han­deln, die sich dadurch ja auch reich­lich lächer­lich gemacht hat. Dugin scheint jedoch Q für eine “spon­ta­ne” und “ech­te” Gras­wur­zel-Bewe­gung zu hal­ten, was ich ihm offen­ge­stan­den nicht abkaufe.

Jeden­falls fie­len die “Q‑Drops” auf frucht­ba­ren Boden und akti­vier­ten mes­sia­ni­sche Erlö­sungs­phan­ta­sien, die sich teil­wei­se ins Irr­sin­ni­ge und Skur­ri­le stei­ger­ten, und auch in Deutsch­land ihr all­zugläu­bi­ges Publi­kum fan­den. Die psy­chi­sche Dis­po­si­ti­on und Auf­nah­me­be­reit­schaft für die Bot­schaft von Q war also zwei­fel­los in erheb­li­chem Maße vorhanden.

Ich deu­te sie als psy­cho­lo­gi­sche Reak­ti­on auf den Zer­fall der “Wahr­heits­sys­te­me”, der vie­le Men­schen in ein welt­an­schau­li­ches Vaku­um stieß, das sich rasch mit aller­lei mys­ti­schen, eso­te­ri­schen, “alter­na­tiv­phi­lo­so­phi­schen”, anthro­po­so­phi­schen etc. Ideen füllte.

Das “gro­ße Erwa­chen” bezeich­ne­te einer­seits das “Erwa­chen” aus der Hyp­no­se der Medi­en-Matrix, deren aggres­si­ver tota­li­tä­rer Anspruch in der Tat etwa seit 2015 mas­siv zuge­nom­men hat. Wenn Putin den Wes­ten in sei­ner Kriegs­re­de als “Impe­ri­um der Lügen” bezeich­net, so muß man ihm schlicht und ein­fach recht geben, frei­lich mit dem Vor­be­halt, daß in Russ­land ver­mut­lich nicht weni­ger kraß gelo­gen und mani­pu­liert wird als bei uns.

2020, das Jahr, in dem Trump abge­löst wur­de (mit ziem­li­cher Sicher­heit durch Wahl­be­trug, was auch Dugin annimmt), war das Jahr des Über­gangs vom “alten” zum “neu­en” Popu­lis­mus, der als Reak­ti­on auf die “Coro­na­maß­nah­men” ent­stan­den ist. Die Vor­stel­lung eines “gro­ßen Erwa­chens” wan­der­te nun wei­ter, wäh­rend “Q” und der Trumpis­mus immer mehr aus dem Blick­feld verschwanden.

Das hat Mar­tin Sell­ner ange­spro­chen, als er schrieb:

Die dif­fu­se ideo­lo­gi­sche Ant­wort, die der­zeit in der Coro­na­wi­der­stands­be­we­gung kur­siert, ist kei­ne Lösung. Die rech­te Ant­wort auf eine uni­ver­sa­lis­ti­sche, glo­ba­lis­ti­sche Tech­no­kra­tie, die jene Pro­ble­me, wel­che sie her­vor­ge­bracht hat, mit noch mehr zen­tra­li­sier­ter Tech­nik „mana­gen“ will,  lau­tet Wachs­tums­kri­tik und eine mul­ti­po­la­re Welt.

Das Alter­na­tiv­kon­zept der der­zei­ti­gen Coro­na­be­we­gung ist jedoch meist eine eben­so uni­ver­sa­lis­ti­sche New-Age-Eso­te­rik. Die schein­bar unlös­ba­ren Pro­ble­me und “Sach­zwän­ge”, wel­che die links­li­be­ra­len Glo­ba­lis­ten in den Raum stel­len, sol­len durch eine „Bewußt­s­eins­re­vo­lu­ti­on“ über­wun­den wer­den. Von liber­tä­rem („Bit­coin löst das“) bis zu eso­te­ri­schem („Lie­be ist die Lösung“) Chi­li­as­mus ist jede Spiel­art vorhanden.

(…) Ein “neu­er Mensch” und ein neu­es Bewußt­sein (wel­ches man selbst ver­kör­pert), wird dage­gen die „Mensch­heits­fa­mi­lie“ und den Welt­frie­den her­bei­füh­ren. In die­sem New-Age-Uni­ver­sa­lis­mus wird im Grun­de das Welt­bild der Glo­ba­lis­ten über­nom­men. Die Kluft, die zwi­schen Uto­pie und Wirk­lich­keit besteht, soll aller­dings nicht mit Tech­nik und Manage­ment, son­dern mit Eso­te­rik und Wun­der­glau­ben über­brückt werden. (…)

Ich kon­ter­te (oder ergänz­te) dies so:

Die “glo­ba­le Trans­for­ma­ti­on”, der Olaf Scholz in Davos die Treue geschwo­ren hat, soll aus­drück­lich auch eine anthro­po­lo­gi­sche, trans­hu­ma­nis­ti­sche Revo­lu­ti­on ein­lei­ten, eine Ver­schmel­zung von Mensch und Maschi­ne. Damit ist in der Tat “der Mensch” als Gan­zes ange­spro­chen. Ent­spre­chend kann auch legi­ti­mer­wei­se die Ant­wort ausfallen. (…)

Ich bin über­zeugt, daß der “Gre­at Reset” auch eine reli­giö­se Ant­wort erfor­dert, ja unwei­ger­lich pro­vo­ziert, wozu eben die von Sell­ner erwähn­ten “Chi­li­as­men” ver­schie­dens­ter Spiel­art zäh­len, die sich in der mensch­li­chen Psy­che unter Streß­ein­wir­kung unwill­kür­lich zu bil­den schei­nen wie men­ta­le Antikörper.

Hier kommt nun Alex­an­der Dugin ins Spiel, der die Ant­wor­ten “Wachs­tums­kri­tik und mul­ti­po­la­re Welt” mit chi­lias­ti­schen (und durch­aus uni­ver­sa­lis­ti­schen) Vor­stel­lun­gen ver­mengt, in deren Mit­tel­punkt, wie stets in sei­nem Den­ken, ein idea­li­sier­tes rus­sisch-eura­si­sches Impe­ri­um steht.

Russ­land hat nach Dugin eine his­to­ri­sche “Sen­dung”, sich an “die Spit­ze des Gro­ßen Erwa­chens” zu stel­len, und gleich­sam die gan­ze Welt im End­kampf gegen den gro­ßen Satan Libe­ra­lis­mus anzu­füh­ren, inklu­si­ve den Wes­ten selbst, den es von der glo­ba­lis­tisch-libe­ra­lis­tisch-uni­ver­sa­lis­ti­schen Ver­ir­rung zu “befrei­en” gilt (wie einst die Rote Armee Euro­pa vom “Faschis­mus”?).

Im Grun­de macht er dabei nichts ande­res, als daß er die auf Trump gerich­te­te Heils­er­war­tung mit ihrem “Trust the Plan” auf Russ­land len­ken will – nicht so sehr auf Putin selbst, den er als prag­ma­ti­schen, oppor­tu­nis­ti­schen Real­po­li­ti­ker “ohne Inter­es­se an einer Welt­an­schau­ung” cha­rak­te­ri­siert. Der Adres­sat sei­nes “Mani­fests” ist offen­bar vor­ran­gig ein west­li­ches Publi­kum, da der Wider­stand gegen Coro­na­maß­nah­men in Russ­land nur mar­gi­nal auftritt.

Wenn Dugin schreibt: “Das Gro­ße Erwa­chen ist die spon­ta­ne Ant­wort der mensch­li­chen Mas­sen auf den Gre­at Reset”, dann hat er damit offen­bar kei­ne Mas­sen in sei­nem Hei­mat­land vor Augen (weil sie schon “erwacht” und “anti-libe­ral” genug sind?).

Man neh­me auch die­se Stel­le aus dem Manifest:

Die­ser [der nächs­te Schritt der Glo­ba­lis­ten, der Gre­at Reset] wird alle Berei­che des Lebens betref­fen – die Glo­ba­lis­ten gehen zurück an den Punkt, an dem Trump und ande­re Pole der her­auf­däm­mern­den Mul­ti­po­la­ri­tät sie auf­ge­hal­ten hat­ten. Und genau hier spie­len die Gehirn­wä­sche (durch Zen­sur und Mani­pu­la­ti­on der sozia­len Medi­en, tota­le Über­wa­chung und die Samm­lung der Daten von jedem) sowie die Ein­füh­rung neu­er Tech­no­lo­gien eine Schlüsselrolle.

Die Covid-19 Epi­de­mie dient als Recht­fer­ti­gung dafür. Unter dem Deck­man­tel der Sani­tär­hy­gie­ne rech­net der Gre­at Reset damit, die Kon­troll­struk­tu­ren der glo­ba­lis­ti­schen Eli­ten über die Welt­be­völ­ke­rung radi­kal zu ändern. 

Die Ange­lo­bung Joe Bidens und die Dekre­te, die er bereits unter­zeich­net hat (die buch­stäb­lich alle Ent­schei­dun­gen von Trump auf­he­ben) bedeu­ten, dass damit begon­nen wur­de, den Plan in die Tat umzusetzen.

Das ist sehr selt­sam, denn soweit ich infor­miert bin, wur­de ein- und die­sel­be Poli­tik “unter dem Deck­man­tel der Sani­tär­hy­gie­ne” seit Juni 2021 auch in Ruß­land betrie­ben, wenn auch nicht so sys­te­ma­tisch und flä­chen­de­ckend wie in den meis­ten Tei­len des Westens.

Und es stellt sich die Fra­ge, wel­che Ein­wän­de Dugin aus radi­kal anti­li­be­ra­ler Sicht gegen die “Kon­troll­struk­tu­ren” des Gre­at Reset haben könn­te, deren Vor­bild offen­sicht­lich Ruß­lands Ver­bün­de­ter Chi­na ist, das er eben­falls als Teil des gro­ßen antiglo­ba­lis­ti­schen Blocks zeichnet.

Mehr dazu im zwei­ten Teil.

Zur Nach­le­se:

Teil eins.
Teil zwei.
Teil drei. 
Teil vier.
Teil fünf.

– – –

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Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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Kommentare (24)

BjornMichaelis

7. März 2022 16:04

Dugin vertritt eine Kulturideologie - man könnte fast sagen "Tribalismus". Die Ablehnung von Kontrollstrukturen als höchstes Ziel wäre eher Libertarismus (Abschaffung von Zwang).  Ich verstehe ihn so, dass sofern es der Kultur entspricht dass der Staat eine starke Kontrolle ausübt, so soll das so sein, ansonsten halt nicht. Es gibt Interviews in denen er andeutet, dass sich (in der ehem. Ukraine?) auch Regionen mit Anarchistischen Gesellschaftsstrukturen bilden können sollten. -- Im übrigen ist das zitierte 120 Seiten Büchlein ziemlich explizit in der Frage ob Russland "nur die Ukraine" befreien soll. Zitat "Wir müssen also den Westen befreien." (S. 67) und ob es eine Ideologie ist, die die Anwendung von drastischen Maßnahmen zurückschreckt, " Große Industriestädte sollten ausgelöscht werden... nur das Land gibt echtes Leben..." (S. 77). Ebenso wie die Ideen um freie Privatstädte (Titus Gebel, Rahim Tagezegedhan u.ä.) scheint Dugin also eher einen Fahrplan zum Ersetzen scheinbar unumwerfbarer Strukturen zu sein, als eine im Prinzip global anwendbarer Ideologie. - Und wer sucht nach 2 Jahren wirkungsloser enormer APO, einer frustrierten AfD und systemkonform nichtmehr reparablen Ost/West Spannungen in D nicht nach eine Fahrplan Frieden in Freiheit, zumindest für diejenigen, die es wollen, herzustellen ? Und sei es mit 600 T-14 Armata als Geleitschutz durch turbulente Übergangszeiten.

Laurenz

7. März 2022 16:19

@ML

Im Grunde interessiert es mich nicht, was Dugin zu sagen hat. Brauche keine argumentative Unterstützung, um Putin-Versteher zu sein. Die "religiöse" Analyse MS' mag zwar stimmen, aber auch hier ist als Impfgegner kein Anlaß gegeben, irrationale Argumente ins Feld führen zu müssen. Was mich interessiert, hier:

"Aus russíscher Sicht waren es die NATO und der Westen, die den laufenden Krieg provoziert haben, indem sie die Ukraine als antirussischen Keil aufgerüstet haben. Beide Seiten, USA wie Rußland, stimmen darin überein, daß die Ukraine von höchster geopolitischer Bedeutung ist, was die Herrschaft über das “Herzland” der “Weltinsel” betrifft."

1. Ist die Aussage nicht korrekt? 2. Wie kann es sein, daß die Ukraine in 30 Jahren ein Failed State geblieben ist?

Was Trump angeht, so führt Biden doch dessen Politik mehr oder weniger weiter. Es wäre einfacher die wenigen Unterschiede festzumachen, als die Gemeinsamkeiten. Auch Trump brauchte Freunde. 1. Das Militär & die Rüstungs-Industrie 2. beruhigte Trump die Falken mit 80 Tomahawks in der Syrischen Wüste, wie der Liquidierung von General Soleimani. 3. Desweiteren wiederholte Trump in 2019 den Versuch seines Vorgängers Bush jun. (2002) einen Regime-Wechsel in Venezuela zu veranstalten, zugunsten der Öl-Multis.

RMH

7. März 2022 16:41

Bin gespannt auf den zweiten Teil. Nur zwei Anmerkungen: "Feindbild Russe". Dieser Fehler wird meiner Meinung nach - bis auf überschießende Einzelfälle - in grosso modo gerade nicht von Medien und Politik gemacht. Scholz machte die klare Unterscheidung in seiner Bundestagsrede, in dem er von "Putins Krieg" sprach. Eine Formel, der die Medien klar nachkommen. Artikel, in denen davor gewarnt wird, alle Russen in einen Topf zu werfen, häufen sich aktuell. Ja man suggeriert sogar, dass nur Putin weg sein müsse, dann wäre der Krieg sofort vorbei (fragwürdig). "Wie hängt die geostrategische Politik des Westens, die nun tatsächlich zum Krieg geführt hat," 

Nein, hier darf man klar widersprechen. Den letzten Befehl - und damit zum "heißen Krieg" - zum Angriff und mit all seinen Folgen gab Putin selber. Eine Zwangslage zu diesem Befehl ist trotz aller Provokationen und allen Schürens in keiner Weise erkenn- und nachweisbar. Aus dieser Verantwortung für den letzten Schritt darf man ihn nicht entlassen. Warum Putin diese Sache "durchgezogen" hat, darüber dürfen wir jetzt alle rätseln und ob gerade Dugin hier einer der Motivgeber war, ist komplett offen (die Beziehungen zu ihm hatte der Kreml schon vor Jahren abkühlen lassen). Moskau selber scheint bereits eine sehr "westliche Stadt" zu sein, Russland ist in Sachen IT progressiv- global (bspw. Yandex), ist im globalen Welthandel stark.

MARCEL

7. März 2022 16:50

In China vereinigen sich dann wieder Ost- und West-Imperialismus, der eine brachial, der andere smart. Tatsächlich verstört es, dass sich beide in China "treffen", der eine in seiner antiwestlichen Ausrichtung, der andere im totalitären "Bevölkerungsmanagement".

Mittlerweile lerne ich aus diesem Krieg, dass smarte, hybride, socialmedia-gestützte Kriegstatktiken den analog-traditionellen überlegen sind, auch wenn es kräftemäßig nicht danach aussieht. Mittlerweile entscheidet nicht mehr (allein) das klassische Schlachtfeld. Welcher Raum gibt letzlich den Ausschlag: der virtuelle oder der natürliche?

Indem Putin die Panzer rollen ließ, scheint er tatsächlich langfristig in eine Falle getappt zu sein (Bestrafungsaktion, Verzweiflungstat? - müßig zu spekulieren)

Nicht zuletzt: Für die Rechte gibt es keine Schutzmacht irgendwo da draußen (auch nicht Russland, das hat sich jetzt erledigt, bei allem Verständnis für seine Belange).

Fazit: Der lange Marsch durch die Illusionen!

Laurenz

7. März 2022 17:05

Wie der Forums-Teilnehmer

@Hajo Blaschke 

bereits zurecht bemerkte, findet der ukrainische Krieg gegen die Russen in der Ostukraine bereits seit 8 Jahren statt, mit über 13k Opfern. Insofern ist das nicht mal Putins Krieg.

Was den Medienkrieg angeht, so entscheidet dieser nichts. Der vom Westen jetzt intensivierte Wirtschaftskrieg ist bereits vom Westen verloren. Schauen Sie auf die Öl- & Gaspreise. Die Export-Einnahmen Rußland sprudeln, wie nie zuvor. Der Westen verringert weiter die Importe Rußlands & hilft Rußland aus der kleinen Rezession der letzten Jahre. Auch hier stellt sich die Frage an die Politik: Wie blöd darf man als Politiker sein? Da gibt es offensichtlich, wie auch in Foren, keine Rote Linien.

quarz

7. März 2022 19:09

"Wer sich von der Presse über Corona belogen fühlt, wird ihr in der Regel auch nicht glauben, was sie über Putin und die Ukraine schreibt."

Vor allem, wenn er sich daran erinnert, dass noch vor ein paar Jahren nicht wenige Mediendarlings und öffentlich rechtliche Erklärbären ziemlich genau so gegen die NATO-Osterweiterung argumentiert haben, wie es Putin seit langem tut und mit Lösungen geliebäugelt haben, die dem nicht unähnlich sind, was Putin nun als Bedingung für die Beendigung des Militärkonflikts in den Raum stellt.

Seit ein paar Wochen aber sind Bündnisfreiheit der Ukraine und Abtretung der russisch besiedelten Gebiete anscheinend derart böse und tabu, dass man lieber den Krieg akzeptiert als eine Diskussion dieser Möglichkeit zuzulassen.

 

Auf Sehrohrtiefe

7. März 2022 19:49

Wichtige Denkanstöße, wie erwartet von Lichtmesz. Dank hierfür.

Die Frage, welche Sau nach Ende der Corona-Hysterie durchs Dorf getrieben wird, um die Lemminge noch tiefer systemkonform zu konditionieren, ist beantwortet: "Der Russe" ist es, zuweilen verkürzt als "Putin" (der Unterschied ist marginal, denn zu "Putin" zählen auch strategische Betriebe, Medien, Oligarchen; letztlich alles außer dem kleinen Mann, den es zu befreien und westlich zu konditionieren gilt).

Wie erfolgreich diese Great Reset-Diktatur inzwischen ist, läßt sich zuhauf studieren. Menschen, die vor zwei Wochen noch Strafanzeige erstattet hätten, wenn man ihrem Kind eine Spielzeugpistole geschenkt hätte, sammeln nun selbst während der Arbeitszeit Geld, um Waffen für die Ukraine zu kaufen (entsprechende Fälle dokumentiere ich für die Nachwelt). Daß alle russischen Medien verboten werden, wird bejubelt und jede Kritik daran mit Sanktionsandrohung kujoniert.

Für mich ist das einer der besten Indikatoren, wie verkommen dieses US-gesteuerte BRD-Marionettenregime inzwischen ist. Während des Kalten Krieges hat sich im Westen niemand dafür interessiert, ob man Radio Moskau gehört hat. Wer nun aber Russia Today schaut, ist der Feind schlechthin. Wie armselig ist ein System, das Panik bekommt, wenn die Menschen andere Meinungen hören (was  auch ohne Satellit ganz einfach ist: VPN anschalten, IP-Adresse aus z.B. Brasilien verwenden, fertig; das dauert keine 15 Sekunden)?

RMH

7. März 2022 20:21

"bereits zurecht bemerkte, findet der ukrainische Krieg gegen die Russen in der Ostukraine bereits seit 8 Jahren statt, mit über 13k Opfern. Insofern ist das nicht mal Putins Krieg."

@Laurenz,

das, was Sie damit äußern, ist die berühmte Apperzeptionsverweigerung. Niemand hat Putin gezwungen, den regionalen Konflikt innerhalb eines souveränen Staates zum großen Krieg zwischen zwei Staaten aufzublasen. Aber Sie haben ja schon Probleme, so etwas wie Hebesätze bei der Grundsteuer zu verstehen (siehe anderer Thread), Hauptsache stur bleiben, scheint ihr Motto zu sein. Wesentlich nachvollziehbarer für das Verständnis des aktuellen Ukraine Konflikts ist im Übrigen das, was aktuell gerade wieder viral durch die Netzwerke geht und was George Friedman vor vielen Jahren bereits sagte, hier ein kleiner Ausschnitt davon:

US-Strategie (auf deutsch) l George Friedman STRATFOR @ Chicago Council on Global Affairs - YouTube

Friedman kommt ohne das metaphysische, Kulturgedöns eines Dugin aus. Da man davon ausgehen darf, dass solche Analysen auch den Stäben in Moskau bekannt sein dürften, ist der Angriff auf die Ukraine noch viel unverständlicher, da Putin damit ja mehr oder weniger unter den Voraussetzungen dessen, was Friedman sagte, in eine Falle gelaufen ist. Richtiger hätte Putin erst einmal locker die Inbetriebnahme von Nord Stream 2 abwarten sollen.

heinrichbrueck

7. März 2022 20:38

"Alexander Dugin’s 4 Political Theory is for the Russian Empire, not for European Ethno-Nationalists "

"Viele russische Politiker und Theoretiker (einschließlich Putin und Dugin) haben klargemacht, daß sie die imperiale, etatistische, patriotische „Rossiyskaja“-Identität unterstützen statt der ethnischen, rassischen, nationalistischen „Russkaya“-Identität." https://morgenwacht.wordpress.com/2019/02/01/alexiej-shiropajews-gefaengnis-der-nation-eine-ethnonationalistische-geschichte-russlands-teil-1/

Daß die Mainstream-Medien lügen, daß sich die Balken biegen, wissen wir. Und während es viele alternative Medien gibt, die sich um die Wahrheit bemühen, sind ihre Mittel zur Recherche doch sehr beschränkt.

Hinzu kommt, daß sich die Lügenbande längst auch unter den alternativen Medien breitgemacht hat. Es ist naheliegend, daß sie dieses stetig wachsende Publikum nicht einfach in Ruhe nach der Wahrheit suchen lassen, und es ist mit Sicherheit davon auszugehen, daß die Lügner sehr viel mehr finanzielle und sonstige Mittel haben als ehrliche alternative Medien. Das ist schon seit QAnon offensichtlich.

Was bringt das den internationalen Superreichen? Was bringt das beim Vorantreiben der NWO hin zu einer One-World-Regierung mit globaler Totalkontrolle? 

Der Gehenkte

7. März 2022 20:42

Ich gebe zu, ich war etwas erschrocken als ich das Thema las, denn es stand zu befürchten - zumindest ließen die letzten Beiträge diese Befürchtung zu -, daß Martin Lichtmesz sich in einen  - vermutlich verzweiflungsbasierten - Tunnel begeben könnte und evtl. theoretisch verloren wäre, aber dieser Beitrag hat mich eines besseren belehrt und beweist, daß er noch immer bei sehr klarem Verstand ist und sauber abwägen kann. Die letzten Beiträge waren doch von einer gewissen Akzeleration und persönlichen Involviertheit gekennzeichnet, die dem Autor von "Kann nur ein Gott uns retten?" nicht so recht zu Gesicht standen. Hier nun wieder die Kritik und der wache Blick nach allen Seiten und der Wille, sich nicht einsaugen zu lassen. Bin auf die Fortsetzung gespannt!

Elvis Pressluft

7. März 2022 20:43

Es handelt sich um einen innerasiatischen Konflikt. Für mich unterliegt auch keinem Zweifel, daß Putin und Selenskyj Schurken sind. Die einzig denkbare Rechtfertigung für ein Engagement des Westens in dieser Sache bestünde darin, die Ukraine als Panzergraben zu betrachten, der nicht (verfüllt und) überschritten werden darf. Wie GK schon notierte, hat man Jahrzehnte damit verbracht, die eigene Wehrhaftigkeit auf minus unendlich zu bringen – und Scholz‘ köstlich absurde Prätention ist jetzt, diesem Mangel kurzerhand abzuhelfen, indem man ihn mit Geld bewirft.

Den brd-Medien erscheint Putin als das gehörnte Tier, weil er – seiner Einschätzung nach – konsequente Politik im Interesse des eigenen Landes betreibt. Deutsche Politik für deutsche Interessen? – nicht einmal einen Witz wert, völlig undenkbar. Die antirationale Gefühlsseligkeit, die man heute überall mit Händen greift, ist unsauber und unappetitlich; Jeder und seine kleine Schwester rennen in Blau-Gelb umher … ich habe noch die „Friedensbewegung“ der 80er erlebt. Manche von denen würden bei Gelegenheit wohl zur Lynchjustiz gegenüber (vermeintlichen oder tatsächlichen) Russen übergehen.

Unterdessen erreichen uns die nächsten Wellen an „Geflüchteten“ – auffällig viele „international students“, stärker pigmentiert auch als der typische Ukrainer. Und die „Energiewende“ wird nicht abgeblasen, sondern forciert. Alles läuft nach Plan.

Laurenz

8. März 2022 00:31

@RMH

"schon Probleme, so etwas wie Hebesätze bei der Grundsteuer zu verstehen"

Hören Sie doch bitte endlich auf dummes Zeug zu quatschen, als ob nicht schon jetzt jede Gemeinde ihre eigenen Hebesätze festlegen würde. Sie posten noch nicht mal Quellen.

@RMH & Elvis Pressluft

"äußern, ist die berühmte Apperzeptionsverweigerung. Niemand hat Putin gezwungen, den regionalen Konflikt innerhalb eines souveränen Staates zum großen Krieg zwischen zwei Staaten aufzublasen." 

& "Putin und Selenskyj Schurken sind"

Wenn irgendwo auch nur ein US-Bürger entführt wird, läuft doch schon die zuständige Flotte aus. Selbiges gilt auch für Strafverfahren in nicht us - amerikanischem Ausland. Vielleicht sollten wir erstmal vor unserer eigenen imperialistischen Türe kehren. Sie sehen, RMH, die Ukraine ist genau so souverän, wie wir, nur daß bei uns bisher der Krieg bereits geführt wurde. Kann sich aber jederzeit ändern. Sie, RMH, sind schlicht ein Realitätsverweigerer. 

Laurenz

8. März 2022 00:36

@HeinrichBrück @L.

https://youtu.be/PBHYbeg2nao

The Russians are coming (1968)

Biden ist auf die Russen angewiesen. Seine Präsidentschaft hängt am Spritpreis.

Lausitzer

8. März 2022 01:05

Es war mir ein Genuss, diese Analyse zu lesen. Freue mich auf den zweiten Teil!

Umlautkombinat

8. März 2022 02:06

@RMH

Danke fuer die Verlinkung der Rede vor dem Chicago Council on Global Affairs. Der laengere Originalvortrag ist auch sehenswert. Z.B. ordnet er ein, wo der Mann - buchstaeblich und uebertragen - herkommt.

 

Kurativ

8. März 2022 02:47

Der 'Angriffskrieg'

Gut eingerahmt

Die EU und NATO-Mitgliedschaft der Ukraine, angekündigt von VfL und der so genannten münchner Sicherheitskonferenz  mit einer folgenden Stationierung von mobilen nuklearen Hyperschallraketen an der russisch-ukrainischen Grenze sind für Russland inakzeptabel, weil sie die Reaktionszeit unter 5 Minuten bringt. 

Die EU und die USA haben diesen Krieg und dessen Leid zu verantworten.

Und wenn ich jetzt sehe, wie die ukrainisch Regierung unter der Führung der US-Berater die Zivilisten in den Städten daran hindert, zu fliehen, um sie im Propagandakrieg zu opfern, dann schäme ich mich, zum Westen zu gehören.

RMH

8. März 2022 07:18

@Kurativ,

auch für Sie gilt: Wer glaubt, man müsse Krieg in diesem Maßstab vom Zaun brechen, nur weil ein anderes Imperium mit Geschick agiert und ein anderes Land in ein Verteidigungsbündnis locken will, der haut auch beim Schachspielen die Figuren vom Brett, weil ihm nichts besseres mehr einfällt. Putin hätte nur einmal uns zur besten Winterzeit das Gas abdrehen müssen - da hätte es dann zwar kein Geld mehr für seine Truppe gegeben, aber die Ergebnisse wäre wesentlich klarer, als über Wochen Truppen zu konzentrieren, einmarschieren zu lassen und diese dann, als es offenbar nicht so richtig läuft, alles kaputt schießen zu lassen. Putin ist sowas von 19. Jhdt - das mag man als Konservativer fast schon schick finden, aber im Hinblick auf die Leute, da dafür sterben, ist es zynisch.

PS: Wo sind eigentlich Ihre Belege außerhalb von Radio Moskau dafür, dass gerade westliche Berater oder die ukrainische Führung die zivilen Fluchtkorridore vermint oder beschießt oder sonst wie die Menschen am Fliehen hindern? Und was stationiert denn Russland so alles Nettes im Oblast Kaliningrad? Was ist eher da, die Henne oder das Ei?

quarz

8. März 2022 08:00

@Kurativ&RMH

Das gängigen Narrativ krankt an einer falschen Gegenüberstellung. Sie lautet: „Russland will den Krieg und hat keine moralische Rechtfertigung dafür, die Ukraine will den Krieg nicht, sondern ist gezwungen, ihn zu führen und diese Verteidigungshandlung ist moralisch gerechtfertigt.“

In Wahrheit wollen beide Parteien den Krieg, denn beide Parteien hätten die Möglichkeit, ihn sofort zu beenden, indem sie auf ein ihnen wichtiges Ziel verzichten. Beiden ist die Realisierung ihres jeweiligen Zieles wichtiger als der Frieden.

Die adäquate Gegenüberstellung lautet also:

  • Russland wählt den Krieg, um Entmilitarisierung und Ost-Selbstbestimmung zu erreichen.
  • Ukraine wählt den Krieg, um Militarisierung und Ost-Fremdbestimmung zu erreichen bzw. beizubehalten.

Demjenigen, der eine Parteinahme in diesem Konflikt erwägt, stellt sich also nicht die in den Medien suggerierte Frage „Soll ich für denjenigen Partei ergreifen, der den Krieg will oder für den, der ihn gegen seinen Willen führen muss?“, sondern es stellt sich ihm die Frage: „Da beide den Krieg wollen: wessen Ziel ist es wert, dass ich es als Kriegsgrund anerkenne und die betreffende Partei unterstütze?“.

Hajo Blaschke

8. März 2022 08:36

@ RMH, Sie bringen viel durcheinander und verquirlen alles, so dass man einen klaren Gedanken gar nicht erkennen kann.

Zu Kaliningrad: Gorbatschow hatte Kohl und Gentscher die Übergabe des Königsberger Gebietes offiziell angeboten. Persson, damals schwedischer Premier hatte seine Unterstützung bei den Rückgabeverhandlungen zugesagt. Kohl und Gentscher als Gouverneure der angloamerikanischen Kolonialherren dürften nicht mal im Traum an sowas denken.

Heute natürlich wäre Russland doch dumm, diesen Pfand mitten in Europa aufzugeben. Da ist nichts mit Huhn und Ei.

Rheinlaender

8. März 2022 09:02

@quarz

Es gibt keine Pläne der NATO für "mobile nukleare Hyperschallraketen" in der Ukraine, und solche Waffen sind auch in anderen europäischen NATO-Staaten nicht stationiert. Wenn man wollte, hätte man diese im Baltikum stationieren können, das seit fast 20 Jahren NATO-Mitglied ist und von Moskau nicht weiter entfernt liegt als die Ukraine. Auf dem europäischen Kontinent existieren auch keine NATO-Fähigkeiten, die dazu in der Lage wären, Russland ernsthaft konventionell zu bedrohen. Solche Fähigkeiten aufzubauen, würde zumindest ein Jahrzehnt dauern, und die Russen wissen das. Die militärische Bedrohung Russlands durch die NATO ist so wenig real wie die Bedrohung der Welt durch irakische Massenvernichtungwaffen es war. Real ist der Versuch der USA und ihrer Verbündeten, ihren Einflussbereich in Richtung Osten zu erweitern. Die inkompetente russische Reaktion darauf stärkt dieses Vorhaben und dürfte in den nächsten Jahren zu einer Welle von NATO-Beitritten führen.

RMH

8. März 2022 09:28

@quarz,

1.

Da beide Seiten aktuell schon mit dem Verleihen von Orden beginnen, habe ich die zarte Hoffnung, dass am Donnerstag beim ersten Spitzentreffen zwischen den Außenministern ein Durchbruch erzielt werden kann. Bis dahin wird sicherlich jede Seite noch die berühmten Geländegewinne anstreben. Im Übrigen zähle ich mich zu den "Weicheiern" unter den Konservativen, die doch in der Tat Krieg als Mittel der Politik klar ablehnen.

RMH

8. März 2022 09:29

@quarz

2. Wir in Deutschland haben meiner Meinung nach grundsätzlich nur für Deutschland und sonst niemanden Partei zu ergreifen und da ist bei den derzeitigen Machtverhältnissen in Deutschland klar, dass durch den Beginn der Putin´schen Maßnahmen wir in Deutschland stärker benachteiligt werden, als wenn Russland diesen großen Krieg nicht begonnen hätte. Selbst die uns als Deutschland zugestandenen Wirtschaftsbeziehungen mit Russland sind damit außerhalb der Rohstoffe beendet und auch bei den Rohstoffen dürfen wir bald aus "Sicherheitsgründen" woanders deutlich teurer einkaufen. Putin treibt die nicht atomar bewaffneten Teile Europas wieder unter die Deckung der USA und vermutlich werden andere Länder an Russlands Grenzen dem jetzt folgen (Georgien und Moldau wollen in die EU, FI und SE diskutieren den Natobeitritt) - im Vergleich zu dem, was die Menschen in der Ukraine durch den Krieg derzeit mitmachen, ist das alles natürlich eher Luxus. Vom deutschen Standpunkt schadet mithin der Krieg in der Ukraine Deutschland und dies ist neben meiner grundsätzlichen Ablehnung von Krieg auch einer der Gründe, warum ich hier gegen die russische Politik des Krieges bin (ich sehe Russland nach wie vor als die militärisch deutlich stärkere Partei, daher kommt es auf ein eventuelles Wollen des Krieges auch durch den Zwerg nicht an).

quarz

8. März 2022 09:38

@Rheinländer

Ich verstehe zu wenig von militärischen Dingen, um den Grad der (Nicht-)Bedrohung Russlands durch den NATO-Einfluss in der Ukraine beurteilen zu können. Aber wenn diese Bedrohung, wie Sie sagen, ohnehin nicht gegeben ist, dann müsste es der Ukraine ja umso leichter fallen, auf die Einbindung in die NATO-Architektur zu verzichten. Umso weniger ist dann zu verstehen bzw. zu rechtfertigen, dass sie lieber Krieg führt als Russland den Wunsch nach Bündnisfreiheit zu erfüllen.

Götz Kubitschek

8. März 2022 09:55

Früher Badeschluß. Man wird unter dem 2. Teil des Beitrags weiterdiskutieren können, bloß wäre es gut, wenn nicht immer dieselben Leute dieselben Argumente vorbrächten und persönlichen Attacken ritten.

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