Soll die AfD eine multiethnische Partei werden? (2)

Vor vierzehn Jahren erschien in der Sezession ein Interview mit dem Bevölkerungswissenschaftler Josef Schmid (1937-2018).

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Schmid war damals neben Her­wig Birg einer der meist­be­frag­ten Exper­ten zum The­ma Demo­gra­phie, Gebur­ten­schwund und Ein­wan­de­rung. Er äußer­te sich zur “Demo­gra­phie des Verschwindens”:

Das soge­nann­te „Aus­ster­ben der Deut­schen” ist also kei­ne Fik­ti­on, kein Schre­ckens­bild, kei­ne Wahn­vor­stel­lung, die man belie­big belä­cheln und beki­chern kann. Es ist das Mene­te­kel an der Wand einer Gesell­schaft oder gar eines Kon­ti­nents, der auf dem Wege ist, Auf­klä­rung mit Nihi­lis­mus zu ver­wech­seln. Die besag­te demo­gra­phi­sche Implo­si­on, der sich ver­stär­ken­de Bevöl­ke­rungs­schwund, beginnt – nach unver­än­der­ter Lage der Din­ge – zwi­schen 2005 und 2010. Deutsch­land wird es nicht mehr gelin­gen, die sich wei­ten­de Gebur­ten­lü­cke mit Zuwan­de­rung zu füllen.

Schmid ver­trat nun die Ansicht, daß Ein­wan­de­rung drin­gend benö­tigt wer­de, um die kapi­ta­lis­ti­sche Fit­ness Deutsch­lands auf­recht­zu­er­hal­ten, gleich­zei­tig war er sich bewußt, daß man hier nicht auf belie­bi­ges Men­schen­ma­te­ri­al zurück­grei­fen kann. Der Import aus ost­eu­ro­päi­schen Nach­bar­län­dern wäre lei­der kei­ne Opti­on, denn die­se wur­den allen­falls „Lücken­fül­ler am Arbeits­markt schi­cken, die aber zum Wochen­en­de wie­der nach Hau­se fah­ren“, und sich ansons­ten in der glei­chen demo­gra­phi­schen Abwärts­spi­ra­le befinden.

„So bleibt also nur in asia­ti­schen und nord­afri­ka­ni­schen Räu­men ein Reser­voir an mög­li­chen Ein­wan­de­rern“, kon­sta­tier­te Schmid, selt­sa­mer­wei­se die schwarz­afri­ka­ni­schen Räu­me, die beson­ders stark von der Bevöl­ke­rungs­ex­plo­si­on betrof­fen sind, igno­rie­rend. Der Rück­griff auf die­se Reser­voirs kön­ne jedoch unmög­lich funk­tio­nie­ren, denn mit die­sen “holen wir uns eine nega­ti­ve sozi­öko­no­mi­sche Kul­tur­dy­na­mik ins Land.”

Ich ver­su­che es etwas direk­ter als Schmid zu sagen: Wenn man tat­säch­lich meint, demo­gra­phi­sche Defi­zi­te per Ein­wan­de­rung auf­fül­len zu müs­sen, wäh­rend man die Nati­on auf dem­sel­ben Wirt­schafts- und Kul­tur­ni­veau hal­ten will, dann kann das allen­falls mit Men­schen sehr ähn­li­cher eth­no­kul­tu­rel­ler Her­kunft gelingen.

Näh­me man Schmids Beden­ken ernst, müß­te man Unter­schei­dun­gen nicht nur meri­to­kra­ti­scher, son­dern auch eth­no­kul­tu­rel­ler und damit natür­lich auch ras­si­scher Natur tref­fen, etwa die Ein­wan­de­rung von Mus­li­men oder Schwarz­afri­ka­nern stark beschrän­ken oder über­haupt unter­sa­gen. In letz­ter Kon­se­quenz jedoch auch die Ein­wan­de­rung von Asia­ten, die in der Regel intel­li­gen­ter, flei­ßi­ger und anpas­sungs­fä­hi­ger als die zuvor genann­ten sind, denn auch sie sind dazu imstan­de, das Gesicht und den Cha­rak­ter einer Nati­on grund­le­gend zu ver­än­dern, wenn sie sich in gro­ßen Zah­len ansie­deln und ihre Loya­li­tät und Iden­ti­fi­ka­ti­on eher ihren Hei­mat­län­dern gilt (in Kana­da haben Chi­ne­sen gan­ze Groß­städ­te über­nom­men, etwa Vancouver).

Wie ist aber die eth­ni­sche Zusam­men­set­zung der Migra­ti­ons­hin­ter­gründ­ler in Deutsch­land beschaf­fen? Leu­te BpB haben heu­te 26, 2% der Wohn­be­völ­ke­rung “Migra­ti­ons­hin­ter­grund”. Von die­sen 21,2 Mil­lio­nen sind 10,1 Mil­lio­nen Aus­län­der ( 12,4%), 11,1 Mil­lio­nen deut­sche Staats­bür­ger (13,6%, wobei der Migra­ti­ons­hin­ter­grund sta­tis­tisch nach spä­tes­tens drei Genera­tio­nen verschwindet).

Die meis­ten der 21,2 Mil­lio­nen Per­so­nen mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund stamm­ten im Jahr 2019 aus der Tür­kei (13,3 Pro­zent), gefolgt von Polen (10,5 Pro­zent), Russ­land (6,5 Pro­zent), Rumä­ni­en und Ita­li­en (4,8 bzw. 4,1 Pro­zent). Kasach­stan und Syri­en sind mit Antei­len von 5,9 bzw. 4,0 Pro­zent die wich­tigs­ten nicht-euro­päi­schen Her­kunfts­län­der (immer bezo­gen auf das eige­ne Geburts­land bzw. das Geburts­land der Eltern).

Das sind etwa 50% der Migra­ti­ons­hin­ter­gründ­ler – falls jemand bestimm­te Grup­pen, deren Ver­tre­ter öfter in den Medi­en auf­schei­nen, ver­mißt hat. Auch hier gilt es, die Art und Qua­li­tät des Migra­ti­ons­hin­ter­grunds zu berück­sich­ti­gen: Die Anwe­sen­heit von z.B. einer Mil­lio­nen Polen oder einer Mil­li­on ortho­do­xer Chris­ten wird wesent­lich ande­re Aus­wir­kun­gen auf das sozia­le und kul­tu­rel­le Gefü­ge eines west­li­chen Lan­des haben als z.B. die Anwe­sen­heit einer Mil­li­on Schwarz­afri­ka­ner oder sun­ni­ti­scher Muslime.

Dies könn­te man sich nun genau­er anschau­en, und sich fra­gen, in wel­cher die­ser eth­ni­schen Grup­pen über ver­ein­zel­te Stim­men hin­aus “etwas zu holen” sei  (vie­le die­ser “Rus­sen”, “Polen” und “Rumä­nen” sind übri­gens volks­deut­sche Spät­aus­sied­ler). Man kann aber auch eru­ie­ren, bei wel­chen Grup­pen eher gerin­ge Chan­cen bestehen, sie für die AfD zu gewin­nen (auf die am stärks­ten ver­tre­te­ne Grup­pe soll­te man eher nicht zäh­len. Sie­he etwa hier und hier).

All dies im Hin­ter­kopf kann man erken­nen, daß Klo­n­ovs­ky mit Bestän­den rech­net, die gar nicht vor­han­den sind (jeden­falls nicht für die AfD), wenn er schreibt:

Ein­wan­de­rer pas­sen sich nor­ma­ler­wei­se dem Habi­tus der Auf­nah­me­ge­sell­schaft an und ver­än­dern die­se dabei unmerk­lich. Die­ser Vor­gang ist allein schon im Eigen­in­ter­es­se der Ein­wan­de­rer mit der zwei­ten Genera­ti­on abge­schlos­sen. Wenn sich sol­che Pro­zes­se sozu­sa­gen tröpf­chen­wei­se voll­zie­hen, erzeu­gen sie kaum Pro­ble­me, und so ist es im nach­an­ti­ken Euro­pa auch immer gewe­sen. Voll­zieht sich die­ser Pro­zess hin­ge­gen zu schnell, kann oder will sich die neue Grup­pe nicht ein­fü­gen – inte­grie­ren muss sich immer der Ein­wan­de­rer sel­ber – und bil­det ein sepa­rier­tes eige­nes Milieu. Ein von Zurech­nungs­fä­hi­gen geführ­tes Land wird das poli­tisch ver­hin­dern. Und die­je­ni­gen Ein­wan­de­rer, die Deutsch­land als Hei­mat ange­nom­men haben, sind dafür weit bes­se­re Ver­bün­de­te als etwa die Grü­nen und deren Kli­en­tel oder die Mer­kel-Lem­min­ge bzw. ‑Lemu­ren.

Das ist ein idea­les Modell, das sich rea­li­ter so lei­der nicht abge­spielt hat. Auch ein so Gott will der­einst von “Zurech­nungs­fä­hi­gen geführ­tes Land” müß­te eine Poli­tik der Remi­gra­ti­on ins Auge fas­sen, um eine Gesell­schaft zu ermög­li­chen, wie sie Klo­n­ovs­ky im Auge hat, müß­te all­mäh­lich umkeh­ren, was sich in Jahr­zehn­ten akku­mu­liert hat an “sepa­rier­ten Milieus”.

Ent­schei­dend ist nicht nur die Schnel­lig­keit des Auf­nah­me­pro­zes­ses, son­dern auch Wesen und Art der Ein­wan­de­rer. Bei ent­spre­chend hete­ro­ge­ner Her­kunft wird der “Habi­tus der Auf­nah­me­ge­sell­schaft” auch nach zwei oder drei Genera­tio­nen nicht ange­nom­men, und selbst eine teil­wei­se Über­nah­me die­ses Habi­tus oder eine Anpas­sung an bestimm­te kul­tu­rel­le oder öko­no­mi­sche Nor­men bedeu­tet kei­ne auto­ma­ti­sche Iden­ti­fi­ka­ti­on oder Soli­da­ri­tät mit der “Auf­nah­me­ge­sell­schaft”, oder kon­kre­ter gesagt: dem ange­stamm­ten Volk.

Im Gegen­teil kann sich hier der Kon­kur­renz- und Ver­tei­lungs­kampf noch ver­schär­fen, und schlimms­ten­falls wird der Laden eines Tages über­nom­men und der “Per­so­nal­wech­sel” noch effi­zi­en­ter voll­zo­gen wer­den. Deutsch­land “als Hei­mat ange­nom­men”  bedeu­tet dann, daß es für die Inter­es­sen der eige­nen eth­ni­schen Grup­pe besetzt, besie­delt und ver­ein­nahmt wird. Es wird zum Beu­te­wert, der von den eth­ni­schen Grup­pen auf­ge­teilt wird. Für die Mul­ti­kul­tu­ra­lis­ten sind die­se Grup­pen will­kom­me­ne Agen­ten der Zer­set­zung des tra­di­tio­nel­len Volks- und Natio­nal­staats­be­griffs. “Inte­gra­ti­on” bedeu­tet für sie wach­sen­de öffent­li­che Reprä­sen­tanz der Min­der­hei­ten im öffent­li­chen Raum (ame­ri­ka­nisch “diver­si­ty”).

Und was ist heu­te der “Habi­tus der Auf­nah­me­ge­sell­schaft”, was ihre “Leit­kul­tur”? Doch wohl jener der “bun­ten” und “welt­of­fe­nen” Gesell­schaft, des Amal­gams aus Mer­kels CDU und grü­ner Ideo­lo­gie, die heu­te für den Groß­teil der deut­schen Gesell­schaft cha­rak­te­ris­tisch ist, und den inzwi­schen auch Mus­lim­brü­der mit Leich­tig­keit anneh­men, wenn es ihren Inter­es­sen dient und sie in Talk­shows eine gute Figur machen müs­sen. Migran­ten aller Art, ob euro­päi­sche oder nicht­eu­ro­päi­sche, füh­len sich von der bun­des­deut­schen “Welt­of­fen­heit” ange­spro­chen, umschmei­chelt, begüns­tigt. Sie wer­den als wert­vol­le Res­sour­ce und Import­ar­ti­kel gehan­delt, um das säku­la­re Pro­jekt der “Ver­bun­tung” vor­an­zu­trei­ben. Das “mul­ti­kul­tu­ra­lis­ti­sche” Gesell­schafts­mo­dell stellt ihnen Auf­stiegs­chan­cen, sozia­le Auf­wer­tung und einen erkleck­li­chen Anteil von dem Kuchen in Aus­sicht, den die Deut­schen über Genera­tio­nen hin­weg geba­cken haben.

Zu die­ser Art von “Leit­kul­tur” gehört auch, unab­läs­sig “Ras­sis­mus” zu bejam­mern und sich am Abhol­zen von allem zu betei­li­gen, was noch da ist an posi­ti­vem deut­schen Natio­nal­ge­fühl, Selbst­be­wußt­sein und Selbst­be­haup­tungs­wil­len. Die Migran­ten, die sich in die­ses lukra­ti­ve und staat­lich geför­der­te Busi­ness ein­ge­kauft haben, etwa als Publi­zis­ten, Jour­na­lis­ten und Akti­vis­ten, zäh­len inzwi­schen Legion.

Die deut­sche Regie­rung pro­pa­giert unab­läs­sig das Her­auf­däm­mern einer gol­de­nen post­na­tio­na­len Zukunft, in der der Begriff “Migra­ti­ons­hin­ter­grund” obso­let ist, da die Men­schen dann alle­samt “so ‘gemischt’ sind, dass jeder einen Migra­ti­ons­hin­ter­grund hat” (so die berüch­tig­te Bro­schü­re Dia­lo­ge Zukunft: Visi­on 2050). Es leuch­tet ein, daß das auf sehr vie­le Migra­ti­ons­hin­ter­gründ­ler attrak­tiv wir­ken muß. Sie wer­den “links”, vor allem weil es ihre eth­ni­schen Inter­es­sen begünstigt.

In Mit Lin­ken leben schrieb ich 2017 zusam­men mit Caro­li­ne Som­mer­feld ein Kapi­tel über “Lin­ke und Rech­te mit Migrationshintergrund”:

Hier geht es ein­fach um das Durch­set­zen eth­ni­scher Inter­es­sen gegen die auto­chtho­ne Noch-Mehr­heits­ge­sell­schaft mit­hil­fe der Rhe­to­rik der Lin­ken und des Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus. Das ist dann nicht mehr »links« im eigent­li­chen Sin­ne, es ist aus der Per­spek­ti­ve die­ser Migran­ten »iden­ti­tä­re« Poli­tik, die von der deut­schen Selbst­ab­schaf­fungs­lust zu unter­schei­den ist.

Dem­ge­gen­über steht eine zah­len­mä­ßig klei­ne­re, aber doch ins Gewicht fal­len­de Zahl von Migranten,

die kei­nes­wegs die lin­ke Ideo­lo­gie tei­len, die die Mer­kel­sche Flücht­lings­po­li­tik ableh­nen, die Deutsch­land als Deutsch­land (und nicht als »Ein­wan­de­rungs­land«) auf­rich­tig lie­ben, die wis­sen, daß die Inte­gra­ti­ons­po­li­tik geschei­tert ist, und die sich nicht min­der Sor­gen um die Schul­bil­dung ihrer Kin­der machen, die sich eher mit der ein­hei­mi­schen Bevöl­ke­rung als mit belie­bi­gen Zuwan­de­rern soli­da­risch füh­len, die AfD und FPÖ wäh­len (wo sie, ent­ge­gen der lin­ken Pro­pa­gan­da, durch­aus will­kom­men sind), die wie wir ange­sichts des »Gro­ßen Aus­tauschs« Trau­er und Beklem­mung emp­fin­den, die PC-Bevor­mun­dung däm­lich fin­den, die der »Lügen­pres­se« nicht mehr trau­en und die es ver­ab­scheu­en, sich von Lin­ken als Tro­phä­en und »Schutz­be­dürf­ti­ge« ver­ein­nah­men zu las­sen, ins­be­son­de­re von den Bobo- und Statuslinken.

Aller­dings befin­det sich auch die­se Art Migran­ten oft in einem inne­ren Zwie­spalt, denn ihnen wird nicht sel­ten Ver­rat an der eige­nen Abstam­mungs­grup­pe vor­ge­wor­fen. Etli­che haben erheb­li­che Schwie­rig­kei­ten mit ihrer Iden­ti­täts- und Posi­ti­ons­be­stim­mung, spü­ren instink­tiv, daß sie nie “ganz” dazu­ge­hö­ren wer­den. Und trotz ihres “Migran­ten­bo­nus” ris­kie­ren sie ähn­li­che Brand­mar­kun­gen und Ver­schwe­fe­lun­gen wie Bio­deut­sche, wenn sie sich zu weit aus dem Fens­ter lehnen.

Ein Aus­weg ist für man­che die Flucht in eine Art far­ben­blin­den Zen­tris­mus, der sich zwar von der links auf­ge­hetz­ten, migran­ti­schen “Iden­ti­täts­po­li­tik” distan­ziert, aber doch als Ide­al­bild eine gemä­ßigt post­na­tio­na­le Gesell­schaft vor Augen hat, in der eth­no­kul­tu­rel­le Kol­lek­ti­vi­den­ti­tä­ten ein mög­lichst gerin­ge Rol­le spie­len oder “Deutsch­sein” ein­fach ein Bekennt­nis zu libe­ra­len Wer­ten und west­li­chem Lebens­stil bedeutet.

Gänz­lich irrt Klo­n­ovs­ky hier:

Davon abge­se­hen, dass sie auch die von inter­es­sier­ter Sei­te gestreu­ten Ras­sis­mus-Bezich­ti­gun­gen, von deren künf­ti­gem Anschwel­len wir uns noch gar kei­nen Begriff machen, ent­kräf­ten wür­den; man sehe nur, wie vie­le Schwar­ze und Lati­nos dies­mal Trump gewählt haben.

Abge­se­hen davon, daß ame­ri­ka­ni­sche Ver­hält­nis­se nicht ohne wei­te­res auf Deutsch­land über­trag­bar sind: Das The­ma wäre einen eige­nen Arti­kel wert, und ich habe auf die­sem Blog schon öfter dar­über geschrie­ben (sie­he hier, hier, hier, hier). Nur so viel: Die Zukunft der Repu­bli­ka­ni­schen Par­tei wird sich auf demo­gra­phi­schem Weg ent­schei­den; wäh­rend nicht alle Staa­ten, Städ­te und Bezir­ke mit über­wie­gend wei­ßer Bevöl­ke­rung repu­bli­ka­nisch wäh­len, so kip­pen doch all jene auto­ma­tisch zu den Demo­kra­ten, die eine signi­fi­kant hohe nicht-wei­ße Bevöl­ke­rung haben oder gar eine nicht-wei­ße Mehr­heit stellen.

Dazu emp­feh­le ich, die­sen Arti­kel zu stu­die­ren: Trump hat unter His­pa­nics (18% der Bevöl­ke­rung), Asia­ten (6%) und Schwar­zen (13%) jeweils 4% mehr Stim­men bekom­men als im Jahr 2016. Da die Wahl­be­tei­li­gung (so denn alles mit rech­ten Din­gen zuge­gan­gen ist) auf bei­den Sei­ten enorm hoch war, hat er auch in die­sen Schich­ten in abso­lu­ten Zah­len hin­zu­ge­won­nen. Aber: 88% der Schwar­zen, 69% der Asia­ten und 68% der His­pa­nics haben für Biden gestimmt. 12 repu­bli­ka­ni­sche Kan­di­da­ten seit 1964 haben Trump über­trof­fen, was den Anteil der schwar­zen Stim­men angeht, und ähn­li­ches gilt für die Stim­men der Asia­ten, die seit 1992 kon­ti­nu­ier­lich nach links wan­dern. Auch der pro­zen­tua­le Gewinn an his­pa­ni­schen Stim­men, spe­zi­ell in Flo­ri­da und Texas, lag im Bereich des üblichen.

Die Repu­bli­ka­ni­sche Par­tei kämpft schon seit Jah­ren ver­bis­sen dar­um, “diver­ser” zu wer­den, indem sie direkt nicht-wei­ße Bevöl­ke­rungs­grup­pen umwirbt. Gleich­zei­tig ver­nach­läs­sigt sie ihre eigent­li­che Basis, grob gesagt die wei­ßen Wäh­ler im Fly­o­ver Ame­ri­ca zwi­schen Ost- und West­küs­te und jen­seits der mul­ti­eth­ni­schen Bal­lungs­räu­me. Die­sen Feh­ler hat auch Trump gemacht, und er hat einen hohen Preis dafür gezahlt: Aus­ge­rech­net unter wei­ßen Män­nern (schät­zungs­wei­se 30% der Bevöl­ke­rung) hat er 5% der Stim­men ver­lo­ren, wodurch er auch eini­ge Staa­ten knapp ver­lo­ren hat (mehr zu die­sem Pro­blem hier). Aus dem nicht-wei­ßen Stim­men­pool hat er im End­ef­fekt nur einen klei­nen Bis­sen abge­knipst;  57% der wei­ßen Stim­men gin­gen an ihn. Die wei­ße Bevöl­ke­rungs­grup­pe aber ist die­je­ni­ge, die die ame­ri­ka­ni­sche Nati­on gegrün­det und mit ihren Wer­ten geschaf­fen und geprägt hat. Sie ent­spricht auf Euro­pa über­tra­gen den Stamm­deut­schen oder Stammfranzosen.

Es ist, wie Ann Coul­ter seit Jah­ren sagt: “The way Repu­bli­cans win is by dri­ving up the white vote.” Trump hat sich um die­se Grup­pe nicht bemüht, wahr­schein­lich, weil er sie für selbst­ver­ständ­lich hin­nahm. Statt­des­sen ist er vor Min­der­hei­ten­grup­pen qua­si auf den Knien gerutscht und hat ihnen aller­lei Niko­laus­pa­ke­te angeboten.

Das Pro­blem ist, daß es die poli­ti­sche Kor­rekt­heit ver­hin­dert, daß Wei­ße als Grup­pe mit eige­nen Inter­es­sen ange­spro­chen wer­den kön­nen, es sei denn in einer nega­ti­ven Form als Trä­ger des “struk­tu­rel­len” Ras­sis­mus. Das Äußers­te, das die GOP hier tun kann, ist die Exzes­se der “kri­ti­schen Ras­sen­theo­rie” als “Ras­sis­mus” zu kri­ti­sie­ren, was ihr mit mäßi­gem Erfolg gelingt. Die Arti­ku­la­ti­on eth­ni­scher Inter­es­sen wird Min­der­hei­ten vor­be­hal­ten (die ja als Ramm­bock gegen die noch-wei­ße Mehr­heits­ge­sell­schaft die­nen sol­len) und kann also nur indi­rekt und impli­zit erfol­gen, etwa, indem man von bestimm­ten “Wer­ten” spricht.

Das glei­che Mus­ter fin­det sich bei allen west­li­chen Popu­lis­ten: Sie tre­ten als “Staats­bür­ger­na­tio­na­lis­ten” auf, weil es die Spiel­re­geln nicht anders zulas­sen, ihr eigent­li­cher Appeal liegt aller­dings in der Kana­li­sie­rung eth­no­kul­tu­rel­ler Inter­es­sen, Iden­ti­fi­ka­tio­nen und Bedürf­nis­se. Wirt­schaft­li­che Erwä­gun­gen, Sor­ge um “law and order” und ande­res spielt hier nur eine unter­ge­ord­ne­te Rol­le, denn sie spre­chen eben nicht nur sozi­al und öko­no­misch abge­häng­te “deplor­ables” an. Wie Eric Kauf­mann fest­stell­te: “It’s not the eco­no­my, stu­pid!

Es spricht nichts dage­gen, wenn die AfD unter bestimm­ten Migran­ten­grup­pen Ver­bün­de­te und Sym­pa­thi­san­ten sucht. Dabei soll­te es aber weder um die blo­ße “Optik” gehen, um Ras­sis­mus­vor­wür­fe abzu­schmet­tern, was erfah­rungs­ge­mäß ein aus­sichts­lo­ses Unter­fan­gen ist, noch soll­te ver­sucht wer­den, aus der AfD eine wei­te­re Mul­ti­kul­ti- oder Viel­völ­ker­par­tei zu machen, die den Bevöl­ke­rungs­aus­tausch als unver­meid­lich hin­nimmt und ihn ledig­lich ver­lang­sa­men und ein wenig erträg­li­cher regu­lie­ren will.

Das lie­fe auf nichts ande­res hin­aus, als Yascha Mounk aktiv dabei zu unter­stüt­zen, daß sein berüch­tig­tes “Expe­ri­ment” doch noch funk­tio­nie­ren kann. Mounk, der nach eige­ner Aus­kunft hart an einem Buch mit dem Titel The Gre­at Expe­ri­ment – How To Make Diver­se Demo­cra­ci­es Work arbei­tet, ist wohl­ge­merkt kein Lin­ker, der sich unter der “mul­ti­eth­ni­schen Demo­kra­tie” ein bun­tes, anar­chi­sches Neben­ein­an­der iden­ti­täts­po­li­tisch akti­ver Kol­lek­ti­ve vor­stellt, son­dern ein Schü­ler und Pro­te­gée des (frei­lich ziem­lich nach links gerück­ten) neo­kon­ser­va­ti­ven Phi­lo­so­phen Fran­cis Fuku­ya­ma. Fuku­ya­mas Buch Iden­ti­tät beißt sich an genau die­sem Dilem­ma die Zäh­ne aus: Wie kann man einer all­zu “divers” gewor­de­nen Gesell­schaft wie­der “ver­bind­li­che Grund­la­gen des Zusam­men­le­bens” bei­brin­gen, ohne ihre Libe­ra­li­tät und “die Demo­kra­tie” zu opfern? Das ist das Kunst­stück, das er zu voll­brin­gen vorschlägt:

Die Her­aus­for­de­rung für zeit­ge­nös­si­sche libe­ra­le Demo­kra­tien ange­sichts der Zuwan­de­rung und der wach­sen­den Viel­falt« bestün­de im Zusam­men­spiels aus Inte­gra­ti­on, Assi­mi­la­ti­on und for­men­der Anpas­sung, “um eine inklu­si­ve natio­na­le Iden­ti­tät zu erschaf­fen, die der viel­för­mi­gen gesell­schaft­li­chen Rea­li­tät gerecht wird und Neu­an­kömm­lin­ge assimiliert.”

Klo­n­ovs­kys Argu­men­ta­ti­on läuft auf etwas ähn­li­ches hin­aus: Nun haben wir den Salat, nun sind sie halt da. Deutsch­land ist (immer­hin: lei­der) ein Viel­völ­ker­staat gewor­den, und die Zukunft wird noch mehr vom sel­ben brin­gen. Wir müs­sen uns damit abfin­den, daß wir als Stamm­deut­sche allen­falls eine eth­ni­sche Grup­pe unter ande­ren sein wer­den (wenn man es uns erlaubt). Jetzt brau­chen wir nur noch eine gemein­sa­me Kul­tur, damit wir uns mit ande­ren eth­ni­schen Grup­pen auf ver­bind­li­che Grund­la­gen des Zusam­men­le­bens eini­gen kön­nen. (Für eine gemein­sa­me Nati­on reicht es schon nicht mehr).

Es steht der AfD frei, die­se Rich­tung zu ver­fol­gen und einen ent­spre­chen­den Plan zu ent­wi­ckeln, aber sie wird sich damit in die glei­che Sack­gas­se stel­len wie alle ande­ren auch, die sich nicht mit uto­pi­schen Paro­len über die wach­sen­de Dys­funk­tio­na­li­tät der mul­ti­eth­ni­schen “Gesell­schaf­ten” hin­weg­täu­schen kön­nen oder wollen.

In Mit Lin­ken leben schrieb ich:

Sehen wir jedoch den Tat­sa­chen ins Gesicht: Bis zu einem gewis­sen Grad ist die eth­ni­sche Hete­ro­ge­ni­sie­rung der deut­schen Bevöl­ke­rung nicht mehr rück­gän­gig zu machen. Ob die Deut­schen den­noch wie­der ein Volk wer­den kön­nen, wird auch davon abhän­gen, wie vie­le Migran­ten guten Wil­lens sich zu patrio­ti­schen Posi­tio­nen (bezo­gen auf das Land, in das sie ein­ge­wan­dert sind) beken­nen werden.

So sehe ich das immer noch, aber es soll­te klar blei­ben, daß die AfD vor­ran­gig dazu da ist, den Inter­es­sen einer bestimm­ten eth­ni­schen Grup­pe, näm­lich den Deut­schen eine Stim­me zu geben.

Mag sein, daß Klo­n­ovs­ky die­ses Tür­chen offen­ge­las­sen hat, als er for­mu­lier­te, die AfD sol­le eine “mul­ti­eth­ni­sche­re” (statt: mul­ti­eth­ni­sche) Par­tei werden.

Und ich mei­ne hier natür­lich jene Deut­sche, die Deut­sche sein und blei­ben wol­len. Also jene, die sich nicht natio­nal­ma­so­chis­tisch-pseu­do­welt­bür­ger­lich auf­lö­sen, die noch Volk statt Bevöl­ke­rung sein wol­len, und die mutig genug sind, per­sön­lich dafür ein­zu­ste­hen oder die­se Hal­tung zumin­dest durch AfD-Wahl zu bekräftigen.

Wenn die AfD eine wirk­li­che Alter­na­ti­ve sein und ernst­haft das Natio­nal­staats­mo­dell ver­tei­di­gen will, dann muß sie hier ein­ha­ken und die Fra­ge nach dem Volk stel­len und den eth­ni­schen Volks­be­griff ver­tei­di­gen, der von der herr­schen­den poli­ti­schen Klas­se ver­femt wird, um das eth­nisch deut­sche Volk selbst abzuschaffen.

Gibt es denn dies­be­züg­lich unter den “Bio­deut­schen” tat­säch­lich nichts mehr zu holen für die AfD, ist das Poten­zi­al aus­ge­schöpft? Muß man nun bei ande­ren eth­ni­schen Grup­pen fischen, und mit wel­chem Köder?

Im Jahr 2016, als die Welt noch anders aus­sah, und man das Gefühl haben konn­te, eine gro­ße “popu­lis­ti­sche Wel­le” sei im Anrol­len, schrieb Klo­n­ovs­ky anläß­lich des Wahl­sie­ges von Donald Trump ein paar Sät­ze, die ich ger­ne zitie­re, weil sie den Geist die­ser Zeit gut ein­fan­gen und aus­drü­cken, was damals für vie­le der wesent­li­che Impuls des Popu­lis­mus war:

Wenn Glo­ba­li­sie­rung heißt, dass die Staa­ten zer­fal­len, dass die Völ­ker ent­wur­zelt und auf­ge­löst und die Kul­tu­ren ver­ramscht wer­den, dann spu­cken wir auf sie.Wenn Glo­ba­li­sie­rung heißt, dass der Pla­net in die graue Tris­tesse der Diver­si­ty getaucht wird, dann pfei­fen wir auf sie. Let’s make the peop­le, let’s make the nati­ons gre­at again!

Vier Jah­re spä­ter sind wir alle ein wenig nüch­ter­ner gewor­den. Aber soll es denn nun wirk­lich nur mehr dar­um gehen, erträg­li­che­re Abwick­lungs­pro­gram­me ein­zu­fä­deln, in der Hoff­nung, daß sie bes­ser funk­tio­nie­ren als die uto­pi­schen Vor­ha­ben der Bun­des­re­gie­rung? Den Ein­druck gewin­ne ich, wenn ich Klo­n­ovs­kys Aus­füh­run­gen lese, und viel­leicht tue ich ihm hier Unrecht.

Ansons­ten fie­le mir nicht ein, wel­ches Ange­bot die AfD den diver­sen eth­ni­schen Grup­pen als Grup­pen inner­halb Deutsch­land machen soll, damit sie von ihnen gewählt wird. Ins­ge­samt pro­fi­tie­ren die­se eher von dem herr­schen­den Sys­tem, wie es ist, die Assi­mi­lier­ba­ren eben­so wie die Pro­blem­bä­ren. Wer sich nicht ohne­hin im Nach­teil sieht, wird sich kaum die Mühe machen, sich den Geäch­te­ten anzuschließen.

Ich den­ke, daß Klo­n­ovs­ky, der selbst eine mul­ti­eth­ni­sche Fami­lie hat, und mehr Kos­mo­po­lit und “any­whe­re” als Patri­ot und “some­whe­re” ist, an einem alten Traum einer Sezes­si­on der “Zivi­li­sier­ten” hängt, den ich eben­falls in Mit Lin­ken leben zitiert habe, weil ich ihn nicht unsym­pa­thisch fin­de und zumin­dest für beden­kens­wert halte:

Klo­n­ovs­ky schlug gar eine »Zwei-Staa­ten-Lösung« für die Bun­des­re­pu­blik vor: Im einen Staat sol­len die­je­ni­gen leben, »die an Frei­heit und an die ›kon­ven­tio­nel­le‹ Fami­lie glau­ben«, Sozia­lis­mus für Hum­bug hal­ten und statt­des­sen auf Eigen­ver­ant­wor­tung set­zen, die sich von der Dik­ta­tur des Brüs­se­ler Zen­tral­ko­mi­tees befreit haben, »denen der Rechts­staat so hei­lig ist, daß sie ihn mit Gewalt gegen jeder­mann durch­set­zen, der ihn angreift«, die »einen welt­of­fe­nen Patrio­tis­mus pfle­gen«, »reli­gi­ös tole­rant sind, ohne sich ihre Tra­di­tio­nen weg­dis­ku­tie­ren zu las­sen«, und nur Zuwan­de­rer will­kom­men hei­ßen, »die ihre Rech­nun­gen selbst bezah­len wol­len« und kön­nen. – »In den zwei­ten, den fort­schritt­li­chen, eman­zi­pier­ten, sozia­lis­ti­schen, ›anti­ras­sis­ti­schen‹ Staat mag dann der Rest zie­hen und, Gott befoh­len, sehen wo er bleibt.« (Acta Diur­na, 30. Novem­ber 2013).

– – –

Mehr zu die­sem The­ma in mei­nem neu­en Buch Eth­nop­lu­ra­lis­mus, hier bestell­bar!

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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Kommentare (32)

Seneca

27. November 2020 21:04

Die AfD würde endgültig ihren Kompass verlieren. Sie ist jetzt schon im Trudeln. Einzig eine Partei der Deutschen, wie klein auch immer, hätte Zukunft. Gerade dann wenn es zu einem Deutsch-Südafrika auf deutschem Boden kommen sollte. 

Niedersachse

28. November 2020 00:11

Der Vorstoss von Michael Klonovsky ist unnötig, falsch und politisch unbrauchbar, denn das alles und jeder multiethnisch werden soll, ist zwar der "Grundkonsens"des bundesrepublikanischen Elends, aber der AfD stünde es gut zu Gesicht, wenn sie sich als der  parlamentarische Arm zur Vertretung deutscher Interessen sehen würde. Die deutschstämmigen Aussiedler aus den ehemaligen Sowjetrepubliken gehören nach meiner Definition sowieso zu "uns" und haben sogar in der Regel mehr Patriotismus, Traditionsbewusstsein und vor allem das, was man gemeinhin "gesunden Menschenverstand" nennt. Man kann diesen Vorstoß von als Kotau vor den Verhältnissen sehen, oder als das, was er wohl ist: Die politische Grundhaltung von M. K., der ja in gewisser Hinsich selber etwas "vorbelastet" ist. Ich meine das nicht mal böse, finde den Gedanken von ihm aber trotzdem falsch. In gewisser Weise ist natürlich Vorsicht geboten: Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom Januar 2017, in dem für jedermann einsehbar behauptet wird, das die ethnische Abstammung keine Kriterium sein könne, ob jemand Deutscher ist oder nicht, lässt tief in die Grundverfasstheit und Geisteshaltung dieses Staates blicken. Dessen muss sich die AfD natürlich bewusst sein und ihre politischen Konzepte und Forderungen so ausformulieren, das den Feinden unseres Volkes keine geladene Waffe in die Hand gedrückt wird.

Laurenz

28. November 2020 04:38

Tja, wenn keine Orientalen und auch noch keine Asiaten in Frage, wer dann?

Vor 13 Jahren oder so, laß ich dieses Büchlein (dauert ca, 3 Stunden) vor einer Reise nach Rio und Búzios, eine Art brasilianisches Sylt.  (In Rio angekommen fand ich die Zustände genau so vor, wie Mattussek diese beschrieben hatte.)

https://buechereien.wien.gv.at/Mediensuche/Einfache-Suche?id=0654179

Matthias Matussek: Geliebte zwischen Strand und Dschungel

Der Autor lebte ein paar Jahre in Rio und schildert kurz für jeden Rio-Reisenden Seine dort gemachten Erfahrungen. Es ist wohl ungewollt eines der am meisten politischen Bücher überhaupt. Es beschreibt den multi-ethnischen Zustand in einer Großstadt des liberalistischen Brasilien und die sich daraus ergebenden Lebensumstände aus der Sicht eines Weißen. Der VS kennt das Buch wohl nicht, sonst hätte er es wohl verbieten lassen.

Soweit ich das beurteilen kann, ist das Buch für weiße Lebensart in den gesamten Amerikas exemplarisch und das seit Jahrhunderten. In den USA, aber vor allem in Kanada ist soviel Platz, daß man sich aus dem Weg gehen kann. Aber Deutschland ist quasi ein großes Rio. Die Weißen sterben nicht aus, leben aber hinter Mauern.

Franz Bettinger

28. November 2020 07:12

@anatol broder (16:51 im Teil 1): Ich nehme an, Sie sind Stamm-Türke und seit langem in Deutschland gut integriert. Ihre Aussage zu den politischen Sympathien (gegen Merkel) ihrer Leute erstaunt mich. Wollen Sie sagen, dass ihre Familie und viele „Orientalen“ (oder die, die Sie kennen) AfD wähl(t)en? Das wäre zu schön, um wahr zu sein. 

Rheinlaender

28. November 2020 08:10

Deutschlands Probleme scheinen ihre Ursache weniger darin zu haben, dass die falschen Parteien regieren, sondern darin, dass die Kultur des Landes defekt bzw. tödlich erkrankt ist. Eine Partei kann eine kulturelle Erneuerungsbewegung aber nicht ersetzen, sondern in der gegenwärtigen Lage bestenfalls zerstörerische Entwicklungen verzögern. Wenn man dem türkischen Familienvater klarmachen kann, dass auch seine Kinder demnächst im Kindergarten ihre homosexuelle Identität unter fachkundiger Hilfestellung entdecken und erkunden dürfen wenn er weiter so wählt wie bisher, kann man damit vielleicht etwas Zeit gewinnen. Mehr kann eine Partei nicht leisten.

Was viel stärker fehlt als eine starke alternative Partei ist jedoch die erwähnte kulturelle Erneuerungsbewegung, die diesem sterbenden Land noch einmal Leben einhauchen könnte. Im Islam kann man beobachten, wie solche Bewegungen innerhalb von zwei bis drei Jahrzehnten ganze Gesellschaften erfassen können. Muslime in Deutschland schöpfen ihre Kraft aus einer äußerst vitalen (wenn auch kulturell und geistlich fragwürdigen) religiösen Subkultur, von der man z.B. auf YouTube einen Eindruck gewinnen kann. Dort wird ihnen erklärt, wie man ein guter Mann und eine gute Frau wird und geholfen, Familien zu gründen, in denen dieses Erbe weitergegeben wird. Rechtsalternative Akteure in Deutschland haben nichts dergleichen, sondern Lisa Licentia. Das ist das eigentliche Problem.

tearjerker

28. November 2020 08:39

Stürmen die Ausländer denn bereits die Rekrutierungsbüros der Alternative? Schicken sich Amadou und Mustafa an die Parteizentrale zu unterwandern, in der sie dann heimlich ihre Riten praktizieren um auch noch die letzten Deutschen aus ihrer angestammten Umgebung (Parteibüros und Ämter) zu vertreiben? War das nicht eigentlich den Deserteuren der Altparteien und den Agenten der Dienste befreundeter Nationen (zwinkerzwinker) vorbehalten? Ich lese hier vor Allem, dass die Alternative sich gegen Impulse von Aussen abzuschirmen versucht, selbst wenn diese aus dem eigenen Lager kommen. Das betrifft wohl erstrecht Fälle, in denen sich einigermassen prominente und mit Reputation ausgestattete Köpfe einzubringen versuchen. Jetzt will also Herr K. die Alternative entern, obwohl doch alle wissen sollten, dass Zivilisten und Männer mit Ambitionen unter den Demokratie-Larpern nichts zu suchen haben. So wird das nichts.

RMH

28. November 2020 10:52

Ich denke, das Thema sollte man unabhängig von Klonovsky diskutieren - und das wird es hier ja schon.

Klonovsky lebt vom gesunden Hauch des Exzentrischen und genau das hat er mit dieser Spitze gemacht. Ist für mich wie das Fingerchen beim Anheben der Teetasse zu spreizen.

Tatsache ist, das Deutsche nur mit ihrer Partnerwahl entscheiden und nicht an der Wahlurne, ob es Deutsche auch zukünftig noch gibt. Alleine der daraus verströmende Mief eines Dackelzüchter-Clubs, stößt künstlerische Typen offenbar latent ab.

Für die AfD als Partei des Grundgesetzes, die Erfolg auch in einem sicher irgendwann von der Konkurrenz angeleierten Verbotsverfahren haben will, ist daher das offen sein für Immigranten, die schon länger hier sind, eine ziemlich normale Sache.

Übrigens: Meine Heimatstadt ist eine mittlere Industriestadt, die schon früh sog. Gastarbeiter aufgenommen hat. Wenn man hier einmal etwas genaue forscht und zwischen den Zeilen liest, kamen - nach Italienern - etliche ursprüngliche Balkantürken zu uns, von denen die, welche die Mentoren und Türöffner für andere waren, viele auf deutscher Seite im WK II auf dem Balkan gekämpft haben, dann anschließend von den Serben aka Yugos in die Türkei getrieben wurden und von dort aus dann nach Deutschland kamen. Erste Deutschkenntnisse waren also vorhanden (die alten Bande - wenn man weiß, wo mancher Personaler im WK II gedient hat ...).

brueckenbauer

28. November 2020 11:05

Ich stimme zu, dass wir eine Organisation (oder besser ein Netz von Organisationen) der ethnodeutschen Minderheit brauchen. Wenn das mal erreicht ist, kann man vielleicht (!) über eine Partei der Ethnodeutschen nachdenken. In einem Land, in dem es überhaupt noch keine wahrnehmbare deutsche Volksgruppe gibt, ist der Ruf nach einer "ethnodeutschen Partei" schwachsinnig. Da wird das Pferd von hinten aufgezäumt.

Und solange man keine deutsche Volksgruppe hat, sollte man die AfD einfach Stimmen akkumulieren lassen, so gut sie es kann. Zwischen Klonovsky und Lichtmesz besteht kein so großer Unterschied, dass man da Fronten aufbauen MUSS. Es geht allenfalls um die Frage, ob man mit der einen Strategie ein paar Stimmen mehr gewinnt oder mit der anderen ein paar Stimmen weniger. (Wäre vielleicht bei einer Trump-Wahl entscheidend, aber nicht hier.)

Vielleicht sollten wir aber mal umgekehrt vom Wähler her denken: Aufgabe und Legitimationsgrund einer Oppositionspartei wie der AfD ist es, den schon jetzt Unzufriedenen (und dazu gehören eben auch Demagbo, Tassis, Hadjimohamadvali usw.) eine Möglichkeit der politischen Partizipation anzubieten! Wieso sollte man die ihnen wieder wegnehmen? Um Wählern hinterherzulaufen, die aktuell nicht so unzufrieden sind, dass sie die AfD unterstützen würden?

Niekisch

28. November 2020 11:59

Biodeutsche..."Biodeutschen"

"Ob die Deutschen dennoch wieder ein Volk werden können, wird auch davon abhängen, wie viele Migranten guten Willens sich zu patriotischen Positionen (bezogen auf das Land, in das sie eingewandert sind) bekennen werden...."

Etiam si omnes, ego non! - So etwas möchte ich jetzt und in Zukunft nicht mehr durch teilnehmen an Kommentierungen diskursfähig machen...

anatol broder

28. November 2020 12:47

@ bettinger 7:12

nein, broder ist kein türkischer nachname. ich bin aschkenasi, so wie gurevich offensichtlich auch ist.

zum wahlverhalten der türkisch-sprecher bitte diese selbst befragen. ich erlaube mir nur einen hinweis: sie sind keine homogene gruppe.

@ vorbeck 19:43 (teil 1)

das mit "Wir-und-Ihr" etikettierte Faß aufmachen.

seltsam. ich las auf dem bereits geöffneten fass eigene medizin.

Lotta Vorbeck

28. November 2020 12:54

@anatol broder - 28. November 2020 - 12:47 PM

@ vorbeck 19:43 (teil 1)

das mit "Wir-und-Ihr" etikettierte Faß aufmachen.

seltsam. ich las auf dem bereits geöffneten fass eigene medizin.

---

Das dürfen Sie, @anatol gern so sehen/lesen. Es trägt zur auf Gegenseitigkeit beruhenden Klärung der Standorte bei.

sok

28. November 2020 14:30

Ehe man über Bündnisse im zukünftigen Vielvölkerstaat nachdenkt, sollte man den Kulturkampf zwischen deutschen Patrioten und Unpatrioten führen, um zu retten, was zu retten ist. Insbesondere sollte die AfD den Kulturkampf nicht verschlafen, wenn er in der Schule schon begonnen hat.

Die Desiderius Stiftung wurde schon bekämpft, ehe sie ihre Arbeit aufgenommen hat. Es wurden sogar schon Unterschriften gesammelt, um zu verhindern, dass der Geschichtsrevisionismus mit Steuergeldern unterstützt wird.

Von der AfD wurden die Angriffe als unbegründet zurückgewiesen. Wenn man sich an die Spitze des Kulturkampfs setzen will, muss man antworten, dass die AfD den Holcaust nicht leugnen will. Den Protest sollte sie begrüßen, da die AfD die Holocaust-Erziehung einer Evaluation unterziehen will.

Wenn man die Holocaust-Erziehung einer Evaluation unterziehen will, dann zeigen die Proteste der Holcaust-Industrie, dass das dringend notwendig ist.

Dass der Kulturkampf ohne aktive Beteiligung der AfD schon im Gang  ist, zeigen die Jungwähler  in Sachsen, die zum großen Teil die AfD gewählt haben, weil sie  ihre Zukunft nicht mehr durch die Vergangenheit bestimmen lassen wolten.

AndreasausE

28. November 2020 15:35

Sie "spüren instinktiv, daß sie nie "ganz" dazugehören werden."

Meine Güte, da bedarf es keiner Instinke für, das ist das kleine 1x1 des Lebens.
Würde ich, Elmshorner, nach bspw. Dithmarschen oder Eiderstedt ziehen - ich könnte das dortige Platt lernen, daß ich es akzentfreier spreche als jeder Einheimische, ich könnte Vorsitzender des Heimat- und Trachtenvereins werden und, und, und.
IMMER werde ich der Zugezogene bleiben, der "Fremdling", da beißt die Maus kein' Faden ab, das ist so und würde allenfalls in dritter Generation so allmählich mal erledigt.
Orientalen, Asiaten oder Afrikaner haben es wegen ihres Aussehens nochmals schwerer (so das überhaupt "schweres Schicksal" ist, Außenseiter kann auch Spaß machen - besser als Ausgestoßener), klar, aber das ist eben immer so.

Entscheidend ist stets die Dosis. Masse pro Zeiteinheit. Das funktioniert nie, wenn zuviel, weil erstens die Aufnahmegesellschaft mit Vielzahl überfordert ist, zweitens die Zuwanderer keinen sinnvollen Druck zu Integration haben.

An solch simpler Erkenntnis führen weder gelehrte Theorien vorbei noch gutgemeinte Integrationsbemühungen.
Darum ist oberste Priorität, ganz ungeachtet rassischer Bedenken, die Rückführung.

anatol broder

28. November 2020 17:02

@ rmh 10:52

Tatsache ist, das Deutsche nur mit ihrer Partnerwahl entscheiden und nicht an der Wahlurne, ob es Deutsche auch zukünftig noch gibt. Alleine der daraus verströmende Mief eines Dackelzüchter-Clubs, stößt künstlerische Typen offenbar latent ab.

danke für diesen vorstoss. jetzt wird die diskussion vernünftig. wir verlassen allerdings den geographischen begriff der ethnie und landen bei alexander humboldt (höhenabhängige verbreitung) und arthur schopenhauer (metaphysik der geschlechtsliebe).

will man kinder, müssen die in frage kommenden eltern möglichst anziehend wirken. höhere töchter zeigen, wie man den mief kleinhält.

heinrichbrueck

28. November 2020 18:03

Der Weg zur Macht, wird sich daran orientieren, wie lange man an der Macht bleiben möchte.

In der amerikanischen Demokratie, aus der Sicht eines Europäers, stehen sich Kandidaten gegenüber, deren Wählerklientel keine reale politische Macht besitzen. Beide Seiten hegen Mißtrauen, bleibt es gleichgültig wer gewinnt oder Präsident spielt. Es liegt im Kern der Demokratie, dem eigenen Volk nicht mehr trauen zu können. Die Präsidenten wechseln, aber die Politik bleibt gleich. Es mögen Steuerungsstrukturen besetzt werden, die Steuerungskonzeption bestimmt das Verhalten. Auch eine AfD wird nicht eigenständig bestimmen können, innerhalb dieser Lage und Konstellation, welche Politik gemacht werden müßte. Umvolkungspolitik kann aufhören, aber dann muß klar sein, was Macht ist.

Das Wort „Biodeutsche“, Begriffe wie „die schon länger hier leben“, „Deutsche mit und ohne Migrationshintergrund“, sind Teil der antiweißen Propaganda; siehe globale Steuerungskonzeption; extremer von den Grünen formuliert, daß es ein Volk nicht gibt. Hier zeigt sich die politische Machtlosigkeit, wenn konservatives Verhalten feindliche Steuerungskonzeption eigennützig umsetzen möchte. Demokratie kennt nur Umvolkungsparteien, weil der Demokrat andere Perspektiven nicht sehen kann; wie der Christ in den Himmel kommen will, auch wenn er die Erde verliert. Die Demokratie muß etwas haben, was die Leute anziehend finden.

ML: Ich benutze den Begriff "Biodeutsche" nur ironisch. Irgendetwas muß man heute verwenden, um die Stamm- von den Paßdeutschen zu unterscheiden.

Waldgaenger aus Schwaben

28. November 2020 18:17

Ich bin ja gespannt wie Klonovsky antworten wird, falls überhaupt. Für eine ausführliche Antwort fehlt ihm wohl die Zeit vielleicht auch die Argumente. Doch wenn er  den Autor auch mit einer kurzen Bemerkung oder einem Zitat abfertigt, liefe das seinen Bemühungen, den Ruf der Arroganz loszuwerden zuwider. 

Als Argument pro-Klonovsky  werfe ich jetzt mal das Stichwort Ethnogenese in die Debatte. Vielleicht findet eine solchen gerade statt, und sie müsste nicht von Übel sein (vgl. das Schweizer Volk). Meine Vermutung ist aber, dass  die Eliten kein Interesse an einer Ethnogenese haben. Eine Ansammlung von Minderheiten lässt sich leichter beherrschen. 

 

Gelddrucker

28. November 2020 19:09

Es spricht überhaupt nichts dagegen, dass die AfD in begrenzter Menge pro-deutsch denkende Einwanderer bzw. deren Nachkommen aus anderen Ethnien aufnimmt, oder sich von diesen vertreten lässt, wie Feroz Khan, der Youtuber Hyperion etc. Allerdings sollte klar sein, dass letztenendes eine biodeutsche Mehrheit im Land gewünscht ist, und nicht lediglich wie jetzt bei ca 74%, sondern deutlich mehr.

Die russisches Spätaussiedler, die ja eigentlich Deutsche sind, sind übrigens soweit ich weiß ca. gleichauf mit den Türken die größte Gruppe mit Migrationshintergrund. Auch viele ethnische verwandte bzw. gleiche europäische Einwanderer halte ich für leicht assimilierbar. Eine einfache Änderung des Nachnamens (wie auch in früheren Zeiten und heute noch bei Russlanddeutschen oft gemacht) reich dafür meiner Meinung nach.

Die Migrationsstatistik und die Zahlen zeichnen ein negativeres Bild als die Realität und sollten nicht entmutigen.

Christian

28. November 2020 19:11

@ML

>>Ich benutze den Begriff "Biodeutsche" nur ironisch. Irgendetwas muß man heute verwenden, um die Stamm- von den Paßdeutschen zu unterscheiden.<<

Der Brockhaus von 1968 definiert Volksdeutsche als
"Bewohner deutscher Herkunft ... außerhalb der Grenzen des Deutschen Reiches von 1937 und Österreichs"
und da es das angesprochene Deutsche Reich ebensowenig gibt wie das austrofaschistische Österreich, kann man den entwürdigend klingenden Begriff Biodeutsche (man sagt ja auch nicht Biotürken) durch
Volksdeutsche
ersetzen. Und da die "Volksvertreter" (weiß der Himmel welches Volk die vertreten) dafür sorgen, daß die Erfahrung als "Bewohner deutscher Herkunft" zu einer Minderheit zu gehören, systematisch weiter ausgeweitet wird, kennzeichnet der Begriff zunehmend die Verhältnisse, die für die früheren Volksdeutschen außerhalb der Reichsgrenzen galten.

Cf. "wir stellen eine Parallelgesellschaft dar".

Jan

28. November 2020 20:03

Die Bücher vom Fukuyama und Mounk:

Ein hilfloses Unterfangen, weil alle im Grunde wissen, dass es nicht funktioniert. Es traut sich nur niemand zu sagen, weil es nicht wahr sein darf. Man kann nicht gegen die Natur des Menschen anregieren, egal wie ausgetüftelt gesellschaftliche Konzepte sein mögen und wie stark man den Propaganda-Lautsprecher aufdreht. Im Prinzip ist der Westen in einen heillosen "Rassen- und Ethnosozialismus" abgedriftet, welcher genauso zum Scheitern verdammt ist, wie die Überwindung der Klassengesellschaft im Kommunismus. Akademiker und Arbeiter verkehrten privat in unterschiedlichen Milieus, sobald zwangsgemeinschaftliche Veranstaltungen der Partei zu Ende waren. Sowenig es die klassenlose Gesellschaft gab, wird es eine Gesellschaft geben, in der die ethnische oder rassische Abstammung keine Rolle mehr spielt oder gar unsichtbar wird.  Sie wird immer die Basis von Gruppenzugehörigkeit und -loyalität bilden, aus welcher heraus Nationen entstehen. Der Mensch ist im Grunde seiner Natur ein Stammes- und Herdentier. Die hereinströmenden Migranten wissen das. Der westliche Liberalismus und Individualismus hingegen konnte nur auf Basis von Geburtenüberschuss (Nordamerika, Australien), Wissenschaft, Technik, Produktivität und militärischer Unangreifbarkeit (Atomwaffen) gedeihen. Und mit ihm auch jener Selbstüberdruss, in dessen Folge all die links-grünen Bewegungen entstanden.

Gelddrucker

29. November 2020 00:35

@Jan:

 

Das ist ja eine grandiose Zusammenfassung. Das würde ich einfach kopieren und auf allen Kanälen verbreiten.

 

Einen Zusatz hätte ich, und zwar: Die hereinströmenden Migranten wissen das, bewusst oder unbewusst. Die meisten Migranten haben keine Absicht, Europa zu übernehmen, sie kommen aus nachvollziehbaren Gründen. Ganz unbewusst gründen sie dann hier ihre eigenen Gesellschaften, da ihnen ihre innewohnende Ethnozentrik nicht abtrainiert wurde. Sogar Weiße, trotz der jahrzehntelangen Beschallung, handeln so, darum auch "white flight" aus Städten wie London bzw. aus Stadtteilen mit weniger Weißen in Stadtteile mit mehr Weißen.

zephyros

29. November 2020 01:47

Unvermeidlich scheint mir, dass in Zukunft die Metropolen wenn nicht schon islamisiert, so zumindest noch weiter ethnisch tribalisiert sein werden, was 3 Ausgänge haben kann: in ökonomischer Schönwetterlage ein desinteressiertes Nebeneinander; unter Druck ein Bürgerkrieg entlang ethnishcer Bruchlinien, oder eine eigene regionale, von der nationalen völlig abgekoppelte Identität.

So oder so, fast jede westeuropäische Großstadt ist jetzt schon mental, kulturell und demographisch von ihrem jeweiligen Nationalstaat massiv entfremdet. Der Trend läuft ungebrochen weiter, daher wird wohl irgendwann die politische Frage sein: ist die demographische Situation schon so weit fortgeschritten, dass ein traditioneller Nationalstaat überhaupt mit diesen Städten noch gelingen kann? sollen daher die Metropolen nicht besser unabhängige Stadtstaaten werden?

Kann ein (deutscher, französischer etc.) Nationalstaat ohne Sezession überhaupt langfristig gedacht werden?

Gelddrucker

29. November 2020 09:51

@zephyros:

 

Sie können die Städte nicht dem Zerfall überlassen. Sie wissen, dass dort die Flughäfen sind?

Wer hindert die Städte, endlos Migranten einzufliegen und den Multikulturalismus problemlos aufs Land überschwappen zu lassen?

harastos

29. November 2020 11:28

@Franz Bettinger 28.11.2020 7 Uhr 12

Ich - kein "Stamm-Türke" - kenne auch etliche Türken, die 2017 AfD gewählt haben. Darunter sind viele Kleinunternehmer, Mittelständler usw. Das wird völlig unterschätzt. Ich sehe da, ähnlich wie Klonovsky, eine Menge Potenzial für die AfD. 

tearjerker

29. November 2020 13:03

@Geldd: „Wer hindert die Städte, endlos Migranten einzufliegen und den Multikulturalismus problemlos aufs Land überschwappen zu lassen?“

Schon jetzt niemand. Vielleicht das witzigste Detail der diesjährigen Pseudo-Seuche: Während die Freizügigkeit zwischen Staaten und Bundesländern beschränkt wird, trudeln jeden Monat abertausende Fachkräfte und Kulturexporteure ein, für die ganz andere Regeln gelten. Vorwärts und vergessen!

Benno

29. November 2020 13:09

Als Argument pro-Klonovsky  werfe ich jetzt mal das Stichwort Ethnogenese in die Debatte. Vielleicht findet eine solchen gerade statt, und sie müsste nicht von Übel sein (vgl. das Schweizer Volk). Meine Vermutung ist aber, dass  die Eliten kein Interesse an einer Ethnogenese haben. Eine Ansammlung von Minderheiten lässt sich leichter beherrschen. 

DAS Schweizervolk gibt es nur als Staatsvolk, aber nicht als Ethnie. Weshalb es verfehlt ist, im Falle der Schweiz von einer gelungenen Ethnogenese zu sprechen. Corona zeigt einmal mehr, dass es in der Schweiz ein friedliches Nebeneinander der verschiedenen Volksgruppen gibt. Es ist kein Miteinander. Selbst in den zweisprachigen Kantonen gibt es viel mehr positiv getestete französischesprachige als deutschsprachige, woraus man ablesen kann, wieviel Austausch es effektiv zwischen den Gruppen gibt.

Von Ethnogenese kann man meinetwegen bei germanischen Stämmen während der Völkerwanderung sprechen, wenn aus drei gemeinsam ziehenden Stämmen einer wurde. Oder im Fall de Afrikaaner in Südafrika, wo aus Holländern, Deutschen und Franzosen/Hugenotten ein neues Volk entstand.

zephyros

29. November 2020 14:07

@gelddrucker

Es würde sich ja in diesem Szenario um zwei unterschiedliche politische Entitäten handeln. NIcht nur die Städte wären unabhängig, auch der dann um die Metropolen subtrahierte Nationalstaat könnte dann ebenso autonom entscheiden, wer aus den Städten zuwandern kann. Man kann das sanft (Niederlassungsfreiheit etc) oder hart (Grenzen, Einreisebestimmungen etc) regeln. Es entstünden gewissermaßen multikulturelle Kaliningrade.

In den USA gibt es die klare ethnische Trennung zwischen Stadt/Land übrigens schon lange. Die weißen Stamm-Amerikaner dominieren die ruralen und kleinstädtischen Gebiete, die Afroamerikaner bspw. sind nahezu alle in den Metropolen zu finden. Selbst die weißen "Anywheres" separieren sich noch in eigenen Stadtteilen - und werden wohl auch aus diesen flüchten, wenn der demographische Druck weiter erhöht wird (white flight)

Betrachtet man die deutsche Demographie und das kulturelle und ökonomische Potential außerhalb der Metropolen, sieht das Ganze gar nicht mehr so hoffnungslos aus. Die meisten Städte (in ganz Westeuropa) stehen ohnehin irreversibel vor einem schleichenden byzantinischen Schicksal. Warum also nicht gleich das politisch trennen, was schon demographisch und kulturell getrennt ist ?

zephyros

29. November 2020 14:22

@tearjerker

Genau das ist der Punkt. Erklären wir die Metropolen zu autonomen melting pots und den Rest zum ethnisch-deutschen Stammland. Trennen wir das politisch und physisch, um ein Überschwappen zu verhindern und alle wären glücklich. Die Linken haben ihr Utopia, die Rechten ihre Nation. Mehr wäre für die Deutschen ohnehin nicht zu holen angesichts der realen demographischen Dynamik.

Freiburger Stimme

29. November 2020 16:37

(1. Teil)

"Wer sich nicht ohnehin im Nachteil sieht, wird sich kaum die Mühe machen, sich den Geächteten anzuschließen."

Ich bin ein Kind der europäischen Diaspora. Meine Vorfahren (Österreich, Deutsches Reich, Norditalien) sind vor 120 Jahren ausgewandert. Nach meinen Wissen bin ich der einzige Nachfahre von jenen Emigranten, der vor 30 Jahren den Schritt zurück nach Hause, zurück nach Europa gewagt hat. In einer "multiethnischen" (konkreter: multirassischen) Gesellschaft zu leben ist nie ein Teil meiner Lebensplanung gewesen - ganz einfach weil ich aus eigener Erfahrung weiß, daß es auf Dauer nicht gut gehen kann.

Es gibt sie also doch, die Nicht-Hier-Geborenen, die Nicht-Von-Hier-Abstammenden, die "Menschen mit Migrationshintergrund", die sich den Geächteten, sich "der Sache der Deutschen, ohne Wenn und Aber" (Kubitschek) anschließen! Europäer aus anderen Ländern Europas, Diaspora-Europäer und sicherlich den einen oder anderen Nicht-Europäer: Menschen, die Deutschland und das deutsche Volk lieben, es beschützen wollen und sich dafür engagieren, ihr gesellschaftliches Ansehen, ihren Freundeskreis und - in einigen Fällen - ihre Existenz dafür riskierend. Viele von ihnen sind AfD-Mitglieder, einige von ihnen sitzen in den Parlamenten.

Freiburger Stimme

29. November 2020 16:43

(2.Teil meines Kommentars)

Selbstverständlich muß die AfD weiterhin für die Interessen des deutschen Volkes eintreten; ich habe keine Ahnung, was Herr Klonovsky mit seiner "Multiethnisierung" sagen wollte. Meinte er damit, daß die AfD auch die integrierten und (teilweise bereits) assimilierten Griechen, Kroaten, Italiener, Russen, Polen u.dgl. ansprechen sollte? Würde eine solche gesonderte Ansprache ihre vollständige Assimilierung fördern oder - wie ich befürchte - eher verzögern?

Auch aus dem Grund bin ich nie ein großer Freund von Gruppen wie "Rußlanddeutsche in der AfD", "Juden in der AfD" u.dgl. gewesen!

 

Laurenz

29. November 2020 17:57

@Freiburger Stimme

Glaube kaum, daß hier einer Deutsche oder Europäer so eng sieht. Nicht nur Martin Luther wanderte nach Rom, auch viele moralisch weniger gefestigte Kaufleute taten dies regelmäßig. Unsere russischen Freunde streiten sich heute noch, ob sie Waräger oder erfundene Slawen sind. Abgesehen vom tartarischen Einschlag, sind sie mehr oder weniger unseresgleichen. Die Polen sind einer von über 20 ost-germanischen Stämmen, die sich um die Region Warschau kloppten. Und? Fast der gesamte europäische Hochadel ist deutsch. Hat es den Deutschen was gebracht? Nein.

Deutsche sind, und da macht der Hochadel keine Ausnahme, sehr föderal im Charakter. Es geschah in unserer Historie nur selten, daß ein Gefühl des gemeinsamen Deutsch-Seins entstand. Aber, man sollte diesen föderalen, und damit auch egozentrischen Charakter der Deutschen respektieren. Warum sollte solch ein Volk keine Daseinsberechtigung haben.

In der Argumentation sehe ich Reservate als angemessen an. Reservate finden auch die meisten Linken gut.

Gelddrucker

29. November 2020 18:23

@zephyros:

Das Wort "irreversibel" existiert nicht und sollte absolut tabu sein. Ich weiß nicht was ein byzantinisches Schicksal ist, aber statt sich in intellektuellen Vergleichen zu ergehen, sollte man sich überlegen wie man diese Entwicklung wieder umkehrt, auch in den Städten. Dazu muss man sicher langfristig denken. Isolierte Städte können nicht lange existieren. Das Land kann ohne Stadt, aber nicht umgekehrt.

Götz Kubitschek

30. November 2020 07:58

finis. gratias.

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