8. Mai 2020

Das Jahr 1945 im Film (1)

Martin Lichtmesz / 25 Kommentare

Erik Lehnert fragte mich, ob ich drei herausragende Filme zum Thema Kriegsende 1945 empfehlen könne. Mir fiel kein wirklich guter ein.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Den Grund habe ich in meinem ersten Kaplakenband Besetztes Gelände genannt, eine Abhandlung über die Darstellung des zweiten Weltkriegs im Film, die nun auch schon wieder zehn Jahre alt (und vergriffen) ist. Es geht im Grunde um nichts anderes als die Binsenweisheit, daß der Sieger die Geschichte zu seinen Gunsten schreibt, und es häufig nicht lange dauert, bis die Besiegten und Unterworfenen sich mit seinen Augen sehen - im Film gilt dies sogar buchstäblich.

Ich zitierte in diesem Buch den französischen Filmregisseur Jacques Rivette, der 1961 schrieb: „Einen Film zu machen bedeutet, bestimmte Dinge aus einem bestimmten Blickwinkel heraus zu zeigen. (...) Es kann keine absolute Inszenierung geben, wie es auch keine Inszenierung im Absoluten geben kann." Ich kommentierte dies so:

Es gibt aber auch keine Filmbetrachtung im Absoluten, stets hat sie ihren subjektiven und filternden Resonanzraum um sich herum. Ein Film über die Vergangenheit ist immer auch ein Film über die Gegenwart, als Spiegel und Projektionsfläche des „Zeitgeistes“. Darin ähneln sich historische und Science-Fiction-Filme. Der Anspruch des Films als Medium der „Erinnerung“ im Sinne des „So ist es gewesen!“ ist trügerisch, gerade weil er mit physischen Evidenzen vor der Linse der Kamera arbeitet. Aber schon allein durch den Standort und den Bildausschnitt, den der Kameramann wählt, wird eine Aussage über das Abgebildete getroffen.

Schon für den nichtfiktionalen Film gilt, daß das Maschinenauge einer Kamera nur eingeschränkt „objektiv“ sein kann. Auch „dokumentarisch“ gewonnenes Material bedarf einer Deutung und Einordnung durch Kommentar und Montage. Seit den Anfängen der Fotographie wissen wir, daß auch ein Foto lügen oder eine Meinung haben kann. Diese Erkenntnis zählt in einem mediengesättigten Zeitalter zu den Binsenweisheiten.

Das alles gilt natürlich erst recht für die Geschichte der Kriege und Revolutionen des 20. Jahrhunderts, in denen die neuen Medien Film, Foto, Rundfunk und Fernsehen massiv zum Einsatz kamen (die Druckerpresse hatte schon einige Jahrhunderte Propagandadienst auf dem Buckel), um unsere Wahrnehmungen und Urteile der Geschehnisse zu formen und unsere Emotionen zu steigern und zu steuern. Das beginnt bereits im Spanisch-Amerikanischen Krieg (1898) und endet nicht mit den NATO-Einsätzen gegen Serbien (1999).

Dabei versteht sich von selbst, daß Kriegspropaganda, egal welcher Seite, durch extreme Zuspitzungen geprägt ist, was die Darstellung des Feindes angeht, während die eigenen Gräueltaten vertuscht, verkleinert oder gerechtfertigt werden. Für Differenzierungen ist mitten im Kampf auf Leben und Tod keine Zeit, und häufig dauert es auch danach sehr lange, bis die "heiße" Phase abkühlt und differenziertere Darstellungen auftauchen (das wird dann gerne als "Geschichtsrevisionismus" verunglimpft, obwohl permanente Revision zum Handwerk des Historikers gehört).

Ich könnte mich nun endlos über dieses Thema auslassen (nachzulesen in Besetztes Gelände), und ich habe es auf diesem Blog seit über einem Jahrzehnt kontinuierlich getan, beispielsweise hier, hier, hier, hier, hier und hier. Die Filme, die seit Kriegsende über den zweiten Weltkrieg produziert wurden, haben stets einen politischen und zeitbedingten Hintergrund, und es macht einen perspektivischen Unterschied, ob sie, sagen wir 1945, 1955, 1965, 1985 oder 2015 produziert wurden, ob in der BRD oder der DDR, ob in Hollywood oder von Mosfilm, ob in einem Ost- oder Westblockland, ob in einem Land, das von Deutschland okkupiert oder sein Verbündeter war.

Es gibt Kapitel, Aspekte und Ereignisse des Krieges und seiner Vor- und Nachgeschichte, die entweder gar nicht oder selten oder stark geklittert im Film dargestellt wurden: darunter fallen Flucht und Vertreibung, sämtliche alliierten Kriegsverbrechen, kommunistisch-sowjetische Verbrechen, die Massaker der politischen "Säuberungen" von 1944/45 (etwa in Frankreich und Italien), aber auch die Mitschuld der Siegermächte an Ausbruch und Eskalation des Krieges oder auch nur die ungefilterte Darstellung der Perspektive und Motivationslage der Achsenmächte und ihrer Verbündeten und Freiwilligen.

Alle diese Dinge sind auch deshalb kaum im kollektiven Bewußtsein der Öffentlichkeit präsent, weil sie im Gegensatz zu anderen Themen viel seltener Gegenstand von Spielfilmen, Dokumentationen und Serien waren, und wenn, dann oft in gezähmter Form.

Dabei ergeben sich je nach Land unterschiedliche Konstellationen und Perspektiven: Es dauerte Jahrzehnte, bis der polnische Film die Wahrheit über Katýn und die sowjetische Okkupation Polens zeigen konnte, oder baltische Länder Filme wie 1944 produzieren konnten, in dem estnische Waffen-SS-Freiwillige differenziert und mit nachvollziehbaren Motiven dargestellt werden.

Es ist aber selbst in Ländern wie Rumänien, in denen der Kommunismus nach dem Krieg besonders brutal gewütet hat, schwierig, die antikommunistische Seite sympathisch darzustellen: der Film Portrait of the Fighter as a Young Man (2010) über Ion Gavrilă Ogoranu, der über ein Jahrzehnt lang einen Guerilla-Kleinkrieg gegen die Securitate anführte, bekam international heftigen Gegenwind, weil Ogoranu Mitglied einer Jugendorganisation der "Eisernen Garde" gewesen war.

Dabei einigt die Nationalgeschichte unzähliger Länder von Osten bis Westen, von Norden bis Süden die gemeinsame Erfahrung der deutschen Okkupation und ihrer Befreiung davon (hier ist das Wort auch angebracht): Russland, Polen, Ukraine, Tschechien, Slowakei, Dänemark, Norwegen, Frankreich, Belgien, Niederlande, Jugoslawien, Griechenland. In seiner Novelle "Deutsches Requiem" schrieb Jorge Luis Borges: "Unter dem Ansturm weitläufiger Kontinente starb das Dritte Reich. Es hatte die Hand gegen alle aufgehoben, und die Hände aller griffen nach ihm." Es gibt also einen internationalen Konsens, Deutschland als den eigentlichen Schurken des Krieges zu sehen, und das hat nachvollziehbare Gründe.

Inwiefern diese militärische Expansion nach allen Seiten der Dynamik des Kriegsverlaufs geschuldet war, steht auf einem anderen (Historiker-)Blatt - so kann es keinen Zweifel daran geben, daß "Operation Barbarossa" ein Präventivschlag war, der einem bevorstehenden Angriff Stalins zuvorkam. Der deutsch-sowjetische Krieg wurde auf beiden Seiten mit beispielloser Grausamkeit geführt, aber die Sympathien der Welt und der Geschichtenerzähler werden immer auf der Seite des Verteidigers sein, weshalb die Gräuel der Roten Armee auf deutschem Boden auch heute noch von vielen als nicht unverdiente Vergeltung gesehen und gemäß einer Hierarchie der Opfer auf der Skala des Entsetzlichen heruntergestuft werden.

Im Jahr 2020, 75 Jahre nach Kriegsende, ist das öffentliche Bild, das vom Zweiten Weltkrieg und der Zeit der NS-Herrschaft (wie auch der Weimarer Republik) platter, greller und gespenstischer als je zuvor. Alexander Gauland kann hierzu im Grunde dasselbe sagen, wie Richard von Weizsäcker in seiner berühmten Gedenkrede aus dem Jahr 1985, schon bloße Ambivalenzen gelten als unerträglich, rechtsradikal, proto-nazistisch. Allerdings waren die Deutschen nie gut im Ertragen von Ambivalenzen, und Thorsten Hinz bemerkte zurecht:

Je länger das Dritte Reich zurückliegt, desto manischer nimmt es die deutsche Geschichte in Beschlag. Die Simplifizierung der historischen Gemengelage entspricht den Bedürfnissen einer nivellierten Gesellschaft, die sich jede kognitive Dissonanz ersparen will. Die wäre unvermeidlich, wenn sie die Redlichkeit ihrer Besieger von 1945, die sie unter dem Eindruck der Umerziehung auch als moralische Vormächte anerkannt hat, selbst ansatzweise in Zweifel ziehen müßte. (...)

Zwei verlorene Weltkriege, die Verwüstungen, Verluste und moralischen Hypotheken, die Teilung in zwei Staaten, die in verfeindete Machtblöcke eingespannt und dabei erneut zu Frontstaaten wurden, sind eben mehr, als ein Volk ertragen kann. Aus innerer Not befreit die Bundesrepublik sich von Deutschland.

Einer bequemen und zum Infantilen neigenden Zeit ist der Begriff der Tragödie abhanden gekommen, und so wird auch die Vergangenheit zu einer Projektionsfläche von schwarz-weißen Filmen, von Affekten, Komplexen und ideologischen Rechtfertigungen aller Art. Es wird dazu aufgerufen, am 8. Mai die "Befreiung" zu feiern, und das Leiden und die Opfer unserer Väter und Mütter, Großväter und Großmütter, inzwischen schon Urgroßväter und Urgroßmütter, zu bagatellisieren, zu verdrängen, zu leugnen, ihre Generation pauschal als "Nazis" zu ächten, und diese wiederum als Comicdämonen aus einem Hollywood-Film darzustellen. Das muß jedem fühlenden und denkenden Menschen, der die Geschichte tatsächlich nicht vergessen hat, als überaus niederträchtig erscheinen.

Kommen wir nun aber zu der Frage zurück, wie das Kriegsende im Film gezeichnet wurde. Eine zentrale These von Besetztes Gelände ist, daß den Deutschen im Laufe der Zeit zunehmend die Eigenperspektive verlorenging, und sie schon aus politisch-historischen Gründen außerstande waren, das eigene Trauma konfrontieren, ohne die deutende Brille der Siegermächte aufzusetzen (und dies nicht zu tun, bedeutet keineswegs zwangsläufig, sich stattdessen eine nationalsozialistische Brille aufzusetzen).

Gewiß entstanden auch unter diesen Rahmenbedingungen Filme und Belletristik von Rang und Wert, die imstande waren, ein gutes Stück Wirklichkeit zu bewältigen, zu bewahren, zu deuten und erfaßbar zu machen. Aber man muß diese Filme und Bücher immer wieder nach Lücken, nach Übermalungen, nach Kompensationen, nach Nicht-Gesagtem, zwischen den Zeilen oder den Bildern Stehendem, nach ihrem historischem Kontext abklopfen und befragen.

Besonders aufschlußreich ist es etwa, die Buchvorlage Eine Frau in Berlin (1959) mit der Filmversion von Max Färberböck zu vergleichen, wie ich es 2008 in dieser Besprechung für die Junge Freiheit getan habe. Hier geht es nicht bloß um filmdramaturgische "Übersetzungen" in ein anderes Medium, sondern um gezielte, "geschichtspädagogische" Retuschen. Laut einer Pressemitteilung plante Färberböck zunächst sogar, die Geschichte aus der Sicht eines russischen Soldaten zu erzählen - deutlicher kann man die neurotische Schwellenangst der Deutschen vor der eigenen Perspektive kaum illustrieren. Aber auch die Perspektive der "Anonyma" Marta Hiller wurde nur teilweise übernommen, stattdessen wird ein Blick angeboten, wie man ihre und die Berichte anderer Frauen über die russischen Massenvergewaltigungen heute wahrnehmen und einordnen kann, ohne allzu sehr am Gesamtnarrativ zu rütteln.

Den wohl bekanntesten Kriegsende-Film, Der Untergang (2004), lasse ich außen vor, da hier das Schicksal Hitlers und der Führerbunkerinsassen im Mittelpunkt steht, und weniger der Zivilbevölkerung. Er zeichnet sich durch einen erhöhten Realismus aus, was von Teilen der Kritik auch irritiert aufgenommen wurde. Hitler erschien manchen zu "menschlich", zu real, und weniger als der eindimensionale Dämon unzähliger anderer Filme. Wim Wenders klagte, es handle sich um einen Film ohne (ausreichend antifaschistische) "Haltung", eine häufige Reaktion, wenn ein Film über Weltkrieg und Nationalsozialismus den üblichen Deutungsrahmen strapaziert. Im Untergang fehlte manchen der Haltegriff der erzieherischen "message", und sie wurde dem Film erst im Nachspann durch ein paar Selbstanklagen der realen Traudl Junge aufgepappt.

Ich empfinde ihn trotz eindrucksvoller Szenen und schauspielerischer Leistungen insgesamt als etwas hohl, er ist ähnlich wie sein Nachfolger aus dem Hause Eichinger, Der Baader-Meinhof-Komplex  (2008), eine technisch perfekte und detailierte Geisterbahnfahrt in die deutsche Geschichte ohne großen Tiefgang. Da ziehe ich persönlich  Der letzte Akt (1955) von G. W. Pabst mit Oskar Werner und Albin Skoda (als Hitler) vor, der zwar weitaus stärker auf eine Botschaft (gegen Krieg, Militarismus und Faschismus) getrimmt ist als der Eichinger-Film, sich aber durch seine historisch "nahe" Atmosphäre auszeichnet, vor allem, was den Habitus der Soldaten und Militärs angeht.

Zum Jahrestag der deutschen Kapitulation möchte ich jedoch einen anderen, weniger bekannten, aber hochinteressanten Film genauer betrachten und analysieren: Die DEFA-Produktion Ich war neunzehn aus dem Jahre 1968 unter der Regie von Konrad Wolf, hier empfohlen von der Bundeszentrale für politische Bildung. Mehr davon im zweiten Teil dieses Beitrags.


Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.


Kommentare (25)

Andreas Walter

9. Mai 2020 02:59

Kann man so sehen, muss man aber nicht.

Ohne die "Nazis" wäre (auch) ganz Deutschland schon 1920 zu einer Art DDR geworden, und damit auch zu einem Teil der “glorreichen Sowjetunion“ und seinen Massenmördern.

https://www.spiegel.de/politik/ausland/ukraine-als-stalin-die-menschen-zu-kannibalen-machte-a-458006.html

https://youtu.be/YdGMgqCejLE

Es waren daher nicht die Deutschen allein, die damals gegen den Marxismus gekämpft haben, sondern noch Millionen andere Europäer und auch Nichteuropäer auf der ganzen Welt.

Die komplette Geschichtsschreibung des letzten Jahrhunderts ist deshalb völliger Schwachsinn, eine mediale Konstruktion, die mit der Wirklichkeit nur wenig gemeinsam hat.

Haha, da geht man am Anfang erstmal durch die Hölle, wenn sich einem durch Eigenrecherche nach und nach die Augen öffnen. Zumindest die ersten 2, 3 Jahre. Meine Familie dachte nämlich wohl auch, es wäre besser mich zu beschützen, hat mir darum nichts über diese Dinge erzählt. Heute verstehe ich gut, warum sie so gehandelt haben.

Phil

9. Mai 2020 10:39

Sie nennen es also "Hollocaust".

 

Nee im Ernst, "Der Untergang" finde ich nicht schlecht.

Und die Youtube-Parodien ("Hitler-Rants") sind witzig und kreativ.

Idise

9. Mai 2020 12:03

Die anhaltende "Befreiung der Deutschen" hat, egal wieviel einschlägig geprägte Filmchen noch über die Leinwand flimmern, längst ihre Wirkung verfehlt. Ansonsten müßte nicht ständig in Neuauflage das Drama facettenlos erzählt werden. Nur so scheint es möglich das Narrativ (=sinngebende Erzählung) aufrecht zu erhalten und den Deutschen die endlose Befreiung schmackhaft zu machen.

Inwieweit sind wir die Besiegten? Militärisch besiegt, ja. Mental ist der Sieg der Siegermächte nur eingeschränkt. Noch sind sich viele Deutschen ihres Existenzrechts und Wesens bewußt in der Art  Dinge anzugehen, zu hinterfragen, begreifen sich als  Gemeinschaft.

Die Dauerbefreiung als Friedensmission in Wiederholungsschleife entbehrt inzwischen der Freiheit. Der Irrsinn findet seinen Klimax in der Vorstellung der punktuellen Wiederholung der Geschichte. Tritt man einer Dauerberieselung entgegen, wird verantwortungsvolles Handeln abgesprochen, das Hakenkreuz angeheftet. Eine anderslautende Sichtweise führe automatisch zu Krieg, Zerstörung, Auslöschung. Es gäbe keinen anderen Ausweg für die Deutschen.

Genau hier offenbart sich der totalitäre Gedanke der ewigen Befreier. Hier wird nicht "Einigkeit und Recht und Freiheit" gelebt, schon gar nicht "für das Deutsche Vaterland". Eine geistige Monokultur, die jeglicher Freiheit entbehrt. Vielfalt der Gedanken Fehlanzeige! Doch der Bogen scheint nun überspannt und jeder Film führt dies zunehmend vor Augen.

Laurenz

9. Mai 2020 12:19

Italien in Deutschland....

Um das III. Reich zu verstehen, filmisch oder sonstwie, braucht man zumindest einen Überblick über die italienischen Verhältnisse der Weimarer Zeit. Im "Revisionisten"-Film "Die Große Kriegslüge" https://youtu.be/9c8ujw3Fnro

sind einige historische Fehler implementiert worden, zB 17 Reichsregierungen in der Weimarer Zeit. Ich zähle 21 in 14 Jahren. https://de.wikipedia.org/wiki/Reichsregierung_(Weimarer_Republik)

Die Zeit für den Film kann man ansonsten schon mal investieren.

Bis auf Papen, Brüning, Stresemann, Scheidemann und natürlich Hitler, kennt doch kein Schwein mehr die ganzen Protagonisten des bürgerlichen Versagens (auch wenn Frau Kositza meine Formulierung nicht mag).

Das war für 14 Jahre die deutsche Welt, die man sich heute wieder politisch & gar global wünscht. Helau.

Der_Juergen

9. Mai 2020 12:24

@Andreas Walter

Sie haben recht. Am Ende der Weimarer Republik hatte Deutschland nur noch die Wahl zwischen Nationalsozialismus und Kommunismus. Die Demokratie hatte abgewirtschaftet. Für einen national denkenden Deutschen war es da selbstverständlich, sich für die eigene und gegen die fremde Diktatur zu entscheiden, zumal man über den roten Terror in der UdSSR Bescheid wusste.

Eine ketzerische Überlegung. Natürlich verdienen die deutschen und verbündeten Soldaten, die sich bis zuletzt gegen die rote Flut stemmten, unsere Achtung und Bewunderung. Aber nachträglich gesehen wäre es besser gewesen, Stalins Überraschungsschlag wäre 1941 geglückt, und die Sowjets wären bis zum Atlantik durchmarschiert. Europa hätte einige Millionen Menschen verloren, aber mehr als ein paar Jahrzehnte hätte sich der Kommunismus nicht halten können, und die unfassbare Tragödie der Umvolkung wäre dem Westen und der Mitte Europas erspart geblieben.

 

Ein gebuertiger Hesse

9. Mai 2020 16:36

Daß Wenders dem Untergang mangelnde antifa. Haltung vorgeworfen hat, ist eigentlich an sich schon ein Qualitätsbeweis für den Film. Wenders 2004 im Spiegel:

"Der Film hat von allem keine Meinung, vor allem nicht von Faschismus oder von Hitler. Er überlässt den Zuschauern die Haltung, die er selbst nicht hat oder höchstens vortäuscht."

Da verrät sich das Autorenfilm-Sensibelchen als beinharter Demagoge: Es den Zuschauern zu überlassen, sich gegenüber dem Filmgeschehen zu positionieren, zu verhalten, das geht freilich nicht! Nicht an der Stelle. Hier ist etwas sakrosankt und man darf es bloß auf eine schon vor dem Film bereits festgelegte Weise sehen und werten. Mit diesem Offenbarungseid straft Wenders einen Großteil seiner eigenen phänomenologischen Filmphilosophie, die er seit 1970 in Schrift und Bild vertreten hat, Lügen. Bemerkenswert. Wurde aber nie ausgelotet, nie inkriminiert.

 

Ein gebuertiger Hesse

9. Mai 2020 16:39

Fortsetzung zu oben:

Aber auch von dem Wenders-Kommentar abgesehen ist Der Untergang ein Film über 45, der Tadel von unserer Seite mit am wenigsten verdient hat. Für eine mit Staatsgeld finanzierte Großproduktion ist er geradezu sensationell vorurteilsfrei und haut keine einzige Figur (total) in die Pfanne, stellt niemanden (völlig) bloß, nicht einmal Magda Goebbels, wenn sie ihre Kinder tötet. Die innere Konsequenz, daß die Figuren nur so und nicht anders glauben handeln zu können, kommt zur tragischen Darstellung und wird dabei niemals bloßgestellt. Das ähnelt den "Nibelungen" von Fritz Lang, war 2004 eine erstaunliche Leistung und ist es heute umso mehr. Ich kenne keinen Film über diese Zeit, der sich in einer solchen Dimension bewegt, höchstens vielleicht "Germania anno zero" von Rossellini, aber keinen deutschen.

Laurenz

9. Mai 2020 17:09

@Der_Juergen @Andreas Walter

Sie haben das beide gut in Worte gefaßt, ganz ohne Abstruses. Die Fragestellung, die sich aktuell durch die Führerin Merkel & ihrem Notstand mit Neo-Polizei-Staat ergibt, ist, hatten die Nationalsozialisten damals überhaupt eine Wahl, ohne radikale Notstands-Maßnahmen der Lage Herr zu werden? Wir machen schon bei einer Pseudo-Pandemie einen auf Staatssicherheits-Exzeß. 

Was Ihrer, Der_Juergen, Anti-Präventiv-Schlags-These, zuwider spricht, sind die historischen Abläufe. Erst durch die inakzeptablen Gebietsforderungen Molotows gegenüber Rumänien wurde man auf eine potentielle Invasions-Gefahr aufmerksam gemacht, also recht spät. Viel Zeit für Überlegungen gab es nicht. Das, was Sie Sich vorstellen, geschah als erster großer außenpolitischer Fehler 5 Jahre zuvor. Hätte Hitler Stalin Spanien überlassen, wäre der selten dämlichen britischen Haltung jeglicher Boden unter den Füßen entzogen worden.

Wer kennt denn einen Mäzen, der einen historisch korrekten Film produzieren würde? Ich leider keinen.

Augustinus

9. Mai 2020 17:14

Es ist richtig, dass historische Filme und Science-Fiction-Filme Ähnlichkeiten aufweisen.

Ich persönlich stehe auf Biopics, die auf "wahren Begebenheiten beruhen".

Wenn ich unterschwellig berücksichtige, dass vieles zurechtgebogen ist, kann ich solche Filme, sofern sie handwerklich gut gemacht sind, durchaus genießen.

Beispiel:

www.amazon.de/Die-Poesie-Unendlichen-Jeremy-Irons/dp/B081NY5456

Es wird hier aber völlig außer Acht gelassen, dass Ramanujan sich mit Zahlenspielereien beschäftigte, die für die Wissenschaft nicht sehr bedeutend waren.

Hier Mathematiker, die in der Neuzeit wirklich was leisteten:

de.wikipedia.org/wiki/Liste_bedeutender_Mathematiker 

Leibniz, Euler, Gauß, Riemann, Kolmogorow, von Neumann ... um nur einige zu nennen.

In einer Szene wird Ramanujan von englischen Kommilitonen (einer Elite-Universität!) verprügelt und zusammengetreten. Wirkt fast so als hätte man diese Szene aus einem Skinhead-Film der 80er Jahre in diesen Film hineinkopiert. Völlig deplatziert und absurd. Dabei ging es sicher darum die richtige politische Gesinnung zu zeigen.

 

Der_Juergen

9. Mai 2020 18:02

@Martin Lichtmesz

Ob ein Land von einer wie immer gearteten Herrschaft befreit worden ist oder nicht, lässt sich  nur daran messen, ob die Mehrheit der Bevölkerung sich nach dem Sturz der alten Machthaber befreit fühlte. Legen wir diesen Massstab an, so besteht kein Zweifel daran, dass Russland, die Tschechei, Frankreich (wo allerdings in Paris noch 1944 rund zwei Millionen Petain zugejubelt hatten), Belgien, Holland, Norwegen, Dänemark und Griechenland sich als befreit empfanden. Bezüglich der Ukraine muss man zwischen Ost- und Westukrainern unterscheiden; erstere empfanden die Rückkehr der Roten Armee sicherlich als Befreiung, letztere durchaus nicht. In punkto Slowakei bin ich mir nicht sicher (Pater Tiso war bei weitern Bevölkerungskreisen sehr beliebt). Hinsichtlich Jugoslawiens man zwischen den sich befreit fühlenden Serben einerseits und den Slowenen und Kroaten andererseits unterscheiden. Letztere hatten schwerstens unter dem Tito-Terror zu leiden; laut Milovan Djilas wurden 1945/1946 rund 300.000 judoslawische Bürger liquidiert (darunter natürlich auch antikommunistische Serben sowie sehr viele Volksdeutsche). Von den Polen empfand nach dem Massenmord an 22.000 ihrer Offiziere und der Deportation Hunderttausender in die Sowjetunion 1939/1940 wohl die Mehrheit den Einmarsch der Sowjets als die Ablösung einer verhassten Fremdherrschaft durch eine andere. Eindeutig nicht befreit wurden neben Deutschland (einschliesslich Österreichs) auch Ungarn, Rumänen Bulgarien, und die baltischen Staaten.

ML: Ich würde sagen, Frankreich / Italien war eine Bürgerkriegssituation, eine solche findet sich auch in anderen Ländern in kleinerem Ausmaß.

Laurenz

9. Mai 2020 18:39

@Augustinus  .... in westlichen Filmen entsteht meist ein Rollentausch. Wenn Bezug auf das Third Reick genommen wird, entsteht immer eine Zuweisung, eine kolportierte Verbindung zu bösen filmischen Imperien. Diese nationalsozialistischen oder faschistischen Imperien hat es aber nie gegeben, viel mehr waren diejenigen, die das III. und schon das II. Reich bekämpften, jene bösen Imperialisten, die wir, wenn, immer im Film sehen. Hier ein grandioses Beispiel "The emperor is not as forgiving as I am" ..... https://youtu.be/k7k9_xuJG8c (01:26), wobei die Komparsen der zum Empfang angetretenen Stations-Wache schon etwas hanswurstig da rumstehen. Aber der Regisseur ging wohl davon aus, daß das während des für den Kommandanten unangenehmen Dialogs nicht so wirklich auffällt. 

Andreas Walter

9. Mai 2020 20:50

@Ein gebuertiger Hesse

Gut erkannt, das mit dem Demagogen Wenders. Ein typischer deutscher "linker" Nachkriegsgewinnler. Wobei mir der Film Paris, Texas durchaus gefallen hat. Damals war ich allerdings noch Raucher:

“Für die Produktion des Spielfilms wurde mit einem Zigarettenhersteller ein Vertrag über Produktplatzierung im Umfang von 60.000 DM abgeschlossen, der vorsah, die Marke ausschließlich durch die Hauptfigur präsentieren zu lassen. Die Marke sollte stets positiv hervorgehoben werden. Laut Vertragstext waren „Einstellungen, in denen Produktpackungen mit übervollen Aschenbechern gezeigt werden, … zu vermeiden“. Der Zigarettenname musste insgesamt mindestens 45 Sekunden vollständig und deutlich erkennbar sein.[5]“

 

Franz Bettinger

10. Mai 2020 08:59

@Laurenz bemerkte: Angesichts der neuen Führerin Merkel, ihrer Ermächtigungen und ihres sich immer deutlicher herausschälenden Polizeistaates stellt sich die Frage: Hatten die Nazis überhaupt eine andere Wahl, als mit drastischsten Maßnahmen der verwirrten und explosiven Lage in Deutschland (nach Versailles) Herr zu werden? Der heutige Diktator macht ja schon bei einer Pseudo-Pandemie das große Fass auf. Merkel erklärt mal locker den Notstand, verrät die Demokratie und jeden Anstand, und tritt Recht und Ordnung in den Staub. Und die Mehrheit der Deutschen fügt sich. (Verfranzelt, weil Laurenz' Bemerkung so gut war, sich die Wiederholung daher lohnt, und weil’s stimmt.) - Mir hat keiner die hoffnungslose Zeit vor der Machtübernahme 1933 klarer gemacht als Hans Fallada in 'Kleiner Mann was nun'. Von einer vergleichbar schlimmen Zeit waren wir 2015 Lichtjahre entfernt. Heut nicht mehr. Merkel hat's hingekriegt. 

Laurenz

10. Mai 2020 09:23

@Der_Juergen @ML

Sie schreiben zwar gut, aber so einfach läßt sich das nicht! in 1.500 Zeichen runterbrechen. Vom Nordkap bis Griechenland, von den Azoren bis zum Ural lebt bis heute jeder in seiner historischen Blase, verharren die meisten Völker sogar in einem internen Historikerstreit, generell über die Weltkriege hinaus hinein in die eigene Existenz. Alle blenden Elementares aus. Solange sich Russen, Briten, Franzmänner, Polen und im Prinzip auch alle anderen nicht zu ihrer Täter-Rolle (immerhin erklärten Franzmänner und Inselaffen dem deutschen Reich 2x den Krieg im letzten Jahrhundert) bekennen, können sich Europäer auf privater Ebene noch so gut verstehen, aber sobald die politische Frage im Raum steht, ist der 08.Mai.1945 bis heute eingefroren. Es herrscht Waffenstillstand und die Deutschen bezahlen Tribute für Nicht-Krieg. Das ist der reale Zustand und zeigt direkt auf, wer der Aggressor ist. Dazu braucht man weder Soziologie noch Psychologie sein. Und die meisten Politologen unterstehen der Angst derselben Drohung vor 75 Jahren und schreiben dementsprechend. Bildung ist die einzige Waffe dagegen. Die Frage ist, ob Bildung auf dem exzentrisch hohen Niveau sein muß, wie Antaios sie anbietet?

Laurenz

10. Mai 2020 09:45

@Franz Bettinger

Der elementare Unterschied von heute zu anderen Zeiten ist die nichtige schlichte Existenz, die einzige Wahrheit im Werk Karl Marx'. Solange man (noch) einigermaßen wohnt und zu essen hat, sind nur die politisch Interessierten auf den Straßen oder im Netz unterwegs. Das (eine andere Betroffenheit) war zB Anfang der 30er anders. Da stellen heute (Weimar-Debatte) im ÖRR Redakteure die IQ20-Frage, warum die Bürger mehrheitlich radikal wählten und verbinden das mit einer mangelnden Bereitschaft des "schuldigen", unmündigen Volkes zur Demokratie, was im Grunde nichts anderes heißt, als mangelnde Bereitschaft zu hungern und im Elend zu vegetieren.

Grobmotoriker

10. Mai 2020 11:41

"Der Untergang" folgt zum großen Teil David Irvings "Hitlers Krieg"; mir kommt es vor, als ob dieses hervorragende Buch zum Thema Großer Krieg als Drehbuch diente.

Niekisch

10. Mai 2020 13:03

ML: Ich würde sagen, Frankreich / Italien war eine Bürgerkriegssituation

Zumindest auf der einen Seite waren da weniger Bürger denn kommunistische Partisanen und Untergründler beteiligt.

Niekisch

10. Mai 2020 13:20

Zu dem Grubenbild und dem Ausschnitt dazu im Beitrag bitte ich als Amateurfotograf um besondere Aufmerksamkeit: Es spricht alles für eine Fotomontage mit Zeichenelementen. Die liegende Frau rechts ist mindestens doppelt so groß wie die links liegende Frau mit dunklen Haaren.

Andreas Walter

10. Mai 2020 19:45

Teil 2

Für mein Empfinden existiert deshalb zumindest eine Mitschuld der Alliierten an den Katastrophen, die sich erst gegen "Kriegsende" aufgrund von Mangel und Chaos ereignet haben. Doch die wollten halt auch alle den totalen Sieg, ohne Kompromisse und Rücksicht auf Verluste. Weil zu dem Zeitpunkt schon ein "anderer" Krieg "begonnen" hatte, der lediglich auch noch auf deutschem Boden ausgetragen wurde. Der Westen gegen die SU - und zwar in Europa und in Asien.

Geschichten wie Tiefflieger, die auf Kinder schiessen, die sinnlose Zerstörung von Dresden und auch die beiden Atombombenabwürfe auf Japan, womöglich sogar die abertausenden Massenvergewaltigungen deutscher Frauen und Kinder, gehören daher auch bereits in das Kapitel Terror and Awe allerdings nicht nur der Deutschen. An den Deutschen und Japanern, zum Teil auch an den Italienern (Marocchinate) konnte man lediglich ungestraft demonstrieren, zu was man alles fähig und auch gewillt ist. Als "zivilisierter“ Alliierter oder eben als “menschenfreundlicher“ Marxist.

Das alles, obwohl nur knapp ein wenig mehr als 1/3 der Deutschen 1933 die Nazis überhaupt gewählt hat. Wenn daher ein Land zumindest heutzutage auch eigene Atombomben und jeder Bürger ein Sturmgewehr mit Munition verdient hat, dann ist das wohl Deutschland. Doch das Recht sich zu verteidigen muss man sich eben auch erkämpfen oder eben erschleichen, so wie es die meisten anderen getan haben.

 

 

Maiordomus

11. Mai 2020 06:54

Dass Filme über den 2. Weltkrieg einem Schema folgen, scheint Binsenweisheit. Selber gehörte ich zu den "Rezipienten" der frühen Sechzigerjahre, als es  Filme gab, die mir als jugendlichem Zuschauer (einschliesslich Kommilitionen, mit denen man den Film heimwärts radelnd besprach)  Eindruck machten. Noch stark "Hunde, wollt ihr ewig leben" und "Die Brücke", schon weil da ein Regisseur mit ländlich-luzernischem biographischem Hintergrund am Werk war, was Zutrauen förderte. Diese Filme schienen noch so gemacht, dass sie für mir bekannte Zeitzeugen, z.B. Tiroler Metzger mit  Kriegserfahrungen, mit Wiedererkennungserlebnissen verbunden waren. Hingegen wurde uns schon bei "Kanonen von Navarone" und "Der längste Tag" klar, dass es sich um heroische Siegergeschichten handelte.

Maiordomus

11. Mai 2020 09:01

Es handelte sich um "Kommilitonen", mit denen man die Filme diskutierte. Ich erwähnte dies, weil im Zusammenhang mit dem Film die Rezeptionsgeschichte zur Zeit der massiv beworbenen Erstaufführung wesentlich wird. Die von mir genannten Filme waren prägende  Ereignisse, zu einer Zeit, da Fernsehen längst nicht die heutige Bedeutung hatte, zu schweigen von elektronischen Medien.Wichtig waren natürlich Bücher: Heinrich Böll, Siegfried Lenz, Ernst Wiechert, auch "Moorsoldaten" war einst ein Erfolgstitel, und Borchert ab den 60er Jahren fast überall Schullektüre. In der Bundesrepublik zwar dort nicht, wo nicht "umerzogene" Alte unterrichteten. Am Gymnasium Messkirch dominierten gemäss Arnold Stadler noch Agnes Miegel und, zurecht vergessen, Josefa Totenohl oder wie sie hiess.

Valjean72

11. Mai 2020 09:46

@Idise:

Die anhaltende "Befreiung der Deutschen" hat, egal wieviel einschlägig geprägte Filmchen noch über die Leinwand flimmern, längst ihre Wirkung verfehlt. Ansonsten müßte nicht ständig in Neuauflage das Drama facettenlos erzählt werden. Nur so scheint es möglich das Narrativ (=sinngebende Erzählung) aufrecht zu erhalten und den Deutschen die endlose Befreiung schmackhaft zu machen.

Eine sehr interessante und überaus bemerkenswerte Wortmeldung.

All die wiederkehrenden Berichte, Botschaften, Nachrichten, Einspieler über die Gräueltaten der Nazis, die anschliessende «Befreiung» durch die Alliierten in Funk, Fernsehen, sowie Print- und Onlinemedien verfolgen den Zweck das «hypnotisch» eingeimpfte Geschichts- und Weltbild aufrecht zu erhalten.

Es darf bezogen auf die Intensität dieser Geschichtsvermittlung nicht nachgelassen werden unter dem Risiko, dass die Hypnose nachlässt und die Hypnotisierten beginnen aufzuwachen.

Inwieweit sind wir die Besiegten? Militärisch besiegt, ja. Mental ist der Sieg der Siegermächte nur eingeschränkt. Noch sind sich viele Deutschen ihres Existenzrechts und Wesens bewußt in der Art  Dinge anzugehen, zu hinterfragen, begreifen sich als  Gemeinschaft.

Sehr gut.

Maiordomus

11. Mai 2020 09:58

PS. Das Fossil unter den Fossilien der sog. Blut- und Bodendichtung war Josefa Berens-Totenohl (gest. 1969), deren Erfolgsroman "Der Femhof" (1934) Auflagen erreichte, mit denen gleichzeitig Entstandenes von Ernst Jünger, Werner Bergengruen, Reinhold Schneider, Albrecht Goes, Gertrud von le Fort nicht mithalten konnte, zuletzt 275 000 Exemplare, den Nachkriegsausklang der zuletzt wieder zum Katholizismus gewendeten Autorin inbegriffen. Dabei war sie im 3. Reich qualitativ umstritten, so dass es für den Hebelpreis nicht reichte. An Stelle dieser zur Debatte stehenden Konkurrentin kam der solide Ostschweizer Bauerndichter Alfred Huggenberger zum Zuge, in dessen Werk u.a. die dörfliche direkte Demokratie dargestellt wird.

Valjean72

11. Mai 2020 10:04

@Der_Juergen @Andreas Walter

Aber nachträglich gesehen wäre es besser gewesen, Stalins Überraschungsschlag wäre 1941 geglückt, und die Sowjets wären bis zum Atlantik durchmarschiert. Europa hätte einige Millionen Menschen verloren, aber mehr als ein paar Jahrzehnte hätte sich der Kommunismus nicht halten können, und die unfassbare Tragödie der Umvolkung wäre dem Westen und der Mitte Europas erspart geblieben

Ich hatte vor einigen Jahren ähnlich ketzerische Überlegungen dahingehend, dass ich mir vorstellte, dass Deutschland 1919 eine sozialistische Räterepublik geworden und geblieben wäre. Der Krieg gegen die UdSSR wäre somit für ein sozialistisches (sowjetisches) Deutschland obsolet, folglich keine Gebietsverluste und auch keine «Ehrverluste» durch tatsächlich und vermeintliche Gräueltaten deutscher Soldaten.

Bei Ihrem Szenario gebe ich allerdings zu bedenken, dass nach dem Sturm der Roten Armee bis an die Atlantikküste meiner Meinung nach ein Terror-Regime eingesetzt hätte, bei welchem bewusst Abermillionen Menschen vernichtet worden wären.

Das zeigt mE die Erfahrung mit der «Russischen» Revolution von 1917, dem Wirken Trotzkis & Co und dem Regime Stalins in den 1930er Jahren, insbesondere in der Ukraine. Über Terror (z.B. auch über eine bewusst herbeigeführte Hungersnot) den Volkswillen zu brechen, um schliesslich den neuen sowjet-sozialistischen Menschen zu schaffen.

Niekisch

11. Mai 2020 10:57

"insbesondere in der Ukraine. Über Terror (z.B. auch über eine bewusst herbeigeführte Hungersnot) den Volkswillen zu brechen, um schliesslich den neuen sowjet-sozialistischen Menschen zu schaffen."

Erschreckende Beispiele schildert Dr. Friedrich Marjay in "Europa oder Chaos", Verlag F. Willmy, Nürnberg:

"Das Wüten und Morden der Bolschewisten in der Krim ist engstens mit dem Namen Be´la Kuns verbunden, jenes ungarischen..., der vorher der Haupträdelsführer der Bolschewisten in Ungarn gewesen war. Das Blutbad, das Be´la Kun im Jahre 1921 in der Krim angerichtet hat, zählt zu den grausamsten der Weltgeschichte. Be´la Kun mordete blindlings, um sich bei Lenin in ein gutes Licht zu setzen ( S. 146 )

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